XI. Der siebente Ring

[199] Wenn es Georges Drang und Gesetz war den Leib zu vergotten und den Gott zu verleiben, so sind seine bisher betrachteten Dichtungen nur Taten und Leiden im Dienste des geheimen Gottes oder Zeichen und Werke seines Daseins: leibhaftig erschienen war er noch nicht, wie gerade dieser Seher ihn ruft. Zwar sind Ruf und Seher die Gewähr daß der Gott west .. Maß und Klang des Rufs, das dichterische Wort, die Zauber der Erde und die geistige Schau selbst sind ja Gegenwart und nicht bloß Wünsche oder Hoffnungen, und wie das echte Gebet schon Zeichen der Gnade ist, so ist auch schöne und hohe Sicht der Dinge, das »mächtige Wort« nur in begotteter Welt möglich: »Beweis des Geistes und der Kraft«. Wer sich als Seher weiß der weiß auch seinen Gott und jeder Fromme weiß durch Frommsein schon daß sein Erlöser lebt. Nur darf man nicht das Denken aller möglichen Gott-Begriffe mit Sehertum, das unklare Verlangen nach Gläubigkeit, das Glaubeln, mit Frommheit, das bequeme religiöse Empfindeln und Vernünfteln unserer Romantiker[199] Mystiker, Theologen oder Anthroposophen mit Gebet verwechseln: überall ist nur die Bewährung durch Werk, Tat, Sein, nicht das bloße Meinen und Mögen die Gewähr der Weihe.

Gerade Georges Gott verlangte Leib, nicht nur Dasein .. dieser Seher verlangte Schau seiner Gestalt, nicht nur Wissen seines Wesens. Die andern, die nicht so bis in die feinste Faser hinein Bewirkung, buchstäbliche Erfüllung ihres Gesetzes, Darstellung ihres Glaubens bis zum unausweichlichen Hier und Jetzt heischten, die minder unbedingten Gottsucher konnten sich begnügen mit der Gewißheit daß wieder ein Göttliches im Werden sei, vorlieb nehmen mit dem farbigen Abglanz, mit den neuen »Wundern der Morgenerde« und dem frischen Zauber der alten Tale: George selbst mußte, als Seher eines leibhaftigen Gottes, ihn wirken und all sein Leben ist nur ein einzig Mühn um diese Erfüllung. Ob er sich reinigte und stärkte, um den Gott zu empfangen, ob er die Sprache läuterte die ihn herbeirufen mußte, ob er immer sprödere Stoffe, immer weitere Räume ihm urbar machte, in immer helleren Bereichen sein Walten gewahrte und bewährte – er durfte von sich sagen:


Tag und nacht hab ich nur dies getan

Seit ich eignen lebens mich entsinne:

Dich gesucht auf weg und steg.


Die Erscheinung des Engels, die Durchgeistung des Lebens, die Schau der Ideen, wie sie im Teppich des Lebens ihm gegönnt war, ist die Verkündigung, noch nicht die Epiphanie – und immer noch muß er selbst, der Mensch, seinen Himmel mit furchtbarer Spannung um sich her wölben, worin noch unsichtbar, ringsum strahlend, vernehmlich fordernd der erflehte Gott waltet. Der Engel ist nicht Gott, nicht Schöpfer des schönen Lebens .. er ist sein Bote, zugleich sein Forderer: er ist das offenbarte Gesetz des Ich, den Gott zu suchen, er sagt ihm wo und wie, und bereitet dem Beter den Weg zum Gott, das heißt zugleich dem Gott den Weg zum Beter. Aber noch ist der Gott nicht die Sonne seiner Welt, sondern ihr Licht. George umschreitet nicht die sichtbare Flamme, sondern ihr Glanz und ihr Dunkel umhüllt ihn. Mitte ist nicht der leibhafte Gott der ruft, sondern das geisthafte Ich das ihn sucht. Noch hat er nicht ihn geschaut, nur sein Wirken im eigenen Leben, seinen farbigen Abglanz auf der Erde.[200] Wer ist sein Gott? Der Dichter hat später nach der Epiphanie sein Wesen, nicht nur seine Wirkung gesagt:


All meines traums begehr.

Der nächste meinem urbild, schön und hehr.

Was die gewalt gab unsrer dunklen schöße

Was uns von jeher wert erwarb und größe –

Geheimste quelle innerlichster brand:

Dort ist Er wo mein blick zu reinst es fand.

Der erst dem einen Löser war und Lader

Dann neue wallung gießt durch jede ader

Mit frischem saft die früheren götter schwellt

Und alles abgestorbne wort der welt.

Der gott ist das geheimnis höchster weihe

Mit strahlen rings erweist er seine reihe:

Der sohn aus sternenzeugung stellt ihn dar

Den neue mitte aus dem geist gebar.


Dies Gedicht wirft sein Licht vor- und rückwärts auf Georges ganzes Schaffen, wie auf die neue Welt die er bringt. Es enthält den Geheimsinn seines lebenlangen Suchens und Wirkens zum Gott hin, seiner einmaligen Weihe und Schöpfung vom Gott her, seines Erdenwallens und seiner Ewigkeit. Es lehrt uns erst begreifen wie in der Mitte dieses unerschöpflich tiefen und hohen Werks, das die ganze Tonleiter der Seele vom zartesten Hauch bis zum weltsprengenden Fluch umfaßt, die Bildungskräfte der Geschichte, die Schöpfungsmächte der Natur, die Ideen des Lebens .. wie im Werk des strengsten Dichters die geliebte Gestalt eines schönen Jünglings stehen kann. Gerade darum ist er ein End und ein Beginn, gerade weil ihm ein schöner Mensch Gott werden, weil sein alldurchdringender Weltgott ihm als schöner Mensch erscheinen konnte, hebt mit ihm neues Schauen und Glauben an. Wie dies geschieht das beantworte wer Leben aus dem Keim, Schöpfung aus dem Atom zu »erklären« meint, wer hinter die Dinge greift, um die Lehre zu finden. Wohl aber soll auch hier die weltschaffende Liebe von der »Knabenliebe«, die Vergottung des Leibes von der Vergötterung des Körpers, der Gott Georges von den verschiedenen mystischen Allegorien menschlicher Triebe und Wünsche unterschieden werden.[201]

Daß ein Mann sich in Knaben verliebt statt in Mädchen gehört in den Bereich der natürlichen Blutreize, nicht der geistigen Lebenskräfte. Ob man es als naturwidrig verabscheut, als Natur-umweg entschuldigt oder als Naturverfeinerung billigt: an sich hat diese Verliebtheit mit Liebe so wenig zu tun wie der Geschlechtsakt. Die Phantasiespiele und -schimmer womit ein Verliebter sein Begehr schmückt haften nicht an der Gestalt, bannen keine Gestalt, sondern sind Wallungen des bewegten Ichs, bestenfalls Lyrik. Die griechische Liebe ist ihrem Ursprung wie ihren Wirkungen nach (zu denen die dorische Gesetzgebung, die attische Plastik, die platonische Philosophie gehören) nicht ein blind zielender und spielender Naturtrieb, sondern die geistige Zeugung im Sinnenstoff selbst, die Schau, ja die Erschaffung des schönen Leibes und die Verleibung des Gottes. Dieselbe Weltkraft die sich bekundet in schönen Leibern, Eros, drängte die Männer dies wahrgenommene Schöne zu besitzen, zu verewigen und zu verherrlichen: der schöne Männerleib regte den geistigen Zeugungstrieb, den plastischen Formtrieb, den heroischen Tatentrieb in derselben Weise an wie der schöne Frauenleib den natürlichen Zeugungstrieb. Auch dieser ist eine Weltkraft, Aphrodite, aber sie will nicht die Gestalt fassen sondern die Fülle entladen, nicht den Leib verewigen sondern das Leben fortpflanzen, nicht das Offenbare festhalten sondern im Geheimnis untertauchen. Dieser natürliche Zeugungstrieb, dessen wahres Heiligtum das Weib ist, kann irregehen, denn er ist blind, wie die ganze geistlose Natur. Wer Männer, Tiere, Dinge, Vorstellungen so wie Frauen liebt der zeugt nicht, weder im Geist noch in der Natur, weder den Menschgott noch das Menschtier. Diese verliebten Opfer des Naturtriebs können ihre unfruchtbaren Täuschungen zwar vergöttern (idealisieren), aber nicht eine Weltkraft vergotten. Vergöttern ist vorstellen, vergotten ist darstellen. Nur wo gestaltige Schönheit entsteht aus der Anbetung männlichen Leibes da waltet Eros, der geistig zeugende, der weltschaffende Dämon, wie nur da wo ein Kind entsteht die natürliche Gottheit waltet, Aphrodite.

Nur eine Weltkraft, und nicht romantische Sonderneigung, subjektiver Trieb, kann die »sternenflüchtigen Gedanken«, die Ideen von Seele, Geschichte, Natur, Geist bannen in schöne Gestalt, und nur[202] wer in Ideen, in Gestalten denkt dem muß auch die Schön heit des Alls als Gestalt, in Einem Leib sich offenbaren. Solch eine Offenbarung ist so sehr die letzte Gewähr des Erfüller-glaubens wie die Menschwerdung des Logos die letzte Gewähr des Erlöser-glaubens. Nur wem Ein schöner Mensch Gott werden kann hat Augen für die Göttlichkeit des schönen Alls. Nur wem Gott wirklich Mensch werden kann für den ist das Himmelreich, die Liebe Gottes zum Menschen keine Phrase.

Dem Menschen ist Gott nur menschhaft zu fassen, und alle Attribute womit wir ihn verherrlichen sind entweder die Aufhebungen menschlicher Grenzen: »unendlich, unsterblich, unbegreiflich«, oder Vergottungen, Verallungen menschlicher Kräfte: »allgütig, allweise, allmächtig«. Wer nicht beim leeren Denken Gottes stehen bleibt, sondern mit seinem ganzen Wesen ihn erfährt, dem erscheint er im Mittler: freilich darf er kein Phantasiebild, kein willkürlich erwähltes und geschmücktes Idol sein, keine Erdichtung: er muß die Züge tragen der ganzen Wirklichkeit die dem jeweiligen Menschen gottartig erscheint. Er muß verwirklichen im Erdentag, gegenwärtig das sein was als Erinnerung, Wissen, Verheißung den Glauben des Menschen an das Göttliche genährt hat: die »Fülle der Zeit«. Für den Christen ist er das Eintreffen aller biblischen Hoffnungen und Weissagungen .. für George mußte er schön und hehr sein wie die Alten deren Worte, Werke und Bilder ihm noch heute Schönheit und Hoheit künden .. stark und jung wie die morgendliche Natur, lauter und glühend .. in ihm mußte befaßt sein »was die gewalt gab unserer dunklen schöße«, und von ihm ausstrahlen »was uns von jeher wert erwarb und größe«. Das ließ sich nicht erfinden, es mußte da sein oder nicht. Kein Selbstbetrug kann auch nur einem Menschen neue Wallung gießen durch jede Ader, mit frischem Saft die früheren Götter schwellen und alles abgestorbene Wort der Welt erneuern.

Immer lebt der neue Gott wo der neue Glaube lebt, doch nur dem Seher zeigt er sich in greifbarer Mittler-gestalt, und der zeigt ihn anderen. Nur der Geist dem durch die Weihe bereits die Augen geöffnet sind merkt rings am neuen Strahlen daß der Gott da ist, aber auch nur er kann ihn finden in seiner gegenwärtigen Verkörperung, kann ihn »taufen«. Machen läßt er sich nicht: er ist die Fleischwerdung[203] einer Weltkraft, nicht der »Mythus« einer fruchtbaren Phantasie und nicht der Ersatz für irgendeine Unendlichkeit. Auch diese Sicht ist nur der andere Pol des Sehers, auch dieser Eine ist die Frucht der geheimnisvollen Zweiheit die Ich und All zusammen bilden: die geburtenträchtige Mitte und der zeugende Geist.

Wer also nicht im Fernen sondern im Nächsten, nicht im unendlich Leeren sondern im vollendeten Da-sein, nicht in der Raum-masse sondern in der Wesens-dichte, nicht in aller Ewigkeit sondern in jedem Augenblick Gottheit gewahr wird, für den ist die Vergottung des Leibes an sich faßlich und wer Georges Gedichte aus ihrem eigentlichen Ursprung empfindet der erstaunt nicht, in der Mitte seiner hellenisch-katholischen Welt eine Gottmenschen-gestalt zu finden. Wohlaberdurften auch Kenner und gerad Kenner Georges erschrecken daß er eine solche Gestalt in unserer Zeit sah. Gerad wer weiß wie wenig Phantast und Mythen-macher, wie heilig nüchtern, wie grausam sachlich auch seinen eigenen Wünschen gegenüber dieser Mann ist, wie wenig er vorlieb und vorwegnehmend romantisch sich Mittler erdenken oder ersatzweise aufschönen kann, wer ihn jedes idealistischen Selbstbetrugs unfähig weiß, der erstaunt nicht über die Vergottung, sondern über die Verleibung.

Über die Vergottung des schönen Leibes hat Platon im Gastmahl und im Phaidros schon alles gesagt was der Mensch davon fassen kann: man muß ihn nur wirklich nehmen, nicht allegorisch. Der Heldenkult des Altertums von Herakles bis Cäsar ist nur eine dumpfere Form des Glaubensgesetzes das Platon deutet und begründet. Die Gottheit Christi nimmt man heute hin als eine geschichtliche Tatsache, als den Dank der Menschheit an ihren Wohltäter oder als einen Mythus. Die Gebildeten sind abgestumpft durch Gewohnheit und Überlieferung für das Wunder dieser Geschehnisse und verdünnen gern historisch oder psychologisch was sie nicht sehen, sondern nur lesen. Man versteht bei uns den fanatischsten Fetischglauben an Begriffe, ja an Schlagworte, man meint etwas getan mit allgemeinen Gefühlen und Vorstellungen, man kennt Religion fast nur noch als »Weltanschauung«, und doch ist die ganze griechische Welt, die ganze christkatholische Welt, alle Substanzen von denen unsere Gespenster »Weltanschauungen« heute noch vampirisch zehren, nicht einmal[204] historisch und psychologisch, geschweige unmittelbar zu fassen, wenn man nicht der Vergottung eines wirklichen Menschen fähig ist wie George: er allein inmitten eines Zeitalters von Entgötterungen und Vergötterungen. Nochmals, er hat nur den antiken Glauben verwirklicht – nicht nachgeahmt etwa aus historischer Einsicht in seine Wahrheit oder aus ästhetischem Gefallen an seiner Schönheit, nicht wiederholt als Spätling einer versunkenen Art, sondern erneuert aus deutschen Kräften, aus dem »Geist der heiligen Jugend unseres Volks«.

War jedem echten Glauben bisher die Vergottung des Menschen selbstverständlich, nur einem blut- und seelenlosen Geschlecht die leibhafte Erscheinung eines Mittlers widersinnig und widerwärtig (wie jedem blut- und seelenvollen die Vergötterung von Wünschen und Zwecken) so liegt das eigentliche Geheimnis von Georges Glauben in der Vergottung eines deutschen Jünglings dieser Zeit. Sie ist der Ursprung seines Dichtens, der Grund seines Wesens, die Kraft seiner Welt. Deutsche Jugend, im »Deutschen Jüngling« von Siegfried bis Parsival, von Simplex bis Walt immer wieder verkörpert, ist eine Weltkraft, von der Jugend aller anderen Völker unterschieden, eine geistig sinnliche Urform des Menschtums derengleichen seit dem griechischen Jüngling, seit dem Tod Alexanders auf Erden nimmer erschienen ist. Nur der Grieche und der Deutsche haben das Menschtum als Jünglinge erfüllt, auf der Stufe des vollendeten Blühens, des erwachenden Geistes und des schönen Leibes. Nur bei diesen beiden Völkern ist Jugend nicht bloß Naturzustand, sondern Geist-lage. Es gibt keinen romanischen oder slavischen »Jüngling« in diesem prägnanten Sinn, sondern junge Männer, und es gibt den englischen »boy«: aber überall dort ist der junge Mensch die Vorstufe des Mannes, wenn nicht gar des Greisen .. nur bei dem Volke des Blühens und bei dem Volke des Werdens, bei den Griechen und den Deutschen war Jugend selbst geistig voll-kommen. Nur die Griechen kennen göttliche Jünglingsgestalten wie Achill, Alkibiades, Alexander, nur die Deutschen ewige Jünglingsschicksale wie Siegfried, Konradin, Hölderlin. Und nur diese beiden Völker kennen auch die Gewalt die aus dem schönen Leib die Heldentaten und die Götterbilder zeugt: die weltschaffende Liebe, die Vermählung der einmaligen Jugend mit dem ewigen Geist: den Eros. Frauenminne,[205] Männerfreundschaft, Knabenbuhlschaft hat es überall gegeben, doch nur bei den Völkern der Jugend sind Süße und Hehre, »Idee und Liebe« so tiefstens eines gewesen, daß daraus die Wahrheit Platons und das Gebet Hölderlins entstehen konnten .. denn nur in der Jugend sind Geist und Leib in ungeschiedener Fülle. Das rechte Kind ist Leib, der rechte Greis ist Geist, der rechte Mann ist die Zweieinigkeit, nicht die Einheit beider. Griechische Jugend hat den Geist des schönen Leibes offenbart, der seit Platon dann gelöst und weltweit verflüchtigt ist. Deutsche Jugend hat den heiligen Geist des Christentums immer wieder in schönen Leib zurückrufen wollen, schweifend und träumend getrieben vom Heimweh nach der Erde. Nur die Griechen und die Deutschen kennen drum auch den eigentlichen »Idealismus«, den platonischen, die Schau des Geistes in der Gestalt, und den hölderlinischen, die Suche der Gestalt für den Geist. Griechische Jugend hat den Leib vergottet. Deutsche Jugend kann den Gott verleiben: denn nur ihr Geist kennt noch dies kosmische Heimweh, das sich in Zwecken und in Stoffen nicht beruhigt. Doch weder dem ewig Werdenden noch dem genügsam Seienden kann der Geist dieser neuen Jugend leibhaftig erscheinen – nur einem der griechische Fülle des Seins und deutsche Notdurft des Werdens so erfahren hat wie Stefan George:


Die einen lehren: irdisch da – dort ewig ..

Und der: ich bin die notdurft du die fülle.

Hier künde sich: wie ist ein irdisches ewig

Und eines notdurft bei dem andren fülle.

Sich selbst nicht wissend blüht und welkt das Schöne.

Der geist der bleibt reißt an sich was vergänglich

Er denkt er mehrt und er erhält das Schöne

Mit allgewalt macht er es unvergänglich.

Ein leib der schön ist wirkt in meinem blut

Geist der ich bin umfängt ihn mit entzücken:

So wird er neu im werk von geist und blut

So wird er mein und dauernd ein entzücken.


Dies ist die deutsche Wiedergeburt der griechischen Liebe: Verewigung des schönen Leibes durch den Geist .. bei Platon war die[206] Erscheinung des ewigen Geistes durch den Leib. Beidemal ist der Geist der Jugend am Werk.

Um die Mitte des Lebens hat George den Menschen gefunden dessen Schönheit, Kraft, Glut, Reinheit, Fülle, Einfachheit, Adel, Anmut und Hoheit alles vergegenwärtigte was ihm je Geschichte bot, Zukunft verhieß. Sein eigenes Gebet, das göttliche Urbild und die menschliche Erscheinung waren eins geworden in Maximin. Unter diesem Namen hat George ihn verewigt, als er starb, den geheimen Gott all seines Suchens und Singens der in finstrer Zeit ihn erhielt, den schon verzweifelnden Glauben ihm erneut, den heiligen Beruf ihm verbürgt. Aus der Gemeinschaft mit ihm, zugleich Geschöpf und Schöpfer, aus dem abgründigen Schmerz um seinen Hingang, aus der Erhebung zu dem Entrückten ist das Buch Maximin entstanden, das die Mitte des Siebenten Ringes und den Kern von Georges weiterem Schaffen bildet: die Feier des offenbarten Gottes durch Lied und Lehre. Zu dieser Gestalt hin, von ihr her deuten fortan alle Wege Georges und auch wo er ihn nicht nennt ist er das Maß, das Licht und der Sinn: »geheimste quelle, innerlichster brand«.

Vom Augenblick an da ihm dies leibhaftig erschienen war in der eigenen Zeit, da er außer sich möglich und wirklich fand was ihm und dem gefährdeten Volk not tat, das einfach schöne und echte Menschtum, rief er nicht mehr in die fragwürdige Weite, der Antwort ungewiß. Die Antwort war da, die neue Ordnung der Werte sichtbar von dieser Mitte aus. Denn man darf die Menschen nicht reihen und richten nach einer unwirklichen Forderung, nach einem Begriff von Wahrem Gutem Schönem – sondern nur von einer Erfüllung her. Die Erlöser sind immer zugleich Erfüller und Bringer des Gesetzes. Jedes Gesetz eines großen Menschen greift über, es reiht und richtet von selbst durch jede seiner Äußerungen, ob er will oder nicht. Aber erst seit dem Erscheinen Maximins wird für George sein Lebensgesetz, sein Schön und Häßlich, Gut und Schlecht, Hoch und Niedrig über sein eigenes Leben hinaus mehr und mehr zum Weltgesetz, d.h. zum Gottes-Reich. Der Engel des Vorspiels erleuchtet ihm Pfade und Räume die er ging und gehen soll. Maximin schafft ihm den Raum worin er beten und wirken muß: er ist nicht mehr das ich-entstrahlte Du wie der Engel, sondern der »Sohn aus Sternenzeugung«[207] und die Offenbarung der neuen Welt die der Engel forderte. Wie jeder Gott oder Mittler, so bringt auch dieser sein »Reich« mit: er zeigt nicht nur den Weg, die Wahrheit und das Leben, wie der Engel es tut, sondern er ist es. Kein Gott ist denkbar ohne die Welt die er wirkt, keine Welt ohne den Gott der sie wirkt. Jedes Leben hat seinen Geist, und der Geist kündet sein Gesetz, wie der Engel. Jede Welt hat ihren Gott und wo ein Gott erscheint, offenbart er seine Welt, die im Gegensatz zum All, dem Inbegriff des Seienden, eine Ordnung der sichtbaren Werte, d.h. eben ein »Reich« ist. Der Beginn dieser neuen Lage Georges ist die Vergottung des Maximin.

Auch das ist keine Sache des Vorsatzes und der Absicht: was die Atemzüge und Gangart Georges be stimmt das ruft noch seinen Gott und dessen Reich, und nicht bei ihm steht es zu reden oder zu schweigen. Viele hat George verloren, viele gewonnen, seitdem es deutlicher wird daß seine Dichtung nicht nur neue Genüsse, sondern eine neue Ordnung bringt, und mancher der mit ihm leiden oder schauen wollte mag nicht mit ihm beten und dienen. Der Siebente Ring und der Stern des Bundes (die sich zu einander verhalten wie die »Geschichte« zur »Lehre« des neuen Glaubens und zu denen sich das Vorspiel und der Teppich verhält wie die Weissagung zur Offenbarung) haben Geschmäckler und Kenner, Reizlinge und Klüglinge die bis zum Teppich »mitgingen« abgeschreckt. Es ist schon so: diese beiden Bücher sind »heilige Schriften«. Man mag den Glauben, d.h. die »Kraft des Bluts, Kraft des schönen Lebens« woraus sie stammen, teilen oder nicht (und freilich ist Glauben kein Meinen oder Richtig-Finden, sondern ein verpflichtendes und verbindendes Innesein) man mag im schönen Menschtum den Gott schauen oder nicht: sie sind kein läßliches Sinnen- und Seelenspiel und enthalten eine Botschaft von gleicher Strenge und Wucht wie nur je einer Wendezeit geworden. Aus fast untragbaren Qualen ist sie geboren, aus kaum noch menschlichem Grauen, von dem die lärmenden Ausdrücker des europäischen Zeit- und Weltleids in und nach dem Krieg nicht einmal etwas ahnen. All ihr Schrei ist neben den leisesten Klängen dieser schönen Gedichte harmloses Privatgeschwätz. Denn es sind Gedichte und sie sind schön. Unfaßlich für heutige Menschheit daß Schönheit fordert und daß ungeheures Geschehen, Wandel der Welt und erschütternde[208] Wende enthalten ist im Gedicht .. »daß in der Dichtung eines Volkes sich seine letzten Schicksale enthüllen«! Die wildesten Getöse und Stürze der berstenden Erde sind nur späte Zeichen des Verderbens von dem ein großes Herz lange vorher bebt und schwingt, und die wogende Ernte ganzer Länder ist eingeschlossen im ungreifbaren Keim. Geheimnis ist hierin freilich, aber nicht Geheimtuerei, nicht heimliche Absicht.

Nur weil man verlernt hat in den Dingen sie selbst zu sehen, und den einfach starken Glauben, das nackte Sein, die hüllenlose Schau bezweifelt und verneint, hat man im »Maximin« eine chiffrierte Theosophie oder dergleichen gesucht und in Georges Wort mystische Ekstasen und künstliche Steigerungen. Er ist nackt, grade, klar – und nur wir blinzen durch hundert Denk-, Fühl- und Wissensschleier. Er ist einfach, aber schwer und tief .. wir sind tausendfältig, aber leicht und flach. »Wir hatten allzuviel gehört von der weisheit die das letzte rätsel zu lösen wähnte, allzuviel gekostet von der buntheit der sich überstürzenden erscheinungen, die unermeßliche fracht äußerer möglichkeiten hatte dem gehalt nichts zugefügt, das zu schillernde spiel aber die sinne abgestumpft und die spannungen gelähmt: was uns not tat war Einer der von den einfachen geschehnissen ergriffen wurde und uns die dinge zeigte wie die augen der götter sie sehen.« So ist George und so war Maximin. Die Einfachheit und das Geheimnis Beider und aller Worte die aus ihrem Bereich kommen liegt in dem Satz: »wie die augen der götter sie sehen.« Die »Götter« sind die oberste dem Menschen noch zugängliche Seinsart, ihr Wirkungsraum der äußerste menschliche Umfang: unter ihnen versteht George, was das Altertum in ihnen wahrnahm, die geisterfüllten gestaltigen Weltkräfte, überthronend und umschließend (wir können das Raum- und Zeitlose nur räumlich begreifen) die geistlosen Mächte und den stofflosen Geist .. auf den unteren Stufen waltet der stoffliche Trieb. Die Mächte-stufe hat George im Jahr der Seele vergegenwärtigt, die Geist-stufe im Teppich des Lebens, die Götter-stufe erreicht er durch das Erscheinen Maximins. Auf ihr sind die Dinge wieder einfach, wie im bloßen noch ungeschiedenen Chaos, aber nicht mehr vor der Sonderung in Trieb, Seele, Natur, Schicksal, Leben und Geist, sondern nach ihrer Wieder-vereinung. Die Götter selbst umfassen in einer höheren Einheit alle bisherigen Spannungen[209] und Spaltungen: sie sind kein Jenseits der menschlichen Spannungen, sondern ihre Umschließung, ihre »Vollkommenheit«: der siebente Ring um die sechs engeren Umfange des Menschtums, Trieb, Seele, Natur, Schicksal, Leben, Geist, deren jeder nach innen spannt, von außen umspannt wird. Unsre Namen für diese Siebenheit sind nur Näherungen und jeder mag eine andre Reihe aufstellen. Daß seit Urbeginn der Geschichte Sieben die Zahl der Vollkommenheit ist, geht aber nicht auf bloße Klügelei oder überlieferte Konvention zurück, sondern auf das »kosmische« Maßgefühl beginnlicher Menschheit, das allen ursprünglichen Menschen ohne jede Zahlenmystik oder Kabbala gemein ist und von dem auch George, überall ein Erneurer der Ursprünge, unwillkürlich durchdrungen ist.

Entkleiden wir den Gott-gedanken aller mystischen Gefühlsschwelgerei wie aller hirnlichen Deutelei, nehmen wir ihn so »heilig nüchtern« (d.h. freilich nicht trocken-verständig!) wie die Griechen und Römer die Lebensdinge und also auch die Weltkräfte genommen haben, so begreifen wir vielleicht eher die Feier Maximins, oder wenigstens warum diese einfachen und herzlichen Gesänge, diese nacktesten und lautersten Sätze vielen soviel fremder sind als die dunklen Zaubersprüche des Jahrs der Seele. Sie sind von keinem Reiz, von keiner Spannung aus mehr zu fassen .. man hat die Augen für diese Stufe oder man hat sie nicht. Bis zu Trieb, Seele und Geist sind nun viele gelangt und damit haben sie ein Aufnahmeorgan für die Sinnenbilder und die Geistbilder. Wer jedoch das Gottbild als Sinnenbild oder Geistbild betrachtet und »Worte des ewigen Lebens« auslegt als Erlebnisbeichte, Tiefsinn oder Geheimlehre, der nimmt ihnen die Einfalt ihrer Vollkommenheit und sucht sie auf einer Ebene der sie schon entrückt sind. George hat nichts versteckt, er hat nichts zu verbergen: er hat nie etwas anderes gesagt als er jeweils gesehen hat und er hat alles gesagt was er gesehen hat, freilich nichts »erklärt«. Nur wollen die meisten Leser nicht sehen und hören, sondern hinter etwas kommen was vor ihnen steht. Käme Gott selbst in all seiner Herrlichkeit, sie würden ihn nicht erkennen und an seiner Identität zweifeln, bis er den Identitätsausweis irgendeiner Behörde vorgezeigt hätte: denn sie zweifeln zwar an der Identität der Wesen, aber nie an der Identität der Ausweise. Ich verweile dabei, weil diese irrige[210] Grundeinstellung, dieser Mangel an Sinn für die Selbheit der Georgischen Worte auch Bessere irre führt und fernhält, und so wenig man je niedrig Gesinnte zu seinem Werk wird führen können, mancher edel Suchende wird es finden, wenn er es wörtlich und wirklich lesen lernt und vor ihm abtut seine allzuklugen Hintergedanken wie seine allzufeinen Vordergefühle.

»Einfach wie die Augen der Götter sehen« ist fort an die Schau und die Sprache Georges. Noch im Teppich des Lebens waltet die Spannung zwischen Geist und Leben, oder sinnlich gesprochen, zwischen den Geist-bildern und dem Geist-raum – und ein eigentümlicher Zauber dieser Gesichte kam von dem Wechselspiel farbiger Dichte und durchscheinender Helle. Der helle Geist durchdrang mit seinem Licht die bisher dunklen Lebensdinge, schuf Raum, indem er Gestalten zeigte. Noch war das Licht vor den Gestalten da, außer den Gestalten, transparent, aber auch transcendent: woher es kam das blieb im Dunkel – genug es war da. Im Maximin geht das Licht aus der Gestalt selbst hervor. Es haftet an ihr, es trägt ihre Farbe und der Raum selbst ist nur ihre Strahlung. Der Gott, die raum- und lichtschaffende Weltkraft, ist jetzt selbst gestaltige Gegenwart und auch nachdem er entrückt ist, bleibt sein Licht ergossen, sein Himmel gewölbt und alle Dinge tauchen darin ein und auf. Der Teppich ist noch Geist-raum ohne sichtbare Lichtmitte, der Siebente Ring ist Gott-raum mit einer solchen. Hier ist alles faßbar und durchdringbar zugleich, leibhaft und räumlich zugleich, aber eben durch seine voll-kommene Selbheit und Gegenwart ist Licht und Raum nur wahrnehmbar dem der das Gottbild sieht. Auf der Geist-ebene ist im alldurchscheinenden Licht das Auge für die eine Erscheinung mehr, für die andre weniger empfänglich, und nur der völlig Geistblinde sieht nichts. Im Maximin entsteht erst alles Licht und alles Auge von der Sicht des Gott-bildes her.

Man kann nicht sagen daß George es hat verbergen wollen (obwohl jede Verewigung von den blinzelnden Zeit- und Zimmerguckern die nur spähen, aber nicht sehen für Versteckspiel gehalten wird). In der Vorrede zum Maximin-gedenkbuch1 hat er von seiner Erscheinung,[211] seinem Wesen und seinem Erdengang so deutlich gesprochen wie Platon von Sokrates, minder hintersinnig wie Dante von Beatrice, ebensowenig »mystisch« oder raunend wie Cäsar in seinen Commentarien .. freilich von göttlichem Geschehen, unmittelbar wie es ihm wider-fahren ist, von Dingen der Götterebene, von Vorgängen des Siebenten Ringes, so wie Dante etwa von den Vorgängen des Empyreums berichtet, nachdem er vom Merkur und vom Jupiter berichtet als bewohnbaren, bereisbaren, beschreibbaren Räumen. Nur bedeuten bei George die verschiedenen Räume immer sich selbst: ihre Gegenwart ist ihre Ewigkeit und ihre Erscheinung ist ihr Sinn – eben darum sind sie auch ganz erfüllt von sich und erfüllt nur von sich, bedürfen keiner Sinngebung von oben oder unten oder außen.

Maximin ist nicht mehr und nicht weniger als der göttlich einfach schöne Mensch, bis zum Wunder vollkommen, geboren in dieser bestimmten Stunde, an diesem bestimmten Ort, nach dem unter diesen einmaligen Erden-umständen – Familie, Haus, Stadt, Stamm – erfüllten Leben verewigt als das was er war, von dem der ihn sah und liebte: kein Übermensch und kein Wunderkind, das heißt Durchbrechung menschlicher Ränge, sondern eben ein »Gott«, Erscheinung menschlichen Rangs .. heimisch in dem Bereich der ungeschiedenen geisterfüllten, gestaltigen Weltkräfte. Das Wunder liegt nicht im Dasein, kaum im Erscheinen der Götter. Götter sind an sich nicht wunderbarer als Pflanzen und Tiere, und es gab ganze Zeiten in denen sie lebten und webten als eine selbstverständliche Gattung wahrnehmbarer Wesen: wir hätten ohne dies keinen Homer und keine griechische Plastik. Man sieht nur was man lebt.

Das Wunder beginnt wo Wesen dieser Stufe einbrechen in eine andre Ebene die ihnen bereits entfremdet ist. So wie dem Tier der Mensch, erscheinen Götter einer gespannten und gespaltenen Menschheit, die aus Erinnerung und Überlieferung mythisch von ihnen weiß, aber nimmer mit ihnen lebt. Sie bringen ihr Licht, ihre Luft oder auch ihr Reich mit und werden dämonisch gescheut oder göttlich verehrt, im ganzen mehr ihrem Wirken nach gefühlt als ihrem Wesen nach begriffen. Solche Einbrüche waren Alexander, Christus, Hölderlin .. minder rein und deutlich die zwischen Geist- und Gott-stufe heimischen Gestalten, dämonische oder geniale Menschen, wie Napoleon[212] und Michelangelo. Mit der Begabung oder dem Charakter hat die Zugehörigkeit zu den verschiedenen Stufen nichts zu tun. Auch sind die menschgewordenen Götter etwas anderes als die vergörtlichten Menschen: jene brechen mit beginnlicher Einfalt der Götterstufe in unsere zerspaltene Welt ein .. diese bringen die Spaltungen durch ihre Menschen-kraft und -fülle wieder rund bis zur vollkommenen Einheit der Götterstufe: dahin gehören der göttliche Platon, der Divus Julius, der göttliche William. Jene sind göttliche Wunder, diese sind göttliche Norm. Die alten Griechen kannten beide Gottarten in Dionysos und Herakles, den herabgestiegenen und den emporsteigenden Göttersohn .. die frühchristliche Dogmatik kennt die, adoptianische und die pneumatistische Gotteskindschaft: Christus als der um seiner Vollkommenheit willen eingegottete Mensch, oder als die in Menschenleib eingehauchte Gottesliebe. Beide Gottheiten sind vollkommen Menschen, an Ort und Stunde gebunden, und »für Zeiten die das Göttliche im Menschen nicht erleben ist Gott eine bloße Denkform«.

In einer solchen Zeit, gottfremder, gottdenkender und gottrediger als je eine frühere, hat George seinen Maximin als ein Wesen aus jener Ebene erkannt: hierin liegt das Wunder dieser Erscheinung und das Unerhörte seines Glaubens gegenüber allen früheren Anbetungen. Der antike Mensch fühlte sich umgeben von Göttern, der christliche umschlossen von Gottes Himmel und bewacht von seinen Engeln und Heiligen. In bürgerlicher Zeit hatte niemand mehr an die Gegenwart eines Gottes zu glauben gewagt. Die »Allgegenwart Gottes« war längst zu einer Redensart der Ammen und Pfaffen geworden, die keinen mehr band und hob. Immer wieder betont George daß kein von früheren Schöpfern gebrachter Gott für immer wirksam sei: von Jahrhundert zu Jahrhundert müsse das alldurchwaltend Göttliche, das nur durch gottmenschliche Mittler den Völkern zukommt, neu verkündet, vergegenwärtigt werden.


Gott wird ein schemen wenn ihr selbst vermürbt ...

Was sind die götter die euch nicht mehr helfen?


Dieser transcendente (nicht transcendentale) Allgott, der alle Menschenreihen, auch die Götterreihe umfaßt und durchdringt, läßt sich als solcher von Menschen weder schauen noch sagen .. jedes Evangelium[213] wirkt und welkt, »bis neuer wecker kommt der neu es spendet«. Das Höchste was die Menschen davon fassen ist nicht sein Begriff, der immer nur in Negationen besteht .. auch nicht sein Gefühl – dies kann ehrlicherweise nur völlige Selbstaufhebung, also nicht mehr ein »Fassen« sein – sondern seine Erscheinung, also eine seiner Menschwerdungen im jeweiligen Hier und Heut. Eine solche Erscheinung war Maximin, und zwar als die Not am höchsten war und »eine seuche zu wüten schien die mit der entseelung des ganzen geschlechts endige«. Der Zeitpunkt seiner Erscheinung gehört durchaus zu ihm und macht sie erst für George nicht nur zur Frohbotschaft, sondern zur Erlösungstatsache. Nur in dieser Zeit, an der Nietzsche zugrunde ging und George fast erstickte, konnte dies gotthaft einfache Wesen durch sein bloßes Dasein ihm das Vertrauen in den Menschen erneuern und die Verheißung des ewigen Lebens bringen. Nur von dem Grunde der Gott-öde, der fürchterlichsten die es gab, hob sich diese Gestalt so wunderhaft ab. Heute klingt die Einleitung zu der Maximin-rede verständlicher als vor dem Krieg, ja vielleicht zu selbstverständlich: »Wir gingen einer entstellten und erkalteten menschheit entgegen die sich mit ihren vielspältigen errungenschaften und verästelten empfindungen brüstete, indessen die große tat und die große liebe am entschwinden war. Massen schufen gebot und regel und erstickten mit dem lug flacher auslegung die zungen der rufer, die ehmals der mord gelinder beseitigte: unreine hände wühlten in einem häufen von flitterstücken worein die wahren edelsteine wahllos geworfen wurden. Zerlegender dunkel verdeckte ratlose ohnmacht und dreistes lachen verkündete den untergang des heiligtums«. Dies Bild des Zeitalters ist nur der »Grund«, der Untergrund des Maximin – wie die neuen Heiltümer immer nur erscheinen, wenn sie not-wendig sind: in der Wende der äußersten Not. Es ist dabei gleichgültig für wie viele das neue Licht sichtbar ist und in welchen Brechungen es vermittelt wird. Für solche welche die Not nicht sehen ist auch die Wende nicht da. Die großen Ereignisse des Menschentums beginnen nicht mit der Masse, wenn sie auch damit enden. Jedes Heil ist zuerst immer dem Einen widerfahren dem es am notwendigsten war. Nur wer so die Öde der Menschheit sah wie George konnte so ihre Fülle verherrlichen.[214]

Nichts liegt George ferner als Religion zu stiften, Mythus zu machen oder etwa gar einen Maximm-kult einzusetzen .. so wenig er sich vorgenommen hat die deutsche Sprache zu erneuern und der deutschen Dichtung einen neuen Sinn zu geben. Vielmehr war er ein solcher, daß das Aussprechen seiner Qualen und Gesichte neue Sprache und neuer Sinn wurde, daß er Verderben sah wo man den Fortschritt pries, und einen Heiland in glaubensloser Zeit. Er hat dies Verderben und diesen Heiland verkündet mit der ihm gegebenen Stimme und kraft ihm innewohnenden Zwanges, ohne Rücksicht auf das Bedürfnis der Menge oder das Urteil der Gebildeten oder die Beispiele der Geschichte, besessen ganz von seiner Not und seiner Fülle. Was daraus wird ist nicht Sache des Vor-satzes. [Philologengehirne die nichts anderes kennen als das Hecken von Buch zu Buch suchen im Maximin Kult-»gattungen« oder religions-stifterische Analogien, als habe George etwa in solche Vorgänge bewußt hinein- oder aus ihnen herausgedichtet und gestiftet. Was wäre damit gesagt, selbst wenn es stimmte! Aber es ist nicht so! So wenig ein Liebender nach der Gattung Romeo oder Werther liebt, so wenig ein Zeugender nach der Gattung Herkules zeugt, so wenig schaut und kündet ein Seher sein Heil nach der Gattung früherer Mittler. Ganz von selbst entstehen die Urformen leiblicher wie geistiger Zeugung, d.h. die Gattungen, immer wieder neu wo ursprüngliches Leben sich regt. Wenn im Maximin Anklänge an die Formen früherer Gotteskunde und Gottesfeier sind, so ist das nicht, weil George sie blasphemisch-philologisch oder romantisch-ästhetisch nachgeahmt hätte, sondern weil das tiefste Leben immer neu die immer gleichen Wege geht: Geburt und Grab, Liebe und Haß, Fluch und Gebet. »Nichts wiederholt sich, aber alles ist ewig«. Wenn das Maximin-buch eine heilige Schrift ist, so ist es das, weil ein heiliges Herz hier einfach ausspricht was ihm widerfahren, und der wird es am besten lesen der seine Belesenheit über das Wesen und die Formen der Religion oder der Hymnik schweigt vor dem Schlag dieses Herzens. Das Kluggeschwätz und das Besserwissen kommt wahrlich heute nicht mehr den Dümmlingen, den blinden Jüngern, den berauschten Mitläufern ärmlich und töricht vor, sondern schon dem graden Verstand und der sicheren Bildung rückständig und ein bißchen muffig. Der Nüchterne, nicht[215] der Berauschte, enträt der »Kritik« wo er Wesen sieht, und hat wichtigere Fragen an den Dichter als die welche Schachteln er füllt oder sprengt, was er etwa genommen oder gegeben hat, was er hätte tun und lassen sollen. Wer nicht mehr weiß weiß nichts, und wer mehr weiß weiß auch dies. Tiefer und gescheiter als die Graswachstumshorcher sind immer noch die Nichtversteher die aus einem andern Glauben diese Botschaft verdammen und die das Schöne meiden, weil es ihnen das Gute zu tilgen oder das Wahre zu trüben scheint. Jeder Glaube hat seinen Widerglauben, und das ist gut so. Unnütz sind nur die Blinzler, Schnüffler und Taster.]


Die starre erde pocht

Neu durch ein heilig herz ...


Das ist der Sinn des Maximin, seiner Gestalt wie seiner Feier. Das Starren der Erde, ihr Pochen in Qual und Freude, ihre Erneuerung in einem heiligen Herzen und durch ein heilig Herz die zusammenschlagen: das ist der Inhalt dieser Gebete und Gesänge. Sie sind die schlichten Aussagen des gotterfüllten Zustandes und seiner Vorgänge, und die bloße Feststellung ist auf dieser Stufe schon hohe Feier. Wir kennen das in der deutschen Dichtung nur noch einmal: beim späten Hölderlin. Er redet mit Göttern als ihresgleichen: nicht der Aufschwung zu den Göttern, nicht ihre Bannung durch das gedrungene Zauberwort, sondern das Wandeln auf ihrem eigenen Boden gibt hier den Ton, den Gesprächston solcher Wesen denen das Göttliche nicht das Ziel gesteigerter Stunden, gespannter Kraft und inbrünstiger Sammlung, sondern das natürliche Atmen und Schreiten ist. Sie reden von den Geheimnissen der ewigen Lage wie wir von den Sachen des Alltags. Die Ewigkeit ist ihr Alltag, nur ertönt uns ihr Gespräch hienieden als Gesang, ihre Gewohnheit werden wir als Weihe gewahr, ihre Einfalt als Wunder oder erhabenes Geheimnis. Sie bewegen sich immer auf der Ebene die den meisten Menschen nie, den besten in begnadeten Augenblicken sich von ferne zeigt, reich genug, ein ganzes Leben zu segnen. Gewisse Verse Hölderlins sind die nachlässigen Selbstgespräche eines göttlichen Menschen: wir ahnen daß sie einen Sinn haben der den unseren übersteigt, und mögen ihn Wahnsinn nennen, denn er ist nicht mehr für Menschenohren – ein Irrereden, das Reden eines unter den Menschen Verirrten, aber freilich[216] in seiner Dunkelheit einfach und schön, selig und hoch wie keine Menschenrede.

Verwandt mit dieser ungezwungenen Schlichtheit ist der Ton der Maximin-gedichte. Aber hier ist keine Einsamkeit mehr: während Hölderlin dem leeren Raum seine verfrühten oder verspäteten Olympierlaute anvertraut, spricht George mit dem Geliebten den er gefunden, ja erschaffen, mit dem Gott den er durch die Stärke seiner Liebe in sein Erdenleben hereingezogen. Die Stimme bleibt im umgrenzten Raum den der Gott füllt und der Mensch teilt .. sie raunt nicht mehr göttliche Zukunft vor tauben Ohren, sie ruft nicht mehr himmelan dem Gotte entgegen aus dunkler Kluft, sondern kündet ihr Menschentum, Not, Heil, Trauer und Wissen in der göttlichen Gegenwart, von Angesicht zu Angesicht .. nicht mehr göttliche Dinge auf der Menschen-ebne, wo sie dunkel verhallen müssen, sondern Mensch-dinge auf der göttlichen Ebene, wo sie einfach, hell, heilig nüchtern werden, geschwellt zwar mit aller Süße und Schwere des Herzens, aber nicht mehr belastet vom Geheimnis und nicht mehr gespannt von der Ferne.


Zerspaltne feuer all verschmolzen

Im streben nach vergöttlichung.


Zwiespalt und Vielfalt menschlichen Wesens trägt die Farbe und das Licht der heiligen Einfalt, gelöst und beginnlich, wie Kinder und Götter sind vor der menschlichen Vielfalt.

Maximin und der Dichter begegnen und vereinigen sich in der Mitte des Wegs der aus der einfachen Höhe der Götter zu der mannigfachen Breite der Menschen führt, und in ihrer Kommunion verschmelzen die irdische Fülle und die himmlische Helle. Die drei ersten Gedichte feiern die Ankunft des Beseligers, der die Saat erblühen läßt, den Gequälten aufrichtet, Weg, Luft und Mitmenschen weiht. Sie sind nur fast kindlich stammelnder Dank, bebender Willkomm, doch aus einer Brust von der mit diesem kargen Gruß die Bürde einer finsteren Welt abfällt. Die drei nächsten, »Erwiderungen«, enthalten den Austausch zwischen menschlichem Wissen und göttlichem Wesen: denn die göttliche Einfalt kennt sich selbst nicht, sieht sich nicht so wie der dem sie erscheint und muß von ihm erst das erstaunende und beklemmende Geheimnis der ihr fremden Erde und[217] die eigenen Wunder erfahren. Die letzte Drei des ersten Neunts ist die Trauer um den Heimgang des menschlich Geliebten: die verzweifelte Umarmung des Entschwindenden, das vergebliche Blühen und trostlose Sehnen der verlassenen Erde, die Verödung der Tage. Damit endet die Erdenbahn Maximins.

Die folgenden Gesänge preisen ihn in seiner eigenen Glorie, welche die Nacht der Qual durchdringt, dem Dichter die Kraft der Verewigung einflößt und jedes gottberührte Ding beglänzt, seinen Lebensraum durchstrahlt, seine Zeit verherrlicht und als unverrückbares Gestirn den Himmel schmückt. Alle Psalmen und Hymnen früherer Zeit überschwingt die schlichte Glut, die innige Gewalt, der ungeheure Feueratem dieser Gebete. Die Glaubensmacht die sonst über ganze Geschlechter verteilt war, die Gebetskraft frommer Zeitalter, die einst als Volks- oder Kirchen- und Gemeinde-andacht hundert Auswege und Ausdrucksformen hatte, ist hier in die Stimme eines einzigen Menschen gedrängt und entlädt inmitten millionenfältigen Schwatzes und einsamen Schweigens ihre tausendjährige Wucht.


Das wilde herz

Worin ein brand sich wälzt von tausendjahren –


hier betet es, sein Heil lobpreisend in kindlicher Demut, in zärtlicher Frommheit weihend die Stätten seines Erdenwandels, in sehnender Inbrunst nachzitternd der geliebten Gestalt, schmerzlich ergeben vor ihrem notwendigen Hingang und heilig sich erhebend über dem Grab.


Du rufst uns an, uns weinende im finstern

Auf! Tore allesamt!

Verlöschen muß der kerzen bleiches glinstern.

Nun schließt das totenamt!


Was du zu deines erdentags begehung

Gespendet licht und stark

Das biete jeder dar zur auferstehung

Bis du aus unserm mark


Aus aller schöne der wir uns entsonnen

Die ständig in uns blizt

Und aus des sehnens zuruf leib gewonnen

Und lächelnd vor uns trittst.
[218]

Du warst für uns in frostiger lichter glosen

Der brand im dornenstrauch,

Du warst der spender unverwelkter rosen

Du gingst vorm lenzeshauch.


Mit deiner neuen form uns zu versöhnen

Sie singend benedein,

Vom zug der schatten die nichts tun als stöhnen

Dich und uns selbst befrein


Die schmerzen bändigen die uns zerrütten

Gebeut dein feurig wehn

Und soviel blumen hinzuschütten

Daß wir dein grab nicht sehn.


So lebt und webt der Beter mit seinem Verewigten, daß er aus ihm heraus nun singt und sinnt: nach dem Erdenwandel und dem Aufstieg die Einverleibung, die Kommunion mit ihm:


Ich geschöpf nun eignen sohnes ...


Nimmst nun in geheimster ehe

Teil mit mir am gleichen tische ...


All mein sinn hat dir entnommen

Seine farbe glanz und maser

Und ich bin mit jeder faser

Ferner brand von dir entglommen ...


Ich empfange von dem keime

Von dem hauch der mich umdauert.


Dieser Einheit zwischen dem Einen und den Beiden entstammen die drei Gebete des Maximin, zugleich an seine Gottheit und aus seiner Menschheit: der Drang ins ungeschiedene Licht, der Schauer vor dem verhüllten Himmel, die Freude an der offenbaren Erde: die drei Ursprünge der Andacht, die drei Grundformen des Glaubens, der ja nur die menschliche Wirkung des göttlichen Daseins ist. »An das Göttliche glauben die allein die es selber sind.« Maximin erscheint in diesen Gebeten göttlich glaubend, wie in den andren Gedichten menschlich wandelnd oder göttlich wirkend. Die Kommunion zwischen dem Dichter und Maximin zeigt sich ebenso darin daß der[219] Verewigte des Gebets, wie daß der Beter der Verewigung fähig ist. Gebet und Erhörung, Glaube und Gnade, Mensch und Gott sind auch hier ein zweieiniges Geschehn auf der Götter-stufe, wie Engel und Ich auf der Geist-stufe, aber nicht mehr als Spannung, sondern als Kommunion .. ineinander, nicht miteinander.

Die beiden letzten Gedichte zeigen den nun durchgetreten Raum. Die Kommunion ist vollzogen, Mensch und Gott vereinigt. Beiden zweieinigen Naturen gemeinsam ist Erde und Himmel, die Stätten der Vielfalt wie der Einfalt. Das menschliche Heim ist gerüstet für die göttliche Wiederkunft, für des Heilands »Besuch«, der nun nicht einmaliges Wunder ist, sondern ewige Reihe des irdischen Wandels, heiliges Geschehen, wie Morgen und Abend, Blüte und Frucht natürliches sind, und all diese wieder heiligend. »Entrückung« hebt den Beter in den gotterfüllten Himmel – dem göttlichen Herab begegnet das menschliche Empor, und die gottestrunkene Seele dringt ein in den ungeschiedenen Gottesglanz, »ein Funke nur vom heiligen Feuer, ein Dröhnen nur der heiligen Stimme.«

»Maximin« ist die Mitte des Siebenten Ringes. Zu ihm hin, von ihm her runden sich die andren Gedichtskreise des Werks, und das Licht das ihm entstrahlt füllt auch sie in größerer oder geringerer Nähe. Die »Zeitgedichte« sind entstanden auf dem Weg von der Geist-ebene zur Gott-ebene, auf dem Übergang von der Schau des eignen Lebensgesetzes und der ewigen Erden-geistbilder zu der Schau des neuen Menschtums, das sein Gesetz vom obersten Wert, von der göttlichen Mitte empfängt. Wir wissen daß jeder neue Gott neuen Raum schafft, theologisch ausgedrückt: das Himmelreich bringt, philosophisch ausgedrückt: neue Werte setzt oder zeigt, neues Maß gibt, neue Tafeln aufstellt, oder wie man den Wandel des Sinns bezeichnet der jeder neuen Gottes-sicht Grund, Zeichen und Wirkung zugleich ist. Erst von dem Gott aus, das heißt von der leibhaften Ewigkeit aus, sieht der Dichter – bisher ohne Vor- und Rücksichten der Erfüllung seines Gesetzes und der Gestaltenschau, der Weihe, dem Zauber, der ewigen Gegenwart hingegeben – die Zeit, den Stoff, den Widerstand, die Umgebung des ewigen Lichts. Alles was nicht geistsichtig und gottdurchwirkt ist das ist bloße Zeit: Vergangenheit, was sich nicht vergegenwärtigen läßt .. Vergängnis, was sich nicht[220] verewigen läßt. Was vor dem neuen Gott, dessen Bote und Diener der neue Geist ist, Gegenwart und Ewigkeit sein kann, was bloße Vergangenheit und Vergängnis bleibt, das zeigen die »Zeitgedichte«.

Man mißversteht sie ebenso wie die Gerichte Hölderlins und Nietzsches, wenn man sie als die Anklagen eines Mißvergnügten nimmt. Erst von dem unbedingten Ja aus, von dem Erscheinen eines neuen Gottes, der fordert, haben alle Flüche und Verneinungen der Propheten ihren Sinn. Ganz unwillkürlich setzt jedes neue Ja sein Nein, ganz unausweichlich schafft jede Ewigkeit eine bloße Zeit, jeder Beginn ein Ende, jeder Raum Grenzen und jede Höhe eine Tiefe. Aber es sind die Propheten, die Künder neuer Götter, also Menschen der Wende, deren Ja zugleich Rüge und Gericht wird, und die einem ganzen selbstgefälligen Zeitalter als pure Verneiner vorkommen, solange man ihren neuen Gott, ihr neues Ja noch nicht wahrnimmt. Die Gesellschaft verträgt jede Kritik von einem ihr bereits geläufigen Wert und Gesetz aus: jedes Parteigezänk, jede Nörgelei und jedes Gezeter wird als positiv geduldet, wenn es auf gleichem Boden bleibt wie das Angegriffene, wenn man das Maß schon kennt das der Krittler anlegt. »Negativ« nennt man zuerst jedesmal die Bringer eines höheren Maßes das die Fassungskraft auch der vorgeschrittenen Zeitgenossen übersteigt und einen Standpunkt außerhalb der ganzen bisherigen Welt voraussetzt der sie aufhebt, aus den Angeln hebt. Solch ein Verneiner war Christus dem Heidentum und Nietzsche (ohne beide als Größen vergleichen zu wollen) dem »Fortschritt« (Fortschritt und »Rückschritt« wollen blut- und geistmäßig genau das Gleiche, ihr Streit geht nur um Mittel, nicht um Götter). Diejenigen Geister freilich die einem noch fruchtbaren, thronenden und allsichtbaren Gott dienen, die glücklichen Erben und Vollender der Zeiten, die Herren und Verherrlicher des gegründeten Reichs, die Vollstrecker gültigen Gesetzes, die Wonnen und Spiegel des Menschengeschlechts, die Schmücker und Sänger des Seienden, können sich aussprechen und ihre Gottesschau zeigen, ohne dadurch schon die der Zeit zu verneinen. Sie künden nicht den Gott der das Schwert bringt, oder wie der Schöpfer am ersten Tag das Licht von der Finsternis scheidet, sondern den Gott am siebenten Tag, der sieht daß es gut war.[221]

Es steht nicht bei den Dichtern welchem Gott sie dienen wollen. Auch George nannte nicht das Licht Tag und die Finsternis Nacht, solang sein Gott es ihn nicht offenbar hieß. Er rügte nicht, solang er nur sein eignes Leben dem Gott entgegenzureifen, seine eigenen Grenzen auszufüllen hatte, unwissend und unbekümmert wie weit sein inneres Gesetz gelte und wie weit sein Licht reiche. Nun aber konnte er nicht mehr seiner Sendung genügen, ohne auf Schritt und Tritt an die Widerwelt der Zeit zu stoßen: er war zum Träger eines Weltfeuers geworden das Licht und Schatten warf wohin er ging, Gewissen und Stimme eines Raums der von ihm ausging, nicht nur eine Gestalt die durch den Raum schritt. Indem er Raum sah, sah er auch Zeit .. und wie das neue Licht, ausgebreitet als Geist, ausstrahlend vom Gott, erst die Gestalten des Raumes wieder zeigt, die ewigen Träger des Seins, so auch die der Zeit, die einmaligen Träger des Geschehens. Schon im Teppich des Lebens waren geschichtliche Zeitbilder wie Jean Paul und Holbein beschworen .. dort waren sie Mythen der Erdkräfte, dem Ablauf entrückt, eingewoben dem Teppich des Lebens für den Blick »vor dem als heutig alle Zeiten stehen.« Die Zeitgedichte durchdringen gerade den Ablauf selbst mit dem »fließenden Licht der Gottheit«, um Vergangenheit von Gegenwart, Vergängnis von Ewigkeit zu scheiden. Im Teppich wird die Zeit zum Raum, in den Zeitgedichten der Raum zur Zeit. Dort erscheint auch das Gewesene oder Wiederkehrende in der Form durch die es immer ist .. hier in der Form durch die es heute gilt. Der Teppich enthält die Urbilder des Geistes .. die Zeitgedichte Wirkungen des Gottes (Vor-wirkungen des kommenden, wie der Stern des Bundes Nach-wirkungen des entrückten). Der Teppich zeigt Gestalten des Seins nach dem Gott hin, die Zeitgedichte Gestalten des Ablaufs vom Gott her. Dort ist die Erscheinung selbst Idee, hier ist die Erscheinung sub specie aeterni wahrgenommen, gemessen an einer höheren Idee, die noch nicht selbst erscheint, sondern nur durch Licht und Schatten ihr Gericht übt. Nicht eine Schau von Kräften, sondern ein Gericht von Werten vollzieht sich in diesem Zyklus. Zeit ist die Gerichtsstätte wo die Wesen ihr Urteil, ihren Wert empfangen .. »Ewigkeit« oder »Ideenwelt« oder »Himmelreich« die Versammlungsstätte der bewerteten Wesen. Auch für George ist die Weltgeschichte in dem Sinn das[222] Weltgericht daß sie die Werte schafft, freilich nicht durch Zensur, sondern durch die Auswahl und Ordnung der ewigen Bilder, nicht durch Glück und Unglück, sondern Sinn und Unsinn, Gestalt und Ungestalt.

Die Zeitgedichte sind ihrer Gattung nach mehr Rede und Lehre als die bisherigen Werke Georges .. sie wenden sich zum erstenmal an eine Geistergemeinschaft nach außen: Hin-wendungen, Anwendungen, eben weil entstanden zwischen selbstgenugsamer Geistschau wie im Teppich und selbstgenugsamer Gottschau wie im »Maximin«. Der Gott ist schon dringlich nah, mächtig fordernd, aber noch nicht selbst sichtbar, und er füllt die Geschichte noch nicht so wie der Geist den Teppich. Diese Verwandlung der ausgegossenen Gotteskraft in selbstgenugsame Schau ist erst in den »Gestalten«, dem zweiten Zyklus des Siebenten Rings, erreicht. Die Zeitgedichte sind weniger Sicht als Sichtung, weniger das Ergebnis des Gerichts als die »Richtung«. Fast überall sonst gibt uns George sein Schauen in der Schau selbst, seine Wirkung als Werk: hier sehen wir ihn »am Werk«, scheidend zwischen Licht und Finster und den Weg bahnend auf dem das Heil nahen soll. Sein Auge, dies eindringliche, nüchternscharfe und tiefe Bildnerauge trägt hier weniger die Bilder als es sie den spröden Massen entreißt, Formen umreißt, quer durchschneidend den dämmernden und wogenden Raum. Es ist hier mehr Sonde als Spiegel. Der mächtige Wille, sonst gebändigt in der runden Gestalt, strafft sich hier im ballenden Griff und Hub, bricht aus und hält sich kaum in den Grenzen die das selig ruhende kräfte-trächtige Gebild von der übergreifenden kraft-entladenden Tat trennen. Niemals zwar sprengt auch die heftigste Ausladung die Weihe und niemals zerlöst sie die Fülle: niemals wird sie bloßer Gefühls-ausbruch des tobenden Ich, niemals bauschige Rhetorik und Theater-geste, weil George immer nur spricht wo er besessen ist und getragen von der zwingenden Stunde, dem Befehl »ich will, ihr sollt« und weil er immer bis in den feinsten Nerv gespeist ist mit Schau. Wer so muß der tobt nicht und auch sein Schrei wird »durch güldne Harfe sausen«. Wer sieht der redet nicht ins Leere. Wohl aber sind Zorn, Ekel und Verachtung hier die notwendigen Begleiter der Andacht, Ehrfurcht und Liebe und bleiben – auf die Ebene der »Zeit« heraustretend, von der[223] George bisher sich ferne hielt – nicht mehr im stummen Unsein, die Fluchkräfte heischen ihr Wort und ihre Weihe so gut wie die Beterkräfte. Jedes Licht-Bild entreißt sich hier der Nacht, enthebt sich dumpfem oder gemeinem Grund, und die »Ungeheure Wage«, sonst bald Spannung, bald Zweiheit, bald Zweieinigkeit, ist hier Gegensatz: Sonderung zwischen gottgewolltem Ewigem und gottverlassenem Zeitlichen.

Georges Ja und Nein ist einfach genug, schon angestrahlt von der göttlichen Einfalt: die Kraft des ursprünglichen Blutes, die gedrungene Schlichtheit der Ganzen und Runden, die lautere Hoheit der Gefüllten und Ächten steht entgegen dem gehäuften, verzerrten, übersteigerten, abgefeimten, geschwächten, verdünnten Massen- und Sonderwirrsal, den tausendfältigen Fasern und Rissen, Schwülsten und Schwären, Wucherungen und Zehrungen der zertriebenen Zeit. Die Nur-Zeit selbst hat keine Gestalt, doch Wirkung: sie hegt, zeigt, schändet, mißbraucht, vergötzt oder bedroht das ursprüngliche Leben das – aus Geschichte oder durch Gegenwart – sich verleibt in immer neuen Trägern. Ihrer einige, die Kairos oder Eros dem Dichter begegnen ließ zur schöpferischen Stunde, am geweihten Ort oder im Traum des Rückblicks, hat er gebannt. Auch hier setzt er sich nicht vor zu richten, sondern der Gang seines Lebens selbst bringt ihm die Lagen und Anlässe worin seine langgehegte Gesinnung zum sinnlichen Augenblick des Gerichts zusammenschießt. Auch die Zeitgedichte sind keine Lehr-oden aus einem Vor-urteil und freischwebenden Gedankenplan, sondern Geburten der steten Leidenschaft, empfangen vom einmaligen Nu. Wohl schweben dem Dichter immer Urformen des höheren Menschtums vor: Held und Herrscher, Priester und Seher, Edle und Fromme, Tapfere und Treue .. wohl glüht er lebenlang in Glaube, Liebe und Eifer, doch nur die begnadete Stunde gibt ihm Seine einmalige Form das Allgültige zu fassen und zu sagen auf seiner jeweiligen Stufe, selbst sein Wissen, sein Erinnern und Wollen wacht erst in diese Stunde hinein, in die sinnliche Lage woraus es Licht, Luft und Blut trinkt – mag sie im Gedicht selbst als unmittelbare Nähe mitatmen oder in erinnerte und geträumte Ferne entrückt sein.

Das Widerspiel von Dichter und Zeit gibt den Einklang und den[224] Ausklang. Wie die wechselnde Zeit den immer gleichen Hüter der ewigen Werte wechselnd sieht, das ist der Inhalt des Einleitungsgedichts .. wie Er den Zeit-süchtigen, Zeit-kranken, Zeit-flüchtigen mitten in ihr selbst die ewigen Werte zeigt – Schönheit, Kraft und Größe am ersten wie am jüngsten Tag, wandellose Gesetze des Wan-dels und unsterbliches Leben durch alle Vergängnis hindurch – das beschließt den Zyklus. Der Seher der ewigen Sicht ist selbst der nächste und der letzte Wert der Zeit, ihr helfend, indem er sich wahrt .. sich wahrend, indem er ihr trotzt, der feste Widerpart ihrer Launen, der lautre Spiegel den sie verändert wähnt, weil sie sich ändert. Schon hier schützt George seinen ewigen Sinn vor seinem zeitlichen Schein, damit nicht des Rügers Nein des Lobers Ja übertöne. Mit noch stärkerem Nachdruck zeigt er den Dichter als den ewigen Bejaher in Dante (»Dante und das Zeitgedicht«): er ruft das erhabenste Vorbild aller Zeit-opfer und -kämpfer, aller Zürner und Flucher die Segner und Beter sind, bestrahlt von der ewigen Liebe und Verkündiger von Sonne und Stern. Wie die Zeit nur ein Zustand des ewigen Lichts, so ist auch das Gericht über die Zeit nur das geringste Amt des Dichters dem die Verherrlichung Gottes obliegt. Immer neu spannt George den Regenbogen durch die Gewitter und über dem Absturz der Wasser. Immer wieder schützt er sein nötiges Nein vor dem Mißverstand der Zeitlinge, indem er seinen Grund offenbart, sein heiliges Ja.

Doch ebenso nötig ist es sie wegzuscheuchen von den Heiltümern, die Händler, die Betaster, die Trampler, die Lärmer. Es genügt die ächten Bilder aufzustellen oder heraufzuheben, um sie zu entgötzen und neu zu weihen .. das wahre Gesicht ihres Wesens und Schicksals ist das strengste Gericht ihrer Schänder und Fälscher. Der geheime Goethe der erhabenen Schmerzen und Freuden vernichtigt den mißbrauchten Götzen der seichten Genießer und bequemen Versteher. Den unseligen Träger und Löser des Zeit-fluchs, das titanische Opfer der erdverpestenden Stickluft, den Gipfelsucher von Sils Maria entrückt der Schein der neuen menschenbindenden Liebe zugleich der Masse die ihn dumpf beglotzt und den Einsamen die er irreführt. Böcklin, der hellaugige Schönheitswart voll Feuer und Feier, der letzte heidnisch-freie Lynkeus wirft durch sein Werk und sein Los[225] in die graue Knechtswelt der Popanze und der Krämer sein Licht und Dunkel.

Den Huldigungen an drei Meister und Ahnen, an Opfer und Sühner der Zeit, folgen die Lobgesänge der Bluts- und Seelenkräfte die durch Einst und Heut hindurch noch immer locken und zaubern, Urkunden des unvergänglichen Ja, fortwirkende Gewalten der Geschichte, zeugende und erhaltende Tugenden des urbildlichen Menschtums, eherne Anklagen der entstellten und erkalteten Menschheit.

Das riesigste dieser Gedichte ist »Porta Nigra«: die Substanz selbst, der Lebenssaft, das »Blut«, woraus jede Kraft und Tucht erst stammt, spricht hier ein Urteil über die blutleeren Schlamm- und Schleimgeschlechter. Daß dieser furchtbare Hohn nicht aus der Höhe sondern aus der Hefe kommt, daß George ein unterstes, mißachtetstes Geschöpf der Römer, des Porta-Nigra-fähigen Volkes, befugt so zu verwerfen


Die fürsten priester knechte gleicher art:

Gedunsne larven mit erloschnen blicken –


daß nicht ein Weiser oder Heiliger sondern ein antiker Buhlknabe sich erheben darf über eine ganze Schattenwelt, das spannt die Kluft zwischen Georges Werten und denen der Zeit ins Ungeheure. Nicht die romantische Verherrlichung etwa der Cäsarenpracht ist der Sinn dieses Gedichts: das Imperium Romanum als solches wird nicht gefeiert oder zurückersehnt .. es steht nur als Zeichen einer Menschheit die das Edelste, Blut, noch unverschlämmt, noch keimkräftig hegt .. sein niedrigstes Kind gilt dem Rufer der Ursprünge, dem Erneuerer der Lebensgründe mehr als die Höchsten unter den Schemen. Nicht Trümmerwehmut umwittert das Römertor .. es ist nur das greifbare Gefäß der antiken Säfte, der dringliche Halt ihres Blut-zaubers, die vernehmliche Sprache des schwellenden Willens: auch auf das unterste gerichtet gilt der noch edler, ächter als jedes Gestrebe, Geziele, Getu und Getreib der Wesenlosen. Porta Nigra, Knabe Manlius, Imperium Romanum sind also nur Träger des »Bluts« und nur als solche, nicht als Symbole irgendwelcher Seelenhöhen, hier gemeint. Den Grundstoff des Lebens selbst bedroht die »Jetztzeit«, nicht nur die Werte des Lebens, und deshalb hat gerade das Gedicht das aus dieser Gefahr und Weltangst kommt das steilste Pathos, die[226] mächtigste Spannung. Hier gilt es den Boden selbst, nicht nur die Blüten zu sichern .. den Keim, nicht nur die Früchte. Kein Spruch kann stark genug sein diesen Fluch zu bannen, kein Zeichen eindringlich genug um zu warnen vor dem »Mord am Leben selbst«. Der Lustknabe der blutvollen Welt als Richter über Fürsten, Priester, Frauen der blutleeren: das ist im Bild die Lehre aus dem Stern des Bundes:


Ihr frevler als die ersten tilgt den Gott.

.... und wollt nicht ruhn,

In trocknem taumel rennend, bis euch allen

Gleich feig und feil statt Gottes rotem blut

Des götzen eiter in den adern rinnt.


Alle andern Zeitgedichte verherrlichen die Wirkungen und Äußerungen des echten Blutes, Urbilder des runden und lautren Wesens die dem Dichter begegnet sind, samt ihrem Seelen- und Schicksalsraum, abgehoben von dem Grau und Flau der Zeit: Rittertum, Anmut, Geistesadel der französischen Dichter bei denen der Heimatfremde erste reine Luft im schmeichelnden Lande atmen mochte (Franken) .. erhabnes Greisentum, priesterliche Weihe, geistliche Segnung (Leo XIII.) .. kaiserlicher Traum- und Schicksalsschwung, kühne Herrlichkeit des Tuns, Planens und Duldens (Die Gräber in Speyer) .. jugendlicher Heldensinn, opferfroh, fahrfreudig, tatgedrängt und todestrunken (Pente-Pigadia) .. fürstlicher Frauenadel im Reiz und Schauer des Verhängnisses (Die Schwestern). »Von unsrem Stamm die unverbrochne Treue« feiert der Sang an den Jugendfreund, ein Brudertum aus unbändiger, unseliger, nie unlautrer Überfülle dunkler Kräfte, maßlose Hingabe und finster-schlichte Mannheit


Mit dem verschollenen blinden folgermut

Der dient nach ziel und eignem heil nicht fragend,

Der schlicht von dannen geht sobald er fürchtet

Er tauge minder, dank und sold verschmäht

Und ohne ruhm ins dunkel untertaucht.


Überall sichtet Georges Auge im Gewoge vergangener und vergehender Zeit die Gluten und Leuchten der Lebenselemente aus denen der Gott, immer gleichen Wesens und immer neuer Gestalt, steigen oder zeugen muß. Nur dies ist auch der Sinn der Vision »Die Tote Stadt«[227] die Sicherung der keimkräftigen Gründe und der unumstößlichen Lebensgesetze. Der rechte Fug, das Gleichgewicht, die Gesundheit, die gründige Einfalt, das erdgemäße Tun und Lassen wird hier entgegengeschaut als Gemeinwesen, als Stadt, als »moralischer Raum« dem übersteigerten, zertriebenen Wuchern der losgelassenen Sondersüchte und Mittel, dem Wahn des Fortschritts ins Ungemessene .. der »rechte Mit- und Auf- und Unterstieg« dem Turmbau von Babel. Auch hiervon enthält der Stern des Bundes die ausdrückliche Lehre:


Ihr baut verbrechende an maß und grenze:

»Was hoch ist kann auch höher!« doch kein fund

Kein stütz und flick mehr dient .. es wankt der bau

Und an der weisheit end ruft ihr zum himmel:

»Was tun eh wir im eignen schutt ersticken

Eh eignes spukgebild das hirn uns zehrt?«

Der lacht: zu spät für stillstand und arznei!

Zehntausend muß der heilige wahnsinn schlagen

Zehntausend muß die heilige seuche raffen

Zehntausende der heilige krieg.


Die »Gestalten« zeigen die lebenschaffenden und lebenverderbenden Wesenheiten (die »Substanzen«) von der Ebene des Gottes aus: sie entsprechen den Geistbildern des Teppichs nach dem Erscheinen des höchsten Werts. Die Zeit ist kein Widerstand mehr, sondern schon durchdrungener Stoff .. auch die widergöttlichen Elemente des Ablaufs sind hier »Gestalten«: verewigte Substanzen, Lagen und Stoffe, Triebe und Kräfte des Menschtums aus denen der Kosmos sich aufbaut, die »Götter« sich erneuern, das Leben sich nährt und erhält. Von den Mythen des Teppichs unterscheidet sie der Wille zur Erneuerung der darin waltet. Der Teppich verewigt die Vergangenheit, die Zeitgedichte richten die Gegenwart, die »Gestalten« fordern die Zukunft, nicht ausdrücklich, sondern kraft des Willens der sie füllt .. die Zeitformen sind in allen dreien nur Blickrichtungen des Menschen. Dieser enthält die ganze Natur und Geschichte und ob man in ihnen den Menschen findet oder im Menschen sie, das ist eine Denkform verschiedener Stufen. Im Teppich erscheint der Kosmos als Träger menschlicher Seinsarten .. in den »Gestalten« erscheinen[228] menschliche Seinsarten als Träger des Kosmos. Dort galt es Welt zu schauen vom Menschen aus, jetzt galt es Welt zu schaffen vom Gott aus: Mensch und Kosmos sind in beiden Fällen Wechselwirkungen.

»Der Kampf« stellt eine Grundform aller Weltschöpfung dar die schon im Titanensturz, im Zwiespalt zwischen Ahriman und Ormuzd Mythen gefunden hatte, die nächtige Urkraft, die maßlose Gewalt, »die wut die sich aus tiefen gebiert« im sieglosen Ringen gegen die göttlichen Zauber: Schönheit, Licht, Lied .. die Bändigung des ewigen Riesen durch das ewige Kind. Dieser Kampf selbst liegt jeder kosmischen Wende zugrunde .. er ist der Beginn jeder Menschwerdung der Erde.

Die nächsten zwei, »Die Führer«, sind unwillkürliche Traumgesichte und fallen aus der Gestaltenreihe, die ihren Sinn von der Gottschau empfängt, heraus: sie sind wohl hier eingefügt um der verwandten Form- und Farbgebung willen, und weil sie aus demselben Schauer von Jugend, Nacktheit und Helle stammen dem dieser ganze Zyklus sein Entstehen dankt. Die schöne Schnellkraft und die heilige Gebetskraft hohen Jünglingstums in festlich gelockerter oder betriebsam befangener Menge – die Jugend als Erregung und Geheimnis, als weckender Anstoß und dumpfer Keim des Volkslebens, das mag der unterbewußte Sinn und Drang dieser Visionen gewesen sein .. Bilder die nur diesem Dichter aus seinem damaligen Gesamtklima heraus im Traume einfallen konnten.

»Der Fürst« verdichtet die kosmischen Weihen der durch lange Geschlechter dem Niedrigen und Stumpfen entrückten Zucht königlichen Wesens, die Segnungskraft des gehegten und bewahrten Blutsadels deren geschichtliches Ideal das gesalbte Gottesgnadentum war. Shakespeare hat im Macbeth an Eduard dem Bekenner dieselbe Magie und ihre Wirkung beschrieben. Der Glaube daran ist eine durch Jahrhunderte wirksame Geschichtskraft gewesen und wie alle Geschichtskräfte, auch die Wähne, begründet in der Natur. Am Dichter ist es sie im Bild zu beschwören vor dem Erlöschen der letzten Zauber. Neben der selbstgenugsamen Blutsweihe hat der Blutsdrang, die Sehnsucht unter den Urformen einen Platz: »Der Minner«, das Herz hinaussendend an die Geliebten, die Weite schwängernd[229] mit den Keimen der Liebe die sich nicht entladen, sondern Luft und Glut schaffen für neues Leben.

»Manuel und Menes« bannt im kurzen Zwiegespräch (der geistigen Essenz aus einem Jugendwerk des Dichters) die Wechselkraft von Herrschaft und Dienst: auch diesen beiden Gesellschaftsformen liegen kosmische Bluts- und Seelenmächte zugrunde, und die verkörpert das Gestaltenpaar: der freiwillig sich beugende Helfer und der geborene Herr, sein notwendiger Partner .. der Berufene und der Erwählte. »Algabal und der Lyder«, gleichfalls die erhöhte Wiederkehr von Figuren aus Georges frühen Spannungsjahren, stellt die Armut des Weltgebieters dar die im Besitz der Erde sich zersehnt, und den Drang des Sklaven nach dem einen unerreichlichen Idol, »das Gleichgewicht der ungeheuren Wage« zwischen dem leeren Überfluß und dem überfließenden Mangel – zwischen πορος und πενια. »König und Harfner« vergegenwärtigt den unsterblichen Zwiespalt zwischen dem Spiel und dem Ernst, dem bunten Schein und dem dunklen Wesen, zwischen dem Vorsteller und dem Erfüller des hohen Lebens – auch sie zwei Eimer die abwechselnd aus dem kosmischen Brunnen schöpfen.

Die nächsten »Gestalten« fassen Gemeinschafts-kräfte des Auf- oder Untergangs: das Zusammen von Mensch mit Mensch und Tier und Erde, die Gewalten der Mischung, der Wirrnis, der Brüderschaft, des Taumels, der Bändigung, des Bundes und der Ballung .. nach den mikrokosmischen Seelentümern die makrokosmischen Volks- und Erdtümer. Hier wird der Sinn des ganzen Gestalten-zyklus deutlicher, ja an einigen Stellen geradezu ausgesprochen: der Aufruf der letzten gotteshaltigen oder gottesmörderischen Urwesen zur Wende der Gesamtmenschheit. Im »Sonnwendzug« glüht und schwillt, jagt und wirbelt noch einmal der erd-trunkene Orgiasmus, die allvermengende alldurchbrechende Wollust der Naturfeier, die uralte Wildheit aufschießender Säfte und Flammen. Der »Hexenreihen« verlautet den halbtönig finsteren, widrig-lockenden und betäubenden Gesang der kosmischen Kot- und Spukwesen, den brauenden und quirlenden, hinkenden und klappernden Untag, das Wuseln und Gruseln der vorgeburtlichen oder verwesenden Mittelschichten zwischen Element und Mensch, zwischen Mensch und Gespenst. Vor[230] George haben nur Shakespeares »Macbeth« und Goethes »Faust« diesen Bereich dichterisch bewältigt, ohne im Fiebertraum und Schattenspiel stecken zu bleiben. Es sind stoffliche Lebsel und Wirksel welche Ursprünge und Untergänge umschnuppern und umkriechen, die Taster der Vergängnis. Sie durften nicht fehlen in einem Werk von End und Beginn.

Die »Templer« sind die Ritter und Retter des heiligen Feuers. Was immer Menschen heldisch, erhaben und streng zusammenschließt gegen das Feige, Blinde und Träge: die Kräfte der Liebe, des Eifers, der Tat und des Leids, die durch Verzicht auf Spiel und Genuß, durch Sammlung und Bindung gestauten und gesteigerten Dränge hegen und verkörpern sie im Kampf gegen den rohen Trieb und den blinden Stoff, gegen das Ich und die Natur. Tempelritter, Rosenkreuzer, Jesuiten sind nur trübe geschichtliche Strahlen der bewahrenden und verwandelnden Ur-glut die George hier verherrlicht. Ledig der zeitlichen Zwecke und Gründe, Ziele und Mittel kündet er hier »Rose« und »Kreuz«, jugendliche Inbrunst und stolze Dulderstärke, strenge Zucht im geweihten Bund, angespannte Erhebung über den gemeinen Tageslauf, geistige Durchdringung und Überwindung der Erde, als überzeitliche Schöpfungskräfte woraus alle Geschichte erst steigt und die in jeder Wende neuer Erweckung und Gestaltung harren. Gerade die Kräfte des Bindens und Sammelns sind am nötigsten in Zeiten des Lösens und Lockerns, der strengste Zwang muß helfen wo die Willkür sich matt und schlaff rast .. nur Überwinder von Geblüt und Zucht – Selbst- und Weltüberwinder – führen durch die furchtbare Tat die entartete Natur wieder zurück zum heiligen Fug.

»Die Hüter des Vorhofs« sind die Bewahrer der reinen Schau und des schönen Sinns. Das Hehre ist nur in großen Stürzen und Nöten möglich: die Süße und beginnliche Lauterkeit gotthaften Lebens ist der immer nötige Grund jeder Jugend und Blüte .. nicht ein einmaliges Wunder, durch ungeheures Tun und Leiden zu erzwingen von der überwältigten Natur, sondern ein steter Zustand, durch Erziehung und Brauch von ihr immer zu fordern und mit ihr zu leisten. Die Weisen aller Zeiten haben der Pflege dieses natürlich menschlichen Ackers ihre reifste Sorge gewidmet: Platon stellt in seiner Politeia, Goethe in seiner Pädagogischen Provinz die Bedingungen dar unter[231] denen der Mensch richtig und edel, gut und schön wird und bleibt: George hat in den »Hütern des Vorhofs« vereinigt was er als Ursprung und Dauer, als die Grund-Lagen der Kalokagathia kennt – in sieben Strophen allen Reichtum eingeweihter Weisheit und irdischer Schöne: die Sehnsucht bewegter und erschütterter Herzen, die Freude empfänglicher und erleuchteter Sinne, die Würde gesammelten und ehrfürchtigen Geistes .. Helle, Zauber, Glut und Schwung der frei-blühenden Seele, gehegt und bestrahlt von der mit-schwellenden und -reifenden Erde.

»Der Widerchrist« ist die gigantische Endgestalt des entgotteten Völkerlebens, die jede Wahrheit umkehrt, jedes Gesetz umgeht, jeden Quell trübt und jeden Grund aussaugt .. der Fälscher, der Blender, der Umgarner, der Mißbraucher, der Wirrer, »der Fürst des Geziefers«, der das Schwere bequem und billig-massenhaft macht, das Wesen nach-scheint, die Künste vor-täuscht, das Grade biegt, das Ächte ersetzt – der Dämon des Schwindels, der Vorbote des Untergangs, geheckt zwischen der schlaffen Natur und dem geilen Geist. Die Endschaft der Christenheit, die entartete Geist- und Seelenwelt hat hier eine gleich gewaltige Apokalypse gefunden wie im Gesicht von Patmos der Verfall der heidnischen Blut- und Sinnenwelt. Dies Gedicht allein würde George schon in die Reihe der großen Propheten stellen: es hat kaum seinesgleichen an visionärem Flug, düsterer Großheit, plastischer Wucht und donnernder Ferne.

»Die Kindheit des Helden« ballt Urkräfte zu einer Siegfriedgestalt, die in erdnaher und himmelheller Einfalt, in Jagd und Strauß und Sang von den Elementen umwittert, menschenfern heranreift zum Länderbezwinger.

»Der Eid« reiht die Blutsbrüderschaft, die rückhaltlose Hingabe der Verschwörung, die Tatgemeinschaft zwischen Führern und Folgern unter die weltbindenden und -stürzenden Kräfte ein. Das Schlußgedicht »Einzug« ist die chorartige Beschwörung aller unterirdischen Kräfte der Qual, der Not, des Fluchs und der Schuld, mit denen eine satte sittige Nutz- und Bildungsherde nichts mehr zu beginnen wußte. Auch sie gehören zum unverlierbaren kosmischen Schatz dessen die neue Welt nicht entraten kann. Schon Nietzsche hat das Finstre Wilde Böse wieder in den Haushalt der höheren Art eingestellt .. bei jeder[232] Wende wird der Stein des Anstoßes zum Grundstein, und George selbst hat die Verbrecher der bürgerlichen Gesellschaft als die möglichen Retter geweissagt:


Der mann! die tat! so lechzen volk und hoher rat.

Hofft nicht auf einen der an euren tischen aß!

Vielleicht wer jahrlang unter euren mördern saß

In euren zellen schlief steht auf und tut die tat.


Freilich, nicht um eine sittliche Umwertung der Werte handelt es sich dabei, die das bisherige Böse gut heißen will, sondern um die umstürzende, verwandelnde, erneuernde Gewalt jeder Bluts- und Seelenstärke, welcher sittlichen Farbe auch immer. George ist kein Umwerter, sondern ein Verwerter aller Ursprünge, der hellen wie der finstern, der tierischen wie der seelischen. Eine ganze Menschheit hat sich mit Ersatz und Ableitung begnügt und ist bis zu den Grundlagen gar nicht mehr hinabgelangt .. was davon in sie heraufdrang hat sie entmannt oder erstickt, zu »Idealen« verdünstet oder zu Verbrechen erniedert. (Freilich nicht alle Verbrechen dieser Gesellschaft kommen aus den Kräften oder gar Ursprüngen.) Nicht das Böse, sondern das Ursprüngliche ruft der Dichter zur Vernichtung der überalterten Halbheiten und Mäßigkeiten empor. Und ihm eigen ist die Zusammenschau von Mensch und Erde wie sie im Schlußgesang der »Gestalten« sich offenbart. Die Erde ist der Grund der Kräfteströme, die Menschtümer sind Ausflüsse und Einflüsse des Erdentums. Die Erde ist weder bloßer Stoff noch bloßer Raum, sie ist Schöpfung, geschaffen schaffend, eines mit den Schicksalen ihrer Menschen. In jeder Fülle der Zeit entläßt sie gebundenes und versunkenes Leben wieder nach oben,


weckt was gefeit

Schlief mit dumpfem gegrolle.


Dann beginnt das Reich der dunkeln Geburten, der Umsturz der bloßen Zwischenlagen, die Erneuerung des Geistes aus dem Blut der Erde, die Offenbarung der Ursprünge, die Einkehr der Mächte. Dieser prophetische Chor nimmt sieben Jahre vor dem Zusammenbruch der europäischen Sicherheit als Gesicht, von der Götterebene aus, die Wende vorweg die unseren Augen dann als politisches und[233] gesellschaftliches Verhängnis, als eine Reihe von Ursachen und Wirkungen sich darstellt. Er ist ebenfalls nur aus Georges Gesamtsinn zu verstehen – dem Sinn den er hat und dem Sinn den er bringt, von Werk zu Werk deutbarer und deutlicher: den gefährdeten Mikrokosmos aus dem verschollenen Makrokosmos zu verjüngen. Beide sind ihm einer Art, nicht als Begriff, sondern als Lebenskraft: die Ursprünge sind beiden gemeinsam und die »Gestalten« sind die Menschenformen der Ursprünge, die sichtbar werden wo ein neuer Gott sich offenbart.

Dieselben Kräfte woraus die Welt sich verjüngen soll sind zugleich raum- und zeitloses Chaos das sie umlagert: nicht alle Fülle wird verbraucht zur Formung des Kosmos, und der Grund dem die Gestalten entsteigen ist zugleich Zuflucht der traurigen Seele, Tanzplatz der trunkenen, Dickicht der schweifenden: »Traumdunkel«. Wie alle Werke Georges, außer dem Stern des Bundes (der die Lehre und das Gesetz des neuen Reiches ausspricht) enthält auch der Siebente Ring neben dem Gestaltenraum seine Nacht voll wogender Gesichte und Töne. Was im Jahr der Seele die »Traurigen Tänze«, im nächsten Werk die »Lieder von Traum und Tod«, das ist im Siebenten Ring das »Traumdunkel«: das musikalische Widerspiel des plastischen Tags, die verwunschene Landschaft der abenteuernden Mächte, die gott-trunkene, aber nicht gott-wirkende, gesetzlose Zauberei. Auch das »Traumdunkel« setzt bereits die Erscheinung Maximins voraus, die Verwandlung aller Räume durch sein Licht. Es ist nur ein Umfang des Kosmos in dessen Mitte er steht .. auf der Mächte- und der Geist-stufe war Musik und Traum die andre Form, die Bewegungsform des ganzen Lebens: hier ist es die Entspannung von Kräften die nach der unverlierbaren Mitte gerichtet bleiben und aus jeder Ferne immer zu ihr zurückfinden. Es ist nicht mehr die Welt als Traum, sondern Traum in der Welt und mit dem Bewußtsein des Traums, mit dem Bewußtsein daß es Lockerung, Zuflucht, Spiel ist und daß vor den Toren des Märchengartens die Welt der Gestalten wartet und fordert.


»Welt der gestalten lang lebewohl«


dieser Vers aus dem »Eingang« grenzt das Traumdunkel selber ab, wie es früher nicht möglich gewesen wäre, und der Schlußgesang,[234] »Hehre Harfe«, führt durch die holde Verzückung und Entrücktheit selbst wieder den Dichter zurück in die strenge Weisheit und Wirklichkeit der Gotteserde.

Aber zwischen diesem Eingang, dem bewußten Urlaub aus der Gestaltenwelt, und der frommen Heimkehr durchwandert er ein Labyrinth von Erinnerungen und Lockungen, blumige Gehege, mittagliches und nächtiges Graun der Phantasie und der Leidenschaft, den Farbenprunk visionärer Gegenden, die Abgründe der Qual und des Verzichts, verwunschene Gärten und versunkene Tempel, wolkige Höhen und Opferhaine, wilden Taumel und matten Schauder. Jedes süße und böse Unmaß, jedes Wuchern und Schwelen, jedes Zuviel der Natur bis zu Irrsal und Frevel, jeder Schönheit und Fülle übersteigerter Reiz hat im Traumdunkel seine Stätte als Spiel, als Gefahr, als Wahn. Hier schweigt hinter dem bunten Schleier der Maja traumzeitenlang der gestaltige Gott. Farbe und Klang sind hier die unmittelbaren Träger des Lebens, nicht mehr Eigenschaften der Dinge und Wirkungen der Kräfte .. Dinge und Kräfte entstehen gleichsam erst aus dem Gewoge der Scheine und Laute.

Es sind Georges farbigste Gedichte, von einem wiegenden und kosenden Wohllaut, schwellender Üppigkeit oder lauschiger Pracht, saugender Schwermut und samtnem Gram wie nirgends sonst: alles gedämpft und gehüllt in eine Nacht der Vergängnis. Nicht zufällig hat hier George das einzige Mal sich indischen Vorstellungen hingegeben (»Ellora«). Jetzt kann er es wagen: je sicherer er die göttliche Gestalt schaut desto freier und ferner kann er spielen.


Wie er auch wandert und kreist

Wo noch ihr schein ihn erreicht

Irrt er zu weit nie vom ziel.


Und je dichter die Anspannung war desto lockrer darf die Entspannung sein. Das »Traumdunkel« ist die Diastole der Systole die in den »Gestalten« sich vollzieht.

Durch eine ähnliche Polarität sind die »Gezeiten« und die »Lieder« miteinander verbunden. Die »Gezeiten« sind Hymnen der Liebe, wie die »Gestalten« in der Luft des neuen Gottes entstanden, aber noch vor seiner Epiphanie. Hier singt sich die Leidenschaft aus die den Gott auf allen Wegen sucht, in der und jener Schöne ihn ahnt oder[235] wähnt, das immer geschwellte und doch noch nicht erfüllte Sehnen nach dem Einen, das von jedem Wunschbild die Antwort empfängt »wir sind es nicht«, die Ebbe und Flut von schönem Augenblick und erkanntem Wahn, von seligem »Endlich« und verzweifeltem »Noch nicht« oder »Nicht mehr«, der ganze Gang des erschütterten Herzens von unbestimmtem Verlangen zu seliger Hingabe .. kurz, die menschliche Liebe zum göttlichen Urbild, nah genug um es durch Menschen zu fühlen, zu fern um es zu ergreifen.

Dem gottnahen, aber noch nicht gotterfüllten Eros, dem Sohn aus Poros und Penia, dem Dämon der den Gott zeigt im Vorglanz und Abglanz der sichtbaren Gestalten, dem Führer der den Weg weist aber nicht das Ziel, dem Prüfer der jede Kraft aufruft und keine stillt, dem Gebieter der befiehlt aber nicht herrscht, verheißt aber nicht gewährt, ist dies ganze Buch geweiht wie der abschließende Lobgesang:


Du bist mein herr! wenn du auf meinem weg,

Vielwechselnder gestalt doch gleich erkennbar

Und schön, erscheinst beug ich vor dir den nacken.

Du trägst nicht waffe mehr noch kleid noch fittich,

Nur Einen schmuck: ums haar den dichten kranz.

– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –

Kein ding das webt in deinem kreis ist schnöd.

Du reinigst die befleckung, heilst die risse

Und wischst die tränen durch dein süßes wehn.

In fahr und frohn wenn wir nur überdauern

Hat jeder tag mit einem sieg sein ende –

So auch dein dienst: erneute huldigung

Vergessnes lächeln ins gestirnte blau.


Er trägt schon ferne Züge des Maximin, aber er ist kein Mensch und kein Gott sondern ein Dämon – keine Gestalt sondern eine Erscheinung. Seine Feier ist nicht die Andacht sondern die Sehnsucht, erschafft nicht Licht und Raum sondern »Flammen« die sich leuchtend verzehren, und »Wellen« die sich flutend verlieren


als uferlose ströme durch die see.


Die »Gezeiten« sind Georges Buch der Liebe: er, dessen ganze[236] Dichtung glüht von steter Liebe, hat ihr doch nur hier ihre eigenste Stimme verliehen. Sie spricht sonst durch den Mund der Mächte, des Geistes oder des Gottes, als Natur- oder Schicksalsgesang, Schau oder Gebet: nur hier trägt sie alle die andern Inhalte von denen sie sonst getragen wurde. Hier spricht der Liebe innerstes Wesen, die nackte Leidenschaft des Sehnens, Erringens, Besitzens und Verlierens – nicht mehr in Sinnbildern oder Geistbildern, sondern als freie Regung des Herzens. Sie ist keine Spannung, kein Zustand einer Gesamtreife mehr, kein Gegenstand einer Geist- oder Gottesschau, sondern allausfüllende, alles mithereinreißende Erschütterung, eines Menschen freilich der bereits die andern Umfänge durchdrungen hat. Die Liebe, noch nicht eingegangen in den Gott dem sie entgegendrängt, überwallt und durchbricht hier die bisherigen Bindungen der Mächte und des Geistes, oder vielmehr diese sind aufgesogen von der einen Leidenschaft die dem Verwandler, Erlöser oder Vernichter zuflutet.

Im größeren Umfang wiederholt sich hier das vergebliche Zwiegespräch zwischen Ich und Du das wir aus dem Jahr der Seele kennen. Nur war damals die naturhafte Einsamkeit des Ich noch als notwendiges Gesetz willig bejaht, und die Liebe trug die Züge der Natur oder des Verhängnisses. Die Liebe der »Gezeiten« kennt keine Naturgebundenheit mehr, sie wittert ganz nah, ganz dicht den Erlöser .. und ihn dennoch nicht zu fassen, durch seine schon gefühlten Strahlen hindurch, das steigert die Spannung über allen Verzicht hinaus zum zerreißenden Schmerz. Hier ist die Zwiesprache nicht mehr die schwermütige Anerkennung der naturgegebenen Grenze sondern der wilde Kampf um Überschreitung der überschreitbaren – nicht die Abkehr vom unerreichbaren Heil sondern das Weh um ein verlorenes oder entflüchtendes. Der Liebende im Jahr der Seele glaubt gleichsam an kein Heil, der Liebende der »Gezeiten« glaubt daran, aber gelangt nicht dazu. Im Jahr der Seele spricht die Leidenschaft als gesetzliches Leid, hier als ringende Verzweiflung .. und nirgends hat die verzweifelnde Liebe, die Vorform der Verzweiflung am Heil, solche einfach vollen Töne gefunden wie in diesen Versen:


Schon schwindet mir die kraft im schweigen zu verbluten

Daß du zum heil dir, mir zum tod dich trogst ..[237]

Ich will noch länger dankbar sein für die minuten

Wo du mir schön erschienst und mich bewogst.


Leb wohl! du wirst nicht sehen wenn in schmerz und schwäche

Mein blick sich feucht geblendet senkt und schließt

Und wenn die sonne hinter der entseelten fläche

Im stumpfen blau ihr tiefes gold vergießt.


Eines dieser Gedichte ist die Totenfeier der Liebe selbst, gesungen von den zwei unvereinbaren Seelen die umsonst ineinander den Erlöser suchten.


Trübe seele – so fragtest du – was trägst du trauer?

Ist dies für unser großes glück dein dank?

Schwache seele – so sagt ich dir – schon ist in trauer

Dies glück verkehrt und macht mich sterbenskrank.


Bleiche seele – so fragtest du – dann losch die flamme

Auf ewig dir die göttlich in uns brennt?

Blinde seele – so sagt ich dir – ich bin voll flamme:

Mein ganzer schmerz ist sehnsucht nur die brennt.


Harte seele – so fragtest du – ist mehr zu geben

Als jugend gibt? ich gab mein ganzes gut ..

Und kann von höherem wunsch ein busen beben

Als diesem: nimm zu deinem heil mein blut!


Leichte seele – so sagt ich dir – was ist dir lieben!

Ein schatten kaum von dem was ich dir bot.

Dunkle seele – so sagtest du – ich muß dich lieben

Ist auch durch dich mein schöner traum nun tot.


Auch hier waltet schon die hohe Einfalt des »Maximin«: die Liebe ist zusammengefaßt in das gottsüchtige Herz, nicht mehr ausgebreitet und verfangen in die Elemente von denen sie Farbe empfängt, wie im Jahr der Seele oder im Teppich. Wie der Gott nur eine Gestalt ist, nicht ein viel- oder allartiges Wesen und Dasein, so ist auch seine Suche umso dringlicher und einfacher je näher er selbst ist. Das Licht das er verbreitet wird durch immer weniger Mittel gebrochen – nur noch das geliebte Du stellt sich zwischen ihn und das Herz. Die Liebe ist die hellste und heißeste die von der Erfüllung[238] nur um Armeslänge getrennt ist und nicht an der Natur und dem Verhängnis scheitert, sondern am Kairos. Die »Gezeiten« sind die nächste Vorform des »Maximin«, die letzte Leidenschaft vor der Erfüllung, die stärkste Verdichtung aller Liebeskräfte um die Mitte her, wie die »Gestalten« die stärkste Verdichtung aller Schaukräfte: Maximin selbst ist die Mitte sowohl der Suche als der Schau, der »ersten Liebe und der höchsten Helle«.

Wie der äußersten Anspannung der Schau in den »Gestalten« vor dem Erscheinen der Mitte die äußerste Lockerung im »Traumdunkel« entspricht, so der äußersten Anspannung der Suche, in den »Gezeiten«, ihre Lockerung in den »Liedern«: sie sind das musikalische Ausschwingen und Hinausklingen des Gelösten von dem unverlierbar Einen zurück in das All. Sie sind vom Gott aus was vom Geist aus die »Lieder von Traum und Tod« sind: der Urlaub des Mitte-Gebundenen in die tausendfältige Weite, sei sie Sternenhimmel oder heimatlicher Winkel .. des Gestaltigen in die Bewegung, des Leibs in die Musik. Diese ewige Polarität des Menschen zwischen dem Einatmen in die göttliche Einheit und dem Ausatmen in die kosmische Allheit, die Zwiesprache zugleich zwischen dem bindenden oder lösenden Du und dem gebundenen oder gelösten Ich gibt den Vorklang der Lieder, der Wechselgesang der welt-bewegenden Schönheit und der welt-bannenden Liebe. Es ist in der georgischen Form die ewige Polarität zwischen Ich und All die Goethe im »Wiederfinden« verherrlicht: bei Goethe wird menschliche Sehnsucht zum kosmischen Vorgang, bei George ist das kosmische Geschehen menschliche Spannung:


Sterne steigen dort,

Stimmen an den sang.

Sterne sinken dort

Mit dem wechselsang:


Daß du schön bist

Bannt mich bis zum tod.

Daß du herr bist

Führt in not und tod.


Daß du schön bist

Regt den weltenlauf.

Wenn du mein bist

Zwing ich ihren lauf.


»Daß ich schön bin

Also deucht es mir.

Daß ich dein bin

Also schwör ich dir.«


Der Ausklang der »Lieder« ist die Einkehr des Ich aus den Allschwingungen[239] in das Du: dies ist hier nicht mehr Ein-gestalt sondern All-wesen. Auf Georgische Weise singt hier abermals ein Urwissen das Goethe schon formuliert hat:


Alles Drängen, alles Ringen

Ist ewige Ruh in Gott dem Herrn.


Georges Gott ist nicht die Natur sondern der Mensch, und noch sein All bleibt menschliches Du, noch seine Befriedung die alldurchwachende Liebe. In den Liedern ist dies aber nicht als Schau gegeben sondern als Schwingung, wie die »Lieder von Traum und Tod« das ganze Leben des »Vorspiels« noch einmal als Schwingung raum- und zeitlos austönen. Zwischen dem kosmischen Vorklang und dem göttlichen Ausklang der »Lieder« liegen dann mannigfache Schwingungen einzelner Augenblicke in gott-durchklungener Welt, von zartester Liebeseligkeit zu brünstig wildem Taumel, von kindlich stammelndem Morgengruß zu hallenden Nachtgesängen. Es gehört zum Wesen dieses Zyklus daß er locker und weiträumig Blumen- wie Sternentöne vernehmen läßt: er ist ja eben ein Ausschwingen, nicht ein Zusammenschauen – ein Schweifen und Wehen, Sausen und Summen, nicht ein Ründen und Gründen, Ballen und Greifen. Doch auch hier ist bei der größten Vielfalt der Weisen die Einfalt des Tones, die hehre oder traute Herzlichkeit die seit dem Erscheinen Maximins das Kennzeichen aller Georgischen Dichtung bleibt: Wort und Blick aus der einfachen Mitte.

Die Mannigfaltigkeit der Weisen und die Einfalt des Tones im Siebenten Ring sind beides Zeichen der errungenen Gewißheit: erst wer seine Mitte kennt und unverlierbar besitzt, kann ja muß von ihr aus nach allen Seiten blicken und schwingen. Erst von der einen Mitte aus wird die Welt mannigfach und einfach zugleich: vorher ist sie das Wirrwarr vieler Wege oder die strenge Straße zum Ziel, die eine Form der Kunde oder die abertausend Formen der Dinge. Sobald der Mensch seinen Gott gefunden, scheidet er nicht mehr Formen der Verkündung und der Dinge, sondern der Gott füllt die tausend Dinge mit seinem einen Licht und die Dinge färben das eine Licht durch ihre abertausend Formen.

Jetzt erst konnte George auch die Einzelheiten eines ausgebreiteten Daseins unmittelbar als solche verewigen, wie es im Schluß-zyklus[240] des Siebenten Ringes geschehen ist: in den »Tafeln«. Früher war jedes Einzelne nur Zeichen oder Gebärde seines Gesamtzustandes, seiner Natur, seines Schicksals oder Lebens: jetzt ist es sichtbar im Raum den der Gott durchwaltet, im Reich der Werte. Die »Tafeln« sind Zeitgedichte nach dem Erscheinen des Gottes, Richtersprüche über die ganze Erfahrungsbreite des Sehers, über den Umkreis von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von Personen, Landschaften, Geschehnissen den er übersieht oder durchmißt, voraus und rückwärts. Die »Zeitgedichte« suchen erst Weg und Zeit für den Gott .. hier ist sein Raum geschaffen und die Einzeldinge erscheinen schon im »Kosmos«, in der geordneten Welt. Sie schaffen nicht diese Welt, wie die »Gestalten«, sie umlagern sie nicht wie das »Traumdunkel«, sie rufen sie nicht wie die »Zeitgedichte«, sie sind in ihr, schmücken oder entstellen sie, und der Dichter ehrt oder rügt sie darnach. Es sind Winke, Ausblicke, Rückblicke, feste Aufschriften auf ewige Gestalten und Stätten, bald Gebärden des Grußes, des Dankes, der Warnung an Freunde und Begegner, bald Sibyllensprüche für Volk und Erde, rasche und energische Abdrücke eines Menschentums in den regen Stoff der Zeit. Den Heimaten und Zufluchten des eignen Wesens im Vaterland huldigt George, die Erinnerungen und Erwartungen seines Volkes sichtet er vom Urbild aus: Augenblicke, Denkmale, Personen hebt er ab von diesem Grund und zeigt dadurch die Fratze und die Glorie.

Die »Tafeln« sind der Gegenkreis der »Zeitgedichte«. Diese rufen das Urbild in die Zeit herein, die Tafeln die Inhalte der Zeit, ihre Augenblicke aus dem Urbild. Beide Gedichtkreise fordern und richten für die Gesamtheit: doch sind in den Zeitgedichten noch keine einzelnen Elemente der Gemeinschaft sichtbar .. die Tafeln zeigen bereits Genossen und Jünger. Und zum erstenmal enthalten sie auch Prophetie im engeren Sinn: seherische Vorwegnahme der Zukunft in der Zeit. Insofern George ewige Kräfte vergegenwärtigte, war er immer ein Seher, doch erst jetzt lebt und sagt er das kommende Schicksal einer Gesamtheit bewußt voraus. Solange ein Mensch seinen Gott erharrt oder heranruft, werden seine Rufe Botschaften oder Gebete, nicht Weissagung sein: er ist besessen von dem Einen was ihm not tut, und erst wenn er dies gefunden, kann er aus der einfachen Ewigkeit[241] in die vielfache, das ist wandelvolle Zeit schauen. Erst wer einen Gott kennt kennt auch Gemeinschaft und Volk. Erst durch Götter werden Völker geschaffen .. das hat von den biblischen Zeiten bis zu Hölderlin jeder Seher gewußt, und den Gott mit dem Volk zusammen aufgerufen. Ein solcher fühlt auch am eignen Leib, als das gott-nächste von der zeitschaffenden Mitte gefüllteste Herz, am unmittelbarsten die kommenden Geschicke des Volkes .. denn im neuen Gott ist alles schon da was er bringt und fordert. Sehertum ist nur der gegenwärtige Empfang seiner Strahlung, welche die Dumpferen Ferneren erst später erreicht .. weniger ein Vorhersehen dessen was eintreffen wird als ein Zuerst-spüren dessen was da oder unterwegs ist – wie Tiere atmosphärische Ereignisse nicht vorauswissen, sondern davon durchwittert sind.

Für sich selbst ist eine Art Prophet jeder der sein Lebensgesetz kennt oder ahnt .. er spürt, wenn nicht die Einzelereignisse die ihm zustoßen werden, doch die Ereignisarten und Zustände die er durchlaufen wird. Wer in einem Gott und damit in einer Gemeinschaft atmet der ist deren mitfühlender Sinn, Seher eines Volks. Prophetie ist nicht eine besondere Begabung – Somnambulismus und Kartenschlägerei – sondern das Innewerden der zeitschaffenden Kräfte, der Götter. Darum wendet sich George zur Prophetie mit den »Jahrhundertsprüchen« der Tafeln erst im Siebenten Ring seines Lebens, nach der Erscheinung seiner Gottheit, zugleich mit den ersten Ansätzen einer heutigen Gemeinschaft und dem Blick in die Mannigfalt seiner Tage: das »Saeculum« d.h. Gemeinschaft, Zeit und Vielheit tritt in den Kreis des Beters erst von der ewigen Mitte aus. Zu ihr hin führt Georges bisheriger Weg, von ihr aus sein weiterer. Im »Maximin« treffen sich alle Bahnen Georges, und der Siebente Ring umfaßt all diese Bahnen – die zu ihm hinführen und die von ihm ausgehen: in den »Zeitgedichten«, den »Gestalten«, den »Gezeiten« die letzten Hübe, Ballungen, Spannungen zum nah verhüllten Urbild hin, im »Traumdunkel«, in den »Liedern«, den »Tafeln« die ersten Lockerungen, Schwingungen, Ausbreitungen vom offenbaren Urbild her. Hier kreisen rings um die leibhaftige Gestalt noch einmal all seine Lebenskräfte, die bindenden und die gelösten, die einenden und die schweifenden, die fordernden und die verschwenderischen, eh er[242] ihren vielfältigen Kosmos zusammenschließt zum Reich: zum irdischen Bund um die göttliche Mitte.

1

Abgedruckt in der dritten Auslese aus den Blättern für die Kunst. Berlin 1909 bei Georg Bondi.

Quelle:
Gundolf, Friedrich: George. Berlin 31930, S. 199-243.
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Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

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