IV. Von Drachen-Kindern / oder Teuffels-Brut / Hengers-Gezüchte / Elven / bösen Dingern / Hexen-Geburt.

[207] Weil dieses Belials-Geschmeisse vielförmicht außstehet / als wollen wir erstlich erzehlen / was davon vorbringet Pomarius in Colleg. Synopt. phys. Disp. 13. pos. 3. §. 4. auß D. Carpzovii Prax. Crimin. part. 1. q. 5. n. 60. sent. 21. wenn sie mit ihrem Buhlen zu schaffen gehabt / hette sie weisse Elben und derselben allezeit zehen bekommen so gelebet / spitzige Schnäbel und schwartze Köpfe gehabt / und wie die jungen Raupen hin und wieder gekrochen / welche sie zu Zaubern gebraucht / ihr Buhle auch / ehe sie geduhlet / ummbracht. Sent. 23. Ein Mann im grauen Bart und blau gekleidet / hette keine Füsse / sondern nur Hundesklauen / und viel Federbüsch auffgehabt / er hette ein eißkalt Ding gehabt / welches doch nicht sonderlich groß gewesen / darauff sie nach verrichteten Wercke alle viertel Jahr ein paar Elben gezeugt / welche eines Fingers lang gewesen / und gantz buntstreiffig außgesehen wie die Raupen. Sent. 24. Sie hette mit ihrem Bulen böse Ding oder Elben erzeugt / die sie in ein Tröpfflein gesetzt und ihnen Brodt zu Essen gegeben / theils auch ins Wasser geworffen / wenn sie aber solche einem[207] Menschen zugebracht od' abgetrieben / hette sie gesagt: Hin / in aller Teuffel Nahmen. Sent. 26. Es hette der Teuffel Bärnklauen am lincken Beine und einen grossen Hoffmännischen Rock / auch Federn auffn Hute gehabt / seine Natur und alles an ihme war gar kalt gewesen / nach solcher Vermischung weren die Elben von ihr kommen / so wie schwartze und graue Fliegen außgesehen. Sent. 29. wenn er sich mit ihr vermischt / were es nicht anders gewesen / als wenn er ein kalt Hörnichen darzu gebrauchet / sie hette zweene Kinder von ihm gezeuget /welche wie der böse Voland gestalt gewesen / were aber kein Leben noch menschliche Gestalt an ihnnē spüren gewesen / derowegen sie dieselbigen in das Wasser geworffen. Sent. 31. Es were wenn sie sich mit ihme vermischt / das Thun gar kalt gewesen. Sent. 34. Es hette sie zwar gedaucht / als wenn ihr Mann bey ihr gelegen und mit ihr zu thun gehabt / jedoch were ihr Buhle gantz kalt gewesen. Sent. 35. seine Scham und Glied sey hart und kalt gewesen / und habe von ihm nach vier Wochen fünff paar böse Dinger erzeuget und gebohren / weren wie weisse Würmer gewesen / und hetten schwartze Köpffe gehabt / die habe sie der Hirtischen Margarethen in das lincke Bein gebracht und gezaubert durch nachfolgenden Spruch: Im Thume stehet die Rosenbume / sie ist weder braun noch fahl / so müssen die Huffdinger zersteuben und zerfahren /[208] und kommen der Hirtischen Margarethen in des Teuffels Nahmen an.

2. Ein ander Geschlechte ist gleichsam / davon die Thalmudisten fabuliren beym Abulens. Nehmlich daß der Adam vor seiner Eva noch ein ander Eheweib gehabt / welche nicht minder auß der Erden erschaffen gewesen / mit Nahmen Lilis: mit welcher er 130. Jahr gelebet: In welcher Zeit er / wegen daß er vom verbotenen Baume gegessen / ist verbannet gewesen: Und in dieser Zeit soll er keinen Menschen / sonder lauter Dæmones oder Teuffel mit ihr gezeuget haben / drauff sol der liebe GOtt ihm Evam zugesellet haben / die Er auß seiner Riebe erbauet: und damit soll er erstlich Menschen erzeuget haben. Vielleicht hat der Peyrer. seine lose Lehre hierauß genommen. Im übrigen auch der Alcoran der Türcken pag. 271. lib. 1. c. 41. damit überein. Da Mahomet spricht / daß erstlich der Teuffel / darnach die Engel / und nach diesen Adam die Erde bewohnet habe. Ja wie Censor Anonymus d. l. drüber spricht pag. 275. etc. auß einem andern Orte: daß Mahomet dafür gehalten / wie die Teuffel durch 7000. Jahr die Erde innen gehabt hetten. Im übrigen gehöret hieher Jacobus Merlinus, der berühmte Englische Wahrsager / welcher von einem Incubo und einer Adelichen Frauen in Engelland soll gebohren seyn: Drauff er / so bald er zur Welt gekommen /[209] soll angefangen haben zu hüpffen und springen / von einem Orte in den andern / als wenn er närrisch were. Er ist endlich ein Cantzler geworden / weil er trefflich studirt gehabt / ohne daß er keiner Religion zugethan gewesen. Hector Boëtius l. 7. Hist. Scot. Vincentius Belvacensis lib. 7. c. 30. Spec. Hist. Conimbr. quæst. 10. act. 4. c. 4. in Arist. l. 1. de gen. & corrupt. Mercke was Zeilerus saget / p. m. 14. hist. 1. der Traur-Geschichte / von dem berühmten Wahrsager Merlinô in Britannien: daß solche seine Wunder-Geburt allegorisch / und mit einem Zusatze zuverstehen sey / wie D. Mich. Mayer in seinem tract: von der Baumgans / oder im compendiô miraculorum p. 116. erinnert. Weiter sollen auch die Hunni von Gespenst Hexen ihren Ursprung haben. Jornandes de rebus Goth. Martin. Delrio l. 7. quæst. 15. Mag. Von den Hertzogen zu Cleve wird gleichfalls vermeldet / daß sie sollen von der Vermischung mit einem Gespenst herkommen. Wiewohl solches für eine Fabel helt Steph. Vinandus Pighius in Hercul. Prodit. p. 53. wie auch Limnæus l. 5. c. 10. de Jur. Publ. Suche mehr Historien beym Hildebrand. l. 1. c. 40. Mag. Nat. Wiero l. 3. c. 16. de Præstig. Dæm. Camerar. l. 1. c. 71. Op. Subcis.

Vincentius erzehlet außm Helinandro lib. 3. c. 27. diese Historien. Es ist im Stifft Cöllu ein weitberühmt und herrlich Schloß oder Pallast[210] über den Rein gebauet / Juvamen genannt / daselbst seynd vor etlichen Zeiten viel Fürsten und Herren zusammen kommen / und bey einander gewesen / da ist unversehens ein Schifflein daselbst ankommen / welches ein Schwan mit einer silbernen Ketten / damit es ihm an den Hals gehenget war / gezogen. Auß demselbigen Schifflein ist ein frembber Kriegsmann / den niemand gekennet hat / gesprungen / und hat der Schwan das Schiff wieder zurücke geführt. Hernachmahls aber hat dieser Kriegsmann ein Weib genommen / und Kinder gezeugt. Endlich aber als er lange auff demselbigen Pallast und Schlosse gewohnet / und einsmahls den Schwan eben mit demselbigen Schifflein und silberne Ketten wiederumb dahin kommen siehet / ist er alsbald wieder in das Schifflein gesprungen / und ist ferner nicht mehr gesehen worden. Sein Geschlecht und Nachkommen aber seynd noch biß auff heutigen Tag vorhanden. Und auß dieser Geschicht / so in dem Schlosse zu Cleve / [da denn ein sehr hoher Thurm ist / der Schwanen-Thurm genennet / auff welches Spitzen ein Schwan stehet] in gar alten Tepichten gewirckt ist / führen etliche der Durchlaucheigen Hochgebohrnen Hertzogen von Cleve Stamm und Ankunfft her / daß es aber nicht sey / bezeuget die wahre Histori / so von Herkommen vorgemeldter Fürsten beschrieben. Wierus lib. 2. cap. 46. de præstig. Dæmonum.[211]

Christophorus Richter in Theat. Hist. Cent. 4. c. 94. p. 770. etc. Es hat sich Ao. 1565. den 26. Maji diese greuliche Geschichte begeben / dz in einem Dorff / mit Nahmen Schmirtz / in der Herrschafft des Hochgebohrnen Herrn Uratislavv von Bernstein / ein Weib ein solch Teufflisch Kind gebohren: Es hat kein Haupt gehabt / in seiner Brust an der lincken Achsel hats einen Mund gehabt / und auff der rechten Achsel ein Ohr: An den Händen und Füssen sind nicht Finger / sondern an derselben statt Krallen / gleich einem Frosch oder Kröten: der Leib aber ist braun gewesen /wie eine Leber / und hat gezittert / wie eine Gallerte / und hat kein Bein an ihm gehabt: wie es auch die Hebamme hat baden wollen / hat es einen erschrecklichen Schrey gethan. Es ist vor der Kirchen des Ort von vielen Leuten gesehen worden / und letzlich an einem Ort auff den Kirchhofe / da man die ungetaufften Kinder hinzulegen pflegte / begraben worden. Es hat aber endlich die Mutter hefftig ohn unterlaß gebeten / das solche greuliche Geburt außgegraben werden möchte / und daß sie gantz weggethan und verbrannt würde: Auch hat sie bekant / das der Teufel in Gestalt ihres Mannes offt in die Kammer / Stuben / und auff den Ofen kommen / und mit ihr Unzucht getrieben. Darumb sie hefftig gebeten / daß dem Teuffel das seine wieder würde / auch begehret / daß Leute bey ihr blieben: denn[212] sie sich vor des Teuffels Gewalt und Schrecken sehr gefürchtet. Solche Teuffelische Geburt ist auch endlich / auß Befehl der Obrigkeit / außgegraben / und auff eine Radscheiben vor das Dorff zu verbrennen vom Scharffrichter geleget worden: da er dann ein gantzes Fuder Holtz verbrannt / und ist doch dieses Ungeheuer nicht verbrunnen / es seynd auch die Windeln noch naß blieben / biß er sie zu Stücken gehacket / und schwerlich am Freytage nach Ascensionis Domini verbrannt. Dem Weibe aber ist groß Schrecken zukommen / und hat sich der Teuffel auff die Nacht mit grossem Getümmel / wie Pferde und Trompeten / umb das Hauß hören lassen. Deßgleichen die ander Nacht hat man ein sämmerlich kreissen und heulen unter den Fenstern / nachmahls im Hause gehöret / daß das Weib gebeten / man wolte mit ihr beten / und GOtt für sie anruffen: Und hat einer dem Teuffel im Nahmen GOttes geboten / an den Ort seiner Verdamnüß zugehen da hat man erstlich ein heulen / wie der Hunde und Katzen / so sich bissen / unter den Fenstern gehöret / darnach ist es wie mit einer Trompeten über das Wasser von dem Hause gangen / daß die Nachbarn mit Schrecken gehöret / und vor sie gebetet: Hat endlich also vom Teuffel durch GOttes gnädige Hülffe / Friede bekommen. Relatio Olmuzensis publicè impressas.[213]

Roch andere Historien mischet Herrn Minsicht ein im Histor. Schaup. c. 5. vom Teuffelischen Beyschlaffen p. 40. etc. Es fället eine schwere Frage vor / ob der Satan würcklicher weise Kinder mit den Men schen erzeugen könne? und ob es ein rechter Beyschlaff sey? Hierinnen seynd die Gelehrten unterschiedlicher Meynung / und wollen die meisten / daß es wohl geschehen könne. Geben erstlich die Ursach / das der Teuffel solchen Beyschlaff wohl halten könne / weil er nehmlich ein mächtiger Tausendkünstler / und dannenhero die Cörper der Verstorbenen auß der Erden nehmen / und durch seine Einblasung und Bewegung derselben sich gebrauchen / und das er auch den Menschlichen Saamen anderswoher entlehnen oder stehlen / und also wohl eine Frucht zur Welt bringen könne; Es mag aber hierinn ein jeder seine Meynung behalten; so habe ich auch allbereit in den vorhergehenden Historien meine Gedancken gesaget. Setze nur dieses noch hinzu / daß ich nicht absehe /wie auß einer solchen Teufflischen fleischlichen Beywohnung / welche ich ingleichen nur vor eine Verblendung halte / eine Menschliche Frucht entstehen könne. Denn da ist bekant / 1. daß der Teuffel ein Geist / und nicht Fleisch und Bein habe / als ein Mensch / dannenhero er auch weder fleischlich beywohnen / noch Ursach oder Materi zur Frucht geben kan. 2. Kan er auch den frembden Saamen hiezu nicht gebrauchen / dieweil[214] weil die Mittel / so darzu dienlich / nicht vorhanden / wie dasselbe weitläufftig könte erwiesen werden / und denen Näturkündigern bekannt. 3. Hat man auch erfahren / das dieselben / so solcher teufflischen Beyschlaffung beygewohnet / außgesagt / das dieser Beyschalff nicht natürlich / sondern gantz kalt gewesen; Also kan es auch wohl seyn / daß der Teuffel einen andern viehischen Menschen / der ihn zum Gehülffen brauchet / irgends zu einer solchen Person führet / und das Werck fleischlicher Beywohnung verrichten lässet / da manchmahls die Ursach dem Teuffel beygemessen wird.

Also erzehlet Caspar Hennenberg in der Preussischen Land-Taffel / daß zu Königsberg in Preussen Anno 1570. so ein Weib ein Kind zur Welt gebracht / die bekannt / daß sie es mit dem Satan gezeuget / und dabey gesaget / er habe sich allerdings zu ihr gehalten wie ihr Mann / ohn daß er eißkalt gewesen. So erzehelt auch Wilhelmus Parisiensis, daß auff eine Zeit ein Soldat / da er vermeynet / er schlaffe bey einer schönen Jungfrauen / des Morgends befunden / daß er bey einem Aas von einem stinckenden Esel / auff einem Mist- und Kot-hauffen gelegen. Und also bezahlet der garstige Teuffel alle die jenige / so ihme anhangen / und seinen Lüsten folgen. Auß diesen allen schliesse ich / daß alle die Sachen teufflische Verblendungen seynd / dadurch der schändliche[215] Teuffel die Leute äffet / und im fall ja hierauß eine Frucht entstehen solte / so ist es ebenmässig eine Verblendung / oder auch ein gestolenes Kind / welches der Teuffel anderswo genommen / und an diesen Ort gebracht / oder auch ein Kahlkopff / oder der Teuffel selbsten /wie man denn erfähret / daß dergleichen Balge / erschrecklich viel und übernatürlich fressen / daß sie auch manchen Vater gantz arm fressen / und wenn sie also etliche Jahr zugebracht / verschwinden / und weiß niemand wo sie hinkommen; Und ist zubeklagen der einfältigen Aberglaub / welchen sie zuweilen hiemit haben; da man sie billich wohl und besser unterrichten solte / daß sie dem Teuffel nicht so viel traueten. Besiehe mehr hievon bey Wolff. memorab. lect. tom. 2. concl. 16. Cardano de varietate rerum l. 15. c. 80. Majol. Tom. 2. Coloq. 3. Wierum, und andere viele mehr.

Schlüßlich fraget es sich / was denn von der Vermischung der bösen Geister mit den Menschen / und ihrer Zucht zu halten sey? davon urtheilet sehr wacker und außführlich D. Mich. Waltherus in Tetrad. quæst. Miscell. Jen. 1618. quæst. Physiol. also: Auff diese Frage wird unterschiedlich geantwortet: Etliche sprachen ja darzu / daß nehmlich die Teuffel wie recht mit den Menschen zu thun haben: Und dahin gehören Augustinus l. 15. de Civit. DEI cap. 23. & ipsius Scholiastes Ludovicus vives ad l. d. Thomas [216] Aquinasi part. 1. quæst. 51. art. 3. Pererius disp. 3. lib. 8. Comment. in. Genes. Zanchius de Operibus sex dierum c. 16. & ex nostris Theologis D. Gesnerus disp. 6. in Genes. q. 4. pag. 148. & seqq. Es ist ihre Meynung dabey diese: 1. daß die bösen Geister Menschliche Leiber annehmen können / sich darinnen præsentiren / recht reden / und andere Menschliche Geschefft also verrichten. 2. Daß solches der H. Schrifft nicht zuwieder sey / wenn man fürgiebt / daß die Teuffel in solchen angenommenen Leibern / sich mit unserm Weiblichen Geschlechte vermischen können. Und 3. daß die Kinder / welche auß solchen Beyschlaff gezeuget werden / nicht auß dem natürlichen Samen der Geister herkommen; als welches sie selber nicht haben: Noch auß den geraubten oder zu sich genommenen Cörpern; Als drinnen kein düchtiger Same seyn kan; Sondern das solche Kinder sollen gebohren werden / entweder auß einem lebhafften Samen / den sie anderswo gestohlen haben: Oder nach einer andern uns unbekanten Art. Und der H. Augustinus / hat dieser Meynung dermassen beygepflichtet / das er schreiben dürffen / wie es eine Unverschämheit sey solcher zu leugnen / welches man an den Sylvanis, Fauni und Dusiis in Franckreich insgemein erfahren hat. Hingegen sind andere / welche es durchaus verneinen / als Chrysostomus homil. 22. in Genes. Cyrillus l. 3. Genes. B. Luther. in. c. 6. Gen. [217] D. Hütterus in A. C. p. 153. Wierus l. 3. de præstig. Dæmonum c. 24. 25. Franc. Valesius de sacrâ Philosophiâ c. 8. Timplerus l. 4. Metaph. c. 4. prob. 26. 27. & 29. Velsten. in quæst. 16. dec. 8. q. 7. Jacob Martini in Ex. Met. Cent. 2. quæst. illust. dec. 6. q. 5. Diese alle beglauben einmüthiglich / daß dergleichen Vernuschung / ein lauter eingebildetes Werck sey / bey denen bethöreten Gemüthern: da die Menschen ihnen im Schlaffe nur bedüncken lassen / wie sie mit dem bösen Feinde zu thun haben; der ihnen nur einen solchen unzüchtigen kutzel machet / durch etwan ein schlechtes anrühren / darzu die Einbildung komme: Oder daß der Teuffel sie mit dem Alp betriege / welcher sie drücken müsse / damit sie in selbige Gedancken gerathen / als hetten sie mit ihm zu thun gehabt / welche Meynung vor allen zubehalten ist: weil die erste viel ungereimtes Werck hinter sich hat. Denn wir schlüssen also /1. was zeugen kan / das muß einen Leib haben: denn generiren ist eine Krafft animæ vegetatricis, welche eine Art ist eines würcklichen Leibes / das in sich ein Leben hat. Arist. lib. 2. de animâ c. 1. t. 6. Aber die bösen Geister haben keinen Leib. Luc. 24. v. 39. Ergò können sie auch nicht zeugen. Sie antworten zwar drauff; daß der gantze Syllogismus ohne Schaden könne zugegeben werden: denn der Teuffel habe freylich keinen rechten Leib / der für sich zu zeugen geschickt were: Aber doch gleichwohl[218] könne er anderswo einen borgen / vermittelst welches er sich mit den Menschen vermische / und theils ein incubus werde / wenn er mit den Weibern; theils ein Succubus / wenn er mit den Männern zu schaffen habe. Resp. Wir verläugnen schlechter dings / das der Teuffel ein Vermögen habe / mit solchem Cörper Kinder zu zeugen: welches auß nachfolgenden erhellet. Nehmlich der Cörper / welchen er anders woher entlehnet hat / ist entweder ein Menschlicher oder kein Menschlicher: Aber keines von den beyden kan dennoch zugegeben werden: Nicht das erste; denn es müste entweder ein todter oder lebendiger Leib seyn. Ist es ein todter / so hat er keinen Saamen / noch eine Krafft des Saamens / noch eine natürliche Zusammenfügung. Und ist also keine Ursach zu zeugen da; So muß auch nothwendig der effect fehlen. Ist er aber lebendig; so muß das principium generationis dem Cörper / und nicht dem bösen Feinde beygemessen werden. 2. So ist es auch kein unmenschlicher Leib; denn er müste entweder vom Thiere genommen oder anderswo rauß gemacht seyn. Keines Thieres kan er seyn; sonsten würde er keinen Menschē hervor bringen: denn eine jedwede art zeuget seines gleichen: were er aber anderswo rauß gemacht / so müste es etwan auß der Lufft seyn / wie sie sich bedüncken lassen: Solches kan aber auch nit seyn / darumb / weil es ein unvermögener / ungescheuter und unbeseelter Leib were /welcher kein lebendiges hervorbringen könte: und also ist es außr allen zweifel / das es kein angenommener[219] Leib seyn könne. Ferner 2. schlüssen wir also: Wer keinen Samen hat / der kan auch nicht zeugen: der Teuffel hat keinen Saamen. Ergò kan er auch nicht zeugen. Major ist gewiß: denn wie keine Substantz unmittelbahrer weise etwas schaffet; Also kans der Teuffel ohne Werckzeug auch nicht thun / ich geschweige das er zeugen solte. Minor wird also probiret: Der Teuffel hat entweder den Samen von sich / oder von einem andern: Aber von sich kan er ihn nicht haben; weil der Same ein cörperliches Wesen ist /welches auß dem letzen Rest der Speise herkömpt: Nun aber hat der Teuffel weder einen Leib / noch wird ernehret: Weiter kan der Saam auch von keinem andern seyn / wie wir itzund sehen wollen. Ergò hat er gar miteinander keinen Samen. Die wiederwertigen wenden zwar ein / das der Teufel gar wohl den Männern / wenn er sich ihnen unterleget hat / den Samen auß ihren Gefässern aufffangen; und wenn er hernach mit einem Weibe zu thun hat / solchen ihr wieder beybringen könne. Resp. 1. Es ist ein elender Schluß von können / zum seyn / oder wenn man spricht; Es möchte wohl so seyn / und kan es nicht außführen / das sichs in der Warheit und also würcklich verhalte. 2. Wird auff diese weise der Teuffel nicht selber zeugen: denn von demselben sagt man / das er zeuge / welcher seinen Samen darzu außgiebet / und nicht der ihn anderswoher bekommen hat / und auch eine andere Art beybringet. Derselbige[220] Theil des männlichen Samens / welche eigentlich die Krafft zu zeugen in sich helt / ist gäntzlich ein lüfftiges Wesen / das dünneste / subtileste unn schäumichte Thun / das seine zarte Wärme von den Gestirnen bey sich hat / mit welchen es auch verwandt ist / und daher leichtlich herauß gehen und sich zerstreuen kan. Vide Arist. lib. 2. de gener. Anim. c. 3. und derentwegen ists zubefahren / das der männliche Saamen / wenn er außerhalb seinem Gefässe ist / drinnen er auffgebracht worden: Oder der weibliche / da er auffgefangen wird / zeitig seine Kinderkrafft verliere und unfruchtbahr werde. So gilt auch dieser Einwurff nicht: das durch GOTTes Verhängnüß / der Teuffel in den natürlichen Dingen ungläublich viel thun könne; weil er ein Fürste dieser Welt heisset Eph 6. v. 12. denn er ist daher nicht flugs allmächtig: Und kömpt mir das Ding daher also nicht glaublich vor / das der Teuffel solche spirituosische Substantz im Samen durch eine gewisse Frist verwahren könne; Weil nehmlich / wenn der Same ausserhalb seinen Gefässen ist / seinen Brunnquell und Ursprung verlässet / welches die Seele ist / drauß das Werckzeug geschickt gemacht wird / und davon die Zeugungs-Krafft mit hinein gedrücket und verwahret wird. Endlich zum dritten folgere ich auß der Erfahrung der Anatomicorum: Wenn der Teuffel leiblicher weise mit den Hexen zu thun hette; So würden die[221] Jungfrauen / welche sich sonsten ihm ergeben / und offt bey ihm wollen geschlaffen haben / das zarte Heutlein nicht mehr vollkommen besitzen: welches man aber bey sehr vielen vollkommen gnug befunden hat / auch alsdenn / wenn sie zum Scheiterhauffen haben gehen sollen. Welches auß vielen Beyspielen bewähret. Wierus d. l. Daher abermahl vermuthet wird / das solche Vermischung nicht müsse richtig zugehen; sondern nur eingebildet werden: Oder das doch auffs wenigste kein wahrer Mensch könne gezeuget werden. Aber sie haben noch zweyerley / welche sie entgegen zu setzen pflegen. 1. Beruffen sie sich auff der Hexen eigene und einhellige Zeugnüß: denn diese bekräfftigen standhafftig / das sie mit dem Teufel leibhafftig haben zu thun gehabt. Hierauff antworte ich mit Lutheri Worten: Kan denn der Teuffel einem die Ohren und Augen verblenden / also / das du vermeynest / du sehest erwas rechtes / da es doch nicht ist: Ey! wie vielmehr vermag er den Sinn des fühlens betriegen / welcher bey diesem Wercke sehr grob ist? Also stehet zu glauben / das der Teuffel seinen leibeigenen die Sinne und das Gemüthe dermassen bezaubere und verrücke / das sie fälschlich wähnen / wie sie mit dem unsaubern Geiste zu schaffen gehabt haben / wie sie auß der Vermischung empfangen und Kinder gebohren haben. 2. Beruffen sie sich auff die Erfahrung / denn es ist nicht unbekannt /[222] was in den Tisch reden Lutheri erzehlet wird / von einer Italiänischen Lautenschlägerin / von einer Erffurtischen Jungfer / von einem verstorbenen Eheweibe eines Edelmanns / und von andern dergleichen Geschmeissen / die man ins gemeine in unserer Muttersprache / Kyhlkröpffe zu nennen pfleget. Resp. Hierauff gebe ich bericht mit den Wörtern P. Frisii, welche Casmannus d. l. pag. 603. anführet. Die ungläubigen Weiber / welche sich dem Teuffel schändlicher weise ergeben haben / die bethöret der böse Feind durch allerhand Bilder / verblendet sie / und machet ihnen in ihrer phantasiâ eine starcke Einbildungs-Krafft / das sie im Traume sich bedüncken lassen / sie haben sich fleischlicher weise mit dem bösen Geiste vermischet: darauffleistet es der Henger nicht minder / durch seine tausendkünstliche List / das er ihren Leib auffblehet / einen Wind drinnen machet / als weren sie schwanger geworden: So läst es auch GOtt zu / das wenn darauff die gebührende Geburts-Zeit heran nahet / die Hexen Schmertzen im Leibe fühlen / als die rechten Gebährerinnen etc. Der höse Geist selber / nach dem er ein schleuniger Gast ist / stielet unterdessen anderswo heimlich ein Kind weg / und parthieret es der gleichsam kreissenden unvermerckt bey / und mittelt es dergestalt / daß das betrogene Weibestücke darauff schwüre / es were ihr auß in Leibe gekommen: Und solches Huren-Kind wird hernach[223] für der Hexen leibhafftige Frucht gehalten. Biß hieher von dieser nützlichen Frage / die einen grossen Nutzen in der Theologie hat. Biß hieher jener. Auß welchem abzunehmen ist / was von denen vorerzehlten Hexen-Kindern zu halten sey: Nehmlich / mehrentheils alles seynd es incarnati Diaboli, oder mit Fleich umbgebene Henger / Plutonis Gesinde / Cerberische Brüder und Höll-Hunde: drauß keiner Menschen machen soll / oder dieselbigen unter der richtigen Zahl der guten Menschen hinziehen / die JEsus Christus mit seinem Blut erlöset hat / und der ewigen Seeligkeit fähig seynd / hie in der Hoffnung / dort in der Bsitzung. Wenn ein jedes Gemansche / ein Mensch ist / so mag man der Proserpinæ Bastarten auch darunter referiren: Aber das wird kein Verständiger thun. (Confer Hartörff: in Erquickst: Tom. 3. part:3. c. 3. p. m. 455. [&, 38 cap. der Luft- und Lehrreich. Gedichten:] da er gedencket / außn Wilhelm. Parisiensi, das niemahls ein guter Geist in Gestalt eines Weibes erscheine: und hingegen die Bösen selten in Mannes Gestalt: P. Bungus de Secret. Numer: in annot: f. 37.)

Vielleichte gehöret von folgenden Geschlechtern auch etwas hieher / als davon Marcus Freund / Schüpff: Rotenb: im Schreib-Calender / in progn: c. 5. Anno 1647. war eben an diesem Tage 22. Jun: dergleichen Sonnen-Finsternüsse[224] auß den 10. grad. des Krebses / und im vorhergehenden Jahr ein / auß dem 19. gr. des Krebses: darauff alsobald sich allerley denckwürdige Sachen zugetragen haben. Als im Monat Augustô truge sich im Lande Westphalen / und zwar in dem Ampt Stoltzenau ein erschreckliches Wunder zu / indem in der Vogtey zu Bonckhorst /zwischen Schammerlo und Warmsen / bey hellem Mittag in einer lichten Wolcke ein Getümmel in der Lufft / nicht anderst / als wenn 100. Trommeln geschlagen / gehört / worauff 2. starcke Schüsse / als wann sie auß 2. Canonen geschossen worden / gefolget. Darnach hat man 2. Krieges-Heer gegen einander Chargierende gesehn / also das in einer guten Stunde nichts anders / als lauter Musqueten-Schüsse gehöret worden. Hierauff hat sich ein Bogenschuß sehen lassen / der eine Kugel / wie ein Granat / auß dem Himmel geworffen / so auff einen grossen Stein in der Heyde / woselbsten ein Schaff-Hirt gehütet / geschlagen / und denselben zermalmet: Die Kugel / so dem Ansehen nach etwas länglicht / ist zersprungen / und hat solchen Effect gethan / das man dero Gegend nicht anders vermeynet / als wolten Himmel und Erden in Trümmern gehen. Von der zerschnietterten Kugel sandte der Herr Amptmann von Stoltzenau etliche Stücke nach der Nienburg / welche außwendig kohlschwartz / inwendig aber wie Ertz / da Gold[225] innen sitzet / anzusehn gewest seyn. [Wie diese Lufftleute / oder vielmehr Geleüte / selbigem Lande / im nachfolgenden Jahre / die confirmirung ihres Ober- Herrn bedeutet hat / zu mehrerm Unglücke / als Gelücke: Also hat ein anders Krieges-Heer / über Mastrich Anno 1665. Jul: nebenst dem Glocken-geleute / selbige böse Consequentien, vermeldet / eben dem Lande / davon es bald drauff / wie auch 1666. gnug zu sagen oder zu klagen gehabt. Vide aliquando meinen Pronosticirten Bootischen Cometen.] Den 2. Nov. liesse sich im Königreiche Groß-Pohlen ein wunderseltzamer Stern sehen / dessen Strauß wie ein außgebreitete lincke Hand außgesehn / und sich gegen Mitternacht gekehret. Die Zeit erschienen auch in Ditmarschen unterschiedliche böse omina, dann man schreibet für gewiß / das unter andern zu Neu-Kirchen ein weisses Brod auff dem Tisch liegend von einander in Stücke zersprungen / zu dem Fenster hinauß geflogen / und einen solchen Knall von sich gegeben / als wenn ein Musqueten gelöset worden were. Zu Jezehoe hatte im Monat Decemb: eine Kindbetterin mit ihrem Kind etliche Tage nacheinander Blut geschwitzet / und bey Stralsund an der See / auff trockenem Lande / sich eine grosse Schiff-Armada sehen lassen / bey welcher viel Tumult und Schiessens gehört worden / was aber dieses bedeutet habe / hat man über 10. Jahr hernach an[226] der Brunst zu Jezehoe / und ander aliirten Einfall in Pommern gesehen und innin worden. (Sonsten hat M. Daniel Wilhelmi einen schönen Geistl. Tract: geschrieben 1664. genannt: wunderschöner Himmels-blauer Spiegel / drinnen der Mensch als ein Engel / und der Engel / als ein Mensch vorgestellet wird: welches vielleicht hin gehöret ad part. 2. pag. hîc 2.) Sonsten ist zu Helmstät gedruckt 1666. ein Wercklein / geheissen: Abdruck derer von unterschiedlichen Theol: Facult: über M. A. Geheimnüß der letzten Zeit / da litt: Es stehet; das falsche Propheten in Heil: Sprache gar nachdencklich heissen: Windmänner / Windfänger / Windgänger / πνευμάτοφόροι, Windträger / die ihren Bauch mit Wind angefüllet / vergeblich in Wind reden / und mit ihren Weissagungen endlich im Wind dahin fahren /wie Spreuer. Os. 9, 7, 8. Mich. 2. 11. Zachar. 13, 2. etc.

Anno 1664. den 1. Maji hat sich bey Sangerhausen / in einem Dorffe / Mayer-Naumburg / genannt / ein trefflich Geprassel hörn lassen / früe zwischen 9. und 10. Uhr / als wenn es trefflich viel ankommende Wagen weren. Also daß auch der Schäffer und andere außm Wege gelauffen seyn / damit sie nicht möchten übereilet / oder überfahren werden. Item es sol auch ein vornehmer Mann deßhalben sein Gut einem andern verkaufft hagen: damit ihme d. l. nichtes[227] übels widerfahre. Welches er domahln auff das Erffurtische Wesen gezogen / und bald erfolgete. Ein ander möchte sprechen / das es durchziehende Hexen gewesen / welche domahlen vom Blocksberge wiedergekommen seyn. Von einem rasenden Winde / vide meam philosos: colûs, Canon. 67. p. 174. etc. Sonsten von den rasseln und prasseln des Windes / der Wagen und Rosse / vide Jud: 5, 22. Jerem. 47, 3. Ezech. 3, 13. Joël. 2, 4. Apoc. 9, 2. 9. (Mercke / das dennoch diese vorerwehnte 3. Geschlechter vielmehr zu die Lufft-Menschen gehören: Davon part. 2. pag: 1. etc.)

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 207-228.
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Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

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Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

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