41. Duurn'nroesken.

[226] Dår laeft mål eis ein Koenichsdochder, dei wyr syr hübsch. Eer Üllern wyren all tyrich stårben, un sei würr nu von ein ull boes Hex voerfolcht un keem so tau ganz armen Luer, by dei sei eer Broot voerdein'n müst. Hyrmit wyr dei Hex åewer nonnich taufraeden un måkt åewerall bekannt, dat dit Maeten Guld spinnen künn.

Dit kreech dei Koenich tau weit'n, und dår hei syr guldgyrich wyr, leet hei dees Koenichsdochder fuurst tau sich kåmen un spunnt sei inne Kaamer by ein Hümpel Heid in, den sei in ein'n Dach tau Guld spinnen sull. Dei Koenichsdochder füng bitterlich an tau wein'n, as sei so allein wyr, und sei fürcht sich syr, denn dei Koenich haer tauglyk tau eer sacht: »Wenn du in ein'n Dach nich dårmit faarich warst, müsst du starb'n.«

As dat nu lütt Tyd heer wyr, ging mit eis dei Doer up, un ein lütt Zweerch keem rin un froech dei Koenichsdochder, wårüm sei so wein'n deer. Sei voertellt em dat nu, un doon saer hei tau eer: »Wenn 't wyrer nix is, denn sei man still!« un hei sett sich dårby un härr in ein'n Oogenblick alls tau Guld spunn'n. Dårup voerswünn hei werrer.

Annen Mårgen, as dei Koenich naaseej, freujt hei sich tau dat vaele Guld un wull nu noch myr häbbn und bröcht dei Koenichsdochder in eine anner Kaamer, dei noch dreimål so groot wyr, as dei yrst, un ook ganz vull Flass leech. Dit süll sei werrer by Doorsstråf in eine Nacht tau Guld spinn'n.

As dei Koenich ruut wyr, füng sei werrer an tau wein'n, un nu ging dei Doer up, un dår keem'n drei ull Hex'n rin und wulln eer dat upspinn'n, wenn sei eer yrst Kind häbb'n sülln. In eer Angst voersproek dei Koenichsdochder ook alls, un dei drei Hex'n måkten sich nu dårby un spunnen eer dat faarich. Doon voerswünnen sei werrer.

Annern Mårgen, as dei Koenich tau eer keem, freujt hei sich tau dat vaele Guld, dat hei eer nu as syn Dochder hulln deer. Nu ging eer dat syr gaud. Einmål geef dei Koenich ein groot Fest, un dår keemen vaele frömde Koenichs un Prinzen, un dei müchten dees Koenichsdochder gyrn lyrdn un wulln sei taura Fruu häbbn; åewer ein'n geef dei Koenich sei man. Un dei Hochtyd würr glyk dårup mit groorer Pracht fyrt. Doon neem dei Koenichssåen sei mit up syn Sloss.[226]

As sei nu 'n Jår tauhoop wånd haerdn, kreech sei 'n lütte Dochder, un sei dacht går nich myr an dei drei Hex'n. Dei haerdn dat åewer nich voergaeten un keem'n in eina Nacht, as dei Koenich nich tau Huus wyr, tau eer un voerlangden dat Kind. Dei Mudder beer nu, sei sülln eer doch dat Kind låten, sei wull eer ook 'n ganzn Hümpl Gild gaebn; åewer dat wulln dei drei Hex'n nich. Dår beert sei so lang, bät dei üllst Hex säggn deer: »Wenn du in drei Daach myn'n Nåmen rådn kannst, denn sasst du dyn Kind behulln.«

Hyrmit wyr dei Mudder syr taufraeden un dacht, sei würr den Nåmen woll ruut kraegen; un as dei drei Hex'n nu voerswunnen wyrn, leet sei dörch eer Minister un Hofgelyrtn alle unbekanndn un dwatschn Nåms tausaamen säuken. Neechsdn Dach keem dei üllst Hex werrer un saer tau eer: »Na, weist du myn'n Nåmen nu? Half Stunn kannst my ümmer weck voersäggn, linger åewer nich!« – Un dei Koenigin füng nu an un froech: »Heist du Adelheit? Heist du Kunigunde? Heist du Suuselken?« un wat sei nu nich all nennen deer; åewer dei ull Hex saer ümmer hinna jeeres Wuurt: »Nee, so heit ik nich! – Mårgen kaam ik werrer!« un voerswünn.

Nu kreech dei Koenigin all Angst un leet werrer dei unbekanndesden un nyjsden Nåms uutsäuken; un as dei Hex sich neechsdn Dach werrer instelln deer, füng sei an: »Heist du ook Heuspringer? Heist du ook Pypenkopp? Heist du ook Breitmuul? Heist du ook Hüpp-uppn-Bültn?«1 un so myr; doch dei Hex saer werrer: »Nee, nutzt nich, ik heit nich so! Mårgen kaam ik werrer, un wenn du denn nich weist, naem ik dyn Kind mit!« un voerswunnen was sei.

Dei Koenigin füng nu voer Angst an tau roorn un wüsst nich myr, wat voer Nåms sei säggn süll. Doon keem ein Jaeger tau eer un saer: »Ik häf 't ruut; denn as ik hued in 'n Hult wyr, seej ik up ein Stell ein Fuer, un as ik neejer keem, seej ik ein ull Wyf dårüm danzen, un sei süng:


›Ach, dat dei Koenigin nich weit,

Dat ik dei Swaart Hex heit!‹«


Nu wyr dei Koenigin syr froo, un as dei ull Hex annern Dach werrer keem, saer sei: »Heist du Duurich (Dorothea)?« – »Nee,« sächt sei. – »Heist du denn Maryk?« – »Nee,« sächt sei. – »Heist du denn ook Swaart Hex?« – »Dat hät dy dei Duewel sächt!« reep dat ull Wyf, un wech wyr sei un leet sich nich werrer seen.

Dei lütt Dochder würr nu grötter un würr ook so schoen, as eer Mudder. Sei dürst åewer nich allein gån, wyl dei Koenigin ümmer noch Angst haer, dei ull Swaart Hex würr eer hålen. Un so keem dat ook.

Eis, as dei Koenich un syn Fruu nich tau Huus wyrn, sleek sich dei Swaart Hex in dat Sloss rin un ging naa dei Stuuw, wuur dei Dochder slåpen deer, un sproek einen hunnetjaerigen Fluuch aewer eer uut; un fuurst stünn dei ganze Wirtschaft int Sloss still: Dei[227] Deiners stünnen all in eer Beweegungen, dei Kåeksch wyr byt Haunerruppent, dei Koch stünn mit de Kell an Fuerheerd, dei Kåekenjung haerd'n Tikkaedel inne Hand, un aewer dat ganze Sloss wüss soglyk ein groot Duurn'nstruuk.

Dit würr bald in 'n ganzen Land bekannt, dat hyr dei schoene Koenichsdochder bezaubert wyr, un vaele Prinzen, dei eer gyrn erloesen wulln, voersöchdn dörch den Duurn'nbusch in dat Sloss tau kåmen; åewer sei måkden sich dårby bloos den Lyf bläudich. Dei Duurnen leeten eer doch nich dörch, so dat sei werrer afgån müssden. Dei bezauberde Prinzessin åewer würr, wyl üm dat Sloss dei Duurn'nbusch wassen wyr, von alle Luer Duurn'nroesken nennt.

Naa vaelen, vaelen Jårn keem werrer ein Koenichssåen, dei dit ook huert haer, naa dat Sloss; un as hei dicht dårvoer stünn, seej hei, dat dei Duurn'nbusch, dei süss man Knuppens (Knospen) hat haer, ganz vull Blaumen seet. Hei voersöcht nu dörch tau gån. Doon deerden sich dei Duurn'n von sülwst uutenanner, un hei ging nu in dat Sloss rin, un von dår dörch alle Stuuwen, bät hei denn ook endlich in dei Slåpkaamer keem, wuur Duurn'nroesken leech.

Voerwunnert stünn sei still; un as hei eer groote Schoenheit seej, künn hei 't nich låten un geef eer ein Kuss. Soglyk måkt sei dei Oogen up, un alls in 'n Sloss wåkt werrer up un ging werrer syn'n ullen Gang. Dei Kåeksch ruppt eer Haun wyrer, dei Koch ruert mit dei Kell in'n Pott, dei Kåekenjung stellt 'n Tikkaedel upt Fuer, un dei Deiners leepen werrer hyr hen und dår hen.

Dei Prinz neem dårup Duurn'nroesken mit in syn Vadders Sloss un fyrt hyr syn Hochtyd mit eer; un as sei meergen dårby wyrdn, keem'n mit eis Duurn'nroesken eer Vadder un Mudder an, un nu wyr dei Freur noch vael grötter. Naa dei Hochtyd reisden dei beidn Üllern werrer up eer ull Sloss; Duurn'nroesken åewer bleef mit eern Mann by den syn Üllern. Un dår laefden sei noch vaele Jårn glücklich tauhoop; dei ull Swaart Hex åewer leet sich nich werrer seen.


Snipp, snapp, snuut,

Nu 's dei Geschicht uut!


Fußnoten

1 »Hüpp-uppn-Bültn = Hüpf auf den Bülten (feste Scholle in Torfwiesen)«. Ein Froschname wie Pypenkopp und Breitmuul.


Quelle:
Ulrich Jahn: Volksmärchen aus Pommern und Rügen l, Norden/Leipzig 1891, S. 226-228.
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