[218] Mel.: Hilff, Herr Jesu, laß gelingen u.s.w.
1.
Alles ist zur Endschafft kommen,
Alles ist schon vollenbracht,
Sünd und Schuld sind weg genommen;
Nun kan auch deß Satans Macht
Gottes Kinder nicht mehr kränken
Noch in seinen Pfuhl versenken.
2.
Alles hab' Ich wol verrichtet,
(So spricht Jesus, Gottes Sohn,)
Höll' und Tod sind gahr vernichtet.
Schaut, die Thür zum Gnadentrohn'
Ist nun Gottes Haußgenossen
Frölich wiedrum auffgeschlossen!
3.
Alles, was der Mensch begangen,
Hab' Ich gäntzlich abgethan,
Ja das Haubt der alten Schlangen
In der bittern Leidens-Bahn
So zerknirschet, daß ihr Toben
In die Tieff' ist nun verschoben.
4.
Endlich ist die Hülffe kommen,
Welch' erwiesen mit der That,
Was die gantze Schaar der Frommen
Tausendmahl gewünschet hat,
Hülff' auß Zion, die vom Bösen
Kont' Israels Volk erlösen.
5.
Frölich kan mein Hertz itz preisen
Unsern Gott, der solche Treü
Hat gewolt der Welt erweisen.
Ach! Sein' Hülff ist täglich neü.
Niemand darff hinfohrt verzagen,
Christus hat den Zorn getragen.
6.
Liebster Jesu, sei gegrüsset,
Sei gegrüsset tausendmahl;
Hast Du willig doch gebüsset
Für die Sünd' ohn' End' und Zahl
Und so wol für Bös' als Frommen
Gottes Grimm auff Dich genommen.
7.
Jesu, Du hast außgezogen
Fürstenthümer und Gewalt,
Welche durch die Wolken flogen,
Ja die Welt bezwungen bald.
Aber in den Leidens Stunden
Sind Sie Siegreich überwunden.
8.
Jesu, solten wir nicht danken
Deiner Güht' und grossen Macht,
Welche dieses sonder wanken
Kräfftiglich hat vollenbracht?
Sintemahl wir nunmehr wissen,
Daß wir sind von Gott entrissen.
9.
Frölich bin Ich itz von Hertzen,
Nachdemahl Ich sicher weiß,
Daß durch deine Todes Schmertzen
Ich dein liebster Bruder heiss',
Auch Vergebung aller Sünden
Schnel in deinem Bluht kan finden.
[218]
10.
Christus hat den Tod verschlungen,
Ja verschlungen in den Sieg.
Ist der Würger nun bezwungen,
Ey so kan hinfohrt sein Krieg
Lauter nichts an Mir gewinnen.
Trolle Dich, O Tod, von hinnen.
11.
Das Gesetz mag immer wühten,
Wider Mich besteht es nicht.
Christus Tod kan Mich behühten,
Wenn der Fluch mich stark ansicht.
Das Gesetz' ist längst erfüllet
Und zugleich der Zorn gestillet!
12.
Sperre grimmig auff den Rachen,
Du verfluchter Höllenschlund,
Nunmehr kan Ich deiner lachen;
Jesus hat biß auff den Grund
Deinen Schwefelpfuhl zerstöret
Und den Himmel Mir verehret.
13.
Satan, magst Du Mir noch dreüen?
Ist doch alles vollenbracht!
Nimmermehr werd' Ich Mich scheüen,
Stoltzer Geist, für deiner Macht.
Jesus, der Dich hat bekrieget,
Hat auch tapfer Dich besieget.
14.
Jesu, Dir sey Lob gesungen,
Daß Du Teüffel, Höll' und Tod
Hast durch deinen Tod bezwungen.
Lass', Herr, in der letsten Noht,
Wenn der Tod Mich will erstikken,
Mich Dein »Vollenbracht« erquikken.
Buchempfehlung
Die keusche Olympia wendet sich ab von dem allzu ungestümen jungen Spanier Cardenio, der wiederum tröstet sich mit der leichter zu habenden Celinde, nachdem er ihren Liebhaber aus dem Wege räumt. Doch erträgt er nicht, dass Olympia auf Lysanders Werben eingeht und beschließt, sich an ihm zu rächen. Verhängnisvoll und leidenschaftlich kommt alles ganz anders. Ungewöhnlich für die Zeit läßt Gryphius Figuren niederen Standes auftreten und bedient sich einer eher volkstümlichen Sprache. »Cardenio und Celinde« sind in diesem Sinne Vorläufer des »bürgerlichen Trauerspiels«.
68 Seiten, 4.80 Euro
Buchempfehlung
1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.
396 Seiten, 19.80 Euro