III. Von Chymischen Menschen.

[156] Gediccus in Genes. Tom. 1. f. 53. GOTtes Hand ist eine rechte Wunder-Hand / so alles kan und vermag. Den ersten Menschen schaffet er auß einem Erden-Kloß; Den andern Menschen bauet er auß Adams Ribbe: Den dritten richtet er zu auß Ehelicher Beywohnung eines Mannes und Weibes: Den vierdten bringet er auff eine sonderbahre weise herfür; Damit Christus auch in diesem Wercke / wie sonsten überall / den Vorzug habe / Jerem. 31. Der HErr wird ein[156] neues im Lande erschaffen / das Weib wird den Mann umbgeben. Biß hieher Gediccus. Zu welchen noch das 5. Geschlechte hin zu thun will Theophr. Parac. welcher ausserhalb dem Leibe der Mutter / durch eine Chymische Kunst / Menschen machet / wie also redet D. Dannhau. in Dial. oder Wiederlegung der Præ-Adamiten p. m. 7.

Es ist hier außführlich zu gedencken / was denn davon zu halten sey? Resp. Außn Jul. Cæs. Barricelli Hort. genial. p. 108. Es ist nicht allein lächerlich / sondern auch gottloß / des Paracelsi (eines verdammten Menschen) seine Meynung / von der Geburt und Empfängnüß eines Männleins im Glase. Denn er hat geschrieben / daß / wann man den Menschlichen Saamen in eine gläserne Bulle thäte / und eine weile im Pferde-Miste vergrübe / alsdenn ein kleiner Mensch solle gezeuget werden. Damit aber dieser gottlose Mensch solchen faischen Satz lehrete / so hat er einen Grund und Muthmassung vom Ey entborget: weil ernehmlich darbey innen geworden ist / daß / wenn es im warmen Orte verschlossen gehalten wird / alsdenn ein Küchlein herauß gebrütet werde / und also hat er gemeynet / das solches auch mit dem Menschlichen Saamen könne verrichtet werden. Aber solches sein Vorgeben ist vergeblich und erlogen: Sintemahl auß einem verfauleten / und im Glase unterm Miste verstackten Saamen durchauß keine Menschliche Geburt werden kan:[157] Denn wie der Urheber ist / so ist auch die Wirckung: Und derentwegen kan auß einem vergangenen Dinge nichts anders als ein verdorbenes werden. Sonsten muß zu einer Empfängnüß einer rechten Frucht / wie man auch auß der h. Schrift siehet / beyderley Same eines Mannes und Weibes zusammen kommen: Hernach kan dennoch keine Empfängnüß geschehen / es sey denn der Mütterliche Leib oder die Beermutter recht darzu temperiret / als ein Gärtlein von GOtt dem HErrn zu einer lebendigen Frucht zugerichtet; darzu nicht minder das Mütterliche Blut sich vermischen muß. Sintemal so solches aussen bliebe / der Saame weder vermehret / noch ernehret / noch die Gliedmasse recht gestaltet werden können; wie aller Weltweisen Ubereinstimmung richtig lautet. Uber das wird eine sonderliche Sympathia unter der Frucht und der schwangern Mutter erfodert; daß es nehmlich von ihr eine Wärme und Nahrung bekomme: Und die Wärme der Mutter auch von der lebendigen Geburt gestärcket werde / und noch andere Dinge zur Verdeuung und Auffbringung hinzurretten. Welche Stücke alle mit einander so viel zuverstehen geben / das des Paracelsi Vermuthmassung falsch und errichtet sey: Denn derselbige hat nicht bedacht /wie das im Ey der Saamen / drauß des Hünlein wird /zugleich mit der rechten Nahrung hinein gebracht und erhalten werde / ja in der löcherichten Schale / als in Mutterleibe / eingeschlossen[158] sey / davon das Küchelein könne ernehret werden / und auch drinnen Lufft an sich ziehen. Hingegen würde auß dem Menschlichen Saamen / die natürliche Wärme / und lebendmachender Geist / dessen es theilhafftig und habhafft ist / vermittelst welches auch die Zeugung geschiehet / ehe es in das Glaß hineinkäme / augenblicklich verhauchen / und also die Empfängnüß verschwinden. Hierzu kömmt / daß das Geblüt auch fehlet / damit der Saame ernehret und vermehret wird. Thue hinzu / das durch eine solche Gläserne Bulle / wenn es untern Miste verdeckt stünde / die lebendige Frucht nicht Lufft schöpffen könnte. Und hiemit seynd der Paracelsisten ihre Träume / und ihres Meisters närrische Muthmassung verworffen / von der vorgegebenen vergeblichen Geburt eines Menschen im Glase. Ex Georg. Bertino Campano. Sonsten redet hievon auch D. Isaacus Froereisenius in Exenterat. Drac. fanat. lit. D. Andreas Libavius, sprechend / hat des Theophrasti Paracelsi Unsinnigkeit gar genau durchgenommen / in Schedias. Philos. 180. Es komme ausz der Hölle hervor der Paracelsus, und profitire mit seiner Chymischen Kunst einen Menschen zu machen: Und einer seiner Jünger stehe neben ihm. Was wilst du mir lehren / mein guter Præceptor? Ich will dir weisen einen lebendigen Menschen zu formiren ausz der Chymischen Kunst. Wohl! Erzehle mir den Procesz. Nimm Brodt; Recht so! tütsche es[159] in Wein / und befeuchte es wohl damit. Macerire es im Pferdemiste / damit es durch einen Philosophischen Monat wohl erwärme und verfaule. Gut! Distillire es: Ja ich habe es verrichtet: Begiesse es mit Hefen / und distillire es abermahl / biß das eine Blutige Feuchtigkeit drauß werde. Ich habe es gethan / was folget noch mehr? Ein Theil von diesem digerire im Pelican / biß das eine schleimichte Substantz drauß werde. Es ist geschehen / mein Herr: Ja dieses ist der edele Saame /welches du mit höchstem Fleisse in dem Helm thun / und mit Pferde-Mist digeriren solst: so wirds allgemählich in einen lebendigen Menschen verwandelt werden. Es ist aber vonnöthen / daß du vom übrigen Blute dem Männlein allgemählich seine Nahrung gebest: wenn er aber wird vollkommen gebohren seyn / so mustu ihn auffs allerfleißigste in acht nehmen / so wird er der allerweiseste seyn / der ungelernet alle Künste weiß / weil er nehmlich auffs allerkünstlichste gemacht ist: Ja er wird auch endlich der grösseste Riese werden. Und hiemit habe ichs dir gesaget / mein lieber Discipul. Ja Herr / wie denn weiter / und was wird denn endlich drauß werden? Es will nicht angehen. Wie / wenn mans denn so vornehme? Ey / es ist einerley Quarck. Solls nicht so gut seyn? Es ist ein Dreck. Nun / man muß es auff eine andere Art und Weise versuchen: Vielleicht also? Ey Narrenpossen: Der Henger hol dich / mit sambt[160] deiner Quackeley / du närrischer Lehrmeister. Biß hieher Libavius. Sonsten soll der Weigelius in Dial. de Christianis. p. 100. eben mit diesem Wahn behafftet gewesen seyn / das man nehmlich die Aufferstehung der Todten durch die Chymische Kunst beweisen könte: welchen du aber refutirt liesest. d. l. Frœreisenii zu Straßburg gedruckt Anno 1623. in 40. Lateinisch. Im übrigen will man dennoch gleichwohl sagen / das etliche Leute solches Ding richtig ins Werck gesetzt haben / und alsobald ein Männlein im Glase præsentiren können /wenn sie Semen humanum hinein geschüttet hetten / etc. Wie mir ein glaubwürdiger Bursche sagte / daß es einer zu Königsberg geleistet hette. Gleicher Gestalt giebt jener Chymischer Theil / der mit den vegetabilibus zu thun hat / ein herrliches Bildnüß / von der Auffersteheung der Todten / das es / wo ich nicht irre / nicht schöner und heller seyn könte. Nehmlich sie verbrennen ein hauffen Nesseln / machen Lauge darauß / und wenn solche in die kalte Lufft gesetzt wird / daß sie gefrieret / so siehet man hin und wieder im Eise / rechte leibhaffte Nesseln mit ihren Stengeln / Blättern und allen zugehörigen / also das sie auch vom Mahler nicht eigentlicher könte contrafeyet werden. Und dieses / wie es noch ein unvollkommen Werck ist / also ist es auch ein gemeines: weil es nehmlich ein jedweder leichtlich versuchen kan. Ein anders Kunststückgen / welches ein nachdencklicher Bildnüß[161] ist der Aufferstehung / solches ist weit rarer / unbekanter / und läst sich nicht so flugs von einem jedweden practiciren. Es bezeuget auch Josephus Quercetanus, das er einen Polen gekannt habe / nehmlich einen Artzt zu Crackau / der auß den Pflantzen und etlichen Kräutern / durch eine sonderliche Kunst / subtile Asche zubereitet / und solche in eintzelne Gläser geschüttet habe / die hernach auffs festeste zu gebunden worden: Nehmlich in einem Glase hat er Asche von Rosen / in einem andern Asche von Moon / und noch in einem andern Asche von einem andern Kraute geschüttet: Hernach hat er ein geringes Feuer / nehmlich eine Leuchte darzu gesetzet / da waren auß der Asche allerhand Species gleichsam hervor gequollen / nach dem Vermögen der Asche: Und hatten nicht alleine ihre blosse lineamenten gehabt / als wie vorher von der Nessel gedacht worden; Sondern sie waren gantz vollkommen gewesen an allen Stücken / es hatte auch ein jedwedes Theil seine eigentliche und natürliche Farbe gehabt / was Blätter / Stiele und Blumen betrifft: das es auß der massen schön anzusehen gewesen. Aber so bald die Wärme war hinweg gekommen / so geschwinde war es auch in einander gefallen. Und solches schreibet der Autor, habe er wohl an dreyssigerleyen gesehen: welchen du hievon mit Verwunderung nachlesen kanst: Drinnen du nicht allein ein herrlich Bild der Aufferstehung / sondern auch eine[162] Schutzschrifft / wider einen Verleumbder der Hermetischen Medicin antreffen wirst. c. 23. Biß hieher D. Calixtus in tract. de immortalitate animæ c. 18. p. m. 92. 93. Conf. D. Unzerum de Sale, da eben dasselbige stehet. Und Harsdörffern in Erquickstunden Tom. 3. part. 9. p. m. 520. etc. Philiop. Carol. PP in Soloec. Polit. p. m. 72. & D. Conring. in Hermet. Medic. c. 20. p. 270. Der dieses aber verläugnet / und den Quercetanum lügen straffet. Adde Voëtium in Disput. p. 755. von dem Homunculô Paracelsi, sonsten Mont de gloire genannt / das es der Teuffel sey. Vielleichte gehöret hierzu außm Herrn Ristii Märtzens Unterredunge / von der alleredelsten Thorheit / p. 170. dieses: Wie denn dieses und viele andere schöne Experimenta, bey dem Hoch-Edlen Herrn Otto Gericken / den Jüngeren / Chur-Fürstlicher Durchlauchtigkeit zu Brandenburg wohlbestalten Rath und Residenten in Hamburg zu sehen / der auch ein artig gemachetes Wettermännichen bey sich hat / welches das böse und gute Wetter / einen klaren und tunckeln Himmel / von weit und breit: ja greuliche Ungewitter und Sturm-Winde über 1000. Meilweges / gar gewiß und unsehlbahr zeiget / etc. Confer meine Cometische scripta.

In übrigen mercke noch dieses / das ich offt gelesen habe / wie die Chymici und Alchymisten bey ihrer Medicinâ universali, oder Verfertigung [163] Lapidis Philosophorum, in denen distillir Gläsern die Erde / den Himmel / Sterne / Vögel / Blitzen / Regenbogen / Wolcken / das Meer / Fische etc. præsentiren können / vide obherühmtes scriptum Herrn Ristii. Aber von Menschen-Bildern habe ich gleichwohl nichtes dergleichen gelesen / daß mich wunder nimmt / und auch zugleich ein argument giebt / wegen der Ungmügligkeit des Homunculi Chymici. Item, daß GOtt alles erschaffen habe / des Menschen halber / der auch daher des Allmächtigen Schöpfers letztes Meisterstück gewesen / an welchem Er alle Theile der Gütigkeit und Vollkommenheit hat wollen sehen lassen / auch dessentwegen / damit alle Fuscher / Meckler / Mimi und Cacozeli dranne zu schanden werden sollen / welche sich unterstehen mögten solchen nachzumachen; was auch gleich Paracelsus davon klügelt: vide lib. de lmagin: c. 11. & lib: 1. de rerum generat: citante D. Conringiô in Hermet: Medic. p. m. 220.

Und kömpt mir die Chymische Menschwerdung nicht anders vor / als der Medeæ Beginnen / beym Ovid: 7. Metam. welche den Peliam wieder ümmekochen / nach deme ihn seine eigene Töchter getödtet hatten / wolte / damit er wieder jung würde. Nehmlich jener war ein König in Thessalien / und hatte den Jasonem, seines Brudern Sohn / ermorden wollen / von dessen vortreffliche natürliche Geschickligkeit er sich nichts guts verhieß;[164] in deme er ihn darumb nach Colchis im Krieges-Zuge mit hinschickete / das er drinnen möchte umbkommen: Welches ihme aber nicht angegangen ist; in deme der Jason wider vermuthen das güldene Fließ erobert / und mit höchstem Ruhme nach Hause damit gekehret ist. Vide Carol: Stephan. in Dictionar: Geograph: p. m. 1547.

Weiter ist auch hierauff zu ziehn des Æsculapii Vornehmen / der den Hippolytum wiederumb sol zum Leben gebracht / und zusammen geflicket haben / da er von seinen Pferden zerrissen gewesen: Denn man hernach Virbium geheissen / qv: bis virum, daß er zweymahl ein Mann oder Mensch geworden ist. Vide Ovid: 15. Metamorph. apud Carol: Stephan. in diction. Geograph: p. m. 2068. Aber besser würde man also den Lazarum nennen / welchen / der das Leben selber ist / der HErr JEsus Christus / wider auff erwecket hat: Oder den Jüngling zu Nain. etc. Oder jenen monstrosischen Freyherrn / auß dessen Brust noch ein ander Mensch gewachsen gewesen. Vide Bartholin, centur: observat: Anatom: Weinrichium und andere Scriptores, von andern Bifidis oder Geminis monstris.

In übrigen bleibet es wohl bey der Unvermögenheit Menschen zu zeugen nach den Chymischen Vorschlägen / und mögen sie sich wohl schämen / das sie (per anagr.) Menschen wollen[165] machen / in deme nichtes drauß wird / und der Schemen oder Schatten (deme der Mensch ohne das zum öfftern verglichen wird in der Schrift:) es schon besser præstiren kan. Daher auch etliche das wunde seltzame Rätzel / Ælia Lælia Crispis, nec vir nec fæmina, sed omnia. etc. auff den Schatten außdeuten wollen. Confer Boxhorn. in quæst. Rom. 7. p. m. 32. Welches bald eine Verwandnüß mit der Redens-Art hat / als das Platonische Ænigma, Vir non Vir etc. vom Evnucho, Eviratô, & Effæminatô, vide Franzium in Histor. Animal: p. m. 576. In übrigen möchte man diese Chymische Menschen nicht ungereimt nennen / homines Pharmacos, oder peripsemata, wie etwan die jenigen sind geheissen worden / so man vorzeiten den Heydnischen Götzen / zur Abwendung der Straffe eines Landes / theils erhalten / theils abgeschlachtet hat. Vide Ursinum in Analect. sacris. p. 43. etc.

Sonsten könte man zu dieser Apparition auch jene verteuffelte setzen / da die Zigeuner und andere Magi denen Leuten ihre liebsten / Diebe etc. in Cristal / oder Nägel an Händen zeigen und sehen lassen. Vide Manuale meum chiromanticum Latinum.

Weiter kan man darzu auch thun andere Männer / als die Talismannen: Davon Harsdorffer in Erquickst: Tom. 2. part: 2. c. 23. p. m. 303. etc. also: Talisman, oder Talitsman, wie es[166] die Chaldeer außreden / ist ein Arabisches Wort / welches herkommt von den Hebreern Tselem, und heisset eine Figur / Mahlzeichen / oder dergleichen etwas. Diese sol Zoroafter erfunden haben / und sind solche Bilder / welche in Gestalt eines Menschen oder Thiers / auff Metall oder Steine gegossen oder gegraben werden / in Zeit gewisser Sterne Erhöhung / oder Zusammenkünfften der obern Planeten / von welchen sie die Tugenden und Würckungen empfangen / so nicht sonder Verwunderung gelesen und gehöret werden. Ja / man schreibet diesen Bildern doppelte Wirckung zu / wie die Brenn-Spiegel mehr Hitze wiederstralen / als sie nicht von der Sonnen empfangen / und sollen sich erstrecken auff das Gemüt / als sich lieben oder hassen machen / und auff den Leib / die Kranckheiten zu heilen: Dahin auch die Magnetischen Heylungen gehören. Hier verstehen wir aber keines weges eine Teufflische Kunst /welche übernatürliche Wirckungen zu leisten pflegen / als etwan Wetter zu machen / und abzutreiben: welche eine Bündnüß mit dem Feinde GOTtes erheischen / und grossem Betruge unterworffen sind: massen solches herkommet von dem Lügner und Betrüger von anbegin. Wir reden hier von natürlichen Sachen / so in gewissenen Eigenschafften bestehen. Hierunter wollen etliche zehlen des Labans Haußgötzen / die ehrne Schlange Mosis / das güldene Kalb Aaronis / etc. Ja den Heydnischen[167] Geschichten / die Trojanische Pallas, das Venus-Bild in Cypern / auff welche niemals geregnet / das Bild des Glücks zu Rom / welches ein Kayser dem andern in der Todes-Stunde zugesendet / die Mücken von Ertz / mit welcher Virgilius verhütet / das keine Mücken in die Stadt Neapolim gekommen / dergleichen sol auch zu Prag auff den kleinen Seiten geschehen seyn. Das Storch-Bild Apollonius, welches 1160. alle Störche von Constantinopel verjaget. Der Scorpion / welcher wieder die vergiffteten Thiere in Syria und Arabia gebrauchet wird. Zu unserer Zeit hatten Carmaliter Mönche zu Florenz Julian Ristorio â Pratô genannt / ein Talisman wieder das Zipperlein / und Paracelsus wieder die Pest gemachet. Dergleichen sind die Löwenpfennige in der Sonnen höchsten und kräfftigstem Stande mit gewissen Figuren gegossen / welche Verulam zu der Magia ceremoniali gezogen haben will. Es finden sich auch Steine / welche etliche gewisse Figuren haben / und dadurch ihren Nutzen bedeuten / (Gamahe, oder Camayeux genennet /) und ihnen von dem Gestirne angebildet worden / wie die Naturkündiger wollen. Wie die Sonne so wohl eines Menschen Bildnüß / als ihn selbsten erwärmen kan; also können auch andere Sterne ihre Tugend einem Metall oder Steine mittheilen /wenn er zu deroselben Kräfften unn Erhöhung bereiter und bearbeitet wird / und eine Vergleichung[168] zwischen diesen beyden befindlich / so wohl auch / als das Bild mit besagtem Sterne eine Verwandschafft haben muß. Ob nun wohl ein Stern mit meinem Stein keine Gleichheit hat / so hat doch desselben Figur / als der Löw / die Sonne das Gold. etc. eine gunaue Gesippschafft / und sind die Himmlischen Zeichen keines weges ungefehr erfunden worden / sondern haben ihre gute Ursachen / und Vergleichungen mit ihrer Dentung.

Es weiset die Erfahrung / das die Schlangen Steine / ophites genannt / kleine Aederlein haben / die den Schlangen gleichen / deßwegen auch glücklich wider den Gifft gebrauchet werden. Deßgleichen Tugend haben auch die Steine / welche in der Insel Maltha gesunden werden / und einer Schlangen Zungen gleichen. Alle Kräuter haben ihre Kennzeichen / welche ihren Nutzen weisen: was nun in ihnen die Natur thut / das kan auch die verständige Kunst leisten / wiewohl / nicht allezeit in erwüntscheter Vollkommenheit. Wieder diese Erfahrung wird eingewendet / das solche Ursachen uns unbewust / und das die Kunst sich unterfange / was sie nicht außrichten könne: Denn entweder diese Wirckung dem Planeten / oder dem Stein / oder der Figur zuzuschreiben. Der Planet hat noch der Figur / noch des Steins vonnöthen / und könte man sagen / das sie zu solchem Ende von GOtt nicht erschaffen /[169] und bestehet die Wirckung in dem Aberglauben / der diese Sachen bekräfftiget / bey welchem der Satan ein gewonnenes Spiel hat. Kommet aber die Wirckung von dem Stein / so bedarff er der Figur nicht / wie man siehet / daß der Bezoar mit einem Scorpion den Gifft vertreibet / und wenn die Figur nicht darauf ist / so hat er eben diese Tugend. Etliche gebrauchen auch Holtz / etliche Wachs / etliche andere Sachen: darauß zu sehen / das ein jedes Ding nach seiner Eigenschafft wircket / oder nicht wircket. Noch weniger kan die Figur vermögen / weil sie von Menschē Sinn erdacht / unn durch allgemeine Beliebung in gebrauch gelanget. Der Mensch / oder das Thier ist viel fähiger den Einfluß der Gestirne zu empfahen / als nicht der leblose Stein oder Metall /wegen der ungewissen Figur. Ein Thier fürchtet und scheüet nichts mehr / als ein Aas von seinem Geschlechte: wie soll denn die leblose Figur so grosse Dinge thun? (Confer Vossium de Idololat: Hübenerum de myster: Sigillor: etc.)

Aber es mögen sich nunmehr hiemit wohl gehaben / die Aphroditæ oder Spumigenæ, oder solche Veneres, die außm spumâ Maris, (des Mannes) gebohren seyn: oder die Hæmatandri, welche man auß dem Blute des Menschen / durch Mißbrauch der Chymiæ, und der Menschlichen Safftes zeugen will. Ich will allhier anhangsweise gleichsam eine gedreuete Straffe von dem GOtte durch Blut bezeichnet / vollständiger berühren[170] / als ich Anno 1655. in meinem dreyfachen hiestigen Blutzeichens-Tract. gethan habe: Darzu folgendes das vierdte ist. Nehmlich mein bemühen ist damahlen fürnehmlich dahin gerichtet gewesen / und noch / wie ich mich unserm Orte recht bedient erzeigen möchte / in Darthuung / das auff Blutzeichen eine Pestilentz erfolge: Und derentwegen gerathe ich wieder dahin / wovon ich gegangen gewesen: nehmlich auff unser Revier. (Doch wil ich die Außdeutung dennoch dem lieben GOtt befehlen: wie ich es niemahlen / so in meinem Morgen- so im Abendseegen /vergessen habe / syeber ein Angedenck davon Ominos gewesen: das der allwissende Vater / nach seinem gnädigen Willen / mit uns verfahren wolle:) du lieber GOtt / daselbst ist es noch nicht auß mit denen Unglücksboten: Denn bald nach dem Anfange 1666. sahe man / in Menge vieler Leute / (darunter ich am 10. und 11. Jan. mit gewesen / wiewohl man schon / auffs wenigste einen Tag vorher / davon gewust hat /) vorm Hällischen Thore / auff beyden Seiten der andern Brücken / wenn man zur Stadt hinauß gegangen ist / im Stadtgraben / ja auch weiter hineinwerts zur rechten Hand / nach dem Walle zu / viel vestigia vom Blute / oder hochrother Farbe / auff und im Eise: Dann etliche Soldaten / nebenst andern / giengen tapffer drauff: das es also seine ziemliche Stärcke und Dicke hatte / welche nicht[171] in einer Nacht gefroren war; angesehen darzu etliche kurtz vorhergehende Nächte von wenig Frost wusten; sondern gelinde und neblicht Wetter gewesen war / vom 4. Jan. an / biß sonderlich zum 8. Jan. darbey sich auch ohne das ein jeder was ungesundes besorgete: Und man daher gar ernstlich den lieben GOtt umb ein kaltes frisches Wetter ersuchete (als drauff ziemlich lang vor- und nach Johann: durch etliche Wochen nicht minder geschahe / bey continuirlichen hitzgen Sonnenschein / biß 29. etc. Jun. darbey auch das Prognosticon des Marci Freundts fehlete / der auff die grosse Sonnenfinsternüß 22. Jun: frühe eine plötzliche Verenderung des Gewitters folgerte / und Cuntzel auff etliche gewisse Aspectus diß Jahrs Verwandelung des Wassers in Blut gar ungegründet prognosticirete.) damit also die Lufft möchte gereiniget und corrigiret werden; Darzu es sich denn gleichwol drauff immer mehr und mehr anließ / umb und mit dem vollen Monde. Im übrigen hielte sich damahlen auch ein Artzt oder Quacksalber bey uns auff / der nit minder / etwan auß der nebelichten Lufft / eine verhandene Pest offentlich andeute / im gantzen Lande: Und daher seine sieben Sachen dem gemeinen Manne / für der Pestilentz / in grosser Anzahl verkauffete; Captatat nimirum auram popularem: Er hieng den Mantel nach dem Winde / und lösete wacker Geld / drüm es ihme zu thun war / pro [172] ratione status. Ich gerathe wider auff das Eyß / und spreche / das solches sehr gemählich durch viel Nächte müsse geworden seyn: und doch war es dennoch durch und durch blutig / oben so wohl als unten: Wie denn die Defensioner viel Stücke herauß stachen mit ihren Degen / das ich mit Händen betastet / und nebenst andern angerochen habe / befindende / das es einen lieblichen Geruch hatte / fast wie Rosenwasser. Man gab es vor / das es von der Farberey seyn könte / drinnen allerhand gute Dinge geriethen / die noch wohl solchen Geruch præstiren könten: Und zwar so wohnet ein Färber in der Stadt / im Hällischen Gäßgen; aber wie weit ist der dennoch vom gedachten Stadtgraben? So vermag auch von ihme an diesem Ort nichts hinkommen / weil an der Stadt noch ein näheres Wasser ist / als jenes: wiewohl er mit keinem zu schaffen hat. Weiter müste die Farbe nur etwan in der Oberfläche seyn / und dergestalt /wenn sie übergeschüttet were / nicht die gantze massam afficiren / nach ihrer corpulentz. Weiter würde sie auch nicht an drey unterschiedlichē Orten hingerathen seyn; sintemahl das Wasser ohne Bewegung ist und stille stehet. Weiter war es auch ein närrisches Vorgeben vom hinein gegossenen Balbierers Blute außm Aderlassen: sintemahl der allda wohl wegbleiben muß: Item einen solchen weiten weg nicht bedarff. Auch vermochte es von keiner Fisch-Otter so[173] roth seyn / wie etliche in dem Wahn stünden; denn die würde bey weiten so viel Blut nicht haben / wenn sie gleich alles Vermögen vergossen hette: Ingleichen wenn es ein blutendes Pferd solte hinein gesprützet haben etc. ich geschweige / das es vielmehr in einem Striche nacheinander folgen müste / und zu dem nicht minder nur allein oben gewesen were: so will ich auch nicht gedencken / das es kein breiter Strich seyn könte / als dieser allenthalben war in wunderlichen Krümmen. Es belieff sich aber der tractus wohl auff ein paar Spannen und drüber. So war es auch nicht von der Modde oder Moraste / wie noch andere unverständigere schwatzeten. Denn 1. das Wasser flugs unter dem Eise natürlicher Farbe gewesen allenthalben. 2. Giebt es keinen rothen Morast allda irgendwo; sondern tieff hinunter ist nur schwartzer Schlamm. 3. Müste es durchauß allenthalben im Stadtgraben also außsehen: Und 4. continuè in und an einander / da hingegen hier nur so kleine / so grössere Flecke waren / darzwischen immer ohne unterlaß weißfärbigte Plätzlein stunden durch den gantzen hin und wieder gekrümmeten Strich: und war es noch ferner / theils wegen der Unglaubigkeit und Unwarheit der Sache eine verzweiffelte Rede eines andern / als wenn wohl gar eine Magd / möchte darauff gegangen seyn / so einen rothen König gehabt hette. Ey / unverschämte Klugheit![174] Es ist wunder / das man nicht vorgiebt / wie es Nixen-Blut sey / da der Bachmann oder Meer-Kerl / sein Kind auff gut Saturnisch gefressen gehabt / wie eine Historie lautet / vorher. Du lieber GOTT /wie muß sich deine Weißheit hienieden auff Erden meistern lassen? Und wie findet auch ein Klügeling leichte etwas zu seiner Behauptung oder Wahn / und Stärckung seinen Ruchlosigkeit. Aber solche muß allhier billich daher fallen / wenn man ein anders Concomitans auch nur oben hin betrachtet / welches ist / das nehmlich die Schildwache am 7. Jan. zu Nachts am selbigen Orte / (nebenst der Brücken zur rechten Hand / wenn man auß der Stadt gehet / da auch das grösseste Blutzeichen war) ein Ding forthüpffen gesehen / wie ein Racketgen / das ihr nicht alleine Verwunderung gegeben; [weil sie keinen Menschen dabey gesehen noch gehöret hat / als der sich such dahin umb selbige Zeit nicht befinden würde / dürffte oder könte etc.] sondern auch veranlasset hat / am nechst folgenden Tage bald darnach zu sehen / was denn da vorhanden möchte seyn? wo der Erkundiger flugs zu erste des Blutzeichens innen geworden ist / und es bald unter die Leute gebracht hat: welches dergestalt unumbstoßlich ist / weil es sehr viel Augen zu Zeugen hat / anders / als jenes vorher ertichtete rothe Creutz am Himmel zu Franckfurt am Mayn / das ein Soldate mit Lügen in der Leute Mäuler[175] gebracht; aber wacker drauff zur Busse sol abgestrafft worden seyn /wie mir die Landesleute in unserer Neujahrs-Messe bericht gethan haben. Nun / unser vierdtes Blut-Zeichen ist auch also gewiß: Dergestalt / das wir Blut in der Lufft / auff Erden / und in dem Wasser gehabt haben. GOtt verhüte es / daß / (was mir flugs dabey einfiel) nicht auff das letztere wahr werde / was Virg. saget: Inundant sangvine fossæ. lib. 11. Æneid. v. 382. p. 399. Edit. Erythræi und l. 10. v. 24. p. m. 356.


Quin intrà portas, atque ipsis prælia miscent

Aggeribus murorum, & inundant sangvine fossæ.


Wie schier unlängst bald (GOtt sey danck / das es alles friedlich abgewendet worden!) zu Magdeburg geschehen were / bey der intendirren Belägerung des Churfürsten zu Brandenburg / wegen seiner und des Bischoffs zu Halle begehrete Huldigung / geschehen nachm Mittel des Maymonats und ansang Jun. 1666. drauff sie sich willig ergaben etc. Und die Huldigung leisteten am 14. Jun. als Anno 1579. wie denn solches vor 4. Jahren also angezeiget worden ist / durch den lebendig gefangenen Adler: davon hernach: So haben es auch erliche Calenderschreiber richtig vorgedeutet. Denn Joh. Neubarth von Boleßla in Schlesien in seinem Schreib-Calnachm mittel des Maji 1666. saget: Die Jungfraw[176] krieget strenge Gäste. Und M. Martin Horkius von Lochowitz im Schreib-Cal. ad Marjum: Die Jungfrau frölich schlaffen kan / weil sie hat einen jungen Mann: ihr Leyd ist in Freud verkehret. etc. GOtt verhüte es in Gnaden was M. P. S. in Calend. oder Himmelsherolden setzet / zu Nürnberg part. 2. c. 2. da er nach erzehlten viel Wunderdingen dieser Stadt / die übrigen ins künfftige Jahr versparet und itzt also schleust: Unterdessen aber weil Leipzig unter dem Zeichen des Stiers ist / die heurige grosse Finsternüß aber auß dem Krebse solche mit einem lieblichen Sextil anblicket / besorge ich mich nicht / das dieser berühmten Stadt hiedurch einige Ungelegenheit solte beygezogen werden können. Es ist aber sonsten etwas das nicht einigen Scrupel macht / nehmlich die Weißsagung fratris Sebaldi, die vor etliche 100. Jahren uns zur Warnung für Augen geleget worden: das nehmlich ein grausamer Tyrann kommen / Schlesien / Böhmen / Laußnitz / Sachsen und Meissen verwüsten / und dem Hause Oesterreich hart zusetzen werde. Weil nun denn die fluxus Stellarum auch darauff zielen / und erliche Leute den Tantz allbereit darzu angefangen; als ist zuvermuthen / es werde unserm und benachbarten Ländern ein herber Taumel-Kelch eingeschencket werden: GOtt helffe dem / der die Hefen außsauffen muß.)

Im übrigen mercke / beym gedachten Göttlichen[177] Nachrichte des Rackeigens / das solcher nicht alleine geschehen sey / damit man das Wunderzeichen desto zeitiger und geschwinder inne würde; sondern auch / das man an dessen unnatürlichem Ursprunge und Ankunft keinen Zweiffel tragen solle: Eben also hat es sich auch verhalten vor 20. Jahren in Leipzig allhier /(davon in meinem Dreyfach Leipz. Blutzeich. ex Zeilero) da auff der Trinckstuben des vorigen Churfürstens Johann Georgii I. Christmild. Gedächen, Bildnüsse / Blut geschwitzet hat / so annoch am selbigen Orte verhanden / an der Wand / nehmlich in Lebens grösse auffn Pferde setzend. Solche Blutschwitzen haben damahls Leute mit Augen gesehen / und mit Händen betastet / so noch an Leben seynd / und mit denen ich auch diese Zeit noch geredet / die ihre Schnupftücher damahlen zum Angedenck mit selbigem Blute benetzet / oder solches hinein getütschet habē. Nehmlich das Menschliche Bild hatte allein geschwitzet / und nicht zugleich das Pferd / und darbey hatte es auch keinen Mangel gehabt an Menschlichen Klügeleyen / die es alles natürlich und ohne Bedeutung machen wollen / [welche aber nicht gefehlet hat / in deme eine kleine Pestilentz richtig darauff erfolget ist: ] gleichsam / als kämen die Blutstropfen / von der gemahlten Farbe: Aber sie seynd bald damit eingetrieben worden / das vielerley Farben am Bilde[178] gewesen über der rothen Farbe / und doch nur alleine rothe Tropfen zugegen gekommen seyn: 2. Das keine Flecken an irgend einem Orte des Contraseits drüber entstanden seyn / wenn man gleich die Tropfen sehr hauffenweise abgewischet hat: Ich geschweige 3. das wohl mehr Blutstropfen mit einander / wenn sie solten beysammen gekommen seyn / davon abgewischet seyn / als kaum Farbe zum ganzē Gemälde anfänglich gediegen. Summa / es hat dem Bilde das schwitzen und abwischen nichts geschadet / sondern es ist drüber unverdorben und ohne Mackel biß auff den heutigen Tag geblieben. Und / schwitzen sonst die Wände von der warmen Lufft / wenn es eingeheitzet ist / so seynd doch die Tropfen weiß und nicht roth / wie hier. Weiter werdens die Wände mehr empfinden als Leinwand / oder gemachtes Gemälde. Und ist dieses nicht ein klein Stücke / das einen auß dem Unglaubens. Traumhelffen kan / daß das Pferd gar mit einander unter dem Bilde nicht geschwitzet hat: Zur Erinnerung / das was mehrers dahinter verborgen seyn müste / zur rückstelligen Bedeutunge. Aber warumb hat denn am selbigen Orte sich das Blut-Zeichen ereignet? Resp. Weil da die gröste frequentz der Leute täglich ja stündlich gewesen / (in deme sie domahlen viel fleißiger sollen getruncken haben / als jetzo / nach Außsage eines mit interessirten /) und noch immer mehr drauff geworden[179] ist: in deme mancher / bey dem Gerüchte / hinauff gegangen ist / der ein Kännigen Bier abgestochen hat / das er sonsten nicht würde gethan haben; damit er nur das blutschwitzende Bild selber mit Augen betrachten möchte: welches also von viel hundert Leuten war betrachte: und bewischet worden. Mercke hier die Gütigkeit GOttes / der nicht eher straffen will / er habe denn wohl und alle gewarnet. O wer noch die Augen auffthäte! und würde verständig! Zum gedachten, Blutzeichen dieser Stadt gehöret auch vielleicht nicht uneben ein anders portentum von diesem 1666. nehmlich es war am 19. Jan. ein Kälbgen gebohren im Brül / in Herrn Andr. Stachys Gastgebers / Hause: Welches sie anfänglich heimlich wegschaffen wollen / doch endlich anders Sinnes werdende / es der Welt zum Spectacul auffs Rathhauß bringen müssen: Davon es am 20. Jan. in Herrn D. Welschen Hauß gerieth: sonsten war es flugs nach der Geburt gestorben / welches ich also todt daselbst und auch abgemahlt betrachtet habe. Mit einander war es unzeitig; Denn es hette erstlich auff Ostern fallen sollen: Und war also / zweiffels ohne / concipiret umb die Zeit / da der Creyßtag allhier wegen Erffurt gehalten ward. Es war also gantz ohne Haare / ohne umb die Maüler / da eintzele lange Borsten waren. Sonsten war es gantz vollständig an Gliedern: Der gantze Leib war gelb / und hatte[180] auff denen Füssen lange blaue Striemen. Im übrigen hatte es einen Leib / zwey Schwäntze und fast zwey Köpfe [welche ticht in einander gewachsen waren / doch das ein jeder auff beyden Seiten herunter gebogen oder schief schiene / unn die Mäuler von einander stunden /] 3. Ohren (welche just im Triangul fassen / auff beyden Seiten / an gebührenden Steflen / eins; und just oben zwischen denen beyden Köpffen / auch eins / welches fast nur wie ein Läpplein herunter hienge) und 4. Augen. Item 4. Beulen an statt der 4. Hörner debitis locis. Es war ein Oechslein. Oben auffm Schedel war es in der Ründe / wie roh Fleisch / etliche sprachen / das man alldar das notabelste zeitig weggeschnitten habe / damit es nicht jederman sehen möchte / und schwatzten sie in gemein entweder von einer Kron oder Mütz / ich hielte nachfrage am Gebuhrs-Orte / da wollte man zwar von keinem Verluste was wissen / als die doch am besten Bescheid davon hatten / vor und für andern; oder ob es ihnen zu sagen verboten war. Ominosum videbatur regno, dessen Farbe es sonst hatte: Dessentwegen man es wol so nennen könte / wenn man davon schreiben wollte: De VItVLô saCsonVM. Sonsten hatte ich es auch so vor: VItVLVs ConDeMnans (per anagr.) oS CaLVInVMtVnDens. Ein zusammen gewachsenes Kalb / das heist / Syncretisinus Calvinisticus: Dafür uns aber GOTT[181] wohl behüten wird etc. Schließlich ward es auch flugs domahlen anatomiret: Doch soll es nichts mercklichers gehabt haben / als das 2. Gehirn zu gegen gewesen / mit einem osseo Interstitio. Mercke weiter / daß / halte ich / an eben demselbigen Tage zu Torgaw / eine Tochter des Amptschössers allda ein monstrosisches Kindlein zur Welt gebracht habe / welches flugs nach der Tauffe gestorben. Solches hatte nur einen Backen gehabt / an statt des andern war nichts gewesen: Item ein Auge / und an statt des Mundes / war nur ein rund offenes Loch gewesen / das man etliche Finger hette können hinein stecken. Ferner soll umb eben dieselbige Zeit / oder kaum 8. Tage vorher bey Wolckenstein / ein Brunn lauter Blut / an statt des Wassers / gehabt haben / welchen man deßwegen außgeschöpfet. Item man soll auch eine feurige Ruthe und Schwerdt am Himmel gesehen haben. Am 28. Mart. 1666. kam auß Wien: wie darneben ein Bauer im Dorffe seine Wohnung geendert / und in eine andere Behausung gezogen; da er ein alt Hirschgeweyh anschlagen wollen /welches denn nach dem Nagelschlage Blut von sich gegeben: welches Ihr. Käyserl. Mayst beygebracht worden / und man drüber in grosse Bestürtzung gerathen. Ich habe gedacht im Dreif. Leipz. Bluttz. p. 75. das zu Eulenburg sich ein Muß in Blut bewandelt habe: solches hat auch mit Bestürtzung angesehen[182] von Leipzig ein vornehmer Magister J. U. C. und mein guter Freund (welcher hinzu thate / das Anno 1664. sich auch zu Magdeburg der Stadtgraben also in Blut verwandelt habe / das er mit Augen gesehen: Welches man auffs Altar gesetzet / manchen Menschen hat sehen lassen / und GOtt umb Abwendung der Straffe gebeten habe: drauff denn auch bald ein sterben erfolget / dessentwegen er allda den Ort gereumet hette.) Drauff soll am Sonnabend hernach flugs eine seltzame Mißgebuhrt eines Schweins erfolget seyn / das bald gestorben ist. Nehmlich an allen 4. Pforten war es so gestalt befunden worden / als hette es weisse Schuhe mit solchen Hörnern / Absetzen etc. an / wie die schändlichen Weiber tragen: Nebenst einem solchen Halßkragen / als auch unter dem Weibsvolcke itzt gebräuchlich ist. Item viel andere Glieder sollen wunderliche Proportion und Mode gehabt haben. Hierauff ist nunmehr erfolget ein ander seltzames von Schweinen / welches die Marcktleute auff unsere Michaelis-Messe 1665. mitbrachten: Nehmlich das etwan 8. Tage vorher 2. grosse wilde Schweine (welche sonsten daselbst ein rares Ding seynd) nach der Stadt Erffurt zugelauffen seyn / haben sich getrost durch den Stadtgraben an den Wall begeben / und hatten mit Ungestümigkeit gewaltige Steine herauß gerissen / und doch den Wall nicht überweltigen können:[183] Derentwegen sie sich wieder zurücke gemachet / und davon gelauffen seyn. Sollen diese Sues, nicht Vorbilder der Suiten, oder Jesuiten seyn / welche auffs neue einen Anschlag an den Ort vorhaben: daß sie / wie Schweine / GOttes Heiligthum vernichten mögen / nach der Heil. Schrifft. Aber es wird ihnen mißgelingen: Sie werden wieder davon margiren müssen / unverrichteter Sachen. D. Heydenreich vermeldet in der Leips. Chronick p. 330. das Anno 1622. 2. Sept. hor. 7. matut. auch 2. wilde Schweine durch unsere Stadt gelauffen seyn: Drauff ist das Kipperwesen wieder abgeschaffet worden. Sonsten wolten noch andere schwatzen / als wenn sich auch einige Glocken / von sich selbst gerühret / hetten hören lassen in Erfurt. Item das man vorm Thore etliche in Marg begriffene Reuter mit Geschütze hette gesehen und gehöret / so bald wieder verschwunden weren. [NB. Ein anderer legete mir die Sues so auß / daß sie ein Außdeuten auff die besorgeten Sveden hetten: Auff die Sviones.] Hievon was mehrers anderswo.

Am Sonntage vom verstorbenen Jünglinge zu Nain ist ein glaubwürdiger Mann zu Ronneburg gewesen /welcher berichtete / daß domahln zur grossen Verwunderung vor der abgebranten Stadt noch etliche Bäume gestanden / sonderlich saure schwartze Kirschbäume / so pechschwartz vom Feuer versenget und übel zugerichtet[184] gewesen: solche sollen häuffig geblühet haben / wie im Frülinge. Item ein Apfelbaum soll auff der einen Seite auch mit rechten Blüten gezieret gewesen seyn: noch weiter sollen auch die versengeten Weinreben recht von neuen geblüet / und kleine Weinträubelein / wie im Vor-Jahre / dargezeiget haben. Von welchen allein viel exemplar hin und wieder von dar seynd verschicket worden. Was soll dieses seyn? Sol die andere Fruchtbarkeit in diesem Jahre von dem erlittenen Feure / als einer neuen insinuirten wärme / caussiret seyn? oder tragen allda die Bäume zwey mahl im Jahre? oder wird die Frucht so unzeitig reiff / wie in denen Berg-Städten an Böhmen / von welchen man allhier kurtz vor Michaelis noch saure schwartze Kirschen gehabt hat / welches sich alldar durch alle Jahre so verhelt / weil es hoch Erdreich hat / und auch das Getreidig dessentwegen selten reiff wird. Oder verhelt sichs / mit der secular Historiâ? davon Christoph Richter ante Calendar. 1666. also: Im Septemb. des 1566. Jahrs / haben hier zu Lande die Rosen und etliche Bäume zum andern mahl geblühet. Umb Leipzig hat es Blut geregnet; darauff die Pest im gantze Lande / wie auch in Sachsen / Thüringen / Hessen / etc. wieder sehr angehalten. Confer meinen tract: vom dreyfachen Leipz. Blut-Zeichen ab init: & Appendice. Freylich möchte wohl secularis periodus was[185] neues importiren: Was höret man in denen Kirchen auff der Cantzel vor so gar viel krancke Leute bitten / sonderlich für die / so Häuptbeschwerung / die schwere Noth / den Schlag etc. haben: wie Herr D. Samuel Lange / Superintendens Lips. selber bekannte Anno 1665. am 2. Sontag des Advents / oder 10. Dec. da Er in seinen Predigten / beym Anfange des neuen Kirchen-Jahres / diesen Methodum zum andern mahl fortsetzte / daß Er das wahre und falsche Christenthum erwegere / wie man es erkennen könte / beym Glauben / Leben / Leyden und Sterben. Und ist es nunmehr auch 20. Jährig /von Anno 1646. her / da das letzte Sterben allhier gewesen ist / nach welcherer Zeit / Grösse oder Verlauff / die Einwohner allhier in gemein sich was seuchhafftiges besorgen. Ich habe die Wörter des Herrn Christoph Richters angezogen part. 1. im Beschlusse meines Tract. vom dreyfachen Leip. Blut-Zeichen: drinnen der Autor auß dem niedrigen Stande des Saturni durch etliche Jahr / eine Theurung und Mißwachs vermuthet: Aber ich solle 1. vom Wiederspiele vielmehr reden / wie allbereit mit dem Außgange des 1665. und 1666. Jahrs erwiesen ist. Denn die Poeten machen ja auß dem Saturnô Deum Falcigerum, und præfigiren ihn Messi. Virg. l. 7. Æneid. v. 179. Weiter heisset er auff Griechisch κρόνος drauß vielleicht das deutsche Wort Korn kompt. Nun[186] möchte er ja solche seine Krafft / wohl in der nähe eher verrichten / als in der ferne.

2. Glaube ich vielmehr / daß solche stationes humiles Saturni, eher auff eine Pestilentz zu ziehen sey / wenn ja etwas drauß zu folgern stehet. Sintemahl auch Cardanus. l. 14. de rer. Variet. p. 924. bejahet / daß / wenn die Cometen sich beym Saturno befinden / alsdenn Peste / Verrätherey und Unfruchtbarkeit zu erfolgen pflege. Wie auch / wenn ein Comet bey der Schlangen und Scorpion gesehen werde / alsdenn sonderlich eine Pestilentz zu vermuthen sey; wie leyder es dißmahl seine Bewandnüß also hat mit dem 1. Cometen. Ferner habe ich im gedachten und gedruckten Scriptô erwehnung gethan / wie allhier bey Leipzig just am selbigen Tage Blut geregnet habe / wie die blutige Seeschlacht zwischen den Engel- und Nieder-Ländern vorgegangen gewesen. Darzu gehöret etwan auß Kornmannô, de Mirac. mort. part. 6. c. 7. außm Sicillo, Feciali Alphonsi Regis Arragoniæ in libellô suo, cui tit. le blason deb. couleurs fol. 49. Es ist eine Stadt in Welschland / mit Nahmen Teridon, da dieses Wundermerck sich zu begeben pfleget /wenn einer von den Bürgern oder Arbeitern des Jahres sterben soll: Nehmlich wenn er seinen Acker bauet / so erfolget augenscheinlich eine grosse Menge hervorsprützendes Blut / solches bedeutet den nechst folgenden[187] Tod des Besitzers oder Erbens. Ibid. c. 6. Man muß bekennen / das viel verborgenes Dings in der Natur stecke; Denn sie hat die allerunergründlichsten Schätze der Weißheit in sich / welche zu keiner Zeit mögen vollständig erkundiget werden: drauß des höchsten Schöpfers unendliche Weißheit erhellet / das derselbe machen könne was er wolle / und noch nicht ist etc. Es bejahet der Trismegistus, das ein gewisser Ort in einem Gebirge sey / zwischen etliche greuliche Meerfelsen: da zum öfftern eher / bißweilen auch zu eben derselbigen Zeit / wenn eine blutige Schlacht irgendwo in der Welt vorgehet: / oder sonsten grosse Niederlagen geschehen / viel Blutstropffen gesehen werden / die gleichsam auß den todten Cörpern hervor prudeln: Und die Cörper meistentheils verstümmelt im Wasser scheinen / etliche ohne Kopfe / ohne Hände und Füsse. [Dieses solte sich mit deme bald vergleichen / da man höret und lieset / wenn in der Welt ein blutiges Treffen geschiehet / wie alsdenn auffm Eißmeere hinter Norrwegen die Schiffe am geschwindesten / auch mit contrar-Wind / nach dem Heckelsberg sollen zueilen: Item es sollen sich die Gespenster auffm Lande umb denselbigen sehr häuffig befinden / im hin und her gehen / als brächten sie immer eine Seele nach der andern. vide Minsichten im Histor: Schauplatz: p. m. 715. Im übrigen wegen der allbereit verspärten [188] Peste im Teutschlande / mercke dieses: von Amberg / auß der Hauptstad in der Oberpfaltz / ward geschrieben am 10. Aug: daß im Auerbachischen Gebiete / die Seuche dermassen unters Vieh grassire / daß auch die stärckesten Ochsen vorm Pfluge unvermuthet niederfielen / wie sie vorm Kopfe geschlagen würden. Derentwegen denn ein Bauer einem solchen eine Ader geöffnet hat / drauß das inficirte Blut ohngefehr auff des Mannes entblössetes Bein gesprungen ist / daron er flugs anfangen zu schwillen / und noch nicht des Lebens darbey sicher ist. Item eine andere Fraue hat ihrer Kuhen den Schlung reinigen wollen / davon soll ihr eine hinein gesteckte Hand auffgelauffen seyn / als wenn sie von einer Schlangen gestochen worden: Dergestalt das sie in 3. Tagen Todes verblichen. Item Mücken so auff solchem Aase gesessen seyn / sollen Leute gestochen haben / davon sie am 2. Tage auch gestorben seyn. [Sehet / was auff mein und anderer Prognostica erfolget ist: nehmlich ein solches / und noch ein weit mehr folgendes (wiewohl ich vielmehr das contrarium von dem lieben GOtte täglich erbitte /) haben die vorhergehenden Bluets-Zeichen importiret; als welche immer ihr Außdeuten haben per anagr. zu Best-Leichen / oder Bluet-Zeichen / per anagr: zu Leichen-Bet.[189]


Item. Blutig Zeichen.

per anagr.

Gibt Leichen / zu

Guten Leibzich.


Mercke hier / welches ich nachdeme erlernet habe / das zu Zeitz vor etwan 8. Jahren / in unterschiedlichen Häusern eines und das andere Gemüse etc. zu Blute geworden seye Drauff aber nichts erfolget ist / auß Ursachen weil die Leute es selber domahlen auff die Hexerey gegeben haben / als derer Praxis d. l. vermuthlich starck seyn soll. Item andere Spötter wusten zu sagen / wie solche in Blutverwandelte Teiche /verderbtes Wasser weren: davon sie hin und wider solche Pfützen am Wege beobachtet hettē untern Reisen / wenn sie entweder vorbey / oder gar durchgefahren worden. Aber es gibt auch roth hervor-leuchtendes Sand an manchen Orten / solches kan dich bethöret haben: etc.

Sonsten gaben (zu meinen vorigen Exempeln /) die novellen auch dieses: auß Würtzburg in Oesterreich wird vom 9. Febr. 1664. durch beglaubtes Schreiben kundt gethan / daß sie allda den vorbeylauffenden Fluß auffgeeiset / und / an statt des hellen und klaren Wassers / Blut gefunden. Was die Bedeutung seyn wird / ist GOtt allein bewust / der wende alles zum besten. Ich muß allhier noch mehr setzen / so auff die Blut-Zeichen in Teutschland erfolget ist: Auß[190] Gröningen vom 15. Sept. 1665. in 8. Tage her sind hier 150. Menschen gestorben / darunter der Gelehrte Joh. Martinus gewesen. Auß Hamburg vom 13. Sept. in Ostfrießland sol die Peste auch über Hand nehmen / und an vielen Orten / Kirchen / Rath- und Schuel-Häuser deßhalben geschlossen seyn. Zu Embden sind in jüngster Woche 450. gestorben. Auß Gröningen vom 3. Octob. Brieffe auß Embden sagen / daß allda vor 3. Wochen 600. Menschen: die Woche drauf 475. und die nun verwichene Woche 494. gestorben. Auß Rom vom 31. Oct. in Neapoli und gantzen Königreiche soll der Schlag und andere Kranckheiten / wie auch viel schnelle Todesfälle bey vornehmen Leuten regiren / wie denn der Bischoff von Samôgar kurtze Zeit nach seinem angetretenem Bistum auch gestorben. (Siehe! was nun der blutige Regen im Maxtio in Pugglia bedeutet habe?) Auß Wien 28. Nov. über Raab hat man vom 6. diß / das die leidige Seuche in Griechischen-Weissenburg starck eingerissen / deßwegen kein Türckam jetzigen Marckt da eingelassen worden. Venedig. 20. Nov. auß Genua / umb Tolon ist wieder neuer Argwohn wegen der Pest entstanden / derowegen hiesige Republic ein wachendes Auge auff die von dannen kommende Schiffel geschlagen. Sonsten lase man auch Anno 1666. 27. Jan. auß Leipzig gegeben in denon Novellen, daß man an vielen frembden Oertern[191] ein falsch Geschrey habe / wegen unser Stadt als were sie inficiret: Solches war freylich falsch: aber doch fehlete es an andern vielen Seuchen / als an Häuptverwirrungen / schwere Noth / etc. nit /welche Kranckheiten lange anhielten / und manchē mit Rahmen eine lange Zeit ohne unterlaß. Ich thue dieses hinzu / umb den Anfang der Hundes-Tage /1666. daß es noch damit immerfort continuirte / als man von beyden Cantzeln auß denen heuffigen Patienten Zetteln / täglich mit Verwunderung vernahm: Item daß auch noch wol viele allgemählich von solchen hitzigen Fiebern / Hauptwehe und Verwirrungen / schwere Roth / Schläge / etc. genäseten / doch auch viele drüber den Mund zuthaten: Angesehen Anno 1665. miteinander 445. fast also verschieden seyn / und auch fast so viel 1664. auff selbigen Schlag; drunter damahln mein nunmehr Seel. kleinestes Töchterlein / BARBARA ELISABETHA, leider! mit begriffen war. Vide mein Traumbuch. Ja in diesem 1666. sind allbereit / umbs Mittel des Jahres / da ich dieses drucken lasse / just 200. begraben / nach Außsage des Ober-Leichen-Schreibers. GOtt der Barmhertzigkeiten wende das Ubel in Gnaden ab / das es nicht weiter einreisse / oder ärger werde / als die Medici noch immerzu besorgen. Ich höre itzt hiermit auff / was am 7. Julii. st. n. 1666. auß Wien kam: also: Auß Ober-Ungern ist laub von[192] Bäumen / mit besprengeten Bluts-Tropfen / zu gewissen Wahrzeichen / daß vor 4. Wochen zu Kirchdorff / 5. Meilen von Eperies in Ober-Ungern / es Blut geregnet / überschicket worden. (Nun / solte einer es genauer haben / so wird es just der Anfang Junii. st. v. seyn / da es vergangen Jahr bey Leipzig auch geschehen: in welchen Tagen beydemahl just die See-Schlacht der Holl- und Engelländer gewesen. Vide mein dreyfaches Leipz: Blut-Zeich: und der Holl: Himmels-Glücke: Aber / solte es sich dahin ziehen? oder daher kommen? ich zweifel. Man hat dergleichen Zeichen nunmehr / ein paar Jahres frist / durch gantz Teuschland / ja Europam. Vielleicht ist es eben so schnackisch damit / als daß der Hering daher fetter vermuthlich sey / weil er von vielen Holl: und Engl: gefressen. Im übrigen unter andern Wunderdingen ist auch in Teutschland dieses geschehn Anno 1665. nehmlich in Thüringen bey Remme hat es greulich geschlosset / und ziemlich Korn verderbet: So hat es auch bey Salfeld dreyerley Schlossen geworffen; Etliche Stücke sind gewesen / wie die Pauschel-Hauben gestalt / dran sich das Frauenzimmer itzt versündiget: andere wie Türcken-Köpfe / und etliche rund wie die Kugeln. Sonsten habe ich gedacht / zu ende der Beschreibungen von etlichen Feuer- und Blut-Zeichen / wie bey Salfeld Honig auß einem Birnbaume geflossen sey: damit hat es sich[193] eigentlich also verhalten / wie ich im Sept. von einer glaubwürdigen Person bin instruiret geworden / die es mit Augen selbst gesehen hat. Nehmlich vorn Saalthor / am Wege wenn man nach Rothenberg gehen wil / gehen wil / gegen Morgen / schier über einen Büchsenschuß von der Stadt vorm Berge sollen im Grunde etliche alte wilde Birnbäume / nacheinander auffn Aeckern / stehen: von solchen ist umb die Zeit / da die Bäume verblühet gehabt haben /viel saubers dünnes Honig geflossen / durch 3. Tage fast: und zwar sollen es nur 3. Bäume außn Hauffn gewesen seyn / dran man es wahr genommen hat / die auch nicht an einander gestanden seyn / sondern von einander entfernet gewesen / dergestalt / daß ein Baum einem Bauren von Kietzsch zugehöret / ein ander auff eines andern Acker gefunden worden. Weiter ist solches Honig von allen Blättern häuffig geflossen / wie gedacht / an dreyen Sonnen reichen Tagen. Dergestalt daß viel Leute Töpfe / Nepfe und allerhand Geschirr untergesetzet haben / die sie davon voll bekommen han: Etliche haben Hände unter gehalten / und dieselbe bald angefüllet gekrieget. Item es sollen gantze ziemliche Pfützen auff der Erden unter solchen Bäumen / seyn angetroffen worden / von demselbigen Honig gemachet. Unterschiedliche Leute haben viel Zweige von solchen Bäumen gebrochen / und in die Stadt zum præsent gebracht / dran man das Honig dicke[194] kleben gefühlet hat. Weiter hat man solches in gemein für vergifftig gehalten: Aber es ist allen wohl bekommen / und keiner dran gestorben / die Dranne gelecket / ja gar Butter-bammen darvon geschmieret haben. Weiter ward referiret, wenn man solches Honig mit einander hette colligiren sollen in ein Gefäß / daß es leicht etliche Kannen würde gemachet haben. Sie haben es Honig-Tau genannt: und soll wie Honig gesehen und geschmecket haben. Die Pfützen unter solchen Bäumē sollen des Nachts gerathen seyn / da es keine Leute auff fangen können. Unn ist zuverwundern / daß nur die Bäume alleine davon getröffelt haben / von allen Enden unn Seiten / so groß und breit sie gewesen seyn / im Umbfange und Begriffe: und das außerhalb solchen / etwan vom Himmel / nichtes weiter wahrgenommen worden ist. Auch sehr alte Leute haben sich mächtig drüber verwundert / weil sie kein dergleichen Exempel gehöret haben. Viele (wie leider auß der Ruchlosigkeit manirlich) habens nichts geachtet: wie ich denn selber zu Leipzig mit Salfeldischen Leuten geredet habe / denen es Böhmische Dörffer waren / und es damahlen kurtz nach der Begebnüsse unbekant gewesen ist. So ging es auch zu mit der Thüringischen Seyde umb Laucha / als davon nicht weniger unterschiedliche Landsleute nichts wissen wolten; ja noch weniger davon sagen könten / als die Außländer. In übrigen wegen der Honig-Bäume[195] muß ich hieher setzen / was beym Joh. Olorino stehet / in centur Arbor. mirabil: c. 29. pag. 53. Im Thal Hircano, ist ein Baum Occhi genannt /welcher früe 2. Stunden lang Honig schwitzet. Plin l. 12. c. 8. M. Heinricus Bünting in Itinerar: S. Sacræ schreibet / der Thau auff den Eichbäumen wird zu eitel Honig / daß / wenn die Sonne auffgehet / und darauff scheinet / Honig von den Eichbäumen treuffet.

Weter sollen auch im vor- Jahres Anfange bey Naumburg / allerhand Blätter von Bäumen herunter auß der Lufft gefallen seyn / da man doch damahlen noch von keinen gewachsenen Blättern unn Laube gewust hat / ich geschweige daß sie von der Erden hetten können hinauff genommen werden. Zu Schweinfart sollen nicht alleine die Frösche im Winter in der Stadt geschrieen haben / sondern auch grosse Uberschwemmungen gewesen seyn / ja es sol sich eine Trommel in der Stadt langeweile hören lassen / da doch von Menschen keine Paucke gerühret worden. Weiter soll sich auch zu Neustadt an der Rudel der Herr Christus in der Lufft auffn Stul sitzend etc. præsentiret haben: das von glaubwürdigē Personen außgeschwatzet ist. Weiter haben es Leute zu Salfeld eigentlich gehöret / wie es ausn Rathsborn lange Wasser geschöpfet habe: da sie doch nichtes gesehen. So hat es in einem Hause auch gesungen / erstlich HErr Christ ô[196] Morgen-Sterne etc. und drauff zwey andere Sterbe-Lieder: Item es hat in einem Hause gedauchtet / wie lauter Erde hauffenweise / vom Dachte herunter russelte; Darnach einer und der ander Mensch derselben Wohnung hinauß gegangen ist zu sehen; aber dennoch nichtes mit den Augen observiren können / außerhalb deme / was die Ohren gehöret hatten. / Wie das Singen allhier zweifels ohne ein solches andeuten kan / was anderswo die Gespenster oder Blut-Zeichen / nehmlich Absterben: Also kan das Wasserschöpfen gar wohl auff die entgegen gesetzete Außlegung jenes Wassergissens gezogen werden / so auch in diesem Jahre zu Lützen vorgegangen ist: da soll ein klein Männlein außn Keller hervorgelauffen seyn / und vor desselbigen Hauß / auß einer Kelten Wasser gesprenget oder außgegossen haben: Drauff es wieder stilleschweigens in den Keller hinein gelauffen ist: und wie die gegenwertige Magd sich drüber gefürchet / und auff ihre Knie gefallen / und einen Psalm gebetet hat / so soll es auch zugleich mit niedergefallen seyn und so lange gebetet haben / als die Magd etc. Drauff ist eine Feuersbrunst im Städtlein außgekommen / und sind etliche Häuser in die Asche geleget worden. Aber selbiges Hauß ist ohnverletzt übrig blieben. Item es soll nach selbiger Begebnüß das Männlein wieder noch einmahl gesprenget haben / aber drauff ist am selbigen Orte nichts erfolget.[197] Ich geschweige allhier wegen der berührten Feuerbrünsten / anderer Oerter / so unlängst hier herumb / theils gantz / theils stückweise / eingeäschert seynd geworden / so durch Verwahrlosung / so durch anzündung des Wetters / und durch vermuthliche Mordbrenner. Wie es leyder allzusehr innen geworden ist Landesberg / Ronneburg / etc. und durch Wolckenbrüste Schaden geschehen 1666. im Jun: bey der Neisse und Sittau. Ich will allhier nichts erwehnen / wessen man sich davon auch allhier besorget hat / auch bey geringen Vermuthmassungen: wie denn unlängst vor der Ostermesse ein schalckischer gewesener Soldate im Brüle nebenst der Juden Herberge / einen solchen Possen gemachet / das er ein Blase-Rohr genommen / und damit die Leute in der Gegend etliche Stunden geäffet hat / als were es ein Gespenst / hatte immer Ach und Weh geschryen / auß einer verborgenen Stube / bald nach der Gassen hin / bald nach einer andern Seiten einer andern Gegend des Gebäudes / also daß die bestürtzten Leute / es allenthalben in Winckeln / Brunnen / und Bretern etc. gesuchet haben: biß endlich ein Weib zur andern gesprochen: ach! was mag es doch bedeuten? Etwan Pestilentz / oder Krieg / oder Feuers-Gefahr? da es zum letzten ja gesaget: Worüber man sich hernach durch die gantze Stadt viel böses befahrete. etc. Endlich brach es auß und der Schelm lieff davon. Doch[198] ist schlüßlich dieses gewiß / daß allhier 1666. am 29. Januar. zwischen 5. und 6. Uhr auffn Abend und umb II. Uhr in der Nacht / viel vornehme Leute / Feur vom Himmel haben fallen gesehen / Mittagwerts über der Statt / drauff am folgenden Tage / etliche Kerl eingezogen worden / so man für Mordbrenner hielte: Aber bald wiederumb loß ließ / weil man die Unrechten bekommen: Im übrigen folgete darauff eine rauhe windige Lufft. Eben an demselben Abend hat ein Mann zu Wolckwitz etwan einer Gassen breit ein helles Thun neben sich auß der Lufft auff die Erden fallen gesehen / da es zu letzt wie ein feuriger Mann außgesehen.

Sehr nachdencklich ists / das gleich am selbigen Abend auch zu Halla in Sachsen / zwischen 5. und 6. just umb die obgedachte Zeit / sich solches Feur gar starck præsentiret hat / welches gleichsam beym Schlosse niedergefallen schienen / da es auch einem Weibesbilde auffs Brüstigen gefallen / und lauter schwartze Creutze soll effectuiret haben. Wie mir einer mündlich berichtet hat / so es augenscheinlich gesehen. Auch ist dieses nachdencklich / was auß Wien geschrieben ward / vom 27. Febr. 1666. die von der Pforten zurück gelangete Abbaffische Gesandten haben mitbracht / das nach deme zu Adrianopel am 8. Febr. zu Nachts in der Lufft grosse Drachen / Schlangen / und andere grausame gegen einander streitende Thiere gesehen[199] worden / ein grosser Drache mit einem grossen Knall / als wann ein grosses Stück loß gebrannt würde / auff des Bassen Dach / und auch viel andere / zur Erden gefallen / wordurch wegen grossen Gestancks und Schreckens in 50. Personen gleich verschmachtet / in etliche hundert aber tödtlich kranck worden. [Nehmlich der 29. Jan. S. V. ist der 8. Febr. S. N sehr wunderlich: Sonsten schwatzen die Bauersleute auch kurtz vor derselbigen Zeit allhier ein wunderliches / wie nehmlich der Drache sich offters præsentiret habe über den Holtzhauffen bey Eüteritzsch / welchen sie damahlen bewachen müssen /wegen das justitium oder litem pendentem des Bauer-Mägdeleins / davon in meinem Traumbuche /part. 1. Theoret.

Mercke weiter einanders omen, das sich umbs Mitel Febr. in Preussen begeben hat / an denen grossen Adelern / so mit einander gefochten oder gestritten / und einer auffn Platz geblieben / oder todt herunter geportzelt ist / wie solches vō Cracau auß Dantzig her geschrieben / und mit Kupferstücken figuriret ward: Welches ostentum sich auch vor 10. Jahren in der Gegend begeben hat Anno 1656. da der Schwede mit dem Pohlen zu thun hatte. Sonsten hat es sich auch zugetragen vor 4. Jahren zu Magdeburg auffn Acker / daß ein paar Adelern sich dermassen und hefftig gebissen / das sie lebendig auffn Acker / unweit von[200] etlichen pflügenden Knechten gefallen seynd; darnach ein Knecht gelauffen / und den einen lebendig erhaschet hat: welchen er vor eine Spendasie dem Ampte / und vollends dem Fürsten zu Halle / offeriren lassen. Der übrige ist gleichsam triumphirend / so hoch über sich und sie gepflögen / daß man ihn kaum mit den Augen letzlich erblicken mögen / und hat sich also außm Staube und davon gemacht. Nehmlich es ist ein Martialischer Vogel / und sie mögen einander verfolgen / ich weiß nicht wie weit /wie es denn ihnen nicht unmüglich ist in einem Tage trefflich viel Meilen zuverrichten: Wie man hingegen einen Falcken vormahlen bey Dreßden auff der Beitze verlohren / so in einem Tage nach Preussen sol gekommen seyn. Vide Cöleri Oeconom. und meine Hybernacula Ciconiarum. So ist auch nicht unbekannt /von jenen Seeraben / so sich hier aufn Thomas-Thurme præsentiret haben. Vide Heidenreichii Chronic. Lips. Ich verlasse die Omnia mit denen Adlern / ihrer reiffen Zeit: und thue noch / zu das Feuer-Zeichen / das man weit unn breit wahr genommen just umb eine Zeit / auch zu Merseburg / Eulenburg / Leipz. Jena / da es wie ein Blitz gewesen. Item auß Madrill 20. Febr. in Catalonien unfern der Stadt Vicq. soll man bey hellem Tage ein besonder Feuer in der Lufft gesehen haben / welches sich zu beyden Seiten / mit Flammen und Kohlen außgebreitet (nun ist der[201] 20. Febr. unser St. V der 10. weiter ist solcher nichs weit vom 29. Jan. Ergò mag es wohl auff selben Tage geschehen seyn / und dieselbige Flamme von Spanien zu uns herüber gekommen / oder vollends in Türckey gegen Morgen von Abend penetriret haben. Nun haben sie in Spanien fast bey anderthalb Stunde länger Tag als hier: also das es bey ihnen noch ziemlich Tag kan gewesen seyn / wie es bey uns zwischen 5. und 6. Uhr auffn Abend gewesen. Laß mir das ein portendens Fatum Europæ seyn; davon oben schon gedacht: pag. 123. etc. wo das ärgste zu besorgen wieder Pohlen vorgebracht ward: Als davon etliche Vaticinia verhanden seyn in des Cötteri Prophetiis, unlängst gedruckt. Cons. meine 1666. Welt-Geschichte. Darzu gehören auch die 7. Sonnen / so 1661. am 20. Feb. St. N. Dom. Sexag. umb 11. Uhr biß nach 12. zu Dantzig gesehen worden. Vide Georg. Fehlavens Siebenfachs Sonnenw. Freylich / freylich hat Pohlen ein grosses hinter sich: Solches erweise ich für mich gründlich auß den ersten neulichen Cometen: vide clausulam Tom: 1. meæ Astrologiæ refutatæ Comet: Pol! Polonus miserrimè afflictabitur. Et Casus mirus ille Casimiri, nunc verè restat.

Was wil ihme jenes unerhörtes prodigium, so in dem 1665. Jahre in Preussen geschehen ist / nehmlich da ein sehr schwerer Stein / welcher sonsten von vielen Leuten nicht hat vermocht[202] bewegt zu werden /von freyen Stücken / so zu reden / und für sich / einen ziemichen Berg hinan gestiegen ist? wie ein Schuch in Schlesien vor wenig Jahren fortgewandert ist / wirstu / geliebt es GOtte / lesen / in meinem andern Theile der Weynachtfratzen. Aber vom Avtomato lapide, habe ich noch nichts also gehöret: In der Schrifft stehet vielmehr / daß ein grosser Stein vom Berge werde herunter fallen / und das Bild Danielis zumalmeln. etc. Vide meinen Türcken-Schläger / und Autorem der Nürenbergischen observat: vom Com. 1664. pag. 34. Ixion soll auch in der Höllen einen Stein müssen den Berg hinauff weltzen / aber für die lange weile: Tollitur in altum ut lapsu graviore ruat.

Aber mit jenem Preussischen Steine dürffte vielmehr anders daher ergehen / und zwar Philologicè also: λᾶς und λάος heisset lapis. λαὸς populus: ὂρος, mons, welches sich mit Roi, Rex vergleichet: Ich geschweige / daß auch in der Schrifft propter eminentiam, Reges und Principes, montes geheissen werden. Hat nun ein Stein den Berg oder collem superiret: so wirds genau kommen / daß ein Volck seinem Könige dürffte aufn Hals / collo, tantzen / unn nach der Kron trachten. Per juga montis ascendit: jugum excutiet. Und solte leichte auß solchem Berg dergestalt per ichnæam inversionem ein Grab werden. Wie auß cras, Sarc: Casimirus per [203] anagr: I! cras imus. Doch verhüte GOtt ein solches Omen und gebe vielmehr ein bessers Fatum:

Derselbe grosse GOTT Himmels und der Erden / der denen Königen Gewalt und Macht auff Erden gegeben hat / gestatte ja keinen Demosthenen, oder robur populi, (Stein / Saxonicè Steen / congruit cū αθενὸς, ut λάος, cum λαός, id est δῆμος. Rex sit potiùs Demonicus, seu Nicodemus; id est DEus largiatur suo vicario victoriam in populum.) Aber / aber / es dürffte wohl heissen:


Lupomirscyus.

per anagr:

Sum Cyrus Poli.


Ein anders prodigium wegen Pohlen / suche superiùs, vom wunderseltzamen Eye: pag. 131. Nach vielen Avisen kam endlich diese ausn Feldlager bey Czenstochowa / vom 6. Sept. 1665. daß der Lubomirsky / durch ein 7. Stündiges Gesechte / von denen Königl. über 1200. gefangen / über 1500. getödtet habe / davon kein Frantzose mit dem Leben davon kommen / als welche dem Könige sonderlich in Ohren liegen umb den Lubomirsky außzutilgen. Item auß Olmitz vom 15. Sept. daß damahlen der Lub: 3000. Königliche geschlagen / gefangen etc. habe / und vernünfftig handele / in deme er immer defensivè sich hält / und keine feindliche action vornimmt / es sey denn / daß er dazu veranlasset und genöthiget werde. Item[204] auß Broßlau: das der Lub: unanimi populi voce Innocens proclamirt worden / worauff die Victori erfolgt. Der Lub: soll 8000. Confœderirte und 8000. an Teutschen etc. gehabt haben: Der König aber lauter Littauer. Vom Oder-Strom 13. Sept. die Lubomirschkysche Parthey hat glückliche Progressen, und über jüngst erhaltene victorie noch einen guten Streich gethan: Wird also das Elend zu Pohlen täglich grösser / dahero viel familien nach unsern Gräntzen flüchten / dann die Partheyen streiffen weit und breit auß / etc. Unter andern Vermuthungen / wegen der Expedition des Schwedischen Krieges-Heers im 1665. Jahre / gingen auch viel Gedancken dahin / das es auff Pohlen nochmahls ein Absehen habe. Wiewol ein Erfahrner Soldate darzu reimete: in Pohlen / ist wenig zu holen. (Vielleichte dürffte hierauff was ärgers vermuthlich seyn / als in verwichener Frist / da man dieses vor eine gefundene (ja erfundene) antiqv. außgabe:


Do sVeCo poLonIaM: 1656.

DaboqVe ConstantInopoLIM: 1657.

DabItVr tIbI CaroLe RoMa. 1658.


Summa / dem Morienti poloniæ [wie also ein schön scriptum zu dieser herauß kam / als vor etwan 5. Jahren: deplorata Polonia / deuten ein gewisses Unglücke an.


[205] P arelii, die 7. Reben-Sonnen.

O vum, das wunderliche Ey. hîc pag. 131.

L apis, der fortgehende Stein hîc pag. 102

O racula, die Prophezeigungen.

N udatus acinaces, der Sebel in der Lufft / hîc pag. 132.

I gnis cœlo lapsus, das Feuer so vom Himmel gefallen / hîc pag. 132. 133.

A quila, der überwundene Adeler / hîc pag. 200.

Ich geschweige des Cometens etc.


Dieses aber muß ich noch hinzuthun / was auß Warschau ankam vom 25. Jun. 1666. Hier ist mit einem Creutze vor der Bernhardiner Kirche eine seltzame Begebnüß vorgefallen: Sintemal dasselbige auff einer Eisern Stangen stehend / zu zwey mahln sich umbgewendet / und das Gesichte / welches nach der Gasse gesehn / nach der Kirche zugewendet hat; Der König hat es zum andern mahle zu rechte setzen lassen / wie dann deßwegen ein sonderliches Kirchen-Feyer gehalten worden / im Fall es etwan ein böses Vorbild seyn möchte / die Straffen GOttes abzuwenden. Herr Lubomirschky mit denen Confœderirten soll 40000. starck seyn. Der König aber auff 24000. (Eine dergleichen Verdrehung von der victoriæ statuâ, suche in meinem heurigen Holländer Himmels-Glücke.)[206]

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 156-207.
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