XII.

1VND er fieng an zu jnen durch Gleichnisse zu reden. Ein Mensch pflantzet einen Weinberg / vnd füret einen Zaun drumb / vnd grub eine Kelter / vnd bawet einen Thurn / vnd thet jn aus den Weingartnern / vnd zoch vber Land. 2Vnd sandte einen Knecht / da die zeit kam zu den Weingartnern / Das er von den Weingartnern neme von der Frucht des weinberges. 3Sie namen jn aber vnd steupten jn / vnd liessen jn leer von sich. 4Abermal sandte er zu jnen einen andern Knecht / Dem selben zeworffen sie den Kopff mit steinen / vnd liessen jn geschmecht von sich. 5Abermal sandte er einen andern / Denselben tödten sie / vnd viel andere / Etliche steupten sie / etliche tödten sie. Matt. 21; Luc. 20; Jsai. 5;Jere. 2.


6DA hatte er noch einen einigen Son / der war jm lieb / Den sandte er zum letzten auch zu jnen / vnd sprach / Sie werden sich fur meinem son schewen. 7Aber die selben Weingartner sprachen vnternander /Dis ist der Erbe / Kompt lasst vns jn tödten / so wird das Erbe vnser sein. 8Vnd sie namen jn vnd tödten jn / vnd wurffen jn her ausfur den Weinberg. 9Was wird nu der Herr des weinberges thun? Er wird komen / vnd die Weingartner vmbbringen / vnd den Weinberg andern geben. 10Habt jr auch nicht gelesen diese Schrifft? Der stein / den die Bawleute verworffen haben / der ist ein Eckstein worden. 11Von dem HERRN ist das geschehen / vnd es ist wunderbarlich fur vnsern augen. 12Vnd sie trachten darnach / wie sie jn grieffen / vnd furchten sich doch fur dem Volck / Denn sie vernamen / das er auff sie diese Gleichnisse geredt hatte / Vnd sie liessen jn / vnd giengen dauon. Psal. 118; Jesa. 28; Act. 4; Rom. 9; 1. Pet. 2.


13VND sie sandten zu jm etliche von den Phariseern vnd Herodis dienern / das sie jn fiengen in worten. 14Vnd sie kamen vnd sprachen zu jm / Meister wir wissen / das du warhafftig bist / vnd fragest nach niemand / Denn du achtest nicht das ansehen der Menschen / sondern du lerest den weg Gottes recht /Jsts recht / Das man dem Keiser zinse gebe / oder nicht? sollen wir jn geben / oder nicht geben? 15Er aber mercket jre heucheley / vnd sprach zu jnen / Was versuchet jr mich? Bringet mir einen Grosschen / das ich jn sehe. 16Vnd sie brachten jm. Da sprach er /Wes ist das Bilde vnd die vberschrifft? Sie sprachen zu jm / Des Keisers. 17Da antwortet Jhesus / vnd sprach zu jnen / So gebet dem Keiser / was des keisers ist / Vnd Gotte / was Gottes ist. Vnd sie verwunderten sich sein. Mat. 22; Luc. 20; Rom. 13.

18DA tratten die Saduceer zu jm / die da halten /Es sey keine Aufferstehung / die fragten jn / vnd sprachen / 19Meister / Moses hat vns geschrieben / Wenn jemands Bruder stirbt / vnd lesst ein Weib / vnd lesst keine Kinder / So sol sein Bruder desselbigen weib nemen / vnd seinem bruder samen erwecken. 20Nu sind sieben Brüder gewesen / Der erste nam ein weib / der starb / vnd lies keinen Samen. 21Vnd der ander nam sie / Vnd starb / vnd lies auch nicht samen. Der dritte desselbigen gleichen / 22vnd namen sie alle sieben / vnd liessen nicht samen. Zu letzt nach allen /starb das Weib auch. 23Nu in der Aufferstehung /wenn sie aufferstehen / welchs weib wird sie sein vnter jnen / Denn sieben haben sie zum weibe gehabt? Mat. 22; Luc. 20; Deut. 25.

24DA antwortet Jhesus vnd sprach zu jnen / Jsts nicht also? Jr jrret / Darumb das jr nichts wisset von der Schrifft / noch von der krafft Gottes. 25Wenn sie von den Todten aufferstehen werden / so werden sie nicht freien / noch sich freien lassen / sondern sie sind wie die Engel im Himel. 26Aber von den Todten / das sie aufferstehen werden / Habt jr nicht gelesen im buch Mosi / bey dem pusch wie Gott zu jm saget /vnd sprach / Jch bin der Gott Abraham / vnd der Gott Jsaac / vnd der Gott Jacob 27Gott aber ist nicht der Todten / sondern der Lebendigen Gott. Darumb jrret jr seer. Exod. 3. [272b]

28VND es trat zu jm der Schrifftgelerten einer / der jnen zugehöret hatte / wie sie sich mit einander befrageten / vnd sahe das er jnen fein geantwortet hatte /vnd fraget jn / Welchs ist das furnemest Gebot fur allen? 29Jhesus aber antwortet jm / Das furnemest Gebot fur allen geboten ist das / Höre Jsrael / Der HERR vnser Gott ist ein einiger Gott / 30Vnd du solt Gott deinen HERRN lieben / von gantzem hertzen /von gantzer Seele / von gantzem Gemüte vnd von allen deinen Krefften / Das ist das furnemeste Gebot. 31Vnd das ander ist jm gleich / Du solt deinen Nehesten lieben / als dich selbs. Es ist kein ander grösser Gebot / denn diese. Matt. 22; Luc. 10; Deut. 6; Luc. 10; Luc. 19; Rom. 13; Gal. 5.

32VND der Schrifftgelerter sprach zu jm / Meister / du hast warlich recht geredt / Denn es ist ein Gott / vnd ist kein ander ausser jm / 33Vnd denselbigen lieben von gantzem hertzen / von gantzem gemüte / von gantzer seele / vnd von allen krefften / Vnd lieben seinen Nehesten als sich selbs / das ist mehr denn Brandopffer vnd alle Opffer. 34Da Jhesus aber sahe / das er vernünfftiglich antwortet / sprach er zu jm / Du bist nicht ferne von dem reich Gottes. Vnd es thurste jn niemand weiter fragen. Mat. 22.


35VND Jhesus antwortet / vnd sprach / da er leret im Tempel / Wie sagen die Schrifftgelerten / Christus sey Dauids son? 36Er aber Dauid spricht / durch den heiligen Geist / Der HERR hat gesagt zu meinem Herrn / Setze dich zu meiner Rechten / Bis das ich lege deine Feinde zum schemel deiner füsse. 37Da heisst jn ja Dauid seinen Herrn / wo her ist er denn sein Son? Vnd viel Volcks höret jn gerne. Luc. 20; Psal. 110; Matt. 23.


38VND er leret sie / vnd sprach zu jnen / Sehet euch fur / fur den Schrifftgelerten die in langen Kleidern gehen / vnd lassen sich gerne auff dem Marckte grüssen / 39vnd sitzen gerne oben an in den Schulen /vnd vber tisch im Abendmal / 40Sie fressen der Widwen heuser / vnd wenden langes Gebet fur / Dieselben werden deste mehr verdamnis empfahen. Luc. 11;Luc. 20; Luc. 21.


41VND Jhesus setzet sich gegen den Gotteskasten / vnd schawet / wie das volck Geld einlegte in den Gotteskasten / Vnd viel Reichen legten viel ein. 42Vnd es kam eine arme Widwe / vnd legte zwey Scherfflin ein / die machen einen Heller. 43Vnd er rieff seine Jünger zu sich / vnd sprach zu jnen / Warlich / Jch sage euch / diese arme Widwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt / denn alle die eingelegt haben. 44Denn sie haben alle von jrem vbrigen eingelegt / Diese aber hat von jrem armut alles was sie hat /jre gantze Narung eingelegt.


Quelle:
Martin Luther: Die gantze Heilige Schrifft Deudsch. 2 Bände, München 1972.
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