Nr. 56. Fliegender Hering

[975] Brief des Biographen – Tagebuch


Gegenwärtiger Biograph der jungen Harnische bekam nach dem Abschlusse der vorigen Nummer (des sogenannten Pfefferfraßes) von dem Haßlauer Stadtrate vier neue – nämlich den fliegenden Hering 56, den Regenpfeifer 57, die Giftkuttel 58 und die Notenschnecke 59 – samt einem äußerst wichtigen Tagebuche Vults über Walt. Darauf antwortete er den trefflichen Testaments-Exekutoren folgendes, was durchaus als ein Zeitstück der Flegeljahre hereingehört.


»P. P.


Indem ich Ihnen, verehrlicher Stadtrat und Vollstrecker, die Ausarbeitung der 55sten Nummer Pfefferfraß zusende und den Empfang der vier neuesten Naturalien, der Nummern 56, 57, 58, 59, desgleichen des Vultischen Tagebuchs bescheinige: leg' ich zugleich die vier Kapitel für das Nummern-Viereck bei, welche ich dadurch geliefert zu haben hoffe, daß ich das Vultische Tagebuch unzerzauset einwob und es durch Überschriften in Kapitel schnitt und andere Drucker-Sachen anflocht, z.B. Gänsefüße, um Vults jetzige Worte von meinen künftigen zu scheiden. Man griffe ohne weiteres meinen Charakter an, wenn Sie mich deshalb etwan einen Schelm, einen Naturalien-Räuber schölten und einen Arbeits-Knauser. Säh' es ein verehrlicher Haßlauer Stadtrat etwan lieber – was so unmöglich zu glauben –, wenn ich den herrlichen Vult, einen zwar außen ungemalten, aber innen schön glasierten Sauertopf, mit meinen Töpferfarben umzöge? Oder kann irgendein Testament ansinnen, daß ich einem fremden Charakter etwas aus meinem eignen vorstrecke? Mich dünkt, ich und sämtliche poetische Weberschaft haben oft genug bewiesen, wie gern und reich wir jedem Charakter – und wär' er ein Satan oder Gott – von unserem leihen und zustecken. Wir gleichen am wenigsten – dies dürfen wir sagen – jenem englischen Geizhalse, Daniel Dancer, welcher auf einen fremden Acker nichts von dem, was[975] die Natur bei ihm übrig hatte, wollte fallen lassen, sondern wie toll vorher auf seinen eignen rannte mit der Sache. Sondern recht freudig leihet der Romancier alles, was er hat und was er ist, seinen geschriebenen Leuten ohne das geringste Ansehen der Person und des Charakters! Folglich hätte wohl niemand Vults Tagebuch so gern umgeackert und besäet als ich, wär' es nötig gewesen.

Andere Gründe, z.B. Zeitmangel und Haus-Tumult, schütz' ich nicht einmal vor, weil diese sich auf persönliche Vertrauungen gründen, womit man wohl schicklicher das Publikum als einen verehrlichen Stadtrat behelligt; worunter aber in jedem Falle die Nachricht gehören würde, daß ich gestern nach meinem Wechselfieber des Wechsels – doch nur mit Städten – wieder aus Koburg abgezogen bin nach Bayreuth. Niemand muß überhaupt die Zeit mehr sparen als einer, der für die Ewigkeit nicht sowohl lebt – das tut jeder Christ- als schreibt. Wieviel Blattseiten lässet denn die Biographia britannica unseres Ichs der Historiole des Universums übrig? – Wie ohnehin alles uns Dichter drückt, scheinen nur die alten Holzschnittschneider zu ahnen, wenn sie Bienen und Vögel – diese bildlichen Verwandten unsers Honigs und unsers Flugs – bloß als fliegende Kreuze zeichnen. Wer hängt an diesen Kreuzen als wir Kreuzträger, z.B.

Ihr

testierter

Biograph,

J. P. F. Richter?«

Bayreuth, den 13. August 1804.

*


Jetzt geht Walts Geschichte so fort, nämlich Vults Wochenbuch fängt so an:


»Ich schwöre hiemit mir, daß ich ein Tagebuch wenigstens auf ein Vierteljahr schreiben will; hör' ich früher auf, so strafe mich Gott oder der Teufel. Von heute – dem Tage nach dem gestrigen Einzuge – geh' es an. Ja wenn mich der Gegenstand – nicht ich, sondern Walt – hinge, pfählte, knebelte, zerfetzte, nach Siberien schickte, in die Bergwerke, in die zweite Welt, in die[976] dritte, ja in die letzte: so führ' ich das Wochenbuch fort; und damit ich nicht wanke, so will ich mit den Fingern, die man sonst dazu aufhebt, es herschreiben:


Ich schwöre.


Die Welt – welche aber nie dieses Blatt bekommen soll – kann sich leicht denken, über wen das Wochenbuch geführet werde; nicht über mich. Ein Tagebuch über sich macht jeder Dinten-Mann schon an und für sich, wenn er seine opera omnia schreibt; bei einem Schauspieler sinds die Komödienzettel; bei einem Zeitungsschreiber die Jahrgänge voll Welthändel; bei einem Kaufmann das Korrespondenzbuch; bei einem Historienmaler seine historischen Stücke; Angelus de Constantio, der an seiner storia del regno di Napoli 53 Jahre verschrieb, konnte bei jeder Reichsbegebenheit sich die seinigen, obwohl nur auf 53 Jahre, denken; und so schreibt jeder Verfasser einer Weltgeschichte damit seine eigne mit unsichtbarer Dinte da zwischen, weil er an die Eroberungen, innern Unruhen und Wanderungen der Völker seine eignen herrlich knüpfen kann. Wer aber nichts hat und tut, woran er seine Empfindungen bindet, als wieder Empfindungen: der nehme Lang- und Querfolio-Papier und bringe sie dazu, nämlich zu Papier. Nur wird er Danaiden- und Teufelsarbeit haben: während er schreibt, fällt wieder etwas in ihm vor, es sei eine Empfindung oder eine Reflexion über das Geschriebene – dies will wieder niedergeschrieben sein – kurz der beste Läufer holet nicht seinen Schatten ein.

Und welch ein lumpiges knechtisches katoptrisches Nach-Leben, dieses grabes-luftige Zurückatmen aus lauer Vergangenheit statt eines frischen Zugs aus frischer Luft! Das flüchtige Getümmel wird ein Wachsfigurenkabinett, der blühende flatternde Lebensgarten ein festes pomologisches Kabinett. Ists nicht tausendmal klüger, der Mensch ist von Gegenwart zu Gegenwart wie Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit, und der fröhliche Trieb tut seinen Windstoß in die Blumen und Wellen hinein, wirft Blumenstäubchen und Schiffe an ihren Ort und gähnt und stöhnt nicht wieder erbärmlich zurück?[977]

Hingegen ein Tage- und Wochenbuch über andere! – Ich gesteh' es meinem geneigten Leser, dem guten Vult, dies ist etwas anderes; aber ich muß freilich sehen und – anfangen.

Doch so viel lässet sich auch, ohne anzufangen, annehmen, daß mein Hausherrlein und Brüderlein Walt vielleicht zu einem historischen Roman (den Titel ›Tölpeljahre eines Dichters‹ verschwör' ich nicht) zu verbrauchen ist, nämlich als Held, besonders da er eben in Liebes-Blüte und vollends gegen eine Häßlichkeit47 steht; wenn mich nicht der ganze neuliche Wechsel-Prozeß und sein heißes Verteidigen und Beschauen ihres Gesichts und Herzens zu sehr betrügt. Nur ist durchaus erforderlich, daß ich als der Beschreiber des Lebens ihn geschickt, wie eine herkulanische Bücherrolle, auseinanderwinde und dann kopiere. Ich seh' auch nicht ein, warum ich nicht überhaupt so gut einen göttlichen Roman schreiben sollte wie Billionen andere Leute. Mir selber ist Schriftstellerei so gleichgültig, Vult! Wie ich lebe, nicht um zu leben, sondern weil ich lebe, so schreib' ich bloß, Freund, weil ich schreibe. Worin soll denn das Ebenbild Gottes sonst bestehen, als daß man, so gut man kann, ein kleines Aseitätchen48 ist und – da schon Welten mehr als genug da sind – wenigstens sich Schöpfer täglich erschafft und genießt, wie ein Meßpriester den Hostiengott? – Was ist überhaupt Ruhm hienieden in Deutschland? Sobald ich mir nicht einen Namen machen kann, daß ich vom Niedrigsten bis zum Höchsten täglich genannt, gelobt und vor Begierde verschlungen werde – diesen Namen aber hat in Deutschland weiter niemand als Broihann, nämlich der erste Brauer des Broihanns –, so erhebe mich doch nie ein Journal, fleh' ich. Ebensogern als einer Vergrößerung durch dasselbe will ich einem Erzengel zu Gebote stehen, welcher mit einem mittelmäßigen Sonnen- und Weltenmikroskop auf dem Marktplatz der Stadt Gottes etwas verdienen will und daher, um andern neugierigen Markt-Engeln die Wunder Gottes und des Mikroskops zu zeigen, mich als die nächste Laus einfängt und auf[978] den Schieber setzt mit vergrößerten Gliedmaßen zum allgemeinen Bewundern und Ekeln.

Dies beiseite, so merk' ich noch für dich besonders an, liebes Wältlein, falls du der zweite Leser dieses Wochenbuchs würdest, wie dein Vult der erste ist – in welchem Falle du aber ein ausgemachter ausgebälgter Spitzbube wärest, der sein gestriges Wort bräche, nie in meine Papiere zu blicken –, ja ich setz es absichtlich zur Strafe der Lesung für dich her, was ich jetzt behaupten werde, daß ich nämlich dich echter zu lieben fürchte, als du mich liebst. Wäre dies gewiß: so ging' es schlimm. Sehr zu besorgen ist, mein' ich, daß du – ob du gleich sonst wahrlich so unschuldig bist wie ein Vieh – nur poetisch lieben kannst, und nicht irgendeinen Hans oder Kunz, sondern bei der größten Kälte gegen die besten Hänse und Künze, z.B. gegen Klothar, in ihnen nur schlecht abgeschmierte Heiligenbilder deiner innern Lebens- und Seelenbilder kniend verehrst. Ich will aber erst sehen.

Du wirst dich nicht erinnern, Wältchen, daß ich dir gestern oder heute morgen weisgemacht, daß ich nicht aus andern Gründen, sondern deinetwegen allein in deine Schweiß-, Dachs- und Windhunds-Hütte eingezogen bin. Folglich log ich nichts vor. Nur keine Lüge sage der Mensch, dieser Spitzbube von Haus aus! Fast alles ist gegen einen Geist eher erlaubt, weil er gegen alles sich wehren kann, nur keine Lüge, welche ihn, wie ein altrömischer Henker die unmannbare Jungfrau, in der Form der innigsten Vereinigung schänden und hinrichten will.

Schauest du also so sehr spitzbübisch und ehrvergessen in dieses Journal: so erfährst du hier nach dem vorigen Doppelpunkt, daß ich ein Narr bin und eine Närrin will, mit einem Wort, daß ich eben ein Fenster von dir – wie zu einer Hinrichtung Damiens' um vieles Geld – gemietet, bloß um aus dem Fenster mich selber hinzurichten, nämlich hinunterzusehen in den Neupeterschen Park, wenn Wina, in die ich mich vergafft habe, zufällig mit deiner Raphaela lustwandelt. Ich freue mich darauf, wie wir beide an unsern Fenstern stehen und hinabschmachten und lächerlich sein werden. Nichts ist komischer als ein Paar Paare Verliebter;[979] noch mehr wär' es ein ganzer rechter und ein linker Flügel, der seufzend einander gegenüber stände; – hingegen eine ganze Landsmannschaft von Freunden sähe nur desto edler aus.

Für jeden ist eine Frau freilich etwas anderes; für den einen Hausmannskost, für den Dichter Nachtigallenfutter, für den Maler ein Schauessen, für Walten Himmelsbrot und Liebes- und Abendmahl, für Weltmenschen ein indisches Vogelnest und eine pommersche Gänsebrust – kalte Küche für mich. Die Lungensucht, welche Liebende und die Wärter der Seidenraupen – jene wollen ja auch Seide dabei spinnen – davontragen, wird mich als Seladon eher verlassen als ergreifen, weil ich so lange die lungengefährliche Flöte einstecke, als ich auf den Knien liege und spreche. Ich bin dir aber wirklich sehr gut, Wina, zumal da deine Singstimme so kanonisch ist und so rein! – Aber ich will denn mein heutiges Tagebuch über den Bruder anheben...«


Nachtrag zu Nr. 56. Der fliegende Hering

Das Vorstehende war zur Testaments-Exekution abgeschickt, als ich es von derselben – dem trefflichen Kuhnold – mit diesem Briefe wieder bekam:


»Verehrtester Herr Legationsrat! Ich glaube nicht, daß die van der Kabelschen Erben das bloße Einheften der zugefertigten Dokumente, wie das Vultische Tagebuch ist, für eine hinlängliche Erfüllung der biographischen Bedingungen, unter welchen Ihnen das Naturalienkabinett testieret worden, nehmen werden. Und ich selber bin, gesteh' ich, mit den Vorteilen meines Geschmacks zu sehr dabei interessiert, als daß es mir gleichgültig sein sollte, Sie durch Vult verdrängt zu sehen. Ihr Feuer, Ihr Stil etc. etc. – – huldigen49. –[980]

Dazu steht noch vieles andere dagegen. Es kommen im Verfolge des Vultischen Tagebuchs – zumal im Februar, wo er in vollen Flammen tobt – Stellen vor, deren Zynismus schwerlich durch den Humor, weder vor dem poetischen noch sittlichen Richterstuhle, zu entschuldigen steht. Z.B. die am 4ten Februar, wo er sagt: ›das junge Leben als eine Sonne verschlingend verdauen und es als einen Mond kacken.‹ – Oder da, wo er dem dezenten Bruder, um ihn zu ärgern, erzählt, wie er, da er kein Wasser um sich gehabt, um es ins vertrocknete Dintenfaß zu gießen, sich doch so geholfen, daß er eintunken konnte, um sein Paket Briefe, seinen ›Briefbeutel‹, zu schreiben. Das zweite mag eher hingehen, daß er, wenn er mit vielen Oblaten Pakete gesiegelt und doch keine Siegelpresse und keine Zeit, sondern zu viele Arbeit gehabt, sich bloß eine Zeitlang darauf gesetzt, um andere Sachen zu machen unter dem Siegeln. Es sind überhaupt, Verehrtester, in unserer Biographie so manche Anstößigkeiten gegen den laufenden Geschmack – vom Titel an bis zu den Überschriften der meisten Kapitel –, daß man ihn wohl mehr zu versöhnen als zu erbittern suchen muß.

Noch einen Grund erlauben Sie mir, da er der letzte ist. Unsere Biographie soll doch, der Sache, der Kunst, der Schicklichkeit und dem Testamente gemäß, mehr zu einem historischen Roman als zu einem nackten Lebenslauf ausschlagen; so daß uns nichts Verdrüßlicheres begegnen könnte, als wenn man wirklich merkte, alles sei wahr. Werden wir aber dieses verhüten – verzeihen Sie mein unhöfliches Wir – wenn wir bloß die Namen verändern, nicht aber den Stil der Akteurs? Denn wird man uns nicht auf die Spur kommen schon durch Vults unverändert geliefertes Tagebuch allein, sobald man dessen Stil mit dem Stil des Hoppelpoppels (auch dieser Titel gehört unter die Gesamt-Rüge), den die Welt gedruckt in Händen hat und dessen Verfasser seit dem neulichen Artikel im Literarischen Anzeiger jeder kennt, zusammenzuhalten anfängt? O ich fürchte zu sehr. –

Aber alle diese Noten stören die Verehrung nicht, womit ich ewig etc.

Kuhnold«

*[981]


Ich antwortete folgendes:


»Ich fluche, aber ich folge. Denn was hälf' es, den Deutschen zuzumuten und das Beispiel zu geben, nur wenigstens auf dem Druckpapier – nicht einmal auf dem Reichsboden – so keck zu sein, als ihre Vorfahren im 16ten, 17ten Säkul auf beiden waren? Gedachte sagen, sie hofften seitdem von den Franzosen weiter gebracht zu sein. Unser Diamant der Freiheit ist aus unserem Ringe in einen Drachenkopf gekommen, wo er nicht eher glänzen kann, als bis wir im Drachenschwanze stehen.

Ich weiß nicht, ob ich mich dunkel erkläre, hoff' es aber.

Trefflichster! der Humorist hat zwar einen närrischen, widerlichen Berghabit zum Einfahren in seine Stollen; – er verleibt sich zwar nach Vermögen alle Aus- und Miß-Wüchse der Menschheit ein, um das Beispiel der Mißgeburten zu befolgen und zu geben, die in vorigen Jahrhunderten bloß darum mit fleischernen Fontangen, Manschetten und Pluderhosen geboren wurden, um damit der Welt, wie die Strafprediger errieten, ihre angezogenen vorzuwerfen – und hiemit wäre Vult entschuldigt-; aber wie gedacht, ich folge und schlage nichts ein als den alten aristotelischen Mittelsteig, der hier darin besteht, daß ich weder erzähle noch erdichte, sondern dichte; und wenn Scaliger in einem Werkchen von 8 Bogen über seine Familie imstande war, vierhundertundneunundneunzig Verfälschungen anzubringen, wie Scioppius gut erwiesen50: so dürfte in einem Werkchen von ebenso vielen Bänden die Doppelzahl davon ebenso leicht als nützlich ausfallen.

Vor dem Erraten der wahren Namen unserer Geschichte dürfen wir, Hr. Bürgermeister, uns nicht ängstigen, da bisher für keine von allen Städten, die ich in meinen vielen Romanen abkonterfeiet habe, der Büschingische Name ausgespähet wurde, ungeachtet ich in einigen davon selber wohnte, sogar z.B. in Haelwebeemcebe und Efgeerenengeha.

Indes ersuch' ich die Testaments-Exekution, daß mir doch Vults Einleitung zu seinem Tagebuch samt unserem Briefwechsel[982] darüber in den fliegenden Hering (Nr. 56) einzunehmen zugelassen werde, weil Sachen dadurch vorbereitet werden, die ohne das Tagebuch kein Mensch motivieren kann, nämlich Vults schnelles Einziehen und Verlieben. Wahrlich Sie, verehrlicher Stadtrat, sind glücklich und erfahren nichts von den Vater- und Mutterbeschwerungen erträglicher Autoren. Sie als Menschen stehen sämtlich unter dem herrlichen Satze des Grundes, und der Freiheit dazu, und alles, was Sie nur machen oder sehen, bekommen Sie sogleich schon motiviert – – Aber Dichter haben oft die größten Wirkungen recht gut fertig vor sich liegen, können aber mit allem Herumlaufen keine Ursachen dazu auftreiben, keine Väter zu den Jungfernkindern. Wie ihnen dann Kritiker mitspielen, die weniger mit als von kritischem Schweiße – der hier die Krankheit, nicht die Krisis ist – ihr Brot verdienen, wissen der Himmel und ich am besten.

Der ich verharre etc. etc.

J. P. F. R.«

*

Meiner Bitte wurde, wie man sieht, willfahren.

47

Gegen Raphaela, glaubt er.

48

aseitas, seine eigne Ursache sein.

49

Die Bescheidenheit erlaubt nicht, Lobsprüche stehen zu lassen, die, wie leicht zu erraten, den Gegenstand zu einem literarischen Pair ausrufen und die desto größer und folglich desto unverdienter sind, je feiner, gebildeter und aufrichtiger der Geschmack des Hrn. Bürgermeisters bekanntlich ist.

50

Mencken de Charl. erud. ed. IV.

Quelle:
Jean Paul: Werke. Band 2, München 1959–1963, S. 975-983.
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