146. Zykel

[823] Albano fand in der Verklärung, worin der Himmel ihm nur der Vergrößerungsspiegel einer schimmernden Erde war und die Vergangenheit nur das Vater-und Mutterland heiliger Eltern, in diesem Seelenglanz fand er das Erziehungshaus, worein er trat, festlich und als einen Tempel und alles Gemeine und Schwere geläutert oder nur nachgespielt auf einer Bühne. Seine Mutter Albine und die Schwester Rabette kamen mit ihren freudigen Mienen als höhere Menschen an sein bewegtes Herz. Sie wichen eilig zurück, Julienne flog die Treppe herab und küßte den Bruder zum erstenmal öffentlich, in einer schweigenden Vermischung von Lust und Weh. Als sie ihn losließ, fing aus der Nacht im Kirchturm das Geläute als Zeichen an, daß der tote Bruder in die Kirche einziehe; da stürzte sie wieder auf Albano zurück und weinte unendlich. Sie ging mit ihm hinauf, ohne zu sagen, wen er droben neben dem Pflegevater finde. Eine alte Flötenuhr, deren mühsames Spiel von jeher seltenen Gästen dargeboten wurde, quoll ihm, als er die Türe öffnete, mit den Nachklängen der Kindertage entgegen.

Eine weibliche lange schwarzgekleidete Gestalt mit einem seitwärts herabgehenden Schleier, welche mit seinem Pflegevater sprach, wandte sich um nach ihm, da er eintrat. Es war Idoine, aber der alte Zauberschein fuhr wieder über seine heute so bewegte Seele, als wenn es Liane aus dem Himmel sei, mit Unsterblichkeit gerüstet, auf überirdische Kräfte stolzer und kühner, nichts von der vorigen Erde mehr tragend als die Güte und den Reiz. Beide fanden sich mit gegenseitigem Erstaunen hier wieder. Julienne sah – ihrer kleinen Verhehlungen und Anstalten sich bewußt – ein rotes Wölkchen des Unwillens über Idoinens mildes Gesicht fliegen; es war aber bald unter dem Horizont, sobald Idoine es bemerkte, daß die Schwester unter dem Leichengeläute des Bruders die Tränen nicht bezwingen konnte, und sie ging ihr freundlich entgegen, ihre Hand aufsuchend. Idoine hatte, durch ihre Strenge leicht zum launischen Zürnen, diesem kleinen Kriege des Zorns, geneigt, sich durch scharfe lange Übung von [824] diesem feinsten, aber stärksten Gift des Seelenglückes freigemacht, bis sie zuletzt an ihrem Himmel stand als ein reiner, lichter Mond ohne einen Regen- und Wolkenkreis der Erde.

Albano, dem die Erde, mit Vergangenheit und Toten gefüllt, eine Luftkugel geworden war, die in dem Äther ging, fühlte sich frei zwischen seinen Sternen und ohne irdisches Bangen; er nahete sich Idoinen – obwohl bei dem Bewußtsein der kämpfenden Verhältnisse ihres und seines Hauses – mit heiligem Mute: »Ihr letzter Wunsch im letzten Garten« (sagt' er) »wurde vom Himmel gehört.« – Mit jungfräulich-entschiednem Sinn ging sie durch die Wildnis, worin sie bald Blumen, bald Dornen auseinanderzubeugen hatte, um weder verlegen noch verletzt zu werden; sie antwortete ihm: »Ich freue mich von Herzen, daß Sie Ihre treue Schwester auf immer gefunden haben.« Wehrfritz war über die Freimütigkeit, womit sie die Wahrheit redlich wider alle Familien-Verhältnisse sprach, ebenso erfreuet als verwundert. »So muß man immer auf der Erde viel verlieren,« (erwiderte ihr Albano) »um viel zu gewinnen« und wandte sich an seine Schwester, als woll' er dadurch diesem Worte einen vieldeutigern Sinn verwehren.

Das Totengeläute dauerte fort. Die seltsame, frohe und trübe Vermischung der irdischen Schicksale gab allen eine feierliche und freie Stimmung. Albine und Rabette kamen herauf, festlich-dunkel gekleidet zum Gange in die Begräbniskirche. Julienne teilte sich zwischen zwei Brüder, und nie hob sich ihr Herz romantischer auf? das zugleich in Tränen und in Flammen stand. Sie er riet, wie über ihren Bruder Albano ihre Freundin Idoine denke, an der sie eine festere Stimme kannte, als die heutige war, und deren süße Verwirrung ihr am leichtesten aus dem kurzen Berichte klar wurde, den ihr die offne Seele von dem Wiedersehen Albanos in Lianens Garten gemacht; auch das kleine jungfräuliche Zurückzittern ihres heutigen Stolzes, da sie sich hier überall für eine auferstandene Liane, diese Geliebte des Jünglings, verlegen mußte gehalten finden, machte Juliennen nicht irrer, sondern gewisser.

»An einem schönen Abend« (sagte Albano zu Idoinen) »sah ich einst in Ihr schönes Arkadien herab, aber ich war nicht in Arkadien.«[825] – »Der Name« (versetzte sie und senkte wieder die klaren Augen bezogen zur Erde) »ist auch bloß Scherz; eigentlich ists eine Alpe und doch nur mit Sennenhütten in einem Tale.« Sie hob die großen Augen nicht wieder auf, als Julienne schweigend ihre Hand nahm und sie fortzog, weil jetzt das Leichengeläute mit traurigen einzelnen Stößen ausklang, als Zeichen, daß die Totenfeier angehe, deren Teilnahme Julienne ihrem schwesterlichen Herzen unmöglich abdingen ließ. »Wir gehen in die Kirche«, sagte Idoine zur Gesellschaft. »Wir wohl alle«, versetzte Wehrfritz schnell. Als die beiden Mädchen an Albano vorübergingen, bemerkte er zum erstenmal an Idoinen drei kleine Blatternarben, gleichsam als Erden- und Lebens-Spuren, die sie zu einer Sterblichen machten. Er blickte der hohen edeln Gestalt mit dem langen wehenden Schleier nach, welche neben seiner Schwester ebenso majestätisch, nur zärter gebauet erschien als Linda, und deren heiliger Gang eine Priesterin verkündigte, die in Tempeln vor Göttern zu wandeln gewohnt gewesen.

Kaum waren beide verschwunden, als die alten Bekannten Albanos, zumal die Weiber, denen Juliennens Gegenwart immer Albanos Stammbaum nahe gehalten, mit allen Zeichen der lang zurückgedrängten Herzlichkeit, voll Wünsche, Freuden und Tränen auf sein Herz eindrangen. »Bleibt meine Eltern!« sagte Albano. »Bravheit ist alles auf der Erde«, sagte der Direktor. – »Ich tat das Meinige wie eine Mutter,« (sagte Albine)»aber wer konnte las wissen?« – Rabette sagte nichts, ihre Freude und Liebe waren überschwenglich wie ihre Erinnerung. »Meine Schwester Rabette« (sagte Albano) »hat mir, als ich das erstemal nach Italien ging, die Worte auf eine Börse gestickt mitgegeben: Gedenke unserer – Diese werd' ich euch allen in jedem Schicksal erfüllen« – und hier dacht' er, obwohl zu verschämt-bescheiden, um es zu sagen, an das, was er etwan als Fürst für seinen Pflegevater tun könnte, worunter die Zurückgabe von dessen heimfallenden Männer-Lehn zuerst gehörte. »So wird uns denn manches zeitherige Herzeleid –«, fing Albine an. – »O was Herze, was Leid,« (sagte Wehrfritz) »heute wird alles richtig und glatt.« Aber Rabette verstand die Mutter sehr wohl.

[826] Alle begaben sich auf den Weg zum Trauer-Tempel. Sie hörten aus der Kirche die Musik des Liedes: »Wie sie so sanft ruhn«; in einiger Ferne versuchten sich Waldhörner zu frohern Tönen. Rabette drückte Albanos Hand und sagte sehr leise: »Es ist gut mit mir geworden, weil ich alles erfahren habe.« Sie hatte dem unglücklichen Roquairol, seitdem er ein vielfaches Glück und sich selber ermordet hatte, ihre ganze Liebe ins Grab zum Verwesen nachgeworfen, ohne eine Träne dazuzutun. Sie sprang auf Idoinens Güte über, auf ihre Ähnlichkeit, »mit deren Erwähnung der Vater den Engel heute rot gemacht«, und auf ihr schönes Trösten Juliennens, die vor Albanos Ankunft unaufhörlich geweint. Albine lobte mehr Juliennen wegen ihrer Geschwister-Liebe. Rabette schwieg über diese; beide waren schwesterliche Nebenbuhlerinnen; auch hatte Julienne sie als Schlachtopfer des von ihr verachteten Roquairols nach ihrem scharfen unerbittlichen System sehr kalt angesehen, indes Idoine, welche, durch ihre größere Kenntnis der Menschen, Milde gegen die weiblichen Irrtümer des Herzens und Augenblicks mit Strenge gegen Männer verbinden lernen, nur sanft und gerecht gewesen war.

Als sie in die Kirche voll Trauerlampen traten: schlich sich Albano in eine unbeleuchtete Ecke weg, um nicht zu stören und gestört zu werden. Am hellen Altare stand heiter der ehrwürdige Spener mit dem unbedeckten Haupt voll Silberlocken, der lange Sarg des Bruders stand vor dem Altare zwischen Lichter-Linien. Am Gewölbe der Kirche hing Nacht, und die Gestalten verloren sich in das Dunkel, unten durchkreuzten sich Strahlen und Schlagschatten und Menschen. Albano sah wie eine Todespforte die eiserne Gittertüre des Erbbegräbnisses aufgetan, worein seine frommen Eltern gezogen waren; und ihm war, als schreite noch einmal Schoppens brausender Geist hinein, um in das letzte Haus des Menschen einzubrechen. Der Bruder rührte ihn nur wenig, aber die Nachbarschaft der stillen Eltern, die so lang für ihn ge sorgt und denen er nie gedankt, und die unaufhörlichen Tränen der Schwester, die er in der Empor über der Todespforte sah, er griffen heftig sein Herz, aus welchem die tiefen ewigen Trauer töne die Tränen, gleichsam das warme Blut der Trauer und Liebe[827] sogen. Er sah Idoine mit ihrer halb roten, halb weißen Lankaster-Rose auf der schwarzen Seide neben der Schwester stehen, sich gegen manchen vergleichenden Blick den Schleier über die Augen ziehend – Hier neben solchen Altarlichtern hatte einst die bedrängte Liane unter dem Abschwören der Liebe gekniet – das ganze Sternbild seiner glänzenden Vergangenheit, seiner hohen Menschen war hinunter unter den Horizont, und nur ein heller Stern davon stand noch schimmernd über der Erde, Idoine.

Da erblickte den Jüngling sein Freund Dian und eilte herzu. Ohne viele Rücksichten umarmte ihn der Grieche und sagte: »Heil, Heil der schönen Veränderung! Dort steht meine Chariton, auch sie möchte nach ihrer Sprache222 grüßen.« – Aber Chariton blickte unaufhörlich Idoinen wegen ihrer Ähnlichkeiten an. »Nun, mein guter Dian, ich habe manches Herz und Glück dafür hin gezahlt, und mich wundert es, daß dich mir das Geschick gelassen«, sagte Albano. – Darauf fragt' er ihn als den Baumeister der Kirche nach der Beschaffenheit des Erbbegräbnisses, weil er nachher sich wolle die Asche seiner Eltern aufdecken lassen, um wenigstens stumm und dankend hinzuknien. »Davon« (sagte Dian betroffen) »weiß ich sehr wenig; aber ein grausamer Vorsatz ists, und wozu soll er führen?«

Die Musik hörte auf, Spener fing leise seine Rede an. Er sprach aber nicht von dem Fürsten zu seinen Füßen, auch nicht von seinen Geliebten in der Erbgruft, sondern von dem rechten Leben, das keinen Tod kenne und das erst der Mensch in sich erzeuge. Er sagte, daß er, obwohl ein alter Mann, weder zu sterben noch zu leben wünsche, weil man schon hier bei Gott sein könne, sobald man nur Gott in sich habe – und daß wir müßten unsere heiligsten Wünsche wie Sonnenblumen ohne Gram verwelken sehen können, weil doch die hohe Sonne fortstrahle, die ewig neue ziehe und pflege – und daß ein Mensch sich nicht sowohl auf die Ewigkeit zubereiten als die Ewigkeit in sich pflanzen müsse, welche still sei, rein, licht, tief und alles.

Für manche Menschen-Brust in der Kirche wurde durch die Rede der Vergangenheit die Giftspitze abgebrochen. Auf Albanos [828] steigendes Meer hatte sie glattes Öl gegossen, und um sein Leben wurd' es eben und glänzend. Juliennens Augen waren trocken und voll heitern Lichtes geworden; und Idoinens ihre hatten sich schimmernd gefüllet, weil heute ihr Herz zu oft in Bewegung gekommen war, um nicht in der süßen, andächtigen und erhebenden zu weinen. Einmal war Albano, da er zu ihr blickte, als glänze sie überirdisch, und wie auf eine Luna die Sonne unter der Erde, strahle Liane aus der andern Welt auf ihr Angesicht und schmücke das Ebenbild mit einer Heiligkeit jenseits der Erde.

Nach dem Schlusse der Rede ging Albano ruhig zu beiden Freundinnen, drückte seiner Schwester die Hand und bat sie, nicht das Ende der dunkeln Feier abzuwarten. Sie war getröstet und willig. Da sie aus der Kirche traten, war ein wunderbarer heller Mondschein auf der Erde verbreitet wie ein süßes Morgen licht der höhern Welt. Julienne bat sie, statt zwischen die Mauern, die Kerker der Augen und Worte, und unter das Getümmel hin einzugehen, lieber vorher die hellen stillen Gegenden zu schauen. Alle trugen in ihrer Brust die heilige Welt des heitern Greises in die schöne Nacht hinaus. – Kein Wölkchen, kein Lüftchen regte sich am weiten Himmel, die Sterne regierten allein, die Erdenfernen verloren sich in weiße Schatten, und alle Berge standen im silbernen Feuer des Mondes. »O wie lieb' ich Ihren heitern heiligen Greis« (sagte Idoine zu Albano und hatte schon oft Juliennens Hand gedrückt) – »Wie gut ist mir! – Ach das Leben wird wie das Meerwasser nicht eher ganz süß, als bis es gen Himmel steigt.« – Plötzlich kamen zu ihnen ferne Waldhorntöne heraus, welche gutmeinende Landleute vor Albanos Erziehungshause als Grüße brachten. »Wie kommts,« (sagte Julienne) »daß im Freien und nachts auch die unbedeutendste Musik gefällig und rührend wird?« – »Vielleicht weil unsere innere heller und reiner dazu mittönt«, sagte Idoine. – »Und weil vor der Sphärenmusik des Universums menschliche Kunst und menschliche Ein falt am Ende gleich groß sind«, setzte Albano dazu. »Das meint' ich eben, denn sie ist doch auch nur in uns«, sagte Idoine und sah ihm liebreich und offen in die Augen, die vor ihren zusanken, wie [829] wenn ihn jetzt der Mond, der milde Nachsommer der Sonne, blendend überglänzte.

Sie wandte sich seit der Kirchenfeier öfter an ihn, ihre süße Stimme war teilnehmender, obwohl zitternder, die jungfräuliche Scheu vor Lianens Ähnlichkeit schien besiegt oder vergessen, so wie an jenem Abende im letzten Garten; in ihr hatte sich unter Speners Rede ihr Dasein entschieden, und an der Liebe der Jung frau waren wie an einem Frühling durch einen warmen Abend-Regen alle Knospen blühend aufgebrochen. Indem er jetzt dieses klare milde Auge unter der wolkenlosen reinen Stirn anschauete und den feinen, vom unerschöpflichen Wohlwollen gegen jedes Leben überhauchten Mund: so begriff er kaum, daß diese weiche Lilie, diesen leichten Duft, aus Morgenrot und Morgenblumen aufgestiegen, der feste Geist bewohne, der das Leben regieren konnte, so wie die zarte Wolke oder die kleine Nachtigallen-Brust der schmetternde Schlag.

Sie standen jetzt auf dem vom Immergrün der Jugenderinnerung bedeckten hellen Berge, wo Albano sonst in den Träumen der Zukunft geschlummert hatte, wie auf einer lichten hohen Insel mitten im Schatten-Meere zweier Täler. Die Lindenstädter Gebürge, das ewige Ziel seiner Jugendtage, waren vom Mond beschneiet, und die Sternbilder standen blitzend und groß auf ihnen hin. Er sah Idoine nun an – wie gehörte diese Seele unter die Sterne! »Wenn die Welt rein ist vom niedrigen Tage – wenn der Himmel mit seinen heiligsten fernsten Sonnen das Erdenland ansieht – wenn das Herz und die Nachtigall allein sprechen: nur dann geht ihre heilige Zeit am Himmel an, dann wird ihr hoher stiller Geist gesehen und verstanden und am Tage nur ihr Reiz«, dachte Albano.

»Wie manchmal, mein guter Albano,« (sagte die Schwester) »hast du hier in deinen verlassenen Jugendjahren zu den Bergen nach den Deinigen gesehen, nach deinen verborgnen Eltern und Geschwistern; denn du hattest immer ein gutes Herz!« Hier blickte ihn Idoine unbewußt mit unaussprechlicher Liebe an und sein Auge ihres. »Idoine,« (sagt' er, und ihre Seelen schaueten ineinander wie in schnell aufgehende Himmel, und er nahm [830] die Hand der Jungfrau) »ich habe noch dieses Herz, es ist unglücklich, aber unschuldig.« – Da verbarg sich Idoine schnell und heftig an Juliennens Brust und sagte kaum hörbar: »Julienne, wenn mich Albano recht kennt, so sei meine Schwester!«

»Ich kenne dich, heiliges Wesen«, sagte Albano und drückte Schwester und Braut an eine Brust. – Und aus allen weinte nur ein freudetrunknes Herz. »O ihr Eltern,« (betete die Schwester) »o du Gott, so segne sie beide und mich, damit es so bleibe!« Und da sie gen Himmel sah, als die Liebenden im kurzen heiligen Elysium des ersten Kusses wohnten, so blickten unzählige Unsterbliche aus der blauen tiefen Ewigkeit – die fernen Töne und die milden Strahlen verwoben sich ineinander – und das schlummernde Reich des Mondes erklang – »schauet auf zum schönen Himmel,« (rief die freudentrunkne Schwester den Liebenden zu) »der Regenbogen des ewigen Friedens blüht an ihm, und die Gewitter sind vorüber, und die Welt ist so hell und grün – wacht auf, meine Geschwister!« –


Ende

Fußnoten

1 Diese 35 Ellen hohe Statue auf einem Gestelle von 25 Ellen, in deren Kopfe 12 Menschen Raum antreffen, steht bei Arona und hält gerade mit der gegenüberstehenden Isola bella, die mit 10 aufeinander gebaueten Gärten oder Terrassen aufsteigt, einerlei Höhe. Keyßlers Reisen etc. B. I.


2 Die alten Kremnitzer haben das Christuskind auf dem rechten Arm; die neuen und leichtern auf dem linken.


3 Franklin riet das Aufbewahren und Bouchieren ausgetrunkener Gefäße an, um das Schiff dadurch oben zu erhalten.


4 Gemälde von Peter Molyn den man wegen seiner guten Gewitter nur Tempesta nannte.


5 Der Pasquino ist bekanntlich verstümmelt. – Della Porta war ein großer Ergänzer alter Statuen.


6 D.h. zwischen zwei hölzernen Walzen und einer metallenen gepresset werden.


7 Diese Pille besteht aus Spießglaskönig und wird ihrer Festigkeit wegen stets von neuem mit altem Erfolge gebraucht: man schüttet bloß vorher einen Aufguß von Wein darüber.


8 Tirare di prima vera nennts das Volk, und Peter Schoppe übersetzt es erhaben genug: elektrisches Pistolenzeug des Lenzes.


9 Wir sehen uns nie, mein Sohn.


10 Wir sehen uns einst, mein Bruder.


11 Ein guter Wouwermann heißet in der Malersprache ein gut gemaltes Pferd, dessen Beschauen auf die Schönheit des künftigen Füllen einfließet.


12 So heißet das Quantum, das man den Beisitzern des Kammergerichts, wenn sie nicht genug gearbeitet haben, vorenthält.


13 Die Ipecacuanha gehört zum Veilchengeschlechte.


14 Aus dem Orden des heiligen Pauls oder memento mori, der in Frankreich im 17ten Jahrhundert erlosch. Die obige Anrede ist ihr gewöhnlicher Gruß.


15 Den Zahuris in Spanien wird bekanntlich die Kraft zugetrauet, Leichname, Metalladern etc. in der tiefen Erde zu erblicken.


16 Anspielung auf die Erzählung einiger Astronomen, daß die verfinsterte Sonne zuweilen durch eine Öffnung des Mondes geblitzet habe, wie es z.B. Ulloa einmal gesehen zu haben versichert.


17 In Kalabrien waren im Zeiträume von Jahren (1785) tausendundvier Erschütterungen. Münters Reise etc.


18 Reflexions critiques sur la Poesie etc. de Dubos. T. I. Sect. 42.


19 Sueton. Nero.


20 Ich habe schon gesagt, daß er da erzogen wurde bei dem Landschaftsdirektor von Wehrfritz


21 Bekanntlich wird diesem Evangelisten ein Engel beigesellet.


22 An einen deutsch. Kammerpräsident. 1. B. Seite 296.


23 Denn Boyle fand in seinen Versuchen, daß Ranunkeln, Münze etc., die er im Wasser großwachsen lassen, die gewöhnlichen aromatischen Kräfte entwickelten.


24 Modesten wollen einige statt der Beinkleider hören.


25 Gemach, es ist unschicklich, wenn man seine Serviette früher aufmacht als andre Leute.


26 Es ist unschicklich, wenn man auf seine Suppe bläset.


27 Um Verzeihung, es ist Hecht au four; aber es ist unschicklich, nach dem Namen einer Schüssel zu fragen – man tut, als wisse man ihn schon.


28 Die weibliche Valisnerie liegt zusammengerollt unten im Wasser, aus welchem sie mit der Blumenknospe aufsteht, um im Freien zu blühen; die männliche macht sich dann vom zu kurzen Stengel los und schwimmt mit ihrem trocknen Blütenstaube der erstern zu.


29 Die vorhergehenden schönen Oktobertage so wie die Kanikularferien und der April und kurz der Vorrest des Jahres wurden am gedachten 22sten Oktober und dieser selber nachgeschaffen. So lehn' ich leicht die Frage nach der Vorzeit ab. Denn datiert einer die Welt anders, z.B. vom 20sten März, wie Lipsius und die Patres taten. so muß er immer zu meinem Nachschaffen des Vorjahrs greifen, wenn ich ihm mit seiner eignen obigen Frage zu Leibe gehe.


30 Man glaubte sonst, daß ein Rubin angenehme Träume gebe.


31 Arnolds Kirchengeschichte von Preußen. 1. B.


32 In Catana ist der Schleier der heiligen Agatha das einzige Gegengift des Ätna.


33 Anspielung auf die Fackeln, vor denen man das Kolosseum und die Antiken – und die Gletscher, die beides sind – magischer glänzen sieht.


34 Wie die Himmelskönigin, Juno, von den Alten immer blau verschleiert wird. Hagedorn über die Malerei.


35 Eine alte Maschine, die viele Schüsse auf einmal tut.


36 In Italien sehen die Sterne nicht silbern, sondern golden aus.


37 Bei gewitterhafter Luft steigen aus Orangelilien, Goldblumen, Sonnenblumen, indischen Nelken etc. kleine Flammen.


38 Wahrscheinlich auf flatternden Goldblechen gegen die Vögel.


39 Nach Camper haben Hektiker sehr weiße und schöne Zähne.


40 Derham (in seiner Physiko-Theologie 1750) bemerkt, daß Taube unter dem Getöse am besten hören, z.B. ein Harthöriger unter dem Glockengeläute; eine taube Wirtin unter dem Trommeln des Hausknechts. Daher wird vor Fürsten und Ministern, die meistens schlecht hören, Musik-, Pauken- und Kanonen-Lärm, wenn sie durchpassieren, geschlagen, damit sie das Volk leichter hören.


41 In dessen Wand die Frau mit dem Souvenir ist.


42 Diese frühzeitige Vollendung des Wuchses hab' ich an mehreren ausgezeichneten Weibern bemerkt, gleich als sollten diese Psychen Schmetterlingen gleichen, die nicht wachsen nach der Entpuppung.


43 Mit Disteln wird das Tuch gerauhet, d.h. aufgekratzt, um es besser zu scheren.


44 »Sehen Sie, wie vortrefflich Ihr Le Cain (ein berühmter Schauspieler) seine (Mord-)Rolle spielt.«


45 »Sie wollen, wie es scheint, das Schicksal dieser Seherin noch eher entscheiden, als das unsrige entschieden ist.« Er meint hier die Ehescheidung, die zwischen beiden nur durch den wechselseitigen Wunsch, Lianen zu behalten, verschoben wurde.


46 »So gehört sichs für Ihre Verschönerungskunst, sowohl blind zu machen als zu sein, der Liebesgott ist das Modell dazu.«


47 »Das wäre eben vorher Ihre Sache gewesen.«


48 Eine nervenschwache (ich weiß nicht, obs die nämliche ist), welche viel Religion, Phantasie und Leiden hatte, wurde, wie sie mir erzählt, auf dieselbe Weise blind und auf dieselbe geheilt.


49 Das ewige Prickeln der empfindlichern Finger-Nerven durch Strick-, Tambour- u.a. Nadeln macht vielleicht so gut wie das Berühren der Harmonikaglocken durch Reizen nervenschwach.


50 Der Tartarus ist die melancholische Partie in Lilar.


51 Den Blutumlauf beschleunigt Hochmut bis zum Wahnsinn. Übrigens ist die ganze Bemerkung von dem pharmazeutischen Werte des Hochmuts aus Tissots »traité sur les Nerfs« geholt.


52 So hieß bei den Römern ein Mann, der hinter der Leiche ging und die Gebärden und das Wesen derselben im Leben nachäffte. Pers. Sat.3.


53 Dieser hatte früher dem spanischen Ritter die Prinzessin abgeschlagen; es sind mir aber über diesen wichtigen Artikel hinlängliche Dokumente versprochen.


54 Dians Familie wohnt in Lilar.


55 Sonst glaubte man, daß eine im Chorstuhle liegende Lilie den Tod dessen bedeute, dem er gehörte.


56 Honnêteté schließet in den höhern Ständen Morden, deshonnêteté, Lügen etc. völlig aus; ausgenommen in einem gewissen Grade.


57 Dieser Hof ist katholisch, aber das Land lutherisch, und zu dieser letztern Konfession bekennt sich auch der Hohenfließer.


58 S. des Grafen Lamberg Tagebuch eines Weltmannes.


59 Wer in die Akademie der Arkadier tritt, nimmt einen arkadischen Namen an.


60 Sie haben eine ganze Stube zum Winterleben, der man im Sommer bloß die Fenster aushebt.


61 So hieß überall der einsiedlerische Emeritus, der da wohnende Hofprediger Spener, der mit dem edlen alten frommen Spener nicht nur von väterlicher Seite verwandt war, sondern auch von geistiger.


62 Sie hatten als Zwillinge diese Namen.


63 Der Tartarus mit dem Vaterherzen Juliennens.


64 So heißet jener Berg, den Albano in der bekannten Frühlingsnacht gefunden.


65 Linda de Romeiro.


66 Die Ursache ist, weil sie nach der Genesung noch kurzsichtig war, und ein Kurzsichtiger sieht den Tau glänzender.


67 Dieser Satz, daß die reine Musik ohne Text nichts Unmoralisches darzustellen vermöge, verdient von mir mehr untersucht und ausgeführt zu werden.


68 Es kann mir nicht vorgeworfen werden, daß ja die Szenen meines Buchs wirklich erlebte wären und daß man keine bessere zu erleben wünschte denn in der Darstellung der Phantasie nimmt die Wirklichkeit neue Reize an Reize, mit welchen auch jede andere zurückgewichene Gegenwart magisch die Erinnerung durchschimmert. Ich berufe mich hier auf die Empfindung des Personales selber, das im Titan handelt, ob es nicht in meinem Buche wenn es anders darüber gerät – an den abgemalten Szenen, die doch seine eignen sind, einen höhern Zauber findet, der den wirklichen abging, und ders freilich machen könnte – aber ganz mit Unrecht –, daß das Personale wünscht, sein eignes Leben zu – erleben.


69 Oder Athanor, ein chemischer Ofen, der lange Zeit ohne Nachschüren fortarbeitet.


70 Nach Lempriere.


71 Sanhedrin. c. 2. Misch. 3.


72 Cic. ad Quirit. post redit. c. 3.


73 Seine Sekte ließ durch Christi Höllenfahrt alle Böse aus der Hölle kommen, Abraham, Enoch, die Propheten etc. aber nicht. Tertull. adv. Marcion.


74 So heißen schwarze Farben.


75 So heißet die Linie, die man von der Sonnennähe zur Sonnenferne zieht.


76 Ein mit dem Gesichte zuerst in die Welt tretendes Kind kann später den Kopf nicht vorwärts beugen. Hausmutter V. B.


77 So heißet das Invalidenhospital in Kopenhagen.


78 In Darwins Zoonomie 1. B. S.529, wird einer angeführt, der vor Zuschauern es machte. In Paris tat ein andrer dasselbe durch Luft, die er in den Magen schluckte.


79 In Wien machte ein Institut aus altem Lack neuen und steuerte mit dem Ertrage Arme aus.


80 So geschmacklos wollte Basedow eine Tochter zum Andenken des auf Pränumeration erscheinenden Elementarwerks taufen lassen. S. Schlichtegrolls Nekrolog.


81 So heißt an einigen Orten die Schwindsucht.


82 Ein Mikrometer besteht aus feinen, in das Sehrohr eingespannten Fäden, die zum Messen der kleinsten Entfernung dienen.


83 Das Passageinstrument oder Kulminatorium beobachtet es, wenn ein Stern den höchsten Stand in seinem Laufe hat.


84 Autarchen; denn Monarchen oder Einherrscher sind von Selbstherrschern etymologisch verschieden.


85 Spielet er damit auf die fürchterliche weiße Gestalt in meiner Vision von der Vernichtung an?


86 So heißet die Gestalt eines Sterbenden.


87 Simons christl. Altertümer, von Mursinna etc. p. 143.


88 Anspielung auf die Art, Frösche mit einem Stückchen roten Tuch zu angeln.


89 Der Mond.


90 Die unbekannten Erfrornen werden von den Mönchen unbegraben aneinander, jeder an die Brust des andern angelehnt.


91 Linda de Romeiro.


92 Er soll lehrend immer auf die leere Knopf-Stätte eines Studenten gesehen haben; und wurde irre, als dieser sie besetzt hatte.


93 Die Zeit des Sonnenuntergangs, welche die südlichen Länder so sehr fliehen.


94 Tempestiarii oder Wettermacher hießen im Mittelalter die Hexenmeister, welche Ungewitter erregen konnten. Man brauchte in Kirchen Wettergebete gegen sie; und andere Hexenmeister, die jenen entgegenarbeiteten.


95 Die polnischen Tänzer tragen immer eine Peitsche unter dem Pelze damit die Tänzerin durch die Schläge entschuldigt ist, wenn sie mit ihm fehlet. Oberschles. Monatsschrift, 1stes St., Jul. 1788.


96 Geistersche


97 So nannten ihre Schließer die Gefangnen.


98 Alexand. ab Al. V. 4.


99 Um sich von dem Adler des Kaisers zu unterscheiden, der in beiden Fängen etwas hält.


100 Bouverot war katholisch.


101 meinte eine mit dem armen Lektor.


102 Ich meine nicht (wie es etwa aus dem Verkaufen scheint) Pitt den Minister, sondern Pitt den Diamanten, den der Vater des jetzigen dem Herzog Regenten von Frankreich verhandelte und für dessen Splitter er noch 12000 Dukaten bekam.


103 Ich verkaufe bloß die Landschaften und gebe die Figuren zum Kauf darein.


104 Plaut. Bach. Act. 4. Scen. 7. 17.


105 7ter Teil der neuen Sammlung der Reisebeschreibungen.


106 Ich spreche mehr von Töchtern, weil diese die gewöhnlichsten und größten Opfer sind; die Söhne sind unblutige Meßopfer.


107 Plin. H. N. VIII. 16.


108 Und das ist durchaus wahrscheinlich. Doktor Eduard Hill berechnete daß in England jährlich 8 000 an der unglücklichen Liebe – am gebrochnen Herzen, wie die Engländerinnen rührend sagen – sterben. Beddoes erweiset daß die vegetabilische Kost – und diese lieben gerade diese Wesen – die Schwindsucht nähre und daß die weiblichen sich zu dieser neigen. Noch dazu fallen die Zeiten der Sehnsucht, die schon ohne Fehlschlagen, wie das Heimweh zeigt, eine vergiftend-herumziehende Bleikugel ist, in die Jugend ein, wo der Same der Brustkrankheiten am leichtesten aufgeht. O manche fallen in der Ehe unter falschen Auslegungen vor dem Todesengel, dem sie vor ihr das Schwert geschärft und gegeben.


109 Forsters Ansichten. I. B.


110 Weigel in Jena erfand die Verkehrtbrücke (pons heteroclitus), eine Treppe, wo der Mensch hinabzugehen glaubt durch Aufsteigen. Busch Handbuch der Erfindungen. 7. B.


111 Es hatte den Namen von seiner Höhe und von dem öftern Einschlagen des Blitzes.


112 Basa Mezia. c. 4. m. 10.


113 Bekanntlich sind die Frühlingsblumen wegen der Nässe und des Schattens meist verdächtige; wie die Herbstblumen.


114 Dieses Selbst-Ertönen – wie die Riesenharfe bei verändertem Wetter unberührt anklingt – ist in Migräne und andern Krankheiten der Schwäche häufig; daher im Sterben; z.B. in Jakob Böhme schlug das Leben wie eine Konzertuhr seine Stunde von Harmonien umrungen aus.


115 Irgendeine uneigennützige Liebe muß ewig gewesen sein. Wie es ewige Wahrheiten gibt, so muß es auch eine ewige Liebe geben.


116 Darum vielleicht, warum der Dichter seine so bestimmt und oft angeschaueten Geschöpfe nicht in seinen Träumen unter den Bildern des Tages gehen sieht.


117 Denn an seinem und ihrem Abendmahlstage hatt' er an ihren Tod durch das Gewitter geglaubt.


118 z.B. die Winterlevkoje.


119 Jede partiale Ausbildung wirkt freilich für das Ganze gut, aber nur darum, weil dessen entgegengesetzte partiale sie in einer höheren Gleichung und Summe aufhebt, so daß aus allen einzelnen Menschen nur die Glieder eines einzigen Riesen werden, wie der Schwedenborgische ist. Aber insofern in dem einen Individuum ein Mangel entsteht, der einem entgegengesetzten in dem andern abhilft – so daß der Weg der Menschheit gleich sehr plagt und stößet durch Vertiefung und durch Erhöhung –, so sieht man, daß jede einseitige Fülle nur Kur der Zeit ist, nicht Gesundheit derselben; und daß das höhere Gesetz zwar langsamere individuelle, aber harmonische Ausbildung bleibt; zwar kleinere, aber allseitige und dadurch in der spätern Zeit sogar schnellere. Wir vergessen immer, daß – wie in der Mechanik sich Kraft und Zeit gegenseitig ergänzen – die Ewigkeit die unendliche Kraft sei.


120 Nach dem Ingenieur Borreux trifft wörtlich nur der 1 000te Schuß des kleinen Gewehrs. – So ists überall, fürchte den Tod, so stehen fallende Blumentöpfe der Fenster, Blitze aus blauem Himmel, losgehende Windbüchsenschüsse, Herzpolypen, wütige Hunde, Räuber, jede Fingerwunde, aqua toffana, Schwamm-Leckerei etc., kurz die ganze Natur – diese immer fortgehende zerquetschende Kochenillen- Mühle – steht mit unzähligen geöffneten Parzenscheren rings um dich, und du hast keinen Trost, als daß dem ungeachtet die Leute achtzig Jahre alt werden. – Fürchte die Verarmung: so fassen dich Feuers-, Wasser-, Teurungs- und Kriegsnöten, eine Diebs-Vendee, Revolutionen mit gierigen Krallen und Fängen ein, und doch, du Reicher. Wird der Arme – unter denselben Stoßvögeln hinkriechend – am Ende so reich wie du. Geh also kühn durch die schlummernde Löwenherde rechts und links liegender Gefahren zum Brunnen hindurch, nur wecke sie nicht mutwillig auf. – Freilich zieht einzelne ein Höllengott hinab, die nichts fürchteten; aber auch einzelne ein oberer Gott hinauf, die nichts erwarteten; und Furcht und Hoffnung gehen hier unter in einer gemeinschaftlichen Nacht.


121 Titan I. B. S. 80.


122 Am Hofe des Königs Olaus bot sich der Königsjüngling Olo, als Landmann gekleidet, der Tochter zum Schutze gegen Räuber an. Damals galt Feuer der Augen und Adel der Gestalt als Beweis einer hohen Abkunft; so erkannte z.B. die Suanhita den König Regner in der Hirtentracht an der Schönheit seines Auges und Gesichts. Die Königstochter blickte prüfend in Olos Flammenauge und kam der Ohnmacht nahe; sie versuchte den zweiten Blick und war ohne Besinnung, und bei dem dritten in Ohnmacht. Der göttliche Jüngling schlug daher das Augenlid nieder, enthüllte aber die Stirn und sein goldnes Haar und seinen Stand. S. der Deutsche und sein Vaterland von Rosenthal und Karg I. S. 166, 167.


123 Denn was man Licht nennt, ist nur stärkeres Weiß. Niemand sieht nachts den Lichtstrom, der vor der Erde vorbei von der Sonne auf den Vollmond hinaufstürzt.


124 Dieses wärmere, zartere, furchtsamere, immer gelobte, mehr in fremder als eigner Meinung lebende Geschlecht sticht ein Tadel giftig, der uns nur blutig reißet, wie verletzende Tiere in warmen Ländern und Monaten vergiften, und in kalten nur verwunden. Daher bedenke der Mädchenschulmeister, daß eine Dosis, welche Satire auf den Knaben ist – der ohnehin der Meinung widerstehen soll –, Pasquill wird, wenn sie seine Schwester einbekommt.


125 Nämlich immer waren Briefe von Lianen an Albano dareingeschlagen. Man sehe hier wieder an zwei Exempeln, wie an der Liebes-Harmonika ein Bruder als Tastatur für die Schwester vorstehen müsse, die zu den Glocken will. Es sollte daher immer ein Paar Paare geben, kreuzweise verschwistert und liebend.


126 »Ein solcher Charakter« (schreibt Hafenreffer dabei) »wäre für Romanen-Kotzebues erwünscht, weil diese, da er seiner Natur nach immer den Wert der Situation durch den zufälliger, Ort derselben schaffen und heben will, unter dem Deckmantel seiner Persönlichkeit ganz der ihrigen frönen und die Schwäche des Dichters in die Schwäche des Helden verkleiden könnten.« Mich dünkt, dieses ist, so viel ein Biograph von Romantikern urteilen kann, sehr treffend.


127 Dessen moralische Abhandlungen II. 96.


128 Bei der fürstlichen Vermählung.


129 Bei den Ägyptern waren die Zauberer nur Gelehrte, bei ihm die Gelehrten Zauberinnen.


130 Mémoires secrets sur les règnes de Louis XIV etc. par Duclos. T. I.


131 Bekanntlich wird ein Schnitt in einen ganzgebliebenen Vogel etc. zum Zeichen gemacht, daß er auf der fürstlichen Tafel gewesen, damit er nicht wieder aufgesetzt werde, sondern sonst genossen.


132 S. Klockenbrings gesammelte Aufsätze.


133 Damer oder zur Dame machen mußte der König vorher ein unverheiratetes Mädchen von Stande, eh' es nach Versailles an den Hof gehen durfte.


134 Beseke fand es. S. über das Elementarfeuer, von ihm 1786.


135 Fürchterlich schreiet dieses wahre Geschrei der Menschheit im 4. Teil von Heß's Durchflügen S. 156 nach; jetzt hat es eine wohltätigere Regierung durch die Wildsteuer gestillt.


136 Für ihn wars innerster Genuß, ein solches Hochzeitgedicht ganz mit den Reimen, Flügen und Ausrufungs- und Anrufungszeichen des ersten besten Neujahrsreimers der Welt zu schenken, und das Bewußtsein seiner reinen, obwohl satirischen Absicht beruhigte ihn ganz über jeden Tadel einzelner schwülstiger oder zu sklavischer Wendungen.


137 Zwischen zwei Fenstern stand immer ein Pfeilerspiegel und mengte seine zurückgespiegelte ferne Perspektive unter die der Fenster. Jedem Spiegel stand nur ein Fenster gegenüber; den Zwischenraum zwischen beiden verbarg und erfüllte Laubwerk.


138 Ich bin nur ein Traum.


139 Es braucht eben keinen Gott, wenn nicht ein Knoten daliegt, der nicht anders zu lösen ist.


140 Und ein Vierter (wenn nämlich die Eheleute und der Freund da sind) braucht nicht mit in die Sache zu reden.


141 Wo der Fürst gestorben und sie erblindet war.


142 Dessen Lettres sur les Aveugles.


143 Die helle Kammer.


144 Wo Albano zum letzten Male selig mit Lianen war.


145 Die Sineser konnten sonst auf Porzellan Fische und andere Gestalten malen, die nur sichtbar wurden, wenn man das Gefäß anfüllte. Lettres édifiantes etc. XII. recueil.


146 Linda.


147 z.B. der deutsche kaiserliche Hof keine Bedienten-Livreen.


148 In Rom scheinen Gebäude aus beiden zu bestehen, haben aber nur den Anwurf davon.


149 Titan I. S. 39.


150 Symmer beobachtete folgendes: weiße und schwarze Strümpfe, bei trocknem, kaltem Wetter übereinander getragen, sind, wenn man den äußern bei dem untern Ende, den innern beim obern auseinanderzieht, entgegengesetzt geladen, der weiße positiv, der schwarze negativ; in der Ferne blasen sie sich gegeneinander auf und suchen sich; einander berührend, hängen sie platt und breit darnieder. Fischers physik. Wörterbuch. L B.


151 Auf Wilhelmshöhe geht ein langer musikalischer Ton dem Fallen der Wasser voraus.


152 Beides ist der Name des alten deutschen Donnergottes; er meint sich aber damit selber.


153 Die Molosser nannten alle schönen Weiber Proserpinen.


154 So sollte man Schillers heilige Jungfrau nennen.


155 Sein Albano.


156 So nannten die Wenden den Tod.


157 Ein Engländer bemerkte, daß unter den fixen Ideen des Irrhauses selten die der Unterwürfigkeit vorkomme; meistens bewohnen es Götter, Könige, Päpste, Gelehrte.


158 Wenn.


159 Bekanntlich lehnen sie da unverweset aneinander.


160 Der ihm auf Isola bella erschienen war.


161 Wo sie ihm in der Wolke zerflossen war, als er sie umfassen wollte.


162 Ein Schwan kann mit dem Flügelschlag einen Arm zerbrechen.


163 Sie hielt ihr hiesiges Leben für ein ruhiges Spiel-und Kinder-Leben, erst das zweite für das tätige.


164 Hier und weiter redet sie zwar irre; aber sie weiß es doch, daß der Grasblumenkranz von Charitons Kindern ist.


165 Sie sieht das Herbstlaub.


166 Die Stelle heißet in Cardan. praecept. ad filios c. 16. so: Longobardo rubro, Germano nigro, Hetrusco lusco, veneto claudo, Hispano longo et procero, mulieri barbatae, viro crispo, Graeco nulli confidere nolite.


167 z.B. der Kapellmeister Naumann.


168 Er wollte Assonanz und Kosekante sagen.


169 Walküren sind reizende Jungfrauen, die vor der Schlacht diese weben und die Helden bestimmen, die fallen müssen.


170 Die Leiche gehet aufgedeckt zum Begräbnis, ihre Begleiter folgen vermummt.


171 So heißet z.B. in Ungarn der Diakonus.


172 Zehn Uhr.


173 des Jupiter tonans.


174 Der Leib im Pantheon, der Kopf in der heiligen Luka-Kirche.


175 Die Pantheons-Halle scheint zu niedrig, weil einen Teil ihrer Stufen der Schutt verbirgt.


176 27 Fuß hat die Dachöffnung im Durchmesser.


177 Der Polstern steht wie andere nördliche Sternbilder in Süden tiefer.


178 Die Summe und das System elektrischer, galvanischer, chemischer, anatomischer Erfahrungen, die Taktik, ein corpus juris u.s.w. können uns wohl in Erstaunen setzen, aber die Menschheit selber erscheint nicht größer durch Riesengebäude, die von Millionen Elefantenameisen zusammengetragen werden; allein wenn ein Elefant ein Gebäude trägt, wenn ein Individuum irgendeine Kraft in neuen Graden und Verhältnissen zeigt, Newton die mathematische Anschauung, Raffael die bildende, Aristoteles, Lessing, Fichte den Scharfsinn, oder ein anderes die Güte, die Festigkeit, den Witz u.s.w.: dann gewinnt die Menschheit, und ihre Schranken rücken hinaus.


179 In Grönland macht die heftige Kälte schwarz und blind.


180 Wohin seit Servius Tullius' Zeit alle Scherben geworfen werden.


181 S. Titan 1. S. 28.


182 Wie schön ist er!


183 Roquairol.


184 Julienne.


185 Gaeta.


186 Die Insel Ischia mit dem Berg Epomeo, so hoch wie der Vesuv – Kapri u.s.w.


187 Borgo d'Ischia.


188 Er meint die Traube, die dreimal des Jahres da gewonnen wird, im Dezember, März und August.


189 Die Insel Ischia selber.


190 Taggesicht (Hemeralopie) ist gewöhnlich in heißen Ländern; der stärkste Grad ist, nachts sogar gegen Licht blind zu sein und erst am Morgen wieder sehend.


191 Es gibt metamorphotische Spiegel, die junge Gesichter veraltet darstellen.


192 Ihn und Liane.


193 Bei Baja.


194 Frage sie nicht länger, denn ihr Vater soll, wie man sagt, an ihrem Hochzeittage kommen.


195 Eine sehr schöne Kartause bei Valencia.


196 Die Sangvögel sind in Italien selten, weil man sie für die Küche auf dem Markt verkauft.


197 Dian liebte den Virgil nicht.


198 So schwer und langsam wälzt sich der breite Lavastrom herunter, daß ein Mensch vor diesem glühenden Todesfluß, der alles verschlingt, erstickt und zerschmilzt, was er berührt, vorausgehen und die Zerstörung hinter sich sehen kann, ohne sich in die Gefahr einer eignen zu setzen.


199 Oder Püster, die bekannte altdeutsche Götzenstatue voll Löcher, Flammen und Wasser.


200 Des Kahlkopfs, der ihm nach 14 Monaten Wahnsinn prophezeiete.


201 Der Oheim hatte wieder gelogen, denn er war, wie man aus diesem Bande weiß, vorher nach Rom gegangen, wo er dem Ritter und der Fürstin die Pestitzer Briefe übergeben.


202 Ich würde lieben.


203 Bei den Morlacken. S. Sitten der Morlacken. Aus d. Italien. 1775.


204 Titan II. S. 273 etc.


205 Eine Stelle aus Albanos Brief an Roquairol. Titan 1. S. 232.


206 Liebe und Freundschaft.


207 Der Mond.


208 Aber! – Gott, er hat sich re vera umgebracht – Teufel, er ist tot! O wer wird mich bezahlen?


209 So viel bekommt jeder Professor Preis-Geld für jede bessere Grammatik und jedes bessere Kompendium; so für jede Dissertation 50 Dukaten u.s.w. Tychsens Zusätze zu Bourgoings Reise. 2. B.


210 Eine verlangte z.B. den König zu sehen; er trat so lange auf den Balkon heraus, bis sie befriedigt war.


211 seinen Hund.


212 S-s heißet Siebenkäs. Aus den Blumen-, Frucht-und Dornenstücken ist bekannt, daß Schoppe früher Siebenkäs sich genannt – dann diesen Namen an seinen ihm bis zum Gesichte ähnlichen Freund Leibgeber abgegeben, von dem er den seinigen angenommen – und daß der Freund sich zum Schein ein Grabmal als Siebenkäs errichten lassen.


213 Titan, 1. Band, S. 40 u.s.w.


214 Josephchen.


215 S. 128 im 1. Band des Titans.


216 1. Band des Titans, S. 126.


217 1. Bd. S. 95.


218 Er meint Liane, welche Spener durch die feierliche Enthüllung von Albanos Geburt und Bestimmung einer unter lauter giftigen Blumen aufgewachsenen Liebe zu entsagen nötigte.


219 Nie unter ihrem Stand zu heiraten.


220 Liane wurde, wie bekannt, als ihr Bruder neben dem alten Fürsten auf die Brust ohne Herz die Rede hielt, krank und blind. 1. Bd. des Titans, S. 156.


221 Titan, 1. Bd. S. 78.


222 Nämlich: freue dich!


Quelle:
Jean Paul: Werke. Band 3, München 1959–1963.
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