VI. Von Feurmännlein / oder Feur-Männle Corvin: in fonte Latinit: p. m. 188 Empusis, Irrwischen Tückebolden / Cyparissis, igne fatuô, auffsteigendem Feur, Lassenio in Burgerl: Tischred: p. 600.

[302] Eben derselbig bringet dieses vor in Adelich: Tischred: Dial: 7. pag. 21. 22. Unterweges wiese ihm Don Roderigo, einem sümffigten Ort / auff welchen / er / sagte / das man alle Nacht Feuer / sehe: und hielten es alle davor / das an demselben Orte viel Goldes vergraben lege. Das ist die Meynung / sagte Don Francesco, des gemeinen Mannes / mann er gergleichen Feuer siehet. Aber glaubet nicht / daß es allemahl ein solches sey. Zwar wollen mir viel hievon Exempel sagen / daß die Leute an solchem Orte da es gebrannt / Geld oder Geldes werth gefunden: weil sie aber sonderliche Ceremonien dabey gebrauchen müssen / welche nur sehr aberglaubisch vorkommen; gläube ich gantz nicht daran; Absonderlich aber / hat mir einer einmahl berichtet / das er solchem Orte nachgegraben / auch die Truhe mit dem Gelde allbereit gefasset gehabt / wie er aber den Nähmen GOttes dabey genennet / sey alsobald das Gold wieder herunter gefallen / und verschwunden. Worauß man siehet / das es des Teuffels Werck sey. Und[302] gesetzet / daß jemand etwas auff solche weise / an diesem Orte bekäme / so möchte ich doch / solches Teufflischen Geldes mich nicht theilhafftig machen / sondern wolte lieber mit den vorlieb nehmen / was mir der liebe GOtt bescheret. So / sagte Don Roderigo, haltet ihr nichts von dergleichen Feur? Ich antworte / Don Francesco, verwerffe sie nicht gäntzlich / sondern gestehe / daß dergleichen Feur sich des Nachts sehen lasse; ich halte es aber mit den Naturkündigern / welche vorgeben / das es gewisse Exhalationes terræ seyn / welche auß einem schwefelichten Grunde herkommen: daher man auch dergleichen Dinge am meisten / an sümffigten Oerten / oder auch auff Kirchhöfen / und dergleichen siehet. Ich solte fast mit euch eines Sinnes werden / sagt Don Roderigo: es will mir auch wohl ein / daß allemahl an solchen Feuren ein Merckzeichen eines Schatzes sey / es sey aber / wie ihm wolle / ich werde wohl nimmermehr darnach graben.

Von solchem Igne fatuo, Irrwische / oder (wie es von denen Schweitzern geheissen wird / nach Camerar. in Hor. succ: centur: 3. c. 16. p. m. 52.) brennenden und feurigen Männern / redet auch Bodinus in Magorum Dæmonom fol: m. 193. Wir lesen auch / das die bösen Geister nicht so gemein in den Städten / als in den Dörffern / noch so gemein in den Dörffern / als in einödigen und wässerigen Orten seyn.[303] Inmassen es im Buche Job am. 41. Cap. gedacht wird: daher kömpts / daß die bösen Geister / so man Nacht- oder Feurwisch nennt / gerne an den Wässern auff und abfahren / die Leute zuverführen / und / wie es dann offt geschicht / zuerträncken. (Und also ist es umb die Irrwische und Feurmännlein entweder ein natürliches und Meteorologisches Thun; oder ein unnatürliches und Teuffliches: nicht aber / keines weges / ein Menschliches und lebhafftes / wie Paracelsus davor gehalten hat / wenn er beym D. Dannhauer: in Dial: oder Refutat: Præ-Adam: p. m. 7. und D. Conring: in Hermet: Medic: c. 23. p. m. 326. Ex Erastô part: 1. p. 16. spricht / das rechte vernünfftige Creaturen im Feuer wohnen / die er Vulcanos, oder Salamandras nennet. Was sonsten andere Thiere betrifft / so im Feur sollen leben können: davon besiehe Ursinum in Acerr. Philol: p. m. 87. 88. und Harstörff. in Erquickstunden Tom. 2. part. 11. c 17. p. 443. Es schreibet Aristoteles l. 5. Hist. Animal. c. 19. das in der Insul Cypern / in den Schmid-Oefen / ein Stein Calcytes viel Tage über gebrennet werde und das in demselbigen kleine Thierlein wachsen / die ein wenig grösser als die Mücker / die in dem Feuer herumbkrichen und springen. Dieses laufft der Natur zu wieder / in dem die Feuchtigkeit / als die Grundursache als es Wachsthumes / dem Feuer wiederstehet / oder von demselben muß[304] außgetrocknet werden: Doch ist nicht alles falsch / was uns unglaubig vorkommet. Deßgleichen schreibt Ælianus, das die Salamandra nicht nur in dem Feuer lebe / sondern auch dasselbige / mit innerlicher Kälte außlöschen könne / wie auch Plin. l. 10. c. 67 sagt. Es erzehlet auch Matthiolus l. 2. c. 56. in Discoridem; das er umb Triend zu Herbst- und Frühlingszeit viel Salamandern gefanden / und sie in das Feuer geworffen / zu sehen / ab dem also / wie man von ihnen lieset / hab er befunden / das sie in kurtzer Zeit von dem Feuer verzehret worden. Ist also die Erfahrung glaubwürdiger / als von hören sagen. Aber was spricht gleichwol Bartholinus dazu Cent. 2. Obs. Anatom. c. 50. p. 316. etc. von dem Olm oder bunten Molch / wie derselbe das Feuer vertrage. Es hielt mein guter Freund Fr. Corvinus zu Rom einen lebendigen Olm / welcher schwartz und mit gelben Flecken gleich einer Welschen Stein-Eydex unterschieden war / und 2. Stunden lang in einem nicht allzugrossen Feuer verharren kunte. Er verachtete aber durch ein sonderlichs Kunst-stück / das ihm die Natur zuwiese / die Hitze des Feuers / denn er brach allezeit von sich eine Feuchtigkeit Tropffenweise / durch welche er die Hitze des Feuers mässigte. Sonsten gehet er geschwind / die Feuerflammen meidende / mit seinem feuchten Leibe durch dasselbe / wie ein Hund bey dem Egyptischen Fluß Nilus. Es hat aber gedachter Hund Nilus[305] 9. Monat in einem Glase ohne Speise gelebet / und gebrauchte sich nur der Erden / mit welcher er angekommen war / an statt der Nahrung / auß dieser saugte er alle die Feuchtigkeit / und wenn sie treuge war / so ließ er die folgende Woche die erwehnte Feuchtigkeit wieder von sich / also daß er zu unterschiedlichen mahlen gesauget / und sich erbrochen hatte. Endlich als man ihn in eine andere Erde legte / starb er alsobald. Daß es ein gifftiges Thier sey / hat der fürtreffliche Botanicus und Apotecker Henricus Corvinus erfahren / denn wie offt er das gläserne Geschirr geöffnet / und den Olm etwas genauer betrachtet / so offt hat ihn das Heuptwehe überfallen.

2. Noch eine andere Art der Feurmänner ist jene / da die Zeuchmeister / und Ingenieurs öffters auß dermassen schöne Spectacula hervor gebracht haben / und nochbringen / drinnen Menschen Bilder / wenig oder viele / zu seyn gewesen / so allerhand verwunderliche Verrichtungen gehaben. Vide Christian. Minsichts Historisch: Schauplatz pag. 418. etc. cap. 51. Confer das fürtreffliche Feuerwerck zu Wien beym Käyserl: Beylager / in meinen Weltgeschichten 1666.

3. Vor allen andern ist nunmehr anzuhörn Raue ex Memorabil: c. 89. fol: 72. und Gilbertus Cognatus lib: 8. collectan: Es schreibet der Hochgelehrte Philosophus Theophrastus [306] Paracelsus / das in einem jeden der vier Elementen Menschen und Creaturen gefunden werden / welche in denselbigen / als in ihrem eignen Chaos / und Wohnung wandeln und leben. Und zwar von solchen Feurmenschen haben wir ein merckliches Exempel / bey glaubwürdigen Historienschreibern / daß nehmlich im Jahr Christi 1536 einem Kauffman in Sicilien / bey der Nacht zehen Personen /welche / als Schmidknecht bekleidet / auffgestossen / denen andere zehen in gleichmässigem Habit / und endlich einer allein / dem Vulcano gleichförmig groß / mit einem schwartzem Barte / wie eine Plumasche von einem Raben / gefolget / diese als sie von dem gefragt wurden / wo sie hingedachten / haben sie geantwortet / in den Berg Etna / zu ihrer Schmieden und Werckstadt / über diesem hat sich der Kauffmann höchlich verwundert / und gefragt / welcher gestalt sie in dem Berg etwas schmieden könten / hat ihm der Vulcanus zur Antwort geben / es ist dir meine Krafft noch unbewust / welche du bald / neben andern / in dem Werckselbst erfahren wirst / mit welchen Worten er so bald von ihm verschwunden / der Kauffman aber hat sich mit grossem Schrecken und Verwunderung in die nechste Herberge begeben / darinnen er folgenden Tages Todes verfahren. Gegen Abend aber hat der Berg Etna sich dermassen mit grossem Getöß und Krachen entschüttert /[307] auch Aschen / und Feuerflammen mit solcher Gewalt außgestossen / und über sich geworffen / das die umbliegende anders nichts / als des endlichen Untergangs der gantzen Welt sich versehen / und sich hin und wieder in den Klüfften und Hölen des Erdreichs eine zeitlang auffhalten müssen. Unter den Thieren aber werden allein vier gefunden /welche ihre Speiß und Nahrung allein auß einem eintzigen Element haben / und in den andern Elementen nicht leben können / als nehmlich der Maulwurff in der Erden / der Hering im Wasser / Camelror in der Lufft / und der Salamander in dem Feuer. Und zwar was den Salamander anlangt / welcher eigentlich zur itzigen vorhabenden Materi gehörig / ist dasselbe Thier einer gantz kalten / und wunderbahren Natur und Eigenschafft / in der Grösse und Gestalt / wie eine Eydex / entstehet allein in den überaußgrossen Bergen / und stirbt vom hellen Wetter / ist auch dermassen überauß kalt / das er auch mit seinem anrühren das Feuer / gleich wie ein Eiß erlöschet. Von dem Vogel Pyrausta / in Cypern / wird bey Baptista Fulgoso gelesen / daß er mitten in den Schmied-Oefen gefunden werde / in den Flammen und Funcken / in denselben unverletzt herumb fliege / und über welches sich noch mehr zuverwundern / wenn er von der Flammen hinweg genommen wird / kan er nicht mehr bey Leben bleiben / wie auch Solinus / Aristoteles /[308] und Albertus Magnus hievon bezeugen: Beyneben diesen sind auch andere verborgene / wunderbahre Eigenschafften des Feuers in acht zunehmen / so von den Naturkündigern beschrieben werden / als daß auff dem Berge Chymera ein Feuer zubefinden / welches von dem Wasser angezündet / und von der Erden / und Heu außgelöschet werde. Deßgleichen wird auch das Feuer immerwehrend brennend / durch den Stein Aebestum erhalten / wie Solinus in seinem 32. Capit. schreibet / und der heilig Augustinus de Civ. Dei im 21. Buch meldet / das zu seiner Vorfahren Zeit / ein Grab eröffnet worden / in welchem eine brennende Lampen gefunden / so vermöge der Inscription darauff gehauen / vor funffzehen hundert Jahren / daselbst unter die Erde gesetzet worden / alsbald sie aber an die Lufft kommen / und mit den Händen angerühret / ist die Flamme verloschen / und gleich als ein subtiles Pulver aller zerrieben / hinweg gefallen. Ebenmässig setzer Solinus / in seinem 24. Capitt. daß in Britannien in der Minevvæ Tempel ein immermehrendes Feuer gewesen / welches nimmer zu Aschen worden / sondern so bald es abgangen / in Stein verwandelt worden. Hactenus ille: Zu welchem noch hinbey zu fügen ist eine andere Beschreibung der Feuermänner / nehmlich des Trithmii: davon so viel redet Hildebrand d. l. p. 322. Psellus und andere Magi theilen die Geister in Feuergeister /[309] Lufftgeister / Wassergeister / Erdgeister / Höhlegeister / Lichtscheugeister / Jovialische / Saturnische / Orientalische / Occidentalische / Meridionalische / Septentrionalische / Nachtgeister / Tagegeister / Waldgeister / Berggeister / Feldgeister / Haußgeister etc. Wierus. Wie sie nun ferner in ihre gradus und Ordnunge abgetheilet werden / folget hernach von Graden und Ordnunge der Teuffel / schreibt Joh. Thritemius Abt zu Spanheim / auff die Antwort etlicher Fragen / so von weyland Kaysern Maximiliano I. Hochlöbl. Gedächtnüß ihm fürgehalten / von Hexen und Unholden / im 1. Punct von der Hexen und Unholden Macht und Gewalt also: Und gleich wie ein Teuffel den andern mit Macht und Scharffsinnigkeit übertrifft / also haben nicht alle Hexen und Unholden gleiche Gewalt / sondern nach deme eine jede einen größern oder subtilern Tenffel zum Gehülffen bekömpt / darnach ist auch ihre Gewalt beschaffen / denn es sind mancherley Teuffel / und in gewisse gradus und Ordnunge unterscheiden / von wegen der Oerter / dahin sie verstossen worden / als sie anfänglich vom Himmel gefallen. Das erste Geschlecht der Teuffel wird genennt feurig / dieweil es oben in der Lufft schwebet / und nimmermehr vor dem Jüngsten-Tage / an die unterste Orte kompt / sondern stets unter des Mondes Zirckel bleibet / und keine Gemeinschafft mit den Menschen auff Erden hat.[310] Daß sie aber unter dem Mond bleiben / betzeuget der H. Augustinus im Buche de Agone Christiano, da er spricht: Die Teuffel wohnen nicht im Himmel / da die Sonn und Sternen sind / sondern behelffen sich alle unter des Mondes Circul. Das hat auch meines Bedünckens Apulejum bewegt / daß er gesaget / die Teuffel sind feurige Geister. Und bezeugets auch Aristoteles / daß man offt im glüenden Ofen kleine Thierlein mit Federn gesehen habe umbher fliegend / die ihre gantze Zeit im Feuer wohnen / denn sie mit dem Feuer herfür kommen und auch darinnen vergehen / und wenn sie verschwinden / wieder an den Ort kehren / daher sie kommen sind. Sie haben keine Gemeinschafft mit der Zauberrey / denn dieweil sie sich im Feuer halten / können sie von wegen ihrer Subtilität / keinen groben Leib in der Lufft an sich nehmen.

Schlüßlich mercke noch / daß die Aberglaubigen Menschen sprechen / wie auß denen ungeraufften Kindern / lauter Irrwische werden. O / irret euch nicht / GOtt lässet sich nicht spotten / ihr fehlet des Weges weit / und seyd mit sehenden Augen blind: Welchen hingegen solche Christen-Kinder zweiffels ohne treffen / duce Christô & auspice Christô. In übrigen ist ein jeder Mensch sonsten gleichsam ein Feurmann / Lichtner / illustris etc. so ferne auff Griechisch φῶς so wohl einen Menschen als Licht bedeutet:[311] Wolte GOTT / das ein jeder nur im Lichte wandelte / und der hellen Leuchte / welche ist das Wort GOTtes / Psalm 119. sich bedienete; so würde keiner dermaleins ein Höllenbrand (Hildebrand) werden / der in das euserste Finsternüß müste hinauß gestossen werden. Christe, qui Lux es, & dies: Laß uns in Finstern wandeln nicht; damit kein erlösetes Menschen-Kind ins Höllische oder Irrdische (als wie die Hexen / Zäuberer / Mordbrenner / die rechte Feurmänner seyn / wenn sie auffn Scheiterhauffen gesetzet werden) Feur / Lohe / Flamme / Glut / Hitze etc. gerathe: noch mit den Stock finstern Photinianern, oder andern Tenebrionibus, an den Ort der dunckelen Quaal / zum finstern Sterne / ad finem terræ (vid. Scheræum in der Teutschen Sprach-Schule /) gerathe. Zu die obgedachten Reuchlinos oder Capniones, referire auch jene hin / so pag: hîc 238. vorgefallen seyn / darzu du noch dieses Alphabet kanst fügen /wegen der Oerter / wo man ins gemeine solche gebildete Menschheit / oder gekünstelte Leute (ubi ars imitata est naturam) antreffen mag. Solche aber seynd die Altare / Kirchen / Sacristeyen. etc. wo der Layen Biebel sich geschäfftig machet mit Ebenbildern GOttes / der H. Propheten / Apostel / Märtyrer / Evangelisten. etc. Doch mustu dennoch solche nicht bey denen Inhumanis Calvinistis, Iconomachis, und Bilderstürmern / suchen / als bey andern [312] Leutseligern Christen. Mercke dennoch das jene nicht so närrisch / mit denen Türcken / seyn / das sie gleichwol bey ihrer Unmenschheit nicht solten gute bund-geschlagene Müntze dulden mögen. Ey! nein / talem humanitatem non exunut, nec hanc Anthroposcopiam deponunt. Cæterùm Ara ipsorum sit effera hara. 2. Bäncken und Schemmel / welche seynd gesehen worden / formiret als sitzende Menschen / auff dessen Schosse lebendige andere wieder sitzen können / ich geschweige der Predig-Stüle / so sich auff ihre Moses, Atlantes, Petros, Johannes etc. stützen. 3. Contrafecters Stuben / wo du den Menschenfresser / den Tod / als einen Mann abgemahlet siehest / item die flüchtige Zeit. vide Cœfiii Moralia Horatiana, die Rache / die Laster / die Tugenden / die Sinne / die Künste / die Planeten. etc. 4. Dächer / drauff pranget Vertumnus, der Wetterhan- oder Man / mit seiner Lufft- oder Wind-Fahne / kirret und kehret sich hin und wieder. 5. Erleuchtende Fenster / davon gantze Fächer also sollen eingerichtet und vom Glaser disponiret im Bleye / seyn / als natürliche grosse und kleine Menschen mit ihren Gliedern. Da findet Homonym: τὸ φῶς, ὁ φὼς, seine stat. 6. Fahnen. 7. Gärten / wo Flora, Ceres, Bachus, die 4. Jahrszeiten / die Verwandelung etlicher menschen in Bäume / etc. außn Ovidii Metamorph. abgemahlet / oder[313] in Stein gehauen / oder in Thon bossiret seyn. Zu Halla in Sachs: in gewesenen Fuckmans Garten sitzet ein Münch im Baume mit seinem Psalter / welcher in einem Huy / zu einem herannahenden / herunterfähret / wenn man nicht zuvor Bescheid davon weiß: ich geschweige der wasserspeyenden Grotten. etc. 8. Himmels-Kugeln / da werden nicht alleine die 7. Planeten / Menschen gemahlet / sondern auch meistentheils alle Asterismi: Doch nicht bey den Arabern / welche keine Menschliche Gestalt darzu recipiren: vide auß Schickardi Astroscop: meine Cometic: Astrolog: Darzu man hier nicht uneben setzen kan / auß Aldrovand: Histor, Monstr. p. 136. das einsmahls ein Comet in Menschen Gestalt erschienen sey / welchen man daher ἀνθρπόμορφον geheissen. 9. Jungen Kinder Logamenter: Ey / was siehet man dar inter crepundia für Hampelmännrigen / für Docken! und sprechen darzu die Mütter ins gemeine; Was eine gute Heckemutter will werden / solches Mägdigen bekümmert sich in der Zeit / umb solche contrafait: Hingegen welche solch Puppenzeug nicht achten /von solchen verheissen sie sich wenige Kinder. Ich halte / es sey eben so viel / drauff zu geben als auff jene Fratze / von Katzen lieb haben / in respect eines frommen zukünfftigen Mannes. In übrigen / wird von jenem die prolificatio vermeldet / so wird sie / mit GOttes Hülffe! nicht ermangeln /[314] an meinem ersten und nunmehr eintzigsten Kinde Johanna Susanna. GOTT der HErr gebe / daß sie dermaleines / zur reiffen Zeit / mit Ehren und Nutzen / eine fröliche Kinder-Mutter werde! 10. Krämer-Laden. Aus ist in meiner Heymath / zu Gardeleben / vor allen Bierbräuers Fenstern gesetzen ein halber schwartzer Mann / Apollo Statuarius. Davor anderswo hedera, Späne / Strö-Kräntze / Wische / Breter etc. heraußgestellet / oder gehenget seyn; vor denen Apotecken findestu Mohren / Indianer / solche Pursche. 11. Leichsteinen. 12. Messerschalen / wie an denen Indian. American. etc. Kneifern ein Teuffels-Kopff seyn soll. vide Levin. Hulsium in Navigat. Holland: 13. Närrischen Gauckelers Zelten / wo der alte Hildebrand und solche Possen mit Docken gespielet werden / Puppen-Comedien genannt. 14. Oerter der Raritäten oder Kunst-Kämmer. 15. Pocale / derer Deckel ins gemeine mit Menschen-Gestalten prangen / als mit des Bachi, Acheloi, Cereris, etc. Ja man hat gantze Flaschen / Krüge / Gläser / etc. wie Menschen gebildet. So stehest du auff denn Schencke-Tischen davon deine Luft. 16. Röhrkasten und Wasser-Künsten drauff Neptunus, Thetis, Amphitrite, Hydromedusa etc. stehet. 17. Schreibe-Stuben / davor gemeiniglich Mercurius, oder Boten mit Briefen [315] etc. gemahlet seynd. 18. Tituln der Bücher / nach deme solche nunmehr fast alle in Kupfer gestochen werden. 19. Vogelbauern / da siehet man mit Lust / wie der Vogel sich in seinem Rade von ein paar Berg-Knappen. etc. drehen lässet. 20. Wappen / Schildern / davon in dem kostbahren Wappenbuche zu Nürenberg durch Paulus Fürsten herauß gebracht. 21. Zimmern / sonderlich in Holland / darinnen auff den Simsen / wie in Welschland in denn Gallereyen etc. so manche schöne Statua der Käyser / Könige / des Herculis, etc. etc. etc. daß man sich nicht gnug an der Kunst ergötzen und drüber verwundern kan.

Ich muß schlüßlich allhier auch gedencken / was sich in diesem 1666. Jahr begeben hat in Meissen / zu Wolckitz am 29. Jan. auffn Abend: da soll ain Mann / mit deme mann allhier zwey Tage hernach geredet hat / dort einen hellen Glantz auß der Lufft herunter fahren gesehen haben; der nicht weiter als eine Gasse breit / von ihm zur Erden gefallen / und just wie ein feuriger Mann außgesehen hat. Eben zu derselbigen Zeit / hat man allhier zu Leipzig / nicht minder gleichsam Feuer vom Himmel herunter fahren gesehen / und zwar Mittagswert / zwischen 5. und 6. item näher 11. Uhr in der Nacht: welches viel / so schlechte als vornehme Leute mit Augen gesehen haben. Confer pag: præcedent. 199. 200. 202.[316] Ich geschweige itzt / daß sich die Gespenster ins gemeine mit grossen feurigen Augen sehen lassen / item das sie anzugreiffen auß dermassen hitzig gewesen.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 302-317.
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