Das II. Capittel.

Von der Hexen Reisefahrt:

[201] Ob sie nemlich in der That und Warheit leiblicher weise / oder nur in Gedancken / ihrer Phantasey und Einbildung nach / zu ihren Gastereyen und Conventen kommen?


Bißhieher von denen Personen in genere und in specie, was müglich in geliebter Kürtze vorzubringen gewesen.1 Weil also nun solche außführlich erkläret; so geschiehet billig / nach unseren Methodum, daß wir auch anhören / was denn solche Personen thun? und geben selber drauff die Antwort /[201] daß man sonderlich von ihnen sage / wie daß sie auff dem Blocks-Berg gastierend fahren sollen / (wie man in gemein redet:) Weil aber von solcher Fahrt (oder strigaportio, das ist exportatione sagarum ad Diabolicos sabbatismos, wie Libavius part. 1. p. 320. seqq. redet) unterschiedliche Meynungen / so wollen wir sie alle Teutsch und Lateinisch auß den Autoribus herfürbringen / und in ihren eigenen Wörtern solche verhören: Kan also zum ersten aufftreten D. Mengering / und sagen was er von dieser Frage halte: Ob es zu glauben sey / daß die Zauberer und Vnholden in ferne und abgelegene Oerter zu ihrem Teuffelstantz / und auff den Brockersberg und andere Enden geführet / und leibhafftig fahren oder gebracht werden?2 Darauff giebt er diese Antwort: Hierinnen sind der Gelehrten Meynung nicht gleich. Etliche wollen / daß der Teuffel / den Zauberern nur die Augen verblende / und als ein Tausend-Künstler ihnen im Schlaf allerley seltzame Sachen einbilde / also daß sie vermeynen / sie seyn anderswo / und leben wol / da sie doch sich daheime auff der Banck / in ihrem Zimmer oder Bette befinden / dessen etliche Exempel Herr D. Paul Röber in der Hauptschale S.V. einführet. Aber daß auch wol in der Warheit solcherley Verrückung und Abführung[202] an abgelegene Ort ergehen / und geschehen können / gibt uns zu gläuben und zu bedencken 1. hier das Exempel Christi / der von dem Teuffel leibhafftig auff die Zinne des Tempels / und auf den hohen Berg geführet worden.3 Denn daß etliche fürgeben / es sey nur ein Traum oder in einer tieffen Einbildung geschehen / ist dem Context gantz zuwider: der Teuffel begehret ja von Christo / er sol sich herunter lassen von der Zinnen des Tempels / und einen Sprung in die Lufft thun / darauff Christus antwortet: er wolle Gott seinen Herrn nicht versuchen. Das kan im Traum und Einbildung nicht geschehen seyn; denn wo einem träumet / als springe oder flöhe er / so ist das keine Versuchung GOttes. Und noch ferner melden die H. Evangelisten / daß er ihn von dannen auff einen sehr hohen Berg geführet. Verwundern müssen wir uns zwar über der tieffen Demuht des HErrn / so wol auch über der grossen Künheit des Versuchers / aber der Text ist klärlich vor Augen und Händen / die Vrsachen sind angezogen; und so es dem HErrn Christo geschehen / wie solte es an andern Menschē unn an des Teuffels Bundgenossen nicht müglich und practicirlich seyn. So ist auch bekant die Historia mit dem Habacuc / und könte auch sonsten mit vielen andern Exempeln bewehret werden. Eines nur und des andern zu gedencken: Grillandus schreibet von einem vornehmen Mann /[203] welcher als er gemercket / daß sein Weib sich salbe / und darauf auß dem Hause fahre / habe er sie gezwungē ihn einsmals mit ihr zu der Zauberer Sabbath zunehmen.4 Als man daselbst asse / und aber kein Saltz vorhanden war / habe er solches begehret mit harter Müh auch erhalten / und darauff gesaget: Gott sey gelobet / itzt komt Saltz; so bald aber dieses geredt / sey alles verschwunden / und seyn die Liechter erloschen. Als es nun Tag worden / habe er von den Hirten oder Haltern verstanden / daß er nahe der Stadt Benevento im Königreich Neapolis, und also wol über 100. Meilweges von seiner Heymat sey: derowegen / ob er wol sonst reich gewesen / hat er doch nach Hause betteln müssen / und so bald er heim kommen / habe er sein Weib als ein Zauberin bey der Obrigkeit angeben / die auch gerichtet worden sey.5 Also gedencket Herr D. Paul Röber in der Hauptschale des güldenen Leuchters lit T. I. & II. auß dem Torquemada, eines Spaniers und gelehrten Mannes / der argwohnete / daß sein Nachbar ein Zauberer were; Auß grossem Verlangen die Warheit hievon recht zuwisse / gesellet er sich zu ihm / und gieng mit ihm also ümb / daß er zu letzt die Heimlichkeit erfuhr. Der Zauberer hielt von der Zeit bey ihm an / sich ümb diese Sache auch anzunehmen / welchem der ander Gehör gab / und bestimten einen Tag / sich in der Versamlung zu finden. Als die Nacht[204] dieses Tages kam / führete der Zauberer seinen Gesellen durch etliche Berge und Thäler / die er sein Lebetag nicht gesehen / und düncket ihm / daß sie in wenig Zeit einen weiten Weg gereiset weren. Nachmaln als sie in ein Feld kommen gantz mit Bergen ümbgeben / sahe er eine grosse Anzahl Männer und Weiber / die sich versamleten / und kamen alle zu ihm / waren sehr frölich und danckten ihm / daß er sich auch zu ihrer Geselschafft thun wollen / ihm daneben zuverstehen gebend / daß er der Glückseligste in der Welt sey / und sich über die massen wol dabey befinden werde. Es war mitten in dem Felde ein fast hoher und köstlicher Thron / und in mitten desselben ein heßlicher und abscheulicher Bock. Dasselbigmal nun stiegen alle / die bey der Versamlung waren /ümb gewisse Stunde in der Nacht über etliche Staffel hinnauff zu dem Thron / und küsseten diesen Bock im Hindern. Als der fürwitzige Spanier diesen so schrecklichen Greuel sahe und hörte / ob er wol von dem Zauberer erinnert war / was er thun solte / konte er doch länger nicht Gedult haben / sondern fing an zu schreyen / und mit voller Stimme GOtt ümb Hülffe an zu ruffen. Alsbald erhub sich ein groß Getümmel / und so erschrecklich Donner / als wenn Himmel und Erden in Abgrund versincken wolte / also daß der Fürwitzige gantz plump verdüstert / und unempfindlich tod bliebe / und allweil[205] er in dem Wesen war /vernam er nichts von dem / was vorlieff / da er wieder zu sich selbst kommen / ward es bereit Tag / und befand sich in fast rauhen Bergen / so zubrochen und abgemattet / daß ihn dauchte / daß er nicht ein Bein an sich hätte / so gesund und gantz were / und da er wissē wolte / an welchem Ort er were / gieng er hinnab ins ebene Land / alda er Leute gefunden / so unterschieden von denen in Spanien / daß er ihre Sprache nicht verstunde / und wuste sonst nichts außzurichten / denn durch Zeichen zuverstehen zugeben / daß sie ihme zu Hülffe kämen. Da er nun also gar alleine reisete / zog er gegen Niedergang / und schweiffte drey Jahr herumb / ehe er wieder in Spanien kommen kunte / mit unzehlicher Mühe und Gefahren. Da er in sein Hauß war / endeckete er alles das / was sein Fürwitz ihm zu sehen und erkennen geben / auff welches der Zauberer / und andere von der Geselschafft von der Obrigkeit gerechtfertiget worden. Eine merckliche Historia erzehlet auch Balduinus Ronsseus in seinen Epistolis Medicinalibus Epist. 50. und schleust endlich dahin / daß solche Versamlungen der Hexen leibhafftig geschehen müssen. Concluderem cum Iamblicho, quæ fascinati imaginantur, nullam habere actionis & essenciæ veritatem nisi juvenis hic adhuc, dum in vivis esset, atque cum consulari hoc viro familiariter vivens, rem omnem & narrasset, &[206] utraque coxa loco mota, neque adhuc dum restituta, dictis autoritatem conciliasset. Auß diesen und andern Historien / kan vernünfftlich behauptet werden / daß je zuweilen solche Nachtfahrten warhafftig unn leiblich geschehen / bey welchē denn sie uns Menschē an Gesundheit unn anderer Wolfahrt verletzen köntē / wenn Gott nit unser Schutzherr were / unn durch die H. Engel uns nit beschirmen liesse. Ja es sollē auch daher manche rohe Weltkind' gewarnet seyn / sich für Vppigkeit und Leichtfertigkeit / für Unzucht unn verdächtiger Bulschafft zu hütē / daß sie mit Teuffelholē nit zufertig seyn od' sich an unzüchtige Bälge hengen / von welchen sie hernach auff den Bock / das ist durch Hülffe des leydigen Teuffels über viel Meilen geholet werden / davon auch Exempel köntē erzehlet werdē / darinne aber uns auffzuhalten unvonnöhtē. Bißhero Hr. D. Mengering / deme beut die Hand Willichius von dem Hexenfahren in der Lufft.6 Von dieser Frage / schreibet er. Ob die Hexen auff Besemen / Gabeln und Thieren können reiten zu ihrer Gesellschafft? da sagen also etliche von / daß keine Hexe auff gemelten Instrumenten unn Thieren warhafftig reite. Es haben auch die Hexen keine Versamlungē / wie die gemeine Sage gehet / sondern der Teuffel lasse sie in einen harten Schlaf fallen / und bilde ihnen im Traum solch Ding ein / daß sie darnach / so sie erwachen / meynē / sie seyn auf[207] Stecken oder Thieren durch den Schorstein gefahren / und mit ihrer Gesellschafft lustig gewest etc. Diese Meynung ist auch nicht zustraffen / denn ohne Zweiffel die Hexen offtmahls solcher weise verblendet werden. Nichts destoweniger ist zuglauben / daß der Teuffel unterweilen warhafftiglich ein concilium mache mit den Hexen und Zauberern / und führe sie persönlich an einen bestimten Ort zusammen; denn alle Argumenta, damit jene Meynung bekräfftiget wird / da kan auch diese mit bekräftiget werden.

Zum ersten / sagen sie / GOtt verhänge dem Teuffel / daß er die Hexen also verblende / ziehen auch Exempel solcher Verblendung an. Darauff sage ich / daß er sie durch die Lufft führet / das geschicht eben so wenig / ohne GOttes Verhengnüß / als jenes.

Zum andern sagen sie / die Verblendung sey dem Teuffel leicht / und müglich: Antwort / Daß er sie durch die Lufft führet / darinnen er regieret / wie Paulus lehret / das ist ihm noch müglicher und leichter; kunte er doch CHristum selbst durch Verhängniß seines Vatters auff den Berg / und auff die Zinnen führen / solte er solches nicht vermögen an denen / welche sich ihm zu eigen ergeben? Auch ist es kein Werck der Natur / und bedarff keiner Verwunderung.

Zum dritten ist gewiß / daß sie mit dem Teuffel[208] Bündniß haben. Dieweil aber der Teuffel Verblendung kan üben / auch an denen / welche keine gewisse Bündniß mit ihm gemacht / wie dasselbe Paulus bezeuget in der 2. Cor. 4. So erfolget / daß er etliche Werck an seinen Bundgenossen thue / welche er an andern / (ob sie schon auch Gottloß und ungläubig sind) nicht zu thun pfleget / und welche zu einer Verbindung und gewissen Vereinigung gehören / kan derohalben wol seyn / daß er bißweilen sein Gesinde und treue Diener zusammen bringe / und erneure mit ihnen den gemachten Bund.

Zum vierten / ist dem Teuffel an solcher offt wiederholten Verbindung etwas gelegen. Denn wenn ers bey dem ersten Pact liesse bleiben / künten die Hexen wieder abfallen / und sich zu GOTT bekehren. Daß er aber dafür bauen künte / so ist vonnöthen ihm / daß er nicht davon ablasse / sondern erinnere sie offt des gethanen Eydes / und bringe sie je länger je tieffer in sein Eigenthum und Dienstbarkeit.

Wiewol er nun dieses auch auff eine andere Weise thun künte / nemlich daß er heimlich zu ihnen käme und redete nach seiner Notturft mit ihnen / so hat er doch zu fürchten / daß sie also in ein Grausen und Wancken fallen möchten.

Solches zu vermeyden / so bringet er auß einem gantzen Gebieth oder Landschafft die Hexen zusammen / und richtet eine grosse Freude[209] an mit Essen / Trincken und Kurtz-Weilen / auff daß sie sich destoweniger für ihm fürchten / die Bündnüß desto steiffer halten / zur Teuffels-Zunfft destomehr Lust und Anreitzen gewinnen / und so sie sehen daß viel andere dergleichen thun / daß sie zu solchen Wercken desto gehertzter und kühner werden. Hievon mag man lesen Iacobum Sprengerum part. 2. c. 13. oder das Büchlein Herrn Jacobs Freyherrn von Liechtenberg. Biß hieher Ludovicus VVillichius.

Daß die Hexenfahrt leiblich sey / beweiset auch der Autor der Hundstäg-Erquickstunden mit gar vielen / so wol weltlichen als Geistlichen Historien.7 Matt. 4. v. 8. Act. Apostol. c. 8. v. 26. & v. 40. Dan. 14. v. 35. und setzet hinzu; Auch hindert oder hemmet nichts die Schwere desselben / oder dessen widrige Rückhaltung. Denn des Teuffels Krafft und Macht ist weit grösser / als welcher gantze Berge kan auß ihrem Sitz heben. Auch thut nichts zu hinter-treiben diese Meynung / daß man fürschüttet die Geschwindigkeit der Fahrt / da in gar kurtzer Zeit ein weiter Weg überwunden wird. Denn die Englische Geschwindigkeit kan solches auß Zulassung Gottes gar wol außrichten / wie solches die hin unn wieder fürfallende Exempel außweisen und lehren.8 Vnd gilt auch nichts der Einwurff des Vlrici Molitoris, daß es ungereimbt zu seyn scheine / von den[210] Wercken und Macht-Vbungen der guten Engel / zu den Bösen schliessen / denn der guten Engel Macht weit grösser / als der Bösen sey: denn ich sehe keine volgültige und bewegende Vrsach / warümb die guten / was die Orts-Bewegung antrifft / mehr können und vermögen / als die Bösen. Zudē ist aller schriftklugen Männer einhellige Meynung / daß die Teuffel ihre natürliche Gaben und Kräffte behalten: Hingegen ihre Gnaden-Geschencke und Kräffte durch ihren Abfall verlohren. Mehr Exempel derjenigē / so leibhaftig durch die Lufft gefahren: suche beym Autore von wund'barlich. Gespenst. par. 1. p.m. 179. a.b. auß dē VViero. l. 2. c. 7. etc. It. p.m. 176. b. daß es die Hexen gesehen hetten / wie eine Hexe durch die Lufft geführet worden. It. p. 118. b. 119. daß einer von Adel auß Lombardeyen in einer Nacht auß Aegypten gen Paphy sey geführet worden: auß dem Boccatio. Item. p.m. 49. a.b. auß dem Manlio in collectan. von einem Heydelbergischen Doctor, der auff einem Pferd durch die Lufft gefahren oder gerissen worden. Also schreibet auch Meyfahrt / daß etliche fürgeben / es weren die Antipodes (welche auff den untern Theil der Erden wohnen / und ihre Füsse gegen unsere kehren) von den Engeln in Americam getragen worden.9

»Bißher habē wir fast solch Leute angehört / welche dafürhaltē / daß die Hexēfahrt leibhafftig[211] und warhafftig geschehe / darauff folgen andere Scriptores, so es nicht zugeben können«/ und ist unter solchen der erste Iodocus Hockerius, welcher also redet; Ihrer viel halten für warhafftig / was gesaget wird von dem Hexenfahren in der Lufft / oder daß sie sonsten auff Besemen / Gabeln und Thieren reiten können / zu ihrer Geselschafft / und daselbst tantzen / und anderer Freuden-Affen-Spiel treiben.10 Aber ich achte es auch unwarhafftig zu seyn / und ein lauter Teuffels-Gespenste / nicht allein daß es wider die Arth eines natürlichen Menschen ist / also durch den Schornstein und in der Lufft zu fahren / sondern weil ich auch sehe / daß die fürnemsten Wörter der Gelehrten das Widerspiel halten. Sondern das ist die Warheit / daß der listige Fuchs der Teuffel die armen Weiber im Schlaff dermassen bethöret / und ihnen solche imagination und Einbildung ins Hertz drücken kan / daß ihnen selbst bedüncket / sie gehen zu herrlichen Mahlzeiten / Music spielen / Tantzen und schönen jungen Knaben. Damit sie allerley Kurtzweile / Beywohnung treiben / und ist doch eitel Phantasey / Betrug und List / wie dasselbig viel glaubwürdig erfahren haben. Vnd dieses auch einer wegen von D. Luthern tom. 1. Ien. lat fol. 126. b. ein Exempel gesetzt wird auß Iohannem Keiserberg / daß einmal eine alte Vettel einen Prediger / so öffentlich dawider gelehret / habe überweisen wollen / es were ein warhafftiges Fahren ihr[212] Hexen-fahren / habe sich derohalben in Beyseyn des Predigers in einen Trog gesetzet / und mit ihrer dazu bereiteten Salben weidlich geschmieret / biß so lang sie in einen tieffen Schlaff gefallen sey / darin sie etliche Zeit gelegen / aber doch endlich sie gekommen sey / und da angehoben viel Wunders wieder zu sagen / wo sie mitlerweile gewest / und was herliches Dinges sie in kurtzer Zeit erfahren hette. Sey aber vom selbigen Priester des Betrugs halber gewaltiglich überzeuget worden. Vnd saget D. Lutherus recht davon / daß es nicht allein »verbotten sey solches zu thun / sondern auch zu glauben / und hindert uns nicht« / daß etliche fürgeben / der Teuffel habe Christum selbst auff den Berg und auff die Zinnen geführet / denn es von vielen Gelehrten dafür angesehen / daß es nicht re verâ oder corporaliter (nicht warhafftig oder leiblich) sondern per visionem mentaliter oder imginativè (in einem Gesichte durch Einbildung und Phantasey) geschehen sey / vide Bucerum & Calvinum utrumq; in 4. Matt. caput. Andere Gegenwürff lasse ich Kürtze halben fahren.

Man sol aber hie auch bey merckē / daß es dem Teuffel als einen lang-geübeten und erfahrnen Physico nicht schwer ist seinen Vertrauten eine solche Salben zu bereiten / welche nicht allein einen langwierigen tieffen Schlaff zu erwecken täglich / sondern die auch Krafft und[213] Wirckung hat / daß man durch sie wunderliche Dinge sehen mag / so doch unsere Medici (vide VVier. 2. c. 31. p.m. 135.) davon viel geschrieben haben. Hiebey ist gantz dienlich ein fein Historie / so sonderlich gehöret zu dieser Materie und Handelung / welche D. Iohann. VVierus als glaubwürdig und warhafftig erzehlet / l. 5. c. 10. de præstigiis Dæmon. etc. lat. p. 461. Ger. 1052.

Hieher gehören auch die Worte Petri Martyr. in l. 1. Samuelis c. 28. fol. 166. a. Sagæ mulieres & viri malefici, ut istos Spiritus ad se invitarent, solebant se perungere unguento aliquo soporifero, deinde se conjicere in lectum: ubi ita profundè dormiebāt, ut nec aciculis nec ignibus possēt expergefieri. Interim Diaboli illis ita dormiētibus multa proponebāt ludicra, cōvivia, Choreas & omne genus voluptatum. (Das ist: Damit die Zauberinnen und Hexenmeister die Bösen Geister zu sich locken / pflegen sie mit solchen Salben / die den Schlaff verursachen sich zu schmieren / und denn legen sie sich in ein Bette / und schlaffen so hart und feste / daß sie nicht auffwachen / ob man sie gleich mit Nadeln sticht / oder mit Feur brenne. Vnterdessen bildet ihnen der Satan im Schlaff solche seltzame Phantaseyen ein / das sie ihnen bedüncken lassen / sie seyn bey herlichen Gastereyen / sie tantzen / und leben in aller Lust und Freuden.) Der Satan kan dennoch wol die Seinen in die Lufft warhafftig mit ihren Cörpern[214] führen / als er dem Simoni Mago thät / aber daß es allezeit mit den Hexen geschehe / oder immer geschehe / davon besehe der Christliche Leser D. VVieruml. 2. c. 29.11 Imgleichē schreibet er auch / in angezogenen Orte am 128 Blat. Luth. in dem ersten Lateinischen Jenischē Theil in Erklärung der Zehē Geboth / gibt gar viel den Zauberinnen nach. »Aber daß sie auff Besē / Gabeln / auf den Böcken unn dergleichē reitē / auffahrē / und zu ihrer Geselschafft ziehen sollen / wil er nicht zulassen / und saget daß es nicht glaubig sey. Item es sey nichts / daß sie solten verwandelt werdē / und lautē seine Wort zu teutsch also. Daß die alten Hexen sich sollen in Katzen verwandeln / und deß Nachts herumb lauffen / ist verbotten zu gläuben / daß es war sey / 26. q. cap. Nec mirum ne ullus credat etc. in decretis. und bald hernach: Man saget / daß die Weiber in Katzen werē verwandelt wordē / were auß diesē Grunde wahr / daß ein thumkühner Wagehals in einem wüsten ledigen Hause geschlaffen / unn dergleichē Katzē viel verwundet habe / des morgens aber weren es alte Weiber gewesen.12 Allein solches ist entweder erdichtet / oder der Teuffel selbst hat solche alte Hexen verwundet / damit er solchē falschē Wahn einē Glaubē zu Wege bringen möchte / als hette derselbe Mensch warhaftig die alten Weiber verwundet / welchem gedaucht hat daß er die Katze / daß ist die Teufel verwunde. Es kan auch seyn / daß denen Hexen im Traum[215] oder in einer Entzückung deuchte als lieffen sie herümb / und würden verwundet / da sie doch im Bette liegen und schlaffen / und vom Teuffel verwundet werden / damit sie hernach warhafftig gläuben und dafür halten / sie weren in der Warheit selber herumbgelauffen / und von einem andern also verwundet worden.

Eben so viel hält auch davon M. Samuel Pomarius, dessen Worte ins Teutsch also übersetzet / also lauten: Hieher ziehen wir auch die verdamlichen Zusammenkunffte der Vnholden so wol anders wo / als fürnemlich auff dem Blocksberge / auff welchem / wie man saget / alle Hexen in gantz Teutschlande / wenn sie sich mit gewissen Salben beschmieret haben / am ersten Mäy in der Nacht theils sollen getragen werden in gar kurtzer Zeit von ihren Buhlern den bösen Geistern / welche zu ihnen kommen in Gestalt eines Bockes / eines Schweines / eines Kalbes und dergleichen; theils sollen sie auch auff denselben fahren / auff Besen und Stecken / und denn die gantze Nacht mit spielen / fressen / sauffen / tantzen und allerhand fleischlichen Ergetzligkeiten nebenst ihren Buhlern zu bringen / wie Herr Carpzovius prax. Crimin. p. 1. q. 48. n. 22. anführet.13 Wir leugnen zwar nicht / daß der Teuffel könne die Menschlichen Leiber also in der Lufft führen / weil er ist ein starcker und mächtiger Geist / und führet auch die so durch Fluchen und Schweren sich ihm[216] ergeben / offtmals mit grossem Geschrey und Geheule hoch in der Lufft hinweg. Ja so der Engel des HERREN den Habacuc bey den Haren des Haupts auß Judæa gen Babel getragen; So der Satan den HErrn CHristum selber mit sich auß der Wüsten in die Stad Jerusalem genommen / und auff die Zinne des Tempels gestellet / und von dannen wiederumb auff einen sehr hohen Berg geführet / was solte er denn nicht thun bey denen / die sich ihme gantz zu eigen ergeben haben. Ja er führet auch die Seele zugleich mit dem Leibe weg / und bringet nicht die Seele alleine durch die Entzückung in die abgelegene Oerte / also daß der Leib unter des zu Hause liege nicht anders als wenn er gantz tod were / dieweil hernach solche Vereinigung der Seelen mit dem Leibe der warhafftigen Aufferweckung von den Todten sich gleichet / welche aller Creatur unmöglich; und ist nicht einmal geschehen / daß die Hexen von ihren Zusammenkunfften und Teuffelischen Freuden-Leben viel herliches gerühmet und erzehlet haben / da sie doch unterdeß zu Hause in ihren Betten in einem sehr tieffen Schlaff gelegen haben.14 Eine denckwürdige Historie führet Herr D. Carpzovius am angezogenen Orte n. 27. an / »auß des Pauli Grillandi Tract. de sortileg. von einer Hexen / welche in der Marter und Gefängnüß bekant hat / daß sie eben in der Nacht und in derselbē[217] Stunde were bey ihrem Satanischen Wollebē gewest / in unn zu welcher ihr Ehmann / Vermöge seins geleistetē Eydes / sie wil bey sich im Bett gemercket / und mit Fleiß zu unterschiedlichen mahlen angegriffen haben.« Hr. D. Luth. Sel. Tom. 1. Ien. Lat. fol. 26. nachdem er gesagt / es were lauter Traumwerck und erdichtete Sachen / daß der Satan die Hexen in der Lufft leiblich solle fortführen / erzehlet auß Johann Keyserbergen eine Historie von einer alten Vettel / welche damit sie ihren Prediger der solch jr Luftfahren / als ein falsch erdichtetes und eingebildetes Werck verworffen / Lügen straffen möchte / denselbē zu sich gefodert habe / unn in seiner Gegēwart sich gesalbet / darnach sich auff eine Gabel gesetzet / als wolte sie gleich davō fahren / aber sie sey alsobald ingeschlaffen / unn sich wund'lich herum geweltzet / biß sie endlich vō der Banck gefallē und ein Loch im Kopff bekommen hat. Sind solches demnach nur Teuflische Träume / und starcke Einbildungen der verderbeten Phantasey. Daher schreibet Philippus lib. de anima. Die 4. Arth der Treume ist Teufflisch / als wenn die Hexē ihnē einbildē unn träumē lassē / als werē sie bey Gastereyen und Freuden-Spielen / da man doch auß der Erfahrung hat / daß sie nit sind vō Orte und Stelle kommen / sondern daß sie nur im Schlaffe durch ihre Geberden und Geschrey solche Zeichen von sich gegeben haben / als wenn sie bey Gastereyen werē / hüpfftē und springen.

[218] Iacobus Martini führet solches noch weiter auß; dessen Wort / weil sie sehr weitläufftig sind / wollen wir nur Lateinisch anhero setzen.15 §. 5. Eorum quæ magis ipsis (schreibet er) evenire narrantur, duo imprimis sunt: Primum est, Animi Magorum extra corpus abreptio & ad nocturna comitia (auf dem Blocksberg) translatio. De hac controversia occurrit. Possintne animi Magorum vi Diabolica extra corpora abripi, & ad Panegyres suas ferri: Bodinus animi hanc abreptionem re vera contingere statuit. l. 2. dæmon. c. 5.16 Nos negativā defensuri argumentamur: (1.) Corpus Magi, cujus animus exspaciatus & apreptus dicitur, aut erit vivum, aut mortuū. Si vivū. E. est animatū. At hoc nō, cum nihil possit esse animatū sine anima; quippe quod contradictionem involvit. Si mortuum est, poterunt mortui vi Dæmonum resuscitari. Quod miraculum & solius Dei proprium, artibus Magicis nulla ratione effici potest Deut. 39. v. 39. Sap. 16. v. 13. (2.) Si animus Magorum extra corpus abripitur, corpus autem sopitum domi restat, (sæpissimè autē eo ipso tēpore, quo profectosad sua comitia se fuisse affirmarunt, domi stertere visi sunt Magi. Bodinuslibr. 2. c. 5. Camerarius Cent. 1. Meditat. cap. 72.) erunt aut duo ὑφις άμενα aut unum. Prius est absurdum; una enim ut hominis essentia, ita & existentia, nuilaque vi Magica duplex reddi potest, cum essentia[219] & existentia re non discernantur. Posterius esse non potest, cum & animus extra corpus abreptus sua propria, & corpus domi relictum sua subsistentia subsistat, unde duæ unius hominis oriuntur subsistentiæ.

Non ita incommodè ἔκςασιν hanc quis definierit sensum externorum ad interna conversionem talem, ut nec passio corporea nec motus externus percipiatur. Quemadmodum Plinius lib. 2. c. 25. Hermotinam quendam Clazomenium ita in excessum mentis abreptum tradit, ut corpus ejus mortuum & sensus expers subsiderit. Nec minus verè cum Peucero l. de div. ludibrium dæmonis, quo ille revocatione ἔκςατικὸν ad sese ex morte in vitam conatur effingere opus resuscitationis mortuorum, solius Dei proprium, Diabolo in imitabile.

§. VI. Objeceris verò.17 1. Abrepti illi seu ἐκςατικοὶ dicta statutaq; hora revertuntur, quod non fieret, fi vel somno tantum occumberent, vel sensus ad interna conversi essent. Resp.18 Objectio hæc abitionem animæ non probat. Quid enim, si somno arte Diabolica & pharmacorum natura evocato, devincti teneantur Magi, annon justo tempore quo Dæmoni visum fuerit, ab eo excitari possunt; inprimis cum ipsi tanquam fabulæ totius actori somnum confœderatis suis inducere, eundemq; ubi lubitum fuerit abrumpere[220] & finire operosum non sit. Atqui inquis; Magi nec verbera nec inustiones morantur.19 Non autem potest esse somnus tam profundus, quem ignis enti admotus non excutiat. Resp.20 Ea Narcoticorum vis esse perhibetur, ut somno devinctos nec triduo dimittant. An ergo sopiti hi dolores senserint? Turci eos, quos castraturi sunt, his narcoticis potionibus ita soporant, ut nec dolores, nec verbera aut inustiones morentur. Bodinus. l. 2. dæm. c. 5. II. Objicies.21 FATENTVR ipsi Magi se animo extra corpus abripi, corpore domi relicto. Cardanum scribere autor est Bodinus l. 2. c. 5. se cum luberet per ecstasin extra corpus rapi adeò, ut corpus maneret ἀναίθητον. Resp.22 Confessio Magorum partim nil probat, est enim corrupti animi & judicii; partim nil probat aliud, quàm somniasse vel vidisse se aliquid; qua autem ratione, an animi extra corpus abreptione, an corporis ipsius exportatione, non probat. Quin pervertit sensus suorum ita Diabolus, ut abreptos se fuisse deinde glorientur.

§. VII. Objicis III.23 Multas locorum & personarum aliasq; materiatas conditiones è sua profectione enarrant Magi, quæ veræ esse deprehenduntur, imò multas delitias, epulas, commessationes; aliaque innumera referunt reversi. Corpus autem domi visum est stertere. Et oportet, animus à corpore fuerit[221] solutus: Resp.24 Hæc objectio tantum abest, ut animi à corpore distractionem probet, ut potius eam ipsam impugnet. Si enim referunt quædam è sua profectione Magi, non utiq; mens erit à subjecto sejuncta, & ex corpore abrepta, utpote quæ à materia separata, talia neq; facit neq; patitur, de quibus gloriātur Magi, sunt meræ incātationes & prestigiæ Diabolicæ, quibus miserorum hominū mentes obfascinat veterator ille, ut ea sibi exercere homines dementati videantur quæ nulla sunt. Hinc per somnum somnia movet prodigiosa, quibus volare, commessari, tripudia exercere sibi videntur Magi, quæ deinceps etiam pro veris constanter asseverant. Et ut manifestius evadāt dicta, insigne refert exemplum cujusdam, quod addere operæ pretiū fuit visū, Camerarius Cent. 1. Medit. c. 27. cui, cum harum rerū studio tenebatur, evenit aliquando, ut repentè ablatus domo, sisteretur in loco amœnissimo, ubi cum totā noctē spectasset choreas, indulsissetq; epulis, mane ubi omnia illa disparuissent, vidit se in spinis inter dēsissimos vepres hærere, & quamvis sibi visus fuisset comedere, fame tamē ferè cōficiebatur.25 Ita suis illudit artifex. Veruntamē inquis, interdū Magi reversi literas, cultellumve eorū, qui absunt longissimè secū reportāt corpore ante oculos multorū jacente immoto, & animus revera expatiatur. Respond. Nihilominus. [222] Ipse enim dæmon sub nomine Magi ea efficit, & quo efficiat commodiùs, oculos adstantium obfascinat, Magisq; cultellos subreptos, quos ostēdant, tradit, ut ita adstantes revera ea à Mago fieri existiment, quæ Diabolus astu oculorum aciem antevertente, efficit: corpore interim sopito ante oculos multorum relicto.26

§. VIII. IV. Corpora Magorum interdum per aerem vehuntur & exportantur, de quo apud omnes constat.27 At hoc licet contra naturam videatur, non tamē negandū est. Resp. 1.28 Corpora Magorū in sublime per aera vi dæmonum vehi contra naturam non est, sed solum violentum. Potest enim tanta esse externi motoris vis, ut etiam, contra quam propensum sit mobile, impellat. Sic nonnunquā integræ moles saxorum ventorū vehemētissimo motu in sublime per aerem hac atque illac jactitatæ fuerunt violenter. 2. Committitur in hac objectione ἑτεροζήτησις: Quæstio est, utrum animus Magorum arte Magica extra corpus abripi possit, corpore relicto: Cōcluditur hoc argumento, corpore exportari Magosà Satana, & in sublime per aerem vehi, de quo controversia adeò non est. Quanquam & hæc ipsa exportatio interdum revera non fit, quod ex eo dijudicari potest, quod sibi contigisse scribit Iohannes Baptista Porta libro secundo de magia[223] natur. c. 26. cujus verba hæc sunt. Incidit, inquit, mihi in manus vetula quædam earum, quas à strigis avis nocturna similitudine striges vocant, sponte pollicita, brevi temporis spatio allaturam responsa.29 Iubet omnes foràs egredi, qui mecum erant, acciti testes: spoliis nudata tota se unguento quodam valde perfrica vit, nobis è portæ rimulis conspicua: sic soporiferorum vi succorum cecidit, profundoque occubuit somno: fores ipsi patefecimus, multum vapulabat, tantaq; vis soporis fuit, ut sensus eriperetur, ad locum foras redimus, jam medele vires fatiscūt flaccessuntque; à somno revocata multa incipit fari deliria, se maria montesq; transmeasse, falsaq; depromit responsa: Negamus; instat: Livorem ostendimus, pertinaciter resistit magis. Hæc ille.

§. IX. Excipies nihilominus ad dicta hactenus.30 ACTIONEM ESSE MAGICAM, ideoque ad leges naturæ non tam accuratè adstringendam. Nam si plurimæ res naturales sint obscuræ & incredibiles, multò magis potentiam actionesque spirituum, qui longè secus, ac naturæ ferat cursus, sua cœpta perficiant, animi nostri captum excedere, ideoque ἐιτῶ οτι ἐστι, si τὸ διότι attingi non potest, acquiescendum esse necesse est. Respond. Petitionem committi principii. Quæritur hoc, an, quia actio est Magica, necessitati naturæ fit eximenda? Pertinere[224] has actiones ad Physicam contemplationem dictum fuit thes. 2. Et cum affectus actionis Magicæ sit res naturalis, ut herba radix, aqua etc. cur non & ipsa actio ad statum naturæ sit revocanda? Geniorum quoque vis maxima quidem, tanta tamen non est, ut necessitatem & facultates causarum naturalium possit evertere. Sed norunt asturè sim ul & violenter pluribus modis patientibus adjicere agentia, aggrayare vires facultatum, ut gravior eò & celerior producatur effectus. Intellectus autem debet quiescere in re obscura, ubi τὸ διότι assequi non potest, si ipsum τὸ ὅτι ἐςί sit certum & indubitatum: secus quoniam hic evenit, ut ipsum τὸ ὅτι in disceptationem veniat, non potest intellectus in eo, ut pote in re dubia & controversa, finem inquirendi ponere. Quandoquidem hic, an ita se res habeat, ut vulgo fertur, in controversia est positum. Pertinet huc etiam Rex Angliæ Iacobus in Dæmonologia l. 3. c. 5. p.m. 174. etc. qui itidem asserit Transportationem esse imaginariam. Item Anton. Prætorius im Bericht von Zauberey p.m. 36. Hieher gehöret vielleicht auch / was man von dem grossen Berg Slotus31 saget /welcher recht unter dem Nord seyn sol / und welchen aucht Franciscus Patricius (in seinem Tractatu, in welchem er die Ründe der Erden hat wollen ümmestossen oder verwerffen) unter andern Bergen erheben und[225] groß machen wil: welchen doch (nach dem Vrtheil meines Hochgeehrten Herrn Præceptoris; Profess. Public. Franckensteins / in seinen notis oder Anmerckungen über die Sphæricam Feldii) niemand jemaln gesehen / oder hat sehen können / oder daß er etwan einen Mago oder Zauberer im Schlaff mag vorgekommen seyn.32 Was hiezu 1. den Magum betrifft / so wird in des Kircheri Itiner. Ecstatico gedacht eines Engeländischen Mönchs, auß Ochsenfurth /welcher durch seine Schwartzkünstlerey geführet ist an die Oerter / so unter dem mitternächtigē Polo liegē / unn habe alda fundē einen grossē Stein / als der in seinē Vmkreiß 33. Frantzösische Meilen begreifft / unter welchem das mitternächtige Meer (per quatuor Euripos) durch 4. Einflüsse in einē ungeheurē Schlauch unn grundlosē Loche verschlungē wird.33 Was ferner zum 2. anlanget / daß nimand zu solchē Berge hingelanget oder gekommē sey / so ist solches für sich auch einmal richtig / unn obschon Olaus Magnus fast an drey Ortē die ich vermercket in epitome de Gentib. Septentr. als p. 9. und 31. auch 385. bekräfftiget / daß er selber in Person biß auf die Höhe 86. gr. gekommen sey. So meyne ich doch / daß er irre / indem er zu erst mag Elevationem, stellæ polaris und nit ipsius poli, puncti imaginarii, meynē: zum 2. dazu kein just Instrument oder Quadrantē mag gehabt habē / womit er die Richtigkeit habe können er haltēgnung[226] were es / wenn er ümbgekehret sagete /(für 86. grad) 68. gr. ferner halte ichs noch für unwarhafftiger / daß der König Hotherus gar mit einander unter dem Polo mit dem Satyro oder Gespenste Memmingo gescharmützelt / unn nach erhaltener Oberhand eine wackere Beute davon gebracht habe / wie der Saxo Grammaticus berichtet, vide Olaum d.l. lib. 3. p.m. 108. 109. & lib. 1. p. 2. Wenn dieses sich so verhielte / würden traun die Holländischen Magnates oder (besihe Ovvenū irgentwo) Magnetes (nit die Eisen nach sich ziehen sondern Gold / wie dergleichē Magneten in Indiē seyn sollē / das seynd aber die Spannier vide Cabeū de Phil. Magn.) oder auch Engelländische Greiffe solche Schätze schon albereit etlichmahl nach sich gezogen haben; So ferne sie hetten können dahin gelangen / welches aber niemals geschehen / sintemahl wie sie auffs Höchste gekommen seyn / den 81. gr. erhalten haben: als anno 1596. besihe Eberhard Schultzens Geograph. p.m. 497. 498. wiewol Röhling an einem Orte vermeldet / sie weren hingerahten zu dem 81. unn 82. gr. weil man also noch bey 9. gr. oder 135. Teutsche Meile-Weges davon gewesen / wenn man schon auffs höchste gerahten: wie wil man in dergleichen Distantz denselben schwartzen Felß oder höchsten Polberg / dessen Vmschweif 16. mill. Germ. seyn sollen / daselbsten schon haben sehen können / ich geschweige / daß einer[227] solle drauff gewesen seyn / oder denselbigen gemessen haben.34 Wie dergleichen Grillen-Stecher von dem Schultzen d.l. dannenhero rechtmässig verlacht werden.

Was zum dritten betrifft / daß niemand habe können hinkommen / beweiset weitläufftig Hulsius in seiner XII. Holländischen Schiff-Fahrt mit dem Exempel der Holländer und Engelländer / so beyderseits drey vergebliche Schiffahrten nach dem Nordpol gethan: in dem sie vom Eiß-Meere allezeit seyn verhindert worden: Betrüglich hat also vorgegeben der D. Röhling / daß unterm Polo, je näher man hinzukäme / immer wärmere Lufft were / ja es were gar der Paradeiß da / hat der Goiel Postellus geschwatzet. Doch gnug von diesem. Jetzo wollen wir noch anfuhren / was Bodinus von der Hexenfahrt schreibet / und alsdenn dieses Stück beschliessen. Es schreibet aber Bodinus also: Nun zu Ende dieses Capittels / wil ich den Beschluß der Disputation einmengen / der von dem Käyser Sigismund / so ein fürtrefflicher und gelehrter Fürst gewesen / ist abgeredt worden: welche D. Vlrich Müller in einem kleinen Büchlein von dieser Materi lautend / hat beschrieben / darinnen er unzehliger viel Exempel und gerichtlicher Vhrkunden Anmeldung thut / zur Beweisung / daß der Sathan eigentlich die Hexen[228] und Hexenmeister mit Leib und Seele vertrage und verführe.

Auch hieß diß der Evangelischen Histori gespottet / wenn man in Zweiffel ziehen wolte / ob der Teuffel die Zauberer von einem End an das ander vertrage. Sintemahl im Evangelio gedacht wird / der Sathan habe unsern Seeligmacher Jesum Christum in der Wüsten auff die Zinnen des Tempels / und nachgehends auf den höchsten Berg geführet oder vertragen. Denn der gröste und rechtsinnigste Theil der Theologen halten für unzweyffentlich / er sey warhaftiglich mit Leib und Seel vertragen und transportirt worden.35 Sie gestehen auch / der Prophet Habacuc sey gleichfals Seel- und Leibhafftig obangedeuteter Gestalt gen Babel verführet oder getragen worden.

Gleichwie auch der Apostel Philippus in der Geschicht der Apostel eben dermassen mit Leib und Seel zu den Cämmerer auß Moren-Land ward vertragen. »Darüber Thomas von Aquien schliesset / daß wo es an einē möglich sey / könne es auch an allen / die gleicher Natur und gleiches Gerichts seyn / müglich seyn und werden.« Siehe da / diß ist sein Argument, welches er auß dem dritten Capittel Matthei schliesset.

Wir lesen auch in dem mehrmals angezogenen Grichischen Autore Philostrato, daß der Apollonius Thyaneus36, welchen etliche Heidnische [229] Philosophi beynahe gar zu einen Heiligē gemacht / in wenig Stundē auß Morenland bey dem Ursprung des fürne mestē Aegyptischē Flusses biß gen Rom sey vertragen worden. Welches nach gerader Lini nicht weniger denn zwo tausend und fünff hundert Meilen machet. Zu weilen ward er auch von Rom gen Corinth / und etwan von Schmyrnen gen Ephesum verketscht oder übergetragen.

Und im Jahr Christi M. CCXXI. hat ein Priester von Halberstad Iohannes Teutonicus genant / so zu seiner Zeit der beschreiteste Zauberer gewesen / zu Mitternacht drey Messen gesungen / eine zu Halberstadt / die ander zu Mäyntz und die dritte zu Cöln (Confer Crusium de Nocturn. officiis. p.m. 374. cap. 19.)37

Wie man auch dergleichen von dem Pythagora meldet / daß er von Thuria in Metapontum sey übersetzet worden.

Ja selber D. Iohann Weier der Schirmer und Beschützer der Zauberer / behauptet durch eine gewisse Kunst / es sey wahr / daß er viel Leute gekant / die gedachter Gestalt in einem Augenblick von einem Ort ins ander seyn übergeschafft und getragen worden.38

Vnd demnach viel meynen / diß Verketzschen und Vbersetzen gehe allein Geistmässig zu / so last uns nun von Verzückung des Geistes Handelung furnehmen.[230]


Das V. Capitul.

Von der Verzückung und Verrückung oder Gemuhts Entwendung der Zauberer und Hexen / und wie sie ihre gewönliche Gemeinschafft und Beywohnung zu den bösen Geistern haben und erhalten.


Dasjenige / so nun vom verfahren der Zauberer und Hexen mit Leib und Seel ist gehandelt / und diß / so vielfältige denckwürdige Erfahrnüssē beybringē / gebē gleichsamb augenscheinlich und greifflich derjenigē Irthumb an Tag / welche geschrieben / das Fahrē der Hexē sey nichts anders denn eine Einbildung od' Verzückung des Gemühts / der Sinne unn Gedanckē / unn zeichē hiezu / für ein Exempel an / das Gesicht des Prophetē Ezechielis, der im Geist von Babel gen Jerusalē ist verzückt worden.39 Welches Gesicht doch eine wahre Scheidung vō der Selen seyn kan / unn auch ohne Scheidung. Aber die Hebreer halten in ihrer geheimen Theologi dafür / der Engel thue GOtt ein Opffer von der Außerwehlten Seelē durch eine Abstraction oder Abziehung / da doch der Mensch beym Leben bleibet.40 Und zu dieser Meynung ziehē sie an den Ort auß dem 116. Ps. Pretiosa in conspectu Domini mors sanctorum ejus; der Todt seiner Heiligen ist wehrt gehalten für dem HErrn. Welches wie es scheinet Plato in dem Phædrone nennet einen lustigen[231] und lieblichen Tod. Jedoch sol man darumb nicht die warhaffte Vertragung des Liebes und der Seelen / so durch die gute und böse Geister geschehen mag / verneinen.41 Wir können wider der vorigen Meynung wol die Exempel mit dem Helia und Henoch anziehen / welche mit ihren Leibern im Himmel seyn verzückt worden. Deßgleichen auch diß mit dem Propheten Habacuc / der leibhafftig durch einen Engel in die Löwen-Grube zu dem Propheten Daniel ist getragen worden. Vnd wo man sagen wolte / in diesem erst angezogenen Exempel seynd keine wahre leibliche Vertragungen geschehen: Wie hat sich denn begeben können / daß der zu Loches viel Meilen von seinem Bette beylandes von Baurdeaux ist vertragen / und jener von Leon ins Lottringer Land ist verführet / und der / von dem Plutarchus meldet / auß Griechenland in Crotanam bey Neapolis mehr denn hundert Meilen über Meer übergesetzt worden. Vnd in andern mehr dergleichen Exempel geschehen. Thomas von Aquin / Durandus Hervet / Bonaventura von Tarantasia / und Geraldus Odetus, welche diese quæstion in ihren Außlegungen über das andere Buch / distinst. 8. des Magistri der Sententien haben gehandelt / die schliessen gantz förmlich / daß die Teuffel durch ihre natürliche Macht die Leiber von einem Ort ins ander zu vertragen pflegen. Doch[232] halten sie die Verzückung des Geistes für wünderlicher / denn des Leibes Vertragung. So denn der Teuffel diese Macht hat / in massen sie geständig / daß er den Geist des Menschen ausser seinen Leib verzucken kan / solte es ihm nicht viel leichter seyn / Leib und Seel ohne einige Zertheilung / Trennung und Absonderung des verstandgemässen Theils / oder Partis Rationalis, hinzutragen / als einen vom andern zu trennen und zu theilen ohne des Menschen Tod? Wiewol wir nun unzweiffelhaffte Zeugnisse und gewisse Erweisungen von Vnsterbligkeit der Seelen haben. Jedoch bedünckt mich diß itzo gerührte Stück die allerstärckeste und gröste Beweisung / als welche durch unzehlich Historien Vrtheil / Vergichten / Vberweisungen / Vberzeugungen / Bekäntnüsse und Exequirung seynd gantz vergewissert und greiflich dargethan. Ja sage ich / dieser eintziger Punct mag alle Epicurer und Gottlose Atheisten überzeugen / daß der Menschliche Geist ein unsterblich Wesen sey. Denn die Hypothesis des Aristotelis in dem zweyten Buch von der Seelen / da er also setzet / daß die Seele gewiß unsterblich seyn muß / wenn sie etwas ohne Hülffe des Leibes für sich selbst thun und schaffen könne / wird durch diese nun angeregte Weiß gantz mercklich wahr gemacht / verificirt und dargethan.42 Desgleichen auch die zweyte hypothesis, daß die Seele gewiß unsterblich[233] sterblich seyn muß / wenn sie vom Leib theilbar und absonderlich sey. Aber die Vnglaubigen / so weder von der Macht GOttes / noch dem Wesen der Geister / etwas halten und glauben / und die geben unverschämter Weise auß / daß diß / so wir die Sele heissen / sey eine Harmonische oder wolgestimte Verbündnüß und algemeine Form so auß den particular Formen der Humoren und andern Theilen des Menschlichen Leibs entstünde. Welche warlich eine grobe ungereümte incongruität / daß man des Menschē Form wil componiren: von deren doch alle Philosophi halten und bekennen / daß sie pur / simpel und einfach sey auß vielen Formen. Belangend denn die Verzückung, da sagen und halten sie / es sey ein Melancholischer Traum durch welchē die Kräfte der Selen begraben werden / also daß es scheinet / als sey der Mensch gestorbē.43 Aber das gehet gar lächerlich ab: Angesehen / daß es vielmehr Zauberer und Hexenmeister in Nordwegen unn Liefland und andern Septentrionalischē Gegēden hat / denn sonst in allen übrigen Theilen der Welt. Inmassen Olaus Magnus davon schreibet. Vnd es scheinet / als könne diß /welches in dem Jesaia vom Satan gemeldet wird / Ich wil auff den Nordwind steigen und GOTT gleich seyn / recht gezogen werden auff die Gewalt des Satans / den er hat über die Völck er / so gegen Norden gelegen / welche von[234] bösen Geistern und Zauberern sehr übel verschreit sind. Gleich wie man auff ebenmässigen Fall durch die gantze H. Schrifft findet / daß von Nord her alles Vnglück kommen werde.44 Als im Buch der Weißheit am 2. cap. Esaiæ cap. 14. 41. 49. Jerem. cap. 34. 6. 13. 15. 23. 25. 46. 47. 50. 51. Ezech. 8. 48. Daniel. cap. II. Zachar. cap. 2. und gleichwol sind diese Aquilonische Völcker am allermeisten mit Melancholey behafftet / als keine Nation unter dem Himmel / denn sie sind gemeiniglich sehr weiß und bleichfärbich / oder haben Haare wie die Kühe. Derohalben muß darauß folgen / daß diese Gesellen / so solcher ungeschickter Meynung sind / ihrer Vnwissenheit bekäntlich seyn müssen. Denn Plutarchus schreibet / von einem Solens genant / und Plinius von einem Hermotino Clazomenio, und Herodotus von einem Philolosopho von Proconese einem Gotteslästerer und Atheisten / daß sie dermassen starck im Ecstasi seyn verzückt worden / daß ihre Leiber gleichsam unempfindlich tod da gelegen. Also daß des Hermotini Feind / als sie seinē Leib der gestalt in d' Onmacht da liegen fandē / brachtē sie ihn üm / unn verbranten ihn.45 Hieron. Cardanus46 von Meyland / ein fürnehmer Philosophus zu unserer Zeit / hat in seiner Genesi schriftlich hinterlassē / daß er durch eine Ecstasin ausser seinē Leib sey so oft verzückt wordē als er gewolt: dermassen daß er gar ohne leibliche[235] Empfündnis gewesen. Aber ich halte dafur / daß alle die / so mit Willen wachend diese Verzückung gedulden / Zauberer seyn. Auch bekent gedachter Cardanus selber / sein Vatter habe dreyssig Jahr einen geheimen oder familiaren Geist gehabt. Vnd gemeiniglich pflegen die Vätter so Zauberer sind / ihre Kinder also zu ahrten und anzulassen / daß sie ausser sich selbst verzuckt werden. Dahin sich denn reimet / diß / so Virgilius im sechsten Buch Æneidos von einer Hexin schreibet / Quæ se promittit solvere Mentes: die außgiebet / sie könne die Gemüter aufflösen. Denn die Warheit zu sagen / eine vegetarinische /vitalische und animatische Seel bleibet nicht destoweniger / wenn schon die Sinne / Bewegung und Verstand auffgelöst und entbunden seyn / wir haben dessen eine neulicher Historie in eines Neapolitaners Magia naturali, da er schreibt / er habe eine Probe erfahren an einer Hexin / die sich gantz nackend und bloß mit Schmeer habe geschmieret und drauff gantz ohne Empfindniß in Ohnmacht dahin sey gefallen / und als sie nach dreyen Stunden wiederumb zu sich selbst kommen / seltzame Zeitung auß vielen Landen / die doch gewiß gewesen / erzehlet habe.47 Wol wahr ist es / der Autor desselbigen Buchs / welches wol wehrt / daß man es verbrenne / zeiget Mittel und Wege an / wie mans üben und practiciren sol. Aber der Satan gebraucht es[236] nur gegen diesen / die es gerne heimlich halten wollen / oder die von wegen ihres hohen fürnehmen Geschlechts oder auß andern Vrsachen sich bey gedachten Versamlungen nicht gerne finden lassen. Es hat mir der Præsident von la Tourette erzehlet / wie er im Delphinat eine Zauberin / so verbrennet worden / gekant / die nachdem sie sich nach der Länge bey das Feur gestreckt gehabt / im Sinn also verzückt sey worden / daß doch der Leib im Hause geblieben.48 Vnd dieweil sie nichts fühlete noch empfunde / strich sie ihr Meister / jämmerlich mit Ruthen / und auff daß man erführe / ob sie tod were / stieß man ihr Feur an die Ende / so am aller zartesten sind. Jedoch konte man sie davon nicht auffwecken / deßhalben liessen ihr Meister und Frau / so nicht anders meyneten denn sie were Tod / da auff den Platz gestrecket liegen / morgens fand man sie in ihrem Bette schlaffen. Dessen ihr Meister sich verwundert / und sie gefraget / was ihr doch gewesen were? darauff sie auff ihre Sprache Ha non maistre tantm' auetz batue. Ach mein Meister wie habt ihr mich so übel geschlagen? der Meister erzehlet solche Geschicht seinen Nachbarn / die sagten ihm rund / sie were eine Hexin. Da ließ er nicht nach / biß sie die Warheit bekant daß sie damals / als sie obgehörter massen verzückt gewesen / mit mit ihrem Geiste / der Versamlung der Zauberer und Hexen beygwohnet habe. Sie bekant[237] auch viel böser Stück / die sie begangen hette / und ward deßhalben lebendig verbrennet. Jacob Sprenger inquisitor fidei oder Ketzermeister / welcher sehr viel Hexen zum Feur verurtheilet / schreibet / daß sie bekent / sie mögen beyde im Geist und auch mit dem Leibe verzückt werden wann sie wollen.49 Wir haben auch dessen ein Exempel bey unserm Gedencken zu Bourdeaux in M.D.LXXI. Jahr fürgegangen / als man die Zauberer hefftig in Franckreich verfolgete / da fand sich eine alte Zauberin zu Bourdeaux / die bekant vor den Richtern / sie würde eine jede Woche samt andern Gespielen an gewisses End verführet und vertragen: Alda sie einen grossen Bock finde / der sie GOtt verleugnen machet / und von ihnen Gelübde nimmet / ihm fortan zu dienen / und darauff küsse ein jedes den Bock an heßlichen wüsten Enden / und wenn sie alsdenn einen Tantz darauff vollbracht / so nehme ein jedes etliches Gifft-Pulver. Hierauff als M. Belot50 derer fürnembsten Gerichts-Leute einer / dessen durch die gedachte Zauberin eine Probe wolte erfahren / und aber dieselbe fürwand / sie habe keinen Gewalt / sie sey denn auß dem Gefängnüß / da hieß er sie ledigen. Alsbald rieb sie sich also gantz nackēt mit einer sondern Salbe / darauff fiel sie gleichsamb tod ohne alle Fühlniß dahin. Nach 5. Stunden / als sie wieder zu ihr selber kam und aufstund /[238] erzehlte sie frembde Händel / so an unterschiedenen Orten und Enden sich hatten verloffen; auch also warhafftig befunden worden.51 Diese Historie habe ich von einem Grafen und Or dens-Ritter / der solcher Probierung beygewohnet / und noch im Leben ist. Der Historten-Schreiber Olaus lib. 5. c. 17. meldet / diß Geist-Verzücken sey sehr gemein in den Mitnächtigen Ländern / und die Freunde desjenigen / so der gestalt verzückt wird / pflegen ihn gar wol zuverwahren / biß derselbe mit grossen Schmertzen wiederkömt / und einen Ring / oder einen Brief / oder ein Messer von dem jenigen / deßhalben sie in Sorgen stehen / und der etwan auff dreyhundert Meilen von dannen ist / zum Warzeichē mit bringet.52 Ich habe im Jahr 1549. als ich zu Nantes gewesē / gleich so fremdes Urtheil vō sieben Zauberern vernommen / welche in Beywesen vieler Leute sich außthaten / sie wolten innerhalb einer Stunde Zeitung von allen dem bringen / was auff zehen Meilen herumb geschehen: fielen demnach in einer Ohnmacht nieder / und blieben dergestalt wol drey Stunden liegen. Folgends stunden sie wieder auff / und sageten Zeitung / waß sie in der Stad Nantes, und noch weiter herümb gesehen hetten: da bey sie denn gar eigentlich der Umstände Oerter / Händel und Personen hetten wahrgenommen / und was sie also erzehlet / das[239] hat man auch alsobald warhafftig befunden. Diese deß Teuffels Kunden / nachdem sie vieler Vbelthaten verklaget und überwiesen wordē / hat man miteinander verbrent.

Man möchte vielleicht hier einwenden und sagen / die Seele werde nicht verzückt / sondern es sey alleine ein Gesicht / Gespenst und Verblendung / die der Teuffel verursachet.53 Aber der Außgang und die Wirckungen / so darauß entstehen / überzeugen das Widerspiel.

Man kan zwar die Leute wol mit Mandragora oder Alraunen und andern Narcotischen Brühlein dermassen einschläffern / daß sie recht todt schienen.54 Aber gleichwol werden etliche dergestalt eingeschlafft / daß sie nicht mehr auffzuwachen wissen: Etliche wenn sie solche Brühlein eingenommen / schlaffen bißweilen drey oder vier Tag unauffgewacht: Inmassen wir dann von der Türckey erfahren / daß man daselbst die jenigen / denen man außwerffen wil / auff solche weise einschläffet: Vnd ist diß an einem gelösten oder wieder erkaufften Gasconier auß dem Niedern Langedoc / als er daselbst ein Leibeigener gewesen / practicirt worden.55 Aber die Zauberer gebrauchen keines Trancks noch Brühlein. Zudem ist kundbar / daß die so durch Narcotische Träncklein eingeschläfft werden / gar keiner Händel eingedenck seyn. So hingegen die Zauberer und Hexen gar eigentliche Einbildungen haben von ihren Däntzen / Opffern / Anruffungen und andern Sachen /[240] die sie bey ihren Versamlungen gesehen und getrieben / auch ihre Mitgespielen und Gesellen / so der Versamlung beygewohnet / dergestalt mercken / daß wann man sie gegeneinander stellet / sie einander zuschanden machen / und deß Handels bekäntlich seyn müssen. Und durch die Vergichten der jenigen / die der Inquisitor Iacob Sprenger hat verbrennen lassen / erscheinet / daß die Hexen gestanden / sie empfinden in ihren Verzuckungen eben die Sachen / als wann sie leibhafftig weren zugegen gewesen. Und S. Augustinus erzehlet im achtzehenden Buch von der Stadt GOttes von dem Praestantio, wie seyn Vatter offt dergestalt sey verzuckt worden / und wann sein Geist wiederumb zu ihm kommen / habe er fürgeben / wie er in ein Pferd sey verwandelt gewesen / und mit andern Rossen Proviant ins Lager geführet / und getragen habe.56 Und nichts destoweniger seye sein Leib / dieselbe gantze Zeit durch / gleichsam für todt daheime in seinem Hauß gestreckt gelegen. Welches die Ursach seyn mag / warumb die Lycanthropia oder Verwandelung der Menschen in Wölffe oder andere Thiere bey allen Alten so verschreit / und in allen Orientalischen Landen so gemein gewesen / davon wollen wir jetzund bald handeln.57

Man findet zwar auch Kranckheitē58 / die den Menschen unempfindlich und gleichsam tödlich machen / als da ist der Schlag / die Popelsey /[241] die Hand GOttes / S. Veltens Plage / die hinfallende Sucht / das S. Johanns Ubel etc. Und deß findet man ein Exempel am Papst Iulio59 dem Andern / der zween Tag gelegen / daß man gemeinet / er were gestorben. Und man hält dafür / der Iohannes Scotus60 sey gantz lebendig begraben worden / wiewol er nur todt geschienen. Dann da er beym Begraben sich begunte im Sarge zu regen / und die Todtengräber solches inne worden / haben sie ihn zwar auß dem Grab wieder herauß gezogen / aber befunden / daß er im Blut gelegen / und almählig seinen Geist auffgegeben hat. Solche Kranckheiten von Ohnmachten / Schweimelungen / Hertzsperrung / Geistverlierung / Tropf / Böß-Weh / und S. Veltens Leiden / begeben sich nit an den Hexen und Zauberern. Sintemal sie zu ihrer Gattung Verzückungen bereit und disponiret sind / wann es ihnen nur gefällig. Und gedulden dasselbige deßhalben / damit sie eine Entschuldigung haben / bey den Versamlungen nit zuerscheinen / auß Furcht daß es möchte außbrechen und offenbar werden. Thun aber nicht destoweniger dem Teuffel Huldung / und haben ihre Unterredung und Gespräch jederzeit in ihren Häusern mit ihm / wann es sie nur gelüstet / wie dann diß zubeweisen stehet mit dem Freyherrn von Raitz61 / der zu Nantes als ein Zauberer ist verurtheilet und gerichtet worden / nachdem er bekant / wie er 8. Kindelein[242] umbgebracht habe / und an dem gewesen / daß er auch das Neunte umbringen wollen / und dasselbe dem Teuffel auffopffern: Welches Neunte / selbst sein leiblicher Sohn war / den er in Mutter-Leibe gesinnet war zu tödten: Auff daß er nur damit dem Teuffel wol hofierte: Dieser Freyhere sag ich / bekant darneben auch diß / so vorgedacht / nemlich daß er den Teuffel in seiner Kammer pflege anzubeten / und vor ihm jedesmal / wann er ihm in Menschlicher Gestalt erscheine / auff die Knie zu fallen / ja ihm auch Weirauch zu brennen: Welches eine Weise und Form von den abscheulichsten und verfluchtesten Opffern der Amoreer und Cananeer ist gewesen.62 Der Teuffel hat ihm wundergroß Ding verheissen / wie er ihn so hoch anbringen wolle. Aber zu letzt als er sich gefangen / und im höchsten Jammer und Elend verstrickt gesehen / da hat er alles bekant / und ist darauff vom Leben zum Todt gerichtet worden: Und der Process seiner Confiscation halben bleibet noch zur Zeit rechthängig. Ich habe auch bey offt gedachtem Bruder Sprenger gelesen / daß er eine zum Feuer habe verurtheilet / welche bekant / daß sie als eine Hebamm63 offtmals die Kinder auß ihrer Mutter-Leib habe empfangen / unn dieselbigen durch Auffhebung in die Höhe dem Teuffel præsentiret und übergeben / und nachgehendes eine grosse Nadel ihnē an einen Ort / da es kein Blut gegeben / in das Häuptlein gesteckt /[243] und also getödtet. Wann sie dann mercket / daß man sie zu Grabe trug / gieng sie hien und grub sie wiederumb auff / kocht sie darnach im Ofen / aß das Fleisch / und hub das Feiste zu sondern teuffelischen Sachen auff: Sie bekant auch / das schrecklich zu hören / sie habe auff solche Weise 40. Kindbet-Kindelein getödtet.64 Sie war sonst bürdig von Dann / nahe bey Basel. Auch gedencket er neben dieser / noch einer andern / die war von Straßburg / hat unzehlige Kindlein umbgebracht / hat auch darüber ihr Urtheil zum Todt außgestanden.

Dieser übergräulichen Abgötterey und Abgöttischen Greulichkeit / habe ich den Leser deßhalben erinnern sollen / dieweil sie mich die aller Abscheulichste bedaucht hat / von der ich je alle mein Lebetag habe hören reden / auff daß man auff diese / so die Kinder annehmē oder empfangen / genaue Achtung gebe. Belangend das Menschen-Fleisch fressen65 / ist dasselbe ohne zweiffel gewiß / und die Hexen sind stets von alten Zeiten her darauff verleckert gewesen: Also daß kaum müglich war / die todten Cörper genugsam sorgfältiglich für ihnen zu bewahren / und sie geheb genug dabey zu verschliessen / daß sie teuffeliscke Todtenfresserin nicht in die Gemach wären kommen / und die Todten biß auffs Bein benaget hatten.66 Daher wird im 67. Capitul der Salischen Gesetz verordnet / daß wo ein Zauberer oder Hexin einen todten Menschē[244] benagen / oder zerfressen / und sie dessen überwiesen und überzeuget würde / sie 200. Solidos für Straffe zahlen solle.67 Wir lesen auch in dem Philostrato Lemnio daß Apollonius Thyaneus zu Corinth / eine solche Hexin / so vom Fleisch lebete / geoffenbahret und sie auß der Stadt gejaget habe. Darumb auch Horatius für ein greulich Stück hat angeben; Neu pransæ lamiæ puerum vivum extrahat Alvo. Wann man sich besorgen muß / daß die Menschenfressigen Hexen ein Söhnlein lebendig auß Mutter-Leibe ziehen / und gleichwol solches bey den Hexen sehr gemein / sich mit solcher Speise zu nehren und zu mästen. Wir lesen auch in dem Ammiano Marcellino, wie Pollentian der Zunfftmeister sey überwiesen worden / daß er ein schwangere Frau habe auffgeschnitten / von ihrem Kindlein zuerfahren wer Käyser werden solle. Welche angezogene Oerter alle deutlich dasselbige bestätigen / was wir auch zu unserer Zeit in unsern Verurtheilungen der Hexen von Tag zu Tag müssen erfahren.

Auch bereden sich viel Hexen / daß sie der Teuffel deßhalben solche greuliche Stück zu begehen angefrischet / damit sie auff weiß und wege / wie es ihnen gefällig / entweder im Geist oder im Fleisch verzuckt werden. Ja die Sache so weit nicht zu erholen / wollen wir uns deß Rondeletii,68 eines hochverständigen und wolherühmten Medici zeugnüß / behelffen / welcher[245] zu Montpellier einen dergleichen Zauberer hat außgespehet / der stets gepfleget sich bey den Gräbern zu finden. Und denselbigen auff eine Zeu begriffen / daß er zu einer Begräbnüß sich verfüget / da man vorgehēdes Tages ein Weib begraben hat / und demselbigen Todten einen Arßbacken außgehauen / und unterdeß er es auff den Achseln hingetragen / mit Lust und gierigen Zähnen alleweil in das Fleisch gebissen / und es wacker hinweg gezwacket habe. Diese Histori hab ich von deß Rondeletii Discipeln einem / der zu solcher Außspähung mit ihm gangen war. Derselbige saget mir / wär die Kranckheit die man Lycanthropei nennet: Welche machet / daß die Menschen unsinnig werden / und meinen / sie sind zu Wölffen verwandelt / und pflegen derohalben sich mit solcher unmenschlicher Speise zu mästen. Biß hieher der Bodinus in Dæmonom. Was das entzucken belanget / so gehöret auch hieher folgende Histori. Zu Cazareb bey Tholose ist eine Zauberin gewesen / welche nachdem sie das gesegnete Brod zum Opffer getragen / und auff den Altar geleget / ist sie darauff hingangen / und in das Wasser gesprungen / sich zuersauffen.69 Als sie aber auß dem Wasser heraußgezogen worden / hat sie bekant / daß sie das gesegnete Brod vergifftet hette / darauff ward das Brod den Hunden vorgeworffen / die sind alsbald davon gestorben; Da sie nun in das Gefängnis[246] kommen / ist sie in ihren Banden und Gefängnuß länger als 6. gantzer Stunden in Ecstasi oder Entzückung deß Gemüths ohne alles fühlen und empfinden / als wann sie starren todt were / gelegen / da sie aber hernachmals wieder zu sich selber kommen und auffgestanden / hat sie gesaget / wie sie so mat und müde were / und hat gar viel Händel und Geschicht / so sich an vielen Orten zugetragē und begeben / mit vielen gewissen Indiciis und Anzeigungen mit sich bracht und verkündiget. Als aber die Zeit herbey kommen war / daß sie solte gerechtfertiget werden / und nun schon zum Todt verurtheilet war / hat sie den Teuffel angeruffen / und ihn erinnert / er hette ihr zugesaget und verheissen / er wolte einen so hefftigen grausamen Platzregen kommen lassen / daß sie kein Feuer empfinden solte. Aber sie ist nichts desto sicherer vor der Grausamkeit deß Feuers geschützt oder gesichert gewesen. Hildebrand70 schreibet also; Wiewol von dem Fahren kein Zweiffel ist: Demnach ist ein ander Fal darin die Weiber betrogen werden / dann sich offt begiebet / daß eine Hexe von ihrem Ascendenten zu fahren begehret / dieweil aber nicht Platz oder convocation zur selbigen Zeit vorhanden ist / verstopfft der Ascendent der Hexen Schläffe / hefft ihre Organa auff / senckt einen tieffen Schlaff in sie / läst ihr das Fahren nach ihrem begehren im Traum auffgehen / daß sie nit anders wehnet /[247] dann sie fahre dahien / zabbelt / schreyet und mütet / wie sie in aller Freude der Hexen sey.71 Noch mag hie niemand darwider stehen / daß die Hexen nicht mit Leib und Geschäffte durch die Lufft außsahren / dann daß GOtt verhenget und auch in der Schrifft geschehen ist. Christus ließ sich dem Teuffel / Sathan / auff den Umgang deß Tempels tragen / nicht minder schicket GOtt einen Engel / der Habacuc auß Iudea in Babylon führete.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Blockes-Berges Verrichtung. Leipzig, Frankfurt 1669.
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