1780

[158] 4/878.

An Charlotte von Stein

Darmstadt d. 1. Jan. 1780.

Seitdem wir uns an den Höfen herumtreiben und in der sogenannten grosen Welt hin und her fahren ist kein Seegen für die Correspondenz. Das schöne Jahr haben wir in Dieburg mit kleinen Spielen angefangen, wo Diedens der Stadthalter seine Schwägerinn, Graf Nesselrodt zusammen waren. Heut sind wir wieder hier, morgen in Homburg, Dienstag wieder hier, wo die Erbprinzess das Melodrama geben wird.

[159] Seit einigen Tagen hat eine herrliche Kälte Himmel und Erbe aufgeklärt. Der Herzog ist munter und erkennt sich nach und nach im alten Elemente wieder, beträgt sich vortrefflich, und macht köstliche Anmerckungen. Von mir kann ich das nicht rühmen ich stehe von der ganzen Nation ein für allemal ab, und alle Gemeinschafft die man erzwingen will, macht was halbes, indess fuhr ich mich so leidlich auf als möglich. Hier gefällt mir die Prinzess Charlotte (der verwünschte Nahme verfolgt mich überall) doch hab ich auch nichts mit ihr zu schaffen aber ich seh sie gerne an, und dazu sind ia die Prinzessinnen.

Wenn Sie iezt von dieser Welt wären könnt ich mit einer schönen Anzahl Schilderungen aufwarten coll amore dell odio gezeichnet. Es ist unglaublich was der Umgang mit Menschen die nicht unser sind den armen Reisenden abzehrt, ich spühre ietzt manchmal kaum dass ich in der Schweiz war. Adieu und Glückliches neues Jahr. Ich muss aufhören meine Feder ist zu elend und in einem Schloss ist wie Sie wissen nichts zu haben.


Homburg d. 3. Jan.

So ziehen wir an den Höfen herum, frieren und langeweilen, essen schlecht und trincken noch schlechter. Hier iammern einen die Leute, sie fühlen wie es bey ihnen aussieht und ein fremder macht ihnen bang. Sie sind schlecht eingerichtet, und haben meist Schöpfe[160] und Lumpen um sich. Ins Feld kan man nicht, und unterm Dach ist wenig Luft. Ihren Brief vom 27. Dez. erhielt ich gestern, schreiben Sie mir nun ich bitte nach Eisenach bey Streibern abzugeben Wir sind übrigens sehr wohl, die Bewegung, die frische Lufft thun das ihrige und die Sorglosigkeit ist eine nährende Tugend.

Hab ich Ihnen schon geschrieben, dass ich unterweegs eine Operette gemacht habe? Die Scene ist in der Schweiz, es sind aber und bleiben Leute aus mei ner Fabrick. Kayser soll sie komponiren und wenn ers trifft, wird sichs gut spielen lassen es ist eingerichtet dass es sich in der Ferne, bey Licht gut ausnimmt.

Den sogenannten Weltleuten such ich nun abzupassen worinn es ihnen denn eigentlich sizt? Was sie guten Ton heisen? Worum sich ihre Ideen drehen, und was sie wollen? und wo ihr Creisgen sich zuschliest? Wenn ich sie einmal in der Tasche habe werd ich auch dieses als Drama verkehren. Interessante Personae dramatis wären

Ein Erbprinz

Ein abgedanckter Minister

Eine Hofdame

Ein apanagirter Prinz

Eine zu verheurathende Prinzess

Eine reiche und schöne Dame

Eine dito hässlich und arm.

[161] Ein Hofkavalier der nie etwas anders als seine Besoldung gehabt hat.

Ein Cavalier auf seinen Gütern der als Freund vom Haus bey Hofe tracktirt wird. Ein Avanturier in französchen Diensten eigentlicher: in französcher Uniform.

Ein Chargé d'affaires bürgerlich.

Ein Musickus, Virtuoso Komponist beyher Poete.

Ein alter Bedienter der mehr zu sagen hat als die meisten.

Ein Leibmedikus

Einige Jäger, Lumpen, Cammerdiener und pp.


Diese Nachricht bitte als ein Geheimniss zu verwahren denn ob es gleich nicht viel gesagt ist so könnte mir doch ein andrer den Braten vorm Maul wegnehmen. Adieu beste. In Eisenach find ich was von Ihnen. Bald wirds von uns nicht mehr heissen sie kommen sondern sie sind da.


4/879.

An Christian Friedrich Schwan

Franckfurt d. 10. Jan. 1780.

Herr Bruire hat mir die verlangten Zeichnungen geschickt, ich habe ihn wegen der Zahlung des was ich ihm dafür schuldig geworden an Sie gewiesen.

[162] Haben Sie die Güte soviel als er verlangt von den Herren Schmalz, die darüber Ordre haben, zu erheben, und es ihm zuzustellen. Die viele Mühe die ich Ihnen mache beschämt mich, doch hoff ich die Nothwendigkeit wird mich entschuldigen.

Goethe.


4/880.

An Johann Friedrich Krafft

Weimar, den 13.[-17.] Januar 80.

Wir sind glücklich, wohl und vergnügt wieder angekommen. Ihre Packete habe ich in Frankfurt richtig erhalten und danke recht sehr. Durch Ihre Aufmerksamkeit auf diese Dinge, und Ihre Bemühungen mit Petern, leisten Sie mir einen wahren Dienst und vergelten mir reichlich alles was ich etwa für Sie gethan habe. Sein Sie wegen der Zukunft ohne Sorgen, es werden sich gewiß Gelegenheiten finden, wo Sie nützlich sein können, indeß fahren Sie wie bisher fort.

Nächstens will ich Rieden das verflossne Vierteljahr schicken, auch Ihnen was Sie etwa nebenher schuldig geworden; melden Sie mir wie viel, und einiges Taschengeld auf das Gegenwärtige. Für Petern will ich auch sorgen. Nur so viel diesmal in Eile.

G.

[163] Ich erhalte Ihren Brief und will das Nöthige besorgen; bleiben Sie ruhig. Nächstens schick ich Geld und schreibe mehr.

G.


Der Brief ist zurückgeblieben und ich entschließe mich gleich das Geld zu schicken. Ihren Wirth bedaur ich. Die Frau Ried erhält durch dieses das verflossne Vierteljahr. Ihnen schicke ich auch 25 fl. Ihre Schulden zu bezahlen und sich weiters fortzuhelfen. Nächstens, wenn das Wetter besser wird, will ich Ihnen einen Wagen schicken und Sie abholen lassen, wenn ich nicht selbst komme. Wegen Petern schrieb ich an Herrn v. Staff. Fahren Sie fort das möglichste mit ihm zu thun.

Die Strafe wegen des leidigen Handels bezahlen Sie nur ohne Umstände, ich will Ihnen lieber das Geld dazu geben, als daß Sie um Abolition einkommen. Die Sache wird nur dadurch wieder lebendig und ich möchte nicht, daß der Herzog Ihren Namen bei so einer Gelegenheit zu sehen kriegte. Bezahlen Sie nur und schreiben was es macht.


4/881.

An Charlotte von Stein

[Mitte Januar.]

Ich schicke Ihnen was ich von alten Krizzeleien von Franckfurt mitgebracht. Ein Kupfer nach Raphael, [164] und einen Epheu der in den Zeitungen steht und bitte mich zu Gaste.


4/882.

An Charlotte von Stein

Die Ungeschicklichkeit des Glücks zu ersezen. d. 19. Jan. 80.

G.


4/883.

An den Herzog Carl August,die Herzoginnen Amalie und Louise,

Prinz Constantin,

Carl Ludwig von Knebel,

Christoph Martin Wieland und

Karl Theodor von Dalberg

An Herrn Hauptmann von Knebel

zu geneigter weitern Beförderung.

G.


Weimar, den 19. Januar 1780.

Den 4. Mai 1778 schrieb der Herr Statthalter v. Dalberg ein Billet in folgendem:


»Müller, der Maler, geht nach Italien. Wünscht Unterstützung, braucht sie. Verspricht dagegen Zeichnungen, Nachrichten von seiner Reise, warmes Dankgefühl. Also bis zu seiner Rückkunft eine jährliche Pension: Ich wage es eine Subscription zu eröffnen.«


Es unterzeichneten sich:


Durchl. Herzogfür20Louisd'ors.

Durchl. Herzogin Mutter " 10Louisd'ors.

[165] Durchl. Reg. Herzogin " 10Louisd'ors.

Durchl. Prinz Constantin " 10Ducaten.

Goethe " 5Ducaten.

von Knebel " 2Louisd'ors.

Wieland " 5Ducaten.

von Dalberg " 10Ducaten.


Müller, der im August nach Italien gieng, erhielt durch mich den größten Theil der Pension fürs erste Jahr im September, mit dem Versprechen, daß jährlich fortgefahren werden sollte, und er also seine Einrichtung darnach machen könne.

Er erwartete also vergangenen September die versprochene Summe zum zweiten Mal; da aber in meiner Abwesenheit Niemand war, der das Geld einsammelte und besorgt hätte, so gerieth Müller dadurch in große Verlegenheit.

Er schrieb einen Brief von Rom den 16. vergangenen Oktobers, den ich bei meiner Rückkunft antraf.

Er klagt, daß man zu Manheim übel mit ihm umgehe und wie er seine einzige Hofnung auf die Beihülfe von Weimar setze.

Ich zeichne einige Stellen des Briefes aus:


»Ich habe ein Stück für Sie fertig; was es ist, will ich Ihnen jetzo gleich sagen, hernach können wir weiter fortreden. Dieß Stück ist aus der Epistel Judä genommen, stellt den Streit des Erzengels Michaelis mit Satan über den Leichnam Mosis vor, ein Subjekt das [166] Raphael oder ein Michel Angelo hätte malen sollen. – Kurz ich habs gemacht, und wie ich's gemacht, werden Sie bald sehen, wenn ichs künftiges Frühjahr durch meinen Freund Mechau nach Weimar werde überbringen lassen. – Wers einmal gesehen, kommt immer und siehts wieder, und ob ich gleich nur ein Jahr hier bin, hat mirs doch so viel zuwege bracht, daß mein Wort immer unter denen, die zwölf und funfzehn Jahr schon hier studiren, gilt.

Wie wollen Sie's denn künftig mit meiner Pension einrichten, daß ich sie hier zu gewissen Zeiten ziehen und darnach meine Maßregel in Ansehung der Ausgaben zu meinem Studio nehmen kann. – Seyn Sie versichert, ich werde Ihnen als ein ehrlicher Mann immer so viel Arbeit dagegen liefern, daß Sie gewiß nicht zu kurz dabey kommen sollen. Das erste Jahr konnt ich nicht sogleich wie ich wolte, bis mann Rom kennen lernt, alle Gallerien, Willen, Monumenten . bis man sich zum Arbeiten eingericht, eine Werckstelle gefunden (wie ich denn bis dato noch keine eigene habe und immer noch zu Gast arbeiten muß, das im Grunde sehr verdrüßlich ist,) alles das nimmt Zeit hinweg und dann wird auch die erste Arbeit nicht gleich so, daß mann sie einem brafen Mann zuschicken mag. Auf künftiges Frühjahr hoff ich werden Sie mit mir zufrieden seyn. Denken Sie also darauf, mein lieber Goethe, wie Sie's mit meiner Pension einrichten wollen. Der Winter bricht jetzt heran, da verdoppeln sich viele Ausgaben, ich muß mir eine eigene Werckstätte anschaffen, sollt ich mirs auch am Maul abspahren. Wir Deutsche müssen unsere eigene Akademie hier unterhalten . Glauben Sie, daß zu dem Gemälde, das ich Ihnen überschicken werde, die [167] Studien allein an Modellen, Gipfe, Malereien, die ich copirte, und für die Erlaubniß bezahlen müssen, sich über dreißig Zechinen belaufen – das ist, so wahr Gott lebt, die Wahrheit.«


Unter diesen Umständen habe ich sogleich bei meiner Rückkunft die ganze Summe, die 304 Thlr. 12 Gr. nach hiesigem Gelde ausmacht, an ihn nach Rom übermacht und erbitte mir von seinen toten Gönnern gnädigen und gefälligen Ersatz.

Ich bin überzeugt, daß er der wohlthätigen Gesellschaft in der Folge sowohl Ehre als Vergnügen ma chen wird.

Wegen einer Einrichtung für die Zukunft will ich mich mit ihm abreden und seine Antwort vorzulegen nicht verfehlen.

G.


4/884.

An Philipp Christoph Kayser

Weimar den 20. Januar 1780.

Ihren Brief lieber Kaiser vom 16. Dez. habe ich erst bei meiner Rükreise in Weimar gefunden, da schon von Frankfurt die versprochne Operette mit dem neuen Jahr abgegangen war die Sie schon lange haben müssen und worüber ich Ihre Gedanken erwarte. Nach Ihrem Verlangen schike ich Ihnen ein zweites Exemplar, wo ich an die Gesänge mit rother Dinte das allgemeinste des Tons beigezeichnet habe, freilich [168] nicht viel mehr als Ihnen die Verse selbst sagen werden. Den Charakter des Ganzen werden Sie nicht verkennen, leicht, gefällig, offen, ist das Element worinn so viele andre Leidenschaften, von der innigsten Rührung biss zum ausfahrendsten Zorn u.s.w. abwechseln. Edle Gestalten sind in die Bauernkleider gestekt und der reine einfache Adel der Natur soll in einem wahren angemessenen Ausdruk sich immer gleich bleiben. Sie haben in dem Augenblik da ich dieses schreibe, vielleicht schon mehr über das Stük nachgedacht als ich Ihnen sagen kann, doch erinnre ich Sie nochmals machen Sie sich mit dem Stüke recht bekannt ehe Sie es zu komponiren anfangen, disponiren Sie Ihre Melodien Ihre Accompagnements u.s.w. dass alles aus dem Ganzen und in das Ganze hinein arbeitet. Das Accompagnement rathe ich Ihnen sehr mässig zu halten nur in der Mässigkeit ist der Reichthum, wer seine Sache versteht thut mit zwei Violinen, Viole und Bass mehr als andre mit der ganzen Instrumentenkammer. Bedienen Sie sich der blassenden Instrumenten als eines Gewürzes und einzeln; bei der Stelle die Flöte, bei einer die Fagot, dort Hautbo, das bestimmt den Ausdruk und man weis was man geniesst, anstatt dass die meisten neure Componisten, wie die Köche bei den Speissen einen Hautgout von allerlei anbringen, darüber Fisch wie Fleisch und das Gesottne wie das Gebratne schmekt. Recitatif brauchen Sie nach meiner Anlage gar nicht, [169] wenn Sie an einem Orte den Gang einhalten, die Bewegung mässigen wollen, so hängt es von Ihnen ab solches durchs Tempo, allenfalls durch Paussen zu bewürken, doch bleibts Ihnen ganz frei wie sichs Ihnen im geistigen Ohre vorstellt. Ich bin neugierig Ihre Gedanken über das Stük zu hören. Ich bitte Sie währender Arbeit mir immer manchmal was zu melden, es erregt eines in dem andern einen guten Gedanken.

Noch muss ich eins anführen! Von dem Moment an da Thomas das Quodlibet zu singen anfängt geht die Musik ununterbrochen biss zu Ende fort und wird wenn man es mit einem Kunstterm stempeln wollte zu einem ungeheuren langen Final. Ich bin gewiss dass ich mit iedem andern Musikus ausser Ihnen viel Händel haben würde, weil so mancherlei Melodien und Ausdrüke auf einander folgen, ohne dass die schiklichen Pantomimen zu langen Vorbereitungen Ausführungen und Übergängen Plaz liesen. Mit Ihnen ist es mir aber Gott sei Dank gar nicht bange. Was ich an Ihren Sachen am meisten schäze ist eben diese Keuschheit, die Sicherheit mit wenigem viel hervorzubringen und mit einem einzigen veränderten Griff mehr zu thun als wenn andre sich in weitläufigen Orgeleien den Zügel schiessen lassen. Bei dieser Gelegenheit wird Ihnen das variiren eben derselben Melodie grosse Dienste thun und es ist ein sehr schöner einfacher Eindruk den man am rechten [170] Orte durch einen minor durch eine gewandte Harmonie hervorbringt. Ich sage Ihnen lauter Sachen die Sie besser wissen können als ich, doch ist es auch gut dass Sie in der Ferne bestimmt wissen in wie fern wir eines Sinnes sind. Lassen Sie dieses kleine Stük Ihr anhaltend Studium sein, und zeigen Sie dadrinne Ihren ganzen Reichthum dass Sie nicht mehr hineinlegen als ihm gehört. Schreiben Sie mir ia bald.

Bald hätte ich das Nothwendigste zu sagen vergessen.

Die Aktrice, der Bätelys Rolle zugedacht ist hat einen schönen Umfang von Stimme und ist eine geübte Sängerinn, die beiden Mannsleute sind Tenore, zwar nur Liebhaber, doch aber Leute die sich zu finden wissen. Thomas sollte eigentlich eine Basstimme sein, diese aber haben wir nicht. Die Mutter ist eine gute Sängerinn.

G.


[9] 4/884a.

An N.N.

Sie sind so gütig was an Extrackten, und Manualen abgeht zusammen zu schaffen, und den allgemeine Auszug zu fertigen.

d. 23 Jan. 80.

G.


[170] 4/885.

An Charlotte von Stein

[Ende Januar.]

Ich dancke lieber Engel für die Vorsorge. Hierhausen bin ich soweit ganz gut, hab auch alles beysammen. Der Kopf ist mir nur gar sehr eingenommen ich darf nicht einmal Bilder sehen. Wenn Sie etwa mit einigen guten Freunden gegen Abend zu mir [171] kommen wollten, die Stunden werden mir immer am sauersten. Adieu.


4/886.

An Charlotte von Stein

Wie gehts Ihnen heute und was fangen Sie an. Gestern Abend hätt ich Sie gerne besucht, ich musste aber hin wo die Kutsche hinwollte. Es ist mir gar leidlich. Gestern trieb ichs schon wieder ein bissgen zu arg, hörte das Alexander Fest, und schwazzte zu viel bey der Herzoginn und erzählte, dass mirs gegen Abend nicht ganz recht war. Gehn Sie heut nach Hof? d. 6. Febr. 80.

G.


Schicken Sie mir doch das Stückgen Reisebeschreibung vom Münsterthal, Lac de Joux, und Savoyen! ich schreibe am Wallis.


4/887.

An Johann Kaspar Lavater

Weimar den 7. Febr. 1780.

Ich muss dir von dem, was bisher vorgefallen Nachricht geben. Angekommen ist ausser deinem lezten Transport von dem du schreibst wo bei der Correge ist, alles ganz glüklich. Der Hamilton zulezt, und zugleich dein Paquet mit der Abschrift der Offenbahrung. [172] Ich muss sagen ie mehr ich die erste Capitel lese ie mehr gefallen sie mir, auch finden sie bei iedermann Beifall. Nicht so ist es mit der zweiten Helfte des Buchs. Ich glaube aber auch zu finden, worinn mich andre bestärken, dass die andre Helfte des Buchs bei weitem nicht den Werth wie die erste hat. Ihr habt, wie ich höre eure Stimmen über Herders Buch viritim gesammelt und ihm zugeschikt. Ich habe sie noch nicht zu sehen gekriegt.

Deine Albrecht Dürers, Martin Schön und Lukas von Leiden, die du von Toggenburg und von Heideggern hast sind alle schon recht schön von ihren alten Papieren losgelöst und warten nur drauf bis der lezte Transport deines eignen ankommt um wieder in recht schöner Ordnung aufgetragen zu werden. Ich hoffe du sollst an dieser Sammlung, wenn sie fertig ist ein Vergnügen haben. Ich werde dir ieden Meister besonders halten und von denen wo ichs wissen kann den Werth der Blätter und Abdrüke bestimmen. Bei der Albrecht Dürerischen Sammlung, will ich so viele Blätter als mir Stüke fehlen frei lassen und die Nummern drauf schreiben, dass du sie wenn du sie künstighin bekömmst nur einkleben darfst. Von den Martin Schöns und Lukas von Leiden kenn' ich keinen kompletten Catalogus kann es also damit nicht eben so machen. Einige Blätter die dem Herzog in seiner Sammlung fehlen, werd ich dir zurükbehalten, dafür wirst du aber die er doppelt besizt und die ich sonst [173] für dich auftreiben kann bei den deinigen mit eingeheftet finden. Das getuschte Portrait von dir, das in der Offenbahrung lag hab' ich sogleich als wenn dus vor mich hinein gelegt hättest angenommen. Es ist wenn man sich erst mit der Trokenheit und Bestimmtheit verglichen hat, wie mich dünkt, ein sehr gutes Bild.

Ich bitte dich mir auf das baldeste ein kleines producibles Avertissement zu schreiben deine französische Phisiognomik betreffend, sowohl, welchen Weeg du einschlägst das Buch dem Publiko nüzlich zu machen, als auch vorzüglich wie viel man dafür bezahlen soll und wann man das Buch erhalten wird, was ich dir alsdenn auf diese bestimmte Anzeige für Subscribenten verschaffen kann will ich gerne thun, denn gegenwärtig scheut sich iedermann, sich in ein Wert ein zulassen das so weit wie dein teutsches Werk führen und so theuer zu stehen kommen könnte.

Aus beiliegendem Briefe wirst du ersehen dass dein befehlendes Gebät nicht überall durchgeht. Lass, ich bitte, die Sache ruhen, und thue wenn du ihm wieder schreibst weiter nicht als wenn was gewesen wäre. Wenn wir einander was zu Gefallen thun können wollen wir's thun und andre ungeplagt lassen.

Semlers ganzen Brief an dich mögt ich sehen.

Ich habe vierzehn Tage eine Art von Catharfieber gehabt und muss noch iezo mit meiner Arbeit ganz sachte zugehen. Vergiss doch ia nicht mir die [174] Lotte kopieren zu lassen. Schmieds Bibel wirst du haben.

Die Cenci und zwei Gluks warten auf einen Fuhrmann.

Grüse deine Frau und deine Kleinen, Bäben und Pfenningern. Schreib mir manchmal was du machst dass wir beisammen bleiben.

G.


NB. Einige meiner Freunde denen ich sagte du hättest dem Buche wollen, Messiade Johannis zum Titel geben, haben ihn sehr schicklich gefunden, sie sagen zwar auch mit mir dass der Seitenblick auf Klopstock einen Augenblick anstose, es sey aber weil doch dieses Buch weit mehr als ein andres und in deiner Behandlung tausendmal mehr als Klopstocks Gedicht den Messias vergöttre, ein guter Gedancke dies Buch Messiade zu heissen, und dadurch das Licht auf den Leuchter zu stecken. Thu was du meinst. Ich habe offt für lauter Recht würcklich unrecht.

G.


4/888.

An Charlotte von Stein

Guten Morgen meine beste. Haben Sie Sich wohl erlustigt, haben Sie ein angenehmes Tarock gespielt und bey irgend einem Thiere mein gedacht?

d. 9ten Febr. 80.

G.


[175] 4/889.

An Johann Friedrich Krafft

Ich habe so viel zu thun daß ich nicht sagen kann als, ich bitte sich zu beruhigen.

Sie haben den Fehler der zu grosen Ängstlichkeit und daß Ihre immer geschäftige Immagination alles aneinander hängt, und überall Sturz und Fall und das Ende aller Dinge zu sehen gewohnt ist. So lang der Amtmann rechtschaffen handelt, hat er nichts zu fürchten. Was diese Sache für eine weitere Wendung nimmt, wird zu erwarten sein. Mischen Sie sich in weiter nichts und bleiben still auf Ihrem Platz.

Weimar, den 10. Febr. 80.

G.


4/890.

An Jakob Friedrich von Fritsch

Ew. Excellenz

nehme mir die Freiheit mit einer Bitte zu behelligen. Schon lange hatte ich einige Veranlassung zu wünschen, daß ich mit zur Gesellschaft der Freimaurer gehören möchte; dieses Verlangen ist auf unserer letzten Reise viel lebhafter geworden. Es hat mir nur an diesem Titel gefehlt um mit Personen, die ich schätzen lernte, in nähere Verbindung zu treten- und dieses gesellige Gefühl ist es allein, was mich um die Aufnahme nachsuchen läßt. Wem könnte ich [176] dieses Anliegen besser empfehlen, als Ew. Excellenz? Ich erwarte, was Sie der Sache für eine gefällige Leitung zu geben geruhen werden, erwarte darüber gütige Winke und unterzeichne mich ehrfurchtsvoll

Ew. Excellenz

Weimar,

ganz gehorsamster Diener

den 13. Febr. 1780.

Goethe.


4/891.

An Christian Friedrich Schwan

Wohlgebohrner

Hochzuehrender Herr

Von Frankfurt aus hab' ich mir die Freiheit genommen Sie wegen des Mahler Bruins zu beschweeren, ich habe Sie gebeten ihm wegen seiner Bemühungen etwas anzubieten und die Auslagen auf ordre derer Herren Bettmänner wieder einzukassiren. Ich habe die Zeit nicht gehört ob er etwas angenommen und wünschte doch eh' ich ihm wieder schreibe es zu wissen. Wollten Sie doch die Güte haben mir mit wenigen Worten Nachricht zu geben. Grüsen Sie Müllern in Rom vielmals, wenn Sie ihm die hundert Dukaten überschiken und verzeihen Sie die doppelten Beschweerden die ich Ihnen verursache.

Ew. Wohlgeb.

Weimar

ergebenster Diener

den 18ten Febr. 1780.

Goethe.


[177] 4/892.

An Samuel Wyttenbach

Mit Vergnügen erinnere ich mich der wenigen angenehmen und lehrreichen Stunden, die ich bei Ihnen zugebracht, und nehme mir die Freiheit Sie an das versprochene Exemplar Wagnerischer Prospekte zu erinnern. Sollte es etwa schon abgegangen sein, so bitte ich um einige Worte Nachricht. Auf unserer übrigen Reise durch die Schweiz bin ich Ihrem guten Rathe gefolgt, und habe mich sehr wohl dabei gefunden. Wir sind so glücklich gewesen bei schönstem Wetter und ohne den mindesten Zufall auf Genf, Chamouni, über Trient ins Wallis, dasselbe ganz hinauf, über die Furka und Gotthardt und den vier Waldstättersee nach Luzern zu kommen. Haben Sie die Güte wenn Ihnen die Zeit übrig bleibt mir in der Folge Ihre merkwürdigen Entdeckungen mitzutheilen und bleiben Sie meiner Hochachtung versichert.

Weimar den 18. Febr. 1780.

Goethe.


4/893.

An C. von Düring

Weimar den 20. Febr. 1780.

Hochwohlgebohrner

Hochgeehrtester Herr

Ich verfehle nicht Ihnen sogleich die Nachricht zu ertheilen dass Herr v. Scholley endlich das Legat für[178] Peter im Baumgarten ausgezahlt hat. Den 14. Jan. und 15. Febr. sind iedesmal 200 St. Louis d'or zu 5 rh. und also 2000 rh. an meinen Banquier in Eisenach eingegangen. 1000 rh. hab ich sogleich davon als ein Capital bei der Eisenacher Landschaftskasse angelegt, von den andern 1000 ist folgende Verwendung zu machen.

Herr von Salis zu Marschlins hat laut beyliegender Rechnung eine Forderung von 60 1/3 alte französche Louis d'or die nach des seeligen Lindaus leztem Willen und nach den ersten Äusserungen des Herrn v. Scholley von dem Legate abgekürzt werden sollen. Ich habe dem Herrn v. Salis sogleich dieses Geld in Frankfurt angewiesen und diesen Mann der mir in der lezten Zeit die dringendste Briefe geschrieben und mir eine förmliche Substitutions Urkunde geschikt befriediget.

Ferner ist Peter an einen gewissen Ramont in Colmar auch noch 8 neue Louis d'or schuldig, welche Post ich auch untersuchen und abtragen werde.

Die Rechnung meiner eignen baaren Auslagen für den Knaben biss ult. 1779 beträgt 367 rh. 12 gr. 5 pf. Daraus denn zusammen beiliegende Berechnung entsteht.

Ich überlasse es nunmehr denen gegen mich geäusserten gnädigen Gesinnungen in wie fern es denen Frauen und Fräul. Schwestern meines seeligen Freundes gefällig sein wird dieses Kapital wieder zu komplettiren und in der Folge während der Erziehung dieses Knabens ganz zu erhalten.

[179] Es lässt sich derselbe gegenwärtig ganz gut an und ich habe einen Verständigen und braven Mann der sich in Ilmenau aufhält bewogen dass er ihm im Französchen Rechnen Schreiben Zeichnen auch den nothwendigsten Anfangsgründen der Wissenschaften eine beständige Übung unterhalte.

Noch muss ich bemerken dass die Forderung des Herrn von Salis an meinen seeligen Freund durch die 60 1/3 Louis d'or nicht völlig getilgt ist. Nach obgedachter beyliegenden Rechnung steht noch vor Andreas Feurer die Summe von 678 fl. 43 kr. Churer Valuta oder 62 1/2 alte französche Louis d'or zurük. Ich habe diesen Posten bei Herrn von Schollei in Erinnerung gebracht und bitte gleichfalls um baldige Berichtigung. Es kan das Geld an mich ausgezahlt werden, indem ich eine gerichtliche Vollmacht des Herrn v. Salis in händen habe.


4/894.

An C. L. A. von Scholley

[20. Februar.]

Hochwohlgebohrner

Hochzuehrender Herr

Mit Vergnügen habe aus einem Brief des Herrn Commerzienrath Streibers ersehen dass das Legat für Peter im Baumgarten nunmehro wirklich ausgezahlt worden. Er wird dagegen Ihnen die Generalquittung[180] überschikt haben. Von dieser ist mir auf der Reise das Concept verlegt worden, ich bitte daher zu Complettirung meiner Ackten um eine gefällige Abschrift.

Zugleich werden Ew. Hochwohlgebohren aus beiliegender Rechnung des Herrn von Salis ersehen, was für Forderungen derselbe an die Erben meines seeligen Freundes formirt. Die Erste Post Petern im Baumgarten betreffend die nach dem Testamente sowohl als auch nach der ersten dem Herrn v. Salis gethanen Eröfnung von dem Legate abgezogen werden sollte habe ich gleich mit 60 1/3 Louisdor durch die Herren Bettmann in Frankfurt an ihn übermachen lassen. Was nun aber den Überrest von 60 1/2 Louis d'or für Andreas Feurer betrift so bitte ich Ew. Hochwohlgebohren ia sehr auch diese Post auf das baldigste zu berichtigen und den Herrn von Salis der sein Geld so lange entbehren müssen zufrieden zu stellen. Er hat mir auch dieses Geld einzunehmen eine legale Vollmacht überschikt, wovon ich auf Erfordern eine vidimirte Abschrift mittheilen kann.

Ich wiederhole meine Bitte um baldige geneigte Antwort und um eine bei denen grosmüthigen Gesinnungen der von Lindauischen Geschwister so leicht mögliche völlige Beendung dieses Geschäfts. p.


[181] 4/895.

An Karl Ulysses von Salis

[20. Februar]

Hochwohlgebohrner

Hochzuehrender Herr

Vor wenigen Tagen hat endlich Herr von Schollei das Legat von 2000 rh. berichtiget. Ich verfehle nicht sogleich unter dem heutigen dato an die Herren Bettmänner in Frankfurt am Main 60 1/3 alte Louis d'or für Sie anweissen zu lassen so viel beträgt nach Ihrer mir eingeschikten Rechnung die rükständige Pension für Petern im Baumgarten. Wegen der andern Post für Andreas Feurer will ich das möglichste thun um Ihnen dieselbe auch bald einzukassiren doch steh' ich nicht davor dass der schläfrige und unbehülfliche Herr von Scholley uns nicht auch wieder einige Jahre herumzieht. So bald Sie das Geld erhalten, bitte ich um gefällige Nachricht und Quittung. Behalten Sie mich in gutem Andenken. Es hat mir sehr leyd gethan dass meine lezte Reise in die Schweiz mich nicht in Ihre Gegend geführt hat. Sie hätten gewiss einen Besuch von uns erhalten, wenn die Jahrszeit uns nicht zum Rükzug genötigt hätte.


[182] 4/896.

An J. L. Streiber

[20. Februar.]

Wohlgebohrner

Hochzuehrender Herr

Für die gütige Besorgung der verschiedenen Aufträge bezeige ich Ew. Wohlgeb. meinen grössten Dank und bitte Sie zugleich von dem bei Ihnen noch vors räthig liegenden Gelde 60 1/3 St. alte Louis d'or für Herrn Ulysses von Salis in Marschlins bei Chur in Graubündten an die Herren Bettmann nach Frankfurt zu übermachen. Es werden dieselben solche weiters an Herrn Schulthes nach Zürich in der Limmatburg anweisen, von welchem sie sodann Herr von Salis empfangen wird. So viel ich weis haben die Herren Bettmänner schon geraume Zeit Nachricht von diesen einzugehenden Geldern. Den Überrest bitte ich sodann an den Herrn Landschafts Cassier Kern abzugeben der mir solchen mit dem ersten Transport herüber zu schiken die Güte haben wird.

Mit Vergnügen kann ich Ihnen melden dass ich von meiner kleinen Unpäslichkeit vollkommen wieder hergestellt bin, und danke für den Antheil den Sie an meinem Wohlsein nehmen wollen. Empfehlen Sie mich Ihrer ganzen werthen Familie zu geneigtem Andenken.

[183] N. S.

Wollten Sie die Güte haben mir gelegentlich einige Duzend von denen feinen Pappen wozwischen die Risse gepresst werden zu überschiken, ich kann solche um Zeichnungen drauf zu tragen gar wohl benuzen.


4/897.

An Charlotte von Stein

[24. Februar.]

Ich bin zwar wieder kranck will aber doch fahren. Sagen Sie obs noch ist und wann. Und lassen Sie mir Hauptmanns Schliten† bestellen ich bitte. Denn es ist so weit.

† und Vorreuter.

Er mag nur bereit seyn ich will ihn hohlen lassen.


4/898.

An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha

Durchlauchtigster Herzog,

Gnädigster Herr

Die funfzehn Bände Herzoglich Bernhard'scher Papiere habe ich am vorigen Freitage erhalten und übersende sogleich den schuldigen Empfangschein mit unterthänigstem Danke. Sie sind durch Ew. Durchl. gnädige Vorsorge zum leichteren Gebrauche so bequem eingerichtet, daß sie ganz appetitlich aussehen, und[184] ich wünschte mit meinen Vorarbeiten so weit zu sein, daß ich gleich dran gehen und sie nach einander durchsehen dürfte. Um aber nicht das Hinterste zu vorderst und unnöthige Arbeit zu thun, muß ich mich davon zurückhalten. Sie sind, wie ich beim flüchtigen Durchsehen finde, insgesammt von den letzten Jahren des Herzogs, und nun bedaure ich erst, aus eignem Antheile, den Verlust der Schlacht bei Nördlingen, die nun auch mir nach so langer Zeit schädlich wird. Dagegen habe ich aus dem Diarium des von Grün, das mir Ew. Durchl. anvertraut, schon manches Merkwürdige ausgezeichnet, es wird mir, so viel ich noch übersehen kann, wohl die wichtigste Quelle bleiben, woraus ich meine Anlagen wässern kann. Der Antheil, den Ew. Durchl. an meiner Arbeit gnädigst nehmen wollen, macht mir sie doppelt werth, und ich wünschte auf die würdigste Weise dem Hause Sachsen, dem ich mich gewidmet habe, in einem seiner größten Männer meine Verehrung bezeugen zu können, ob ich gleich mir nicht mehr zutraue, als daß vielleicht meine Bemühung einen Andern, der diesem Geschäfte mehr gewachsen ist, aufweckt und reizt. Erhalten mir Ew. Durchl. fernerhin guten Muth durch das unschätzbare Wohlwollen, dessen gnädige Zeichen und Ausdrücke ich auf das Dankbarste empfinde.

Von dem Hofbildhauer Clauer habe ich gehört, daß Durchl. vielleicht einige Stücke Stein zu einem [185] Camine brauchen könnten, sollte der Fall kommen, so bitte um ein accurates Maas, um sehen zu können, ob dergleichen Steine vorräthig sind und sie alsdann auf Ew. Durchl. Befehl entweder roh oder von unserem Künstler, nach einer genehmigten Zeichnung gearbeitet, übersenden zu können. – Der Herzogin und des Prinzen Durchlauchten empfehle ich mich zu Gnaden und unterzeichne mich mit wahrster Ehrfurcht und Ergebenheit

Ew. Durchl.

Weimar,

unterthänigster Diener

den 28. Febr. 1780.

Goethe.


4/899.

An Charlotte von Stein

Der Sturm hat mich die Nacht nicht schlafen lassen, das Treiben der Wolcken ist aber iezt gar schön. Die Zeichnung steht oben beym Herzog, ich bin nicht weit mit der meinigen gekommen. Wenn Sie zeichnen wollen; so lassen Sie das Original nur holen, sonst lassen Sie mirs noch heute. d. 29. Febr. 1780.

G.


4/900.

An Charlotte von Stein

Es ist sehr artig dass wir unsre alten Meubles wechseln, ich dancke fürs überschickte. Gestern hätt[186] ich wohl mitgehn können der Schlaf überwältigte mich als ich nach Haus kam und konnte nichts mehr thun. Vielleicht locken Sie mich durch den Regen nach Tiefurt. Adieu meine liebste beste.

d. 29 Febr. 80.

G.


4/901.

An Charlotte von Stein

Diese aufblühende Blume wird die schönste Amarillis genant. stellen Sie sie an das Fenster es wird nicht lange so zeigt sie sich. Sagen Sie mir wie Sie Sich befinden.

d. 2. März 80.

G.


4/902.

An Wolfgang Heribert von Dalberg

Weimar den 2. Merz 1780.

Das verbindliche Schreiben von Ew. Excellenz mit den angenehmen Zeichnungen würde mich beschämt haben, wenn ich nicht seit meiner Rükkunft bedacht gewesen wäre mein Versprechen zu erfüllen. Ich habe die Mitschuldigen, das Stük womit wir einen Versuch machen wollen, erst selbst nochmals durchgelesen und von Freunden durchlesen lassen, und wir haben verchiedene Verse und Stellen bezeichnet, die einiger[187] Hülfe bedurften. Ich habe sie nach und nach verbessert, wie mich der Trieb dazu anwandeln konnte, und mein Exemplar ist nunmehro beim Abschreiber. Es wird nicht lange währen so erhalten Sie's und ich bitte um Ihre Gedanken und was Sie etwa sonst vor der Aufführung von mir zu wissen verlangen. Sollt' ich nur so weit zu Ihnen haben als zu Ihrem Herrn Bruder, so wollten wir freilich manche Erfahrung zusammen machen.

Unser Theater rükt nach und nach zusammen und wir denken in wenigen Wochen das erstemal drauf zu spielen. Das lezte was ich gemacht habe ist eine kleine Operette, worin die Akteurs Schweizerkleider an haben und von Käs und Milch sprechen werden. Sie ist sehr kurz und blos auf den musikalischen und Theatralischen Effekt gearbeitet. Auch die will ich Ihnen schiken; wenn Sie sie brauchen können so steht sie zu Diensten. Ich höre überall dass Rosenmund gut gegangen sein soll.

Den iungen Schlicht werd' ich mir merken und im Fall unser Künstler etwa abgehen sollte mich an ihn wenden.

Verzeihen Sie dass dieser Brief nicht von meiner eignen Hand ist. Ich habe mirs so angewöhnt, dass ich dicktire wenn ich mich mit Abwesenden unterhalte, dass mir das Schreiben recht zur Pein wird.

Empfehlen Sie mich der gnädigen Frau.

[188] Grüsen Sie Herrn Kobeln viel, er mag doch ia bald etwas von sich hören lassen.

Ew. Excell.

ganz gehorsamster

Diener

Goethe


4/903.

An Sophie von Schardt

[2. oder 3. März.]

Ich will gern in Ihrer Gesellschaft das Fest Ihrer lieben Tante begehn helfen. Kündigen Sie mich auch nur dort an, dass ich nicht als ein ungeladener Gast erscheine. Adieu, liebe Kleine!


4/904.

An Charlotte von Stein

Hier schick ich Stahl den man zur Abwechslung statt der Juwelen in die Haare zu stecken pflegt. Wie ist Ihnen das gestrige Fest bekommen? Mir sehr wohl.

d. 4. März 80.

G.


4/905.

An Charlotte von Stein

[4. März.]

Ich dancke Ihnen dass Sie mir Frizzens Angesicht haben sehen Lassen. Diesen Mittags hab ich Misels[189] und der Probstin Bruder von Leipzig. Die Landschafft die ich schicke, schencken Sie mir wieder, denn ich muss sie der Herzoginn geben, und sie ist doch für Sie gezeichnet.

G.


4/906.

An Sophie von Schardt

[5. März?]

The soft musik of the concert and his pomp should not have invited me to leave my hermitage, but the voice of my beautifull ladies is fit to awake deaths and to change all resolutions of solitude. I shall at your commands, as soon as possible, furnished with tales of old comic and serious, hoping some agreable news of your lips.

G.


4/907.

An Johann Kaspar Lavater

Weimar den 6. Merz 1780.

Es ist nun lieber Bruder alles nach und nach angekommen und ich vermisse nichts als den schönen Hieronymus des Herzogs von Füeslien gekauft. Hast du ihn etwa aus dem Rahmen gethan und unter die andern Kupfer gelegt? Unter deinen sind vier Abdrüke von diesem Stük, doch keiner der mir so schön deucht als die Erinnerung von ienem. Deine lezten Albrecht[190] Dürers sind endlich auch angekommen, sind beim Buchbinder der sie los weicht und es soll nicht lange mehr währen so sind sie in Ordnung, doch hätt' ich geglaubt du wärst reicher als du nicht bist. Ich will dir deswegen gleich ein Verzeichnis der Fehlenden schiken damit du von deiner Seite, wie ich von der meinigen arbeiten kannst sie zusammen zu schaffen. Denn ich verehre täglich mehr die mit Gold und Silber nicht zu bezahlende Arbeit des Menschen der, wenn man ihn recht im Innersten erkennen lernt an Wahrheit Erhabenheit und selbst Grazie nur die ersten Italiener zu seines gleichen hat. Dieses wollen mir nicht laut sagen. Lukas von Leyden ist auch ein allerliebster Künstler. An dem Bild der Madonna in Egypten das du geschikt hast ist alles vortreflich wo die Spur der ersten Hand noch sichtbar ist, und wenn es nicht so viel von Ausbesserern übermahlt wäre sollt es ein unschäzbar Bild seyn. Lass mir doch lieber Bruder einen Riss von eurer Dörrmaschine machen und einen kleinen Aufsaz darüber fertigen. Für die Skizen von Füesly dank ich dir recht herzlich.

Heideggern magst du im Namen des Herzogs danken. Was soll des Menschen Zuthulichkeit? Ich glaube es ist das gescheutste man lässt ihm einmal ein paar hübsche Landschaften von Krause ausführen und schikt's ihm dagegen.

Ich habe selbst eine schöne Sammlung von geistigen Handrissen, besonders in Landschaften, auf meiner [191] Rükreise zusammengebracht, passe doch ein wenig auf, dir geht ia so viel durch die Hände, wenn du so ein Blat findest, woraus die erste schnellste unmittelbarste Äusserung des Künstler Geistes gedrukt ist, so lass es ia nicht entwischen wenn du's um leidliches Geld haben kannst. Mir macht's ein besondres Vergnügen.

Deine Offenbahrung findet überall vielen, und den rechten Beifall, wegen des übrigen sei unbesorgt dein Buch muss sein und bleiben was es ist. Meine Grillen gehören nicht hierher, denn wenn mir auffällt dass durch den Text so wohl als durch deine Arbeit die rasche Gesinnung Petri worüber Malchus ein Ohr verlohr, durchgehet, so hat das bei tausend und tausenden nichts zu bedeuten. Ich will auch nicht behaupten dass mein Gefühl das reinste ist, ich kann mich aber nicht überwinden den Innhalt des Buchs für evangelisch zu halten. Jezt da es andre lesen und mir sagen wie es ihnen vorkommt, seh ich erst recht die trefliche Art wie du es behandelt hast und dein poetisches Verdienst bei der Sache ein. Schreib mir doch wer der Rammont in Colmar ist der an Petern noch was zu fordern hat. Ich habe endlich das Geld gekriegt und auf der Frankfurter Messe wird unser Banquier auch die Schuld an Salis berichtigen, obgleich das er von Thomas Feurern zu fordern hat, das nicht ich sondern Lindaus Erben zu bezahlen haben, zurükbleibt.

[192] Halte künftighin meine Briefe hübsch in Ordnung und lass sie lieber heften wie ich mit den Deinigen auch thun werde, denn die Zeit vergeht und das wenige was uns übrig bleibt, wollen wir durch Ordnung, Bestimmtheit und Gewissheit in sich selbst vermehren. Dass du so geplagt bist mit kleinen Geschäften ist nun einmal Schiksal. In der Jugend traut man sich zu dass man den Menschen Palläste bauen könne und wenn's um und an kömmt so hat man alle Hände voll zu thun um ihren Mist beiseite bringen zu können. Es gehört immer viel Resignation zu diesem ekeln Geschäft, indessen muss es auch sein.

Steiner ist nicht zu uns gekommen, sondern wie ich höre in Dresden. Ich habe die zwei Carolin an Herdern bezahlt, der sie ihm übermachen wird. Grüse Bäben, ich schreib und schick ihr bald. Grüse Frau und Kinder, und was Kayser dir giebt schick mir bald. Adieu.

G.


Dein Brief vom 26. kommt noch vor Abgang dieses. Verdirb nichts an der Apokalypse. Wercke des Gedanckens feilt und saubert man nie genug, aber so was verliert wenn du das wegnimst was Auswuchs scheinen könnte. Ich müsste zu weitlaufig werden um das bestimmt zu sagen, ich weis es und du verstehst mich. Es thut dein Werck den Menschen wohl und zeugt von dir.

[193] Dass du mit meinem Jeri nichts gemeines hast versteht sich, ich dachte nicht dass dus lesen würdest. Es sind so viel Stufen Gänggen, Treppgen und Thürgen von deiner Giegelspizze bis zu so einem Hauswinckelgen, die du Gott sey Danck nie auch nur aus Neugierde herunter gehen kanst.

Adieu! Adieu!

Der Herzog hat sich die Haare abschneiden lassen, es ist eine ganz neue Dekoration, ich will dir zum Spas die Silhouette schicken.

Des armen schlesischen Schaafs erbarme sich Gott und des Lügenpropheten der Teufel.

G.


4/908.

An Charlotte von Stein

Diesen Nachmittag dacht ich Sie ins Kloster zu locken aber der Wind ist zu arg. Et puisque sans Vous tuer, on ne scauroit Vous persuader a une telle partie, will ich allein in der Welt herumlaufen und schicke die erste Liebe des Frühlings.

d. 7. März 80.

G.


4/909.

An Adam Friedrich Oeser

Weimar den 10. Merz 1780.

Meinen besten Dank werthester Herr Professor bezeige ich Ihnen für das gütig überschikte. Das [194] Gefängniss soll abgezeichnet sogleich wieder zurükkommen.

Sie schreiben: »Das mitfolgende auf Papier entworfene soll Schuman in des obigen Tone ausführen« ich finde aber nichts worauf sich diese Linien beziehen können.

Die Zeichnung des Tischfuses liegt wieder bei ich wähle die terms und bitte Sie versprochnermassen so wohl um die Reinlichkeit des Details als um die Stellung, Construktion und Verbindung des Ganzen.

Auch ersuche ich Sie mir bald möglichst einen Theaterleuchter zu schiken, denn wir sind bald so weit dass wir des Lichts bedürfen.

Sie stehen mein lieber Herr Professor mit noch verschiednen andern Sachen auf meinem Zettelein und ich bitte Sie aber und abermal ia Ihren Plan sicher zu machen, dass Sie mit eintretendem Frühiahr bei uns sein können.

Den Brief werd' ich besorgen und die Kiste erwarten.

Goethe.


4/910.

An Charlotte von Stein

[17? März.]

Schicken Sie mir doch die Bücher Sren Anticipation pp. und sagen mir wie Sie sich befinden.

G.


[195] 4/911.

An Jakob Friedrich von Fritsch

Aus beyliegendem Brief werden Ew. Excell. ersehen was der Herr von Billoifon an Durchl. den Herzog für eine Bitte gebracht hat.

Vielleicht ist Ew. Excell. ein Weeg bekannt wie man diesem Manne am nächsten zu seinem sehnlichen Wunsche helfen könnte.

Serenissimus werden selbst von dieser Sache weiter sprechen.

Ew. Excell.

d. 18. März

ganz gehorsamster

1780.

Goethe.


4/912.

An Charlotte von Stein

[20. März.]

Ich dancke dass Sie mir ein Zeichen des Lebens und der Liebe geben. Auf Ihr schönes Gebet kann ich nichts erwiedern, als dass ich heut früh spaziren gelaufen bin, dass ich mich über Knebeln geärgert habe der Gott weis was für eine Confusion angefangen hat als ob heut nicht Probe seyn sollte. Ich probire heut gewiss, und sollten die Helden fehlen, mit den Vertrauten, ich habe alsdan ihrer 3 zu meiner Disposition. Adieu liebste seh ich Sie heut Abend.

G.


Der Prinz ist mir im Webicht begegnet wenn er artig gewesen wäre hätte er mich zu Gaste gebeten.


[196] 4/913.

An Charlotte von Stein

Nach meinem schönen Spaziergang heut früh, mögt ich auch einen guten Mittag bey Ihnen haben, wenn Sie zu Hause essen so komm ich und bringe Ihnen Schneeglöckgen.

d. 21. März 1780.

G.


4/914.

An Christoph Martin Wieland

[23. März.]

Ich wünsche Glück zu deiner Rückkehr mit einem guten Morgen.

Unter Lesung deines Oberons hätt ich offt gewünscht dir meinen Beyfall und Vergnügen recht lebhafft zu bezeugen, es ist so mancherley was ich dir zu sagen habe dass ich dir's wohl nie sagen werde. Indessen weisst du fällt die Seele bey langem Dencken aus dem manichfaltigen ins einfache, drum schick ich dir hier statt alles, ein Zeichen das ich dich bitte in seinem primitiven Sinne zu nehmen, da es viel bedeutend ist. Empfange aus den Händen der Freundschafft was dir Mitwelt und Nachwelt gern bestätigen wird.

d. Grünendonnerstag

1780.

G.


[197] 4/915.

An Charlotte von Stein

[26. März.]

Heut ist der erste rechte Frühlings Tag, ich will gleich in die weite Welt laufen. Ich habe mit dem Schlaf mich kurirt, und hoffe durch den Lauf noch mehr, es stickt aber wieder etwas irgendwo das ich nicht kenne. Sagen Sie mir ein Wort was Sie heut angeben.

d. Ostertag 80.

G.


4/916.

An Charlotte von Stein

[Ende März?]

Ich bitte um meine Briefe die ich Ihnen auf der lezten Reise geschrieben. Sie haben wohl heimliche Zusammenkunft das Werck zu lesen. Diesen Mittag hohl ich Sie ab zu Ihrer Mutter. Wie befinden Sie Sich.

G.


4/917.

An Charlotte von Stein

Gestern Abend hat mich das schöne Misel, gleich einem Cometen, aus meiner gewöhnlichen Bahn mit sich nach Hause gezogen. Es war viel übler Humor [198] in der Probe. Besonders der Autor und die Heldinn schienen zusammen nicht zufrieden zu seyn. Ich habe den Aeolischen Schlauch der Leidenschafften halb geöffnet, und einige herauspipfen lassen, die stärcksten aber zur Aufführung bewahrt. Ich will diesen Morgen fleisig seyn um zu Mittag ein freundlich Wort in Tiefurt von Ihnen zu verdienen.

d. 30. März 80.

G.


4/918.

An Karl Ulysses von Salis

Unter dem 20sten Merz dieses Jahrs habe ich eine Quittung von den Gebrüdern Schulthess in Zürich erhalten über 60 1/3 Stück alte Louisdors, die Sie vielleicht schon vor diesem Brief werden empfangen haben.

Der Herr von Scholley schreibt mir auch, dass er die Post für Feurern baldigst an mich abtragen werde bittet nur noch um einige Nachsicht biss seine vormundschafftliche Casse sich wieder in etwas erholet. Er verlangt eine vidimirte Abschrift Ihrer Vollmacht an mich, die ich ihm auch gleich überschiken werde um ihm von meiner Seite keine Ausflucht zu lassen. So bald ich das Geld erhalte, werde ich es sogleich überschiken.

Ich empfehle mich zu freundlichem Andenken.

Weimar den 31. Merz 1780.

Goethe.


[199] 4/919.

An C. L. A. von Scholley

Hochwohlgeb.

Hochgeehrter Herr

Ew. Hochwohlgeb. Danke recht sehr für die mir überschikte Abschrift und übersende sogleich die verlangte vidimirte Copie iener Vollmacht wodurch der Herr v. Salis mir so wohl die Angelegenheit des Peters im Baumgarten als auch seine eigne Schuldforderung zu betreiben und einzunehmen überträgt. Ich bin überzeugt dass Sie die Güte haben werden auch diese Post auf das baldmöglichste zu berichtigen. In welcher Hofnung ich mich unterzeichne

Weimar den 31. Merz 1780.


4/920.

An Charlotte von Stein

Guten Morgen beste. Knebel lässt Sie recht inständig ersuchen heut sich nicht nach Belvedere zu versprechen, und wenn Sie's gethan haben, eine Wendung zu nehmen und sich loszusagen. Ich bitte mich bey Sie zu Gast. d. 3. Apr. 80.

G.


[200] 4/922.

An Johann Heinrich Merck

Weimar, den 7. April 1780.

Auf deinen Brief, den ich gestern durch den Herzog erhalten habe, will ich dir gleich antworten, damit du auch wieder einmal Etwas von mir vernimmst. Durch meine letzte Krankheit hat sich die Natur sehr glücklich geholfen. Schon in Frankfurt, und als wir in der Kälte an den Höfen herumgezogen, war mir's nicht just. Die Bewegung der Reise und der ersten Tage ließ es aber nicht zum Ausbruche kommen. Doch hatte ich eine böse Zusammengezogenheit, eine Kälte und Untheilnehmung, die Jedermann auffiel und gar nicht natürlich war. Jetzo geht wieder alles ganz gut. Der Herzog ist wohl, trägt, wie du vielleicht schon weißt, einen Schwedenkopf, und wir führen unsere Sachen getreulich und ordentlich weiter. Ich war gleich wieder zu Hause gewohnt, als wenn ich gar nicht weg gewesen wäre. Für Lavatern suche [201] ich jetzt eine Sammlung von Albrecht Dürers zu komplettiren. Auf beiliegendem Zettelchen sind die Nummern nach Hüsgen, die er schon besitzt; wo c dabei steht, ist eine Copie. Sei doch ja so gut, wenn du mir von denen fehlenden einige schaffen kannst, es zu thun; ich möchte dem Alten gern das Vergnügen machen. Von den Holzschnitten kriegst du auch ehstens ein Verzeichniß. Vor Dürern selbst und vor der Sammlung, die der Herzog besitzt, krieg ich alle Tage mehr Respekt. So bald ich einmal einigen Raum finde, will ich über die merkwürdigsten Blätter meine Gedanken aufsetzen, nicht sowohl über Erfindung und Composition, als über die Aussprache und die ganz goldne Ausführung.

Ich bin durch genaue Betrachtung guter und schlechter auch wohl aufgestochner Abdrücke von Einer Platte auf gar schöne Bemerkungen gekommen. Außer dem gewöhnlichen Tagewerk, das ich mich nach und nach, mit der größten Geschwindigkeit, Ordnung und Genauigkeit von Moment zu Moment abzuthun gewöhne, habe ich, wie du dir leicht vorstellen kannst, immerfort eine Menge Einfälle Erfindungen und Kunstwerke vor.

Der wichtigste Theil unserer Schweizerreise ist aus einzelnen im Moment geschriebenen Blättchen und Briefen, durch eine lebhafte Erinnerung komponirt. Wieland deklarirt es für ein Poëma.

[202] Ich habe aber noch weit mehr damit vor und wenn es mir glückt, so will ich mit diesem Garn viele Vögel fangen.

Zur Geschichte Herzog Bernhard's habe ich viel Documente und Collectaneen zusammengebracht. Kann sie schon ziemlich erzählen, und will wenn ich erstlich, den Scheiterhaufen gedruckter und ungedruckter Nachrichten, Urkunden und Anekdoten recht zierlich zusammengelegt, ausgeschmückt und eine Menge schönes Rauchwerks und Wohlgeruchs drauf herumgestreut habe, ihn einmal bei schöner, trockner Nachtzeit anzünden und auch dieses Kunst- und Lustfeuer zum Vergnügen des Publici brennen lassen.

Von Dramas und Romanen ist auch Verschiedenes in Bewegung.

Den Oberon wirst du nun gelesen und dich dran erfreut haben. Ich habe Wielanden davor einen Lorbeerkranz geschickt, der ihn sehr gefreut hat.

Die Epochen de la nature von Buffon sind ganz vortrefflich. Ich acquiescire dabei, und leide nicht, daß Jemand sagt, es sei eine Hypothese oder ein Roman. Es ist leichter das zu sagen, als es ihm in die Zähne zu beweisen. Es soll mir keiner etwas gegen ihn im Einzeln sagen, als der ein größeres und zusammenhängenderes Ganze machen kann. Wenigstens scheint mir das Buch weniger Hypothese . als das erste Capitel Mosis zu seyn.

[203] Es schleicht ein Manuscript von Diderot: Jacques le fataliste et son maitre herum, das ganz vortrefflich ist. Eine sehr köstliche und grobe Mahlzeit mit grobem Verstand für das Maul eines einzigen Abgottes zugericht und aufgetischt. Ich habe mich an den Platz dieses Bel's gesetzt und in sechs ununterbrochenen Stunden alle Gerichte und Einschiebeschüsseln in der Ordnung und nach der Intention dieses künstlichen Koches und Tafeldeckers verschlungen. Es ist nachhero von mehreren gelesen worden, diese haben aber leider alle, gleich den Priestern, sich in das Mahl getheilt, hier und da genascht und jeder sein Lieblingsgerichte davon geschleppt. Man hat ihn verglichen, einzelne Stellen beurtheilt, und so weiter. –

Gezeichnet wird nicht viel, doch immer etwas, auch neulich einmal nach dem Nackten. Bald such' ich mich in dem geschwinden Abschreiben derer Formen zu üben, bald in der richtigern Zeichnung, bald such' ich mich an den mannigfaltigern Ausdruck der Haltung theils nach der Natur, theils nach Zeichnungen, Kupfern auch aus der Imagination zu gewöhnen und so immer mehr aus der Unbestimmtheit und Dämmrung heraus zu arbeiten.

Mit Beroldingen, dächt ich, machten wir's so: Ich will nichts bestellen, denn ich wüßte nicht auf was für Art man ihm Commission geben und sich auf ihn verlassen könnte. Kommt er einmal zurück, und du findst unter seinen Sachen Etwas, das für mich [204] wäre, und er entbehren wollte, so schafftest du mir's ja wohl um einen billigen Preiß. Laß den jungen Menschen, von dem er schreibt, doch ja gleich von Paris zurückgehn und einen Weg einschlagen, welchen er will, in Frankfurt kann er so viel lernen, als in Paris, wenn er Genie hat. Mach, daß ihm die Augen aufgehn an der Natur, laß ihn von ihr zu Zeichnungen, Gemälden und Radirungen gehen und wieder zu ihr zurück und sollt er auch zulezt kein Künstler des Lebendigen werden, sollte er blos verdammt seyn, fremde Werke nachzukritzeln, so kriegt er doch immer eher Auge, Begriff und Biegsamkeit.

Schreibe ja dem Herzog manchmal was, es unterhält ihn.

Aus einem Brief an Wielanden habe ich dein Hauskreuz schon gesehen und ist mir sehr lieb, daß es sich wieder erleichtert.

Schick doch ja was von Mineralien und sieh zu, ob du um einen geringen Preiß die merkwürdigsten Erscheinungen der Frankfurter Lava von Dr. Müllern erhaschen kannst. An Schrautenbachen will ich dir ehster Tage einige Silhouetten schicken, ich habe schon vor zwei Monaten einen Brief und eine flüchtige Zeichnung an ihn abgehen lassen. Ich habe die Zeit nicht gehört, ob er sie erhalten hat.

Für die Geh. Räthin will ich dir auch einmal ein Landschäftchen schicken. Es ist ein unglückliches Geschöpf, die eben ohne Hülse zu Grunde geht.

[205] Der an den Herzog überschickte Vorschlag zur großen poetischen Casse ist vortrefflich ausgeführt und wird auf der Leipzigermesse, wohin er sogleich gedruckt abgeht, einen ganz besondern Effect machen. Halt also das Maul und zeig ihn Niemand weiters, damit du dir nicht die Wespen auf den Hals ziehst.

Zur Beendigung der Geschichte des Herrn Oheim wird dir hiermit bis Ende Julius Frist gegeben. Ist den 1sten August das Manuscript nicht eingelangt, wodurch die Geschichte zu völliger Zufriedenheit vernünftiger und unvernünftiger Leser, wes Stands und Alters sie sein mögen, abgeschlossen ist, so werd ich mich gemüsiget sehen, solches ex officio zu thun. Nun lebe wohl und laß, wenn sich wieder was gesammelt hat, gelegentlich von dir hören.

Weimar, den 3. April 1780

G.


[200] 4/921.

An Charlotte von Stein

Hier schick ich Band und Handschue zurück, gegen Mittag folg ich, danck fürs Frühstück.

d. 7. Apr. 80.

umgeben vom Pylades dem Unfurm.

G.


[205] 4/923.

An Charlotte von Stein

[7 April.]

Knebel lässt Ihnen sagen Sie möchten die Werthern nicht, wohl aber die Herdern mitbringen, und hübsch zeitig kommen. Guten Morgen liebe! Ich will nur meine Sachen in Ordnung bringen dann komm ich auch nach Tiefurt.

G.


[206] 4/924.

An Charlotte von Stein

Die Briefe folgen in Ordnung gehefftet zurück, bis ich sie weiter zu meiner Reise Beschreibung brauche.

Verzeihen Sie mir meine gestrige lezte Dunckelheit, ich bin bey solchen Gelegenheiten, wie ein Nachtwandler dem man zuruft. ich falle gleich alle Stockwercke herunter. Sie haben aber recht. Und weil wir doch am abgewöhnen sind, wollen wir auch das mit aufschreiben, und am Ende vom Thau leben wie die Heuschrecken.

d. 8. Apr. 80.

G.


4/925.

An Charlotte von Stein

Es war so hübscher dass ich kam ohne Ihr Zettelgen gefunden zu haben. Gern schickt ich Ihnen Blumen, das kalte Wetter hält alle zurück. Adieu beste. Ich sehe Sie heute es sey zu Tisch oder nachher.

d. Apr. 80.

G.


4/926.

An Wolfgang Heribert von Dalberg

Endlich kann ich Ew. Excell. das versprochne Stük überschiken, ich wünsche nur dass es Ihnen recht brauchbar sein möge. Wenn Sie es gelesen haben und etwa auch die Akteurs die Sie zu diesen Rollen geschikt [207] finden so bitte ich mir Ihre Gedanken drüber aus, und sollten Sie einige Zweifel haben und Erläuterung verlangen so stehe ich zu Diensten, ob ich gleich hoffe es wird ziemlich von selbst sprechen.

Sollten bei der gnädigen Frau, wenn es gut vorgestellt wird einige Erinnerungen an das französche Theater wieder lebendig werden; so wird sie ia wohl auch geneigt sein, es einigermassen unter ihren Schuz zu nehmen. Ich bitte mich Ihr und meinem kleinen Freunde zu empfehlen und Sich meiner Hochachtung versichert zu halten.

Goethe.

Weimar den 10ten Aprill 1780.


4/927.

An Charlotte von Stein

Es ist sehr schön! gehn Sie ia spazieren etwa um 10 Uhr. Ich bin zwar wieder auf der Musterung, allein besuchen Sie doch meine Gegend. Mir gehts leidlich heute. Der Theil von Buffon kommt mit.

d. 13. Apr. 1780.


4/928.

An Charlotte von Stein

Es ward mir gestern zulezt ganz unleidlich dass ich Sie nicht sehen konnte, und hätt ich nicht enge Schue angehabt ich wäre gegen 8 zu Fuse hereingekommen.[208] Übrigens waren wir artig lustig und gesprächig. Heut ess ich bey der Herzoginn Mutter. Hier schick ich drey Veilchen, es blüht alles so langsam auf.

d. 14. Apr. 80.

G.


4/929.

An Charlotte von Stein

[Mitte April?]


Wollen Sie heute Mittag mit den Kleinen und Kestnern eine Schnepfe bey mir verzehren? Lassen Sie sich vom Wind nicht abhalten.

G.


Ich habe das Essen zeitig bestellt.


4/930.

An Charlotte von Stein

Was halten Sie von dieser neuen Himmels Erscheinung. Es sieht hier hausen gar artig aus, wenn Sie nur einen Blick aus meinem Fenster thun könnten. Die Blumen werden sich freuen aus dem Schnee in Ihre Athmosphäre kommen.

d. 20. Apr. 1780.

G.


[209] 4/931.

An Charlotte von Stein

[22. April.]

Liebste noch einen guten Morgen. Wir werden bösen Weeg haben. Ich seh Sie bald wieder. gegen 4 Uhr.

G.


4/932.

An Charlotte von Stein

[27 April]

Guten Morgen allerliebste. Zu Mittag seh ich Sie. Wir sind in dem entsezlichsten Wetter gestern um Mitternacht angekommen. Ihren Brief hab ich bey Naumburg erhalten. Adieu.

G.


4/933.

An Charlotte von Stein

Sie waren nicht zu hause als ich gestern Abend anfragte, denn ich verlangte mit Ihnen zu seyn. Ich dancke fürs überschickte. Und wünsche viel Vergnügen auf heute.

Hier schick ich Blumen. Adieu. Das Wasser war gros heute früh und das Flosholz hätte fast die Brücke weggerissen.

d. 28. Apr. 80.

G.


[210] 4/934.

An Charlotte von Stein

[30. April.]

Hätten Sie mirs vorausgesagt ich hätte mich eingerichtet und wäre gern mitgeritten. Glückliche Reise! Abends seh ich Sie wieder. Ich lese meinen Werther! Adieu.

G.


Grüsen Sie die Schleusingen ich wünsche Glück zur Kur.


4/935.

An Charlotte von Stein

Ich schicke Ihnen das höchste und das tiefste eine Hymne und einen Schweinstall. Liebe verbindet alles.

G.

d. 1. May 80.


4/936.

An Johann Kaspar Lavater

Weimar den 1. Mai 1780.

Deine Briefe und Beilagen hab' ich erhalten.

Hier schik' ich dir einige neue trefliche Bogen von Hamann. Ich weiss nicht ob dich die Sache interessirt. Auf alle Fälle wird's viel Vergnügen machen.

Deine Albrecht Dürer sind nunmehr schön geordnet. [211] Bertuch hat sie aufgetragen und nummerirt. Auf der Leipziger Messe hat dir der Herzog noch funfzehn Kupfer von deinen Fehlenden gekauft worunter besonders einige Marienbilder sind davon dir fast die ganze Sammlung abgeht. Von den hundert Blättern die von ihm in Kupfer ausgehen besizest du iezt schon drei Quart. Die 25 die noch fehlen werden sich auch herbeischaffen lassen. Ich schike dir sie noch nicht bis die Sammlung erst kompletter ist. An Holzschnitten bist du gar arm. Suche du übrigens von deiner Seite durch das Treiben Jehu so viel du kannst von dieser Sammlung zusammenzubringen. Wenn du sie auch schon hättest so schadet's nichts, es ist vielleicht ein besserer Abdruk und auf alle Fälle kann man sie vertauschen. Denn das versichre ich dir, ie mehr man sich damit abgiebt und beim Handel auf Copie und Original acht geben muss, desto grössere Ehrfurcht kriegt man für diesem Künstler. Er hat nicht seines gleichen.

Das Manuskript das beiliegt sind einzelne flüchtig hingeworfene phisiognomische Bemerkungen des Statthalter von Dalberg. Schreib' doch, wenn du Muse hast, deine Gedanken auf den Rand und schik' mir's wieder zurük. Ermuntre ihn und gieb ihm Winke, wo du glaubst, er ist sehr für die Sache passionirt kommt viel in der Welt herum und kann, wie mir's vorkommt auch von seiner Seite dir einigermassen nüzlich sein. Er wird das was er bei seinem Umgang [212] mit der Welt zu bemerken glaubt nach und nach aufzeichnen.

Dass es mit Haugwiz so ausgegangen ist freut mich. Die Sache hat in Sachsen und Preussen das scheuslichste Aufsehen gemacht.

Hüte dich für dem Lumpen und wenn du iemals Ursache haben solltest ihn wieder auf und anzunehmen, so bedenke unter andern auch vorher dabei dass ich von dem Augenblik an aufhören werde gegen dich ganz frei und offen zu sein.

Lass mich doch die Folge der Geschichte mit Wasern wissen.

Die Lotte und die indianischen Zeichnungen erwart' ich.

Von Matthäi hab ich Auskunft.

Wenn ich an deiner statt die lateinische Oration halten müsste gäb ich den Entwurf dazu, lies mir sie machen und läs sie ab, und hielt' es gar nicht geheim, denn am Ende ist's doch nur ein Talent, und ich sehe nicht ein wie man von mir prätendiren könnte, bei einer Feierlichkeit die pedantische Prätension auszuhängen und auf einem Instrument Solo zu spielen das ich in zwölf Jahren nicht in die Hand genommen hätte.

Von dem Herzog schik' mir Abdrüke so viel du willst, das Kupfer ist nun schon wieder etliche Schritte weiter vom Original in einen ganz fremden Charakter hinein.

[213] Halte doch ia das was du für den Herzog und mich auslegst in Ordnung. Meine Auslagen für dich sind auch aufgeschrieben. Lass uns etwa Johanni abrechnen und auch so wieder ein neues Hemd anziehen. Grüse deine Frau und Kinder und wenn dein Knabe gelegentlich schreibseeliger wird so lass mir ihn manchmal etwas von eurer Haushaltung schreiben wie's ihm vor die Feder kommt.

An Bäben gieb Inliegendes vielleicht erhält sie einen Brief mit der reitenden Post noch eh'r als du dieses.


4/937.

An Charlotte von Stein

Morgen früh um achte, wenn's Ihnen nicht zu früh ist, will ich einen Augenblick kommen um über des Prinzen und Knebels Sache mit Ihnen zu sprechen. Knebel ist nicht hier, wenn er wiederkommt reden Sie wohl ein beruhigend Wort mit ihm bis ich zurück binn. d. 1. May 1780.

G.


Gute Nacht beste! In den Ring bitt ich um die Buchstaben C. v. S.


4/938.

An Charlotte von Stein

Mit dem Boten der ein Pferd nach Weimar führt schick ich Ihnen einen Grus.

[214] Das Wetter ist sehr schön, hier blüht schon alles, und ich hoffe viel guts von der freyen Lufft für Seel und Leib. Bleiben Sie meinem Thal getreu, und fühlen Sie dass ich mich offt mit Ihnen unterhalte. Auf dem Weege nehm ich nun alle Verhältnisse in Gedancken durch, was gethan ist, zu thun ist, mein Welt Treiben meine Dichtung und meine Liebe. Adieu grüsen Sie Steinen. Erfurt d. 2. May 1780.

G.


4/939.

An Charlotte von Stein

Heut reiten wir gegen Gotha zu und essen in Dietendorf. Christoph soll sehen ob er Spargel auftreiben kan und sie Ihnen schicken. Laden Sie iemand guts drauf ein und dencken mein. Dass nur nicht etwa Knebel im Unmuth gegen den Prinzen herausfährt, ich möchte nicht dass ich Gelegenheit zu einer Scene gäbe. Suchen Sie's ruhig zu halten bis ich komme. Grüsen Sie den Herzog! Des Stadthalters Schecken sind sehr schön, und alles ist hier in Blüte und Trieb. Morgen Abend wird getanzt, es wird ia wohl hübsche Misels geben. Grüsen Sie Steinen. Lieben Sie mich es ist mir zur Nothdurft worden.

3. May 1780. Erfurt.

G.


Es ist mir auf die gestrige Bewegung und Luftänderung schon viel besser als die lezten acht Tage.

Grüsen Sie die kleine Schwägerin und die Waldnern.


[215] 4/940.

An Charlotte von Stein

Wir sind im Lande herumgeritten, haben böse Weege gesehen in die viel verwendet worden ist und die doch nicht gebessert noch zu bessern sind, haben gute in der Stille lebende Menschen gefunden und an Leib und Seele Bewegung gehabt.

Gestern Abend gab der Graf Ley den Frauen und Fräuleins ein Abendessen und Tanz. Es waren niedliche Misels dabey und es ging lustig zu Der kleine hat seine schöne Gäste mit unendlichen Kinderpossen geneckt und sie haben sich mit ihm herumgerollt. Der Stadthalter war vergnügt. Wir haben schon was rechts geschwäzzt, für mich ist sein Umgang von viel Nuzzen. Durch die Erzählungen aus seinem manigfaltigen politischen Treiben, hebt er meinen Geist aus dem einfachen Gewebe in das ich mich einspinne, das ob gleich es auch viele Fäden hat, mich doch zusehr nach und nach auf Einen Mittelpunckt bannt. Der Stadthalter ist doch eigentlich auch kein rechtes Kind dieser Welt, und so klug und brav seine Plane sind, fürcht ich doch es geht einer nach dem andern zu scheitern. Er hat eine treffliche Gewandtheit in bürgerlichen und Politischen Dingen, und eine beneidenswerthe Leichtigkeit. Wir haben gekannegiesert und gegörzt, und aus allem was ich von den vier Enden der Erde höre, zieh ich immer meine eigne [216] Nuzzanwendung. Im Stillen Krafft und Fähigkeit [darüber: Fertigkeit] (das heist Gewalt) zu sammlen, zu halten [darüber: spaaren], und auszuarbeiten und auf Glück zu warten wo das mögte zu brauchen seyn!! Zum Laufen hilft nicht schnell seyn. u.s.w. Adieu Liebste! Da Sie von der Welt so weit entfernt sind, werden wir Ihnen Kinder scheinen die das Wasser aus dem Fluss in's Meer tragen, es liefe wohl geschwinder von selbst. Bleiben Sie mir nah und verzeihen Sie dass ich immer über mein eigenstes mit Ihnen rede, hätt ich Sie nicht ich würde zu Stein. Adieu. Ich habe hundert Plane die ganz sachte in mir lebendig werden und meine Existenz scheint mir immer noch einförmig. Die Paar Tage Wechsel und Menschen und Sachen bekommen mir wohl. Ich komme mir vor wie der Steinfresser der um satt zu werden, nach der reichlichsten Mahlzeit noch Kiesel verschlucken muss Adieu. Morgen Sonnabends Mittag ess ich mit Ihnen.

d. 5. May 80. Erfurt.

G.


4/941.

An Charlotte von Stein

[6. Mai?]

Sehr gut ists dass ich wieder einen Bissen aus Ihrer Hand erhalte. Dagegen schick ich eine Blume die während meiner Abwesenheit so weit aufgeblüht [217] ist. Wenn ich meine Hausgötter sattsam geehrt habe komm ich zu Ihnen.


4/942.

An Charlotte von Stein

Schicken Sie mir doch meine zusammen geschriebnen Gedichte. Es haben sich schöne Misels bey mir eingefunden. Heut Abend seh ich Sie bey Hofe. Es ist sehr schön bey mir. d. 7. May 1780.

G.


4/943.

An C. von Düring

Hochwohlgebohrner

Hochgeehrtester Herr,

Ew. Hochwohlgeb. Brief vom 4ten Merz hab' ich seiner Zeit richtig erhalten und daraus die fortdaurenden gnädige Gesinnungen für meinen Zögling mit Vergnügen ersehen.

Was die 750 rh. betrift die zu Wiederkomplettirung des Capitals noch abgehen, überlasse ich es Ew. Hochwohlgeb. und übrigen Interessenten völlig, ob sie solche an mich sogleich oder in der Folge auszahlen wollen. Würde iezo das zweite 1000 rh. ergänzt so würde ich es wie das erste bei der Landschaft anlegen, und die Interessen für den Knaben verwenden. Die gütige Verwilligung der 200 rh. von Ostern 80 biss [218] dahin 81 wünscht' ich in Leipzig erheben zu können. Es wird Ew. Hochwohlgeb. ia nicht beschwerlich sein, sie mir daselbst durch irgend ein Handelshaus auszahlen zu lassen.

Sollte der iunge Baumgarten in das Alter kommen wo er mit Nuzen reisen kann so wird er die Erlaubniss Ihnen aufwarten zu dürfen gewiss benuzen.

Ich empfehle mich Ihnen bestens und unterzeichne mich mit aller Hochachtung

Ew. Hochwohlgeb.

Weimar den 8. Mai 1780.

gehorsamster Diener


4/944.

An Charlotte von Stein

[etwa 10. Mai ]

Hier schick ich Blumen wie sie das Regenwetter erlaubte zu pflücken. Doch dass ich Ihrer und der verlohrnen Wette gedencke bin.

G.


4/945.

An Charlotte von Stein

Diesen Abend hätt ich gern mit Ihnen zu gebracht, wenns nicht so regnerisch wäre ging ich Ihnen entgegen. Die Probe ging so ziemlich, Knebel ist nm unwilligsten sich ins dramatische Joch zu schmiegen. Ins Kloster hatte das Wetter Böcke und Schafe zusammen [219] getrieben. Morgen Mittag soll ich in Tiefurt essen und sehe Sie also wieder nicht. Adieu Liebste. Gute Nacht. d. 11. May 1780.

G.


4/946.

An Charlotte von Stein

Was Sie wollen will ich gerne machen.

Vielleicht geh ich doch nach Tiefurt, wo nicht, so komm ich zu Ihnen. Auch im Regen ists sehr schön hier. Lieben Sie mich. d. 12. May 1780.

G.


4/947.

An Charlotte von Stein

Sehr ungern verzehr ich meinen Theil Spargel alleine, das kommt aber daher wenn man sich ganze Tage nicht sieht. Mein Morgen war zwischen Ackten dem Messias und Volgstädten getheilt. Mittags war ich beym Misel, dann stellte ich einen Ritter fast im Gusto von Takanno vor, denn ich war prächtig vom Theatertrödel, drauf tanzt ich, und da es im Thal sehr schön doch sehr feucht ist sucht ich Sie auf und fand Sie nicht. Gute Nacht! Es kommt hierbey Ihr Anteil Spargel, nebst andern Raritäten aufs Fest. G. d. 13. May 1780.


[220] 4/948.

An Charlotte von Stein

[14 Mai.]

Haben Sie die Güte mir drey Schokolate Tassen zu schicken und auf 3 Personen Schokolade. Ich kriege Besuch. Zu Mittag bitt ich mich zu Ihnen zu Gaste.

d. 1. Pfingstag 1780.

G.


4/949.

An Johann Christian Kestner

[14. Mai.]

Es ist recht schön dass wir einander wieder einmal begegnen. Vor einigen Tagen dacht ich an euch und wollte fragen wie es stünde. Schon lange hab ich den Plan gemacht euch zu besuchen vielleicht gelingt mir's einmal und ich find euch und eure 5 Buben wohl und vergnügt. Es wäre artig wenn ihr mir einmal einen Familienbrief schicktet wo Lotte und wer von den Kindern schreiben kan auch einige Zeilen drein schrieben dass man sich wieder näher rückte. Ich schick euch auch wohl einmal wieder was, denn ich habe schon mehr Lufft an meine Freunde zu dencken ob sich gleich die Arbeit vermehrt.

Ausser meiner Geheimeraths Stelle, hab ich noch die Direcktion des Kriegs Departements und des Wegebaus mit denen dazu bestimmten Kassen. Ordnung, [221] Präzision, Geschwindigkeit sind Eigenschafften von denen ich täglich etwas zu erwerben suche. Übrigens steh ich sehr gut mit den Menschen hier, gewinne täglich mehr Liebe und Zutrauen, und es wird nur von mir abhängen zu nuzzen und glücklich zu seyn. Ich wohne vor der Stadt in einem sehr schönen Thale wo der Frühling jetzt sein Meisterstück macht. Auf unsrer lezten Schweizerreise ist alles nach Wunsch gegangen und wir sind mit vielem Guten beladen zurückgekommen.

Für Henningsens Deducktion danck ich. Das Gedicht kenn ich nicht und die ganze Sache zeugt von nicht sehr klaaren Begriffen. Adieu Grüse Frau und Kinder und behaltet mich lieb.

Pfingstsonntag 1780.

Goethe.


Dass dir Oberon so wohl gefällt konnt ich dencken, es ist ein ganz trefflich Gedicht. Wenn ein deutscher Dichter ist so ist ers. Meine Schriftstellerey subordinirt sich dem Leben, doch erlaub ich mir, nach dem Beyspiel des grosen Königs der täglich einige Stunden auf die Flöte wandte, auch manchmal eine Übung in dem Talente das mir eigen ist. Geschrieben liegt noch viel, fast noch einmal so viel als gedruckt, Plane hab ich auch genug, zur Ausführung aber fehlt mir Sammlung und lange Weile. Verschiednes hab ich für's hiesige Liebhaber Theater, freylich meist Conventionsmäsig ausgemünzt. Adieu.


[222] 4/950.

An Charlotte von Stein

[15. Mai.]

Ich schicke Ihnen und Frizzen ein Frühstück. Ernst darf nicht davon essen. Sie sehen es geht bey mir auch festlich zu und Kuchen werden gebacken. Schicken Sie mir das Landschafftgen und die Pinsel pp. den Atlas nicht ich fürchte er wird nass. Adieu beste. d. Pfingstmontag 80.

G.


Ich erhalte alles. Diesen Mittag komm ich, ich kan Ihrer Einladung nicht widerstehn, ich wollte nach Tiefurth.


4/951.

An Charlotte von Stein

Von denen Gedichten lass ich nur einige abschreiben, dann sollen Sie sie wieder haben. Sie hätten mir wohl auch sagen können wie Sie geschlafen haben und dass Sie wohl sind. d. 16. May 1780.

G.


4/952.

An Charlotte von Stein

Der Herzog ist wie man sich allenfalls vorstellen konnte gestern in Neehaufen geblieben, und hat noch spät dem Prinzen, Knebeln, und mir eine Einladung[223] auf heute geschickt. Wir gehen um sechs von Tiefurt ab, und ich reite eben hinunter. Adieu meine allerliebst. Heut Nacht sind wir hoff ich alle wieder da.

d. 17. May 80.

G.


4/953.

An Charlotte von Stein

Es wäre sehr abenteuerlich wenn Sie eine von denen zwey weisen sizzenden Figuren, vorgestern Abend auf der Esplanade gewesen wären, denen ich ausgewichen bin. Erst hielt ichs für ein vertrautes Pärgen das ich nicht stören wollte, nachher glaubt ich zwey Frauens zu sehn die mir wegen ihrer weisen Kleidung an dem Orte seltsam vorkamen, doch war ich schon zu weit vorbey um meine Neugier mit Schicklichkeit befriedigen zu können. Ich habe ein sehr groses Vergnügen verlohren das ich mir anderwärts zu ersetzen bitte. d. 18ten May 80.

G.


4/954.

An Johann Gottlob Immanuel Breitkopf

Wohlgebohrner

Hochgeehrtester Herr

Die verlangten Kupfer von Wilhelmsthal folgen hierbei und es ist mir angenehm wenn ich dadurch etwas zu kompletirung Dero schönen Werkes beitrage.

[224] Mit dem verlangten Bücherverzeichniss wird es etwas mehr Schwierigkeiten haben, indem sie durch alle Katalogos nach ihren Materien zerstreut sind, doch habe ich auch deswegen Auftrag gegeben und ich hoffe auch damit dienen zu können.

Empfehlen Sie mich Ihren werthen Angehörigen und erhalten mir die Fortdauer Ihrer Freundschaft.

Weimar d. 18. Mai 1780.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Goethe.


4/955.

An Charlotte von Stein

Da ich gestern Abend nach hause kam, fand ich ein gar gutes Zettelgen von der Herdern, gewisse Dinge hängen doch närrisch zusammen.

Diesen Mittag ess ich bey Hofe, Abends seh ich Sie im Conzert. Lieben Sie mich. d. 21. May 80.

G.


4/956.

An Charlotte von Stein

Hier ist das beste Papier das ich habe, auch Struensees Schicksaal, und nähere Nachricht vom Buch Chevila. Gern bin ich wieder bey Ihnen, ich war im begriff mich anzumelden. d. 24. May 1780.

G.


[225] 4/957.

An Charlotte von Stein

Ich dachte nicht dass sie mir entgehen könnten, drum kam ich halb achte wieder wie die Tauben zum gewohnten Futter. In Ihrer Abwesenheit lass ich mir doch etwas Sauerbraten hohlen, und geb Ihnen dagegen eine gute Nacht. Adieu. Grüsen Sie Steinen.

d. 25. May 1780.

G.


4/958.

An Charlotte von Stein

Lassen Sie mir doch sagen wie Sie sich befinden. Wenn Sie wohl sind; so ist der Morgen zu schön als dass Sie mich nicht besuchen sollten.

d. 29. May 1780.

G.


4/959.

An Jakob Friedrich von Fritsch

[Juni 1780?]

Der Herzog hat mir gesagt, dass er dem Rittmeister die vierte Ration nicht geben wolle, auch dass er wünsche nunmehr mit weiterm Bitten verschont zu werden.

Könnten Ew. Exzell. dieses den Rittmeister wissen lassen, so würden Sie dem Herrn eine Unterredung[226] spaaren die er gar gerne umgehen mag; er war wieder sehr unzufrieden dass man das was er nicht positiv abschlägt gleich für versprochen anzunehmen gewohnt ist.

G.


4/960.

An Auguste Gräfin zu Stolberg

Für Ihr Andencken liebes Gustgen danck ich Ihnen recht herzlich. Die kleine gute Schardt will ein Zettelgen von mir, sie ist in meinem Garten mit mehr Gesellschafft an einem schönen schwülen Abend. Lange hab ich mir vorgesetzt Ihnen etwas zu schicken und zu sagen, es ist aber kein stockigerer Mensch in der Welt als ich wenn ich einmal ins stocken gerathe. Grüsen Sie die Brüder, schreiben mir wieder einmal von sich, und knüpfen Sie wenn Sie mögen den alten Faden wieder an, es ist ia dies sonst ein weiblich Geschäfft. Adieu. Den 3. Juny 1780.

G.


4/961.

An Charlotte von Stein

[3. Juni.]

Gustgen ist ein sehr gut Wesen, und kan sich nicht drin finden dass sie gar nichts von mir hört. Guten Abend aus der Finsterniss.

G.


[227] 4/962.

An Charlotte von Stein

Ich schicke Ring und Muster und freue mich auf dies Zeichen der Liebe. Reisen Sie glücklich. Heut Abend erwart ich Sie. Bitten Sie Stein ob er nicht will mein Pferd heut Nachmittag nach Erfurt schicken und mir Morgen früh von hier aus bis hinüber ein andres geben dass ich frisch zu reiten kan. Adieu Adieu.

d. 4. Jun. 1780.

G.


[358] 4/962a.

An Carl Ludwig von Knebel

Weimar den 4. Junius 1780.

Reise-Route durch die Schweiz.

Nr. 1.

Wenn du nach Stuttgart kommen solltest, so such' den Expeditionsrath Hartmann auf, der zu Expeditionen ganz vortrefflich ist. Sein Bruder ist in Gotha beim Prinzen August. Er hat uns bei unserm letzten Aufenthalt viel Gefälligkeit erzeigt. In Schaffhausen den Herrn Im Thurn, einen stillen aber sehr verständigen und gefälligen Mann und Freund von Lavatern. Du grüssest ihn und seine Frau wie alle folgenden, die ich dir in Ehren nenne. Sein Weibchen ist ein gar feines gutes hypochondrisches Wesen. Er wird dir alles sehr gerne zeigen. Versäume nicht von da über Stein auf Constanz zu gehen. Es liegt sehr glücklich, so verfallen es an sich selbst ist. An dem [359] Wege liegt Clarisek, wo jetzo Kaufmann wohnt. Vermeide diesen Menschen, wenn's auch Gelegenheit gäbe ihn zu sehen. In Costniz selbst, wenn du schön Wetter hast, wirst du gewiß Lust haben zu bleiben. Die verschiedenen Theile des Sees zu sehen muß höchst angenehm seyn, wir konnten nichts davon genießen. Von da auf Frauenfeld wo ein altes Weib wegen ihres außerordentlichen Gedächtnisses merkwürdig ist. In Winterthur besuchst du den Maler Schellenberg. In Zürch überlaß ich dich Lavatern. Von da laß dich auf Richterswiel führen zum Doktor Hoz, ein sehr braver und liebevoller Mann. Wenn du von da aus einen recht interessanten Weg machen willst, so mußt du alles zu Fuße gehn. Du packst, wenn du mir folgen willst, schon zu Zürich so viel zusammen, als du au 14 Tage brauchst, und richte dich nur sehr leicht ein. Denn unter Wegs zieht man die alten Hemden und Strümpfe durchs Wasser und zieht sie den andern Morgen wieder an. Deinen Koffer spedirst du mit einem Fahrzeuge auf Luzern, wo er dich erwarten kann, du aber gehst von Richterswiel auf Maria-Einsiedel, wo dir das prächtige Gebäude in der Wüste, her Fürst den du besuchen mußt, der Schatz und die ganze klösterliche Einrichtung sehr wohl gefallen werden. Von da geht ein beschwerlicher Stieg nach Schwiz hinunter, wo man aber die schönste Aussicht antrifft. Ich rathe immer zu solchen Touren, wenn sie auch nur einige Stunden sind, [360] ganze Tage zu nehmen und sich ja nicht zu übertreiben und zu übereilen. Es gilt dieses für alles was noch kommt. In Schwiz ist das Hedlingerische Medaillen Cabinet zu sehen, auch Zeichnungen von diesem trefflichen Künstler. Von Schwiz geht man nach Brunnen am vier Waldstätter See und fährt auf Flüelen. Dieser Weg ist mit das größte was man auf der ganzen Reise zu sehen kriegt. Unterwegs steigt man einen Augenblick in Tells Capelle aus. Von Flüelen geht man zu Fuß auf Alldorf. Von da ein sehr schönes Thal hin bis zu dem Fuß des Gotthards, wo ich dir rathe am Steg zu übernachten und den andern Morgen bei guter Tagzeit hinauf zu steigen, aber auch alsdann nicht weiter als Wasen zu gehen und diesen Weg, dergleichen du nicht wieder finden wirst, recht zu genießen. Alsdenn auf den Cotthard zu den Capucinern und wenn du dich recht umgesehen hast, so steig alsdenn den Berg wieder durch eben den Weg herunter. Wenn ich jemals in die Gegend käme, ohne daß mich etwas drängte, so würde ich mich eine ganze Zeit daselbst aufhalten, welches dir vielleicht so wohl werden wird. Du kommst, wie ich gesagt habe, den alten Weg bis Flüelen zurück, setzest dich auf den See und fährst grad auf Luzern. Daselbst besuchst du den General Pfeiffer, der das merkwürdige Modell von der umliegenden Gegend gemacht hat, den du vom Herzog und mir grüssen und versichern kannst, daß es uns [361] sehr leid gethan hat, seine Bekanntschaft nicht zu machen. An der bisher beschriebenen Tour, die sich in wenig Tagen zwingen läßt, kann man viele Monate kauen und nach deiner Art zu seyn würd' ich dir fast rathen, diese Gegenden mit einem sachten Genusse recht einzuschlürfen. Ich bin die beiden Male nur wie ein Vogel durch, und sehne mich immer wieder hin. Wäre nun deine Zeit verstrichen oder du hättest genug, so könntest du über Solothurn und Basel, an welchem letzten Orte dir Herr Gedeon Burkhardt gewiß gefällig seyn wird, wieder nach Deutschland eintreten. In Emmendingen besuchst du meinen Schwager, nachdem du vorher bey Freiburg die Hölle gesehen hast und versäumst nicht in Colmar Pfeffeln zu besuchen und das übrige versteht sich von selbst.


Nr. 2.

Hättest du aber in Luzern noch Zeit und Lust dich auszubreiten, so schlag ich dir noch eine Tour vor, wovon ich zwar einen Theil nicht, und einen andern nicht auf die Art gemacht habe, doch kannst du versichert seyn, daß er dich trefflich vergnügen wird. Du schickst deinen Koffer wieder von Luzern auf Bern, nimmst wie das vorigemal ein kleines Packet mit und fährst auf dem See von Luzern auf Stansstad im Canton Unterwald. Von da gehst du auf Stans, sodann aufs Kloster Engelberg und kommst über den Engstliberg im Canton Bern ins Hasliland. [362] Grund, nennen sie, wie ich mich erinnere ein sehr kleines eingeschränktes Thälchen, wodurch die Aar fließt, von da machst du dich auf Meiringen, von da auf Tracht, am Brienzer See, fährst zu Schiff auf Interlacken, gehst auf Untersewen, das Thal hinein auf Gründelwald um die Gletscher zu sehen. Von da, wo möglich über den Berg nach Lauterbrunnen um den Staubbach und die hintern Gletscher, dem Steinberg gegen über, zu sehen. Dann auf Untersewen zurück, zu Schiff über den Thunersee, wo du im Vorbeigehen an der Beatenhöhle halten läßt und kommst auf Thun. Frage daselbst nach einem Peter Kocher, der unser Schiffer und Führer auf der Reise war und den wir was ehrlichs zum Narren gehabt haben. Wenn du ihm einen Gruß von uns bringst wird er eine kindische Freude haben. Von Thun fährst du in einem Miethwagen nach Bern, vielleicht triffst du Retourchaisen an. In Bern bringst du dem Hauptmann Sinner, Sohn des Avoyérs, viel Complimente. Sagst Herrn von Kirchberger von Gottstedt sehr viel Gutes von mir. Es ist dieses ein verständiger und braver Mann, besuchst den Maler Aberli und Herrn Pastor Wyttenbach der ein eifriger Bergläufer und geschickter Naturkundiger ist, und siehst was dort zu sehen ist, was dir ein jeder leicht anzeigt. Willst du hier deine Reise schließen, so gehst du von hier auf Solothurn, Basel und so weiter. Hast du aber da noch Lust dich tiefer einzulassen, so[363] will ich dir noch einen Weg vorschreiben, von dem du dich aber mußt alsdann nicht abwendig machen lassen, weil man die Gegenden, durch die ich dich fühlen will, in zwanzigerlei Kombinationen besuchen kann und jeder der dir räth, die Sache anders ansieht. Da ich aber das Ganze kenne, versichre ich dich, daß auf meine vorzuschlagende Weise, die meisten und interessantesten Gegenstände an einander gekettet sind.


Nr. 3.

Von Bern auf Murten, Auenche, Pajerne, Moudon, Lausanne. Diesen Weg kannst du im Wagen machen. In Lausanne suchst du Matthäi auf, der bei dem Grasen Forstenburg Hofmeister ist. Von Lausanne miethest du Pferde und gehst auf Lutri, Culli, Vevay, Villeneufe, Aigle, wo die Salzwerke zu sehen sind, Bex und von da nach St. Moriz ins Wallis. Auf Martinach wo du auf dem Weg die Pissevache siehst. Von da rath ich dir bis Sion das Land hinauf zu gehen, dich auf dem Schlosse Turbillon umzusehen und alsdenn wieder zurück auf Martinach. Hier mußt du deine Pferde verlassen und die weitere Reise zu Fuß antreten. Du wirst am besten thun wenn du zu der ebengedachten Tour gleich in Lausanne Pferde miethest und sie alsdenn von Martinach zurückschickst. Von Martinach steigst du einen sehr beschwerlichen Weg, doch immer besser zu Fuße, als auf Maulthieren, über Trient nach Valorsine und [364] Chamouni. Dort wendest du einige Tage an, um die Merkwürdigkeiten der Eisberge mit Bequemlichkeit zu sehen. Gehst auf Maulthieren bis Salenche, von da auf Cluse, siehst zwischen diesen beiden Orten, wenn du zu halsbrechendem Klettern Lust hast, die Caverne de Balme, weiter auf Bonneville und Genéve. Besuche ja die Herrn Hubert, Saußure und Bonnet, die all auf ihren Landgütern sind. Beide letzte kannst du auf deiner Reise nach Lausanne sprechen. Versäume nicht in Fernay die Fußtapfen des Alten zu verehren und kehre über Nion, Rolle, Morges nach Lausanne zurück. Von da grad auf Yverdun, von Yverdun auf Neuschatell. Willst du von da aus die merkwürdigen Thäler des Vallengin besuchen, so erkundige dich dort herum, ich bin nicht da gewesen. Von Neuschatell auf Biel, von da durchs höchst interessante Münsterthal auf Basel; freilich ist dieses Nr. 3 eine sehr wichtige und weitläuftige Tour. Es könnte seyn, daß dir nur gelegen wäre den Genfersee zu sehen, also liesest du von Lausanne aus den Weg durchs Wallis fahren und gingst grad auf Genéve, wieder auf Lausanne zurück und so weiter auf Yverdun. Indeß muß ich das wiederholen, was ich schon gesagt habe, wenn du dieser meiner Anweisung wie einer Ordre folgst, so entgeht dir in der Nähe der Gegend wo du dich herumdrehst gewiß nichts sehr merkwürdiges. Dagegen wenn du dich irre machen läßt und einen Ort vor den andern nimmst, so bist [365] du entweder zu unangenehmen Hin und wiederreisen genöthigt oder du verwickelst dich in die gebirgige Gegend. Nicht, daß ich, da mir das Land so bekannt ist, nicht noch zehnerlei Arten vorschlagen wollte, doch muß am Ende eine gewählt seyn und für dich halt ich diese für die beste. Deine Sache wird nunmehr seyn dir von Lavatern ein kleines Zettelchen geben zu lassen, wen und was du noch an den verschiedenen Orten zu sehen hast; ferner dich, ehe du jede Station antrittst, wol um die Weiten zu erkundigen, dich nicht zu übereilen und auf Wind und Wetter acht zu geben. Nur im flachen Lande zu fahren, übrigens Pferde und Maulthiere vorzuziehen und in ganz gebirgigten Gegenden lieber gleich zu Fuße zu seyn. Man bezahlt die Maulthiere und geht nachhero doch. Die Verschiedenheit des Geldes wird dich sehr chikaniren und überhaupt müssen die phantastischen Fußgänger in der Schweiz theuer bezahlen. Es ist nöthig mit den Boten und Trägern, Schiffern und wen man braucht voraus zu akkordiren, man giebt ihnen doch immer zu viel. Man muß vermeiden gegen Bettler, Kinder u.s.w. unterwegs zu freigebig zu seyn, wie man meistenstheils zu thun pflegt, wenn man guten Humors ist, denn der Kerl, der mit dir geht, sieht gleich daß es ein Herr ist, dem's auf ein paar Thaler auf oder ab nicht ankommt und das pflanzt sich von Wirthshauß zu Wirthshauß, von Boten zu Boten fort. Dich nicht zu übereilen und [366] wenig aber gut zu sehen ist was ich dir vorzüglich rathe. Auf meiner ersten Reise machte ich nur die Tour die hier unter Nr. 1 steht; und hatte nach meinen damaligen Umständen genug. Die zum Dictionaire de la Suisse gehörende Charte mußt du dir in Schafhausen oder Zürich gleich zu verschaffen suchen, sie ist sehr gut und zum Verständniß meines Reisevorschlags unentbehrlich. Lebe wohl.

Goethe.


[227] 4/963.

An Johann Kaspar Lavater

Du bist immer braver als man denckt, weil du doch immer am Ende das äusserste thust, aber dafür deswegen auch kein Poet, wie neulich iemand sehr wohl von deiner Offenbaarung bemerckte, wo du denn doch eine gewaltsame Streifung in das Gebiete der Dichtkunst geführt hast.

Lass mich bald hören dass du wieder wohl bist.

Noch ist von Wasern nichts angekommen ich bitte drum.

Ein Geistlicher auf dem Harz hat geweisagt dass ihr alle untergehn sollt vom Gotthart bis an den Mayn.

[228] Mit dem Fürsten von Dessau habe ich neulich in Leipzig über dich gesprochen. Er wird dir schreiben und dir selbst sagen dass er dich liebt und schäzt. Ob er sich gleich auch zu Anfang in die Dedication nicht zu finden wusste. Er ist auch einer von denen die sich iezo verwundern dass man sich von dem falschen Propheten die Eingeweide konnte bewegen lassen. Alle, auf die der Kerl gewirkt hat, kommen mir vor wie vernünftige Menschen, die einmal des Nachts vom Alp beschweert worden sind, und bei Tage sich davon keine Rechenschaft zu geben wissen.

Mit den Nachrichten von Wasern thust du mir eine wahre Wohlthat. Ich erwarte sie mit vielem Verlangen.

Vielleicht schik ich dir ehstens ein Portrait von dem Herzog Bernhardt aus dem hiesigen Haus um mir's von Lipfen stechen zu lassen. Wenn er aber, wie du schreibst balde verreist, so muss ich damit einen andern Weeg nehmen. Ich scharre nach meiner Art Vorrath zu einer Lebensgeschichte dieses als Helden und Herrschers wirklich sehr merkwürdigen Mannes, der in seiner kurzen Laufbahn ein Liebling des Schiksaals und der Menschen gewesen ist, zusammen und erwarte die Zeit wo mirs vielleicht glüken wird, ein Feuerwerk draus zu machen. Seine Jahre fallen, wie du wahrscheinlich nicht weisst, in den dreissig-Jährigen Krieg. Sein und seiner Brüder Familien-Gemählde interessirt mich noch am meisten da ich ihren [229] Urenkeln, in denen so manche Züge leibhaftig wieder kommen, so nahe bin. Übrigens versuche ich allerlei Beschwörungen und Hocus pocus um die Gestalten gleichzeitiger Helden und Lumpen in Nachahmung der Hexe zu Endor wenigstens bis an den Gürtel aus dem Grabe zu nöthigen, und allenfalls irgend einen König der an Zeichen und Wunder glaubt ins Bokshorn zu iagen.

Die regierende Herzogin musst du in der ganzen Silhouette nicht erkannt haben. Es ist die stehende Frau die mit dabei ist. Die Sizende ist die Herzogin Mutter.

Das Kupfer nach Juels Bild ist sehr fatal. Nicht eben an der Phisiognomie, aber mir kommts vor, als wenn ein Geist hätte wollen eines guten Freundes Gestalt anziehen, und hätte damit nicht können zurecht kommen, und gukte einen aus bekannten Augen mit einem fremden Blik an, so dass man zwischen Bekanntschaft und Fremdheit in einer unangenehmen Bewegung hin und wieder gezogen wird.

Wegen des Portos wollen wir's künftig so machen dass wir etwas zusammensparen und es auf einmal schiken.

Was du von Albrecht Dürern neuerdings wieder gekriegt hast schik mir ia alles bei Gelegenheit her. Ich gebe die deinen nicht heraus biss sie kompletter ist als iezt. Müller aus Rom schreibt mir dass sie iezt in grossem Werthe drinne stehn.

[230] Die apokalyptische Vignetten sind sehr kleinlich gegen den grossen Inhalt und deine grosse Manier.

In weniger Zeit wird Herr von Knebel, der bei dem Prinzen Constantin ist und nun eine kleine Reise vor sich macht zu dir kommen. Du wirst viel Vergnügen an seinem Umgang haben und begegne ihm wohl.

Weimar d. 5. Juni 1780.

G.


4/964.

An Charlotte von Stein

[5. Juni.]

Adieu liebes Gold, behalten Sie mich lieb. Schreiben Sie mir manchmal etwas und wenn ichs auch nur bey meiner Rückkunft fände. Was mir die Götter geben ist auch Ihr. Und wenn ich heimlich mit mir nicht zufrieden bin so sind Sie wie die ehrne Schlange zu der ich mich aus meinen Sünd und Fehlen aufrichte und gesund werde. Denn die Götter haben den Menschen Vielerley gegeben das Gute dass sie sich Vorzüglich fühlen und das Böse dass sie sich gleich fühlen. Adieu. An den Trähnen der Carlingen schein ich schuld zu seyn, und bins auch. Ich seh aber auch in diesem wieder dass – ja man sieht nichts – Adieu.

G.


[231] 4/965.

An Charlotte von Stein

Gotha Montags [5. Juni] Abends 7.

Es ward würcklich warm als ich von Ihnen wegritt, und ein Pferd das nur Schritt geht, merck ich wohl muss ich im Leben nicht reiten. Ich unterhielt mich wie mit Ihnen von meiner ganzen militarischen Wirthschafft, erzählte Ihnen das geheimste davon, das eben nicht scandaleus ist, wie es gegangen ist, geht, und wahrscheinlich gehn wird, Sie hörten mir gedultig zu und waren geneigt auch zu meinen Mängeln und Fehlern ein freundlich Gesicht zu machen. NB der Eklat den der Rittmeister mit der Caroline macht, ist blos um das Gehässige auf mich zu wälzen, und ist im innern doch wieder dumm. Wenn ich wiederkomme sollen Sie was Sie wollen von der Sache wissen, mit dem Beding dass Sie mich gegen niemand vertheidgen.

Drauf unterhielt ich mich mit beyliegender Posse, kam so durch Erfurt, und zulezt führt ich meine Lieblings Situation im Wilhelm Meister wieder aus. Ich lies den ganzen Detail in mir entstehen und fing zulezt so bitterlich zu weinen an, dass ich eben zeitig genug nach Gotha kam. Man hat mir im Thor gesagt dass ein Quartier im Mohren für mich bestellt sey. Wo ich auch eingezogen bin und erwarte ob Sie mir etwas schreiben und schicken wollen.

[232] Um den Donnerstag erwart ich ein gros Packet von Ihnen worinn alle schöne Freundinnen etwas beylegen werden.

Ich wollt gern Geld drum geben wenn das Capitel von Wilhelm Meister aufgeschrieben wär; aber man brächte mich eher zu einem Sprung durchs Feuer. Dicktiren könnt ichs noch allenfalls, wenn ich nur immer einen Reiseschreiber bey mir hätte. Zwischen so einer Stunde wo die Dinge so lebendig in mir werden, und meinem Zustand in diesem Augenblick wo ich iezt schreibe ist ein Unterschied wie Traum und Wachen.

Dienstag d. 6ten Jun. früh. Der Reitknecht geht ab und soll Ihnen diesen Grus bringen. Adieu bestes. Leben Sie wohl und vergnügt, lieben Sie mich denn ich bedarfs. Grüsen Sie die kleine und Frizzen.

G.


4/966.

An Charlotte von Stein

Mit dem schönen Wawagen komm ich in fremden Landen mir sehr kurios vor, als wenn man auf einem neuen Theater und frischen Dekorationen mit bekannten Akteurs spielt.

Ich sage Ihnen einen guten Morgen, dancke fürs Briefgen und kann Nachricht geben dass ich mich ganz gut aufführe. Adieu. Es geht nun hübsch bunt.

[Gotha] d. 7. Juni 80.

G.


[233] 4/967.

An Carl Ludwig von Knebel

So schläfrig ich bin will ich dir noch einen Grus schreiben. Diese Woche ist mirs in Gotha ganz gut gegangen, lass dir von der Stein wenn du willst was weiters erzählen. Nächstens mehr. Lass von dir hören.

[Gotha] d. 11. Jun. 80.


4/968.

An Friedrich Müller

Ihren Brief mein lieber Müller habe ich geschwind erhalten und ersuche Sie, so oft Sie Laune haben fortzufahren und mich mit Ihren lebhaften Beschreibungen zu sich zu versezen. Erzählen Sie mir von Menschen, von der Kunst, der Stadt, dem alten und neuen was Ihnen durch den Sinn geht. Nur bitt ich Sie versäumen Sie ia nicht mir etwas zu schiken, es sei was es wolle, zeichnen Sie nur einige Ruinen, es braucht nichts ausgeführtes zu sein. Jedermann fragt darnach, und die Leute sind selten die glauben ohne Zeichen und Wunder zu sehen. Was meine eigne Zeichnungen betrifft haben Sie sehr recht es fehlt mir an Fleis mir eine gewisse leichte Bestimmtheit zu erwerben. Besonders da ich nur sehr abgerissen der Liebeswerke mit den Musen zu pflegen [234] habe und mit der Wahl der Gegenstände ist es auch eine kuriose Sache. In diesen Gegenden, wo so wenig Sommer ist, wo das Laub so kurze Zeit schön bleibt wo man das Bedürfnis des Schattens der Quellen, der feuchtlichen Zufluchtsörter so selten fühlt, wo die Gegend selbst gemein ist und nur allenfalls ein schon vollkommnes Künstler Auge zur Nachahmung reizt, (denn freilich ist am Ende nichts gemein was trefflich nachgeahmt wird) hier gewöhnt man sich leicht an eine Liebschaft zu Dingen die man immer sieht, unter allen Jahrs- und Tagzeiten sich selbst gleich findet, denen das Enge, beschränkte Bedürfniss noch einen besonderen Reiz giebt und woran sich Haltung Licht und Reflexspiel leichter Buchstabieren lassen. Ich meine verfallne Hütten, Höfgen, Strohdächer, Gebälke und Schweinställe. Man ist in glüklichen Stunden oft an solchen Gegenständen vorbeigegangen, findet sie zur Nachahmung immer bereit da stehen, und da man gerne von der Welt und den Prachthäusern in das Niedrige flieht, um am Einfachen und Beschränkten sich zu erholen, so knüpft man nach und nach so viel Ideen auf solche Gegenstände, daß sie sogar zaubrischer als das Edle selbst werden. Ich glaube, dass es den Niederländern in ihrer Kunst so gegangen ist.

Aber ich will Ihre Warnung in einem seinen Herzen behalten und wenigstens so viel als möglich das beste aussuchen. Radieren thu' ich gar nicht mehr. Das Zeichnen nach der Natur wird wie es [235] Umstände und Lust erlauben fortgesezt. Leben Sie wohl.

Weimar, den 12. Juni 1780.

Goethe.


Sagen Sie mir ob die Addresse richtig ist.


[10] 4/968a.

An Ludwig Christian Lichtenberg

Das versprochene Stük Vase folgt hiebey. Es ist ein wenig schmuzig geworden, doch kann man alles gut darauf erkennen.

Haben Sie die Güte sich des von mir bestellten Sonnen Microscops zu der Camera obscura anzunehmen. Noch um eins muss ich Sie bitten. Ich habe, wenn ich mich nicht irre, unserm Künstler einen Schaden zugefügt den ich ihm eine gute Art ersezen mögte. Da er uns die dreifach zusammengefügte Gläser zeigte, lies ich eines, unwissend dass sie getheilt sein, auf die Erde fallen. Er war zwar zu bescheiden um sich etwas merken zu lassen aber ich glaube gesehen zu haben dass an der einen Seite ein Splittergen ausgespungen ist. Wolten Sie die Güte haben mir den Werth eines solchen Glases anzuzeigen und mir dadurch Gelegenheit geben ihn, da ich ohnedies wegen der Bestellung sein Schuldner werde, auf einige Weise zu entschädigen. Sie können der aufrichtigen Versicherung trauen dass ich die angenehmen Stunden Ihres belehrenden Umgangs öfters zu geniessen wünschte.

Weimar den 12ten Juni 1780.

Goethe.


[235] 4/969.

An Charlotte von Stein

d. 14ten Juni Abends nach 7. An meinem Schreibtisch. Es regnet, und der Wind spielt gar schön in meinen Aschen.

Ich suche Sie und finde Sie nicht, ich folge Ihnen nach und erhasche Sie nicht. Es ist nun die Zeit da ich Sie täglich zu sehn gewohnt bin, ausruhe und mich mit Ihnen in ganz freyen Gesprächen von dem Zwang des Tags erhohle.

Ihren Ring erhielt ich gestern und dancke Ihnen für das schöne Zeichen. Er ist ein Wunderding er wird mir bald zu weit am Finger bald wieder völlig recht.

Oeser ist hier und gar gut, schon hab ich seinen Rath in vielen Sachen genuzt er weis gleich wie's zu machen ist, das Was bin ich wohl eher glücklich zu finden. Er will in Ettersburg eine Dekoration mahlen und ich soll ein Stück machen. Diese Woche hat ich noch zu thun, wenn es von Sonnabenb über den Sonntag fertig werden kan, so mags gehn, ich