Fünfter Absatz

[338] Polyphilus trägt Macarien / das Richter-Amt wegen des Reimen-Kampfes / durch ein Schreiben auf / und wird hierauf von Melopharmis / Phormena /Agapistus und Servetus besuchet. Macarien Antwort-Schreiben / spricht ihme den Krantz und Preiß zu / den ihm Volinie aufsetzet.


Polyphilus schlieffe selbige Nacht wenig: dann die Erzehlung des Cumenus / machte ihm die Einbildung / daß seine Macarie die jenige seyn müsse / welche er beklagte / immer scheinbarer / also / daß er sich nun seelig schätzte / bey seiner Liebsten Befreundten zu leben / und kaum erwarten kunde / die Gewißheit von Macarie selbsten zu vernehmen. Er erinnerte sich auch / daß er ihr eine Antwort schuldig; und weil er den Streit der Schäfere durch sie zu schlichten versprochen / suchte er beydes zu beschleunigen / und schriebe an sie folgendes.
[338]

Schöne Macarie!


Billig hätte ich deren Leztes eher beantworten / und die höfliche Frage / ob ich / in Widerstrebung der Liebe / meiner erwehlten Vorgängerin zu folgen gedenke: erwägen sollen: Allein es machten mich diß mahl unsere Hirten-Spiele aufs neue sündigen. Gleichwol weil die Schuld nicht mein ist / hoffe ich von ihrer Ruhmwürdigen Güte die Vergebung. Anlangend nun die Erwehlung des Vor- oder Nachgangs in Besiegung der Liebe / werde ich bey dem ersten Schluß bleiben / und rühmlicher bey einer standhafften Tugend als wanckelbaren Untugend verharren. Wann sie aber ein Geding mit mir einzugehen beliebet / bitte ich / mir mein Recht nicht zu nehmen / sondern mir den Vorgang / ihr aber schönes Kind! die getreue Folge anzubefehlen: weil ich mich ohne das schuldig bekenne / alle Unglücks-Wege vor ihr her durch zu wandern / und die Schmertzen-Dornen auszureumen / daß sie die Ruhe ihrer Zufriedenheit nicht blutritzen Sie versichere sich auch / daß ich nicht nur die Dornen / sondern auch / so sich ungefebr ein Stein des Anstossens finden solte / denselben mit solcher Wachsamkeit werde beyseit werffen / daß unsere Sinnen in der Liebes-Vergnügung / nach diesem / desto sicherer schlaffen können. Der klagende Freund / wird sich leicht besänfftigen lassen: doch mit dem Vorbehalt / daß ihm seine sonst rühmliche Verwaltung nicht[339] mehr verdächtig gemacht werde. Was macht aber der Arrest ihrer Gedichte: ist er noch nicht aufgehoben: Ach! daß mich doch der Himmel so angenehm straffen wolte / daß ich / gleich ihren schönen Gedichten /von den Händen meiner allerwehrtesten Macarie mit einem Arrest solte beleget werden! Ich überrede mich / daß ich nie eine erfreulichere Freyheit genossen / als diese Gefängnüs mir seyn würde. Und damit diese Gefangene nicht ohne Besucher seyn / übersende ich ihr hiemit unsre Schäfer-Lieder / und bitte /durch ihre hohe Erfahrenheit und Kunst / ein Urtheil zu sprechen / welchen unter diesen beykommenden Gedichten der Preiß gebühre: die sich / doch ohne Namen / ihrem geneigten Ausspruch unterwerffen. Ich schliesse mich nochmals in ihre beharrliche Gewogenheit / verbleibende

der getreue und beständige

Polyphilus.


Diesen Brief truge er selber / so bald Aurora mit den Rosen-farben Leitseilen die Sonne hervor führte /nach dem Lusthause Macarien / und übergab ihn dem Garten-Jungen / mit Befehl / solchen zu überlieffern /und / wo möglich / eilende Antwort zu bringen. Als er aber in unterschiedlichem Nachsinnen / wieder zurück gieng / sahe er von weiten eine Gesellschafft von etlichen Manns- und Weibs-Personen gegen ihm kommen: welcher zu entgehen / er einen andern Weg starck vor sich nahme. Aber jene / als sie seine Geschwindigkeit warnahmen / fiengen au zu ruffen: wohin / steltzer Schäfer! mag er keine[340] Gesellschafft um sich leiden? Polyphilus / der ihm nicht einbilden kunde / wer ihn so kühn anschreyen dorfte / sahe mit etwas ernstlichen Gesicht zurück / und wurde gewar /daß es sein liebster Freund Agapistus war / welcher /in Begleitung Melopharmis / Phormena und des Servetus / ihm zu besuchen kame. So viel angenehmer war ihn diese Begegnung / je weniger er sie vermuhtet. Sie lieffen in gleicher Eile / einander in die Arme / und bezeigten die Grösse ihrer Vergnügung. Die Umarmung / bekräfftet von der Bewegung ihrer Aufrichtigkeit / schlosse diese beyde so fest zusammen / daß man wohl erkennen konte / wie die verbundene Seelen durch den Dienst des Leibes würkten. Sie hätten sich auch so bald nicht getrennet / wann nicht die Furcht / die Ehr-geitzige Melopharmis möchte /des Polyphilus Langsamkeit für einen Schimpf aufnehmend / sich erzürnen / ihre Lust abgekürtzet und diesen / sie zu bewillkommen / gezwungen hätte.

Also verliesse er seinen Freund / und empfienge Melopharmis / samt Phormena so höslich / als freundlich / sprechend: wie seelig ist dieser Tag / geehrte Freundinnen! ihrem Diener / wegen dero liebsten Besuchung / die ich zwar sehnlich gehoffet / aber kaum glauben oder erwarten können. Billig stolziret heut meine Heerde und Weide / weil sie so herrliche Gesellschafft überkommet. Sie ist nicht herrlich / sondern freundlich / höflicher Schäfer! (gab Melopharmis zur Antwort) und bringet mit sich einen Königlichen und sehr gnädigen Gruß. Das ist noch trefflicher /(versetzte Polyphilus /) und gar zu viel für einen armseligen Schäfer. Man klaget aber sonst selten über Gnade und[341] Liebe: erwiederte Melopharmts mit Lächeln. Aber wie gehets meinem Sohn / daß ich euch hier ohne denselben finde? Es gehet ihme sehr wohl: sagte Polyphilus. Daß er aber dißmahl nicht bey mir /kam von einem besondern Geschäffte / welches ich in der Nähe abgelegt. Sie kommen mit mir / und sehen den artigen Schäfer Tycheno / wie wohl er sich in den neuen Orden zu schicken weiß. Also giengen sie mit einander / und fragte Polyphilus Agapisten: warum er scine Wiederkunft so lang verzogen? Der gnädige Befehl Atychintiden (gab dieser zur Antwort) muß mein Aussenbleiben rechtfertigen / welches mich sonst einer Straffe schuldig machen würde. Wiewohl ich fast mehr über Phormena klagen solte / die durch ihr Abwesen solchen Befehl ausgewirket. Warum lassen mich / (sprach Phormena) die schönen Schäfere ihr Vorhaben nicht wissen / damit ich meine Geschäffte zurück ziehen / und ihren Begehren abwarten könne? Das soll künfftig geschehen. (begegnete ihr Polyphilus schertzende) Dißmahl aber wollen wir die Straffe vollzichen / und Phormena so lang in unserer Weide arrestiren / als lang sie die Heimreise des Agapistus verhintert. Ich will dieses Urtheil (sagte Phormena) nicht eher ungerecht nennen / als wann ich das Werek davon sehen werde / unterdessen aber das Recht der Widersprechung mir vorbehalten haben. Vielleicht möchte dieses Gefängnüs mir angenehmer seyn / als meine jetzige Freyheit.

Unter solchen / und dergleichen kurtzweiligen Gesprächen / gelangten sie zu den Hirten / und wurden von denselben sehr freundlich empfangen: da dann[342] sonderlich Tycheno / seine kindliche Schuldigkeit gegen Melopharmis so höflich erwiese / daß sie darob nicht geringe Freude empfunde. Cumenus auch /nachdem er erfahren / daß diese Gäste von so hoher Betrachtung / unterliesse nichtes / das zu ihrer Kurtzweil und Ergetzung dienen mochte / also daß Phormena sagte: Sie habe wohl gethan / daß sie sich mit Widersprechung ihrer Verdamnüs nicht übereilet / weil sie sehe / daß diese Straffe viel eher einer Belohnung zu gleichen sey. Ich weiß nicht / geehrte Phormena! (versetzte Polyphilus) ob sie dieses aufrichtig / oder nur mir zu gefallen redet? Es sey aber wie es wolle /so muß ich bekennen / daß mich dieser Stand / über alle vorige Art meines Lebens vergnügt. Auf solche Weise / (gab Phormena zur Antwort) dürffen wir zu Sophoxenien nach Polyphilo uns nicht mehr sehnen. Ausser einer Besuchung (erwiederte Polyphilus) gar schwerlich: man wird auch / an so hohen Orten / nach niedrigen Schäfern kein Verlangen tragen. Das stelle ich zu seiner Betrachtung / (verdoppelte Phormena) die mehr erkennen wird / als ich sagen kan.

Polyphilus zoge die Schultern / und fürchtete sich /das jenige weiter zu rühren / was am sichersten in der Vergessenheit schlieffe. Er verliesse Phormena bey der schönen Schäferin Volinie / und sezte sich zum Agapistus / indem Melopharmis mit ihrem Sohn Sprache hielte / und begehrte von denselben zu vernehmen / wie sich Macarie und Atychintide gegen ihm erwiesen? Was soll ich sagen? (sagte Agapistus) ich werde zu beeden Theilen unrecht reden / und doch soll ich es reden.[343] Macarie hat sich fremd / und Atychintide verliebt / gegen euch heraus gelassen. Von dieser / und ihrer beharrlichen Torheit / kan euch Melopharmis erzehlen: Von jener aber werden / wie ich hoffe / ihre Briefe zeigen / daß sie mit ihren Befehl /ich solte euch von ihrer Liebe abrathen / gegen mich gescherzt habe. Das sind seltzame Zeitungen! (sagte Polyphilus) soll ich dann niemals aus dieser Verwirrung kommen? erzehlet doch etwas mitläuffiger / was ihr iezt in die änge gefast / damit ich sehe / ob diesem Unheil nicht zu begegnen sey? Nachdem Agapistus hierauf alles erzehlet / was er von beyden gehöret /sagte Polyphilus: So liebet mich dann / die ich hasse /und wegert sich / die ich liebe? wiewohl dieser ihre Brieflein etwas freundlicher lauten. Doch / ich will /beydes zu ändern / eine Reise nach Ruthiden vornehmen / und also bey der Königin / die Hofnung meiner Widerkunft auslöschen / auch Macarien im Vorbeyziehen besuchen / und von ihr selbst eine bessere Antwort holen. Der Vorsatz ist gut / (sagte Agapistus /) lasset ihn nur bald zu Werke kommen: dann sonst werdet ihr mit nach Saphoxenien reisen müssen /massen die Königin deßwegen die Melopharmis und Phormena mit geschickt. Gut! daß ihr das saget: (begegnete ihm Polyphilus) sobald ich nur Antwort von Macarien erhalten / wollen wir uns auf den Weg machen.

Also endeten sie dißmal ihr Gespräche / und vertrieben die übrige Zeit mit der Gesellschaft / biß sie die Finsternüs nach Haus triebe / und sie / nach Bewirtung ihrer Gäste / sich schlaffen legten. Des andern Tags / kürzten sie die Zeit mit allerhand Hirten-[344] Spielen / und ließ Volinie ihre schertzende Höflichkeit / zu ihrer aller Ergetzung / zimlich hervor blicken. Mitten aber in solcher Ubung / kam des Gärtners Jung / und brachte Polyphilo einen Brief von Macarien / welchen er eilends erbrache / und diese Zeilen lase.


Preiß-würdiger Schäfer!


Worzu soll doch dienen / die Entschuldigung seiner langsamen Begrüssung: Soll ich seine Höflichkeit /oder seine Beredsamkeit / daraus erkennen: beedes scheinet unnötig / weil ich solche Beschaffenheiten an ihme längsten erkennet und gerühmet. Oder machet ihn meine neuliche kühne Anklage so furchtsam: so weiß er ja / daß ich damahls seine eigne Zusage / welche mir ein eilfertiges Brieflein versprochen / zum Grunde gehabt: dißmal aber kein Recht vorzulegen habe / dadurch ich ihm einigen Gruß abnötigen könte; ich wolte dann / aus seiner freywilligen / und vorhin unverdienten Gewogenheit / mit grosser Unhöflichkeit / eine Pflicht zu machen bemühet seyn. Ich habe demnach also / weder zu vergeben / noch zu straffen /sondern vielmehr zu danken: nicht allein / daß er seine Zeit / die er mit viel wichtigern und fruchtbarern Geschäften verschliessen könte / in meinem geringen Andenken zubringen wollen / sondern auch / daß er ihre künstliche Hirten-Gedichte / mir zur Uberlesung /mittheilen wollen. Ein Urtheil davon zu fällen / scheinet von mir e ne Vermessenheit: doch treibet mich sein Befehl / diese Künheit[345] zu wagen / und dem lezten Kunst- und Tugendprangenden Lied / nach der Gerechtigkeit / die Oberstelle zu geben. Es erscheinet /aus Erwehlung des Vorgangs in der Liebe / seine Vorsichtigkeit: als womit er ihm die Freyheit des Lauffens / des Stillstehens / oder auch des Zurückgehens / allein zueignet. Mir kommt zwar die Nachfolge gefährlich vor / weil ich befürchte / durch unbedachtsame Ubereilung / seiner behutsamen Tritte zu verfehlen / und also aus den Schranken der Nachfolge zu schreiten. Doch fürchte ich nicht / in solchen Lauf zu ermüden / weil ich sehe / daß er nicht allein einen sehr langsamen Gang führet / sondern auch zuweiln gar stillstehet: entweder auszuruhen / oder vielleicht nachzudenken / ob auch das vorgesteckte Ziel / einen so mühelamen und beschwerlichen Weg verdiene. Der Bote eilet / und zwinget mich zu schliessen. Ich wünsche ihm grosses Glück: darinn er doch nicht hoffärtig werden / sondern bey müssigen Stunden / sich erinnern wolle / seiner

ergebenen

Macarie.


Nachdem Polyphilus diesen Brief durchlesen / überreichte er ihn dem Agapistus / mit Bitte / ein Urtheil davon zu fällen; er aber truge die Gedichte zu den Schäfern / und übergab sie der Volinie / sprechend: Ich sehe doch wol / schönste Schäferin! daß die Ehre /gleich einer leichten Feder / den jenigen nacheilet /welcher vor ihr fliehet. Ich darf nicht sagen / das dieses Urtheil ungerecht / welches[346] meinem Lied den Vorzug gibet: sonst würde ich die Richterin wegen einer Parteylichkeit anklagen. Ich muß also schliessen / daß der Innhalt / und nicht die Kunst-Worte / in meinem Gedichte den Preiß verdiene. Ich hab wol gedacht /(sagte Volinie) das Polyphilus nur unsern Ruhm durch einen fremden verstärken würde. Eben iezt /habe ich einen frischen Krantz / weil der vorige welk worden / zu seinem Sieg gewunden. So nehmet dann /Preiß-geehrter Schäfer! was euch / und eurem klugen Gedichte / aus doppeltem Recht zustehet! unsere ganze Gesellschaft / wird euch zu dieser Ehre Glück wünschen.


So pranget in der Kron /

Und last der Künste Lohn /

Die klugen Schläf' umwinden.

Durch diesen Schäfer-Preiß /

Last euren schönen Fleiß

Je mehr und mehr entzünden.

Ihr / unsrer Heerde Zier!

Erlaubet / bitt ich / mir

Die schönen Haar zu krönen.

Es will durch meine Hand /

Diß Ruhm- und Sieges-Pfand

Euch die Gesellschaft gönnen.


Mit diesen Worten / sezte sie dem Polyphilus den Krantz auf das Haupt: worbey Cumenus / Filato und Amapfe / ihme mit gar höflichen Worten / zu dieser Ehre / Glück wünschten. Agapistus / wie auch Melopharmis / und Phormena / nachdem sie die Ursach dieser Bekrönung erforschet / unterliessen nicht / ihre Glückwünschungen mit abzulegen. Polyphilus / mit erröteter Stirn / sagte:[347] Ich weiß nicht / wehrte Gesellschaftere! wo ich Worte finden soll / ihre hohe Beehrungen zu erwiedern. Meine Sinne stehen über so unverhoffter Bewürdigung bestürzt / und wissen sich kaum selber in mein Glücke zu schicken. Ich bitte demnach / meiner stamlenden Zunge zu vergeben /wann sie mit gebrochnen Worten danket. Ihr aber /schönste Schäferin! (sagte er / sich gegen Volinie wendende) opfere ich mich / in der Krone / welche ihre Geberin viel herrlicher und angenehmer macht /zu einem schuldigen Knecht: nichts mehr wünschend /als Gelegenheit / mein dankbares Gemüt in ihrem Gehorsam sehen zu lassen. Inzwischen bitte ich / mir zu erlauben / die schönste Hand / welche sich in meiner Bekrönung so hoch bemühet / mit einem Ehr-Kuß zu bedienen / als einem Zeugen meiner ewigen Verpflichtung. Nachdem er ihr hiemit die Hand geküsset /antwortete Volinie gar freundlich: Der Dank ist zu hoch / geprießner Schäfer! was die Gerechtigkeit fordert / verdient keine Belohnung. Eure eigne Geschicklichkeit hat euch gekrönet / und meiner schwachen Hand nur die angenehme Verrichtung aufgetragen. Dannenhero ich vielmehr vor solche Ehre zu danken /als Dank zu fordern habe. Polyphilus begegnete ihr wieder mit dergleichen Reden / und erzeigten also diese beede einander so viel Höflichkeit / das Phormena anfieng zu zweifeln / ob sie dieses einer blossen Freundlichkeit oder vermengten Liebe zurechnen solte. Sie verhielte aber solche Gedanken / und suchte ihren Argwahn durch mehrere Zeichen zubekräftigen. Jene hingegen gebrauchten sich ihrer Freyheit / in gefährlicher Sicherheit / und wusten nicht / daß jemand[348] vorhanden / der ein mißtrauisches Auge über ihre Handlungen führte.

Also vertrieben sie die Zeit / biß Melopharmis erinnerte / wie daß sich das Ziel / welches Atychintide ihrer Wiederkunft gesetzet / nähere / und neben der Phormena bey Polyphilo anhielte / mit nach Sophoxenien zu reisen. Dieser / als er ihre Meinung vernommen / gab zur Antwort: Er müste notwendig nach Ruthiben reisen / und hätte es schon zu lang aufgeschoben; bate also / ihn vor entschuldiget zu halten / daß er dißmal seine Schuldigkeit nicht beobachten könte /mit versprechen / daß er nach vollbrachter Reise /seine unterthänige Aufwartung bey der Königin gewiß ablegen wolte. Wollet ihr dann (sagte Melopharmis) meinen Sohn mit hinauf nach Ruthiben nehmen? Dafern es ihr nicht mißfällig: versezte Polyphilus Nein! (sagte Melopharmis) ich unterwerffe ihn keiner solchen Gefahr mehr. Vergebet mir / Polyphilus! meine Sorgfalt: die vergangene unglückliche Reise / machet mir alle andere verdächtig. So mag er so lang bey den Schäfern bleiben / (gab Polyphilus zur Antwort) biß wir wieder zurücke kommen. Es wird ihn aber gar zu einsam seyn: (begegnete ihm Melopharmis) ich will dann inzwischen hier bleiben / und Phormena mit dem Servetus nach Sophoxenien schicken / damit Atychintide / biß zu unserer Ankunft / ohne Sorg lebe / und von unserm Zustande Nachricht habe. Diesen Vorschlag liesse ihm Polyphilus gefallen. Phormena hingegen / welche ohne das in Neid und Eifer gegen dem Glück Melopharmis brennete / nahm ihre angemaste Herrschaft / durch die sie ihr heimzureisen[349] gebieten wolte / so empfindlich auf / daß sie vor Zorn nicht antworten kunde / und ihr vornahm / solche unbillige Gewalt / vielmehr mit Hinterlist / als Widersprechung zu rächen.

Quelle:
Maria Katharina Stockfleth: Die Kunst- und Tugend-gezierte Macarie, 2 Bände, Band 2, Nürnberg 1673, S. 338-350.
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