Sechstes Gespraech

Liebeskuenste und Stellungen

[136] OCTAVIA: Wie köstlich die Liebesfreuden sein werden, die uns diese Nacht erwarten, davon hast du mich durch deine aufregenden Schilderungen bis ins Mark meiner Knochen überzeugt.


TULLIA: Wieviel ich dir auch versprochen haben mag, du wirst das Doppelte der Wonne empfinden, die ich deiner frühreifen Sinnlichkeit in Aussicht stellte!


OCTAVIA: Lampridius wird doch mit Rangoni kommen, und beide werden sich uns gegenüber als wackere Kämpen bewähren?


TULLIA: Ohne Frage werden sie beide mit dir fechten.


OCTAVIA: Um Gotteswillen! Binnen wenigen Stunden würden zwei so schneidige Reiter mein Rösslein zu schänden reiten!


TULLIA: ›Um Gottes willen‹ sage ich zu dir, du kleine Närrin. Du allein wirst sehr gut mit allen beiden fertig werden, und wenn du's durchgemacht hast, wirst du eingestehen, dass im Vergleich mit dir die Heldinnen des goldenen Zeitalters nichts sind.


OCTAVIA: O nein, o nein, liebe Schwester – das werde ich nicht tun! Hältst du mich denn für so geil? Ich sollte mich eine ganze Nacht lang von Wollüsten überströmen lassen, sollte mich mit der Speise von Göttinnen vollstopfen, und du solltest von all diesem Guten nichts erhalten? O nein, o nein – das tue ich nicht!


TULLIA: Mag dem sein, wie ihm wolle – tu es nur! Und du wirst es tun, du wirst es tun. Sie hier:


... in den Werken der Venus zur Siegerin bist du berufen


Sieh hier!


OCTAVIA: Oh! Oh! Du hast dein Pförtlein mit jenem abscheulichen Keuschheitsgitter verschlossen? Was denkst du dir denn? Was würde aus mir werden, wenn du mir nicht einen Teil der Anstrengungen abnähmest? So gut auch deine Absicht gemeint ist, so schlecht wird sie mir bekommen.


TULLIA: Sei nur getrost! Ich bin mit vieren fertig geworden, und du fürchtest dich vor Zweien?


OCTAVIA: Aber diese beiden sind besonders stark und übertreffen alle anderen Männer durch die Unerschöpflichkeit ihrer Liebesbegier. Du versicherst, Lampridius mache auf deiner Poststrasse für gewöhnlich seine zehn Meilen und du erzählst von Rangoni[136] Dinge, die ans Wunderbare grenzen. Für diese beiden Helden würde Cotytto nicht genügen, wenn sie allein wäre.


TULLIA: Lampridius hat mir von Rangoni Heldentaten erzählt, die allerdings selbst Kennern auf diesem Gebiete unglaublich erscheinen. Wie du weisst, sind sie sehr eng befreundet.


OCTAVIA: Was hat er dir erzählt? Ist denn Rangoni selber noch nicht mit dir handgemein gewesen?


TULLIA: Als Lampridius vorgestern wieder in unserer Stadt eintraf, führte er ihn, im Einverständnis mit Callias, als Gast in unser Haus ein. Denke dir, wie gefällig mein Lampridius ist: er selber entflammt in ihm die Liebe zu mir und als Rangoni sich in rasender Begier verzehrt, tröstet sein Freund ihn durch Versprechungen. Er versichert ihm, er werde alles aufbieten, um ihm den ›Genuss des höchsten Glückes‹ – wie er sich ausdrücke – zu verschaffen, und sagt ihm, er möge nur guter Hoffnung sein. Ohne mich um meine Einwilligung zu befragen, verbrieft und besiegelt er ihm den Genuss meiner Liebe!


OCTAVIA: Und du bist darob nicht zornig?


TULLIA: Das kannst du dir selber sagen! Ich war sehr aufgebracht und liess es ihn ganz gehörig fühlen. Jener aber antwortet mir, um meine Aufregung zu besänftigen: Verzeih mir, o Herrin, meine Königin, meine Gattin diese Unbesonnenheit! Ich weiss, es liegt nur an dir, mein Wort halten zu können. Rangoni hat dich gesehen und siecht elend dahin. Ich hatte einst seine Base in Neapel gesehen und glaubte, vor Liebe zu ihr sterben zu müssen; da stellte er sich, um meine Liebe begünstigen zu können, als sei er in Liebe zu ihr entbrannt; er erhielt ein Stelldichein von ihr bewilligt und führte mich in die Schlafkammer des Mädchens; die ganze Nacht hindurch genoss ich der heissbegehrten Liebe, während Laura – so hiess sie – sich Rangonis Umarmungen hinzugeben glaubte. ›Musste ich mich nicht für einen derartigen Liebesdienst dankbar erweisen? Verzeih mir, meine Königin; indem ich glaubte einer Dankesschuld gegen ihn mich zu entledigen, habe ich dich beleidigt, ohne es zu wollen.‹


OCTAVIA: Was antwortetest du darauf?


TULLIA: Die Stimme meines Geliebten erweichte mein hartes Herz. ›Was soll ich denn tun?‹ fragte ich ihn. ›Schämst du dich nicht, mich so schmachvoll zu behandeln – mich, die ich ganz[137] und gar dein bin?‹ – ›Ich weiss wohl,‹ antwortete er, ›ich mute dir einen Fehltritt zu – aber begehe ihn doch, bitte! nur dieses eine und einzige Mal! Lass dich durch Rangonis Liebe und durch die Bitten deines Lampridius bewegen! Fürchte in Zukunft nichts von mir; ich werde niemals etwas von dir verlangen, was dir nicht angenehm ist, was der Ehrbarkeit widerstreitet.‹ Schliesslich willigte ich ein; aber ich fragte: ›Lampridius, kennst du Octavia?‹


OCTAVIA: Aber, höre, diese Frage gibt mir das Recht, auf dich so böse zu sein, wie du auf Lampridius warst!


TULLIA: Sei nur still, Närrchen! Ich eröffnete ihm meinen Plan: nämlich dich in seine Arme zu legen. Ich sagte, dadurch würde ich dich glücklich machen. ›Aber unterdessen,‹ fiel er ein, ›steht meinem Freund Rangoni und mir das Ding, dass wir's nicht mehr aushalten können! Wenn du die Stunde der Wonne bis zur Dunkelheit verschieben willst, so gehen wir beide zu Grunde an dem Anblick deiner Holdgestalt, deren Feuer uns verzehrt. Lass doch ihn und mich nur einmal glücklich sein!‹ – ›Welche Ehre erweisest du deinem Manne,‹ erwiderte ich, ›wenn du mich durch die fleischliche Berührung mit einem Anderen entehrst hast? Du für deine Person magst von deinem Recht Gebrauch machen.‹ Endlich liess ich mich erweichen, doch stellte ich die Bedingung, dass ich dem Herrn Rangonia nur für ein einziges Mal meine Liebes-, Renn- und Stechbahn öffnen, und nachher nichts mehr bewilligen würde. Denn ich wünschte, dass sie beide unerschöpft und mit frischer Kraft deine Furche bearbeiteten.


OCTAVIA: Wie könnten sie wohl mit frischer Kraft aus deinen Umarmungen hervorgehen?


TULLIA: Der Vorfall trug sich in unserem Park zu, den man von keinem Zimmer des Hauses ausser von meinem Schlafgemach aus überblicken kann. Alle Zugänge waren verschlossen und wir waren in vollster Sicherheit. In Erwartung des Bescheides, den sein Freund erhalten würde, ging Rangoni in der Nähe auf und ab, indem er mich fortwährend mit glühenden Augen ansah. Lampridius begab sich zu ihm und sagte: ›Danke meiner Tullia in Ewigkeit für das himmlische Geschenk, das sie dir macht und komm heran: dir winkt die höchste Seligkeit.‹ – Nun bin ich aber von Natur so erschaffen, dass Schamlosigkeit meinem Wesen gänzlich fremd ist. Als er auf mich zu trat, überzog sich daher mein Gesicht mit[138] glühender Röte; er gab mir einen Kuss, warf sich aber dann sofort selber seine Kühnheit vor und bat mich dafür um Verzeihung. Während ich seine Reden anhörte, waren wir in jene künstliche Grotte eingetreten, die in der einen Ecke des Gartens hergestellt worden ist, um in ihr die Kühle geniessen zu können. Lampridius trat mit uns zusammen ein und sagte, zu mir gewandt: ›Vor allem auf eins möchte ich dich aufmerksam machen, o meine Königin – und auch in deinem Interesse, Rangoni, ist es gut, wenn sie es weiss.‹ – ›Was denn?‹ fragte Rangoni. – ›Tullia selber wird es dir gar bald sagen durch ihre Seufzer, ihre Küsse und die wilden Bewegungen ihrer Lenden.‹ – ›Möchte Venus dir den Garaus machen, du süsser Windbeutel!‹ rief ich. Lampridius aber ergriff meine Hand und zog mich aus der Grotte, indem er zu seinem Freunde sagte: ›Entschuldige mich, Rangoni! Ich werde sie dir sofort zurückgeben und zwar so rein, wie sie in diesem Augenblick ist. Du sollst sie nicht aus den Augen verlieren – sie ist ja das Licht deiner und meiner Augen. Nur zwei Wörtchen, und ich bin fertig!‹ Hierauf wandte er sich zu mir und sagte: ›Du weisst noch gar nicht, welch' einen wackeren Reiter du erhalten wirst. Die Römerinnen und Venetianerinnen, die mit ihm zu tun gehabt haben, versichern, kein Mann habe je mit einem so reichlichen Regen die weibliche Furche benetzt wie Rangoni. Hieronymus Mercuriali hat alles, was über ihn berichtet wurde, sorgfältig geprüft und erklärt, die Erscheinung sei nicht nur erstaunlich, sondern geradezu wunderbar.‹


OCTAVIA: Was machte denn unterdessen Rangoni mit seiner Liebeswut, mit seines Herzens Glut und seiner Mentula? Hahaha! Aber ich höre ein Geräusch! Da sind sie schon. Wie ängstlich mir zu Mute ist, wie ich mich schäme!


TULLIA:


Du kommst, o Hymen, o Hymenäus –

O Hymen, Hymenäus, du bis da!


Hier ist Lampridius. Aber warum bist du allein, Lampridius? Was ist denn aus deinem Freunde geworden?


LAMPRIDIUS: Wir haben bei unserem wackeren und freundlichen Bürgermeister Mendoza, zu Abend gespeist. Er hält Rangoni noch zurück, indem er über seine Verhältnisse, seine Eltern und Verwandten viele Fragen an ihn richtet, wobei er mit der auserlesenen[139] Höflichkeit, in der er Meister ist, die ernstesten Angelegenheiten in einem Ton scherzhafter Plauderei zu behandeln weiss. Ich habe mich heimlich entfernt, denn die Liebe, die mich stachelte, hatte sich durch den Gedanken an euch zur Raserei gesteigert. Diese vermag Octavia zu heilen, wenn sie mich annehmen will wie ich bin: voller Kraft und voll Eifers, ihr zu dienen. Aber du schweigst, Octavia?


OCTAVIA: Ach, liebste Tullia, meine Gedanken sind ganz und gar von Scham verwirrt. Mir fehlt jeglicher Mut, ich vermag kein Wort hervorzubringen.


LAMPRIDIUS: Du verweigerst mir sogar einen Kuss? Ach, ich Unglücklicher!


TULLIA: Vorwärts, Octavia – warum weichst du zurück? Kaum wird, wenn auch Rangoni da ist, dies Bett uns vier aufnehmen können: es wird nicht das geringste Plätzchen übrig bleiben, nicht einmal für die Scham? Lass doch diesen Unsinn beiseite, kleines Närrchen!


OCTAVIA: Du bist selber eine Närrin! Wie? Du wirfst die Decken ab, und stellst mich nackt Lampridius' Augen zur Schau?


LAMPRIDIUS: Wie hübsch sie ist! Wie zart sind ihre Glieder!


TULLIA: Ich verlange, Octavia, dass du dich als mein anderes Selbst ansiehst! Rangoni kann es nicht mehr aushalten – tut dir denn der arme Mensch gar nicht leid?


LAMPRIDIUS: Bitte, liebe Tullia, rede doch der Octavia zu, dass sie sich von mir lieben lässt, dass sie mich die Blüte ihrer Schönheit und Jugend pflücken lasse. O dieser Leib! Er ist ja für die Liebe geschaffen.


OCTAVIA: Lass es, lass es! Wenn du mich nicht in Ruhe lässt, fange ich an zu schreien!


TULLIA: Was sind denn das für Verrücktheiten? Bist du denn noch bei Sinnen? Bei der Göttin Pertunda! wenn du Lampridius nicht zum Freunde haben willst, bin ich deine Feindin!


OCTAVIA: Aber dein Lampridius betastet mit unzüchtiger Hand meine Brüste, meinen Busen und alle meine Glieder!


LAMPRIDIUS: Wie reizend klafft dir die Venusmuschel! Wie bequem zum Gebrauch liegt dein Amüsierding! wie weich ist das Vliess, womit es bewachsen ist!


OCTAVIA: Ah! ah! Was machst du denn? Du liegst ja schon[140] ganz auf mir! Was soll ich anfangen, wenn ich derart geschändet bin? Ich bin ja dann eine ehrlose Dirne.


TULLIA: Küsse Octavia, Lampridius! Und du, Octavia, küsse Lampridius. Auch ich werde in dieser Komödie meine kleine Rolle spielen, mit eigener Hand werde ich den männlichen Pfeil in die weibliche Scheibe lenken. Bravo! Er sitzt tief drin! Wie gut passen eure Geschlechtsteile zu einander! Nun aber, schone ihren Schoss nicht, Lampridius!


OCTAVIA: Was willst du denn! Wie du dich an mich pressest! wie du schiebst! wie du stösst! Nimm deine Hand weg, Tullia. Warum kitzelst du mich? O! O! O!


TULLIA: Hebe die Hinterbacken hoch! Hoch mit ihnen, sag ich dir! Hebe sie noch höher! Stosse schnell, kräftig gegen! So ist's gut! so ist's schön!


LAMPRIDIUS: Wenn es dir Wonne ist, Octavia, meinen drin zu haben, so gib mir einen Kuss.


OCTAVIA: Wonne.. ach ja.. Wonne! ... Ich sterbe! Ach! Ach! Bereite ich dir genug Wollust? Dir, der du meine höchste Wollust bist? Soll ich noch heftiger stossen? Ich will alles tun, was ich nur kann.


TULLIA: So tu's doch! Zu Redensarten ist jetzt nicht die Zeit. Wundervoll! Wie beweglich, wie gewandt sind deine Hinterbacken! Unterdessen, mein Lampridius, will ich dir die Eierchen streicheln und kitzeln. Mit leiser Berührung werde ich sie an ihre Pflicht erinnern, da sie den Schaum der Liebe auszuspritzen haben.


LAMPRIDIUS: Wie selig macht ihr beiden mich. Wie gebt ihr meiner Wollust süsse Weide: du, Tullia, mit deinem Nektar; du Octavia, mit deiner Ambrosia! Mir kommts, mir kommts! Jetzt, jetzt, Octavia, hebe die Lenden hoch empor! Feste, feste!


TULLIA: Du wirst ohnmächtig, Octavia? Dir schwinden die Sinne?


OCTAVIA: Ich fühle ... ich fühle ... wie heiss bespritzt mich der Saft! mit welchem Ungestüm fährt er in mich hinein! Küsse mich, küsse mich! Sieh, auch ich fliesse! Die Adern der Venus öffnen sich mir! O, oh! Ich habe ein Gefühl, wie wenn ich Juno wäre, die ihr Jupiter begattet. Die Wonne ist ein Himmelsgeschenk! O, ach! Grund! ... ich kann nicht mehr ... Grund! ... ich kann nicht mehr! ...
[141]

TULLIA: Was faselst du da? was stammelst du da? Ist Lampridius' Anker bei dir auf Grund gestossen?


OCTAVIA: Ich glaubte, er habe ihn berührt. Aber Lampridius erschlafft schon, er entfernt sich, er lichtet den Anker. Lass mich dich doch immer und immer wieder küssen, o mein Lampridius! Ich möchte dich zu Tode küssen, ehe du aus dem Sattel steigst.


TULLIA: Willst du etwa, du wollüstige Taube, ihn zu neuem Kampf anfeuern, obgleich sein Glied jetzt kraftlos und saftlos ist? Das darf nicht sein! Geh jetzt wieder zu Rangoni, lieber Freund; er möchte sonst dich wie uns im Verdacht haben, ein wenig der Ehrbarkeit vergessen zu haben.


LAMPRIDIUS: Ich werde deinen Rat befolgen und mich wieder zu meinem Kameraden begeben. Ich werde ihm sagen, ich hätte einige Augenblicke beim Neffen unseres Bürgermeisters verweilt.


TULLIA: Aber, wie findest du Octavia? Welche Wonne hast du an ihr genossen?


LAMPRIDIUS: Ich habe an ihr nichts gefunden, was nicht auch du, meine Tullia, besässest, und was mir nicht einen Begriff von der wahrsten und höchsten Wollust gebe. Aber hierüber werden wir später noch sprechen! Lebt wohl!


OCTAVIA: ›Wie dankbar muss ich dir sein, o meine Tullia. Jetzt weiss ich, was Venus ist – solche Wonne hat er mir bereitet!‹ Besonders die Länge seines Speeres hat mich höchst angenehm gekitzelt – denn an Dicke kann er's mit meines Caviceus Deichsel bei weitem nicht aufnehmen. Jetzt erst habe ich alle Entzückungen der Venus so recht durchgekostet.


TULLIA: Ich freue mich recht sehr, dass du alles was ich dir von Lampridius erzählte, als wahr befunden hast.


OCTAVIA: Hast du bemerkt, wie munter er aus dem Bett sprang, wie er mich küsste, wie er mir ein paar sanfte Klapse auf die Hinterbacken gab? Wie glücklich bist du, seinen Umarmungen dich hingeben zu können, so oft es dir gefällt! Aber hat nicht auch Rangoni dir unglaubliche Wollust bereitet?


TULLIA: Ich nehme also die unterbrochene Erzählung wieder auf; es kommt mir vor, als habest du Lust das Ende zu hören und auch mir macht es recht viel Vergnügen.


OCTAVIA: Auf diese Weise lässt du mich den besten Teil deiner Freuden mitgeniessen.
[142]

TULLIA: Wie von allen Tieren der Mensch, so hat vor allen Menschen Rangoni die grösste Menge Samen. ›Ich mache dich darauf aufmerksam,‹ sagte Lampridius zu mir, ›damit du deinen Körper die richtige Stellung einnehmen lässt, um keinen Tropfen davon zu verlieren. Mein höchstes Glück ist es, wenn du von der höchsten Wollust überströmt wirst.‹ Mit diesen Worten entfernte er sich.


OCTAVIA: Wie kam es dann weiter?


TULLIA: Rangoni eilte auf mich zu und sagte: ›Nichts wird dich jetzt meinen verliebten Wünschen entreissen!‹ Er ergriff meine Hand und führte mich, halb mit meinen Willen, halb mit Gewalt, zu der Ruhebank, die wie du weisst in der einen Ecke der Grotte steht. Mit der einen Hand griff er mir an den Busen, mit der andern deckte er den Venusberg auf, indem er meine Kleider bis zum Gürtel emporhob. Schnell nestelte auch er dann seinen Hosenlatz auf und entblösste seinen Priapus.


OCTAVIA: Du sahst seine Harpune zum Stoss bereit? War sie gross, steif? des Helden und deiner selbst würdig?


TULLIA: Sie war ungefähr wie die des Lampridius; soviel ich sehen konnte, ist kaum ein Unterschied zwischen ihnen, die Länge mochte etwa elf oder zwölf Zoll betragen. ›Ha, schon fühle ich mich erleichtert!‹ rief er; ›ich bitte euch, schöne Dame, begnadigt meine Liebe mit der eurigen.‹ Unmerklich hatte ich mich inzwischen auf die Ruhebank gleiten lassen, er stürzte auf mich zu und kitzelte mir zunächst mit spielenden Fingerspitzen den Venusberg, dann jene Zwischenstelle, die man wie ich dir gesagt habe, den ›Damm‹ nennt und wo die glühendsten Fackeln der Venus brennen. ›Vorwärts, vorwärts!‹ rief ich, ›lasst doch dies sein! ihr macht euch über mich lustig. Wozu wollt ihr mich noch erst anfeuern!‹ – ›So nehmt denn,‹ sprach er, ›alles hin, was an Liebe in mir ist!‹ ›Und sofort stiess er den Stachel in mein Venusröhrchen.‹ – Sobald ich dies fühlte, rief ich aus: ›Pfui, du Bösewicht, du tust mir ja weh!‹ – Lampridius hörte mich, lief herzu und sagte: ›Nimm die in Acht, Tullia, dass man nicht in der Nebenstrasse, hier hinter dieser Mauer, deine Stimme hört, die ja jeder Mensch hier kennt. Halte deine Zunge im Zaum – lass dagegen deinen Hinterbacken freien Lauf!‹


OCTAVIA: Er sah euch in der Arena der Venus turnieren? konnte[143] er sich denn des Lachens über eure Liebeswut enthalten, zu der ja immer die nackte Venus anstachelt?


TULLIA: Er sah uns, und da er bemerkte, dass mein linker Fuss auf dem Erdboden ruhte, so sagte er: ›Ich will euch beiden meinen persönlichen Beistand leihen!‹ Mit diesen Worten schob er einen Stuhl unter meinen Fuss. Infolgedessen drang Rangonis Glied noch tiefer in meinen Leib hinein. Lampridius aber versetzte mit der flachen Hand Rangoni einen Klaps auf den Hintern und verliess die Grotte.


OCTAVIA: Haha! Muss das komisch ausgesehen haben. Ihr alle beide, Rangoni und du, müsst einen lächerlichen Anblick geboten haben.


TULLIA: Einen Augenblick verhielt mein Reiter sich unbeweglich; dann rief er: ›Umarme mich, meine Königin! Seit drei Monaten habe ich der Venus nicht geopfert! Kein Weib hat in süsser Hingebung den ungeduldigen Drang meiner Wollust beschwichtigt. Aber schwerlich würdest du – du weisst es – jemand finden der deinen Garten mit einem so reichlichen Tau besprengt wie ich!‹


OCTAVIA: Den Sporn hatte er ja eingesetzt; konntet ihr denn nun beide das Rennen zu Ende bringen?


TULLIA: Er begann sich heftiger zu bewegen, und beim sechsten oder siebenten Stoss ergoss sich ein heisser Regen in mich hinein. Dies erregte meiner Kleinen ein so wonniges Jucken, dass ich unwillkürlich selber die feurigsten Stösse zu führen begann.


OCTAVIA: Ohne Zweifel befürchtetest du, Rangoni möchte glauben, wenn du unbeweglich kalt und gefühllos bliebst, du seist von Stein, besonders da Lampridius dich wegen deiner Weisse seine Marmorgöttin nennt.


TULLIA: Sinnlos vor Wollust rief ich aus: ›Ich sehe den Himmel! ich sehe den Himmel offen!‹ Und im selben Augenblick öffneten sich meine Schleussen und mein Saft strömte hervor. Er fühlte, wie ich meine Seele verhauchte und kam in glühender Brunst mit noch schnelleren Stössen meiner Wollust zur Hilfe. Sein Samen mischte sich mit dem meinigen – denn auch Rangoni spritzte. Vier mal ergoss ich mich in vollen Bächen, während mein Reiter unaufhörlich seinen glühenden Saft spritzend, alle Fiebern meines Schosses auf den Gipfelpunkt der Erregung brachte. Endlich nahte dieser Kampf sich seinem Ende. Ich will es dir gestehen, Octavia:[144] niemals ist in einem einzigen Begattungsakt mein Liebesheiligtum mit so viel Wonne überströmt worden.


OCTAVIA: Hat er dich mit Wollust gesättigt? Würdest du, wenn ein neuer Kämpfer sich dir dargeboten hätte, den Kampf verweigert haben? Hat nicht auch Lampridius dich hinterher noch bestiegen.


TULLIA: Ganz gewiss würde noch ein solcher Liebeskampf mir in jenem Augenblick mehr Schmerz als Lust bereitet haben. Mein Leib war bis obenhin von dem Saft angefüllt, den er verschluckt hatte und verlangte nach keiner Liebesfreude mehr, noch hätte er solche gewähren können.


OCTAVIA: Man sagt, jedes Geschöpf sei nach der Begattung traurig.


TULLIA: Auf Rangoni trifft dies nicht zu; durch sein fröhliches Gesicht, durch seine munteren Worte bezeugte er seine innige Freude darüber, dass er mit den Schätzen meiner Schönheit nach freiem Belieben hatte schalten und walten dürfen. Er rief Lampridius herbei; aber dessen Armen entwand ich mich, damit ich nicht, gern oder ungern, gezwungen würde, dem Lampridius zu Liebe noch einmal der Venus ein Opfer zu bringen. Inzwischen, liebe Octavia, habe ich von dem aus Rangonis Schlauch in meine Muschel geflossenen Saft nicht ein Tröpflein wieder herausrinnen gefühlt. Was das zu bedeuten hat, weiss ich nicht; sollte ich aber bei dieser Gelegenheit geschwängert worden sein, so würde mich das untröstlich machen, denn ich liebe meinen Callias.


OCTAVIA: Aber was wollte denn dieses Scharmützel besagen im Vergleich mit deinem Viermännerkampf?


TULLIA: Ich verstehe – du möchtest, dass ich dir von meinem römischen Feldzug erzähle?


OCTAVIA: Allerdings.


TULLIA: Callias war nach Rom gereist wegen eines sehr heiklen Prozesses, den er mit meinem Vetter Ottoboni führte; er verfiel in eine Krankheit, die die Aerzte gleich von Anfang an für sehr langwierig, ja für lebensgefährlich erklärten. Dieser Anlass führte mich nach Rom; und wenn Callias seine volle Gesundheit wieder erlangt hat, so verdankt er dies nur meiner sorgfältigen und liebevollen Pflege. Uebrigens leugnet er dies auch nicht. Sobald er auf dem Wege zur Genesung und alle Gefahr beseitigt war, erfasste mich[145] die Lust, mich etwas zu zerstreuen, nachdem ich drei volle Monate nur in Kummer und Sorgen vergraben gewesen war. In unser Haus kam oft eine unserer nächsten Nachbarinnen, eine noch ziemlich junge Dame aus dem Geschlecht der Orsini. Wir wurden sehr eng befreundet; sie schlief oft mit mir zusammen und war der einzige Trost meines Kummers. Nachdem wir uns eines Nachts über alle möglichen ernsten und heiteren Angelegenheiten unterhalten hatten, kam ich auch darauf zu sprechen, dass ich seit so langer Zeit keine Freude der Liebe mehr gekostest hätte. Sie ging mit einigen Fragen näher auf dieses Thema ein, und ich antwortete ihr: ›Dieses Feuer das ich in meinen Adern wieder aufleben fühle, kann keine Tugend, keine Charakterfestigkeit, keine Schamhaftigkeit wieder löschen!‹ Hierauf sagte mir die Dame, mit jener vornehmen Weltgewandheit, die sie besonders auszeichnete: ›Ihr sollt schon morgen der Gaben unserer Venus geniessen, die ihr so lange habt entbehren müssen; erfreut euch ihrer bis zur Uebersättigung – und ich bin überzeugt, dass ihr davon Gebrauch macht, denn sonst wäret ihr ja sehr töricht. Im übrigen könnt ihr in bezug auf eure Ehre und euren guten Ruf völlig unbesorgt sein. Ich verlange nichts weiter, als dass ihr euch vollkommen meinen Anordnungen überlasset.‹ – ›Gewiss bin ich dazu bereit,‹ antwortete ich; ›denn was hätte ich zu befürchten, da ihr mir bürgt? Ich vertraue mich eurer Führung an und bin bereit jeden eurer Winke zu folgen.‹ Als der Morgen gekommen war, empfahl sie mir, ein leichtes Frühstück einzunehmen, mich aber nicht mit Speisen zu überladen. Mit eigenen Händen wusch sie mir darauf Busen, Brüste, Leib, Schenkel und Lenden mit wohlriechendem Wasser, den Kelch der Venus aber salbte sie mit Myrtenöl. Dann kleidete sie mich in ein ganz weisses, seidenes Gewand, es kam mir vor, als sei ich nicht in ein Kleid, sondern in eine leichte durchsichtige Wolke gehüllt. Hierauf fuhren wir vor die Stadt hinaus nach einer Villa, die von herrlichen Gärten umgeben war. Hier scherzen und spielen frei und heiter Flora und Venus und lachen des Wechsels der Jahreszeiten, denn hier herrscht ein ewiger Frühling. Wir betraten ein prachtvolles Haus und sie führte mich in ein inneres Gemach, das durch verborgenes Licht in beständigem Halbdunkel gehalten wurde – also in einer Beleuchtung, die der Schamhaftigkeit wie der Schamlosigkeit gleichermassen willkommen ist.
[146]

OCTAVIA: Das rechte Heim für die stürmische Begier der Wollust.


TULLIA: Eine alte Frau von bescheidener Miene und bescheidenem Wesen eilte uns entgegen und sagte zur Frau von Orsini gewandt: ›Ich werde dafür sorgen, dass diese Dame, die ihr mir zugeführt und die binnen kurzem sich an Sinnenlust berauschen wird, euch ewig dankbar sein soll.‹ Mit diesen Worten ergriff sie meine Hand; Frau von Orsini entfernte sich, die Tür schloss sich hinter ihr und die alte zog mich trotz meines Sträubens in das Innere des Hauses. ›Zunächst, mein Kind,‹ sagte sie, ›erfahre, was du zu erwarten hast und was dir bevorsteht; du gehörst jetzt nicht mehr dir selber, sondern den vier Athleten, die ich für den Liebeskampf mit dir bereit gehalten habe. Der eine ist ein Franzose, der andere ein Deutscher; der dritte und vierte stammen aus Florenz. Meine Herrin hat nämlich eine Vorliebe für die Florentiner. Sie alle stehen in der vollsten Jugendkraft, sind einander eng befreundet, und sind, was noch mehr besagen will, alle vier von adeliger Herkunft.‹ – ›Nein, nein!‹ rief ich, ›so viele Kämpfer würden mich tot machen; habt Mitleid mit mir, liebes Mütterchen! Einer wird genügen; es sei ein Zweikampf, nicht eine Schlacht; lasset die übrigen sich entfernen!‹ – Die Alte lachte und während ich noch sprach, erschienen plötzlich alle vier im Zimmer. ›Wählet,‹ sprach die Alte, ›wenn Ihr zuerst haben wollt; bestimmt selber für einen jeden seinen Platz im Gefecht; sobald ihr eure Anordnungen getroffen habt, werden sie zu Kampf und Umarmung euch nahen.‹ Ich reichte meine Hand dem Franzosen, einen jungen Mann namens Latour; nach diesem sollten der Reihe nach Aloisio, Konrad und Fabrizio mich besitzen. Aloisio und Fabrizio waren die beiden Florentiner, Konrad war der Deutsche. Die alte Dame blies nun zum Kampfe und rief: ›Ihr jungen Herren, zeigt jetzt diesem hübschen zarten Kinde, wie sinnreiche Liebeskämpen gleich euch den weiblichen Körper der Wollust dienstbar zu machen verstehen! Wer auf dem Schlachtfeld der Venus am Wackersten sich hält, der wird zum Lohn für seine Tapferkeit und als Siegespreis diesen Ring, empfangen.‹ Sie zeigte ihnen einen Ring, worin ein Diamant funkelte – ein Geschenk, das die Frau von Orsini machte, damit sie um so eifriger in den Kampf gingen. ›Und nun vorwärts und macht eure Sache gut!‹ Mit diesen Worten verliess sie das Zimmer.
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OCTAVIA: Und du zittertest nicht, als du dich auf allen Seiten von vier starrenden Lanzen bedroht sahst?


TULLIA: Das wirst du gleich hören. Latour küsste mir die Hand und führte mich unverweilt in die Ecke des Zimmers, die durch einen Vorhang den Blicken entzogen war. Das Ruhebett, das dort stand, erhob sich kaum fusshoch über den Boden und eine Lampe verbreitete ein zitterndes Licht, wie wenn sie von unserer Wollust angesteckt wäre. Von draussen rief Fabrizio: ›Heda, lieber Freund! beeile dich ein bischen mit deinem Geschäftchen, denn wir können es kaum noch aushalten. Wir sind keineswegs neidisch auf dich, dass du die erste Nummer hast – aber beeile dich, bitte!‹ – ›Habt keine Angst, dass ich euch um euren Genuss betrügen werde!‹ versetzte Latour; ›was jemand mit so grosser Wonne tut, das wird er – daran zweifelt nicht! – schnell besorgen!‹ Ich war von tiefster Schamröte übergössen – dies entspricht meiner Natur und ich war ganz ausser mir. Er bat mich, ich möchte mich selber auf das Bett ausstrecken; ich hörte nicht, was er sagte; da legte er mit sanfter Gewalt mich hin. Ich sträubte mich beinahe dagegen! Schon aber hatte er mir mit der einen Hand unter den Rock gegriffen. Die anderen drei hörten mich mit einem ziemlich starken Geräusch auf das Ruhebett fallen und lachten laut auf; ich aber stiess einen Seufzer aus und rief: ›Was widerfährt mir denn? mir, die ich bisher rein und keusch einen makellosen Lebenswandel geführt habe! Was werdet ihr von mir denken?‹ – ›Lasst nur diese törichte Scham bei Seite!‹ antwortete Latour; ›ihr seid nicht die erste, die in unsere Arme geführt wird; viele von den hübschesten und ehrbarsten Frauen haben sich unserer Liebesglut hingegeben, wie auch ihr euch hingeben werdet.‹ Wir haben das Mittel gefunden, das Bordell ehrbar, die Wollust schön zu machen. Niemand wird euch vorwerfen, was niemals ein Mensch erfahren wird; und während wir als wollüstige aber anständige junge Leute euch vornehmen, da werdet ihr selber euch sagen, dass ihr nicht vom Wege der Tugend abgewichen seid. ›Mach doch schnell, Latour!‹ rief wieder Fabrizio; ›du tötest uns mit deinen Umständlichkeiten!‹ – ›Ich gehorche!‹ versetzte er; und im selben Augenblick liess er die Hosen herunter, zog sein Glied hervor und legte sich auf mich. Er stiess seinen Stachel in meine klaffende Muschel mit einem heftigen Stosse tief hinein. Da[148] ich mich aber gar nicht rührte, so rief er: ›Helfet mir doch wenigstens jetzt ein wenig, wo ich beinahe fertig bin!‹ Ich machte ihm zu Gefallen eine wellenförmige Bewegung und fühlte ein paar Augenblicke darauf, wie der geheime Sitz meiner Wollust vom Tau seiner strotzenden Mentula besprengt wurde. Da vergass ich alle Schamhaftigkeit und wohlberechnete Ehrbarkeit; ich wusste nicht mehr wer ich war und auch ich begann zu spritzen. Er aber war schon am Ziele angelangt und kaum hatte ich noch die Zeit, unter ihm fertig zu werden. Konrad eilte herzu, ein ausgezeichneter Mensch, aber ohne feine Manieren. ›Wenn es euch recht ist, o Herrin,‹ rief er, ›so werde ich mich der Worte enthalten und nur Taten reden lassen.‹ Ohne ein Wörtchen hinzuzusetzen, bohrte er seine harte, dicke Stange kräftig in meinen Leib hinein; beim vierten oder fünften Stoss schon überströmt mich sein glühender Saft und erregt in mir ein neues Jucken, das wiederum den Venusbalsam aus meinem Schosse hervorlockt. – ›Warum, Konrad,‹ sagte ich zu ihm, ›habt ihr denn die vorgeschriebne Ordnung abgeändert und Aloisios Platz eingenommen?‹ – ›Wir haben das unter einander so abgemacht,‹ antwortete er; ›die beiden Herren aus Florenz werden beide zusammen kommen, und wahrscheinlich auch zusammen wieder gehen. Sie sagen, wir Deutschen und Franzosen seien Dummköpfe, die in ihrem Eigensinn nicht einsehen wollten, was die wahre Liebeswonne sei.‹ Konrad geht; Aloisio und Fabrizio treten auf. ›Hebt die Schenkel hoch,‹ sagt Aloisio, indem er die Lanze einlegt. Ich tue es; er wirft sich auf meinen Leib und taucht die Lanze in die ewig offene Wunde. Dabei hält er meine beiden Unterschenkel hoch, indem er seine Hände unter die Kniekehlen legt, und bewegt meine Lenden hin und her, ohne dass ich mich im geringsten anzustrengen brauche. Wirklich eine eigentümliche und ergötzliche Art, ein Weib in Bewegung zu setzen! Ich rufe: ›Ich brenne!‹ – aber kaum habe ich dies Wort gesprochen, so löscht bereits eine schäumende Flut von Venussaft die Feuersbrunst. Aloisio steht auf, zu neuem Kampf rüstet sich Fabrizio: hochrot und drohend starrt ihm schwellend das Glied. ›Ich bitte euch, gnädige Frau,‹ sagt er, ›dreht euch herum!‹


OCTAVIA: Ich weiss schon, wies kommt!


TULLIA: Seinem Wunsche gemäss drehe ich mich herum, denn ich wusste schon, dass ichs mir zum Gesetz machen musste, in ihrer[149] Wollust die Befriedigung der meinigen zu suchen. Als er aber meine Hinterbacken sah, neben deren Weisse Elfenbein und Schnee dunkel hätten erscheinen müssen, da rief er: ›Oh, wie seid ihr schön! Aber bitte, richtet euch auf die Kniee auf und neigt den Oberkörper vornüber!‹ Ich senke Kopf und Brust und hebe das Gesäss empor. So standen denn beide Wege offen, die zu den beiden Arten der Liebe führen; der eine rein und keusch, der andere schmutzig und verbrecherisch. – ›Welchen wählst du?‹ fragte Aloisio. – ›Denselben den du gegangen bist‹, antwortete, Fabrizio, ›nachher wollen wir weiter sehen.‹


OCTAVIA: Das war ja eine Drohung!


TULLIA: Er ging also den rechten Weg, wie sichs gehört und ziemt; schnell und feurig stösst er den Speer tief in meine Scheide hinein. Mit seinen Händen packt er meine beiden Brüste. Dann beginnt er sich hin und her zu bewegen und bald strömt ein wonniger Bach in den weichen Schoss der Liebe. Auch ich verspüre wunderbare Wonnen und es fehlt nicht viel, so schwinden vor Wollust mir die Sinne; eine solche Menge Samen aus Fabrizios Lenden überströmt und benetzt mich; eine solche Menge meines eigenen Saftes erschöpft alle meine Kräfte. Diese eine Begattung kostete mich mehr Kräfte als die drei vorhergehenden zusammen genommen. – Dies war also der aus vier Scenen bestehende erste Akt der Komödie.


OCTAVIA: Deine Erzählung, dass Fabrizio diese bestimmte Körperstellung verlangte, hatte mich zu einer irrigen Meinung verführt. Die Florentiner finden ja Vergnügen daran, sich in diesen Spielen der Venus zu ›irren‹. Man sagt sie ergötzen sich mit Knaben und schätzen besonders solche Weiber hoch, die ihnen zu Gefallen sich in Knaben verwandeln und den Liebesdienst von Knaben übernehmen.


TULLIA: Ich selber habe diese Erfahrung gemacht, und kann dir die beste Auskunft darüber geben, was sie in dieser Hinsicht leisten. Um es kurz zu machen – denn es wäre langweilig für dich, wollte ich ganz genau auf jede Einzelheit eingehen. – Latour und Konrad erschienen wieder in meiner Stechbahn und liessen verhängten Zügels ihr Rösslein laufen. Als dann wieder Aloisio an die Reihe kam, erschien plötzlich die Alte. Sie machte Aloisio und Fabrizio darauf aufmerksam, dass sie mir keinen Anlass zu der Klage geben dürften,[150] ich wäre durch eine unflätige Begattung befleckt worden. Gewiss dürften sie die Furche wählen, die sie mit ihrer Pflugschar bearbeiten wollten, den Samen aber dürften sie nur in die richtige streuen. Wenn sie gegen dieses Gebot verstiessen, so hätten sie die Verantwortung dafür und Frau von Orsini würde in grossen Zorn geraten; dieser Tribut der Liebe dürfte nur meiner Kleinen dargebracht worden. Hierauf wandte sie sich zu mir und ermahnte mich ich möchte immer guten Mutes sein, auch wenn ich die Art der Liebesangriffe nicht kennte. ... Die jungen Herren losten hierauf, wer zuerst den Vorzug haben sollte, in meinem bessern Teil stochern zu dürfen. So drückten sie sich aus. Für diese gemeinen, stinkigen Kinäden hat die Frechheit ihrer unlöblichen Wollust mehr Reiz als die Wonne einer wirklichen Heldentat. Ich aber rief: ›Das halte ich nicht aus! Zum mindesten bitte ich um einen Aufschub, wenns auch nur ein kurzer ist.‹ Sie gingen daher den geraden Weg der keuschen Venus. Auf diese Weise wurde acht mal die Begattung vollzogen. Latour war recht nach meinem Geschmack; ich kam daher auf den Gedanken, ihm die Erstlinge des mir noch unbekannten Venusopfers anzubieten und von dem geliebten Jüngling mir auch jenen Körperteil entjungfern zu lassen.


OCTAVIA: Für die Florentiner hat jedes Weib eine doppelte Jungfernschaft!


TULLIA: Latour antwortete mir, damit mache ich ihm nicht ein Geschenk, sondern tue ihm einen Schimpf an; und er überhäufte mich mit Vorwürfen. ›Für was für einen Menschen haltet ihr mich Signora?‹ rief er, ›Gott soll mich bewahren jemals einen solchen Wahnsinn zu begehen, wenn ich auch recht viele tolle Sachen mache! Es ist eine Ruchlosigkeit an so etwas zu denken, eine Schmach, sich zu derartigem herzugeben! Keine Liebesfreude könnte mir Vergnügen machen, wenn ihr sie nicht teiltet. Ich habe nur eine einzige Bitte an euch zu richten, und ich hoffe, ihr schlagt sie mir nicht ab!‹ – ›Verlangt nur, was ihr wollt,‹ antwortete ich; ›was es auch sein mag, ich gewähre es euch.‹ – ›So lasset meine Augen in voller Freiheit am Anblick eurer göttlichen Schönheit sich weiden.‹ Ohne mich länger bitten zu lassen, zog ich selber alle meine Kleider ab, und dies war freilich keine grosse Arbeit, denn ausser Rock und Hemd hatte ich nichts auf dem Leibe; er selber liess mein Hemd auf meine Füsse sinken. Sowie er mich[151] nackt sah, bedeckte er mich mit glühenden Küssen und liess seine Finger über meinen ganzen Körper schweifen. Endlich stiess er seinen strotzenden schweren Schwarte in meine Kleine und sein Leib vermischte sich mit dem meinigen. Nach ihm kam Konrad; auf Konrad folgten wieder Aloisio und Fabrizio. Eine neue Art des Kampfes begann. Als sie mich nackt sahen, hüpften sie vor Freude und klatschten in die Hände. Aloisio legte das Kopfkissen quer über das Ruhebett unter mein Gesäss und sagte dann zu mir: ›Jetzt legt euch auf den Bauch, bietet eure köstlichen Hinterbacken unseren Augen zur Weide und unserer Liebe zur Lust.‹ – ›Was wollt ihr denn von mir; Schonet meiner; Ich habe Angst! Vergesst ihr, dass ich ein Weib und kein Knabe bin?‹ – ›Schweigt doch,‹ rief Fabrizio; ›was von den vornehmssten geistvollsten und schönsten jungen Römerinnen keine einzige uns zu verweigern gewagt hat, das wolltet ihr uns verweigern – ihr, eine so geistvolle und schöne Dame?‹ – ›Aber ich habe Abscheu vor so etwas!‹ versetzte ich; ›ich werde es nicht ertragen können.‹ – ›Ihr werdet es schon aushalten!‹ antwortete Aloisio, ›jüngere denn ihr sind berühmt bei uns wegen ihrer Geschicklichkeit in dieser körperlichen Uebung. Die Entjungferung eurer Vorderseite wird euch teurer zu stehen gekommen sein!‹ Da ich sah, dass mein Reden mir nichts nützte, so fügte ich mich dem Willen dieser Rasenden. Aloisio neigte sich über mein Gesäss, setzte die Stange an das Hinterpförtlein an, stiess, bohrte und sprengte sie schliesslich mit einer kräftigen Anstrengung. Ich stöhnte. Sofort zog er den Speer aus dem Loch heraus, vergrub ihn in meine Kleine und überströmte mir die Furche mit reichlichen Samen. Nachdem er fertig war, ging Fabrizio in der gleichen Weise ans Werk. Mit schnellem Angriff legte er die Lanze ein und stiess sie sofort in den Leib. So steckte er eine Zeitlang abwechselnd sie hinein und zog sie wieder heraus. Mich aber – ich hätte es nicht für möglich gehalten – versetzte ebenfalls das Jucken in eine solche Raserei der Sinne, dass ich bestimmt glaube, ich würde mich an dieser Art von Vergnügen recht gut gewöhnen können, wenn ich wollte. Aber möchte ein solcher Wahnsinn niemals meinen Callias in den Sinn kommen. Uebrigens stellte Fabrizio meine Geduld nicht allzu sehr auf die Probe; er verlangte nicht über Gebühr von mir, ihm zu seiner schimpflichen Lust gefällig zu sein, sondern wandte sich bald wieder meiner Kleinen zu[152] und liess die süssesten Wonnen in die Tiefen meines Leibes strömen. Und so raubte die Ausgelassenheit dieses Taugenichts mir nichts an meinem eigenen Genuss.


OCTAVIA: Aber sage mir, bitte: hat dein Callias niemals ein solches unzüchtiges Ansinnen an dich gestellt?


TULLIA: Ich muss dir gestehen, meine liebe Octavia, er hat's?


OCTAVIA: Und ich, meine liebe Tullia, muss dir von meinem Caviceus ein gleiches Geständnis machen.


TULLIA: Im zweiten Monat nach unserer Hochzeit war eines Nachmittags mein Callias mit mir allein und da verlangte er von mir ich solle mich nackt ausziehen, sollte sogar mein Hemd ablegen. Aber horch!.. horch!


OCTAVIA: Ah! ich merke: unsere Athleten kommen!


TULLIA: Ich höre sie sprechen. Mut! Octavia! Ein köstliches Spiel steht dir jetzt bevor! Mut! Möge deine durstige Kleine Becher von Nektar einschlürfen!


OCTAVIA: Ich zittere vor Angst.


TULLIA: Viel Glück, Rangoni! Hier führe ich dir das hübscheste junge Weib in deine Arme. Nirgends wirst du eine finden, die deiner Liebe würdiger wäre, und bald wirst du – das bin ich sicher – offen eingestehen, dass du vor Wonne trunken bist.


LAMPRIDIUS: Rangoni ist dir dankbar, liebe Octavia; und bald wird er seinen Dank dir noch besser beweisen, indem er dein Rösslein tummelt, wie dieses es verdient.


RANGONI: Ich weiss, dass ich damit auf den höchsten Gipfelpunkt meines Glückes gelangen werde. Ihr aber Octavia, warum bleibt ihr so traurig, so unbeweglich? Wisset ihr denn nicht, dass es eine Nachtfeier der Venus gilt?


OCTAVIA: Schweigt, schweigt! Ich springe aus dem Bett! Ich schreie! Warum wollt ihr mich quälen, ihr Bösewicht? Warum besudelt ihr mich mit diesen ehebrecherischen Küssen, mit diesen verruchten Betastungen?


RANGONI: O! wie bist du schön! O, wie bist du göttlich! Sei doch auch so barmherzig und gut, wie du hübsch bist!


TULLIA: Wo versteckst du dich denn? Du bist unvernünftig, Octavia! Rangoni, verlege ihr doch mit vorgehaltener Hellebarde den Weg zur Flucht. Vorwärts!


LAMPRIDIUS: Was bedeutet denn dieser Streit? Wozu der Lärm?
[153]

OCTAVIA: Habe Erbarmen mit mir, Lampridius!


LAMPRIDIUS: Ei, was denkst du denn? Du willst dich nicht zur höchsten Wonne hergeben, und ich. sollte Erbarmen mit dir haben? Was soll uns hier Erbarmen?


OCTAVIA: Du siehst, wie die beiden mich misshandeln: deine Tullia und dieser sogenannte Freund, den du mitgebracht hast. O weh mir Armen!


TULLIA: 's ist alles in Ordnung. Schüttle nur diese Schwerfälligkeit ab, Octavia, von der du noch besessen bist. Tritt zurück, Lampridius!


LAMPRIDIUS: Warum willst du denn nicht Augen und Seele an diesem wollüstigen Schauspiel weiden?


OCTAVIA: Ach! ach! ach! wie wild du bist, Rangoni! Jetzt ... jetzt will ich alles, was du willst, Rangoni! Ich werde alles tun, was du verlangst. Allen deinen Launen werde ich mich fügen ... allen ... allen! Halte nur einen kurzen Augenblick inne – ich möchte eine etwas bequeme Lage einnehmen, um dir noch mehr Wollust zu bereiten.


TULLIA: In dieser Raserei deiner Sinne hattest du das eine Bein aus dem Bett herausgestreckt!


LAMPRIDIUS: Mach fertig, Rangoni; lass dich durch nichts mehr aufhalten. Mit meinen eigenen Händen werde ich diese Marmorsäule stützen und hochhalten!


OCTAVIA: Lass doch, Taugenichts! Lass doch dies sein! Was kitzelst du mir die Ferse mit deinen Nägeln? O, o! Und du, Rangoni – wie schnell du zu ... stossen ... weisst ... Ach! ... ich sterbe!


TULLIA: Vorwärts, Rangoni, vorwärts! Mach schnell! Ich werde dir deine beiden Eier streicheln, den Quell aller Entzückungen. Siehst du, wie deiner Buhle die Sinne schwinden? Ueberströme schnell, schnell die Sterbende mit deinem Lebensbalsam!


RANGONI: Einen Augenblick! Da! Es flammt mir die Ader der Liebe und beträufelt mit göttlichen Wonnen meine Liebesgöttin.


OCTAVIA: Nur keine Rücksicht! nur keine Schonung! Da! Wie gefiel dir dieser Stoss? Und dieser? und dieser? ... Ach, was fühle ich! Wie es juckt ... wie du mich besprengst ... mit ... heissem ... Tau ... ah! ah! und wie reichlich! ach, ach! ... und ... wie[154] süss! Wie du mir das Leben gibst und wieder nimmst. O, du mein Herr über Leben und Tod.


TULLIA: Und du bist ja trockener als Bimsstein! Sind denn bei dir die Venusquellen verstopft, Octavia?


OCTAVIA: Schweig doch! ... ach, ach! ... sei still! ... Schweig ... Alles ist ... in Ordnung. Hah! ... Hah! ...


TULLIA: Reite noch schneller, Rangoni! Schnell, schnell! Setze noch schärfer den Sporn ein und hilf deiner Geliebten ihrer schon kommenden Wollust Luft machen! So ist's gut! So ist's gut!


OCTAVIA: O! mit diesem Stoss hast du mich beinahe zerdrückt! Und mit diesem wieder! Die Raserei, zu der du mich entflammt hattest, hat sich ein bischen gelegt. Und noch immer strömt dein Wonneschlauch seinen Saft in meine Spalte? Ja ... ich fühl's ... ich fühl's ... Das nimmt also gar kein Ende? O, wie süss weisst du hineinzuspritzen! Du wirst mich ganz voll machen mit diesem heissen Samen. Ich bin kein Weib mehr – ich bin ein Schlund, in den ein Strom von Venussaft hineinbraust!


LAMPRIDIUS: Und mir steht er derweil, dass ich's nicht mehr aushalten kann. Mach, dass du endlich fertig wirst, Rangoni. Das Uebermass von Wonne, das du geniessest, macht mich unglücklich!


OCTAVIA: Was störst du uns, Lampridius? Ich sterbe – ich sterbe wieder. Du tötest mich, Rangoni ... aber wenn du nachlassest, tötest du mich erst recht. So schnell verlässt du mich schon?


TULLIA: So schnell? Du bist wohl wahnsinnig, Octavia! Bei Venus – mit dieser Begattung kann sich höchstens Jupiters Leistung vergleichen, als er Alkmenes Schoss mit Herkules segnete. Sieh doch, wie Lampridius' Glied Funken sprüht! wie steif, wie feurig, wie prächtig es ist! Nimm es in dich auf!


LAMPRIDIUS: Wenn du diesen feurigen steifen in deine feurige Spalte ...


TULLIA: Und dieser schnelle Stoss war der passendste Schluss für deine Rede.


OCTAVIA: Aber du, Lampridius, hilf dabei! hilf dabei!


LAMPRIDIUS: Hilf auch du, Octavia! Und auch du, Tullia!


TULLIA: Was sollen denn wir alle Beide dabei helfen?


LAMPRIDIUS: Während ich Octavias Brüste drücke, soll sie selber mit einer sanften aber schnellen Bewegung die Hinterbacken drehen.[155] Gleichzeitig soll deine Hand, liebe Tullia, meinen Sack und die Hoden kitzeln und mich so auf den Gipfelpunkt der Wollust führen.


TULLIA: Kümmere dich nur um deine eigene Rolle, du kleiner Narr! Wir beiden werden uns mit den unsrigen aufs beste abfinden.


OCTAVIA: Du regst mich fürchterlich auf, Lampridius! Aber das soll dir nicht straflos hingehen! Auf deine Stösse werden noch schärfere Stösse von meiner Seite antworten. Da! Da! Da! Mach' ich's gut?


TULLIA: Du erweisest dich wirklich als ein prächtiger Kämpe, Lampridius. Wie geschickt hast du deinen Dolch bis ans Heft hineingebohrt! Und doch gibst du damit meiner Octavia, die dem Sterben nahe zu sein scheint, nicht den Tod, sondern süssestes Leben! Du siehst aus, als wolltest du die Seele aufgeben, Octavia, während dieser Held der Lieb sich ganz und gar in deinen Leib hineindrängen zu wollen scheint.


OCTAVIA: Lass doch dies störende Geschwätz! Warum willst du meine Aufmerksamkeit von dieser köstlichen Empfindung unermesslicher Wollust ablenken? Aber ... aber ... ach, da schiesst ein Strom lebendigen Feuers in mich hinein!


TULLIA: Ja, von der Fackel, die Lampridius drinnen in deinem Heiligtum schwingt! Inzwischen will ich dir, mein Lampridius, einen Kuss geben!


LAMPRIDIUS: O dieser süsse Kuss! wie mehrt er noch meine köstliche Wonne! Reiche mir die Elfenbeinkugeln deiner Brüste, dass ich sie küsse! Jetzt ... jetzt ... Octavia, Tullia ... da strömen sie ... hin ... die Bäche ... meiner ... Wollust!


OCTAVIA: Ich fühle sie, ich fühle sie, wie sie in mein Becken sich ergiessen! Mehr! O! O! Mehr! Auch mir kommt es! Auch mir!


TULLIA: Auch dir, auch dir fliesst der Strom der Wonne. Helft doch einander! Gut gemacht – beim Gotte Subigus! Gut gemacht! Aber du, Rangoni – woran denkst denn du? Du stehst ja ganz stumm da, und rührst dich nicht!


RANGONI: Sieh her und sag's dir selber!


TULLIA: Du zeigst mir deine Mentula. Wie ist sie plötzlich zum Kampfe bereit angeschwollen! Ich sehe schon, ihr werdet dem armen Kind keinen Augenblick Ruhe lassen.
[156]

RANGONI:


Jeder hat Anspruch auf Ruhe, wie Jeder zur Arbeit.


LAMPRIDIUS: An dir, Rangoni, ist jetzt die Reihe, den leeren Platz auszufüllen – diesen Platz, der kein Marsfeld, sondern ein Venusfeld, obwohl Mars sich gerne darauf tummeln möchte. Wie hat sie mich mit Wonne beseligt.


RANGONI: Du fliehst vor mir, meine Göttin? Du drehst mir den Rücken zu?


OCTAVIA: Ich fliehe nicht. Ich bitte nur um einen kurzen Waffenstillstand.


TULLIA: Errege durch eine andere Stellung aufs neue die sinkende Liebesbegier; denn du bist müde, du bist matt. So muss man die Wollust würzen, auf dass aus der Wollust ohn' Unterlass immer neue Wollust erstehe.


OCTAVIA: Sieh doch nur, wie Rangoni drängt und die Besiegte quält! Das ist nicht schön von ihm.


RANGONI: O, ich werde warten! Was sollen wir denn machen, Tullia? Setze du die Bestimmungen für das Liebestournier fest, dessen Schiedsrichterin neben Venus du bist.


TULLIA: Du siehst, Octavia, wie ich mich auf die Kniee stütze, das Gesäss hoch erhoben, den übrigen Körper herabgebeugt. Lege dich rücklings auf meine Lenden, so dass dein Rücken sich an meinen Rücken, dein Gesäss sich an mein Gesäss anschmiegt. Dann mache deine Schenkel breit, damit mich dein Gewicht nicht zu sehr drückt und du dich recht fest aufstützen kannst.


OCTAVIA: Eine solche Last zu tragen, wird über deine Kräfte gehen, wenn auch noch Rangoni sich auf mich legt. Ich gehorche indessen dem Befehl meiner Königin, damit mich nicht Strafe treffe.


TULLIA: Rangoni wird mich gewiss nicht zerquetschen, davon bin ich überzeugt; er wird sich nicht mit dem ganzen Gewicht seines Körpers auflegen und er wird schon wissen, was mit Geschicklichkeit und Kraft in diesem Fall zu machen ist.


RANGONI: Ich werde euch alle beide so sehr schonen, wie's mir nur möglich ist. O welch eine wollüstige Gruppe! Sofort bohre ich meinen hässlichen Speer in diese göttliche Schönheit hinein. Ich hoffe, du bist damit einverstanden, Octavia.


OCTAVIA: Mach schnell, mein König! Ich fühle tief innen in[157] meinem Leib ein ganz neues kitzelndes Gefühl. Ist es gut so Tullia? O was für tolle Sachen, was für tolle Sachen!


TULLIA: Bewege die Hinterbacken, Octavia, wie ich sie bewege. Mache genau dieselben Bewegungen wie ich! Dass wird dir wie ihm um so grössere Wollust bereiten. Sehr gut, sehr gut so! Wie feurig, wie unartig süss du das Gesäss zu drehen weisst.


RANGONI: Auf und ab, Octavia! Schnell, schnell! Stosse doch! Und auch du, Tullia! Helft mir, helft mir! Lasst durch euch mich sterben! Lasst mich fertig werden! Vorwärts, vorwärts!


TULLIA: Ich fühle euer glühendes, zügelloses Drücken; ich fühle mit, wie das köstliche Nass aus dem Quell in euren Lenden hervorsprudelt. Hilf ihm doch, Octavia, indem du dein Gesäss bewegst. Höre doch, wie er keucht! Auch ich werde ihm helfen.


OCTAVIA: Tullia! Tullia! Rangoni, du machst mich rasend! Ich kann nicht mehr. Ich muss schreien, sonst werde ich wahnsinnig. Ich fühle, wie er seinen Saft in mich hineinträufelt. Ach! ach!


TULLIA: Ein Regen ...


OCTAVIA: Ja, ein Regen, den Danaë, die Tochter des Königs Akrisius, dem goldenen Regen ihres Jupiter vorziehen würde. Ans Werk, Tullia, ans Werk!


TULLIA: Was ich tun kann und muss, das mache ich getreulich.


OCTAVIA: Zweimal bin ich schon fertig geworden, zweimal bist du fertig geworden, Rangoni! Ach! ach! Und da bin ich selber zum drittenmal fertig! Ach! ach! ach!


TULLIA: Dreimal also hast du in barer Münze der Frau Venus den schuldigen Tribut bezahlt.


RANGONI: In der ganzen Stadt sind nicht zwei andere so wollüstige und muntere Weiber, wie ihr Beide! Ich kann mir keine angenehmere Art der Begattung denken, als die soeben von uns probierte – und wollten sich selbst die Grazien nackt mir preisgeben. Ich will des Todes sein, wenn Venus selbst, die Aufspürerin und Erfinderin aller Lüste, jemals eine köstlichere Gruppe erdacht hat, die so wie diese die lieblichste Wonne verschafft!


LAMPRIDIUS: Willst du's auch mit mir einmal probieren, Octavia? Dann rühre dich bitte nicht von der Stelle, Tullia.


TULLIA: Ich bin gerne einverstanden, und Octavia ist es auch. Aber vor Mattigkeit brechen mir die Glieder zusammen, und ich furchte, ehe wir fertig werden ...
[158]

OCTAVIA: Wie ist er hart! Wie hart ist dein Stachel, den du in die zarte Blume der Wonne hineingestossen hast!


TULLIA: Sachte, liebster Lampridius! Du schiebst heftiger, als ich's aushalten kann, da ich, wie du weisst, schon müde bin. Du musst im Nu fertig sein! Mach schnell! Meine Kniee tragen mich nicht mehr, ich falle um!


OCTAVIA: Möge Venus dich strafen, Tullia! Du hast die süsseste Wonne verdorben, oder wenigstens doch gestört. Da nimm, Lampridius, nimm meine Schenkel! Alle Wonnen, über die ich verfüge – ich gebe sie dir preis.


LAMPRIDIUS: Ich möchte mal nur mit der äussersten Lanzenspitze ganz vorne in deinem Loch zwischen den äusseren Schamlippen ein bischen tändeln. Gewähre mir dieses Gelüste, bitte, Octavia!


TULLIA: Sie gewährt es dir! Nicht war, Octavia?


OCTAVIA: Ich gewähre ihm seinen Wunsch – aber er verweigert mir die Erfüllung des meinigen.


TULLIA: Ich werde in meine Linke die Lanze nehmen, mit der du in den Streit ziehst, lieber Lampridius.


LAMPRIDIUS: Ach, süsse Herrin! Indem du deine Finger eng über ihr zusammenschliessest, wird meine Mentula in einem zwiefachen Cunnus zwiefache Wonne finden: einen Cunnus findet sie, Octavia, in jenem, den die Natur dir beschert hat; einen zweiten, Tullia, in jenem, den deine geschickten Finger mir künstlich bereiten.


OCTAVIA: Macht doch! Macht alle beide! Hier geht's famos!


LAMPRIDIUS: Was willst du denn, o Herrin? Sieh, da springt schon der heisse, brennende Venusschaum hervor. Mach! Mach! Mach!


TULLIA: Verschlinge doch, Octavia, diesen glühenden Feuerbrand! Da hast du ihn schon drinnen!


OCTAVIA: Mach doch, Lampridius, mach doch! Ich schwebe in den Himmel der Venus empor. Stoss ... ach! Stoss ... ach! Stoss ... ach!


LAMPRIDIUS: Ich habe noch was übrig – fühlst du's? – um dir deine Jugendblüte zu besprengen. Sieh, hier bringe ich als Priester des Priapus und der Venus dir, dem Opfer meiner Wollust, Nektar dar! Hier ... hier ...!


TULLIA: Bist auch du fertig geworden, Octavia?
[159]

OCTAVIA: Ja. Umarme mich Lampridius! Gib mir einen süssen Kuss!


TULLIA: Ei, was bist du für eine frühreife, wollüstige Buhle!


OCTAVIA: Aber allmählich befällt meine Glieder eine unbegreifliche Mattigkeit die mich mit dumpfer Schlaffheit umhüllt.


RANGONI: Du wirst dich ausruhen, meine süsse Venus, sobald ich mich an den Früchten deiner Wonnen gesättigt habe. So nimm denn, wenn es dir recht ist, von mir eine Begattung an, wie sie sich gehört!


TULLIA: Und du – an den Galgen mit dir, wenn du dir jemals solltest einfallen lassen, sie zu begatten, wie sich's nicht gehört!


RANGONI: Beim Subigus! Mit einem hübschen Weibe, wie Octavia es ist, ist jede Art von Beischlaf gehörig. Man sagt ja, der Leib eines schönen Weibes sei ganz und gar Geschlechtsteil. Aber lassen wir diese Scherze, und beschäftigen wir uns mit ernsten Dingen. Lege dich zurecht, meine Venus, lege dich zurecht!


TULLIA: Wie soll sie sich denn hinlegen, damit du einen recht süssen Genuss hast? ... Halt, da fällt mir etwas ein! Ich werde aufstehen, Octavia bleibt liegen, und ich hebe dann ihren rechten Unterschenkel so hoch ich kann empor, sodass ihr Absatz den Betthimmel berührt. Das Bein streckst du, Octavia, von dir ab, so weit du nur kannst. Auf diese Weise wird dein Eingangspförtlein recht eng und für den Reiter um so angenehmer. Vorwärts – hoch das Bein, Octavia! An's Werk, Rangoni! Steig in den Sattel, drücke die Sporen ein!


OCTAVIA: Kaum gesagt, schon getan! Was für einen gelehrigen Athleten hast du hier auf diesem Ringplatz, Tullia! Aber, Liebste! Du bewegst mein Bein so heftig auf und ab, dass ich's gar nicht aushalten kann. Ich fürchte, wenn du dich nicht in acht nimmst, wirst du mir das Hüftgelenk ausrenken.


RANGONI: Du bist wirklich wunderbar geschickt in diesem Spiel, Tullia. Du brauchst die Lenden gar nicht zu bewegen, Octavia! Tullia allein macht alle notwendigen Bewegungen.


OCTAVIA: Dann habe ich ja fast nichts anderes zu tun, als dass ich mich deiner Liebeswut geduldig hingebe; für den Rest bedanke dich bei Tullia. Aber schon spüre ich in meinem innersten Heiligtum einen glühenden Stoss. O! Ach ... ach!


TULLIA: Aber fühlst du dich denn nicht durch diese beständige[160] Bewegung zum höchsten Entzücken fortgerissen? Ah – ja, dir brechen ja schon die Augen. Es wird dir kommen – es wird dir kommen – ich seh's!


OCTAVIA: Ja, ja! Es kommt auch mir. Ach! ach! Halt' einen Augenblick auf, Rangoni! Es kommt! Ach ... ach!


RANGONI: Niemals hat Venus ein so entzückendes Hürchen gesehen, wie du es bist! Du hast meine ganze Mentula verschluckt; wie stümmerlich und schlaff du sie mir gemacht hast! Als ich dir sie darbot, war sie dick, purpurrot, glühend. Gib sie mir im selben Zustand zurück, du Böse! Die, die du mir wiedergibst, ist nicht die meine; ich erkenne sie nicht an!


TULLIA: Komm Lampridius, und räche du den Schimpf, der deinem Kameraden angetan worden ist! Ich sah dich eben einen Becher gewürzten Weines trinken. Du hast deine Kräfte wieder, und wie ein Wildbach strömt dir der Quell der Venus über seine Ufer.


LAMPRIDIUS: Freilich hab' ich getrunken, und mit dem Wein habe ich wirklich neues Feuer eingeschlürft; das wird bald auch meine Octavia merken!


OCTAVIA: Ich glaube, bei diesem Spiel werdet ihr mich noch durch die Masslosigkeit eurer verliebten Lust ganz tot machen!


TULLIA: Davor brauchst du keine Angst zu haben. Alle Geschlechter lebender Wesen empfangen ja hierdurch ihr Dasein: das Glied, das Leben erzeugt, wird nicht den Tod bringen – darauf kannst du dich verlassen, Octavia. Höre, Rangoni: hebe diese siegreiche Heldin auf und lege sie dir über die Schultern!


RANGONI: Und wenn ich sie auf meine Schultern genommen habe, was wird es dann geben?


TULLIA: Hebe sie nur erst hoch. Du, Octavia, wirst schnell aus dem Bette springen!


OCTAVIA: Aber meine Lenden sind völlig ermattet. Ihr tut, als sei ich ein Elefant und nicht eine junge Frau!


TULLIA: Du bist nicht zart und benimmst dich recht verzärtelt. Tu, was ich dir sage, Rangoni, und packe das Närrchen an! Diese Zurichtung ist zu deinem Besten, Lampridius.


OCTAVIA: Warte noch ein Weilchen, Rangoni. Ich werde mich freiwillig auf deine Schultern legen.


TULLIA: Hier kommt's auf das Tun an, und nicht auf das Reden![161] Sieh doch nur, wie er dem Lampridius steht! Steck das brennende Licht in deine Laterne! So ist's recht! So gehört sich's.


LAMPRIDIUS: Höchst gewandt hast du dich auf deinen Gaul geschwungen, Octavia!


TULLIA: Jetzt Rangoni, klemme ihre Arme ganz fest zwischen deine Arme! Mach die Beine breit, Octavia!


LAMPRIDIUS: Oeffne meine Göttin, meine geliebte Herrin, öffne die Seligkeiten deines Venusgartens!


TULLIA: Oeffne ihn dir nur selber! Stecke den Schlüssel in das Loch!


OCTAVIA: Ich hatte Angst, mir würde irgend was nicht ganz sauberes passieren; ich fürchtete du wolltest mich an einer Stelle anbohren lassen, wo sich's nicht gehört.


RANGONI: Wir wollen uns mit unseren Stössen und Liebesbeweisen nur auf den guten und freundlichen Act beschränken. Aber beeile dich, Lampridius! Tu, was du tust, ordentlich!


LAMPRIDIUS: Ich werde mich zunächst zwischen Octavias Beine schieben; dann hebe du, Tullia, ihr die beiden Schenkel hoch, damit ich den Stachel leichter in die klaffende Wunde bohren kann.


TULLIA: So schnell du befahlst, so schnell hab ich gehorcht!


OCTAVIA: Das wird aber, meiner Treu, für mich eine sehr unbequemen Sache werden; die Haut meiner Kleinen wird bis zum Bersten ausgeweitet werden. Unterdessen aber wird die Stange, die du hineinstösst, Lampridius, nur mit Mühe Unterkunft finden.


LAMPRIDIUS: Dadurch wird für dich wie für mich das Spiel nur um so süsser werden. Nicht auf einem geraden Pfade werde ich zum geheimsten Sitz der Venus gelangen, sondern gleich nach dem Eintritt wird sich der Weg ein bischen krümmen, weil hier auch der Gang, der ins Innere führt, eine Biegung macht.


OCTAVIA: Schon gut, schon gut!


TULLIA: Mit leichten Drehungen werde ich dir, Octavia, die elfenbeinweissen Schenkel bewegen, um dadurch unserm Lampridius zu helfen. Ach, wie er bei seiner Arbeit schwitzt! Aber feurig und schnell sind auch deine Stösse, Lampridius! Du bist im stände, Ross und Reiterin über den Haufen zu werfen. Sei nicht gar so hitzig!


OCTAVIA: Warum hältst du ihn auf, wenn er Eile hat? Hol dich ... ach! ... was hältst du im vollen Lauf an? ... ach ... ach ... hol dich der Kuckuck!
[162]

TULLIA: So schnell schon springt bei dir das Blümelein der Venus; Ich hätte nicht gedacht, dass bei dir der Samenstrang so langsam in Brand geriete. Octavias Kleine, die einen Jupiter zu beseligen würdig wäre, hat wohl alle Kraft deines Steifen behext.


OCTAVIA: Du irrst dich, du irrst dich! Du redest Unsinn. O! o! Er spritzt! Ich sterbe!


LAMPRIDIUS: Und empfange noch diese ... ach! ach! paar Tropfen ... ach! Liebesbalsam, die dich aus deiner Ohnmacht wieder aufwecken werden.


TULLIA: Stoss ihn hinein! Zieh ihn heraus! Kein Tröpflein ist mehr im Schlauch, das meiner Octavia verloren gehen könnte. Saug ihn aus, Octavia, mit deinen Schamlippen! saug ihn aus, den göttlichen Honig!


LAMPRIDIUS: Fertig! Dieser Ritt mit seiner wonnigen Lust hat mich auf wunderbare Weise wieder erfrischt; er hat mich mit Seligkeit erfüllt, aber nicht meine Kräfte erschöpft.


TULLIA: Setze jetzt, Rangoni, deine kostbare Bürde nieder. Nach solchen Kämpfen erlaubt ihr doch, dass die ermüdeten Glieder eurer so anmutigen Freundin durch ein wenig Ruhe sich stärken? Seht doch: sie kann sich kaum auf den Beinen halten. Ihr Bösewichte! dem zarten Kinde zittern die Kniee von euren Lanzenstössen!


OCTAVIA: Ich bitte dich, Rangoni, hilf mir ins Bett hinein! Allein kann ich nicht hinaufsteigen.


TULLIA: Schütze nur keine Müdigkeit vor! Das wird dir nichts nützen. Es ist vereinbart worden, dass jeder von unseren beiden Athleten zehnmal dich besteigen soll, um seine Liebe an dir zu weiden. Vorher kommst du aus ihren Umarmungen nicht frei; höchstens auf einen Waffenstillstand kannst du von Zeit zu Zeit rechnen.


OCTAVIA: Behandelt mich doch menschlicher, o ihr meine Herren! Wenn ihr eine zwanzigmalige Begattung von mir verlangt, werde ich sterben. Behandelt mich menschlicher, o ihr meine Herkulesse!


TULLIA: Magst du wollen oder nicht: heute Nacht wirst du ihn zwanzigmal drin haben!


OCTAVIA: Ungeheuer, was du da sagst, ist ja greulich!


TULLIA: Bis jetzt hast du sieben Gänge gefochten; an der Zehnzahl fehlen dir also noch drei. Dann werden wir beide, du und ich, ins Nebenzimmer gehen, wo ich deinen Leib pflegen und dich[163] erfrischen werde. Diese Waffenruhe wird das Vorspiel zu einem neuen Kampfe sein.


OCTAVIA: Ich möchte dir etwas ins Ohr sagen, Tullia.


TULLIA: Sprich nur, sprich! Aber nicht leise!


OCTAVIA: Ich wäre eine ganz schmlose Person, wenn ich so etwas laut sagte: Neige dein Ohr her zu mir. Es juckt mich fürchterlich – du weisst schon, wo! Es brennt wie Feuer! Was soll ich machen? Ich kann's gar nicht aushalten.


TULLIA: Haha! Hört doch mal, Rangoni und Lampridius: Octavia hat hier eine ganz komische Beschwerde. Sie klagt darüber, ihr hättet ihr mit eurem Reiten weh getan ...


OCTAVIA: Schweig still! Sonst schlag ich dich! Schweig still!


RANGONI: Sie beklagt sich. Bitte sage doch, liebste Tullia; worüber beklagt sie sich denn?


TULLIA: Es brenne ihr wie Feuer ...


OCTAVIA: Was tuschelst du da? Was hast du zu tuscheln?


TULLIA: Ihr bist die abscheulichste Schwätzerin! Ich möchte dich beinahe verabscheuen!


RANGONI: Erinnerst du dich unserer Laura, Lampridius?


LAMPRIDIUS: Gewiss erinnere ich mich ihrer! Und ich erinnere mich auch der Dienste, die du mir erwiesest; denn dir hab ich's zu verdanken, dass mein Stier ihren Acker gepflügt hat.


TULLIA: Diese Laura ist gewiss jene junge Schöne, deren Reize du deinem Freunde verschafft hast? Du hast dem heissblütigen jungen Mädchen einen Streich gespielt! Es war ein Freundschaftsdienst ganz eigner Art!


OCTAVIA: Wenn ich dir einige Wonne bereitet habe, Rangoni – wenn du mich liebst, Lampridius, so erzählt mir bitte den Hergang jenes Abenteuers!


RANGONI: Erzählen muss Lampridius. Ich habe bei der Geschichte nur als Zuführer gedient; eine andere Rolle habe ich in dieser Komödie nicht gespielt.


LAMPRIDIUS: Im Spätherbst war ich in Rom bei Rangoni zu Besuch. Laura, so keusch und jungfräulich sie war, bezauberte mich durch ihre Schelmenaugen. Ich verzehrte mich vor Liebe zu ihr; sie aber war sterblich verliebt in Rangoni. Dieser bemerkte, dass sie ihn liebte und ich sie liebte. Er überredete ihre Amme,[164] ihn mit Einbruch der Nacht in Lauras Schlafzimmer einzulassen. Das Mütterchen wusste um der Leidenschaft des Mädchens und versprach ihr alle Wonne der Liebe, wenn sie tun würde, was sie ihr riete. Laura folgte ihr. Aber anstatt selber zu kommen, liess Rangoni sich durch mich vertreten. Zur verabredeten Stunde war ich vor der Kammertür und die Alte führte mich an der Hand dem Mädchen zu, das schon im Bett lag. Alles war nämlich pechdunkel. Im Zimmer nebenan schlief Rangonis Mutter, deren Schwestertochter Laura war. Die Alte machte uns darauf aufmerksam, dass wir keine langen Gespräche führen dürften, sondern höchstens einige Worte flüstern könnten, um nicht den Verdacht ihrer misstrauischen Herrin zu erregen. Schliesslich flüsterte sie mir ins Ohr, ich hätte es mit einer Jungfrau zu tun und würde langsam stossen, sowie dabei mich leise verhalten müssen, damit nicht das Knarren des Bettes die Tante aufweckte.


TULLIA: Welch einen sachverständigen und pedantischen Bettgenossen hat Laura in jener Nacht gehabt! Ohne Zweifel hast du's ihr mit einem Ernst gemacht, um die ein Cato dich hätte beneiden müssen.


LAMPRIDIUS: Der Witz ist nicht schlecht! Ich fand die Jungfrau nackt, hatte in einem Nu meine Kleider abgestreift und lag an ihrer Seite. ›Du weisst mein Kind,‹ sagte die Alte zu ihr, ›was ich dir empfohlen habe! Du wirst die Liebe deines Rangoni geniessen und ohne einigen Schmerz wird es nicht abgehen, denn seine Liebe betätigt sich mit einem dicken, steifen, wilden Ding. Trotzdem verhalte dich ganz still, wenn du nicht willst, dass ihr alle beide des Todes seid.‹ Gleich darauf packte die Alte meine Mentula, indem sie murmelte: ›Ich selber will den Weg zeigen, der zur höchsten Seligkeit führt. Umarme ihn, Laura!‹ Ich schwinge mich auf Laura hinauf. Die Alte setzte ohne einer Aufforderung zu bedürfen, die Brechstange an. Ich stosse. Die Tür ist erbrochen, und ich dringe drei Zoll tief ein. Die Alte lässt los, nimmt aber meinen Sack in die hohle Hand und kratzt ihn leise mit den Fingerspitzen.


OCTAVIA: Was machte denn aber Laura mit sich selber und mit dir!


LAMPRIDIUS: Mit der anderen Hand fasste die Alte unter ihr Gesäss und hob sie empor; dadurch drang meine Klinge bis ans Heft in den zarten jungfräulichen Leib ein. ›Ach! ach! ach!‹[165] seufzte sie und sofort strömte aus meiner Rinne eine reichliche Flut von Venussaft in ihre Grotte. Eng umschlangen mich ihre Arme, sie verzehrte mich mit glühenden Küssen, da sie sich von mir zur Frau gemacht sah. Und sie girrt mit leisen süssen Seufzern wie eine Turteltaube, wenn sich der Täubrich von ihr gewandt hat. Die Alte aber, geschäftig in unser beider Dienst, drückt mit gefälligen Fingern mir die Mentula aus; kein Tröpfchen ging dem Mädchen verloren.


TULLIA: Gab denn nicht aber auch der Schoss der Schönen seinen Saft zum Werke her?


LAMPRIDIUS: Volle Befriedigung fand bei uns beiden die Raserei der Wollust. Aber während Laura bald den einen bald den andern Schenkel hochwarf, während sie immer wilder hin- und herrutschte und mit erhobenem Gesäss Leib an Leib presste, während sie, aller Ermahnungen vergessend, mit Seufzern, Bewegungen, wollüstigen Worten das Hervorsprudeln des Wonnequells begleitete – da trat plötzlich Rangonis Mutter in unser Zimmer.


TULLIA: Oh! ich habe Angst, ich habe Angst um euch! Die gar zu laute Raserei eurer ohnmächtigen Brunft werden Rangonis Mutter aus dem Schlaf geweckt haben.


RANGONI: Du hast's erfasst! Was für eine schlaue kleine Bettschläferin du doch bist!


LAMPRIDIUS: ›Was für einen Lärm höre ich denn hier, liebe Laura?‹ ruft die Dame. ›Bist du allein?‹ – ›Wir sind ganz allein,‹ antwortete die Alte. – ›Ein Gespenst erschien mir im Schlaf,‹ fügt Laura schnell hinzu; ›ich bin beinahe aus dem Bett gefallen, als ich in meiner Angst die Flucht ergriff.‹ – ›Du bist noch so jung und hast schon solche Fieberträume?‹ antwortete Margaris (so hiess die Dame); ›beruhige dich nur! Diese Schreckgespenster der Träume sind eitel Blendwerk.‹ – ›Ich bin aus dem Bett gesprungen,‹ rief die Alte, ›sobald ich mein Kind stöhnen hörte.‹ Und damit lief sie, fortwährend sprechend, im Zimmer hin und her und macht gewaltigen Lärm. Angstvoll aber presste mich Laura in schüchterner Umschlingung gegen ihren Busen, als wir wieder allein waren. ›Ich bin des Todes,‹ flüsterte sie; ›und vielleicht ist es auch um dein Leben geschehen, teuerster Vetter! Das ist furchtbar. Aber ich werde mit dir zusammen sterben, und da wird der Tod mir leicht werden.‹ Ich aber warf mich auf sie, damit sie fühlen möchte,[166] dass sie nicht stürbe, legte meine Lanze ein und bohrte die strotzende in die heisse Venus hinein. Nachdem so die Vermählung fröhlich vollzogen war, schob mich die Alte trotz meinem Sträuben aus dem Zimmer hin aus.


RANGONI: Laura hat wie du, Octavia, einen üppigen Körper voller Saft und Kraft; ihre schwellenden Brüste aber stehen nicht so weit von einander ab wie bei dir. Wie wenn sie sich liebten, scheinen sie einander zu küssen.


TULLIA: Ohne Zweifel ist ein so nahes Beisammenstehen der Brüste ausgezeichnet für die süsseste Wollust, aber es ist kein unbedingtes Erfordernis vollkommener Schönheit.


OCTAVIA: Wieso ›zur höchsten Wollust‹?


TULLIA: Du wirst das schon noch einmal verstehen. Für jetzt aber merke dir nur dies eine: es fehlen dir noch drei Begattungen zur höchsten Wollust.


RANGONI: Sieh doch nur, wie schon mit meiner Mentula Priapus kampfbereit ihr zuwinkt! Sieh, wie sie mir steht! Aber ich will auf einem neuen Wege ans Werk gehen.


TULLIA: Auf einem neuen Wege? Nein, so wahr mich's juckt! Auf einem neuen Wege wirst du nicht ans Werk gehen!


RANGONI: Ich habe mich versprochen. Ich wollte sagen: in einer neuen Stellung.


TULLIA: In welcher denn nur? Aber da fällt mir gerade die richtige ein: man nennt sie Hektors Ross. Lege dich auf den Rücken, Rangoni, und lass deine hochaufgerichtete blitzeschleudernde Lanze sich dem Feinde entgegenstrecken, den sie durchbohren will. So ist's gut. Aber was stellst du dich so stolz zur Schau, was brüstest du dich, du geiler Schwanz?


OCTAVIA: Er wird mir dafür büssen, der Bösewicht, ja das soll er! Was soll ich denn machen, Tullia?


TULLIA: Steh auf, und nimm von hinten Rangoni zwischen deine Schenkel, sodass die Spitze seines Dolches genau auf deine darüber befindliche Scheide trifft. So ist's gerade die richtige Stellung. Alles in Ordnung!


RANGONI: O dieser Rücken einer Dione! O, diese elfenbeinweissen Schenkel! o, dieser Hintere, welch eine Feuerbrunst entzündet er in mir!


TULLIA: Lass doch solche schlecht angebrachten Redensarten![167] Wer unseren Hintern rühmend preist, unserer Kleinen kein Kompliment erweist. Ich sehe wohl, worauf deine Bemerkung über den Hinteren hinausläuft. Ich hasse solche sündhaften. Lobreden! Aber du, Octavia, du bist vernünftig! Ihre lüsterne Kleine hat deinen Dicken ganz und gar verschluckt, Rangoni.


OCTAVIA: Lass es kommen, Rangoni! Mach, mach doch! Lass, es kom ..., Rangoni, hilf mir doch! Dieser Halm, den du in mein Gewässer hinabgelassen hast, er lockt die süsseste Wonne aus der Tiefe meines Schosses hervor. Mach fertig ... Rangoni!


RANGONI: Ich bin ... fertig ... Octavia! ich bin fer ... tig! Kommt es dir auch? Kommt es dir auch?


OCTAVIA: Ja, es kommt ... kommt ... mir auch ... mir auch ... mir auch! Ach ... ach!


TULLIA: O was für Seufzer! Frau Venus könnte dich um sie beneiden. Aber so schnell seid ihr beide erschlafft? Das ist zu schnell, Octavia! Aber sieh – hier brennt dir noch eine Liebesfackel und du musst sie auslöschen, wenn du von der höchsten Wonne durchströmt werden willst.


LAMPRIDIUS: Wo willst du denn hin, kleine Ausreisserin? Machst du dich über mich lustig? Soll ich denn nicht fertig werden? Da wäre es besser gewesen, du hättest mich überhaupt nicht herangelassen.


OCTAVIA: Ich sage die aufrichtige Wahrheit; ich kann nicht mehr. Dieser letzte Kampf hat mich im Nu erschöpft; meine Kniekehlen hatten eine gar zu grosse Anstrengung auszuhalten.


TULLIA: Unsinn! Das war nur ein Scharmützel, kein richtiger Kampf. Du sahst aus, als wolltest du die Keule des Herkules schwingen, und jetzt, im Augenblick darauf, stellst du. dich, als seist du ganz kraftlos. Das ist Unsinn.


OCTAVIA: Alle meine Sinne sind wie betäubt, sind wie in sich selber begraben. Bin ich denn wirklich am Leben? Du musst dich schämen, Lampridius, was du trotzdem mit mir gemacht hast: mit einem Leichnam hast du dich schmachvoller Weise vergangen!


LAMPRIDIUS: Ich werde dich ins Leben zurückrufen mit diesem Merkurstab, mit diesem glühenden Scepter der Venus, mit diesem goldenen Ast. Sieh ihn an! Fass ihn an! Mit Unsterblichkeit werde ich dich begnaden: durch diese Apotheose der Liebe werde ich dich zum Range einer Göttin erheben!
[168]

OCTAVIA: Aber – aber ... Höre, Lampridius! Da klopft jemand ganz fürchterlich laut an die Haustür. Was hat das zu bedeuten? Möchten die Götter und Göttin, die den Spielen der Liebe Huld und Gunst gewähren, den Schelm verderben – mag er sein wer er will – der unser herrliches Kampfspiel zu stören sich unterfängt!


LAMPRIDIUS: Der Lärm wird immer grösser. Ich werde hingehen. Aber die Tür ist schon geöffnet und mit eiligen Schritten nähert Jemand sich unserem Zimmer. Er ist schon ganz nahe.


TULLIA: Geht hinaus, geht hinaus! Zieht euch in das Zimmer zurück, das ich für euch habe zurechtmachen lassen, damit ihr keinen Anlass zu bösem Gerede gebet.


RANGONI: Haltet aber ja euer Schlafzimmer verschlossen!


OCTAVIA: Leb wohl, mein Rangoni! Leb wohl, mein Lampridius. Ihr beide seid das Licht meines Lebens. So freundschaftlich habt ihr mich getötet! so wonnig habt ihr mich umgebracht! Kein Leben ist so lebenerfüllt wie dieser Tod!


TULLIA: Wir brauchen nichts zu befürchten. Unsere Gatten sind abwesend, und ich habe sorgfältig alle Vorkehrungen getroffen, dass unsere Diener, diese misstrauischen Bestien, von unseren Liebeswonnen keinen Wind bekommen können. Wir sind in voller Sicherheit. Aber du kennst den Charakter unseres Stadtpräfekten: er ists: er ist liebenswürdig, höflich und ein Freund des Vergnügens, der sich über das Gerede der Leute hinwegsetzt. Seine Nächte verbringt er nicht mit Schlafen, sondern beim fröhlichen Lärm der Tafelfreuden und beim Spiel, das er leidenschaftlich liebt, im Kreise junger Leute, die er gern hat, oder an deren Liebe ihm etwas liegt. Wem er liebt oder hoch schätzt, den zieht er als Genossen seiner freien Gespräche, seiner Scherze und Possen heran. Durch diese angenehme Freiheit seines Benehmens hat er sich bei allen Ständen beliebt gemacht, ohne seinem guten Ruf Abbruch zu tun. Bei Venus! Nur der Mensch ist zu leben würdig, der zu leben weiss! Denn ein Leben, das nichts von Venus, Bacchus, von Scherz und Lust wissen will, das ist überhaupt gar kein Leben. Aus dem Wege gehen aber muss man der dummen Scheelsucht gewisser Menschen, die sich allein für weise halten. Sie leben nur sich selber, ihren eigenen dummen, faden Begriff vom Leben:


›Ungerecht gegen die Andern, nachsichtig gegen sich selber.‹
[169]

Fliehen wir vor den Augen dieser Menschen, Octavia, fliehen wir von diesen Herpyien, diesen schmutzigen, scharfklauigen Raubvögeln mit Menschengesichtern! Mit der ernsten Miene von Zensoren begeifern sie alles Schöne und beflecken mit ihren Gemeinheiten auch das Anständigste. Auf den Anstand aber muss man stets Rücksicht nehmen.


OCTAVIA: Was verstehst du denn aber unter einem anständigen Lebenswandel? In diesem Punkte stimmen die Ansichten durchaus nicht überein.


TULLIA: Das Wesen des Anstandes ist: als anständig dazustehen. Die Menschen kümmern sich nur um das, was sinnfällig ist. Umgib dich mit dem Schein des Anstandes. Wer durch diesen sich sorgsam zu decken weiss, der gilt allgemein als anständig. Gib dich allen Wollüsten hin, aber unter dem Schein der Ehrbarkeit, und du wirst trotz alledem eine ehrbare Frau sein. Lässest du aber den Vorhang nur um eines Nagels Breite zur Seite schieben und sieht man, dass du von der strengen Sitte der Dummköpfe abweichst, die für die einzigen Weisen gelten wollen, so werden sie dich mit ihren Schmähungen verfolgen, sie werden dich als eine Gefallene verschreien und mit hinterlistiger Heuchelei sich den Anschein geben, als beklagten sie dein Schicksal – die boshaften, erbarmungslosen Menschen. Sie selber wissen sich zu verbergen, sie gehen nur in Masken umher, und sie verwenden die grösste Sorgfalt darauf, dass sie stets in ihrer Verborgenheit bleiben. Darum ist es gut, wenn auch wir uns verbergen. Die ganze Welt spielt Komödie. Im Theater loben oder tadeln wir, solange gespielt wird, jedes Wort und jede Handlung, die von den Schauspielern auf offener Bühne uns vorgeführt werden. Aber von dem, was nach dem Fallen des Vorhangs hinter der Scene gesagt oder getan wird, davon ist niemals die Rede. Im alltäglichen Leben unterliegt dem Urteil der Welt alles, was vor aller Augen vor sich geht, nicht aber das, was unter dem Deckmantel der Heimlichkeit betrieben wird. O! wenn wir nur mal unsere grossen Herren und jene stolzen Leute, die sich so demütig und so sittenstreng stellen – wenn wir sie nur mal unbehindert in ihrem eigenen Wesen sehen dürften, wie sie sich den Leidenschaften hingeben, die die Natur ihnen in die Seele gepflanzt hat! Wenn wir sie nur einmal sähen! ... Aber da kommt Lampridius zurück.
[170]

LAMPRIDIUS: Es waren ein paar schöngelockte Pagen da und sagten uns, der Herr Stadtpräfekt habe uns etwas wichtiges mitzuteilen. Er bittet uns, wir möchten zu ihm kommen, wenn wir keine Abhaltung hätten.


RANGONI: Was ist da zu tun, Tullia? Was rätst du uns, Octavia?


TULLIA: Tut, was der Anstand verlangt.


RANGONI: Aber wäre es wirklich anständig, sich von seinen Geliebten zu trennen, wenn es so anmutige, so reizende, so geistreiche Geschöpfe sind?


OCTAVIA: Es wird mir sehr schwer, mich zu trennen.


TULLIA: Aber ihr müsst dem Befehl gehorchen! Denn von Seiten so hochgestellter grosser Herren ist ein Wunsch Befehl, ist eine Bitte ein Auftrag. Ihr müsst gehen. Gib mir einen Kuss, Lampridius.


OCTAVIA: Mit euch scheiden alle meine Wonnen. Gib mir einen Kuss, Rangoni. O, du bist mein halbes Leben!


LAMPRIDIUS: Dieser süsse Kuss, den ich mitnehme, muss mir deine Gegenwart ersetzen. Aber gewähre mir noch einmal den vollen Genuss, Octavia.


OCTAVIA: Nein, ich tu's nicht.


RANGONI: Auch nicht mit mir?


TULLIA: Mit dir so wenig wie mit ihm. Denkt jetzt an das, was die Umstände erheischen, und nicht an die Liebe, ihr Spassvögel und raffinierten Liebeskünstler!


LAMPRIDIUS: So soll mich Juno, die Schützerin des Ehebetts, mit scheelem Blick ansehen, wenn ich nicht lieber aus dem Leben scheiden als mich aus euren Armen reissen wollte!


RANGONI: Und ich wollte lieber diese eine Nacht mit euch verbringen, ihr meine Liebesgöttinnen, als alle meine Lebenstage mit Jupiter, dem Schützer der Fürsten!


TULLIA: Fort sind sie! Ach, trau jemand auf Menschenglück und hege grosse Hoffnungen in seiner Seele! In brennender Unruhe erwartete meine arme Octavia zwanzig Besamungen, vielleicht eine mehr, vielleicht eine weniger; und kaum hat sie's bis zur achten gebracht! Ja, da baue nur auf Menschenpläne!


OCTAVIA: Meine Lenden wären einer solchen Anstrengung nicht gewachsen gewesen. Vielleicht hätte ich munter und gesund es[171] zehnmal ausgehalten, aber darüber hinaus nicht. Wonne, die gegen die Wonne abstumpft, ist keine Wonne mehr.


TULLIA: Und doch hast du, so zart und feingebaut du bist, den Ansturm der in deine Festung eingedrungenen Rangoni und Lampridius abgeschlagen, hast ihre Kräfte erschöpft, ihre Säfte ihnen ausgesogen.


OCTAVIA: Diese Aufregungen haben mir aber ganz und gar die Müdigkeit verjagt. Selbst wenn ich mir die grösste Mühe gäbe, würde ich nicht einschlafen können. Da müssen wir eben ein bischen plaudern!


TULLIA: Du möchtest bis zum Morgen der Gaben der Venus geniessen – denn zu diesen Gaben muss auch ein freies und wollüstiges Geplauder gerechnet werden. Aber da seh ich einen Zettel auf dem Fussboden liegen – den hat Lampridius oder Rangoni fallen lassen. Wir wollen doch mal sehen, was darin geschrieben steht.


OCTAVIA: Einverstanden! Gib ihn mir zu lesen.


TULLIA: Da! Lies ihn mir vor!


OCTAVIA: Es ist ein kunstvoll und flüchtig geschriebener Brief. Dass er von der Hand eines jungen Mädchens ist, sieht man auf den ersten Blick:


LAURA AN RANGONI, DEN

HEISSGELIEBTEN


›Heil dir!‹ wage ich dir nicht zuzurufen, denn ich Unglückliche erwarte kein Heil von dir, und du machst dir nichts daraus, mir Heil zu bringen. Was hat denn mein böses Geschick in seiner Wut verfügt, dass du nicht zu der Stunde kamst, die du meiner rasenden Leidenschaft bewilligt hattest? Inzwischen lebe ich nicht und kann auch nicht sterben. Ich lebe für dich, mein Lebenslicht, und ich würde willig für dich sterben, denn ich bin dein. Die eine Möglichkeit ist eine süsse schmeichelnde Hoffnung für meine kranke Seele; der Gedanke an die andere hält mich einzig und allein vom Strick zurück, zu dem ich, in meiner Sehnsucht nach dir, sonst greifen würde. So stehe ich auf der Grenze zwischen Leben und Tod. Wenn du kommst, kehre ich zum Leben zurück; wenn du dieses Glück mir weigerst, eile ich in den Tod: der Weg dahin ist nicht lang. All mein Frohsinn ist entschwunden – ja ich selber bin mir entschwunden, wenn du fern von mir weilst. Unruhige heisse Begierden, zitternde Aengste, bange Sorgen umschliessen mich Arme[172] wie ein Festungswall und stürmen von allen Seiten auf mich ein. Wohin ich mich auch wende – überall steigen Qualen vor mir auf, wenn du mir nicht zu Hilfe kommst und mich so vielen Leiden und meiner eigenen Liebeswut entreissest. Wenn ich fühle, dass du mich verschmähst, dann seh ich das als mein Todesurteil an; denn an dem Tage als ich von der Liebe zu dir bis zum Wahnsinn entflammt wurde, da begann schon mein Sterben. Komme schnell, wenn du willst, dass ich meine Vernunft wieder erlange. Leb wohl!


TULLIA: Wahrhaftig, diese Laura, die so gewandt schreibt, hat Witz und Verstand. Wer sie liebt, wird glaube ich alle Seligkeiten der Liebe finden, so geistreich ist sie.


OCTAVIA: Hat sie denn auch Rangoni in ihre Arme geschlossen? Ich glaubte, sie habe nur seines Freundes Lampridius Lendenkraft genossen?


TULLIA: Das Feuer der Liebe brannte dem jungen Mädchen bis ins Mark. Eine juckende Glut erhitzte jenen Ort, die die bis dahin ihr unbekannte Frau Venus dem Dienst der Wollust geweiht hatte. Die ganze Nacht hindurch wälzte sie in ohnmächtigem Liebesdrang ihre zarten Glieder auf dem Bette hin und her. Sie schrie: ›Ich verbrenne!‹ Die Amme glaubte, sie habe den Verstand verloren. Und da sagte sie zu ihr: ›Kind, ich werde deine Krankheit heilen! Aber lass diese unsinnigen Bewegungen. Sei guten Mutes. Er, der dich in diese Raserei versetzt hat, wird auch die Wunde deiner Seele heilen. Aber lass ab von diesen Ausbrüchen deiner Leidenschaft; sie schaden dir und sind geradezu mein Tod.‹ Gleich am andern Morgen läuft die Alte spornstreichs zu Rangoni und erzählt ihm, wie die Sache stehe; sie bittet ihn, das liebende Mädchen zu trösten, ihre Schönheit zu retten, die würdig sei, dass Jupiter selbst als Freier sich ihr nahe. Rangonis Mutter war bei Tagesanbruch schon nach ihrer Villa hinausgefahren, die zwei Meilen vor der Stadt lag. Was konnte der Jüngling machen? Er liess sich rühren, er folgte der Alten, wohin sie ihn führte. Da findet er das Mädchen auf ihrem Bette sitzend mit aufgelösten Haaren wie eine Mänade, aus ihrer zarten Brust tiefe Seufzer ausstossend, mit dicken Tränentropfen die Sonne ihrer Augen verdunkelnd, vor denen die Sonne am Himmel sonst hätte erbleichen mögen. Sobald sie ihn eintreten sah, sprang sie auf, halbnackt wie sie war, und rief, indem sie ihm um den Hals fiel: ›So bist du denn zu mir ge kommen![173] zu mir, du Zauberer, um mir den Sinn zu betören, du mir, die bis jetzt von keinem Makel etwas wusste. Mach mich wieder keusch – du kannst es nicht! So gieb dich denn ganz mir zu eigen und bleib mir treu – das kannst du!‹ Dabei strömten wie Bäche ihr die Tränen aus den Augen. ›Hinter keinen von den adeligen Jungfrauen dieser Stadt, die in Ehre und Ansehen stehen, stand ich zurück!‹ so fuhr sie fort. ›Ich strahlte im Ruhme der Ehrbarkeit. Nur dir zu Gefallen habe ich dieses Vorzuges mich begeben. Zu schanden ward mein ganzer guter Ruf in demselben Augenbick, wo ich in wahnsinniger Liebe zu dir entbrannte. Habe Mitleid mit mir! Wenn du es kannst, so mache, dass ich wieder ich selber werde; aber ich kenne mich selbst zu gut. Das wirst du gewiss nicht können. Oder so mache, dass du mein seist und zwar von ganzen Herzen; das wirst du können. Aber ich kenne auch dich zu gut: du wirst es nicht wollen; denn für eine Venus hälst du deine Umarmungen zurück, die einer Venus allein würdig sind.‹ Nun, kurz und gut: Rangoni hielt es nicht länger aus, sich mit solchen Vorwürfen überhäufen zu lassen. Sie schlossen Frieden miteinander. Die Göttin der Liebe winkte huldvoll Gewähren, und zu ihrer beider höchsten Wollust wurde der Venus das süsse Opfer dargebracht.


OCTAVIA: Und die geile Brunft der lüsternen Laura wurde wie die deinige gestillt – in dem anständigen Freudenhaus, der Villa der Dame Orsini –?


TULLIA: Du verdrehst boshafterweise den Sinn eines unanständigen Wortes. Du redest Unsinn, Kind! Pass auf: Freudenmädchen und Buhldirnen sind jene Weibsbilder, die nicht um der Liebesfreude willen, sondern um Geld sich hingeben oder wenigstens allgemein im Rufe stehen, dies zu tun; das sind missduftende Geschöpfe, die aus dem erbärmlichsten hungrigen Pöbel hervorgehen. Wohin diese Elenden auch gehen mögen, überall schleppen sie den Schmutz des Bordells mit sich. Sie sind ein Schimpf und eine Schande für sich selber. Auf uns aber, Damen von so hohem Range, darf diese ehrenrührige Bezeichnung nicht angewandt werden. Wir müssen nach Rang und Stand beurteilt werden, wenn man gerecht urteilen will. Die Worte Freudenmädchen und Freudenhaus brandmarken die niedrige Stellung, nicht die sittliche Verfehlung.


OCTAVIA: Eine schöne Beweisführung! Aber du hattest – glaube[174] ich – schon zwölf Wurfspiesse mit deinem Schilde aufgefangen, als Rangoni dich in der Schilderung deiner Ausgelassenheiten unterbrach, um solche mit mir zu treiben. Er hat den Faden deiner Erzählung zerrissen; ich möchte, dass du sie zu Ende brächtest.


TULLIA: Dazu bin ich gern bereit.


OCTAVIA: Möge Frau Venus dem Aloisios und Fabrizios alles Böse antun – diesen argen Taugenichtsen, die sich gegen die ehrbare und natürliche Befriedigung der Wollust auflehnen.


TULLIA: Es gibt aber doch geistreiche Leute, die behaupten, dass dabei eigentlich nichts tadelnswertes sei: die hintere Grotte eines Weibes sei ein Körperteil so gut wie die Hände. Es sei, ihrer sich zu bedienen, nichts schlimmeres, als wenn eine Ehefrau die Mentula ihres Gatten in die Hand nehme; nur dann werde es Sünde, wenn der Samenregen nicht den weiblichen Garten überströme. Mag das sich nun verhalten, wie es will, liebe Octavia – die Sache erscheint mir, wenn nicht gar höchst schändlich, so doch jedenfalls lächerlich.


OCTAVIA: Und mir erscheint sie lächerlich und ekelhaft. Was kann es für ein Vergnügen sein, in der Raserei der Sinneslust sich ein anderes Geschlecht vorzutäuschen; Welchem Menschen, der der Menschheit die ihr gebührende Ehre erwiesen wissen will, wäre nicht diese Gemeinheit ein Greuel? Ein Mann, der auf diese abscheuliche Weise ein Weib missbraucht, entweiht wahrhaftig die Würde eines schönen Menschenleibes. Ich begreife nicht, wie ein derartiger Wahnsinn unsere Landsleute hat befallen können!


TULLIA: Die Astrologen, die die Sprache der Himmelskörper verdolmetschen, behaupten; die Ursache sei eine feindliche Konstellation, die den Menschen jenseits der Alpen nicht in gleichem Masse mit ihrem Pesthauch gefährlich werde. Die Italiener und die Spanier finden ein ganz besonderes Gefallen daran, Knaben und Mädchen zu solchem Zweck zu brauchen. Wenn sie diesen Dienst von uns verlangen, so bezeichnen sie ihn als ›Extra‹; wird er ihnen von Knaben erwiesen, so ist er in ihren Augen nur etwas, was sie erwarten können. Bei den oskischen Völkerschaften galt es für eine Belustigung, die nichts entehrendes an sich hatte. Du weisst doch, auf welcher geistigen Höhe die Griechen standen? Nun, sie verehrten die Venus Kallipygos, will sagen die Venus mit dem schönen Popo, und sie erkannten den Preis der höchsten Weibesschönheit[175] den kallipygischen Schwestern zu. Diese Ehre galt nicht ihren Glutaugen, nicht der Anmut ihrer Gesichtszüge, sondern ihren schönen Hintern. Und gewiss, wem schöne Schenkel nicht zuwider sind, der kann auch gegen einen schönen Popo nichts einzuwenden haben. Denn du wirst nicht leugnen, dass er als Grundlage der Schenkel deren wichtigster Teil ist.


OCTAVIA: Freilich ist er angenehm zu sehen, wonnig zu befühlen; Auge und Hand finden ihr Entzücken an ihm. Aber wer ausser den genannten noch andere Genüsse von ihm verlangt, den betrachte ich als einen abscheulichen Schandmenschen, der die liebe Gottesluft verpestet.


TULLIA: Schön gesagt! Ich sehe aber eigentlich nicht ein, was man Jemandem vorwerfen kann, der sich gegen einen markierten Feind im Gebrauch einer Waffe übt, die er bald darauf gegen den wirklichen Feind in Anwendung bringen wird.


OCTAVIA: Du behandelst eine Schmach vom scherzhaften Standpunkt, weil du sie selber über dich hast ergehen lassen!


TULLIA: Und du? Willst du etwa in Abrede stellen, was dir mit Caviceus passiert ist? Die Schamröte, die dein Gesicht überzieht, spricht gegen dich. Seh mir einer diese Unverschämtheit! Was beleidigst du mich, du kleine Schwerenöterin?


OCTAVIA: Ich muss gestehen, ein oder zweimal hat Caviceus den Versuch gemacht, ob er könnte. Aber er konnte nicht. Seitdem hat er sich dieser Versuche von hinten beständig enthalten. Eines Nachmittags verlangte er von mir, ich sollte mich nackt mit ihm zu Bett legen. Küsse, Koseworte, Streicheln erregten in ihm eine neue Begier. Leise tätschelte er meinen Popo und sagte zu mir: ›Stütze dich auf die Knie auf, Octavia, und strecke deinen marmorweissen Popo in die Höhe! Sei meiner Liebe gnädig, die du zur Raserei entfachst! Stelle mir beide Wege zur Verfügung, den rechten und den hinteren, und erlaube, dass meine Liebesglut jenen Weg einschlägt, für den sie sich entscheiden wird; verlass dich darauf, du wirst dabei nichts verlieren. Das innerste Heiligtum der Venus werde ich mit dem Tau besprengen, der ihm zukommt, mit einer vollkommenen und unverfälschten Begattung werde ich dich beglücken. Ich beginne das Werk im Nachbarloch, aber ich vollende es am gewohnten Ort. So werden wir beide, du wie ich Befriedigung finden. Ich gehorche und eine gegabelte Strasse bietet sich[176] ihm dar, deren beide Aeste zur Venus führen: der eine ist die breite Heerstrasse, der andere ein abschüssiger von Dornen eingefasster Fusspfad.‹ Indessen setzte er an diesen den Rammbock an. Doch es nützte ihm nichts. Wir beide keuchten und er stiess so heftig, dass ihm der Schweiss ausbrach. Da sagte ich zu ihm! ›Du wirst deinen Wunsch nicht erreichen. Denkst du, du könntest in eine Oeffnung, die nicht einmal einer Federpose Einlass bietet, einen grossen dicken Balken hineinstossen? Willst du mich denn spalten? Willst du mich zersprengen? Soll aus meinen zwei Löchern eines werden?‹ – ›Du hast Recht, Octavia,‹ erwiderte er, ›ich bin wahnsinnig.‹ Und im selben Augenblick liess er das Hähnchen weiter unten in das Nest schlüpfen, dass seiner Begier einen bequemeren Eingang bot. Einige Tage darauf wiederholte er seinen Versuch, aber mit demselben Misserfolg. Wieder liess er von seinem Beginnen ab und machte mir's auf die Art, von der wir beide Genuss hatten.


TULLIA: Genau dasselbe, was du hier eben erzählt hast, ist auch mir mit Callias passiert. Nur machte ich noch viele Worte, um ihm die Schwierigkeit des Weges noch grösser erscheinen zu lassen. ›Als Weib bin ich dir vermählt worden,‹ sagte ich ihm; ›ein Weib suchtest du in meinen Umarmungen. Kinder und Liebeswonne hofftest du durch mich zu erhalten; aber Kinder und Genuss kann ich nur in meiner Eigenschaft als Weib dir geben; und dabei verletzest du weder meine Ehrbarkeit, noch trittst du meiner Schamhaftigkeit zu nahe. Wenn du Kinder willst, so schaffe sie, als geschickter Arbeiter, der du bist, in dieser Fabrik, aus deren Werkstatt das Menschengeschlecht hervorgeht. Willst du Genuss – hier sprudelt der Quell aller Freuden, die die wollüstige Venus mit ihren Lockungen und Scherzen würzt. An diese Quelle tritt heran. Der Weg dahin ist nicht zu steil, nicht zu steinig; auch ist er nicht breiter, als der Wanderer ihn braucht, dessen Ziel das Heiligtum der Liebe ist. Er ist eher ein Fusssteig als eine Strasse zu nennen. Dorthin sporne dein Rösslein! Es wird, bei Venus! lustig dahintraben und nicht wie jetzt mit einer unsinnigen Arbeit sich abquälen. Es sucht seine Last irgendwo abzusetzen; gewiss würde es seinen Weg ganz alleine finden, wenn es allein ihn suchen dürfte, wenn du ihm die Zügel schiessen liessest!‹ Callias lachte und sagte: ›Nun, dann lass ich sie ihm schiessen; mag das Rösslein nach Belieben traben, denn die Mentula ist in der Tat das eigensinnigste[177] Ding, das man sich denken kann.‹ Sofort eilte das Rösslein in den Stall, den es offen vor sich sah, und befreite sich hier zu unserer beider Genuss von seiner Last. Nachdem dieser Drang einer wilden und blinden Wollust einmal besänftigt war, hat Callias niemals wieder etwas versucht, was mir unangenehm hätte erscheinen können, oder dessen wir beide uns hätten schämen müssen.


OCTAVIA: Da wir nun mal über diese Schändlichkeiten sprechen, so bitte ich dich, liebste Tullia, sage mir, was du im Grunde deines Herzens davon hältst; erzähle mir die ganze Geschichte: wie sie entstanden ist, wie die wollüstigen Menschen sie aufgenommen haben, wie sie stärker wurde, und endlich, wie es kommt, dass dieser Brauch bei einigen Völkern im Schwange ist, vielen anderen dagegen unbekannt blieb. Ich denke mir, dieses Schwefelfeuer muss aus den stygischen Höhlen ausgespieen sein, denn es verpestet auch die reinen Flammen keuscher Liebe, sobald es mit ihnen sich mischt.


TULLIA: Du urteilst ganz richtig. Die Sache verhält sich folgendermassen: alle Menschen ohne jeden Unterschied,


... soweit die beiden Himmelslichter wandeln,


sind von den gleichen Leidenschaften beseelt, ihre Glieder bestehen alle aus dem gleichen Stoff. Sie sind alle in gleichem Masse dem Genuss ergeben. Genuss aber nennen sie jene brennende heftige Begier, nicht etwa die höchsten Wonnen dem Leibe und den Sinnen eines anderen zu verschaffen, sondern sie vielmehr durch den Leib eines andern sich selber zu bereiten. Sie lieben bis zur Raserei, bis zur Erschlaffung jene Körperteile eines anderen, durch deren Mitwirkung bei ihnen selber Ströme von Wollust hervorsprudeln und aus ihrem Mark jener geile Saft fliesst, den sie ›Samen‹ nennen, weil er Menschen erzeugt, wenn er unsern Acker besprengt. In dieser Ergiessung – das weisst du ja selber, Octavia! – finden sie die Seligkeit, die sie bei uns suchen. Ist die Ader der Venus versiegt, so sind sie, du siehst es, unserer Reize überdrüssig; aus unseren Küssen, unseren Umarmungen und den anderen Gaben der Venus machen sie sich nichts: entweder gehen sie in fluchtartiger Eile davon oder sie schweigen, wie wenn sie blödsinnig oder von Stein wären. So macht ein Mensch, der sich mit Wein und Essen den Magen überladen hat, sich nichts aus mehr Wein und mehr Essen. Nun ist es richtig, dass die Männer von Natur eine ausgesprochene[178] Vorliebe für den Liebesverkehr mit unserem Geschlecht haben; sie benutzen vor allen jene Teile unseres Körpers, die die Merkmale des Weibes sind, und ohne Zweifel geschieht dies auf Antrieb der Allmutter Natur. Denn durch die Vereinigung der beiden Geschlechter verheisst sie den lebenden Wesen Unsterblichkeit. Aber zu den Zwecken der Fortpflanzung wird nicht die ganze Menge des Samens gebraucht, der im Schoss der Männer und Weiber sich sammelt. Dies soll wenigstens die Meinung gerade der weisesten Menschen sein. Die Natur hat für diesen Samen genau das gleiche Gesetz aufgestellt wie für den der Pflanzen und Bäume. Von dem Samen des Getreides nun zum Beispiel dient ein Teil Menschen und Tieren als Nahrung und wird von diesen verzehrt; ein Teil nur dient zur neuen Aussaat. Als man aufhörte Eicheln zu essen, lehrte Ceres die Menschen die Kunst aus Getreide Brot herzustellen, und man nannte das Brot panis, weil ein Bild des Gottes Pan in Umrissen darauf eingeritzt war. Dieser Teil des Getreidesamens dient also dem Magen und dem Gaumen. Wer würde aber wohl behaupten wollen, dass durch diesen Gebrauch der Natur ein Schimpf angetan werde? Von dem Samen anderer Pflanzen, den der Mensch nicht einerntet, weil er kein Bedürfnis dafür hat oder weil er ihn nicht als Genussmittel verwendet, lässt die Natur einen gewissen Teil zur Erde fallen, und es entspriessen neue Pflanzen daraus; dass der andere Teil zu Grunde geht, daraus macht sie sich nichts. Ebenso verhält es sich nach der sokratischen und platonischen Auffassung mit dem Samen, der zur Fortpflanzung des Menschen dient; es wäre töricht sich einzubilden, dass die Natur die ganze Menge des menschlichen Samens zur Fortpflanzung des Geschlechtes bestimmt habe. Denn in unserem Leib, liebe Octavia, ist ein Weg vorhanden, durch den der Same auch dann aus der Scheide austreten kann, wenn wir schwanger sind. Dieser Weg würde nicht vorhanden sein, wenn die Herrscherin Natur gewollt hätte, dass die ganze Menge des Samens nur einem einzigen Zwecke diente. Die Männer aber können ihren Samen loswerden, wann und wie es ihnen beliebt; ohne Zweifel würden sie ihren Samen nur in den zur Fortpflanzung bestimmten Teil unseres Körpers ergiessen können, wenn der Same nur zur Erschaffung des Menschen bestimmt wäre. Ferner: wenn unsere Gebärmutter, von fruchtbarem Samen erfüllt, anzuschwellen beginnt, wenn die Schwangerschaft das Stadium des sechsten, des[179] achten, des neunten Monats erreicht, ja mehr noch: im Augenblick, da die Schmerzensstunde des Gebärens uns naht, da behaupten unsere Männer immer noch das Recht zu haben, sich mit uns zu schaffen zu machen – und ganz gewiss haben sie wirklich dieses Recht. Es widerspricht also völlig der Wahrheit, wenn jemand behauptet, dem Samen müsse lediglich die Aufgabe der Fortpflanzung des Menschen vorbehalten bleiben und zu einem anderen Zweck dürfe er nicht verwandt werden. Denn dass man unmittelbar vor dem Gebären eine neue Schwangerschaft herbeizuführen erwarten dürfe – dies wäre eine mehr als geradezu unverschämte Behauptung. Was sich hieraus ergiebt, das siehst du wohl selber ein, nicht wahr, Octavia?


OCTAVIA: Gewiss.


TULLIA: Nur aus diesen Gründen wenden die Aerzte sogenannte Pessare an, um in jungen Frauen von kaltem Temperament wollüstige Triebe zu erwecken und die faulen Säfte auszulösen, die in den Tiefen des Schosses stecken und die Ursache mannigfaltiger böser Krankheiten bei Unvermählten sind. Und doch macht man den Aerzten hieraus keinen Vorwurf oder nennt die Hilfe, die sie bringen, eine verbrecherische Handlung. Wir sehen ja, wie dadurch so manche Dahinsiechende neue Kräfte empfängt, wie Sterbende ins Leben zurückgerufen werden.


OCTAVIA: Auf diese Weise hat deine Base Livia, die sieben Monate vor ihrer Vermählung eine so blasse, schmutzigfahle Gesichtsfarbe hatte, die wie eine blutlose, wandelnde Leiche aussah, ihre volle Gesundheit wiedererlangt.


TULLIA: Aus diesen Gründen, die nach Wahrheit aussahen, obgleich sie in Wirklichkeit falsch waren, geschah es, dass eine Handlungsweise, die anfangs nur auf Rechnung einiger Wollüstlinge zu schreiben war, allmählich sich in vielen Ländern allgemein verbreitete. Die Männer nahmen sich Gattinnen, bestellten jedoch deren Aecker nur in der Absicht, Nachkommenschaft zu haben, aber nicht aus Liebe. Sobald eine Frau schwanger war, wurde sie wie eine verurteilte Verbrecherin behandelt, der Verkehr mit ihr wurde gänzlich abgebrochen, man verwies sie in den entlegensten Winkel des Hauses und würdigte sie fortan keines Kusses, keiner Umarmung mehr. Mutter sein, war für solch ein armes Geschöpf ein Schimpf, wurde ihm als Verbrechen angerechnet. In den[180] Augen asiatischer Könige galt unser Geschlecht sozusagen als etwas Unreines. Bagoas war der heissgeliebte Freund des Königs Darius; sogar Alexander entbrannte in Liebe zu ihm. Das Beispiel der Fürsten ist auch für die von ihnen beherrschten Völker massgebend. Diese Infamie befiel in gleichem Masse jeden Rang und Stand. Alle verzehrte die gleiche wahnsinnige Glut: Volk, Adel, Könige. Dem König Philipp von Mazedonien kostete dieser Wahnsinn das Leben; er fiel von der Hand des Pausanias, den er vergewaltigt hatte. So ergab sich dem König Nikomedes Julius Caesar, der allen Männern Weib war, wie er allen Weibern Mann war. Augustus hielt sich diesem schimpflichen Treiben nicht fern; Tiberius und Nero rühmten sich dessen sogar. Nero heiratete Tigellinus, Sporus heiratete Nero. Den besten aller Fürsten, Trajan, begleitete ein ›Paedagogium‹ auf seinem siegreichen Zuge durch den ganzen Orient; dieses sogenannte Paedagogium war eine Schar anmutiger und schöner Knaben, die er tags und nachts zum Liebesdienst in seine Arme rief. Antinous war Hadrians Geliebter: Nebenbuhler der Plotina, aber glücklicher als diese. Um seinen Tod trauerte der Kaiser, und da er nicht mehr unter den Lebenden weilte, so erhob er ihn zu den Göttern, indem er ihm Altäre und Tempel weihte. Von Antoninus Heliogabalus, dem Neffen des Kaisers Severus, berichtet ein Schriftsteller des Altertums, er habe die Gewohnheit gehabt, zum Liebesgenuss ›alle Löcher seines Leibes‹ zu benutzen; daher hätten ihn seine Zeitgenossen als ein Scheusal betrachtet. Als Zuschauerin solcher Liebesorgien tanzte mit feierlicher Miene die Philosophie im Chor der Päderasten. Alkibiades und Phädon waren des Sokrates Bettgenossen, wenn sie ihrem Lehrer einmal ein Vergnügen machen wollten. Von den geschlechtlichen Gewohnheiten dieses heiligen Mannes stammt der Ausdruck: ›Sokratische Liebe‹. Jede Handlung, jedes Wort des Sokrates galt allen Philosophen der verschiedenen Richtungen für geheiligt; man erbaute ihm einen Tempel, man errichtete ihm einen Altar. Seine Handlungen erhielten Gesetzeskraft; seine Worte genossen die Autorität von Orakelsprüchen. Die Philosophen verleugneten nicht das Beispiel ihres Heroen und Nationalgottes – denn zu den Heroen wurde Sokrates gerechnet. Lykurg, der einige hundert Jahre vor Sokrates der Gesetzgeber der Lakonier war, erklärte, niemand könne ein tüchtiger Bürger sein, der nicht einen Freund zum Beischläfer[181] habe. Er liess die Jungfrauen sich nackt vor aller Augen auf der Schaubühne zeigen, damit die Männer durch den freien Anblick abgestumpft würden und nicht mehr den Stachel der Liebe empfänden, der sie von Natur zu uns Weibern treibt, sondern mit erhöhter Glut sich ihren Freunden und Gesellen zuwendeten. Was man öfter sieht, das reizt ja nicht. Und nun gar erst die Dichter! Anakreon glühte für Bathillos, und die Witze des Komödiendichters Plautus betreffen fast alle dieses Thema. So z.B: ›Ich werde es machen wie die Lustknaben; mich niederbückend werde ich mich auf ein Kistchen aufstützen‹, oder: ›Passte des Soldaten Klinge gut in deine Scheide?‹ Ja, der grösste Meister der Dichtkunst, Vergilius Maro, der wegen seiner angeborenen grossen Schamhaftigkeit ›Parthenius‹, d.h. ›der Jungfräuliche‹ genannt wurde, er liebte einen gewissen Alexander, der ihm von Pollio geschenkt worden war und den er unter dem Namen Alexis besungen hat. Auch Ovid litt an dieser Krankheit; indessen zog er die Mädchen den Knaben vor, weil er bei diesen Belustigungen der Liebe eine gegenseitige Wonne und nicht eine einseitige verlangte. Er liebe, sagte er, diejenige Liebe, die beide Teile auf den Gipfelpunkt der Wonne führe, und darum mache die Knabenliebe geringeren Eindruck auf ihn. Da nun die Mädchen und Frauen sich, wenn sie nur ihre weiblichen Reize darzubieten hatten, vernachlässigt sahen, die einen durch ihre Liebhaber, die andern durch ihre Gatten, in deren Häuser sie durch die Ehe eingetreten waren, so liessen sie sich dazu herbei, die Stelle von Knaben zu vertreten. Dieser Wahnsinn wurde zu einer solchen Höhe getrieben, dass man zu dieser Gefälligkeit, zu der die verheirateten Frauen sich schon herbeigelassen hatten, sogar schon die Neuvermählten in der Brautnacht zwang. So hatte der Gatte abwechselnd einen Knaben und ein Mädchen in seiner Frau und die beiden Geschlechter waren in einem und demselben Körper vereinigt. In einem Scherzgedichte, das uns aus dem Altertum überliefert ist, droht Priapus jedem Gemüsedieb, der seinem Pflock zu nahe komme, er werde ihn zwingen ihm zu gewähren


was in der Hochzeitsnacht die Braut dem gierigen Gatten

zitternd gewährt voll Angst, er könnte sie sonstwie verwunden.


Von dem Recht der Künstler und Dichter Gebrauch machend, lässt Valerius Martial seine Einbildungskraft spielen und gibt in einem[182] seiner Epigramme vor, er höre seine Frau murmeln, auch sie habe einen Popo, und er möge doch von seiner unsinnigen Liebe zu Knaben ablassen. Juno, sagt sie, gefalle auch von hinten dem Jupiter. Der Dichter aber lässt sich nicht überzeugen; er antwortet, der Knabe habe eine andere Rolle zu spielen als die Frau und sie habe sich mit der ihrigen zu begnügen. In den Freudenhäusern sassen unter der Lampe und dem Täfelchen, das ihren Namen trug, Knaben und Mädchen; erstere unter ihrem Gewand mit weiblichem Putz geschmückt, letztere unter ihrem Rock Manneskleider tragend und mit Knabenfrisuren. Unter dem äusseren Anschein des einen Geschlechtes fand man das andere. ›Alles Fleisch ging sündhaft den verkehrten Weg.‹ Bedenke, wie allgemein verbreitet dieser Brauch der Knaben und der Mädchen war, ein falsches Geschlecht vorzutäuschen! Ganymed und Juno boten abwechselnd dem Vater Jupiter ihren Hintern dar, um ihn durch die Fülle der Reize zu bestricken, die sie in diesem Körperteil besassen. Die Betrüger, die diese Göttergeschichten auslegen oder weiter erzählen, brauchen nicht zu befürchten, einer Verletzung der Religion beschuldigt zu wer den, ebensowenig wie diejenigen, die, aus Dummheit oder weil es ihnen zur Befriedigung ihrer Lüste gerade passt, an diese Fabeln glauben, der Gottlosigkeit geziehen werden. Denn wie sollten nicht die Menschlein frisch und fröhlich einen Weg betreten, auf dem die Götter ihnen vorangehen? Hat doch Jupiter seinen Ganymed zum Geliebten, Apollo seinen Hyazinth, Herkules seinen Hylas – (›und wer hat nicht seinen Hylas‹) – und ist doch Jupiter der Gott der Majestät, Apollo der Gott der Wissenschaften, Herkules der Gott des starken Mutes! Der ursprüngliche Sitz dieser Krankheit war Asien; aber auch Afrika hielt sich von dieser Pest nicht frei, die bald auch Griechenland ansteckte und sich über die angrenzenden Länder Europas verbreitete. Orpheus, der in Thrazien diese schmutzige Liebeslust eingeführt und durch seine Lieder auch andere dazu verführt hatte, wurde von den sikonischen Frauen, die sich verschmäht sahen, zerrissen.

Man erzählt aus jenen Zeiten des Altertums von den Kelten, sie hätten Jeden mit Spott und Hohn überschüttet, der sich von dieser Krankheit freigehalten: ein solcher habe kein Amt und keine Ehrenstellung erhalten können. Wer sich sittenrein bewahrte, den floh man wie einen Unreinen! Wenn eine ganze Stadt wahnsinnig ist[183] und ihren Wahnsinn offen zur Schau trägt, dann ist es nicht gut, der einzige Weise zu sein; und weil es nicht gut ist, ist es auch nicht anständig.


OCTAVIA: Welcher Mensch, und wäre er noch so beredt, ist beredter als du! Wie unumwunden, wie geistreich bringst du alles vor, was du sagst!


TULLIA: Unter der Bezeichnung ›Kelten‹ begriff man nicht nur jene Völkerschaften, die jenseits der Alpen Gallien bewohnten, sondern überhaupt alle Nationen des westlichen Europas, darunter auch die Italiener und Spanier. In der Jetztzeit tragen vorzugsweise die Franzosen den grössten Abscheu gegen widernatürliche Geschlechtsbefriedigung zur Schau; den Sünder, der sich damit befleckt, übergeben sie zur Reinigung der strafenden Flamme, da nach ihrer Meinung die Schärfe des Schwertes noch nicht genügt, die beleidigte Keuschheit zu rächen. Den Italienern und Spaniern erscheint dies unbegreiflich, und erst recht natürlich den Völkern, die dem Gebot des Propheten Mohammed Untertan sind. In den Augen der Südländer sind die Franzosen und die anderen Nationen des Nordens zu stumpfsinnig zur Wollust; sie hätten nicht, wie sie, den richtigen Begriff von den Freuden der Liebe. Aber im Grunde werden durch uns Frauen die widernatürlichen Begierden der Männer angestachelt: wir zwingen sie, anderweitig einen Genuss zu suchen, dessen volle Befriedigung sie nicht bei uns finden können.


OCTAVIA: Ich verstehe dich nicht.


TULLIA: Du wirst die Sache schon verstehen – so gut wie ich selber! Bei uns Italienerinnen und Spanierinnen steht das Venuspförtlein – wer könnte das leugnen wollen? – viel weiter offen als bei anderen Frauen. Wenn ein Mann, der mit uns zu tun hat, nicht in ganz besonderer Weise begabt und ausgestattet ist, so muss er glauben, nicht ein Liebesspiel zu treiben, sondern in einer weiten Halle sich im Speerstossen zu üben. Wenn der Zutritt zur Grotte zu leicht gestattet wird, macht ihr Besuch weniger Vergnügen. Die Mentula hat es gern, wenn sie zusammengepresst und ausgesaugt wird; wenn sie allzu frei herumspazieren kann, ist sie nicht zufrieden. Beim Liebesgenuss von hinten geht die Sache angenehmer vor sich. Die Mentula findet nur mit Mühe Eingang, und wenn sie drinnen ist, füllt sie nicht nur den Raum aus, sondern[184] dehnt sogar dessen Wände. Die Stechbahn ist also nicht breiter als der Reiter sie wünscht; die Herberge richtet sich nach dem Gast, dem sie Unterkunft gewährt, da die Muskeln sich nach Belieben zusammenziehen oder ausdehnen können. Wenn dagegen unsere Grotte einmal mit Gewalt geöffnet und zu einem fürchterlichen Schlund geworden ist, dann vermag eine Frau es durch keine Geschicklichkeit, durch keine besondere Stellung oder Bewegung zu bewirken, dass sie nicht weit bleibt: sie ist nach wie vor ein fürchterlicher Schlund für die arme Mentula, und das nimmt der Begattung viel von ihrem Wert. Darum sind bei uns die Liebhaber der unreinen Lust so zahlreich, während es deren im Gegenteil bei den Franzosen und den Deutschen nur wenige gibt. In den nördlichen Ländern sind die Frauen nicht so weit gebaut; es ist wie wenn durch die Kälte sich die Glieder zusammenzögen. Da also die Männer im naturgemässen Verkehr mit ihren Frauen alle nur wünschenwerte Lust finden, was könnten sie mehr verlangen, als die Hausmannskost, die sie im Speiseschrank haben? Auch bei uns halten sich ja diejenigen Männer, die von der Natur reich ausgestattet sind und einer stattlichen Manneszier sich rühmen können, von diesen Sachen frei: sie machen es nicht von hinten, noch auch lassen sie sich's machen. Da hast du die gewünschten Aufklärungen, liebe Octavia.


OCTAVIA: Du hast noch vergessen mir zu sagen, ob du diese Art des Liebesgenusses für gut befindest oder ob du sie verabscheust, wie ich – so wahr mir Gott helfe! – sie verabscheue.


TULLIA: Wenn ich sie billigte, wäre ich verrückt! Wenn auch die Erde zu diesen Schändlichkeiten schweigt, so verdammt sie doch die Donnerstimme des Himmels. Lukian hat sehr scharfsinnig über beide Arten des Geschlechtsverkehrs geschrieben: er verdammt weder die eine noch die andere; nachdem man ihn gelesen hat, könnte man wirklich nicht sagen, welcher von beiden er den Vorzug giebt. Auch Achilles Tatius hat in seinem ›Klitophon‹ seine wahre Meinung unter einer zweideutigen Sprache verhüllt. Diese beiden Schriftsteller waren Griechen. Auch von den römischen Autoren spricht kein einziger sich offen dafür oder dawider aus. Merkwürdigerweise hat kein Gesetzgeber daran gedacht den widernatürlichen Geschlechtsgenuss zu verbieten; ohne Zweifel erblickten sie in Belustigungen, die nicht lebensgefährlich sind, kein strafwürdiges[185] Verbrechen. Aber ich will dir ganz aufrichtig und ohne sokratische Verstellung meine Meinung sagen: der widernatürliche Liebesgenuss ist des schärfsten Tadels, der härtesten Strafe würdig! Die Begierden des einen Geschlechtes suchen ihre naturgemässe Befriedigung nur beim andern Geschlecht; der Mann, der sich mit einem Knaben ergötzt, tut dem Naturtrieb Gewalt an. Cupido flösst Liebe ein; aber wer hätte jemals Cupido schänden wollen? Der kleine Liebesgott würde es weder selber machen, noch sichs machen lassen. Sobald das Feuer der Liebe in den Adern eines Jünglings zu lodern beginnt, fühlt er sofort, obgleich er sich über sein Denken noch keine Rechenschaft ablegen kann, dass er in den Umarmungen eines Weibes das rechte Mittel finden wird, um diese Feuersbrunst zu löschen. Ein Mädchen entflammt den Jüngling, der eben mannbar ist; ein Jüngling entflammt die Jungfrau. Sie brennen in gegenseitiger Begier; so gehts mit der Liebe! Nicht die Natur sondern sittliche Verderbtheit flösst verdorbenen Seelen den Wahnsinn widernatürlicher Liebe ein. Wenn die Schattenseite unseres Leibes zu dem Gebrauch bestimmt wäre, den diese Sünder davon machen, so wäre dieser Teil entsprechend gebaut; das Schamglied würde ohne besondere Anstrengung eindringen können und ohne Gefahr für die, die sich zu so etwas hergeben. Mädchen können schon vor ihrer Mannbarkeit und ehe sie noch für geschlechtlichen Verkehr reif sind, entjungfert werden; ohne Zweifel verursachen die ersten Stösse ihnen einen sehr heftigen Schmerz, aber in wenigen Stunden ist dieser Schmerz nicht mehr da und an seine Stelle tritt sehr bald die höchste Wollust. Viel schlimmer sind die Folgen, wenn einem Mädchen oder Knaben auf widernatürliche Art Gewalt angetan wird. Abgesehen von unerträglichen Schmerzen, die sich unvermeidlich einstellen, entstehen aus dieser Ausschweifung meistens, wenn der Eingang mit einem zu starken Instrument erbrochen wurde, die fürchterlichsten Krankheiten, die selbst die Kunst eines Aeskulap nicht heilen könnte. Die Muskelbänder werden zerrissen und es kommt vor, dass die Exkremente von selbst austreten, weil sie nicht mehr gehalten werden können. Lässt sich etwas ekelhafteres denken? Ich habe vornehme Frauen gekannt, die durch die Bildung bösartiger Geschwüre in so schwere Krankheit verfielen, dass sie kaum in zwei oder drei Jahren wieder gesund wurden. Auch ich bin nicht heil und gesund aus den verruchten Umarmungen Aloisios[186] und Fabrizios hervorgegangen. Schon gleich im Anfang, als sie ihre Dolche in mich hineinbohrten, stand ich einen entsetzlichen Schmerz aus; bald tröstete mich dann freilich, so schwer ich auch verwundet war, ein gewisses kitzelndes Gefühl für meine Schmerzen. Aber als ich wieder zu Hause war, ergriff mich von neuem ein brennender Schmerz an der von ihnen verletzten Stelle; ein rasendes brennendes Jucken verzehrte mich und liess sich trotz der freundlichen Pflege meiner Freundin Orsini kaum besänftigen. Wären meine Wunden vernachlässigt worden, ich hätte eines elenden Todes sterben müssen. Du, Octavia, die du erst eben mannbar geworden und noch so zart und fein bist, du hättest derartige Liebesspiele nicht aushalten können. Die Angriffe der härtesten und dickesten Lanzen hast du ausgehalten, ohne dass es dir etwas geschadet hat. Aber wie wäre es dir ergangen – schon der Gedanke macht mich zittern – wenn eine solche Riesenkanone ihre Ladung in einen andern Teil deines Körpers hineingefeuert hätte? Alles was diese Feinde des Menschengeschlechts, die Päderasten, die abgestumpften Wollüstlinge zu gunsten ihrer Sache vorbringen, was sie von der Natur der Dinge, von der Macht der Sitten und Gebräuche, von der hohen Bedeutung gewisser erlauchter Männer reden, die diesem Laster fröhnten – dies alles macht auf mich keinen Eindruck. Kein vernünftiger Mensch wird sich einreden lassen, dass die bewusste Vergeudung menschlichen Samens durchaus nichts schimpfliches an sich habe, und dass man es nicht als Schande ansehen dürfe, wenn jemand einen Menschen tötet. Wer aber seinen Samen anderswohin ausstreut, als in die Ackerfurche des Weibes, der will einen Menschen töten und tötet wirklich einen, der sich hätte entwickeln können. Er ist ein Mörder und ein Ehebrecher. Denn durch diese schändliche Befriedigung der Wollust werden Menschen getötet, die noch nicht geboren sind. Lebensverweigerung ist gleichbedeutend mit Tötung. Wenn die Natur in ihrem Allerheiligsten an der Bereitung des Samens arbeitet, dann hat sie dabei die Fortpflanzung im Auge, nicht die Befriedigung der Wollust. Ihr Wille war, dass Weib und Mann sich umarmen sollen, obwohl diese die Schmerzen der Niederkunft, jenen die Sorge für die heranwachsenden Kinder abschrecken könnten. Der Fortpflanzung um ihrer selbst willen würden die Menschen aus dem Wege gehen; die Natur bringt sie dazu durch die süssen Lockungen herrlichster Wonnen. ›Aber,‹ wendet man[187] dagegen ein, ›wer könnte bestreiten, dass der Same, der in die Ackerfurche einer bereits schwangeren Frau gestreut wird, ebenfalls verloren ist?‹ Unsinn! die Aerzte versichern, dass eine schwangere Frau noch eine neue Frucht empfangen könne. Sie versichern, das sei tatsächlich vorgekommen, nämlich jedes mal, wenn eine Frau, die ein Kind geboren hatte, einige Tage darauf durch eine zweite Niederkunft noch einmal Mutter geworden sei. Sie nennen dies Superfoetation, Ueberfruchtung. Wer wollte nicht der Natur, der allmächtigen Schöpferin, die Sorge überlassen, den Stoff, mit dem sie sich fortwährend zu tun macht, nach ihrem Gutdünken zu verwenden? Wer wollte nicht zur Natur volles Vertrauen haben? Wenn man dagegen als Beispiel die Samenkörner des Getreides und derlei Sachen anführt, so handelt es sich überhaupt gar nicht um Samen, und nur ein Witzbold kann das Gegenteil behaupten. Diese Körner sind vollkommen ausgebildete Früchte, die ihren Samen in sich tragen – jenen Samen, dem die Eigenschaft inne wohnt, sie fortzupflanzen und zu vervielfältigen. Der Stier, der Widder, der Hahn sind ebenfalls vollkommen ausgebildete Geschöpfe – jedes in seiner Art. Wer möchte etwa behaupten, wir dürften sie nicht essen, weil auch sie den lebensfähigen Samen in sich tragen, durch den der Fortbestand jeder Rasse gesichert wird? Damit vergeht man sich keineswegs gegen die Natur, und aus demselben Grunde hat noch keine Philosophen-Schule, mochte sie sich für noch so scharfsichtig halten, in dem Verzehren von Getreide und Früchten etwas Unrechtes erblickt.


OCTAVIA: Das ist Alles recht schön und gut; aber du hast gegen dich, dass diese Sitten durch langen Gebrauch eingewurzelt sind und dass zu allen Zeiten erlauchte Männer diesem Brauch gefröhnt haben.


TULLIA: Keine noch so lange Zeitdauer vermag zu bewirken, dass man schlechte Sitten als Vorbild aufstellen darf; denn dieses Recht kommt nur guten Sitten zu. Solange die Welt steht, sind alle Arten von Verbrechen begangen worden: Totschlag, Raub, Giftmord. Aber wer wird solche Taten loben, oder sich ihrer rühmen? Länder und Städte sind durch Pest und Krankheit entvölkert worden, ganze Familien sind zu Grunde gegangen. Wer aber möchte behaupten, Pest und Krankheit seien kein Uebel, denn seit den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage sei eine ununterbrochene Reihenfolge solcher[188] unglücklichen Ereignisse zu verzeichnen. Man muss die Dinge nach ihrem eigenen Wesen beurteilen, nicht nach den begleitenden Umständen. Folglich kann, ebensowenig wie eine schmachvolle Handlung durch die Länge der Zeit gemindert wird, auch nicht der Ruhm der erlauchtesten Männer eine Schande zur Ehre machen. Lichtumflossen auf Bergesgipfeln stehend, haben sie sich durch die Wolken ihrer eigenen Taten verdunkeln lassen; indem sie ihren wilden Trieben nachgaben, sind sie durch eigene Schuld von der Höhe ihres Ruhmes herunter gekommen. Aber dieser Schandfleck haftet ja auch beileibe nicht allen an, die durch Ruhm und grosse Taten hervorragen! Die allermeisten haben sich vor dieser Ansteckung zu bewahren gewusst; darüber kann kein Zweifel obwalten. In einigen Ländern wütet im Verborgenen diese Leidenschaft; aber wenn du den Adel, das Volk und jeden Stand einzeln in Betracht ziehst, so ist doch der allergrösste Teil frei geblieben und gesund; seine Tugend ist für diese fürchterliche Krankheit unzugänglich und rein von jeder Schandtat. Um über etwas richtig und weise urteilen zu können, muss man die Dinge nach ihrem eigenen Wesen, nicht nach den Umständen beurteilen.


OCTAVIA: Da wundert es mich nicht, dass jener Latour, der von diesem Laster unberührt sich erwies, deinen Augen wohlgefällig war; denn du bist ja eine fromme und würdige Frau.


TULLIA: In der Hitze der Unterhaltung waren wir von dieser Geschichte abgekommen; ich nehme die Erzählung wieder auf, da du, kleine Närrin mich daran erinnerst. – Latour kam sofort nach Aloisio und Fabrizio. ›Wie konnte nur deine Nachsicht, meine Göttin,‹ so sprach er, ›es dulden, dass dein schöner Leib besudelt und mit deiner himmlischen Anmut Spott und Hohn getrieben wurde? Befiehlst du, dass ich die Verletzung der deiner Schönheit und deinem Adel schuldigen Ehrfurcht räche?‹ Soll ich, meine Göttin – denn für mich wirst du stets eine Göttin sein – soll ich mit rächender Hand sie beide auf deinem Altar opfern? – ›Nein, das wünsche ich nicht,‹ antwortete ich; ›ich kannte, ehe ich kam, die Bedingungen, die auf diesem Kampfplatz gelten. Sie haben von ihrem Rechte Gebrauch gemacht. Aber mir gefällt deine edle Offenheit; je heisser mein Hass gegen jene ist, desto heisser liebe ich dich.‹ Mit diesen Worten gab er, liebe Octavia, mir einen Kuss, der so süss war, dass man hätte meinen mögen, Frau Venus selber habe ihm ihre wollüstigsten[189] Reize verliehen. Nackt wie ich war, sprang ich vom Bett herunter; ihm bäumte sich der Schwanz. Da säumte er nicht länger; mit beiden Händen ergriff er meine beiden Brüste und bohrte mir zwischen die Schenkel seinen heissen, und steifen Speer. ›Sieh, o Herrin,‹ rief er dabei, ›wie dieses Geschoss auf dich losfährt! aber es wird dir nicht den Tod, sondern süsseste Wonnen bringen. Sei bitte der blinden Mentula Führerin auf diesem dunklen Pfade, damit sie nicht das Ziel verfehlt; meine Hände möchte ich nicht zurückziehen, um sie nicht des Glückes zu berauben, dessen sie geniessen.‹ Ich tat nach seinem Wunsch; den heissen Speer bohrte ich in die heisse Wunde. Er fühlte es, er stiess, er war drin. Gewiss, die Wollust in den Armen eines geliebten Mannes ist viel grösser, als wenn man alle anderen Männer hat, mögen sie noch so hübsch und wollüstig sein. Sofort, schon beim zweiten oder dritten Stoss, kam es mir und brach mit einem unglaublich wonnigen Kitzel hervor; es fehlte nicht viel, so wären meine Kniee unter mir zusammengebrochen. ›Halte sie auf!‹ rief ich; ›halte sie auf – meine Seele entflieht mir!‹ – ›Ich weiss wohl, auf welchem Wege sie flieht,‹ versetzte er lächelnd. ›Ohne Zweifel denkst du, sie werde durch jene untere Oeffnung entweichen, die ich besetzt halte. Aber ich halte sie auf das beste verschlossen!‹ Währender so sprach, hielt er zugleich den Atem an, um dadurch die strotzende Mentula noch dicker zu machen. ›Ich werde deine flüchtige Seele zurücktreiben!‹ fuhr er fort, indem er mir einige sehr heftige Stösse versetzte. Tiefer drang der Dolch in die Wunde ein. Und so kräftig führte er diese süssen Stösse, so köstliche Wonne durchdrang mich, dass mir die Besinnung schwand und in der seligsten Verschlingung meine Seele sich ergoss. Als er nun das heisse Nass fühlte, das ich in meiner rasenden Wonne verspritzte, da griff er mit beiden Händen unter meinen Popo und hob mich hoch empor. Ich umschlinge ihn so eng ich kann, mit meinen Armen und umklammere seine Lenden und sein Gesäss mit meinen Schenkeln und Füssen; so hing ich ihm am Halse, ohne den Boden zu berühren; ich hing, wie wenn ich von einem Nagel festgehalten würde. Da die Arbeit sich in die Länge zog, verlor ich die Geduld und abermals löste Venus in mir einen Springquell heisser Glut. Vom brennendsten Feuer der Liebe verzehrt, rief ich unwillkürlich aus: ›Ich fühle, ... ich füh ..., ich fühle alle Wonnen der Juno, deren[190] Schoss ihren Jupiter als Gatten empfängt! Ich bin im Himmel!‹ – ›Verlass nur uns gewöhnliche Menschenkinder nicht, ehe du deinen Konrad mit deiner Schönheit gesättigt hast!‹ rief plötzlich draussen eine Stimme; ›lass auch Konrad an deiner Unsterblichkeit und an deiner Seligkeit seinen Anteil haben!‹ In diesem Augenblick trieben Venus und Amor meinen Latour auf den Höhepunkt der Wollust, heiss spritzte sein Saft hervor, sein Same ergoss sich über mein Saatfeld. Eng wie der Epheu den Nussbaum umschlingt, umklammerte ich mit Armen und Schenkeln Latour. Kaum war er fertig, so trat Konrad ein und rief: ›Wie? soll ich denn da ganz allein mich langweilen? Die Florentiner Windbeutel sind fortgegangen. Ich weiss nicht, wohin ihr böses Geschick sie geführt haben mag.‹


OCTAVIA: Ich wollte, an den Galgen! Sie hatten Todesmarter verdient, da sie dich mit ihrem wahnwitzigen Forderungen gemartert hatten.


TULLIA: Völlig ermattet waren sie in ein nahes Wäldchen grüner Linden und Eichen gegangen, um in der frischen Luft ihre erschöpften Kräfte wieder herzustellen. Ich hatte mich wieder auf das Bett gesetzt und wurde von Konrad mit folgenden Worten angesprochen: ›Als Deutscher verabscheue ich die Gemeinheit, die jene beiden Schurken an dir begangen haben. Du wirst sehen, dass ich nicht weniger heiss in Liebe entbrannt bin als Latour. Aber sage mir doch bitte, wie soll ich's dir machen? was hättest du besonders gern? Du schweigst?‹ Ich schwieg wirklich; Latour hatte sich entfernt. ›Ich,‹ fuhr der Deutsche fort, ›werde dir ehrlich alles offenbaren.‹ Damit offenbarte er seine Mentula, die ihm prachtvoll stand, und öffnete mir die Schenkel.


OCTAVIA: Nun, da offenbarte und öffnete er dir ja alles, was du verlangen konntest. Du hattest aber wirklich keine Ruhe und Rast: als Heldin von herkulischer Tapferkeit empfingst du den Befehl zur vierzehnten Arbeit!


TULLIA: Konrad war mir nicht unangenehm, gefiel mir aber auch nicht eben besonders. Ich verweigerte mich ihm nicht, gab mich ihm aber auch nicht hin. Seine Wünsche befriedigte er sozusagen an einer Schlafenden; denn auf alle seine Schmeichelreden er widerte ich ihm nicht ein einziges Wort. Ich will's dir gestehen, liebe Octavia: nach so vielen Kämpfen war die Hitze meines Blutes[191] erloschen und es rollte mir träge durch die Adern; ich war wie erstarrt und meine erschöpften Kräfte liessen diesen blühenden Jüngling entgelten, dass ich mich sozusagen alt und halbtot fühlte. Uebrigens versuchte er abermals eine neue Art, die eigentlich recht sinnreich war. Er liess mich auf den Rücken mich ausstrecken und legte sich mein rechtes Bein über seine linke Schulter; dann versetzte er mir den Stoss, den ich erwartete, wenn ich ihn auch nicht begehrte, nachdem er noch mein linkes Bein über mein rechtes gelegt hatte. In die tiefste Tiefe drang seine Lanze ein, und dann begann er zu stossen, zu schieben, zu drücken. Was brauche ich dir noch weiter zu sagen? Den Rest kannst du dir selber denken.


OCTAVIA: Darauf kehrten wohl auch Aloisio und Fabrizio zu ihrer Aufgabe und Pflicht zurück? Waren ihre Leistungen deiner Meinung nach befriedigend?


TULLIA: Ich würde mit meiner Erzählung niemals zu Ende kommen, wenn ich genau auf alle Einzelheiten eingehen wollte? Konrad vollbrachte es im ganzen sechsmal, Aloisio fünfmal, Fabrizio siebenmal und Latour ebenfalls siebenmal. So bestand ich ganz allein fünfundzwanzigmal den Streit und ging als Siegerin daraus hervor. Alle gestanden mir zu, dass ich wegen meines wackeren Kriegens und Siegens mit Recht den Lorbeerkranz der Venus für meine Stirn verdient habe. Dennoch war ich – das kann ich dir versichern, liebste Octavia – nachdem ich solche Leistungen vollbracht und soviel Saft verloren hatte, dermassen erschöpft, dass ich fast am Ende aller meiner Kräfte war. Nach dem zwanzigstenmal vermochte ich mich kaum noch auf den Füssen zu halten, und doch blieb der Sieg mein!


OCTAVIA: Gewiss warst du von Männerliebe matt, nicht satt.


TULLIA: Matt und satt! Latour, der das Gefecht eröffnet hatte, schloss es auch. Er empfing auf mein Verlangen den Siegespreis. Der edle Kavalier und wackere Kämpe vermochte mich sogar dazu, ihm meinen Namen und meine Wohnung zu sagen und ihm zu erlauben, mich zu besuchen. Wirklich kam er später sehr häufig zu mir. Aber mich hatte ein so ernstlicher Liebesüberdruss befallen, dass ich während voller drei Monate kaum ein- oder zweimal ihm trotz seiner Liebesglut meine Arme öffnete, und auch diese wenigen Male gewährte ich's ihm nur, weil ich seinen Tränen, seinen Bitten, seinen Schwüren nicht widerstehen konnte.
[192]

OCTAVIA: Was war die Ursache dieses Ueberdrusses?


TULLIA: Ich war ein wahrer See voll von ihrem Liebessaft! Dieses Nass hatte die Muskeln und Bänder meiner Kleinen dermassen erschlafft, hatte all mein Feuer so gründlich gelöscht, dass während dieser ganzen Zeit nicht einmal ein einziger wollüstiger Gedanke mich zur Wollust reizte. Endlich liess ich mir von meinem in der Rosenblüte der Jugend strahlenden Liebhaber die Gewährung der höchsten Gunst abpressen. Ich gab sie ihm nicht freiwillig und ich selber verspürte kaum etwas dabei. Später erholte mein ermatteter Schoss sich wieder und es schwand der Ekel am Liebesgenuss; da riefen wir uns gegenseitig Liebesspiele, die in ferner Vergangenheit hinter uns zu liegen schienen, ins Gedächtnis zurück und trieben sie von neuem. Ein anderes Mal, liebe Octavia, werde ich dir alles erzählen, was mit uns im Verlauf eines, ganzen Jahres geschah. Da wirst du Heiteres hören, was dich mit Neid erfüllen, und wirst Trauriges vernehmen, was ein schmerzliches Mitleid in dir erregen wird. Durch eine Freveltat Aloisios wurde Latour mir entrissen. Ach! ach! Warum hat seine Tücke, die ihn dem Tode weihte, mich am Leben gelassen?!


OCTAVIA: Betrübe deine Seele nicht mit dieser Erinnerung, sondern wende dich zu angenehmeren Bildern! Sage mir, liebste Tullia, gibt es ausser der von dir selber erprobten noch andere Arten des Liebesgenusses? Gütige Venus! in wie viele Gestalten hast du in deiner Gefälligkeit dich doch verwandelt!


TULLIA: Soviele Stellungen der Körper einzunehmen vermag, soviele verschiedene Arten des Liebesgenusses gibt es. Ihre Zahl lässt sich nicht angeben; ebensowenig lässt sich sagen, welche Stellung die wollüstigste sei. In der Wahl der Stellung ist für jeden Menschen jedesmal Laune, Ort, Zeit massgebend. Gleiche Liebe für alle Menschen gibt es nicht. Eine junge Griechin, Elephantis, hatte auf Gemälden alle Arten des Liebesgenusses dargestellt, von denen sie wusste, dass sie bei wollüstigen Liebespaaren im Schwange seien; sie gedachte damit eine gemalte Anleitung zum Lieben zu geben. Eine andere machte sich die Mühe, zwölf Arten der Begattung abzubilden, die dem Reiter den grössten Genuss versprachen; dies war das sogenannte Dodekaminkanon. In unserem Jahrhundert hat ein Mann von göttlicher Begabung, Pietro Aretino, in seinen ›Gesprächen‹ eine recht grosse Zahl mit witziger Satire[193] geschildert; die ausgezeichneten Maler Tizian und Caracci haben sie später in Bildern dargestellt. Aber viele von diesen Stellungen sind unausführbar; sie würden selbst dann unausführbar, sein, wenn Glieder und Leiber der im Heiligtum der Venus opfernden in einer Weise biegsam wären, wie man es bei Menschen nicht voraussetzen kann. Dem grübelnden klügelnden Geist kommen ja viele Gedanken, die sich in Wirklichkeit nicht ausführen lassen. So wie den Wünschen einer ungezügelten Seele nichts unerreichbar erscheint, so will auch eine ausschweifende und masslose Phantasie keine Schwierigkeit anerkennen. Schmiegsam schlüpft sie immer ans Ziel, überall sieht sie einen Weg; aus starrenden Felszacken und klaffenden Abgründen machte sie sich eine Ebene. Aber für den Leib ist nicht alles so einfach, wie der Geist, sei's im Guten sei's im Bösen, es hinstellen möchte.


OCTAVIA: Wenn es nur eine einzige Venus gibt, so gibt es auch nur eine einzige Art der Liebe, die ihr angemessen ist. Alle anderen, die Mann und Weib in Wut und Glut selber erfunden haben, sind vom Uebel, sind sündhaft.


TULLIA: Manche behaupten, die von der Natur selber gewiesene richtige Stellung für den Liebesgenuss sei die, wobei das Weib sich nach Art der Tiere vorne aufstütze und ihre Lenden nach hinten hinausstrecke; denn auf diese Weise dringe die männliche Pflugschar bequemer in die weibliche Furche ein und der Same gelange sicherer in das Ackerfeld:


... Man glaubt auf die Art, wie die Tiere

Meist sich begatten, empfange das Weib gewisser und leichter

In den Schoss den Samen, die Brust vornüber geneiget

Und die Lenden emporgestreckt; doch nicht das geringste

Nützet dabei die geile Bewegung des brünstigen Weibes,

Sondern sie hindert vielmehr und störet das Werk der Empfängnis.

Dieses wissen die Dirnen, indem sie sich solcher bedienen,

Um die Empfängnis zu hindern und mehr noch die Wollust zu reizen.

Unsern Frauen jedoch sind nicht vonnöten die Künste.1


Andern gefällt am besten die gewöhnliche Art des Liebesgenusses und die dabei übliche Stellung, indem das Weib auf dem Rücken liegt und der Mann auf ihr: Brust an Brust, Leib an Leib gepresst, Scham an Scham, während das steife Glied die zarte Ritze spaltet.[194] Einige verlangen vom Weibe schnelle und heftige Bewegungen während des Liebeswerkes; andere wieder verbieten solches. Jede derartige Meinung hat ihre Berechtigung. Doch behaupten die Aerzte, jene Stellung, wobei das Weib rittlings auf dem Manne sitze sei nicht der Natur angemessen: sie widerspreche der Bildung der zur Fortpflanzung bestimmten Teile. Ich aber, meine liebe Octavia, preise einzig und allein die übliche Art.


OCTAVIA: Wie solltest du auch nicht! Denn – ich bitte dich – was lässt sich Süsseres denken als das Bild eines auf dem Rücken liegenden Weibes, das die wonnige Last eines geliebten Mannes trägt und in den Verzückungen einer rastlosen, aber willkommenen Aufregung schwelgt? Welch herrlichere Augenweide gibt es, als das Antlitz des Geliebten, welch höheren Genuss, als seine Küsse, seine Seufzer, die Glutblicke seiner vor Wonne brechenden Augen? Was wäre köstlicher, als liebend sich in seine Arme schmiegen, sich Gefühlen hingeben, die kein Hindernis kennen, die nichts vom Altwerden wissen? Was reizt ein Liebespaar so sehr zu süssester Wollust, zu höchstem Genuss, wie die brünstigen Bewegungen der gegebenen und erwiederten Stösse? Und wenn sie beide vor Wollust ihre Seelen aushauchen – was ruft sie sicherer ins Leben zurück, als das Elixir ihrer flammenden Küsse? Wer der Göttin der Liebe von hinten seine Huldigung darbringt, der befriedigt nur diesen oder jenen seiner Sinne – nur einen einzigen zur Zeit – wer aber von vorne ihrem Heiligtum sich naht, der befriedigt sie alle!


TULLIA: Aber hierbei, liebste Octavia, pflegt es zu gehen, wie es – wir sahen es ja – fast immer gerade den Glücklichsten ergeht, wenn sie ihr Glück gewöhnt werden. Wie wenn sie der Segensgaben überdrüssig würden, mit denen sie in reicher Fülle überschüttet sind, so siehst du Männer, die ihre wunderschönen Ehefrauen verschmähen, mit Zweigroschenhuren sich zu tun machen und an der missduftigsten Liebe ihre Lust finden. Andere sind der köstlichen Speisen ihres reichbesetzten Tisches bis zum Ekel überdrüssig; Falerner und Leckerbissen schieben sie zur Seite und schlingen Grobbrot und sauren Krätzer hinunter, wie wenn sie vor Hunger stürben. Das Ungewohnte freut uns, das Verbotene reizt!

Aber sieh, da ist die Nacht herum! Schlaflos haben wir sie verbracht – du mit süssem Minnespiel, ich mit Plaudern. Nur noch[195] ein paar Stunden, und wir müssen schon wieder aufstehen. Da wird es gut sein, wenn wir im Schlafe frische Kräfte suchen; ganz gewiss bist du der Ruhe bedürftig. So wünsche ich dir denn, liebe Octavia, einen, ebenso süssen Schlaf, wie dein Wachen süss war. Das wolle Frau Venus in Huld und Gnaden gewähren.

Fußnoten

1 Lukrez, von der Natur der Dinge.


Quelle:
Meursius: Gespräche der Aloisia Sigaea. Leipzig 1903, S. 197.
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