Auf das seelige absterben Hn. Abraham Schmiedes:

[115] Stropha 1:


Wer zu diesen bittern zeiten/

Auff das süsse vaterland

(Welches vns/ wie denn bekant/

Nach sich zeucht) gedenckt zu schreiten.


Antistropha. 1.


Der muß jhm wol zu bereiten

Was er darff/ bey tag' vnd nacht

Daß er ja der räuber macht

Mög' entgehn auff allen seiten.


[115] Epodos. 1.


Er muß durch berg' vnnd thal/ vnnd mehrentheils bey nacht/

Er wacht wenn man sonst schläfft/ er schläfft wenn man sonst wacht/

Sein liecht vnd fewerzeug ist fertig/ die laterne/

Ist immer bey der hand. Es leuchten jhm die sterne/

Vnd auch der trübe mon: vnd wird er denn besetzt/

So weist er seinen paß/ damit jhn niemand letzt/

Er pocht auff diesen paß/ er schawt auff sein geleite/

Er past auff seinen stab/ vnd auffs gewehr' im streite.


Stropha. 2.


Also wer durch schweres reisen/

Dieser welt/ zu seinem ziel

Wenn er soll/ in himmel wil/

Lasse sich des vnterweisen/


Antistropha. 2.


Daß er sich nicht lasse speisen

Mit geschwetz' vnd list bey nacht/

Vnd geraht' in feindes macht.

Daß er hab' ein paß zu weisen.


Epodos 2:


Ist den die welt ein thal/ vnd diese zeiten nacht/

Vnd wollen wir hindurch zu Gott/ der vns bewacht/

So ist sein geist das liecht/ sein wort ist die laterne/

Die kirch' ist denn der mon/ die lehrer seind die sterne/

Vnd hätt' vns Belial auch weg vnnd steg verrent/

Hat vns doch vnser Gott verehret vnd ernent/

Den glauben als ein paß/ die liebe zum geleite/

Die hoffnung als ein stab/ gedult zur wehr' im streite.


Stropha. 3.


Dieses hat zu seinem frommen/

Dem wir hie/ zur leibes ruh/

Geben das geleite nu/

Jederzeit in acht genommen.


Antistropha. 3.


Drumb ist jhm auch nun benommen/

Was in diesem jammerthal

Vns beschweret allzumahl/

Er ist nun zur ruhe kommen.


Epodos. 3.


Durch dieses thränenthal/ durch diese schwartze nacht

Ist er hindurch zu Gott. Gott hat jhn wohl bewacht/[116]

Der glaube war sein paß/ die liebe sein geleite/

Die hoffnung' vnd gedult sein stab vnd wehr' im streite.

Nun/ er hat wol gekämpfft/ er hat die lebens kron'

In vester zuversicht/ wol jhm/ gebracht davon.

Nun/ er ist an das liecht. Denn Christus seine sonne

Lässt sich jhn tröstlich sehn/ zu voller frewd' vnd wonne.

Quelle:
Deutsche Literatur, Reihe Barock, Erg.-Bd., Leipzig 1939, S. 115-117.
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