Das XXXII. Capitel.

Vons Teuffels List und Betrug / auch von Verhängnüß GOTTES wider die Sünd.

[392] Auspicòr à lachrymis, in iisdem suio vitam,

In lachrymis tota est vita peracta mihi.


Der H. Apostel Petrus hat immerdar wegen seiner vergossenen Thränen rothe Augen gehabt / daß ihm auch die Zähren die Haut an den Backen auff gefressen haben / als er derwegen auff eine Zeit gefraget wurde /wärumb er es thäte / und weßwegen das Weinen mit den Augen verrichtet würde / hat er gesagt / dieweiln stets die Augen der[392] Brunqvell wären begangener Sünden / sie billich auch vor allen andern Gliedern den Irrthumb beweinen müsten / sonsten wurden die Thränen das Blut der Seelen genennet.

Dem Keyser Maximiliano wolte einsmals eine Schlang in Halß kriechen / da kam eine Aidex und bisse den Keyser ins Ohr / darüber erwachete er und rettete sich / daher noch zum Gedächtnüß dieselbe eine güldene Aidex am Halße tragen. Metus cum venit rarum habet somnus locum. Strig.

Auffm Concilio zu Basel gehen etliche Gelehrte in einen Wald spatzieren / da hören sie einen Vogel gar lieblich singen / als sie an den Baum kommen / beschweret ihn einer unter den Gelehrten / da spricht der Vogel / ich bin eine verdampte Seel / und biß am Jüngsten Tag verbannet / als denn werde ich meinen Lohn empfangen / und als er solches geredet / flohe er davon / und hat Ewig / wie bistu so lang / dreymal geschrieren. Steinerus.

Der Teuffel hätte dem Gelehrten Mann Grynæs Anno Christi 1529. zu Speyer bey weren dem Reichs-Tage gern ein Unglück gestifftet / wenn aber Herr Philippus Melanchthon durch einen alten ernsthafften Mann befehlicht war / ihn aus der Stadt heissen also balden hinweg zu gehen / wurd solch Vnglück verwehret. D. Rabus. pag. 62.


Viel Unglück steht einem Menschen zu /

Tag / und Nacht hat er keine Ruh /[393]

Wenn eins weg ist / kompts ander wiedr /

Legt endlich den Menschen plötzlich niedr.


Ein Gefreunder hätte einsten gern seine Gefreundin zu seinem Willen gebracht / und dieweiln er es mit güte nicht enden können / brauchte er diese Teuffels List bey der Nacht / sie in der finster zu ängstigen /verstelt sich demnach in ihre Kammer heimlich / als ein Gespenst / plagt sie eben sehr / andere Nachts aber läst sie mit einen Prügel aufflauren / als nun das Gespenst wieder kam / sich ungeberdig stellt / kreucht der Versteckte herfür / sagt zum Gespenst / bistu der Teuffel so bin ich seine Mutter / schlägt getrost hinein / da schreyet das Gespenst / Parce non sum anima sed Dominus Johannes: Er schlug aber immer hefftiger zu und sagte / bene venisse Domine Johannes, biß er daß Gespenst wieder in die Höll aus der Kammer jagete. Plus vigila semper, nec somno deditus esto. M. Jacobus Stolterfoth. pag. 196. Chytræus.


Terra breve hospitium est.


Etliche Spielleute vermeineten / als sie in Hessen auff einem Hexen-Tantz auffwarten thäten und sich lustig erzeigeten / sie würde mit einem guten Bett versetzen werden / als sie aber den Rausch ausgeschlaffen / und erwachet waren / sind sie unter dem hellen lichten Galgen mit einander gelegen / darüber sie sich[394] denn verwundern müssen. Malus ubi bonum se simulat, tunc est pessimus. D. Conr.

Solchen betrug begieng auch Sathan mit einem Soldaten so sich an eine ehrliche Matron verliebte und derselben nicht beykommen kunte / der lose Mensch ergibt sich dem Sathan / er sol ihm doch darzu behülfflich seyn / du Sathan bringt sie ihm bey der Nacht vor / als wenn sie willig käm / und sich zu ihm ins Bett legete / allda seines Willens pflegete / letzlich unvermerckter Sachen / führete ihn der Sathan auff die Schinder Gruben hinaus und legt ihn da in eine schendliche Lacken oder Pfützen / als er nun erwachte frü morgens / lag er bey einem garstigen Esels Aaß und küssete denselben / ich weiß nicht wohin. Juppiter at simul hos ad mundi extrema removit. Hes D. Hemingius alleg. lib. 6. D. Conr. in Traumd.

Da Bapst IV. Pius nomine gekrönet worden / und die Marmelsteinerne Treppen von geschetzenen Regen naß ward / blieben durchs fallen im gedräng ihrer 18. todt und 40. wurden geqvetzscht / dieweiln Geld ausgeworffen wurd. Diariam.


Si occurrit tibi inimicus Diabolus semper opp. si merita passtonis JESU CHRISTI.


Zur Zeit wurde ein Knab nach Wittenberg zum Studieren geschickt / und ihm ein Præceptor zu geordnet /[395] so die Gelder unterhanden haben solte / als er nun nicht nach seinem Willen Geld von ihm bekommen kunt / und sich gern hätte groß sehen lassen / verdroß es ihn / rieff den Teuffel ümb Geld an / der erscheint ihm sichtbarlich / sagt wenn er sich ihm mit seinem Blut verschreibe / wolle er ihm Gelts gnug verschaffen / das geschicht auch / als nun der Præceptor sitzet / daß er stets viel Gelt hatte / schöpfft er seinen verdacht auff ihn / setzt ihm erstlich zu red / da bekent er alles mit fliessenden Thränen / beichtete es herauß /wie er es gemachet hätte / wird zum Herren Luthero gebracht / der nimbt noch mehr andere Gottselige Herren zu sich / beten mit einander inbrünstig zum lieben Gott / daß er es ihm verzeihen wolle / und sein herbes Leiden auch an diesem Knaben nicht wolte lassen ümbsonst geschehen seyn / bevorab weiln der Knab auch Reu und Leid darüber habe / da hat der Sathan den Zettel mit deß Knaben Blut unterschrieben wiederbracht / und ist der Knab absolviret unn vons Teuffels Tyranney loßgesprochen worden. Fidem qvi perdit, nil potest ultra perdere. Hornius. pag. 132.

Albinus der Longobarden König wolt Anno Christi 568. alle Christen in Welschland ausrotten / die Soldaten solten auch alles in der Stadt Papia preiß haben / als er aber unters Stadt-Thor kam / straffete ihn Gott / daß er mit dem Pferd fiel und nicht wieder auffkommen kunt / biß er seinen gethanen Schwur retractirte, das thät er / kündigte dem[396] Kriegs-Volck solches wieder ab / da stund das Roß von ihm selber auff. Injuriarum remedium est oblivio. Sigonius. Steinerus im Trinario.

Alexander Magnus that auff eine Zeit ein Gelübd /was ihm am ersten begegnen würd / wolt er seinen Göttern auffopffern / da kam ein Mensch auff einem Esel geritten / da ließ er den Esel Opffern / und schonete deß Menschen. Chron. Ges.

Anno Christi 1642. zu Cöln ward eines Schneiders Frau in der Eichelsteinern Gassen im Haupt verirret /der Mann geht / wil ihr was Labsal holen / unter dessen schneidet sie zweyen Kindern die Hälß ab / einem von drittehalb Jahren / dem andern von einem Jahr /als der Mann kompt / wil sie auch an ihn / aber er erwehret sich ihrer. Mulier com sola cogitat, mala cogitat. R.


Quelle:
Hammer, Matthäus: Rosetum Historiarum. Das ist: Historischer Rosengarten [...]. Zwickau 1654, S. 392-397.
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