Das Wort des Höchsten, eine Ode von I.J. Pyra

[124] Claudian de Consul. Manlii Theodori v. I. 7. 8.

Ipsa quidem virtus pretium sibi – – –

Attamen invitam blande vestigat et vltro

Ambit honos – – – – – –


Leser,


Es wird euch befremden, daß ihr hier eine Vorrede sehet. Ihr habt Recht dazu; und sie würde mir selbst überflüßig scheinen: wenn ich es nicht für nöthig hielte, eine Erinnerung wegen der Freiyeit zu thun, die ich mir in den Erdichtungen genommen habe. Boileau und der ältere Gryph sind hierin meine Vorgänger gewesen. Beyde haben über eintzelne Oden sich in den Vorberichten erkläret. Ich stelle ein Chor Engel vor, welches in der Höhe das Wort des Höchsten preiset, und Ihro Hochwürden den Herrn D. Langen in einem andern Kreise, der hier auf Erden Gott für seinen Beystand lobet und dancket. Hierauf erscheinet der Tempel Gottes in den Wolcken; und es wird eine Stimme gehöret, welche den Segen ausspricht. So gleich geschieht ein Donnerschlag; und ich gelange wieder in den angenehmen Ort, wo ich den grösten Theil dieses Gedichts verfertiget habe. Diejenigen werden sich irren, welche nach den altäglichen Oden ihren Spruch hierüber fällen. David und die ältern Lyrischen Poeten sind die Muster,[125] nach welchen man Gesänge beurtheilen soll. Ueberhaupt muß man beobachten, daß die Allegorie der Grund aller Erdichtungen sey. Was ein Redner an schlechten Metaphern sagt, das verwandelt der Dichter in lauter Vorstellungen. Ich irre nicht, wenn ich in ungebundner Rede schreibe, daß der Herr D. Lange Gott für seinen Beystand gedancket, und auch, daß die Engel mit in sein Lob eingestimmet, die sich um die Frommen herlagern und das Lob des ewigen Vaters ihr Werck seyn lassen. Nichts anders wird euch in meiner Erfindung vorgestellet. Wenn ich den Segensspruch aus einem Tempel erschallen lasse; so ist diß eine Nachahmung des 18. Psalms; und ein jeder wird leicht mercken, woher die Auszierung des Tempels genommen sey. Ich gestehe, es ist verwegen, die obern Geister mit in die menschlichen Handlungen einzumischen. Es scheint, daß es unter den christlichen Dichtern noch nicht ausgemacht sey, wie weit wir sie nach der Wahrscheinlichkeit mit hineinflechten dürfen. Diejenigen, so uns in den höhern Arten der Poesie Regeln vorgeschrieben, hätten dieses nach der Schrift und Vernunft fest setzen sollen. Boileau scheint mir in dem 3ten Gesange seiner Dichtkunst gantz dawider zu seyn; der unvergleichliche Criticus Bodmer aber behauptet in dem Character der deutschen Gedichte das Gegentheil. Doch wenn man Fabeln und Lügen wohl unterscheidet, welches nach meiner Einsicht Despreau nicht gethan hat; so dünckt mir, daß es nicht unrecht sey. Es verdient diese Untersuchung die Bemühung der Kunstrichter: weil hierauf das meiste in der heroischen Poesie ankomt. Solte Jemanden die Ordnung nicht anstehen, dem weiß ich nichts entgegen zu setzen, als des Boileau Vers:

»Chez elle un beau desordre est un effet de l' art.«

Wem aber die Wahl der Materien nicht gefällt, dem antworte ich mit dem grossen Haller »Ein Dichter erwählet einen gewissen Vorwurf; nicht eine volständige Abhandlung davon zu machen, sondern einige besondere Gedanken darüber anzubringen; also soll es ihm frey stehen, so weit zu gehen, als er will, und stille zu stehen, wo es ihm gefällt. Er hat sich nicht verbunden alles zu sagen; also soll man von[126] den Ausgebliebenen nicht schliessen, daß er es verachte.« Dieses ist es, was ich anmercken wollen. Es würde zurück geblieben seyn, wenn ich nicht gewust, daß es Leute gebe, die nicht nach der Vernunft und Billigkeit, sondern nach ihren Vorurtheilen und Neigungen zu richten pflegen.


So leg indes den wohlverdienten Kiel

Vor Gottes Thron, Du theurer Vater! nieder.

Die Bahn ist aus; und hier ist Kron und Ziel,

Erhole doch jetzt deine Kräfte wieder:

Und hör indeß in ehrenvoller Ruh,

Der Harmonie von meinen Säyten zu.


Mein Lautenspiel, mein Trost in Einsamkeit,

Geschworner Feind von sclavisch falschen Heucheln,

Du, das noch nie, aus Niederträchtigkeit,

Die Laster-Brut, mit wohlbezahlten Schmeicheln

Und blindem Ruhm, durch einen Reim verehrt;

Und so den Krantz der Tugenden versehrt.


Ich stimmte nur der regen Därme Chor;

So oft als ich des Davids Psalmen hörte.

Mein Geist schwung sich zu Sions Höh empor,

Wo mich der Held die hohen Lieder lehrte,

Die er gekrönt am Quell Silohens sang;

So daß sein Schall durch Solima erklang.


Bald wafnet ich den tönend holen Bauch

Mit kühner Hand durch stärckre hohe Sayten

Und spielt entzückt: wie, unter Dampf und Rauch,

Die Drachen selbst mit Engeln rasend streiten.

Der Himmel bebt, es zitterte die Welt;

Bis daß ihr Schwarm gestürtzt zur Höllen fällt.


Bald folgst du mir in jenen krummen Thal.

Die Dichtkunst lehrt auf den begrünten Höhen

Der Hügel dort der jungen Dichter Zahl,[127]

Die um sie her voll Lehr-Begierde stehen.

Da irrten wir in jenen frommen Hain,

In welchen ihr die Bäume heilig seyn.


Den tapfern Thon der Barden ahmst du nach,

Mit welchem sie das rauhe Heer erhitzet,

Daß es den Feind dem Tod zu Trotz durchbrach.

Du singst die Höh, wo das Gestirne blitzet,

Und einen Freund und dessen Rohr und Treu.

So dienst du mir; doch ohne Schmeicheley.


Auf, stimme du auch diesesmal mit ein,

Du mein Gefährt! ich will von Langen singen.

Die Misgunst selbst soll unser Richter seyn.

Das reine Lob wird sie zum Beyfall zwingen.

Und wenn sie gleich auch mich zu tadeln weiß:

So giebt sie ihm doch den verdienten Preiß.


Und Er ihn Dir, du Herr der Ewigkeit.

So fall auch ich vor deinen Altar nieder;

Und preise dich gerührt aus Danckbarkeit!

O! heilige, du Geist des Herrn! die Lieder,

Du dessen Macht und Gottheit alles füllt,

Von dem allein die wahre Andacht quillt.


Entdecke mir, was Sein Verstand gethan,

Wie Ihm das Werck durch deine Kraft gelungen.

Du führtest Ihn, daß Er auf deiner Bahn

Ins Heiligthum der Wahrheit eingedrungen.

Mit dir hat er den Anfang nur gemacht,

Mit dir hat er es auch zum Schluß gebracht.


Es führte nie der Morgenröthe Hand

Den Tag so früh aus ihrer Rosenpforte

Und röthete die Berge, Thürm und Land;

Du fandest Ihn doch schon bey deinem Worte,

Er wachte noch, wenn gleich die Finsterniß

Den Sterblichen das späte Licht entriß.
[128]

Der kurtzen Ruh gebraucht Er dazu nur,

Daß Er dadurch zur Arbeit muntrer würde.

Wir schauen zwar des Alters graue Spur;

Doch sinckt die Kraft nicht von der heilgen Bürde.

Wir alle sehn die fromm und grosse Müh;

Doch wer erstaunt, wie viel bewundern sie?


Und so ist Er der schnellen Sonnen gleich,

Die Glantz und Licht, mit dem beflammten Wagen,

Auf ihrer Bahn pflegt durch das blaue Reich

Der höhern Luft um unsern Ball zu tragen:

Sie leuchtet stets; doch fehlt ihrs nie am Schein.

Sie wird zwar alt; doch niemals schwach und klein.


Sie schenckt der Erd ihr fruchtbar reiches Licht,

Vollbringet stets die ungemeßnen Reisen;

Indem das Volck der Welt sein Werck verricht.

Ein jeder siehts und keiner will es preisen;

Allein sie ruht doch nicht von ihrem Lauf,

Und hört darum doch nicht zu scheinen auf.


Was fühle ich? Was kocht? Was rollt mein Blut?

O was durchfeurt die sterblich matten Sinnen,

Wohin reißt mich die göttlich hohe Glut?

Wo hört man mich der Wahrheit Lob beginnen?

Was spüre ich vor einen starcken Geist?

Der aus der Brust die eitlen Triebe reißt.


Wohin? Wohin? durch welchen Thal und Wald?

O welche Höh! zu der mein Flug sich schwinget,

Was ists? das mir von fern entgegen schallt,

So bin ichs nicht? der hier alleine singet.

O welch ein Glantz? Ich seh der Geister Chor,

Sie fliegen her. Ihr Lied entzückt mein Ohr.


Ich singe mit, ihr Kräfte jenes Lichts!

»Ihr Himmel laßt des Vaters Lob erschallen,

Sein göttlich Wort bewegt, erschüttert Nichts;

Und sollte gleich der Bau der Welt zerfallen;[129]

Und stürtzten gleich die grausen Stück herab;

Und würde gleich ihr wüster Schutt ihr Grab.«


Die Stimmen ruhn und ein Gewölck von Duft

Fängt an den Berg durchbalsamt zu umgeben.

Was höre ich? was will sich durch die Luft

Vor ein Getön dort von der Erd erheben?

Seh ich nicht dort ein himmlisch singend Chor?

Und Lange singt im Mittel kniend vor.


»Du dessen Wort die leere wüste Last

Gehorsam war; das auch die Welt hieß werden,

Der du das Licht hervor gerufen hast,

Dein ewig Wort durchschallt den Kreiß der Erden,

So weit den Rand von der bewohnten Welt

Der goldne Glantz des grossen Lichts erhellt.«


Nun bücket sich und schweigt der fromme Mann;

Doch David rührt mit heilger Kunst die Sayten;

Und fängt alhier die Gegenantwort an:

»Gott redet, hört! ihr unbegräntzten Weiten

Der Ewigkeit, sein Wort dröhnt aus der Nacht

Um seinen Thron mit göttlich starcker Macht.


Der Blitz trägt es durch die erschrockne Welt

Im Donner fort auf reissend glühnden Flügel.

Erschüttert, was sie in den Armen hält,

Zerschmettert selbst des ewgen Abgrunds Riegel.

Es sieht das Volck in tiefer Nacht den Strahl,

Es sieht und bebt im schwartzen Sitz der Qual.


Der Vater spricht. Gleich wird die Welt erfreut.

Es schweigt vor ihm das donnernde Getümmel,

Der Geister Heer preist ihn voll Seligkeit.

Es preisen ihn die hohen Stern und Himmel,

Daß Ruhm und Lob die weite Luft durchschallt,

In deren Kreis der Welten Hauffen wallt.«


Noch thönt der Schluß: und Lange fällt jtzt ein,

Und preiset dich, der von den Donner Höhen[130]

Des Sinai, bey zornger Blitze Schein

An sein Geschlecht ließ den Befehl ergehen.

Da hielt dein Knecht die Tafeln in der Hand,

Du lehrtest ihn, indem er vor dir stand.


»Propheten sahn das selige Geschick,

Du zogest selbst des finstern Vorhangs Tücher

Von jenem Sitz der späten Zeit zurück,

Du schlossest selbst auch die geheimen Bücher

Der ewigen Fürsehung ihnen auf,

Drauf hört das Volck der fernsten Dinge Lauf.«


Nun regte sich der lehrend wahre Mund.

»Dein Sohn, den du zum Heil der Welt erwählet,

Volbrachte es und that es selber kund.

Sein Geist hat es den Dienern vorgezählet,

Der aus der Brust die eitlen Sinnen stieß,

Und seiner Macht die Menschheit weichen hieß.


O Herr! dein Wort stürtzt zu der Höllen Kluft.

O Herr! dein Wort hebt wieder zu den Sternen.

O preiset ihn, ihr Menschen, Erd und Luft.

O fleht ihn an! es niemals zu entfernen.

Du zeigtest mir auch deinen wahren Sinn,

So nimm den Danck, mich, Kiel und Bücher hin.«


Nunmehr vereint der Thon der Chöre sich,

Die gantze Luft erregt ein Lustgetöne,

Es schüttert selbst der höchsten Wolcken Strich:

»Bringt her dem Herrn, bringt her ihr starcken Söhne

Der Mächtigen, bringt in das Heiligthum

Im reinen Schmuck dem Herrn Preiß, Ehr und Ruhm.«


Sein göttlich Wort, das starcke Cedern fällt,

Saust auf der Fluth; und bleibt der Erden Wonne.

Gott redet selbst vom Himmel zu der Welt,

Vom Aufgang an biß an das Ziel der Sonne.

Er sitzt und ruft von seinem Wolcken Thron

Dem blassen Volck mit allmachtsvollem Thon.
[131]

Es blitzet schnell! werft euren Blick hinauf.

Ich sehe sich die blauen Wolcken theilen.

Auf einmal steigt der heilge Tempel auf.

Ein blinckendes Gewölck deckt halb die Säulen;

Und jede gläntzt gleich einem Edelstein

Wie, Gottes Stadt! dort deine Mauren seyn.


Mit Strahlen ist der ewge Bau umringt,

In welchem sich das Chor der Seraphinen

Mit gläntzenden bewegten Flügeln schwingt,

Die singend stets vor seinem Throne dienen.

Seht, wie das Thor sich in den Angeln dreht,

Woraus ein Strahl auf Langens Scheitel geht.


Was blendet mich vor ein gewaltig Licht!

Wie wird mir, ach! es sincken meine Glieder,

Ein jeder fällt voll Furcht auf sein Gesicht.

O hört! es schallt aus jenem Tempel nieder:

»Heil sey mit Dir, Du dientest wohl und recht:

Dein Lohn ist groß, du frommer treuer Knecht.«


Ein Donnerschlag erschüttert dieses Rund!

Gerechter Gott! was ist dein strenger Wille?

Was droht dein Arm der Erden faulem Grund?

Allein woher entsteht die grosse Stille?

Wie, seh ich recht? was ich bisher erblickt

Wird dort im fliehenden Gewölck entrückt.


Jetzt führet mich schnell, mit gesencktem Schuß

In jenes Thal mein sinckendes Gefieder.

Nun! nun setzt schon mein schwebend leichter Fuß

Den müden Tritt in jene Schatten nieder.

Ich grüße dich, mein stiller Aufenthalt,

Dich grünen Sitz, dich neu belebten Wald.


Du heller Brun! bey dir will ich jetzt ruhn,

Und deinen Rand mit bunten Kräntzen krönen,

Hier setze dich; und laß o Dichtkunst nur

Durch diesen Hain dein göttlich Spiel ertönen.[132]

Da um uns her die Heerde blöckt und springt,

Und in der Luft das Chor der Lerchen singt.


Ergötze du hier meinen matten Sinn,

Der dort so sehr ist angestrenget worden,

Als ich so hoch entzückt gewesen bin.

Der lichten Spur von jenem heilgen Orden

Dort nachzugehn, ist sehr gefährlich zwar,

Doch ist es auch die herrlichste Gefahr.


Wen rühmest du? von wem ertönt die Luft?

Was vor ein Held? und wessen grossen Namen

Lernt Echo selbst in schallend holer Kluft,

Und jenem Busch so vielfach nachzuahmen.

Ihr Fürsten ruht in stoltzem Marmorstein:

Laß Langen jetzt des Liedes Inhalt seyn.


Nicht bloß ein Held, der Stadt und Land verheert,

Und tapfer raast; noch blutbespritzte Waffen,

Und Kampf und Roß sind deiner Lorbern werth.

Nein, die der Welt gelehrten Vortheil schaffen.

Ein Haupt, so stets bey nutzbarn Wercken schnitzt,

Das stelle hin, wo Mond und Sonne sitzt.


Was ziehet sich jetzt vor ein Nebel gleich

Von jenem Grund der fast verjahrten Zeiten?

Empört der Krieg der Wissenschaften Reich?

Beginnet selbst ihr kluges Volck zu streiten?

So schwinget denn der Zwietracht wilde Hand

Die Fackeln auch um dieses stille Land?


O welch ein Kampf! in jener Wahlstat dort,

In welcher doch Eusebie regieret.

Nun zieht der Streit in jene Felder fort,

Worin den Stab die Weisheit selber führet.

Ich kenne dich, du Rüstiger im Streit,

Der voller Muth auch nicht die stärcksten scheut.


Erhebe du nebst mir im höhern Thon

O Poesie! die Namen dieser Helden;[133]

Allein sie stürmt auf ihren Sayten schon,

Indem ich will die grossen Thaten melden,

Und ruft mir zu: vertraue deinen Kahn

Und Segel nicht dem stürmschen Ocean.


Doch seht den Held dort von dem Kampfplatz ziehn,

Die Wahrheit selbst führt Ihn auf ihren Wagen.

Der stille Sieg fliegt sicher über Ihn.

Ich sehe ihn errungne Zweige tragen.

Sein Fuß hebt Ihn zum Tempel jetzt hinauf,

Hier henget er die Waffen danckend auf.


Gott schencke dir in stiller Ruh den Lohn;

Doch wie? du übst ja die gelehrte Stärcke

Im Alter selbst aufs neue wieder schon.

Was sehe ich vor grosse Bibel Wercke?

Du zündest uns die hellste Fackel an

Und trägest sie den heilgen Weg voran.


Hier zeigt dein Arm, wo man leicht irrt und fällt,

Dein Fuß durchdringt die ungeheuren Küsten

Der glümigten noch ungebohrnen Welt,

Das Innerste von Chaos Reich und Wissen.

Du scheust den Kampf der Elementen nicht,

Die Gottes Wort mit schnellster Allmacht schlicht.


Gott spricht. Das Licht erhellt die dicke Luft,

Ein lebhaft Feur zieht weiter, und entdecket

Die Heimlichkeit der ungemeßnen Kluft,

So bald die Glut den Todten Zeug erwecket,

Sieht man den Stof zum Mittelpuncte gehn,

Und bald darauf viel neue Welten stehn.


So siehet sonst ein Wanderer vor ihn

In Lybien, durch die Gewalt der Winde,

Das fliegende Revier den Boden fliehn,

Zukünftige Gebürg und ihre Gründe

Durch finstere verdickte Lüfte wehn,

Und brausend sich in grausen Wirbeln drehn.
[134]

Auf einmal stürtzt die Welt voll Staub herab;

Darauf heben sich hoch aufgethürmte Höhen;

Und werden oft der Wandrer sandigs Grab.

Die Luft wird hell, nun kan er wieder sehen.

Er sieht erstaunt jetzt ein gantz neues Land

Und was er sieht, scheint ihm nur unbekannt.


Jetzt zeigst Du uns der Himmelskörper Licht

Und Erd und Meer und Berg und Wald und Felder,

Du lehrest uns Gebrauch und Danck und Pflicht,

Und Gottes Lob schallt durch die neuen Wälder.

Jetzt folgest Du den Vätern hin und her,

Und dir, o Volck des Herrn! durchs rothe Meer.


Nunmehr ziehst du mit fromm und weiser Hand

Die Decke selbst dem Moses vom Gesichte.

Du zeigst uns den, den schon sein Geist erkant

Und vorgesagt, in göttlich klarem Lichte.

Dein reiner Witz entdeckt der Bilder Sinn;

Doch wirfst Du auch die leeren Schalen hin.


Jetzt räumest Du, nicht mit geringerm Ruhm,

Des Spencers Wust, des Nils verlegne Sachen,

Mit starcker Faust aus Gottes Heiligthum.

Die Säulen, die er wolte wanckend machen,

Erhält dein Arm, der den gelehrten Trug

Womit er stritt, so glücklich niederschlug.


Ein hoher Held erscheinet dort von fern,

Er trägt ein Schwerdt, und Josua fällt nieder.

Ist dieser nicht der Fürst des Heers des Herrn?

Ja! dieser Held erlöst die Völcker wieder.

Er giebt Befehl. Jetzt hebt er sich hinauf,

Und Josua beut Gottes Lager auf.


Das Heer zieht aus, und läst die Zelte stehn.

Man sieht des Zugs unübersehnen Bogen

Um Jericho in stillem Pompe gehn.

Der Zirkel hat sich um die Stadt gezogen.[135]

Der Heyden Volck, das auf den Mauren wacht,

Sieht gantz erstaunt der Reihen lange Pracht.


Hört! jetzo dröhnt der Haupt Posaunen Schall.

Das Kriegsgeschrey des Heeres schlägt den Himmel.

Seht Thurm und Maur wanckt, stürtzt mit grausem Fall

Durch Gottes Macht mit donnerndem Getümmel.

Die Mauer rollt zerschmettert auf den Grund.

O Jericho! dein Schutz liegt, wo er stund.


Nun stürmt das Heer zu allen Seiten ein.

Das blutge Schwerdt raast schon auf allen Gassen

Und überall herrscht Morden, Rach und Pein.

Nunmehr begint die Glut die Stadt zu fassen.

In heisser Luft tobt die erzürnte Glut,

Und Jericho raucht unter Asch und Blut.


Wer machet mir die Deutung doch bekant?

Ja Lange Du wirst mir den Schlüssel geben,

Den dort Johann an Patmos Ufern fand.

Ich sehe schon den grossen Engel schweben.

Er fliegt daher bey der Posaunen Thon.

Es schallt! Sie fällt die grosse Babylon.


Wo ist mein Held? Seht dort den harten Streit,

In dem sein Arm mit Blitz geschwinden Streichen

Der Feinde Schwarm erleget und zerstreut,

Nun jaget er durch Waffen, Blut und Leichen

Den flüchtgen Trup, durch den sein Eisen brach.

Der schnelle Sieg eilt ihm mit Keuchen nach.


Hör auf o Held! es sinckt der Sonnen Lauf.

Allein umsonst! Er ist zu starck erhitzet:

Sein mächtig Wort hält selbst die Sonne auf.

Die Welt erstaunt, die da erschrocken sitzet.

Und siehet wohl, daß sie ein Gott bezwingt,

Die Zügel hält, und sie zum warten dringt.
[136]

Wie? zog der Fürst des Tages sein Gespan

Wohl dort zurück, dem Lauf des Pols entgegen?

Wie? oder hielt der Erdball vor ihm an?

Du Lange weißt den Streit gelehrt zu legen.

Es hat Dein Arm im Mittel unsrer Welt

Den hohen Thron der Sonnen fest gestellt.


Schaut Gideon! den man als Fürst und Held

Und Priester sieht bey dem Altare stehen.

Durch ihn ist uns ein Vorbild dargestellt,

An welchem wir das Mitleramt ersehen.

Des Jephtha Kind führst du vom Opferstein

Und schliessest sie zu steter Keuschheit ein.


Wie komt dort nicht in gräulich wilder Tracht

Ein Zauberweib Thessaliens gegangen?

Das ihre Gründ einst fürchterlich gemacht.

So sah sie aus, wenn scheußlich grüne Schlangen

Ihr Haar geschnürt; wenn sie mit Knochen spielt,

Und in dem Wust der faulen Leichen wühlt.


Um ihren Kopf fliegt das zerstreute Haar,

O was macht sie vor gräßliche Geberden?

Sie murmelt, hört! O sie beschweret gar.

Ein kaltes Hertz soll wohl entflammet werden.

Vielleicht wird jetzt bey hellem Sonnenschein

Ein falscher Blitz und Donner schrecklich seyn.


Soll ihre Faust den Mond selbst aus der Luft

Zur Erd herab von seinem Wagen neigen?

Wie schaut sie schon der Höllen ofne Kluft

Und mit Geheul beschworne Geister steigen,

Ein heilig Grab zerreißt vielleicht ihr Arm,

Wird faulend Blut in morschen Körpern warm.


Es starrt ihr Haar, sie schäumt, sie raast, sie heult,

Ihr grasser Thon schallt durch der Erden Klüfte,

Sie sieht vor sich den bangen Grund zertheilt;

Und Samuel steigt durch die schwartzen Grüfte.[137]

Sie reist ihn dir aus deiner Macht, o Tod,

Seht, er erscheint, als wenn er Unglück droht.


Hört aus der Gruft ein dumpfiges Gebrüll.

O Saul, du hörst dein traurigs Schicksal schallen.

Der Geist verschwindt. Wie bald wird alles still?

Ja selbst mein Muth erwacht, der mir entfallen:

Denn, Lange, Du entdeckst die Zauberlist

Und machst, daß sie uns nicht mehr schreckbar ist.


Saul flieht und fällt; und der Philister siegt.

Sein eignes Schwert muß rächend ihn ermorden.

Inzwischen ist, da er im Blute liegt,

Ein beßrer Fürst zum Thron erhoben worden.

Auch der wird stoltz. Er zählet; und so gleich

Vermindert er durch zählen Volck und Reich.


Gott siehts und straft zur Besserung mit Macht.

Der Geist, der dort am fruchtbarn Nil geschlagen,

Fliegt von der Höh erschrecklich, wie die Nacht.

Ein giftiges Gewölcke muß ihn tragen;

Und faule Luft durchstreicht vor ihm das Land,

Ein feurig Schwerdt schwingt die erzürnte Hand.


Worüber nur sein Schreck-Gefieder saußt,

Folgt ihm der Tod nebst der ergrimmten Seuche.

Das arme Volck fühlt, wie die Strafe haußt,

Wie tödlich Gift in seinen Adern schleiche,

Der Ackersmann sinckt ausgequält aufs Feld,

Wie sein Gespan, da er das Land bestelt.


Dem Krieger hilft jetzt weder Muth noch Wehr.

Die schnelle Pest ereilt die schnellsten Boten.

Du, Lange, führst uns durch die Leichen her,

Du zählest selbst die eitervollen Todten.

Indem ein Theil sich wältzt, theils quälend streckt;

Und Pest und Tod das weite Land bedeckt.


Ich zittre noch für Eckel, Pest und Grauß;

Doch breitet dort nicht eine neue Bühne,[138]

Die prächtigen erhabnen Scenen aus?

Ists Solima, das dort vor mir erschiene?

Ja, ja sie ists; doch in weit grösserm Flor.

Stat Hütten stelt sich Schloß und Tempel vor.


Ach lernte jetzt mein lyrisch Rohr von Dir

Und deinem Kiel, o Lange! glücklich schildern;

So zeigte ich den Wunderbau alhier

Der neuern Welt in prächtig gleichen Bildern.

Doch wer Dich ließt, sieht fast, was Du beschreibst;

Indem du es zur grösten Klarheit treibst.


Du leitest uns durch jeden Vorhof hin,

Du zeigest uns, was hier und da geschehen.

Mir dünckt, daß ich selbst gegenwärtig bin,

Und Kunst und Pracht bewundernd kan besehen.

Drauf lehrst Du uns, wie diese Schilderey

Dem Christenthum und Christo ähnlich sey.


Hier sehe ich mit Kron, Helm, Stab und Schwerdt

Der Fürsten Reich den Schauplatz nun bestreiten,

Doch da dein Kiel der Thaten Meng erklärt,

Muß ich indeß bloß mit den Namen streiten;

Weil dieser sich dem Reime wiedersetzt

Und jener Vers und Thon zu hart verletzt.


Wer singet hier? gepriesener Homer!

Bist du es? Nein! ein göttlicher Prophete

Erfüllt, entzückt das menschliche Gehör,

Durch die Gewalt der heiligen Trompete,

Sein prächtiger, sein rührend starcker Thon

Verdient den Krantz vor Dir, o Maons Sohn!


Ich seh durch ihn im Himmel vor dem Herrn

Den Satan selbst mit Gottes Söhnen kommen.

Auf Erden wird in ungemeßner Fern,

Des Höchsten Wort, des Teuffels List vernommen.

Des Vaters Mund preist einen frommen Mann;

Und Satan schwärtzt die weisse Tugend an.
[139]

Der Höllen Fürst fährt von dem Himmel her,

Empört und reitzt die räubrischen Chaldäer,

Die flüchtigen unstäten Araber,

Die specereybereicherten Sabäer

Auf diesen Held und seines Hornviehs Zahl.

Ihr wilder Schwarm beraubt ihn auf einmal.


Nun schleudert er mit der verfluchten Hand

Ein fressend Feur auf seine fetten Heerden.

Der Sturm durchbricht der Riegel Widerstand,

Stürzt sein Geschlecht und Hauß vermengt zur Erden.

Jetzt stürmen bloß auf diesen Held allein

Die keichenden betrübten Boten ein.


Erstaunt! da steht der Held gantz unbewegt:

So wie ein Fels, wenn mit vergebnen Toben

Sturm, Guß und Fluth den starcken Rücken schlägt.

Doch nicht genug! Er trotzt noch härtern Proben.

Sein Höllenfeind setzt der gelaßnen Ruh

Durch Seuchen, Weib und Feinde fruchtloß zu.


Wo bleiben hier, du blinder Dichter! nun

Geduld und Lob des irrenden Ulyssen?

Der fromme Held des Maro mag nur ruhn:

Sie sind zu klein von eurer Hand gerissen:

Weil einer weint, der andre öfters trügt.

Sein wahrer Glantz hat ihren Schein besiegt.


O Poesie, du seyst auch, wer du seyst,

Die du diß Werk dem Dichter eingegeben,

Wenn mich mein Trieb einst Helden singen heißt,

Laß deine Kraft auch meinen Sinn erheben.

Gib, daß mein Held stets diesem Helden gleicht;

Und mein Gesang auch den Gesang erreicht.


Begeistre mich, damit mein Heldenlied

Voll Gottesfurcht und Tugendlehren blitze.

Du weißt es wohl; ich lebe stets bemüht,

Daß einst mein Rohr der Welt ergötzend nütze[140]

Doch hör ich nicht, daß Lange widerspricht.

Ja er beweißt; und diß ist kein Gedicht.


Indessen sol o Geist! durch deine Kraft,

Doch mein Gedicht stets der Geschichte gleichen.

Und wenn mein Geist gleich neue Bilder schaft,

So laß ihn doch nie von der Tugend weichen.

Ein Dichter weiht der Lügen nie sein Rohr,

Die Wahrheit stralt aus seiner Fabel vor.


Ihr, die ihr nur Homers Gelahrtheit preist,

In ihm allein das gantze Wissen findet:

Kommt her und seht, was unsers Langens Geist

In Hiobs Buch vor Weisheits Schätz ergründet,

Er lehrt aus ihm die Sitten der Natur;

Und zeigt in ihm der wahren Lehre Spur.


Ich höre jetzt! ich hör Isais Sohn!

Mein Ohr erkennt des bessern Pindars Sayten,

Sein Psalm hebt sich mit einem höhern Thon

Und kühnerm Flug ins Reich der Ewigkeiten.

Sein Herr und Sohn muß stets der Inhalt seyn:

Jetzt hör ich ihn begeistert prophezeyn.


Mir dünckt, ich seh in frommer Sänger Schaar,

In Assaphs und in Elams, Ethans Mitte

Den David dort am räuchenden Altar;

Und ihr Gesang schallt aus der heilgen Hütte.

Da Lange nun ihr hohes Lied erhellt,

Wird überall der Heiland dargestellt.


Ihr Menschen schaut ein neues Wunder dort,

Ein König selbst will euer Lehrer werden,

Es führet mich sein prächtig hohes Wort

Weit aus der Luft der scheinerfülten Erden.

Mein Geist, der nun des Körpers Last verschmäht

Schwebt höher noch, als das Gestirn sich dreht.


Mein prüfend Licht kan von den hellen Höhn

Durch allen Dunst der tiefen Heimlichkeiten[141]

Der Eitelkeit mit freyen Blicken gehn.

Wie klein dünckt mir die gantze Welt von weiten;

Die Erd; ihr Volck und aller Güter Pracht

Verschwindet nun; und wird von mir verlacht.


Jetzt reisset mich ein kühner Oden Schwung!

Welch plötzliches jesseisches Entzücken

Vermag so schnell in freyer Unordnung

Mich von der Höh in Thal und Wald zu rücken?

Dort stellt sich mir ein Feldtheater vor,

Hier singt und spielt der Schäferinnen Chor.


Ich höre schon die braune Sulamith

Und ihren Freund und ihr verliebtes Klagen,

Sie eilt ihm nach, indem er vor ihr flieht.

Sie seufzt, daß sie die Liebe wund geschlagen.

Doch ihre Lieb ist nicht von dieser Welt,

Ein höher Feur wird uns hier aufgestellt.


O Amarill! O Thirsis! weichet nur

Mit eurer Brunst beschämt in dicke Wälder,

Poeten! folgt des weisen Dichters Spur,

Besuchet hier die sonnenreichen Felder

Und das Gebüsch, wo man die Sulamith

Und ihren Freund in Rosen weiden sieht.


Allein indem die Poesie verweilt,

Sich in dem Thal und Garten zu ergehen;

So bist du schon, o Lange, fortgeeilt,

Ich seh um dich die heilgen Seher stehen.

Sie reichen selbst Dir, den sie längst gekannt,

Wie der Prophet von Patmos, Licht und Hand.


Ja! es zergeht die blinde Finsterniß;

Indem durch Dich die Fackel angeglommen.

Mir dünckt, ich seh die Völcker schon gewiß

Aus der Gewalt des Aberglaubens kommen.

O sehet doch! die mehr als güldne Zeit

Steht schon zum Lauf in ihrem Kreis bereit.
[142]

Was schaue ich vor eine weite Bahn

In meiner Fahrt noch vor mir zu vollbringen?

Du kontest zwar durch diesen Ocean

Biß in den Port mit vollen Segeln dringen:

Allein die Od, o Lange, ist zu schwach,

Sie bebt und läßt auf halbem Wege nach.


So wie ein Mensch, der auf die blaue Höh,

Zu kühn sich wagt; nur Wasser Luft und Himmel

Rings um sich sieht; die ungemeßne See

Schreckt ihn benebst dem brausenden Getümmel;

Und auf einmal sinckt Ruder, Muth und Hand:

Drauf spühlt die Fluth den leichten Kahn ans Land.


Die Ode hebt zwar ihren Flug,

Verwegen schnell bis zu des Himmels Zinnen;

Allein sie ist doch noch nicht starck genug,

Solch eine That und Reise zu beginnen.

Der Wunder sind, o Heiland! ihr zu viel.

Die Lehren sind zu wichtig für ihr Spiel.


Sie ruht und legt die schlaffe Sayten hin.

Ihr! höret nun, wie Lange selbst bewähret,

Daß Gottes Geist nach aller Schriften Sinn

Nur einen Geist, der Sünde flieht, verkläret.

Daß unser Thun nie die Gleichgültigkeit

Von dem Gesetz und seinem Zorn befreyt.


Ihr stutzt und fragt, kan eines Menschen Macht

Der Schriften Zahl zu solcher Höhe treiben?

Wer lange viel gelesen und gedacht,

Kan viel, und wohl in kurtzer Zeit auch schreiben.

Wird er jetzt ruhn? Nein, Lange schätzet ruhn

Der Trägheit gleich; weil Er kan gutes thun.


Er rüstet sich schon wieder in das Feld.

Ein Geist vom Herrn bringt Ihm des Glauben Waffen.

Gott stärcket Ihn, durch Ihn in dieser Welt,

Dem grossen Sohn sein heilig Recht zu schaffen.[143]

Ich seh, wie Er voll frommen Eifer glüht,

Er macht sich auf, ihr Feinde! eilt und flieht.


Glück zu! auf streit für Christus Ehr und Preiß.

Ich sehe schon! ich seh die Ehrenbogen;

Und wenn Du nun voll wohlanständgen Schweiß

Vor Deinem Herrn, dem Sieger, hergezogen;

So will auch ich so dann am Wagen seyn,

Und oft, Triumph, mit froher Zunge schreyn.


Schweigt! Neider schweigt, wem Wilhelm Beyfall giebt

Den bin ich noch zu wenig zu erheben.

Was brauchst Du mehr, da Dich Dein König liebt

Als von dem Herrn ein kraftvoll langes Leben.

Dis wünschen wir von Ihm für Dich sehr oft.

Das übrige wird nur von Dir verhoft.


Mich, der auf Dich nebst tausenden gemerckt,

Mich, soll auch nichts von Deinem Pfade führen.

Wo sich der Geist in höhern Lehren stärckt,

Wo Wahrheit uns durch Dich pflegt zu regieren;

Da findet man bey ihrem Himmelsschein

Durch Dich den Quell der Gottsgelahrtheit rein.


Doch wenn mir Zeit und Glück noch Musse gönnt;

So will ich sie, Dir, fromme Dichtkunst, weihen.

Dir, gegen die mein Hertz ohn Absicht brennt;

Darf ich mich nicht umsonst der Gunst erfreuen,

Mit der Du mir des Tempels Höh gezeigt,

Zu welcher nie des Bavens Anhang steigt.


Dann führe mich, von Deiner Glut entbrannt,

Mit Dir vertraut in die geheimen Grotten

Und lehre mich, was unsers Kaysers Hand

Und Wilhelm that, das Unkraut auszurotten

Das Satans List von Wertheim ausgestreut.

Erzähle mir auch Langens Tapferkeit.


Entdecke mir die Kunst, wodurch Virgil

Mit wechselnden und nachdrucksvollen Thönen[144]

Den Vers beseelt, der dort gantz Rom gefiel;

Und solte mich der Pöbel gleich verhönen.

Dem leeren Reim und unsrer Verse Zahl,

Die lebloß fließt, entsag ich noch einmal.


Drum laß du mich, nur Dir allein getreu,

Den blöden Schwarm gemeiner Reimer meiden;

So kan mich einst der grossen Dichter Reih,

Dein kühler Wald und Tempel unterscheiden;

So henge ich, nach einen längern Lauf,

Zuletzt mein Spiel dem Herrn zu Ehren auf.

Quelle:
Freundschaftliche Lieder von I. J. Pyra und S. G. Lange, Heilbronn 1885, S. 124-145.
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