Siebente Scene.

[20] Vorige, Roland, Ogier, Ritter, Volk.

Der Vorhang hinten öffnet sich. Freier Platz. Volk sammel sich an. Roland, Ogier und die Ritter nahen in feierlichem Zuge. Links wird ein praktikabler Thronhimmel aufgestellt, unter welchem nach beendetem Aufzuge der Ritter Boland Platz nimmt. Maurische Krieger ziehen auf; rechts vom Throne stehen Florinda und Maragond, beide verschleiert.

Nr. 10 Chor.


CHOR.

Laßt Friede in die Hallen

Des Fürstensitzes zieh'n,[20]

Wenn Jubellieder schallen,

Muß auch die Palme blüh'n.

Ihr Himmelsmächte, sendet

Die Ruhe diesem Land,

Der Gaben höchste spendet,

Der Eintracht heilig Band.

ROLAND.

Wir bringen dir den Frieden!

FLORINDA zu Maragond, leise.

Er ist's, mein Geliebter!

BOLAND.

Du sprichst vom Frieden, wenn mein Sohn Fierrabras

Unschuldig in Ketten schmachtet.

ROLAND.

Unschuldig! wer sagt das?

BOLAND.

Der Euren Einer, den eben wir gefangen –

ROLAND überrascht zu seinen Rittern.

– Eginhard –

BOLAND.

– er hat mir selbst bekannt,

Daß für sein Vergehn Fierrabras unschuldig leide.

ROLAND finster.

Fürchterliche Kunde!

BOLAND mit Nachdruck.

Doch büßen soll er mir für den Verrath,


Er steht auf.


Büßen sollt ihr Alle.


Auf einen Wink Boland's werden in einem Nu die Ritter von den Mauren entwaffnet und umzingelt.


Nr. 11. Terzett mit Chor.


BOLAND.

Im Tode sollt ihr büßen,

Was Übermuth gewagt;

Bald deckt zu meinen Füßen

Euch Nacht, die nimmer tagt.

ROLAND UND DIE RITTER.

Das Leben willig lassen

Ist frommer Ritter Pflicht;

Doch Unheil wird ihn fassen,

Der Wort und Ehre bricht.[21]

FLORINDA.

O schütz' ihn vor Gefahren,

Du ew'ge Himmelsmacht.

BOLAND.

Ihr sollt es bald erfahren,

Wie euch mein Grimm verlacht.

DIE MAUREN.

Bald sollen sie's erfahren,

Daß seine Rache wacht.

BOLAND.

Fort! in des Kerkers Grauen

Büßt ihr den frevlen Wahn.

FLORINDA.

Muß ich ihn elend schauen,

Zur Rettung treibt's mich an.

ROLAND UND DIE RITTER.

Mit festem Gottvertrauen

Gehn wir die Todesbahn.

DIE MAUREN.

Auf Glück dürft ihr nicht bauen,

Bald ist's um euch gethan.

BOLAND.

In Kerkermauern sollt ihr leben,

Bis euch der Strafe Arm ereilt.

ROLAND UND DIE RITTER.

Des Königs Rache mach' dich beben,

Weil er zum Schutz der Freunde eilt.

DIE MAUREN.

Gar streng bewachen wir ihr Leben,

Bis sie der Strafe Arm ereilt.

FLORINDA.

Ach, Vater, hab' Erbarmen!

ROLAND für sich.

Ha! Diese Stimme!

BOLAND überrascht zu Florinda.

Dich rührt ihr wohlverdientes Los?

ROLAND.

Kein Zweifel, ja, es ist Florinda.

FLORINDA für sich.

In des Geliebten Armen

Ereil' auch mich das Todeslos.


Die Ritter werden ganz von den Mauren umringt. Alle kommen mehr nach vorn.


BOLAND UND DIE MAUREN.

Sie sollen erblassen

In heimlicher Noth,

Die Feinde zu hassen

Ist Rachegebot.[22]

FLORINDA, ROLAND UND DIE RITTER.

Das Leben zu lassen

In peinlicher Noth!

Es gilt sich zu fassen

Zum schmählichen Tod.


Die Ritter werden mit Gewalt, von den Kriegern und dem Volke begleitet, abgeführt. Der Fürst entfernt sich mit seinem Gefolge. Florinda bleibt allein zurück; sie entschleiert sich.


Quelle:
Franz Schubert: Fierrabras. Text von Josef Kugelwieser, Leipzig [o.J.], S. 20-23.
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