Nr. 60. Scherschwänzel

[1024] Schlittschuh-Fahrt


Der nächste Tag des Notars war aus 24 Morgenstunden gemacht, weil er Über das Geburtstagslied für Wina nachsann. Der zweite bestand aus ebenso vielen Mittagsstunden, weil er es ausführte. Es war, als müßt' er sich selber verklären, um Winas heiliges Herz auf seine Zunge zu nehmen; als müßt' er in Liebe zerrinnen, um ihre Liebe gegen die Freundin in seiner Seele wie ein zweiter Regenbogen neben dem ersten nachzuglänzen. Da die Liebe so gern im fremden Herzen lebt: so wird sie noch zärter, wenn sie in diesem wieder für ein drittes zu leben hat, wie das zweite Echo leise Über die Milde des ersten siegt. – Dies alles aber war nur leichtes Säen im Frühling, wo lauter neue Sänger am Himmel flogen; aber am zweiten Tage fiel die heiße Ernte ein Walt mußte um die ätherischen Träume die feste Form des Wachens legen, nämlich nicht nur die neue metrischer Verhältnisse, sondern auch musikalischer, weil Vult oft den besten Gedanken weder sing- noch blasfähig fand. So muß sogar der Geist des Geistes, das Gedicht, aus seinem freien Himmel in einen Erdenleib, in eine enge Flügel-Scheide ziehen.


Vult hingegen hatte leicht Gesang und Begleitung gesetzt; denn im unermeßlichen Äther der Tonkunst kann alles fliegen und kreisen, die schwerste Erde, das leichteste Licht, ohne zu begegnen und anzustoßen.

Da Walt bekanntlich das Gedicht in seinem Roman ganz abdrucken lassen, nur mit wenigen, aber unwesentlichen Abänderungen in den Stellen: »Wach auf, Geliebte, der Morgen schimmert, dein Jahr geht auf« – dann: »Schläferin, hörst du nicht die Liebe rufen, und träumst du, wer dich liebt?« – und endlich: »Dein Jahr sei dir ein Lenz und dein Herz im langen Mai die Blume« – so setz' ich die Verse als allgemein bekannt voraus.

Jetzt war bloß die Schwierigkeit, Winen Musik und Text zuzuspielen. Walt schlug mehrere ausführbare Mittel und Wege dazu vor, die sehr dumm waren, Vult schlug aber jedes aus, weil man[1024] beim Treibjagen der Mädchen, sagt' er, nichts zu tun habe als ruhig zu stehen auf dem Anstand schußfertig, um sogleich abzubrennen, wenn sie das Wild vortreiben.

Indes wurde nichts gebracht; Wina verstand von den weiblichen Vermittlers- und Dietrichs-Künsten soviel als Walt. Endlich erschien eine helle Dezember-Dämmerung im Park, wo der lange See (es war ein schmaler Teich) mit dem Besen von Schnee gesäubert wurde, und wo später, da der Mond scharf jeden dürren Schatten-Baumschlag auf den weißen Grund abriß, nicht nur die drei Ursachen davon verschwanden in die nahe Rotonda – ein schönes Rindenhaus, das dem römischen Pantheon auffallend ähnlich war in der Öffnung nach oben –, sondern auch sogleich einander wieder herausführten aufs See-Eis, weil die drei sämtlich Schlittschuhe darin angeschnallet hatten, Wina sowohl als Raphaela und Engelberta.

»Göttlich«, rief Walt, als er fahren sah, »fliegen die Gestalten wie Welten durcheinander, umeinander; welche Schwung- und Schlangenlinien!« Eben machte Engelberta, beide Arme malerisch aufgehoben, hernickende Fingerwinke. »Lauf mit deinem Musikblatt und sei drunten ein Mensch!« sagte Vult zu Walt. »Sie wollen uns beim Teufel.« – »Unmöglich«, versetzte Walt, »betrachte doch die Dämmerung und die Zärte!« – »Für ein Paar Stiefel hat doch der See noch Platz?« fragte Vult hinab und flatterte drei Treppen hinunter, um einen Ladendiener ohne weiteres zum Nachtragen von ein Paar Schlittschuhen zu kommandieren, die er voraussetzte.

Walt steckte das heilige Blatt voll Ton- und Dichtkunst an einen Ort, den er für schicklicher als die Rocktasche ansah, nämlich an dessen Geburtsort' d.h. unter die Weste ans Herz. Drunten am See-Teich ließ er an seinem langen Bückling die drei Danksagerinnen vorübergleiten und teilend losen, weil er nicht offenbaren konnte, wieviel er jeder vom Rückenbogen abschneide.

Aber welche entwickelnde Lebenskraft war mit Vulten aufs Eis gefahren, und wie schwebte der Geist über dem Wasser, das gefroren war! – Zuerst bald Winas Bart-, bald ihr Wandelstern,[1025] bald ihre gerade schießende Sternschnuppe zu sein, damit fing er an – sie Schachkönigin zu decken gegen jede Königin, es sei als Läufer, als Springer oder Turm – als Amors Pfeil zu fliegen, so oft sie Amors Bogen war – es nicht zu leiden, wenn sie kühner fliegen wollte als er, sondern sie so lange zu überbieten, bis er selber überboten wurde und dann leichter den Wettflug mit einem Doppelsiege schloß – dies war die Kunst, womit seine schöne, von der Welt erzogne Gestalt ihren Wert entwickelte in leichter Haltung und Wechslung.

Walt war am Ufer als Strandläufer außer sich vor Lust und warf laut den schönen Tanz- und Schweb-Linien Kränze von Gewicht in so richtigen Kunstwörtern zu, daß man hätte schwören sollen, er tanze. Er sprach noch vernehmlich von drei Grazien; – »welche noch dazu«, versetzte Vult, »wenn nicht um die Venus, doch um deren Mann tanzen; und was fehlt denn uns, Herr Harnisch, zu drei Weisen als die Zahl?« – Nur mußte Walt unter dem Bewundern beklagen, nämlich sich und sein Strandlaufen; denn auf dem Eise wäre er nicht viel leichter zu drehen gewesen als ein Kriegsschiff. Vielleicht wird der Druck einer niedrigen Abstammung nie schmerzlicher empfunden als in den geselligen Festen, zu welchen die dürftige Erziehung nicht mit den Künsten der Freude ausrüstete, wie Tanz, Gesang, Reiten, Spiel, französisches Sprechen sind.

Gegen Raphaela war Vult der artigste Mann, den es auf dem Teiche gab, sagte ihr Höflichkeiten über ihre für diesen Tanz gemachte Gestalt – welche ihm und ihr leicht zu glauben waren, weil sie wirklich einige Zolle über Wina hinaus maß – und schnitt oder fuhr sogar ihr Namens-R mit den Schuhen in die Eisrinde wie in eine Baumrinde ein.

Sie nahm indes sein höfliches Übermaß ohne eignes auf; vielleicht weil das seinige den Scherz nicht genug verbarg und weil sie als eifersüchtige Freundin Winas unwillig die Hand sah, die er so offen nach dieser ausstreckte. Er überhüpfte oder überfuhr es. Zu Engelberta sagt' er: »Wir wollen Geliebtens spielen.« – »Auf dem Eise bin ich dabei«, erwiderte sie; und so neckten beide sich leicht und rasch mit ihrem Rollen-Schein, er mit edel- und weltmännischer[1026] Keckheit, sie mit kaufmännischer weiblicher. »Wüßte man nur«, schien sie zu denken, »ob er mehr ein seltsamer Haberecht wäre als ein närrischer Habenichts: dann wäre mehr zu tun.«

Fünfmal hatte schon Walt an sein Musikblatt gedacht, um es einzuhändigen, und es viermal vergessen, wenn Wina wie seine ganze Zukunft um sein Ufer flog oder gar ihn mit einem Blumenblicke bewarf, dem er zu lange nachträumte. Endlich sagte er der Eisfahrerin: »Zwei Ja sind neben Ihnen.« – »Ich verstand sie nicht ganz«, sagte sie lächelnd wiederkommend und entglitt. Er ging ihr am Ufer ein wenig entgegen aufs Eis: »Ihr Wunsch wurde auch der fremde«, sagte er. »Wie ists mit der Flötenmusik?« fragte sie fliehend. »Ich trage Musik und Text bei mir, aber nicht bloß am Herzen«, antwortete er, als sie wieder herfuhr. »Wie herrlich!« sagte sie umwendend und glänzte vor Freude.

Vult flog wie eifersüchtig fragend her: »Hat sie das Blatt?« – »Sehr hingedeutet hab' ich dreimal«, versetzte Walt, »aber wie natürlich fährt sie nicht unweiblich vor mir aus und steht.« Jener zog seine Flöte öffentlich vor und sagte laut, daß der ganze Teich es hörte: »Hr. Harnisch, Sie haben vorhin mein Musikblatt eingesteckt? Jetzt blas' ich.« Dieser reichte es (seinem Blicke mehr als seinem Worte) zu. Wina kam herbei. »Können Sie«, sagte Vult laut zu ihr, es übergebend, »im Mondschein noch lesen, was ich abspiele?« Das trauende Mädchen sah ihn lieblich an und ernsthaft ins Blatt hinein, da er zu flöten anhob. Am Härchen des Zufalls hing nun der ganze Neujahrs-Morgen herab, zwar kein Schwert, aber eine blumige Krone. Gleichwohl tobt und jauchzet der Mensch wechselnd über dasselbe Härchen, bloß weil es zur einen Zeit ein Schwert, zur andern ein Diadem über seinem Kopfe hält und auf diesen fallen läßt.

Wina las lange auf dem Blatt Noten nach, die er gar nicht blies, bis sie endlich Vults End-Absichten merkte und erfüllte. Wie flog sie dann der Flöte nach, um mit Blicken zu danken – und Walts Stand-Ufer vorüber, um ihn anzuschauen – und freudig über die kalte Fläche, weil ihre freundschaftlichen Wünsche so schön begünstigt waren und dieser Nacht nichts mehr fehlte als die erste des künftigen Jahrs. Welche erfreuete Blicke warf sie[1027] auf ihre Freundin und zum Sternenhimmel! Dazu ging nun die umherirrende Flöte, die wie mit einem Springstabe den Notar vom Eis der Erde ans Empyreums-Eis des Himmels aufhob. Alles war zwar selig, Vult besonders, Walt aber am meisten. »Ach wolltest du mir nicht«, sagte Vult herfahrend mit vergnügtem Gesicht, »ein paar Doppel-Louis vorstrecken nur auf zwei Stunden, armer Wicht?« – »Ich?« fragte Walt. Aber jener fuhr und blies fröhlich weiter, um als Chorführer mit Sphärenmusiken den himmlischen Körpern auf dem Eise vor- und nachzuschweben. Wenn die Tonkunst, welche schon in die gemeine feste Welt gewaltsam ihre poetische einschiebt, vollends eine offne bewegte findet: so wird darin statt des Erdbebens ein Himmelbeben entstehen, und der Mensch wird sein wie Walt, der das Ufer mit stillen Dankgebeten und lautem Freudenrufen umlief und seine Herzens-Welt, sooft die Flöte sie ausgesprochen, immer von neuem und verklärter erschuf. Er sammelte alle fremde Freuden wie warme Strahlen in seiner stillgehaltenen Seele zum Brennpunkte. Den mit Sternen weißblühenden Himmel ließ er ins kleine Nachtigallenspiel herabhängen, und der Mond mußte seinen Heiligenschein mit Winas Gestalt zusammenweben. »Dieser Mond«, sagt' er sich, »wird in der Nachmitternacht des Neujahrs fast wieder so am Himmel stehen, und ich werde nicht nur die Flöte und meine Gedanken, auch ihre Stimme hören. – Die Sterne des Morgens werden blinken – und ich werde erst unter dieser künftigen Musik denken: So groß hätt' ich mir die Wonne am frohen Abend der Eisfahrt nie gedacht.«

Jetzt trat er immer weiter in den Teich hinein oder stach weiter in die See oder ins Eismeer, um der Geliebten näher zu begegnen. Da sie ihn nun ein paarmal nahe umkreisete und seine Freudenblumen den höchsten Schuß taten und mit breiten Blättern wogten, mähte sie Zablockis Bedienter mit der Nachricht ab: der Wagen sei da. Der stolze Lakai erinnerte ihn wunderbar an Winas Stand und an seine Kühnheit.

Nach der Flucht der drei nahm ihn Vult am Arme aufs Eis hinein und sagte: »Jede Lust ist eine Selbstmörderin, und damit gut. Aber gibt es denn ein kahleres Paar arme Häute als ich und[1028] du, sämtlich? Denn wenn es ein Lumpen-Hündchen-Paar gibt, das drei durstige Engel den ganzen Abend trocken auf dem Wasser herumfahren lässet, weil es nicht so viel in der Tasche oder droben in der Stube zusammenbringen kann, um den Engeln nur die kleinste Erfrischung vorzusetzen, das wenige Kommiß-Eis ausgenommen, worauf sie fuhren –: so ist wahrlich das Paar niemand als wir. – Ach waren wir denn imstande, wenn sie schlechtes Wetter und kein Fuhrwerk hatten, nur eine Halbchaise anzuspannen und einen Floh dazu anzuschirren, wie einmal ein Künstler in Paris eine samt Passagieren und Postillon so fein ausgearbeitet hatte, daß ein einziger Floh alles zog? – Sonst war der Abend hübsch.«

»O wahrlich! Freilich; – aber gewiß so wenig als ich diesen Abend an leibliche Genüsse dachte, so wenig vielleicht die guten Wesen! Die Frau hat einen Schmerz, eine Freude; der Mann hat Schmerzen, Freuden. Sieh nach, dies trifft schön mit den Worten auf der Tafel, die dort an der Eiche hängt.« –

»Eine Linde ists«, sagte Vult. »So kenn' ich«, versetzte Walt, »immer die Gewächse nur in Büchern. – Darauf steht: ›Die schöne weibliche Seele sucht, wie die Biene, nichts als Blüte und Blume; aber die rohe sucht, wie die Wespe, nur Früchte.‹«...

»Ja sogar Ochsenleber, wie die Fleischer wissen.« – »O, alle«, fuhr Walt fort, »waren heute so froh, und besonders über dich! Nun ich sage dirs offen, habe ich dich je als freien, gewandten, kühnen, alles schlichtenden Weltmann erkannt, so wars heute«, sagte Walt und hob besonders sein Benehmen gegen Raphaela heraus. Vult bedankte sich mit einem – Spaße über sie. Es war der, daß Weiber den Augen glichen, die so zart, rein und für Stäubchen empfindlich wären, und denen doch Metallsafran, Cayennepfeffer, Vitriolspiritus und andere angreifende Ätzmittel als Heilung dienen. Von Zeit zu Zeit ließ er einen mäßigen Scherz gegen Raphaela los, um den Bruder von einer verdrüßlichen Eröffnung seiner Liebe zurückzuschrecken.

Allmählich sanken beide sanft und tief in die Stille ihres Glücks. Von der schimmernden Gegenwart war ihnen nichts geblieben als oben der Himmel und unten das Herz. Der Flötenspieler maß[1029] seinen Weg zu Winas Ich zurück und fand sich schon auf halbem – Ihr Danken, ihr Blicken, ihr Nähern, Raphaelens Meiden langte zu, ihm für die Neujahrsnacht, wo er alles durch einen Zauberschlag entscheiden wollte, die schönste Hoffnung zu lassen, und doch noch größere Sehnsucht. Aber gerade diese war ihm fast lieber und seltner als jene; er dankte Gott, wenn er sich nach irgend etwas unbeschreiblich sehnte, so sehr mußte er sich nach Sehnen sehnen. Aber die Entbehrungen und Schmerzen der Liebe sind eben selber Erfüllungen und Freuden und geben Trost und brauchen keinen, so wie die Sonnenwolken eben das Leuchten der Sonne erzeugen und die Erdenwolken vertreiben.

Nur auf Walt, dessen dichterische Nachtigallen in seinem warmen Duft-Eden betäubend schlugen, machten die göttlichen Sterne und ein glücklicher Bruder zu starken Eindruck; er dürfe, schwur er vor sich, dem aufgeschloßnen Freunde gerade die heiligste Herzens-Stätte, wo Winas Denkmal in Gestalt einer einzigen Himmelsblume stand, nicht länger verdecken und umlauben. Daher schickte er ohne weiteres Hand-Drucke und Augen-Blicke als Vorspiele der schamhaften Beichte seiner kühnsten Sehnsucht voraus, um ihn zu fragen und vorzubereiten; dann fing er an: »Sollte der Mensch nicht so offen sein als der Himmel über ihm, wenn dieser gerade alles Kleinliche verkleinert und alles Große vergrößert?« – »Mich vergrößert er wenig«, versetzte Vult. »Laß' uns aber im Schatten gehen; sonst muß ich alles vorbeigehend lesen, was da von Empfindungen an die Bäume genagelt ist. Denn so sehr mir Raphaela seit näherer Bekanntschaft in einem andern Lichte erscheinen muß als sonst, so hasse ich doch das gewaltsame Herauskehren und Umstülpen des Innern zum Äußern noch fort, als sei man eine kehrbare Tierpflanze. Wenn ein Mädchen anfängt: ›eine schöne weibliche Seele‹: so lauf' ich gern davon; denn sie besieht sich mit. – Herzen hat ohnehin jedes so viele aufzumachen und zu verschenken als ein Fürst Dosen, und beide enthalten das Bildnis des Gebers, nicht des Empfängers. Überhaupt! – Und so fort! – Aber ich berufe mich auf dich selber, ob du wohl bei deiner und unserer Delikatesse fähig wärest, von deinen heiligern Herzens-Gegenden, vom innersten und heißesten[1030] Afrika, alles bekannt zu machen und Landkarten davon zu stechen. Ein anderes, Bruder, sind Spitzbübereien der Liebe bloße schlimme Streiche – Wiegenfeste des alten Adams – alles dieses dergleichen wilde Fleisch am Herzen, oder, möcht' ich mit den Ärzten sprechen, solche Extravasata, oder mit den Kanonisten, solche Extravagantia, kurz deine starken Ausschweifungen kannst du mir, ob ich sie dir gleich kaum zugetrauet hätte, ohne Schaden entblößen. Verliebte Liebe hingegen – bedenke dies wenigstens für künftige Fälle. Denn der vortreffliche Mann, dem du etwa deine Flamme und deren Gegenstand bekanntgemacht, weiß nicht recht, da er doch an deinen frohen Empfindungen den frohesten Anteil nehmen will, wie er die Person zu behandeln habe – Ob ganz wie du? Aber dann fehlte gar der Unterschied, und du knurrtest wohl am Ende. – Oder ob ganz matt und hochachtend? Dann wirst du gequält und gedrängt, daß er dir mit seinen gipsernen Augen in deine naß-brennenden sieht. Der vortreffliche Mann schluckt jedes Wort zurück, das nicht wie ein Wunderungs-O über sie aussieht, dieser schöne Selbstlauter, der im Munde ebensogut den Kreis als die Nulle nachspielt. – Ihr beide oder ihr drei sitzt immer befangen nebeneinander. Der Mann schämt sich vor dem Mann stets mehr der Liebe als der Ehe; denn in der Ehe finden ein paar Freunde schon eher etwas zum Sympathisieren, z.B. Wechsel-Jammern über ihre Weiber usw.«

Walt schwieg, legte sich ins Bett und in die Träume hinein und tat die Augen zu, um alles zu sehen, was ihn beglückte.

Quelle:
Jean Paul: Werke. Band 2, München 1959–1963, S. 1024-1031.
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