Drittes Kapitel

»Om, mani padme hum!«

[362] Seit jener Arretur in Moskau waren Jahre vergangen. Mein stets nur für kurze Zeit schlummernder Wandertrieb hatte mich wieder einmal nach Amerika geführt, wo ich südwärts bis nach Valparaiso gekommen war, von wo aus ich mit dem Dreimaster ›Poseidon‹, Kapitän Roberts, das stille Weltmeer durchpflügt hatte, um auf einem der Pomatu-Riffe Schiffbruch zu leiden. Was von da aus bis Canton und Li-ting, der Karpfenstadt, geschah, wissen meine lieben Leser. Es ist ihnen auch bekannt, wie ich mich dort mit Turnerstick rettete, und daß ich mit ihm glücklich auf seinem ›The wind‹ wieder ankam.

Wir besuchten darauf in Macao das ›tapfere Meisje‹, deren Herrschaft uns mit guten Gründen überzeugte, daß es für uns geraten sei, von einer Anzeige abzusehen. Der Konsul, an welchen wir uns dann wendeten, war ganz derselben Ansicht. Wir verzichteten also darauf, über Kong-ni, seine Verhältnisse und Absichten etwas Näheres zu erfahren, und lichteten die Anker, sobald ›The wind[362] vollständig ausgebessert worden war und neue Ladung eingenommen hatte. Turnerstick segelte als sein eigener Rheder nordwärts die den Ausländern offenen Hafenplätze an, bis wir in der Bai von I-mo-tung Anker warfen. Von hier aus wollte Turnerstick hinüber nach den Liu-kiu und Japan, wozu ich keine Lust hatte, denn ich wollte gern ein wenig landeinwärts gehen. Bis über den Khing-gan hinauf nach der Gobi ist es nicht sehr weit, und da ich im Besitz von Papieren war, mit deren Hilfe ich für einen Chinesen gelten konnte, so entschloß ich mich am Ende doch, mich von dem alten, wackern Freunde zu trennen, um wenigstens für einige Tage Wüstenluft zu atmen. Ich brachte also meine wenigen Habseligkeiten in Tien-thin unter, nahm Abschied und fuhr per Boot nach Keng-ting, wo eine Bucht tief in das Land einschneidet und man durch einen scharfen Ritt innerhalb eines Tages die berühmte chinesische Mauer erreicht, jenseits welcher bereits die offene Steppe beginnt.

Ich bezahlte in Keng-ting den Bootsmann und begab mich zunächst nach einer Herberge. Vor derselben waren vier Pferde angebunden. Als ich eintrat, sah ich auf dem mächtigen Kang20 zwei Männer sitzen, welche Ziegelthee mit Butter tranken. Der eine trug die Kleidung der westlichen Tataren, und den andern erkannte ich an seiner gelben Mütze als einen Lama.

»Men-du!« grüßte ich.

»A-mor!« dankten beide.

»Du bist ein Fremdling,« sprach dann der Lama freundlich. »Steige herauf, und trinke den Thee mit uns!«

»Ich danke euch! Euer Thee geht zur Neige. Wollt ihr nicht lieber mit mir von dem meinen trinken?«

»Wo hast du ihn?«[363]

»Wo ist der Besitzer dieser Herberge, der mir ihn bereiten soll?«

»Er sah dich kommen und ging, sein Weib zu rufen. Setze dich zu uns und trink; dann trinken wir auch mit dir!«

Ich folgte dieser Einladung und stieg auf den Ofen. Ich mußte zwischen den beiden Platz nehmen; sie griffen in den Gürtel und brachten ihre Tabakfläschchen hervor, aus denen mir jeder ein wenig auf die Hand schüttete, was ich schnupfen mußte. Ich hatte mich auf diese Art der Begrüßung vorbereitet, griff auch nach meinem Fläschchen und erwiderte die Höflichkeit. Dann zog ich mein Holznäpfchen aus der Busentasche, wo es jeder Mongole trägt, hervor und erhielt es voll Thee geschenkt.

Der Trank mundete nicht eben sehr. Der Ziegelthee ist die gewöhnlichste Sorte des Thees, und da er hier obendrein mit ranziger Butter übergossen war, so hatte ich Mühe, ihn zu verschlucken.

Nun kam der Wirt mit seinem Weibe. Beide machten nicht den Eindruck allzu großer Reinlichkeit, begrüßten mich aber mit gewinnender, aufrichtiger Herzlichkeit. Ohne daß ich etwas bestellte, wurde ein kleines, niedriges Tischchen vor meine Füße geschoben, auf welchem mehrere lackierte Kästchen mit Hafermehl, gerösteter Hirse, Butter und Käseschnitten standen. Dann kam ein ziemlich großes Gefäß mit kochendem Thee dazu, aus welchem wir mit unsern Näpfen schöpften.

»Woher saht ihr, daß ich ein Fremdling bin?« fragte ich.

Ich trug Lederhosen, hohe Stiefel, Pelzmütze und einen weiten mantelähnlichen Rock, wie ein Mongole, und hatte nicht gedacht, so schnell als Ausländer erkannt[364] zu werden. Der Mongole lächelte und zeigte auf meine Gewehre und die Revolver.

»Kein Ta-dze21 hat solche Waffen.«

Der Lama nickte und fügte hinzu:

»Du hast dasselbe Gesicht, welches Hü-ik hatte, und er kam aus dem Westen.«

»Wer ist Hü-ik?«

»Hü-ik war ein großer Lama. Er kam, uns einen sehr schönen Glauben zu lehren. Er erzählte uns von dem Himmelsherrn und seinem Sohne, von einer heiligen Jungfrau, welche die Mutter Gottes ist, und von einem Geiste, welcher fromm und selig macht. Der Sohn des Himmelsherrn kam auf die Erde, um die Sünde wegzunehmen, und kehrte in den Himmel zu rück, nachdem er Tote erweckt, Kranke geheilt und noch sehr viel andere große Thaten und Wunder verrichtet hatte.«

Dieser Mann sprach jedenfalls von einem Missionär. Ich suchte zu erfahren, wen er meinte.

»Wo ist dieser gelehrte Lama jetzt?«

»Er kam aus dem Lande der Framba22 und hatte einen Gefährten bei sich, der Scha-pe genannt wurde. Ich traf sie in dem großen Lamakloster Kun-bum. Sie gingen dann nach Lha Ssa, durften aber nicht dort verweilen, sondern wurden von dem Kin-tschaï23 des Kaisers fortgeschickt.«

»Hieß dieser Kin-tschaï Ki-schan?«

»Ja.«

»So kenne ich diese beiden frommen und sehr weisen Lamas. Ihr Diener, den sie bei sich hatten, hieß Sandadschiemba.«[365]

Der Lama machte eine Bewegung der Freude.

»Wahrhaftig, du kennst sie, denn so hieß ihr Begleiter. Bist du auch ein Framba?«

»Nein; ich bin ein Germa; aber unser Reich liegt neben dem Lande der Framba, und wir haben ganz denselben Glauben wie sie.«

»Dann mußt du mir von dem mächtigen Sohne des Himmelsherrn erzählen, von seiner Mutter, welch Ma-ri heißt und im Himmel für uns bittet, von Pe-tre und Jo-an24, die er lieb gehabt hat, und von La-sa- ra25, den er vom Tode erweckte! Was ist das Ziel deiner Reise?«

»Ich will hinauf nach dem Khin-gan und der Wüste.«

»Auf welchem Wege?«

»Ich kenne keinen. Ich werde mir hier ein Pferd kaufen und einen Führer nehmen.«

Ich hatte nämlich das aus Li-ting entführte Mori-mori-Pferd, welches ich mit Recht als gute Beute betrachtete, schon im nächsten Hafen verkauft, weil der Transport desselben per Schiff zu schwierig war. Turnerstick hatte ganz dasselbe auch mit demjenigen gethan, auf welchem er mit mir entflohen war.

Er schlug vor Freude die Hände zusammen.

»Das wirst du nicht thun, denn du wirst auf einem Pferde dieses Mannes reiten und mit uns reisen. Du mußt nämlich wissen, daß ich ein Schabi26 des ›großen Heiligen‹ von Kuren bin, wo über dreißigtausend Lamas wohnen. Ich bin durch die große Wüste gereist, um das heilige Mukden zu besuchen, und kehre nun zurück. Ich werde nach dem Bokte-oola27 gehen, wo ein großer[366] Heiliger in einer Höhle wohnt. Das ist ganz nahe an dem Gebirge, über welches du gelangen willst.«

»Wie heißt dieser Heilige?«

»Er hat keinen Namen; aber er ist berühmt, diesseits und jenseits der Berge, denn er sendet seine Boten aus, welche für ihn sammeln, weil er ein Kloster für zehntausend Lamas bauen will und ihnen Schriften offenbaren, welche Buddha ihm des Nachts verkündet. Auch er kam aus dem Westen, wo die Lehren schöner, weiser und reiner sind als im Osten. Reitest du mit uns?«

»Ja, wenn du mir eines deiner Pferde verkaufest,« wandte ich mich an den Mongolen.

»Du bist ein großer Lama,« antwortete dieser. »Ich werde es dir nicht verkaufen, sondern ich schenke es dir, so lange du es brauchest.«

Eine so günstige Gelegenheit bot sich mir jedenfalls nicht gleich wieder, und ich griff daher schleunigst zu. Besonders interessierte es mich, daß der Lama mit den beiden Missionären Huc und Gabet zusammengetroffen war und die von diesen überkommenen christlichen Anschauungen so fest im Herzen bewahrt hatte.

»Wie heißest du?« fragte ich ihn.

»Nenne mich Schangü.«

»Und du?« fragte ich den Mongolen.

»Ich heiße eigentlich ganz anders, aber man nennt mich Bara28

»So mußt du sehr stark und mutig sein.«

»Ich habe sehr viel mit den Kolo und mit wilden Tieren gekämpft und bin nie geflohen,« antwortete er stolz. »Wie sollen wir dich nennen?«

Ich nannte ihnen meinen Namen. Der Lama sann ein wenig nach. Dann meinte er:[367]

»Das ist ein fremder Name, bei dem man sich nichts zu denken vermag. Erlaube, daß wir dich Baturu29 heißen!«

»Warum giebst du mir gerade diesen Namen?«

»Hast du nicht so viele Waffen bei dir? Mußt du da nicht tapfer sein?«

Das war allerdings ein echt mongolischer Schluß. Die Lamas sind gelehrt, weil jeder von ihnen einige Bücher abgeschrieben hat, und ich mußte tapfer sein, weil ich einige Waffen bei mir trug.

Ich versah mich in dem Ort noch mit einigem, was mir fehlte, besonders mit Khatas und Ziegelthee, der als Zahlmittel gebraucht wird, las mir dann eines der Pferde aus und war nun zum Aufbruche bereit.

Die Khata oder das Glückstuch spielt im gesellschaftlichen Verkehre der Mongolen und Tibetaner eine sehr wichtige Rolle. Sie ist dreimal so lang als breit, hat eine bläulich angehauchte weiße Farbe, ist an den Enden gewöhnlich gefranst und besteht entweder aus Seide oder wenigstens aus einem seideähnlichen Gewebe. Man hat – je nach den Mitteln – große oder kleine, teuere oder billige Khatas, und jedermann muß solche bei sich tragen, da sie bei jeder Gelegenheit gebraucht werden. Macht man einen Besuch, spricht man eine Bitte aus, will man sich für etwas bedanken, feiert man ein Wiedersehen, will man seine Freude oder sein Beileid ausdrücken, in allen diesen und noch andern Fällen faltet man eine Khata auseinander und bietet sie dem Betreffenden an. Dieser ist natürlich gehalten, die Höflichkeit zu erwidern. Ohne Khata hat das kostbarste Geschenk keinen Wert, liegt aber eine Khata dabei, so gewinnt die einfachste Sache, der geringfügigste Gegenstand an Bedeutung. Einem Bittenden[368] seinen Wunsch abschlagen, wenn er eine Khata beifügt, würde gegen alle Sitte und Höflichkeit verstoßen.

Wir brachen auf. Gegenwärtig befanden wir uns auf mandschurischem Gebiete; hinter der Mauer aber hören die Ortschaften auf, und obgleich die Steppe zur Mandschurei gerechnet wird, durchstreift sie der Mongole ebenso frei wie der Mandschu.

Ich hatte bereits in meinen Knabenjahren von dem ›Wunderwerke‹ der chinesischen Mauer Schilderungen gelesen; ich sah mich aber leider enttäuscht, als wir sie am andern Tage erreichten, denn was ich von ihr erblickte, war nur ein wüster Schutthaufen, von welchem aus einzelne Steinbrocken nach hier und dort in die Ferne verliefen. Ich lernte sie gerade an einer Stelle kennen, wo sie aufgehört hat, als Mauer zu existieren. Meine beiden Begleiter ließen ihre Pferde über die Trümmer stolpern, ohne ein Wort über das berühmte Bauwerk zu verlieren.

Gegen Abend machten wir bei einer Herde Halt, welche aus Pferden, Ochsen, Eseln und Schafen bestand und von Hirten getrieben wurde, die unter dem Befehle eines Lama standen. Dieser war soeben im Begriffe, die Herde lagern zu lassen.

»Men-du, mein Herr Lama,« grüßte ihn Schangü.

»A-mor, mein Herr Bruder,« antwortete der andere. »Beliebt es euch nicht, Rast zu machen und diese Nacht bei mir zu bleiben?«

»Wenn du es uns erlaubst, so thun wir es.«

»Ihr seid mir willkommen!«

Er ließ uns schnupfen, wir ihn ebenfalls; somit war allen Formalitäten genügt, und wir konnten absteigen.

Die Herde bot einen wunderlichen Anblick dar.[369] Zwischen den Hörnern der Stiere, auf dem Rücken der Pferde und an den Schwänzen der Schafe waren papierene Windmühlen angebracht, welche die buddhistische Formel ›Om, mani padme hum‹ trugen und entweder vom Winde oder dem Gange der Tiere in immerwährender Bewegung erhalten werden. Diese Tschü-kor30 oder Gebetmühlen findet man in den buddhistischen Ländern allenthalben, besonders an Flüssen und Bächen in großer Menge. Vom Wasser in Bewegung gesetzt, beten sie zu Gunsten ihres Errichters Tag und Nacht. Auch in der Luft und auf dem Ofen werden sie angebracht; im letzteren Falle treibt sie die Wärme. Ihr Besitzer braucht nie selbst zu beten und kann sie sogar zu Gunsten eines anderen beten lassen.

Diese Tschü-kor mußten den Tieren abgenommen werden, ehe sie sich lagerten, was eine zeitraubende und schwierige Arbeit verursachte. Endlich saßen wir vereint am Feuer, welches mittels gesammelter Argols31 genährt wurde, und tranken unsern Ziegelthee. Jetzt erst hatte der fremde Lama Zeit, sich um unsere Verhältnisse zu bekümmern.

»Wo kommst du her?« fragte er Schangü.

»Aus Mukden.«

»Das ist weise von dir, daß du diese heilige Stadt besucht hast! Und wo willst du hin?«

»Nach Bokte-oola.«

»Und diese Männer auch?«

»Ja.«

»So wollt ihr den großen Heiligen sehen, dessen Diener und Schabi ich bin?«

»Du bist sein Schabi?«[370]

»Sein Schabi und sein Gesandter. Ich habe die Länder diesseits der Berge bereist, um für ihn und das neue Kloster einzusammeln. Das ist die fünfte Herde, welche ich beisammen habe, und ich führe sie nach Ki-rin, um mir Barren für die Tiere geben zu lassen. Ihre Gebete kommen dann ihrem Käufer zu gute.«

»Wer bekommt die Barren?« fragte ich.

»Der Heilige. Er verwahrt sie in seiner Padma, und wenn er genug hat, wird der Bau des Klosters beginnen.«

»Was ist diese Padma?«

»Die Höhle, welche er bewohnt, und seit dreißig Jahren ist er aus derselben nicht weggekommen.«

»Bist du der einzige, der für ihn sammelt?«

»Nein. Es wird für ihn gesammelt unter den Kitat, in der Wüste und in allen Ländern der Erde, wo man Buddha verehrt. Der Bau kann nun bald beginnen.«

»Wie weit hat man von hier nach Bokte-oola?«

»In drei Tagen werdet ihr dort sein und den Heiligen verehren und seine Schüler sein.«

»Ich bin Schüler des Heiligen von Kuren,« meinte Schangü stolz. »Ich bedarf keines zweiten Lehrers.«

»So werde du sein Schüler!« wandte sich der Sammler an mich.

»Auch ich habe bereits einen Lehrer. Er ist größer als alle die Heiligen und Schaberonen, zu denen ihr betet.«

»Wie heißt er?«

»Jesus.«

»Je-sus? Den kenne ich nicht und habe doch alle Bücher gelesen.«

»Hast du das Meer ausgetrunken, wenn du einen[371] Tropfen genossen hast? Es giebt viele Millionen, welche Jesus anbeten, und von diesen Millionen hat wieder gar mancher viele Tausende von Büchern, von denen du noch gar nichts vernommen hast. Ihr habt Mühlen, um viele Gebete zu fertigen, und wir haben Mühlen, welche an einem einzigen Tage Tausende von Büchern schreiben.«

Er machte ein sehr erstauntes Gesicht.

»Dann sind die Schabi von Je-sus sehr kluge Leute. Wie heißt das Kloster, in welchem er wohnt?«

»Er wohnt im Himmel hoch über den Sternen und hat hier auf Erden Millionen von Klöstern und Tempeln, in denen man ihn anbetet.«

»Es ist der Sohn des Himmelsherrn,« fiel Schangü ein und teilte nun mit großer Genugthuung die wenigen Kenntnisse mit, welche er sich über die christliche Lehre angeeignet hatte.

Die andern hörten sehr aufmerksam zu, und ich gelangte zu der Ueberzeugung, daß die heilige Mission bei den einfachen, arglosen Mongolen ein viel fruchtbareres Feld finden würde, als bei den arglistigen impassablen Chinesen.

»Habt ihr auch ein Om, mani padme hum?« fragte schließlich der Schabi des Heiligen.

»Wir haben viele Gebete. Soll ich euch einige sagen und einige Sprüche aus unserem heiligen Buche?«

»Sage sie.«

Ich betete ihnen das Vater unser und den englischen Gruß vor und erzählte ihnen den Ursprung die ser Gebete. Ich erzählte weiter und weiter; die Sterne stiegen höher und höher; das Feuer verlöschte, es wurde kalt, endlich graute der Morgen. Da erhob sich der Schabi, indem er sagte:[372]

»Du sprichst die Sprache der Ta-dze32 nicht gut, aber deinem Munde ist die Rede gegeben, wie dem Bache das Wasser, und deine Religion ist so hoch wie die Sterne da oben und so tief wie die Sterne, wenn sie gesunken sind. Ich habe den Schlaf versäumt, aber ich habe den Herrn des Himmels und der Erde kennen gelernt. Bleibe in Bokte-oola, bis ich wiederkehre; dann werde ich dir zuhören und alles niederschreiben, damit ich es meinen Brüdern sagen kann!«

Er ließ seinen Tieren die Gebetsmühlen wieder anhängen und brach dann mit seiner Herde auf. Beim Abschiede bat er mich:

»Gieb mir ein Wort aus dem heiligen Buche mit auf die Reise, damit meine Seele davon speisen kann!«

»Du sollst es haben: ›Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm!‹«

»Das ist ein sehr schöner, tiefer Spruch. Gieb mir noch einen!«

»›Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, dürfen ihn nicht durch die Tschü-kor, sondern im Geiste und in der Wahrheit anbeten!‹«

»Ueber diesen Spruch werde ich besonders nachdenken. Lebe wohl!«

Er ritt davon, kam uns aber bereits nach fünf Minuten nachgesprengt.

»Mein Bruder, erlaube mir jetzt noch eines: Du glaubst, daß der Himmelsherr die Tschü-kor nicht dulden mag?«

»Ich glaube es.«

»Warum?«[373]

»Er hat gesagt: ›Wenn du betest, so gehe in dein Kämmerlein und bete zu deinem Vater im Verborgenen.‹ Ein Vater hatte zwei Söhne. Der eine saß stets zu seinen Füßen und sprach gern und oft mit ihm; der andere aber war dazu zu bequem; er baute eine Mühle und schrieb darauf alles, was er vom Vater haben wollte. Welchem von den beiden wird das Herz des Vaters gehören, und wessen Bitte wird er lieber erfüllen?«

»Ich werde darüber nachdenken. Lebe wohl und verlaß Bokte-oola nicht, bis ich komme!«

Er sprengte seiner Herde im Galoppe nach. Ich wußte, daß ein Funken in sein Herz gefallen sei, welcher zur hellen Flamme werden konnte.

Je mehr wir uns dem Wohnorte des großen Heiligen näherten, desto reger wurde der Verkehr. Reiter auf Pferden, zuweilen auch bereits auf baktrischen Kamelen, begegneten uns oder eilten von rechts und links derselben Richtung entgegen. Auf allen höher gelegenen Punkten waren Gebetsmühlen angebracht, und allüberall fand ich das Om, mani padme hum in den Boden gegraben, in die Felsen geschnitten oder en relief aus zusammengelegten Steinen gebildet. Dieses fromme Suchen nach dem rechten Gott auf falschem Wege hatte für mich etwas tief Ergreifendes; ich hätte am liebsten gleich Missionar sein mögen und gestehe gern, daß ich noch niemals so viel über Religion gesprochen habe, als in dieser kurzen Zeit mit Schangü.

»Hast du nicht gehört, daß der Schabi erzählte, daß acht Oro33 bereits seit langer Zeit Schüler des großen Heiligen sind? Welche Lehre ist nun die richtige?« fragte er.[374]

»Diese Oro muß ich erst sehen. Ein echter und richtiger Anbeter des Himmelsherrn verehrt keinen Bokte-Lama.«

Der Schabi hatte dies wirklich erzählt, und ich muß sagen, daß ich sehr begierig war, sie zu sehen. Es war mir denn doch ganz unmöglich, zu glauben, daß acht Christen, obgleich vom griechischen Bekenntnisse, eine solche Sünde auf sich laden könnten.

Endlich erreichten wir Bokte-oola. Es war nichts als ein großes und sehr weitläufiges Zeltlager. Kein Zelt war ohne Tschü-kor, und der ganze ›heilige Berg‹, von welchem der Ort den Namen hatte, war von diesen Gebetmühlen bedeckt.

Schon von weitem konnte ich die ›Padma‹, die Lotosblume des Heiligen, erkennen. Der Berg stieg nach der Ebene zu fast senkrecht aus derselben empor und hatte doch oben in der Nähe seines Gipfels eine offene Höhle, deren Oeffnung die Form einer Lotosblume zeigte. Von der Höhle hingen zwei Seile herab, welche die einzige Art und Weise bildeten, zum Heiligen zu gelangen. An dem einen kletterte man empor; droben wurde jedem, dem es gelang, sich in die fürchterliche Höhe hinaufzuarbeiten, von dem Heiligen die Hand aufs Haupt gelegt, und dann mußte er hinüber zum andern Seile langen, um sich an demselben wieder hinabzulassen. In die Höhle selbst durfte keiner. Unten stand ein Lama, welcher die Opfergabe in Empfang nahm, die jeder zu entrichten hatte, der empor wollte. Rund um den Eingang der Höhle hatte man mit wahrhaft halsbrecherischer Kühnheit die Formel Om, mani padme hum angebracht.

Eigentlich war es komisch anzusehen, wenn einen sehr hoch Gelangten die Kräfte verließen, so daß er mit rapider Geschwindigkeit niederfuhr und alle hinter ihm am Seile[375] Hangenden mit zur Erde riß, so daß nun alle unter erneuter Opfergabe von neuem beginnen mußten.

Zwischen dem Zeltlager und dem Berge war die Formel in weiten Zügen auf den Boden gezeichnet, und Hunderte von Pilgern verrichteten ihre Andacht in der Weise, daß sie sich auf dieser Linie fortbewegten und, einer eng hinter dem andern, sich bei jedem Schritte zu Boden warfen. Viele von ihnen hatten sich von den Lamas große Lasten von Büchern aufbürden lassen, welche sie keuchend mit sich schleppten. Sie nahmen an, daß sie, wenn der Weg zurückgelegt war, alle Gebete hergesagt hatten, welche sie auf den Rücken trugen.

Uebrigens war das Leben und Treiben des Ortes nicht bloß ein rein religiöses. Es hatten sich chinesische Krämer und Geldwechsler eingefunden, und ich erblickte auch einige Theezelte, von denen ich eines sofort in Verdacht nahm, daß man da auch für gutes Geld eine Pfeife Opium haben könne.

Ich war nicht im Besitze eines Zeltes, da mein Ausflug kein langer sein sollte; ich wohnte vielmehr mit Schangü zusammen. Nachdem wir uns von dem Ritte ein wenig ausgeruht und dann die Andachtsübungen zunächst von weitem beobachtet hatten, traten wir in eines der Theezelte, welches so überfüllt von Menschen war, wie man es auf deutschen Jahrmärkten und Vogelschießen zu sehen bekommt. Wir setzten uns auf eine der erhöhten Matten und tranken einen Tscha, der allerdings besser, aber auch teurer war, als Ziegelthee.

Da drangen Laute an mein Ohr, die mich vor Ueberraschung beinahe zusammenzucken ließen. Es waren russische Worte, grad hinter meinem Rücken gesprochen, wo sich zwei Männer niedergesetzt hatten, die erst nach uns angekommen waren:[376]

»Sprich polnisch! Es giebt Chinesen und Mongolen, welche droben an der Grenze gewesen sind und daher ein wenig Russisch verstehen. Wer aus den Bergwerken entsprungen ist, kann nicht vorsichtig genug sein.«

»Das wird bald sein Ende haben. Was wir ausstanden, ist geradezu unmenschlich, aber der Gedanke, auf den dieser Mieloslaw geriet, ist wirklich großartig. Die Not wird ein Ende haben, und sind wir einmal in Kaï-tscheu oder Kin-tscheu, so sind wir geborgen und kommen dann leicht nach Australien oder Amerika.«

»Wo hat er denn das Mongolische her, welches er beinahe fließend spricht?«

»Er gab den Kindern des Aufsehers Unterricht und fand da eine Grammatik, die er benutzte. Weißt du, daß gestern der Alte da oben wieder wenigstens acht blanke Barren hinaufbekommen hat? Für uns grade ein Stück pro Mann. Beim ersten völlig dunklen Abend wird das Geschäft gemacht. Um Pferde brauchen wir uns nicht zu sorgen; Lebensmittel giebt es auch genug, und so müßte es geradezu eine Unmöglichkeit geben, wenn wir nicht als reiche Leute die See erreichen sollten.«

Schangü wollte das Zelt verlassen, und ich widersetzte mich dem nicht, denn ich hatte genug gehört. Blieb ich länger, so war es möglich, daß sie mir in das Gesicht sehen und erraten konnten, daß ich kein Mongole sei. Daher erhob ich mich und verließ mit dem Lama das Zelt, warf aber vorher noch einen halben Blick auf die beiden Männer, um mir ihre Physiognomie einzuprägen.

Draußen fragte ich den ersten uns Begegnenden, wo das Zelt der Oro sei.

»Dort steht es. Sie kamen arm hierher. Sie hatten[377] kein Zelt, und der Heilige hat es ihnen geschenkt, weil sie seine Schabi geworden sind.«

Ich hatte nach dem Zelte nur gefragt, um es umgehen zu können, damit ich von den Bewohnern desselben nicht bemerkt würde, und ging nun mit einem Lama vor das Lager, um mir das Treiben der Gläubigen in der Nähe zu besehen.

Wir gelangten zu der Formel, auf welcher sich die Leute Schritt um Schritt zur Erde warfen. Einer von ihnen fiel mir durch die ungemeine Last der Bücher auf, welche er mit sich schleppte. Er drehte mir den Rücken zu, hatte aber jetzt eine enge Krümmung zu beschreiben und wandte mir nun sein Gesicht zu. Es war – der Schriftsetzer alias Herr Assessor.

Auch er hatte aufgeblickt. Sein Blick streifte mein Gesicht und leuchtete erschrocken auf. Denn auch er erkannte mich und that vor Schreck unwillkürlich einen Schritt aus der Formel heraus.

Dies machte nach der buddhistischen Ordnung seine ganze bisherige Mühe erfolglos. Er mußte austreten, ging zu einem der die Aufsicht führenden Lamas und gab seine Bücher ab. Dann verbarg er sich schleunigst in der Menge der umherstehenden Menschen.

Wären wir an einem Orte gewesen, an welchem sich ein russischer oder wenigstens europäischer Konsul befunden hätte, so hätte ich sofort Anzeige gemacht. Was aber sollte ich hier thun? Die Entsprungenen galten als Gläubige; bei den Lamas eine Anzeige ohne Beweise vorzubringen, hätte mir jedenfalls nur geschadet, und so beschloß ich, zu warten, bis mir diese Beweise in die Hände kommen würden. Aber Schangü durfte ich eine Mitteilung machen:

»Ich habe die Oro gesehen,« sagte ich ihm.[378]

»Wo?«

»Vorhin zwei in dem Zelte, und jetzt einen hier. Es war jener, welcher die Bücher abgeben mußte. Sie glauben nicht an den Heiligen.«

»Woher weißt du das?«

»Ich hörte sie sprechen. Sie wollten in einer dunklen Nacht hinaufklettern und ihm seine Schätze nehmen.«

Er erschrak und fragte schnell:

»Sagten sie dies?«

»Ja. Es sind Diebe und Mörder, die aus den Bergwerken der Oro entsprungen sind.«

»So müssen wir es schnell den Lamas melden!«

»Kannst du ihnen die Wahrheit dessen, was ich sage, beweisen?«

»Nein.«

»So warte, bis du es kannst.«

»Nein; ich werde es thun. Komm!«

»Du wirst warten!«

»Ich warte nicht, denn sie würden den Heiligen ermorden. Sieh diesen Kuang-fu! Es ist der Beamte, welchen der Kaiser gesandt hat, die Ordnung zu überwachen und für die Sicherheit zu sorgen, das erkennst du an seinem Knopfe. Ich wußte nicht, daß ein solcher da ist; nun aber können die Lamas ohne ihn nichts thun.«

Er ließ sich nicht halten und eilte auf den Mandarin zu. Dieser hörte ihn ruhig an und winkte mich dann zu sich. Zwei Pings, die ihm gefolgt waren, standen in der Nähe.

»Du bist ein Oro?« fragte er mich mit strenger Miene.

»Nein,« antwortete ich erstaunt.[379]

»Folgt mir beide!«

Er wandte sich; die beiden Polizeisoldaten nahmen uns in die Mitte und führten uns hinter ihm her nach einem Zelte, an dessen Thür der kaiserliche Drache gemalt war. Dort winkte er, uns zu setzen.

»Du bist ein Oro, der aus den Bergwerken entsprungen ist, und du bist ein verkleideter Lama, der ihm geholfen hat. Soeben wurde mir diese Anzeige gemacht. Ich werde diese Sache untersuchen, sobald ich zurückkehre. Ihr aber bleibt hier sitzen, denn diese beiden Soldaten werden euch töten, wenn ihr versucht, euch zu entfernen.«

Er verließ das Zelt, ohne uns Zeit zu einem Einwande zu geben. Ich ahnte natürlich sofort, daß dieser Schachzug von Mieloslaw gethan worden sei, und beschloß, mich in Geduld zu fassen.

Wir warteten wohl zwei Stunden vergeblich, dann erfuhren wir, daß der Kuang-fu von den Oro eingeladen sei und erst spät zurückkehren werde.

Ihr Entschluß war sehr leicht zu erraten. Es war längst Abend geworden, und die Gläubigen hatten sich jedenfalls von dem Berge zurückgezogen.

»Wann kommt der Kuang-fu?« fragte ich.

»Wer weiß es!« antworteten die Soldaten.

»So – – –« Ich hielt mit einer beabsichtigten Drohung inne, denn es erscholl ein schriller Schrei wie hoch aus der Luft, den man im ganzen Lager hören konnte. Nach einer Weile folgte ihm ein zweiter, und draußen erhob sich ein Rennen, Laufen und Schreien, daß die beiden Soldaten nachsahen, was es gäbe. Sie kamen nicht wieder herein.

Nun traten auch wir hinaus und sahen, daß sie fort waren.[380]

Vom heiligen Berge her ertönte ein entsetzlicher Lärm. Schangü eilte davon, ich aber lief zunächst nach dem Zelte der Russen.

Im Innern desselben war es ganz dunkel; ein menschlicher Körper lag hier schnarchend am Boden, und ein unverkennbarer, scharfer Geruch sagte mir, daß der Mann im Opiumrausche liege. Es war der Mandarin.

Jetzt ging auch ich hinaus nach dem Berge. Ich konnte nicht bis an die Seile kommen, aber ich hörte, daß der Heilige einen Menschen aus der Höhle gestürzt habe, welcher ihn berauben wollte. Andere Männer hätten auch an den Seilen gehangen, wären aber auf seinen Schrei entflohen.

Ein anderer wußte bereits, daß der Herabgestürzte einer der Oro sei. Der Sturz aus solcher Höhe hatte seinen Leib vollständig zerschmettert.

Kaum eine Minute später kam eine neue Kunde. Es waren sieben Pferde gestohlen, und es fehlten die sieben anderen Russen. Im Nu zerteilte sich die Menge. Der Mongole kennt kein größeres Gaudium, als einem Pferdediebe nachzujagen. Alles eilte daher nach den Pferden, und während einige emporkletternde Lamas sich um ihren Heiligen bekümmerten, nahm ich mir Zeit, den Toten zu betrachten.

Ich erkannte ihn beim Scheine der kleinen Argolflamme, welche angezündet wurde. Es war der Assessor. Er hatte Gott gespottet und sich zum Om, mani padme hum bekannt. Die Höhle da oben führte den Namen Padma, die Lotosblume – er ging vom Kreuze zur Padma und von der Padma in den Tod. Es giebt eine Gerechtigkeit, die über alles menschliche Wollen und Können erhaben ist![381]

Am andern Tage kehrten nach und nach die Reiter zurück. Hie und da brachte einer eines der geraubten Pferde; von den Räubern aber sprach keiner ein Wort; ich wenigstens konnte nicht erfahren, was mit ihnen geschehen ist. – – –[382]

[Fußnoten]

1 Dreigespann.


2 Kutscher.


3 Peitsche.


4 Rappe.


5 Gast- oder Einkehrhaus.


6 Schnaps.


7 Milch.


8 Rittmeister – aus dem Deutschen in das Russische übergegangen.


9 Schließer, Gefängniswärter.


10 Kerl.


11 Schurke.


12 Trinkgeld, wörtlich »für Schnaps«.


13 Eine der inneren Hauptstraßen Moskaus.


14 Mütterchen.


15 Herein!


16 Kutscher.


17 Sehr wohl.


18 Landstreicher.


19 Räuber.


20 Ofen.


21 Tatar.


22 Franzosen.


23 Gesandten.


24 Der heilige Petrus und Johannes.


25 Lazarus.


26 Schüler.


27 Heiliger Berg.


28 Tiger.


29 Der Tapfere.


30 Wörtlich »Gebet, welches sich dreht.«


31 Getrocknete Thierexkremente.


32 Tataren, Mongolen.


33 Russen.

Quelle:
Am Stillen Ocean. Reiseerzählungen von Karl May, Band XI, Freiburg i.Br. (1911).
Lizenz:
Ausgewählte Ausgaben von
Am Stillen Ocean
Freiburger Erstausgaben, 33 Bde., Hld, Bd.11, Am Stillen Ocean
Freiburger Erstausgaben, Sascha-Schneider-Ausgabe, 33 Bde., Bd.11, Am Stillen Ocean
Am stillen Ocean, Züricher Ausgabe, Bd 31

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Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

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