Vierte Szene

[329] DEMETRIUS tritt im Jagdkleid auf, er will vorübergehen und bemerkt Maschinka nicht.

MASCHINKA tritt ihm in den Weg.

Ei, guten Morgen!

DEMETRIUS.

Guten Morgen, Mutter!

Ist deine Herrin auf?

MASCHINKA.

Was gehts dich an?

Dir wird sie ihren Traum wohl nicht erzählen,

Wenn sie sich ihn nicht selber deuten kann!

DEMETRIUS.

Wie unwirsch! Aber sprich!

MASCHINKA.

Hat sie vielleicht

Ein Roß bestellt, das du ihr bringen sollst?

DEMETRIUS.

Das ist der Diener Sache.

MASCHINKA.

Guter Gott,

Wir dienen alle, und der Federbusch

Macht keinen Unterschied, der wird zur Ehre

Des Herrn getragen, nicht zur eignen Zier!

DEMETRIUS.

Wir setzens morgen fort!

MASCHINKA.

Warum nicht heut?

Was sagt ich doch? Ja! Diener sind wir alle,

Und Diener müssen fein zusammenhalten

Und es nicht treiben, wie das dumme Vieh,

Das sich im Stall beständig stößt und beißt

Und eins das andere zur Schlachtbank hetzt.

Es ist kein Zufall, daß der Kellermeister

Den Koch am liebsten zu Gevatter bittet,

Das macht die Taufe billig.

DEMETRIUS.

Alte Hexe,

Was soll das mir?

MASCHINKA.

Schmeckt dir mein Wermut nicht?

Nimm ihn nur ein, der Kranke kennt das Fieber

Nur selten, das in seinen Knochen nagt,

Allein, er traut dem Arzt und wird gesund.

So höre auf mein Wort, ich mein es gut.[329]

Du frugst mich eben nach der Palatina

Und machst dir mehr, als not, mit ihr zu schaffen,

Nimm dich in acht!

DEMETRIUS.

Warum?

MASCHINKA.

Ich weiß gar wohl,

Warum dus tust, du denkst schon an den Tag,

An dem sie sich vermählt und willst dir zeitig

Durch sie die Gunst des edlen Gatten sichern –

DEMETRIUS.

Weib, Weib, du denkst doch, wie ein Spatz!

MASCHINKA.

Das ist

Auch richtig, wen die Braut zuerst empfiehlt,

Dem wird das reichlichste Geschenk zuteil,

Und du mußt deine eigne Hochzeit einst

Von dem bestreiten, was dir ihre trägt,

Doch treibst dus unvorsichtig!

DEMETRIUS.

Weiter! Weiter!

Der Spaß wird lustig!

MASCHINKA.

Deine Blicke sind

Zuweilen etwas kühner, als ein Freier

Gestatten dürfte!

DEMETRIUS.

Meine Blicke gelten

Der Spielgefährtin, die's noch nicht vergaß,

Wie oft ich sie durchs Wasser trug.

MASCHINKA.

Ich weiß!

Doch solch ein stolzer, hochgeborner Herr

Ist ungestüm und rasch in seinem Zorn

Und fragt nicht erst beim Geometer an,

Ob du die Grenze eingehalten hast.

DEMETRIUS.

Was folgt daraus?

MASCHINKA.

Im besten Fall ein Stoß,

Der einen reinen Degen schmutzig macht,

Im schlimmsten –


Sie macht die Bewegung des Schlagens.


DEMETRIUS.

Vettel, du wirst unverschämt.

MASCHINKA.

Wie nennst du mich?

DEMETRIUS.

Wie dus verdienst! Ich griffe

Zur Peitsche, wärst du nicht so alt!

MASCHINKA.

Zur Peitsche?


Quelle:
Friedrich Hebbel: Werke. Band 1–5, Band 2, München 1963, S. 329-330.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Kleist, Heinrich von

Die Hermannsschlacht. Ein Drama

Die Hermannsschlacht. Ein Drama

Nach der Niederlage gegen Frankreich rückt Kleist seine 1808 entstandene Bearbeitung des Hermann-Mythos in den Zusammenhang der damals aktuellen politischen Lage. Seine Version der Varusschlacht, die durchaus als Aufforderung zum Widerstand gegen Frankreich verstanden werden konnte, erschien erst 1821, 10 Jahre nach Kleists Tod.

112 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon