5. Cantate bey der Trauer-Feyerlichkeit der Georg-Augustus-Universität über das Absterben ihres ersten Curators, Sr. Excellenz des wohlseligen Premierministers Freyherrn von Münchhausen

[116] In der Universitätskirche den 28. December 1770 aufgeführt.


Vor der Rede.


Ach was für Töne banger Klagen!

Ach! Worte schreckensvoll zu sagen:

Er wacht nicht für Augusta mehr!

Er! groß an Weisheit, reich an Güte,

Durch den sie ward, durch den sie blühte.


B.A.

Seit sie entstand, ging auf ihr glänzend Glück

Aufmerksam, achtungsvoll, der ältern Schwestern Blick,

Man nannte sie, zu Deutschlands Ehre

Jenseit des Rheins, der Alpen und der Meere;

Ihr Schüler ward (so sey er's nur einmal!)

Der Gallier, der ihr befahl.

Stolz klinge das! doch werd' es ihr verziehn;

Denn Alles war sie nur durch Ihn.

Regiert durch Seines Geistes Stärke,

Durch Seine Huld geschützt, genährt,

War sie das Liebste Seiner Werke,

Der Gnade der Georgen werth.


Lang' gewohnt Ihm unser Glück zu danken,

Klagen wir, da Er uns früh enteilt;

Früh als Greis, noch mit des Mannes Kräften;

Mit des Mannes Eifer in Geschäften,

Nur Erfahrung, Reife der Gedanken,

Waren Ihm vom Alter zugetheilt.


B.A.


Nach der Rede.


Auch vor dem Ewigen, den Er unsterblich schauet,

Da denkt Er noch an uns zurück;[116]

»Herr! war ich treu in dem, was du mir anvertrauet,

Dein Werkzeug für der Menschen Glück,

Gefiel Dir das, was Du durch mich gethan,

So sieh' es ferner gnädig an.«


B.A.

Und du, Augusta! sey es werth,

Daß Ihn für dich die Vorsicht hört;

Sey, was Er dir zu seyn empfohl,

Aus Pflicht für Ihn, und für dein Wohl!

Wenn stets in dir so reiner Eifer brennt,

Dann bleibest du, der frommen Treu' zum Lohne,

Dem Weisen werth, geschützt vom Throne,

Münchhausen's dauernd Monument.

So weit der Weisheit Strahlen glänzen,

So weit gehn Seines Ruhmes Grenzen;

Ihn nennt bewundernd, Dankesvoll,

Die Welt, die spät noch werden soll;

Und wünscht, an unser Glück zu reichen,

Sich Edle, die Münchhausen gleichen.
[117]

Quelle:
Abraham Gotthelf Kästner: Gesammelte poetische und prosaische schönwissenschaftliche Werke, Theil 1 und 2, Teil 2, Berlin 1841, S. 116-118.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Die Serapionsbrüder

Die Serapionsbrüder

Als Hoffmanns Verleger Reimer ihn 1818 zu einem dritten Erzählzyklus - nach den Fantasie- und den Nachtstücken - animiert, entscheidet sich der Autor, die Sammlung in eine Rahmenhandlung zu kleiden, die seiner Lebenswelt entlehnt ist. In den Jahren von 1814 bis 1818 traf sich E.T.A. Hoffmann regelmäßig mit literarischen Freunden, zu denen u.a. Fouqué und Chamisso gehörten, zu sogenannten Seraphinen-Abenden. Daraus entwickelt er die Serapionsbrüder, die sich gegenseitig als vermeintliche Autoren ihre Erzählungen vortragen und dabei dem serapiontischen Prinzip folgen, jede Form von Nachahmungspoetik und jeden sogenannten Realismus zu unterlassen, sondern allein das im Inneren des Künstlers geschaute Bild durch die Kunst der Poesie der Außenwelt zu zeigen. Der Zyklus enthält unter anderen diese Erzählungen: Rat Krespel, Die Fermate, Der Dichter und der Komponist, Ein Fragment aus dem Leben dreier Freunde, Der Artushof, Die Bergwerke zu Falun, Nußknacker und Mausekönig, Der Kampf der Sänger, Die Automate, Doge und Dogaresse, Meister Martin der Küfner und seine Gesellen, Das fremde Kind, Der unheimliche Gast, Das Fräulein von Scuderi, Spieler-Glück, Der Baron von B., Signor Formica

746 Seiten, 24.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon