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9. MaiMonat 1650.
Alle, die jhr freyen wollt,
Merckt, wie jhr Euch halten sollt,
Sintemal die Eh' ohn Zwist
Gottes hohe Stifftung ist,
Über die Er in der Welt
Noch gestreng und heilig hält.
Räumt Euch keiner Lust Seuch' ein,
Bleibt von aller Vnzucht rein,
Ewer Hertz sey Tag und Nacht
Durch der Keuschheit Schutz bewacht,
Rufft, wie sehr ein ieder kan,
Gott umb Vnschuld hertzlich an.
Flieht der Jugend Müssiggang,
Schewet keinen Arbeit-Zwang,
Lernt auff aller Zeiten Noht
Ehrlich werben ewer Brod,
Vnd bey Leibe stellt den Muth
Nicht nur auff ererbtes Gut.
Freyt in das Geblüte nicht,
Habt die Tugend im Gesicht,
Reich und schöne seyn vergeht,
Nur der Tugend Gut besteht,
Sucht ein Mensch, das Euch an Trew,
Sinn und Sitten ähnlich sey.
Was Euch Gott alsdann beschert,
Schätzt, als seine Gab', es wehrt,
Wisst, daß ihr auff Lieb und Leid
Selbs von Ihm verknüpffet seyd,
Der Euch fügt so fest und wol,
Daß kein Mensch Euch lösen sol.
Tragt einander mit Gedult,
Niemand lebt doch ausser Schuld,
Gläubt nicht einem ieden Traum,
Gebt dem Sathan nirgends Raum,
Stört ein Windchen ewre Rhue,
Mault nicht, sprecht Euch wieder zu.
Steigt ein Creutz-Gewitter auff,
Halttet im Gebeht zuhauff,
Hilfft euch Gott nicht alsobald,
Werdet nicht verzagt und kalt,
Harret sein, es kömpt die Zeit,
Daß er Euch nach Wunsch' erfrewt.
Solcher Art wird Euch die Eh
Schaffen ein geringes Weh,
Gott wird seine Gnaden-Hand
Recken über ewer Band,
Vnd das Ewrig' in gemein
Stets gesegnet lassen seyn.
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»Fanni war noch jung und unschuldigen Herzens. Ich glaubte daher, sie würde an Gamiani nur mit Entsetzen und Abscheu zurückdenken. Ich überhäufte sie mit Liebe und Zärtlichkeit und erwies ihr verschwenderisch die süßesten und berauschendsten Liebkosungen. Zuweilen tötete ich sie fast in wollüstigen Entzückungen, in der Hoffnung, sie würde fortan von keiner anderen Leidenschaft mehr wissen wollen, als von jener natürlichen, die die beiden Geschlechter in den Wonnen der Sinne und der Seele vereint. Aber ach! ich täuschte mich. Fannis Phantasie war geweckt worden – und zur Höhe dieser Phantasie vermochten alle unsere Liebesfreuden sich nicht zu erheben. Nichts kam in Fannis Augen den Verzückungen ihrer Freundin gleich. Unsere glorreichsten Liebestaten schienen ihr kalte Liebkosungen im Vergleich mit den wilden Rasereien, die sie in jener verhängnisvollen Nacht kennen gelernt hatte.«
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