Auf einen unglückseeligen und plötzlichen Todes-Fall eines Studiosi

[312] Im Nahmen eines anderen.


Das dieser Erden Kreiß ein Unbestand der Freuden/

Ein Sammel-Platz der Qvaal/ ein Hauß der Eitelkeit/

Ein Garten schnöder Pracht und kurtzer Sinnen-Weiden/

Wo Blumen unsrer Lust ein schneller Raub der Zeit/

Läßt jene Wunder Macht den Menschen offt erschallen;

Doch muß am schmertzlichsten itzt dieser Donner knallen.


Das Unglück laurt auf uns/ indem wir kaum gebohren.

Der Kindheit schont es nicht/ wächst mit den Jahren groß/[312]

Sein Pfeil hat diesen bald/ bald jenen sich erkohren.

Jemehr man lebt/ jemehr bricht aller Unfall loß.

Denn kömmt zuletzt der Todt/ läßt seine Ströhme fliessen/1

Das Ubel dieser Welt durch unsern Sarg zu schliessen.


Wohl diesem/ welcher sich weiß klüglich abzusterben/

Sein Grab im Lentzen baut/ statt aller Jugend Lust

An die Verwesung denckt/ des Leibes sein Verderben/

Und faßt zur Seelen Heil Gott stündlich in die Brust.

Kommt denn ein Unglücks-Fall/ so mag die Schale brechen/

Wenn in der Muschel nur die Perle frey zu sprechen.


Die Jugend unsrer Lust/ die Anmuth schöner Glieder/

Der hohen Eltern Trost/ der treuen Freunde Hertz/

Sinckt jämmerlich durch dich von – – nieder.

Da du erkalten must blüht deiner Jahre Märtz.

Trost/ Anmuth/ Hertz und Lust/ hat nun der Todt getroffen/

Und legt damit ins Grab/ was noch von dir zu hoffen.


Wie viel Geschicklichkeit dir die Natur gegeben/

Wie Redligkeit und Treu in deiner Brust gebrandt/

Wie weit dein Witz und Geist sich durch ein länger Leben

Gewiß hervor gethan/ weiß der/ so dich gekandt.

Doch nun erblassest du: zu tieff sind diese Wunden/

Und werden gantz durch nichts als Gottesfurcht verbunden.


Hochwohlgebohrnes Hauß/ das grauen Adel zieret/

Das sein Verdienst erhebt/ das reife Klugheit preißt/

Im Wappen Ehr und Ruhm/ im Hertzen Tugend führet/

Das sich bey jeden Fall mit wahrer Großmuth speißt/

Diß Creutz wird dein Gemüth so zu dem Himmel schicken/

Daß wir den Helden-Muth des Christenthums erblicken.


Mehr Worte wollen uns die Thränen nicht erlauben/

Es schließt ein wehrter Freund zwar plötzlich seinen Lauff/[313]

Doch sagt der Christen Lehr: ein Augenblick im Glauben/

Den Gott in uns erweckt/ macht auch den Himmel auf.

Hochwohlgebohrnes Hauß/ je herber dero Schmertzen/

Je mächtiger sey Gott in dero Himmels Hertzen.


Fußnoten

1 der Unfall begab sich im Wasser.


Quelle:
Christian Friedrich Hunold: Menantes Academische Nebenstunden allerhand neuer Gedichte, Halle/ Leipzig 1713, S. 312-314.
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