[Es führt drey König Gottes hand]

[1.]

Es führt drey König Gottes hand/

Mit einem Stern auß Morgenlandt/

Zum Christkind/ durch Jerusalem/

Jn einen Stall nach Bethlehem/

Gott führ vns auch zu diesem Kind/

Vnd mach auß vns sein Hoffgesind.
[207]

[2.]

Die König waren Weißheit vol/

Jm Himmelslauff erfahren wol/

Vnd gleich als brüder alle drey/

Sich gaben in ein Compagney/

Gott samble Cölln/ durch deine krafft/

Jn diese jhre Brůderschafft.


2.

Der Stern war groß/ vnn wunder schon/

Jm Stern ein Kind mit einer Kron/

Ein gülden Creutz sein Scepter war/

Vnd alles wie die Sonne klar/

O Gott erleucht vom Himmel fern

Die gantze Welt mit diesem Stern.


3.

Auß Morgenlandt in aller eyl/

Kaum dreyzehn Tag viel hundert Meyl/

Berg auff/ Berg ab/ durch Reiff vnnd Schnee

Gott suchten sie durch Meer vnd See.

Zu dir o Gott kein Pilgerfahrt/

Noch Weg noch Steg laß werden hart.


4.

Herodes sie kein Vhr/ noch Stundt/

Jn seinem Hoff auffhalten kundt/

Deß Königs Hoff sie lassen stehn/

Geschwind/ geschwind zur Krippē gehn.

Gott laß vns auch nit halten ab

Vō guten Weg bis zu dem Grab.


5.

So bald sie kamen zu dem Stall/

Auff jhre Knie sie fielen all/

Dem Kind sie brachten alle drey/

Gold: Weyrauch: Myrrhen/ Specerey.

O Gott nimm auch von vns für gut/

Hertz/ Leib vnd Seel/ Gut/ Ehr vnn Blut.
[208]

6.

Mit Weyrauch/ vnd gebognem Knie/

Erkanten sie die Gottheit hie:

Mit Myrrhen seine Menschheit bloß/

Vnd mit dem Gold ein König groß.

O Gott halt vns bey dieser Lehr/

Kein Ketzerey laß wachsen mehr.


7.

Maria hieß sie wilkom sein/

Legt jhn jhr Kind ins Hertz hinein/

Das war jhr Zehrung auff dem Weg/

Vnd frey Geleit durch Weg vnd Steg.

Gott geb vns auch das Himmelbrod/

Am letsten Zug/ zur letsten Noth.


[9.]

Mit solchem Zehrgelt wol versehn/

Zum Vatterland sie frölich gehn/

Jhr zehrung daß süß Kindle war/

Jhr frey geleit ein Engelschar/

Gott geb vns auch am letzten zug/

Die zehrung/ vnn solch Schützen gnůg.


[10.]

Danck Gott O Cölln/ du edle Stadt/

Der dir die König geben hat/

Dich krönen sie vnd zieren fein/

Vnd werden dein Patronen seyn/

Gott/ dir sey danck/ lob/ preiß vnd ehr/

Durch sie steht Cölln in wahrer lehr.

Quelle:
Friedrich Spee: Die anonymen geistlichen Lieder vor 1623, Berlin 1979, S. 205-209.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Reigen

Reigen

Die 1897 entstandene Komödie ließ Arthur Schnitzler 1900 in einer auf 200 Exemplare begrenzten Privatauflage drucken, das öffentliche Erscheinen hielt er für vorläufig ausgeschlossen. Und in der Tat verursachte die Uraufführung, die 1920 auf Drängen von Max Reinhardt im Berliner Kleinen Schauspielhaus stattfand, den größten Theaterskandal des 20. Jahrhunderts. Es kam zu öffentlichen Krawallen und zum Prozess gegen die Schauspieler. Schnitzler untersagte weitere Aufführungen und erst nach dem Tode seines Sohnes und Erben Heinrich kam das Stück 1982 wieder auf die Bühne. Der Reigen besteht aus zehn aneinander gereihten Dialogen zwischen einer Frau und einem Mann, die jeweils mit ihrer sexuellen Vereinigung schließen. Für den nächsten Dialog wird ein Partner ausgetauscht indem die verbleibende Figur der neuen die Hand reicht. So entsteht ein Reigen durch die gesamte Gesellschaft, der sich schließt als die letzte Figur mit der ersten in Kontakt tritt.

62 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon