Drittes Kapitel.

[187] Ein Dialog zwischen der Gastwirtin und Susanna, dem Stubenmädchen; für alle diejenigen, welche öffentliche Wirtschaften führen, wie auch für ihre Bediente nützlich und erbaulich zu lesen. Ferner, Ankunft und leutseliges Betragen einer schönen jungen Dame, woraus Personen von Stande lernen können, wie sie es zu machen haben, um die Liebe der ganzen Welt zu gewinnen.


Da sich die Wirtin erinnerte, daß Susanna die einzige Person sei, welche zu der Zeit im Hause noch auf den Beinen gewesen, als[187] die Kammerthür aufgesprengt worden, machte sie sich augenblicks hin zu ihr, um sich sowohl nach der ersten Veranlassung des Tumults, als nach dem fremden Herrn zu erkundigen, und zu welcher Zeit er angekommen und woher?

Susanna erzählte die ganze Geschichte, welche dem Leser bereits bekannt ist, und beugte die Wahrheit bloß in einigen Umständen nach ihren eignen Absichten, und das Geld, was sie empfangen hatte, verschwieg sie ganz und gar. Da aber ihre gebietende Frau in der Vorrede zu ihren Fragstücken viel von dem Mitleiden gesprochen hatte, welches sie wegen der Furcht empfände, worin die fremde Dame, in Ansehung des gewaltsamen Angriffs auf ihre Tugend geschwebt habe; so konnte Susanna nicht umhin, sich alle Mühe zu geben, um die Unruhe zu besänftigen, in welcher ihre Gebieterin über diesen Punkt zu sein schien, indem sie aus allen Kräften schwur und fluchte, sie habe Jones aus ihrem Bette springen sehen. Die Frau Wirtin geriet bei diesen Worten in die heftigste Wut. »Ein schönes Histörchen,« rief sie, »wahrhaftig! Eine Frau würde auch so laut schreien und ihre Ehre bloßgeben wollen, wenn das wahr wäre! Möchte doch wohl wissen, was irgend für eine Frau in der Welt für einen bessern Beweis von ihrer Tugend geben könnte, als daß sie laut schreit; und daß sie das gethan hat, können wohl zwanzig Leute bezeugen, glaub' ich. Ich bitte Mamsell Sausewind, von meinen Gästen solche ehrenrührige Sagen nicht unter die Leute zu bringen: denn das würde nicht nur meine Kunden, sondern auch mein Haus beschimpfen und schänden; und wahrhaftig! Straßenläufer oder gottlos Bettelpack kehren doch niemals bei mir ein.«

»Nun gut,« sagte Susanna, »so muß ich denn meinen eignen Augen nicht mehr trauen.« – »Nein! das muß man freilich nicht immer,« antwortete ihre Gebieterin. »Bei solchen hübschen adelichen Personen hätt' ich meinen eignen Augen nicht getraut. Seit einem ganzen halben Jahre ist kein so stattliches Abendessen von mir verlangt worden, als sie sich gestern Abend bestellten, und 's waren so gutmütige, so leicht zufriedene Leute, daß sie an meinem Worcester Birnmost, den ich ihn'n für Champagnerwein verkaufte, nicht das geringste Wörtchen aussetzten. Er ist nun freilich von ebenso schönem Geschmack und ebenso gesund, als der beste Champagner in ganz England, sonst wär' ich zu gewissenhaft, ihn den Leuten zu geben; und sie haben auch zwei ganze Flaschen ausgetrunken. Nein, nein, von so lieben, friedlichen Leuten mag ich mein Lebstage lang nichts Böses glauben.«

Da Susannen diesergestalt der Mund gestopft war, ging ihre Gebieterin über zu andern Sachen. »Sie sagt mir also,« fuhr sie fort, »daß der fremde Herr mit Kurierpferden angekommen ist?[188] und daß er einen Lakaien bei sich hat, der bei den Pferden im Stalle ist? Ja nun! so ist es gewiß auch ein vornehmer Herr. Warum hat sie ihn denn nicht gefragt, ob ihm nicht was zum Nachtessen beliebte? Ich denke wohl, er wird mit auf des andern Herrn sein Zimmer gegangen sein. Fort, gleich hinauf! und frage Sie ihn, ob er gerufen hat? Vielleicht läßt er sich noch was geben, wenn er sieht, daß noch jemand im Hause auf ist, der's anrichten kann. Und mach' Sie nur keine von ihren Einfaltsstreichen, daß Sie sagt, das Feuer wär' ausgegangen, oder die Hühner noch nicht geschlachtet. Und wenn er Hammelkarbonade fordern sollte, so plappere Sie nur nicht heraus, daß wir kein Fleisch im Hause haben. Der Metzger hat eben, wie ich zu Bett gehen wollte, ein Schaf geschlachtet, das weiß ich, und er haut mir gern ein Stück aus, wenn's gleich noch warm ist; das thut er gern, wenn ich ihn drum bitten lasse. Geh' Sie! Aber daß Sie's nur weiß, wir haben allerlei Sorten Hammelfleisch und Federvieh im Hause, hört' Sie's! Fort! hinauf! und wenn Sie die Thüre aufmacht, so sag S'e hübsch: Haben Sie gerufen, gnädige Herren? und wenn sie nicht antworten, so muß Sie fragen, was Ihr' Gnaden zum Nachtessen befehlen. Vergeß Sie nur nicht, daß 'e gnädge Herrn und Ihr Gnaden heißen. Nu! geh' Sie; wenn Sie uf alle diese Dinge nich besser Achtung gibt, so wird Sie's in der Welt nich weit bringen, denk' Sie an mich.«

Susanna ging fort und kam bald mit der Antwort zurück, daß die Herren sich zusammen in ein Bett gelegt hätten. »Zwei Herren,« sagte die Wirtin, »in ein Bett! das ist unmöglich! das muß Mäusefallenträgerpack sein, oder ich bin nicht ehrlich! und ich glaube, der junge Herr von Alwerth schoß nicht weit vorbei, als er meinte, daß der Kerl willens gewesen wäre, die gnädige Frau zu bestehlen; denn wenn er der Dame ihr Zimmer in dem ruchlosen Vorsatze eines hübschen feinen Herrn aufgebrochen hätte, so hätte er sich gewiß nicht so weggeschlichen hin aufs Zimmer eines andern, um das Geld für ein eigen Bett zu ersparen. 'S sind gewiß Diebe, und das Nachlaufen nach einer Frau ist nur Vorgeben und Wind, das glaub' Sie nur.«

Mit diesem tadelnden Argwohn that die Frau Wirtin gleichwohl dem Herrn Fitz Patrick groß Unrecht; denn er war wirklich ein geborner Edelmann, ob er gleich keinen Pfennig von Hause aus zu erben hatte; und ob er wohl nach Herz und Kopf vielleicht eben nicht auf den ersten Heerschild Anspruch machen könnte: so konnte man ihm doch nicht mit Recht vorwerfen, daß er zu den schleichenden Knickern gehörte. Er war in der That ein so freigebiger Mann, daß, so ansehnlich der Brautschatz gewesen, den er mit seiner Frau Gemahlin bekommen, er solchen doch, bis auf ein kleines verfestetes[189] Leibgedinge, bereits bei Heller und Pfennig unter die Leute gebracht hatte; und um mit diesem Leibgedinge noch ebenso großmütig schalten und walten zu können, hat er seiner Ehefrau fast grausam mitgespielt. Diese Begegnung, zusammengenommen mit seiner Eifersucht, welche von der unerträglichsten Art war, hatte die arme Frau gezwungen, ihrem Eheherrn davonzulaufen.

Dieser adliche Herr war damals durch seine starke Tagreise von Chester bis hierher sehr ermüdet. Diese Reise und einige derbe Stöße, die er in dem Gebalge davongetragen hatte, hatten seine Gliedmaßen sehr ermattet; dazu genommen, daß ihm auch sein Kopf ganz und gar nicht recht stand, so war ihm durch alles das alle Lust zum Essen vergangen. Und da er sich so gewaltig in dem Frauenzimmer geirrt, welche er auf das Wort des Stubenmädchens ohne weiteres für seine Ehefrau gehalten hatte, so kam ihm auch nicht einmal der Gedanke in den Kopf, daß sie dennoch bei alledem wohl im Hause sein könnte! ob er sich gleich in derjenigen Person geirrt, die er, die erste die beste, dafür angepackt hatte. Er ließ sich also von seinem Freunde überreden, für diese Nacht von aller weitern Nachsuchung abzustehen, und nahm das gütige Anerbieten einer Stelle in seinem Bette an.

Sein Lakai und der Postillon befanden sich in einer ganz andern Fassung. Sie waren schneller in den Federn, als die Frau Wirtin im Auftischen. Nachdem sie gleichwohl von ihnen den wahren Zusammenhang der Umstände so ziemlich zuverlässig herausgebracht und sich überzeugt hatte, daß Herr Fitz Patrick kein Dieb wäre, so geruhte sie endlich, ihnen etwas von kalter Küche vorzusetzen, woran sie noch mit vielem Heißhunger schlangen, als Herr Rebhuhn in die Küche kam. Er war zuerst von dem Lärmen aufgeweckt, den wir mit angesehn haben; und da er sich von neuem auf seinem Kopfkissen zurechtlegen wollte, hatte ihm ein Leichenhuhn oder Nachteule vor seinem Fenster eine solche Serenade gebracht, daß er in der entsetzlichsten Angst aus dem Bette aufsprang, holter und polter seine Kleider überwarf, und herunter nach der Küche lief, um bei der Gesellschaft Schutz zu suchen, die er dort noch im Gespräch begriffen gehört hatte.

Seine Ankunft hielt die Frau Hauswirtin ab, wieder zu ihrer Ruhe zu gehen; denn sie stand eben im Begriff, die andern beiden Gäste Susannens Aufsicht zu überlassen. Aber dem Freunde des jungen Herrn von Alwerth konnte man nicht so schlechtweg begegnen, besonders da er eine Pinte Glühwein mit Eiern und Zucker forderte. Sie machte augenblicklich Anstalt und setzte eine Pinte Birnmost zum Feuer; denn dieser Birnmost war so tauffertig, daß er sich jeden Namen gefallen ließ, den man ihm nur geben wollte.[190]

Der irländische Lakai hatte sich nach seiner Schlafstelle verfügt, und der Postillon stand auf'm Sprung ihm nachzufolgen; aber Rebhuhn nötigte ihn, zu bleiben und seinen Glühwein mit zu trinken, welches der Bursche mit vielem Dank annahm. Der Schulmeister fürchtete sich wirklich, allein nach seinem Bette zurückzukehren, und da er nicht wußte, wie lange er der Gesellschaft der Frau Wirtin genießen würde, so wollte er sich wenigstens des Postillons versichern, in dessen Gesellschaft er keine Gefahr von Beelzebub oder seinen dienstbaren Geistern besorgte. Und nunmehr meldete sich ein andrer Postillon am Thorwege; und Susanna, welche ihm aufzumachen hinausgeschickt ward, führte zwei junge Frauenzimmer in Reitkleidern herein, davon die eine ein so reich mit Gold und Tressen besetztes Kleid trug, daß Rebhuhn und der Postillon von ihren Stühlen aufsprangen und die Frau Gastwirtin mit ihren Knicksen und Ihr' Gnaden äußerst geschäftig war.

Die Dame in dem reichen Kleide sagte mit einem sehr freundlich herablassenden Lächeln: »Wenn Sie mir's erlauben wollen, Madame, so will ich mich ein paar Minuten hier an ihrem Küchenfeuer wärmen; denn es ist draußen wirklich sehr kalt, ich muß aber ja niemand von seinem Sitze verdrängen.« Dies ward in Rücksicht auf Rebhuhn gesagt, der sich nach dem äußersten Winkel zurückgezogen hatte, weil ihn der Glanz der Kleidung dieser Dame in die tiefste Ehrfurcht und Erstaunen versetzte. In der That hatte sie ein weit besseres Recht auf diese Ehrfurcht; denn sie war eins der schönsten weiblichen Geschöpfe von der ganzen Welt.

Die junge Dame nötigte Rebhuhn sehr ernstlich, seinen Sitz wieder einzunehmen; sie konnte ihn aber nicht dazu bringen. Sie zog drauf ihre Handschuhe ab, und entblößte dadurch ein paar Hände, welche alle Eigenschaften des Schnees, das Schmelzen am Feuer ausgenommen, an sich hatten. Ihre Gefährtin, welche nichts mehr und nichts weniger war als ihre Dienerin, zog ihre Handschuhe gleichfalls ab, und zeigte dadurch etwas, das an Kälte und Farbe die genaueste Aehnlichkeit mit einem Stück gefrornen Rindfleisches hatte.

»Ich wünsche von Herzen, Ihr Gnaden,« sagte die letztere, »daß Ihr Gnaden nicht drauf bestehen möchten, diese Nacht noch weiter zu gehen. Ich bin in Todesängsten, Ihr Gnaden können die große Fatickerei nicht länger aushalten.«

»Ja wohl, ja wohl!« rief die Frau Wirtin, »Ihr Hochgräfliche Gnaden können so was unmöglich denken: Gott bewahre uns! Diese Nacht noch weiter gehen! das geht sein Lebstage nicht! Lassen sich Ihr hochgräfliche Gnaden bitten, ja nicht daran zu denken. – Ja wahrhaftig! Ihr Gnaden können das gewiß auch nicht. Was geruhen meine gnädigste Dame zum Nachtessen zu befehlen? Ich habe[191] Hammelfleisch, wie 's Ihr Gnaden nur befehlen, und schöne Hühner und Kapaunen.«

»Ich denke, Madame,« sagte das junge Frauenzimmer, »es wäre viel eher Zeit zum Frühstück als zum Abendessen. Essen kann ich bei alledem nicht das allergeringste, und wenn ich bleibe, so werde ich mich bloß auf eine oder ein paar Stunden niederlegen. Wenn Sie indessen so gütig sein wollen, Madame, so machen Sie mir eine Schale Thee mit Sekt; 's muß aber nur sehr wenig Sekt dabei sein.«

»O ja, Ihr Gnaden,« sagte die Wirtin vom Hause, »ich habe gar vortrefflichen weißen Wein.« – »Sie haben also keinem Cyreser Sekt?« sagte die fremde Dame. – »Doch, doch! Ihr hochgräflichen Gnaden dürfen nur befehlen, ich habe welchen im Hause, trotz dem besten im Lande. – Aber lassen sich meine gnädigste Dame doch bereden, einen Bissen zu essen.« – »Auf mein Wort, ich kann nicht,« sagte die Dame, »und Sie werden mir eine große Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie so gütig sein wollen, mir so bald als möglich mein Zimmer zurecht machen zu lassen, denn ich bin gesonnen, mich in drei Stunden spätestens wieder zu Pferd zu setzen.«

»He, da! Susanne!« rief die Wirtin, »brennt das Feuer noch im Kamine in der wilden Gans? – 's thut mir leid, meine gnädigste Dame, daß alle meine besten Zimmer besetzt sind. Verschiedene Personen vom vornehmsten Stande liegen darin und schlafen, unter andern logiert hier ein vornehmer, junger adlicher Herr, und noch verschiedene andere hochadliche Personen.«

Susanne antwortete: »Der irländische Edelmann schlief in der wilden Gans.«

»Hab' ich nun all' mein Lebstage so was gesehen,« sagte die Frau Wirtin. »Wie, zum Satan! warum hebt Sie nicht immer ein paar von den besten Zimmern auf für hochadliche Gäste, da Sie doch weiß, daß kaum ein Tag hingeht, da wir nicht von etlichen Zuspruch haben. – Doch wenn's Herren sind, die zu leben wissen, so bin ich gewiß, wenn sie nur erfahren, daß es für Ihr freiherrliche Gnaden ist, so werden sie gerne wieder aufstehn.«

»Meinetwegen ja nicht!« sagte die Dame, »mir zu Gefallen sollen Sie niemand die geringste Unruhe machen. Wenn Sie ein Zimmer haben, das nur irgend bewohnbar ist, so kann ich mich gern damit behelfen. Es braucht gar nicht aufgeputzt zu sein. Ich bitte, Madame, machen Sie sich meinetwegen nicht soviel Sorge und Unruhe.« – »O!« schrie die andre, »ich habe aufgeputzte Zimmer genug, Ihr freiherrlichen Gnaden, wenn's darauf ankommt; aber keins, das für eine so vornehme Dame gut genug wäre. Da Sie unterdessen gnädigst geruhen wollen, mit dem besten vorlieb zu nehmen,[192] was ich habe, so geh' Sie hin, Susanne, und mach' Sie augenblicks Feuer an in der Rose. Geruhen Ihr hochgräflichen Gnaden jetzt gleich hinauf zu gehen, oder befehlen Sie zu warten, bis das Feuer recht im Brand ist?« – »Ich denke, ich habe mich schon genug gewärmt,« antwortete die Dame; »wenn's Ihnen also gefällt, so will ich jetzt gleich hinaufgehn. Ich besorge schon, daß ich jemand, und besonders den Herrn da, (sie meinte Rebhuhn) zulange vom Feuer abgehalten habe. Es thut mir weh, bei diesem unangenehmen Wetter jemand in die Kälte zu bannen.« Sie ging hierauf fort mit ihrer Begleiterin, und die Wirtin ging mit ein paar brennenden Kerzen voran.

Als die gute Frau wieder herunter kam, ward in der Küche von nichts gesprochen, als von der reizenden jungen Dame. Es steckt wirklich in der vollkommenen Schönheit eine Gewalt, welcher fast niemand zu widerstehen vermag: denn unsre Frau Wirtin, ob ihr gleich die Verweigerung des angebotenen Abendessens gar nicht behagte, beteuerte dennoch, in ihrem Leben kein so liebenswürdiges Geschöpf gesehn zu haben. Rebhuhn brach aus in die allerübertriebensten Lobsprüche der Gestalt ihres Gesichts, doch konnte er dabei nicht umhin, den schönen und reichen goldnen Tressen auf ihrem Kleide einige Verbeugungen zu machen. Der Postillon ertönte in Lobeserhebungen ihrer Gütigkeit, welches Lob der andere Postillon, der sie hergebracht hatte und eben hereingekommen war, wie ein Echo widerhallte. »Eine rechte gute Dame ist es, das muß ich sagen,« stimmte er ein, »denn sie erbarmt sich auch des Viehes, wie unser Pfarrer von den Gerechten zu sagen pflegt. Denn sie fragte mich unterwegs, ein Weilchen ums andere, ob ich auch meinte, daß sie den Pferden weh thäte, wenn sie sie so scharf zugehen ließe? Und als wir ankamen, da band sie mir's auf die Seele, ich sollte den Viechern so viel rein Korn geben, als sie nur immer fressen wollten.«

Solch ein Liebreiz liegt in der herablassenden Leutseligkeit, und so sicher ist sie, sich bei allen Arten von Leuten Lob und Beifall zu erwerben! Man kann sie wirklich der berühmten Madame Hussy1 vergleichen. Sie ist ebenso sicher, eine jedwede weibliche Vollkommenheit ins schönste Licht zu stellen und jede Unvollkommenheit zu verbergen und zu verhüllen. Diese kurze Betrachtung haben wir uns nicht entbrechen können, an dieser Stelle zu machen, wo unser Leser die Liebenswürdigkeit eines leutseligen Betragens gesehen hat,[193] und nun nötigt uns auch die Wahrheit, dieses Betragen dadurch zu kontrastieren, daß wir ihr Gegenteil darstellen.

Fußnoten

1 Eine berühmte Putzmacherin in London, welche jedes Frauenzimmer nach Wuchs und Bildung am vorteilhaftesten zu kleiden verstand.


Quelle:
Fielding, Henry: Tom Jones oder die Geschichte eines Findelkindes. Stuttgart [1883], Band 2, S. 187-194.
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