Inhalt

Des Andern Buches.

[227] Des Krieges Eigenschafft. Das Abnehmen des Römischen Reichs; Augustens kluge Bezeigung deßwegen. Des Feldherrn Mißtrauen gegen den Marbod. Zusammenziehung der deutschen Völcker. Germanicus schlägt eine Brücke über den Rhein. Tiberius setzt mit einer grossen Macht bey Meyntz über die Schif-Brücke. Der Deutschen Gegenverfassung. Tiberius büsset ein; läßt gegen der Catten Läger streiffen. Der Graf von Solms gehet auf sie loß / vertreibt sie nebst dem Ritter Isenburg. Herrmann und Arpus berathschlagen sich dem Feinde nachzusetzen. Tiberius redet seinem furchtsamen Heere ein Hertz ein. Catumers und Marcomirs Sieg gegen die Römer und Gallier. Der Feldherr ziehet dem Tiberius immer nach. Sextus Apulejus / Arbogast und Cotys fallen ein Theil des Deutschen Heeres an. Jubil / Ravensberg und Waldeck setzen sich zur Wehre. Asprenas entsetzt die Römer. Scharffes Gefechte der Deutschen mit den Römern / darinnen jeder des andern Meister werden wil. Nassau schlägt den Gallischen Fürsten Arbogast mit einem Streitkolben zu Bodem / und hierdurch auch die sämtliche Gallier in die Flucht. Asprenas Tapferkeit / und kluge Aenderung der Schlacht-Ordnung. Des Feldherrn gleichmäßige Bezeigung. Giebt genaue Achtung auf des Tiberius Thun. Des Tiberius Krieges-List; und wie er den deutschen Feldherrn verführet hat. Scharffes Treffen. Siegesmund hebt einen Römischen Heerführer aus dem Sattel; welcher aber für seinen Vater Segesthes erkennet; und vom Graf Bentheim auf die Seite gebracht wird. Diephold bleibt im Treffen / Zulenstein aber wird Hauptmann. Tiberius /nach dem er beym Feldherrn umb einen Stillstand zu Beerdigung der Todten angehalten / geht des Nachts durch / und befestigt zwischen dem Rhein und Mäyne ein neues Lager. Arpus erobert die Festung Bingen mit Sturm. Des Germanicus gleichmäßiger unglücklicher Zug gegen den Melo / und seine Sicambrer /Bructerer / und Tencterer. Ganasch und Graf Delmenhorst treffen auf die Römer und treiben durch Hülffe des Ritters Arenberg und Schauenburg sie wieder in den Siege-Strom. Ganasches Zurede gegen seine Chauzen und Friesen daselbst. Germanicus läßt auf sieben aufgerichteten Altären dem Sieg-Strome opfern. Plancus sucht sich des Schlosses am Ubischen Sieben-Gebürge zu bemächtigen; welches aber Ritter Metternich hertzhaft vertheidigt. Willich und Wachtendonck thun hierbey männliche Gegenwehr. Hertzog Franck mit dem Ritter Wassenar entsetzen solches /und jagen die Römer heraus. Camillus / Cepio / und Terentius bleiben todt; Plancus aber wird gefangen. Des Hertzogs Franck und Germanicus scharffes Treffen bey dem Siege-Strome. Sulpitius Galba legt hierbey sein Schul-Recht rühmlich ab. Melo ko t dem tapffern Ganasch zu Hülffe. Der Graf von Spiegelberg hält sich gegen den Cajus Centronius / und Schauenburg gegen den Mennius tapffer. Ganasch wird ohnmächtig in die Festung[228] Siegesburg geführt; dessen Stelle der Graf von Oldenburg rühmlich vertritt. Delmenhorst und Tecklenburg werden gefährlich verwundet. Des Melo Rede zu den Sicambrern und Tencterern; greiffet nach diesem den Lucius Apronius mit der Römischen Reiterey an; läßt die Grafen Lingen und Ravensperg in die erste Legion einbrechen. Cajus Narbonus widerstehet ihnen zwar tapfer; wird aber von ihnen in die Flucht geschlagen. Germanicus wird von den Tencterern geschlagen; Melo zerspaltet dem Marcus Sylla den Kopf. Stirum und Steinfurt halten sich tapfer. Melo fodert den Germanicus auf einen Zweykampf vergeblich aus. Bentheim und Rytberg fechten tapfer; und wird endlich Germanicus genöthiget / wieder über den Siege-Strom zu setzen; welchem über der Römer Nothstande die Augen übergehen. Hertzog Franck ko t zwar blutig / aber sieghaft zu seinem Vater Melo / erzehlet ihm unterschiedlicher deutschen Ritter tapferes Verhalten. Melo lässet ihnen zum Andencken das am Berge Rhetico eroberte Schloß Löwenberg nennen. Daselbst entstehet auf dem Juhonischen Theile in der Nacht ein Feuer aus der Erden. Dessen gute und böse Auslegungen. Wird zu Verbrennung der gebliebenen Leichen gebraucht. Melo streiffet ober- und unterhalb des Ubischen Altares auf die Römer. Besucht den an sieben und zwantzig Wunden kranck-liegenden Ganasch. Ihr wehmüthiges Gespräch von der allgemeinen Wolfahrt. Melo rückt vor das Römische Lager / läßt den Germanicus durch einen Herold ausfordern; dieser aber hält nicht rathsam an selbigen als einem unglücklichen Tage zu schlagen. Hält durch eine kluge Rede der Römer allzu hitziges Verfahren zurück. Zündet das Läger an / und ziehet sich mit seinem Heer über den Rhein. Melo setzet mit seinem Sohne Franck ihnen eilends nach /schlagen unterhalb Rigomach den Römischen Vortrab in die Flucht. Germanicus schlägt zwischen den Armen der Erpe und des Rheines unter Novesium ein neues Läger; und folgends auch ein anderes bey Gelduba. Melo erobert Aschenburg. Daselbst richten die Griechischen Weltweisen dem Hertzog Melo und andern deutschen Helden zu Ehren Sieges-Bogen auf. Melo höret der Griechen Welt-Weißheit in ihrer Schule zu. Lobspruch der Weißheit. Der Druyden Haß gegen die Griechischen Weltweisen. Machen rechtlichen Anspruch auf den Minervischen Tempel /und verlangen vom Melo die Abtretung desselben /ziehen auch eine alte alldar gestandene Eiche zum Beweiß an. Timon der Griechische Weltweise wiederspricht dem obersten Priester Erdmeyer deßwegen /weiset ihm die angezogene Eiche an einem andern Orte; daran eine nachdenckliche Schrifft gefunden wird / worüber allesamt bestürtzt werden. Melo läßt sie mit einem Schrancken verwahren. Fernere Wortwechselung wegen dieser Eiche und des Eigenthums. Divitiachs eines Britannischen Druys / und Timons Wort-Streit vom Zweifel der Einbildung und der Warheit; wie auch / ob jemand glauben könne / daß kein GOtt sey. Die Druyden begehren / daß die Griechen mit ihrer den Fürsten und dem Wolstande Deutschlands schädlichen Lehre möchten austilget werden; die Geheimnüsse des Gottesdienstes müsten nicht jedermann gemein gemacht werden. Timon aber vertheidigt sich rühmlich gegen den Druyden / und erweiset / daß ihnen mehr Laster und falsche Lehre beygeleget würde / als sie in Warheit glaubeten / lobet zugleich GOtt und die Weißheit / dieselbe solle jedermann lernen. Melo aber vereinbaret sie allerseits /entscheidet ihre Zwistigkeiten klüglich / und zeigt dabey an / wie schädlich der Zwang zu[229] einem Gottesdienste sey / und ermahnet sie zum Glimpf und Eintracht. Melo lässet hierauf Novesium berennen. Bentheim erobert Duromach / Steinfurt / Buring. Melo lasset Hülfs-Völcker in die Festung / damit sich in kurtzem Mangel an Lebens-Mitteln ereignen soll. Stertinius hält vergeblich umb Vergleich an; Ermahnet hierauf durch eine tapfere Rede die Seinigen sich außer der Festung durch den Feind zu schlagen. Die Deutschen empfangen sie übel. Mörs und Gladebeck begegnen dem Plancus tapfer. Plancus sprengt mit etlichen Römern in die Erpe / geräth aber erst dem Ritter Galen in die Hände. Stertinius und der Graf von Bentheim kommen an einander. Melo ko t dem nothleidenden Bentheim / dieser aber / als Melo von denen von Norbanus dem Stertinius zu Hülffe gebrachten Römern und Galliern umbringt und verwundet wird /dem Melo wieder zu Hülffe; welcher des Norbanus Sohn den Kopff zerspaltet. Stertinius und Norbanus müssen das Feld räumen / und den Deutschen die Festung Novesium lassen. Graf Bentheim erobert Tolpia; Stirum Tiberiach; Willich Belgica mit allem Lande zwischen dem Rheine / und der Rohr / bis ans Ubische Altar. Germanicus ziehet mit seinem Heere dem Tiberius auf seinen Befehl entgegen; Vereinbahren ihre beyde Heere und schlagen ihr Lager bey Bingen an der Nave. Der Feldherr Herrmann aber setzt sich mit dem deutschen Heere zwischen Bingen und dem Altare des Bacchus; Beobachtet fleißig des Tiberius Vorhaben. Der Römer starcker Ausfall aus dem Altare des Bacchus auf den Arpus. Werden aber von dem Grafen Hanau / Wißbaden und Weilgrief tapfer empfangen / dem Trebatius der Rückweg zum Thore abgeschnitten / und er darüber getödtet. Worauf der Graf von Solm und hernach die übrigen Deutschen hinein dringen / und die Stadt erobern; Caponius der Römische Befehlhaber selbst wird getödtet. Herrmann und Arpus setzen über den Rhein / fodern den Tiberius zur Schlacht aus. Germanicus wil schlagen; Tiberius aber widerräth es. Beyde ziehen sich zurück. Die Deutschen finden unter vielen Römischen Waffen auch des Drusus silbernen Schild / worauf sein Sieges-Zeichen an der Elbe gesetzt ist; welcher in den Tanfanischen Tempel nebst andern Waffen geschickt wird. In der eroberten Festung wird viel Wein gefunden / welcher insonderheit den Catten sehr wol schmeckt. Etliche Catten und Cherusker gerathen im Trumke an einander. Arpus befiehlt dis schädliche Geträncke auszuschütten. Der Hohepriester des Bacchus bittet den Feldherrn und Arpus das abgöttische Heiligthum des Bacchus zu zerstören; Giebt sich vor des Vanglonischen Hertzog Ehrenfrieds Sohn zu erkennen / und klaget über der Römer Abgötterey / und daß August in Gestalt des Bacchus daselbst göttlich verehret würde. Beschreibung des vom Drusus gebauten Bacchus-Tempels; seltzame steinerne Schlangen mit dem Nahmen Deutschlands. Des Arpus Verachtung / und des Feldherrn Lobspruch des Weines; dessen Nutz und Schädligkeit. Der Hohepriester giebt ihnen beyden eine Schale voll Wein zu kosten. Ihr Gespräch von allerhand Weinen; Weil der Wein beyden gut schmeckt / trincken sie Gesundheiten / und Arpus wird anders Sinnes / daß er den Weinstock nicht auszurotten begehret. Ferneres Gespräch von allerhand Mischung und Gebrauch der Weine / auch Brunnen / derer Wasser nach Wein schmecken. Des Priesters[230] Erzehlung von des Drusus Weinbau in Deutschland; Und wie er an des Käysers Geburts-Tage dem Rheinweine zu Ehren ein prächtiges Feyer angestellet / und einen schönen Aufzug gehalten. Darinnen anfangs der Geist aller Dinge / der Natur / der Pflantzen / der Berggewächse / hernach Flora und Pomona / nach diesem zwantzig Länder aufgeführet werden / welche vor sechzig darinnen wachsende berühmte Bäume ihr Lob heraus streichen / und allerseits umb den Vorzug / welchem Baum wol der Sieges-Krantz aufgesetzet werden solle / kämpfen; da denn endlich der Weinstock den Preiß behält; und ihm unter einem Lust-Tantze der Sieges-Krantz aufgesetzet wird. Weil aber alle mit einander streitende zwantzig Länder Wein bauen / bekommen sie einen neuen Zwist / welchem Weinstock unter ihnen der Sieges-Krantz gebühret. Jedes Land führet das Vorrecht seines Weinstocks an. Die Natur aber spricht das Urthel: daß unter den Bäumen der Weinstock / unter den Ländern aber Deutschlands Rheinwein den höchsten Preiß verdiene. Worauf alle Länder und Bäume wie der einen Tantz hegen. Tiberius sinnet einen Zanck-Apfel unter die deutschen Fürsten zu werffen; fängt es zwischen den Catten und Sicambrern an. Herrmann und Arpus nehmen die Belägerung Meyntz für / und verlangen / daß Melo die Belägerung des Ubischen Altares indessen aufheben / und zu ihnen stossen solle; welches er aber zu thun nicht rathsam hält /weßwegen ihr Argwohn mehr zunimmet. Die Deutschen bieten dem Tiberius eine Schlacht an. Beyde stellen ihr Heer in Schlacht-Ordnung / kommen aber nur durch Scharmützel an einander. Siegesmund und Jubil behalten zwey vortheilhafte Hügel. Melo befiehlt seinem Sohn Franck ihm zu Hülffe zu kommen /welcher im Bedencken stehet: ob er seines Vaters Befehl befolgen / oder zuvor des Feldherrn und Arpus vorhabenden Schlacht beywohnen solle. Der Feldherr macht ihm / als er sich von ihnen abziehet / Kummer hierüber; Arpus aber leget ihm solches als eine schimpfliche Feigheit aus. Der Feldherr befiehlet dem Hertzog Jubil die Oberaufsicht des rechten Flügels; und beredet den Franck bey ihnen Stand zu halten. Ingleichen besänftigt er den Arpus. Die Römer fallen unterm Germanicus das deutsche Lager an. Fürst Catumer / Franck und Jubil verwehren der Gallier Vorbruch / und thun dem anfallenden Tiberius tapfern Widerstand; ziehen sich aber klüglich zurücke. Germanicus stürmet das deutsche Lager an dreyen Orten; Marcomir vertheidigt solches aufs beste / und verwehret den völligen Einbruch. Fürst Siegesmund / Graf Schwartzenburg entsetzen ihn / und halten mit dem Cäcina ein scharffes Gefechte. Graf Barby aber bringt dem Marcomir Hülffs-Völcker ins Lager / worauf die Römer weichen müssen. Siegesmund trifft auf der andern Seite des Lagers auf die gegen den Grafen Stolberg stürmenden Gallier / Pannonier und Hispanier. Germanicus läßt auf eingezogene Nachricht / daß viel Deutsche gegen das Läger anzügen / vom Sturme abblasen. Und geräth in Argwohn / als ob Tiberius die Deutschen / ihm eines zu versetzen / mit Fleiß angestellet habe. Beyde Römische Feldherren ziehen sich gegen Meyntz / ingleichen auch die Deutschen; welche daselbst ihr Läger anzünden / und ihr gantzes Heer zu Bingen ankommt. Tiberius findet zu Meyntz des König Marbods Gesandten / den Ritter Stahrenberg / welcher vom Deutschen Feldherrn und Arpus Gleits-Briefe[231] nach Bingen zu kommen / verlanget. Der Gesandte wird prächtig empfangen. Und nimmet bey allen deutschen Fürsten außer dem Hertzog Jubil Verhör. Begehret daß Segesthes freygelassen / und ein Frieden geschlossen / sein König aber als ein Mitler angenommen werden möchte. Der Deutschen Neigung zum Frieden. Siegesmund widerräthet den ihnen verdächtigen Marbod zum Mittler anzunehmen. Arpus gibt ihm mit wichtigen Ursachen Beyfall. Jubil aber ist widriger Meynung. Arpus setzet zwar ihm mehrere Ursachen entgegen; alle aber fallen dem Jubil bey des Gesandten Vorschläge zu hören. Daher der Feldherr so wohl des Marbods / als des Alemannischen Hertzog Ariovistens Gesandten mit gewünschter Antwort abfertigt. Welche dem Tiberius hiervon Bericht geben; hernach mit Cäcinen dem Römischen und andern Gesandten zu Bingen einen Stillstand der Waffen fürschlagen. Die deutschen Fürsten schicken gleichfalls umb der Römischen Hoheit nichts zu vergeben / ihre Gesandten nach Meyntz. Melo und Ganasches Gesandten wollen wegen der verdächtigen Friedens-Handlung nicht in den Stillestand willigen; wird also solcher zu grosser Verwirrung des Cäcina abgeschlagen. Dieser versucht durch Geld und andere Mittel mehr Mißtrauen unter die Deutschen zu säen. Des Tiberius listige Ehren-Bezeigung gegen die Gesandten; der Deutschen Unwillen / und des Feldherrn Ausschlag darüber. Hertzog Ariovistes Gesandter Graf Oettingen hält beyden Theilen wegen des unnöthigen Streits umb den Vorsitz / Tittel / und Tritten / vernünfftig ein / umb nicht so viel Zeit und Unkosten darüber zu verschwenden. Jubil schickt an statt des Schönbergs / den Ritter Reussen zum Gesandten nach Meyntz. Tiberius erklärt sich auf des Germanicus Zureden / allen Deutschen Gesandten gleichmässige Ehre zu bezeigen; und begehret hierauf durch des Marbodischen Gesandten Vortrag die Wieder-Einräumung aller am Rheine / dem Gebürge Taunus und der Lippe gelegenen Plätze; hingegen verlangen die Deutschen durch den Alemannischen Gesandten / das gantze Belgische Gallien biß an die Seene / weil die Einwohner alle deutscher Ankunfft wären. Beyde Theile wollen von den ersten Vorschlägen nicht weichen. Des Marbodischen Gesandten bewegliches Zureden im deutschen Fürsten-Rathe. Der Deutschen Stillschweigen hierüber; der Feldherr aber verspricht solchem nachzusinnen; bittet den Stahrenberg die Römer zu billichen Vorschlägen zu bereden; welches er auch redlich thut. Beyder Theile Erklärung. Melo erobert inzwischen das Ubische Altar. Thußnelde gebiehret bey dem Altar des Bacchus einen Sohn / Freudens-Bezeigungen hierüber. Der neugebohrne Sohn wird dreymal in den Rhein-Strom getaucht. Cäcina forschet bey dem Druys nach dessen Ursache; welcher ihm solche Bedeutung erkläret / und was die Seele sey / beschreibet. Der Feldherr ladet alle Gesandten und Botschafter zu einem Danckmahl wegen der Geburt seines Sohnes / und läßt selbigem den Nahmen Thumelich geben. Hundert Druyden schneiden solchen in Eichen. Bedeutung dessen. Der Cherusker Freude. Herrmann richtet seinẽ Kriegsheere deshalben ein Gast-Mahl aus. Der Barden sinnreiche Getichte / und Sinn-Sprüche. Wie viel einem Fürsten an Kindern gelegen sey. Diese Geburt ist auch dem Feldherrn zur Friedens-Handlung vorträglich; indem der hartnäckichte Tiberius sich erkläret / alles verlohrne am Rhein / ausser das Ubische und des Bacchus[232] Altar /zu vergessen; welche zwey Festungen aber des Feldherrn und Melo Gesandten nicht abtreten wollen. Arpus dringet auch auf die Einräumung der Stadt Meyntz. Tiberius hat darzu taube Ohren. Doch wird Bedenck-Zeit gegeben. Der beyden Mittler Gesandten dräuen so denn sich zu dem willigen Theil zu schlagen / und den widersetzenden zu einem Frieden zu zwingen. Des Feldherrn schöne Antwort hierauf. Melo und Ganasch bleiben bey ihrem Vorsatze nichts wieder zu geben / und wollen sich an des Marbods und Ariovistes Gesandtẽ Dräuungen nicht kehren. Arpus / Jubil / Siegesmund / Marcomir / und anderer Fürsten Gegen-Ursachen / daß man in allen Verträgen etwas nachlassen müste; und ob es auch der Müh lohnete / noch ferner einen ungewissen Krieg umb diese Festungen zu führen. Der Feldherr aber wil in die Abtretung des Bacchus Altar / weil es seines Sohnes Geburts-Stadt / noch auch Melo in des Ubischen Altars willigen. Hertzog Ingviomer ko t nach Bingen / stattet dem Feldherrn und andern deutschen Fürsten im Fürsten-Rath von seiner Gesandschafft an dem Marbodischen Hofe ausführliche Nachricht ab / und zeiget an / wie falsch Marbod gegen die Deutschen handele / und es mit den Römern gehalten; wie er ihm deswegen zugeredet; Marbod aber dennoch ihm zu Calegia in Gegenwart des Römischen Gesandten Servilius / sein mächtiges Kriegsheer gegen die deutschen Bunds-Genossen gezeiget / wobey der Alemannische Gesandte Graf von Hohenloh 20000. Mann bereit stehende Hülffs-Völcker angebothen; wie Ingviomer dem Marbod / bey hierbey aufgestossenem Hasen / einen unglücklichen Ausgang gewahrsagt /Servilius drüber gelacht; ihr Gespräche von dergleichen Zufällen. Zwey Adler hätten in der Lufft über dem Heere grimmig mit einander gestritten / worbey der über sich sehende Servilius über einen Stock gestürtzt. Hierauf sey ein Storch geflogen kommen / da sie denn vom Kampfe abgelassen. Ingviomer hätte abermals dem Marbod solches als Unglücks-Zeichen ausgedeutet / welcher endlich davon bewegt worden /daß er sein Heer ins alte Läger rucken lassen; auch dem Ingviomer zu seinen deutschen Bunds-Genossen zu reisen erlaubet. Die Fürsten dancken vor seine Gesandschafft. Melo räthet den Krieg wider den Marbod / Ariovisten und die Römer fortzusetzen / welchem aber Jubil widerspricht. Weil nun die andern Fürsten ihm beypflichten / werden sie schlüssig die zwey Festungen den Römern abzutreten; worüber Melo ungeduldig wird. Beyde Theile suchen ihr Recht zu behaupten. Der Feldherr bemühet sich den Melo zu besänftigen / und in die Zeit zu schicken; der aber voller Verdruß mit Zerbrechung dreyer Pfeile / gleichsam ihnen das Bündnüß aufkündigt / und aus der Versa lung gehet. Arpus räthet zwar bald Friede zu schlüssen / der Feldherr aber ist widriger Meynung; worauf endlich der Friede mit gewissen Bedingungen geschlossen / dem Marbod / Ariovisten / und dem deutschen Heere kund gethan wird. Allen Volckes / auch des deutschen Frauenzimmers Frolocken und Vergnügung darüber. Einige davon bieten sich zu Geiseln an. Die deutschen Fürsten lassen den Frieden durch den beredsamen Grafen Hanau dem Melo verkündigen; und ihn zu Abtretung des Ubischen Altars / gegen tausend Pfund Silbers ermahnen. Melo stellet sich hierüber ungeduldig / und wil das Silber nicht annehmen. Der Friede aber wird auf einem kleinen Eylande im Rhein ordentlich vollzogen. Streit / in was vor einer Sprache[233] und auf was vor Papier die Friedens-Bedingungen geschrieben werden sollen. Endlich werden zwey helffenbeinerne Taffeln und die Griechische Sprache darzu beliebet. Eine ertztene Säule wird zum Gedächtnüß mit einer darein geetzten Schrifft aufgerichtet / und hierauf von beyden Theilen der Friede beschworen / auch die Römischen Gesandten nach deutscher Art bewirthet.

Quelle:
Daniel Caspar von Lohenstein: Großmütiger Feldherr Arminius, Zweyter Theil, Leipzig 1690, S. 227-234.
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