|
9. MaiMonat 1650.
Alle, die jhr freyen wollt,
Merckt, wie jhr Euch halten sollt,
Sintemal die Eh' ohn Zwist
Gottes hohe Stifftung ist,
Über die Er in der Welt
Noch gestreng und heilig hält.
Räumt Euch keiner Lust Seuch' ein,
Bleibt von aller Vnzucht rein,
Ewer Hertz sey Tag und Nacht
Durch der Keuschheit Schutz bewacht,
Rufft, wie sehr ein ieder kan,
Gott umb Vnschuld hertzlich an.
Flieht der Jugend Müssiggang,
Schewet keinen Arbeit-Zwang,
Lernt auff aller Zeiten Noht
Ehrlich werben ewer Brod,
Vnd bey Leibe stellt den Muth
Nicht nur auff ererbtes Gut.
Freyt in das Geblüte nicht,
Habt die Tugend im Gesicht,
Reich und schöne seyn vergeht,
Nur der Tugend Gut besteht,
Sucht ein Mensch, das Euch an Trew,
Sinn und Sitten ähnlich sey.
Was Euch Gott alsdann beschert,
Schätzt, als seine Gab', es wehrt,
Wisst, daß ihr auff Lieb und Leid
Selbs von Ihm verknüpffet seyd,
Der Euch fügt so fest und wol,
Daß kein Mensch Euch lösen sol.
Tragt einander mit Gedult,
Niemand lebt doch ausser Schuld,
Gläubt nicht einem ieden Traum,
Gebt dem Sathan nirgends Raum,
Stört ein Windchen ewre Rhue,
Mault nicht, sprecht Euch wieder zu.
Steigt ein Creutz-Gewitter auff,
Halttet im Gebeht zuhauff,
Hilfft euch Gott nicht alsobald,
Werdet nicht verzagt und kalt,
Harret sein, es kömpt die Zeit,
Daß er Euch nach Wunsch' erfrewt.
Solcher Art wird Euch die Eh
Schaffen ein geringes Weh,
Gott wird seine Gnaden-Hand
Recken über ewer Band,
Vnd das Ewrig' in gemein
Stets gesegnet lassen seyn.
Buchempfehlung
E.T.A. Hoffmanns zweiter Erzählzyklus versucht 1817 durch den Hinweis auf den »Verfasser der Fantasiestücke in Callots Manier« an den großen Erfolg des ersten anzuknüpfen. Die Nachtstücke thematisieren vor allem die dunkle Seite der Seele, das Unheimliche und das Grauenvolle. Diese acht Erzählungen sind enthalten: Der Sandmann, Ignaz Denner, Die Jesuiterkirche in G., Das Sanctus, Das öde Haus, Das Majorat, Das Gelübde, Das steinerne Herz
244 Seiten, 8.80 Euro