Drittes Kapitel

[436] Die listige Vignali lenkte sogleich das Gespräch auf die Untreue der Mädchen und führte bittre Klagen über die Wankelmütigkeit ihres eignen Geschlechts, erzählte Geschichten[436] von hintergangenen Liebhabern, die ihr Leben gegen die Beständigkeit ihrer Geliebten verwettet hätten: die übrigen beiden Nymphen brachten auch einen Zuschuß von ähnlichen Begebenheiten herbei. Hermann schwieg, seufzte und machte Betrachtungen bei sich.

Auf einmal sprachen die drei Schönen leise, als wenn er es nicht hören sollte, wiewohl sie eigentlich seine Aufmerksamkeit noch mehr dadurch zu reizen suchten, daß sie durch öftere Seitenblicke nach ihm, durch öftere halblaute Warnungen, daß man den armen Herrmann nicht kränken müßte, sich ein Stillschweigen auferlegten und immer lauter und öfterer Ulrikens und seinen Namen nannten: eine wollte es schlechterdings nicht glauben, die andere hielt eher des Himmels Einsturz für möglich als so eine Treulosigkeit, und die dritte stritt mit aller Zuverlässigkeit dafür. Herrmann wurde rot, horchte mit allen Ohren auf das zischelnde Gespräch und kochte am ganzen Leibe, als er aus dem geheimnisvollen Geschwätze eine Geschichte erriet, die er nur fürchten, aber nicht glauben konnte.

Endlich, als man ihn in Gärung geraten sah, fing man an, sich laut zu erzählen, wie glücklich Ulrike sei, daß kein Mädchen in Berlin so viele Anbeter habe als sie. – »Ich weiß keinen als den Leadwort«, sprach Vignali. – »Und Monsieur Piquepoint!« rief Lairesse. – »Und der sklavonische Graf!« lispelte Rosier. – »Den Herrn von Troppau können wir auch dazu rechnen«, hub Vignali wieder an. – »Und den Herrn Bassano bitte ich nicht zu vergessen!« sagte Lairesse. – »Und wie heißt denn der da?« lispelte Rosier. »Wißt ihr nicht? Monsieur Nattier.« – »Das sind ihrer doch nicht mehr als sechse«, rief Vignali laut und vernehmlich, als wenn sie zur Ausruferin darüber bestellt wäre. Lairesse konnte des Spaßes nicht satt werden und nannte noch wenigstens drei oder vier Kastraten her, die Herrmann nicht kannte und von denen er also nicht wußte, wie wenig fürchterliche Nebenbuhler sie waren. »Das Mädchen kann sich nicht erhalten«, versicherte Vignali. »Gebt acht! sie fällt, ehe man sich's versieht.«

[437] Lairesse. Ich setze nicht eine Stecknadel dagegen. Sie sind ohnehin alle schon ziemlich weit mit ihr gekommen.

Rosier. Und ich wette nicht um eine Seifenblase. Sie ist auch nicht wenig froh, so eine Herde Liebhaber zu haben.

Vignali. Aber ich beklage nur den armen Menschen. So viele Liebe gegen ihn vorzugeben, und doch so eine Menge anderer daneben zu haben! Wie nur jemand so falsch sein kann! –

Herrmann glühte, stund mit einem Seufzer auf: – »Der arme Teufel ärgert sich«, sprach Vignali zu ihren beiden Freundinnen, »finissons!« – »Er muß es doch einmal erfahren«, setzte Lairesse hinzu, »besser zeitig als spät!« – Vignali gebot noch einmal Stillschweigen und holte buntes Papier: Herrmann mußte sich niedersetzen und arbeiten helfen: man schnaubte nicht mehr von Ulrikens Untreue. Der arme Verliebte war äußerst zerstreut und im eigentlichen Verstande auf der Folter: er konnte nichts glauben, und gleichwohl war doch alles so wahrscheinlich.

Sobald der Herr von Troppau anlangte, wurde er von Vignali auf die Seite genommen und empfing ohne sein Bewußtsein eine Rolle bei ihrem rachsüchtigen Plane. Sie berichtete ihm, daß Monsieur Piquepoint eingeladen sei, worüber er sich von Herzen freute, und daß er ihn überreden solle, Ulrike habe sich in ihn verliebt und sei zu bescheiden, ihm ihre Liebe anzutragen, weswegen sie sich bloß begnüge, ihm ihren Schattenriß zu überschicken; sie hoffe den seinigen zum Gegengeschenk zu erhalten. Herr von Troppau war entzückt über das Possenspiel und beförderte aus Liebe zum Vergnügen Vignalis Absichten wider Herrmanns Ruhe.

Dieser Monsieur Piquepoint – wie man ihn zum Scherz hieß – war ehemals Schneider gewesen, hatte unvermutet eine reiche Erbschaft von einem Vetter in Holland getan und sogleich Nadel und Bügeleisen zum Fenster hinausgeworfen. Weil er ehedem als Geselle in Paris gearbeitet hatte, war ihm ein wenig von der Sprache hängengeblieben, welches ihn verleitete, schon als Schneider seine kleine Wissenschaft bei jeder Gelegenheit auszukramen: alles um und an ihm bekam[438] französische Namen, und er hielt es für eine Beschimpfung, worüber er auf der Stelle Beschwerde führte, wenn man ihn deutsch anredete. Da er vollends soviel Vermögen bekam, wurde es zur Todsünde, wenn man nur mit einem Worte sich merken ließ, daß man ihn für einen Deutschen hielt. Er wollte schlechterdings ein vornehmer Herr scheinen und glaubte es wirklich zu sein, wenn er die Laster und Torheiten der Vornehmen nachahmte: er überließ sich also den entsetzlichsten Ausschweifungen der Liebe, und da kein Mädchen anders als durch den Nutzen angelockt werden konnte, ihn nur Hoffnung zur Begünstigung zu machen, so kosteten ihm seine verliebten Abenteuer unmäßiges Geld, und meistenteils endigten sie sich damit, daß er um den Genuß betrogen und ausgelacht wurde: indessen, das machte ihm wenig Sorge: er beging seine Ausschweifungen aus Eitelkeit, und darum war es zu seiner Zufriedenheit genug, wenn nur die Leute wußten, daß er mit dieser Schönen, mit dieser Tänzerin, jener Aktrice in Verbindung stund: er wollte nichts als die Miene der Ausschweifung haben, und sein ganzes Gesicht wurde mit Vergnügen wie mit einem Firnis überzogen, wenn man ihm einen verliebten Ritterzug mit dieser oder jener berühmten Schönheit schuld gab. Seine Narrheit und sein Geld lockten viele junge Leute herbei, die auf seine Unkosten teils schmarotzen, teils sich belustigen wollten: sie hatten ihn auf alle Weise zum besten, und wenn sie ihn ein ganzes Abendessen hindurch, das er bezahlen mußte, herumgetummelt hatten, dann genoß oft einer von ihnen die Gunst, die der arme Narr durch sein Gastmahl und vorhergegangne Geschenke zu erkaufen suchte, während daß ihn die übrigen Gäste auf seine Rechnung zu Boden tranken. Eine zweite vornehme Torheit, die er bis zum Übermaße trieb, war seine Sucht, französisch zu reden und ein Franzose zu scheinen: er würdigte keinen Deutschen eines Blicks, wenn er ihn seine Muttersprache reden hörte, und seine Frau und Kinder ließ er beinahe verhungern, weil sie Deutsche waren und kein Französisch sprachen. Er veränderte deswegen seinen Namen, und der Herr von Troppau, ein großer Namenerfinder,[439] schlug ihm zum Scherze die Benennung Piquepoint vor, die er mit Dank annahm und beständig beibehielt: wer ihm einen süßen Augenblick machen oder sich bei ihm einschmeicheln wollte, hieß ihn Monsieur de Piquepoint, und endlich adelte man ihn so allgemein, daß er sich selbst einbildete, ein Edelmann zu sein, und es übelnahm, wenn ihm jemand das Wörtchen ›de‹ entzog: auch hütete er sich sorgfältig, mit einem andern Menschen als mit seinesgleichen umzugehen, wie er den Adel nannte. Dieser ausgesuchte Narr hatte mit der Lairesse, als sie noch Tänzerin war, ein paar tausend Taler durchgebracht, doch ohne daß es ihr etwas half, weil ihre Unbesonnenheit mehr ans Verschwenden als ans Bereichern dachte: sie hatte ihn in Vignalis Bekanntschaft gebracht, die ihm um so lieber zum Abendessen lud, weil der Herr von Troppau nie aufgeräumter war, als wenn er den selbstgeadelten Schneider durchziehen konnte; und auch die übrige Gesellschaft fand ihre Rechnung dabei, weil schon sein Französisch allein hinreichend war, um einen Abend über ihn zu lachen.

Er kam diesmal sehr spät, in einem buntsamtnen Kleide, wie der vollkommenste Stutzer herausgeputzt und so entsetzlich parfumiert, daß er eine herumwandelnde Apotheke zu sein schien. Er war ein dickes, untersetztes Männchen mit einem rotkupfrichten Gesichte und machte, zur Nachahmung der französischen Flüchtigkeit, jede Bewegung mit so komischer Behendigkeit und so steif wie die Kartenmänner, die mit einem Fadenzuge den ganzen Körper bewegen: auf dem Absatze konnte er sich so meisterhaft umdrehn, als wenn er auf einer Spindel liefe. Sobald er hereintrat, rief ihm der Herr von Troppau französisch entgegen: »Monsieur de Piquepoint, woher kommen Sie so spät?«

»Ah«, antwortete er schmunzelnd, »on n' dit ça d'apord, Monsieur lé Baron.«8

Herr von Troppau. Von welcher berühmten Schönheit? Soll ich raten?

[440] Piquepoint. Ah, Monsieur lé Baron, ça vous né devine pas. Lairesse schrie ihm von hinten einen Namen hastig ins Ohr. – »Pardon, Mademoiselle!« rief er und drehte sich auf dem Absatze zu ihr, »né mé parlez par lé derriere.«

Der Herr von Troppau kündigte ihm darauf einen neuen Sieg an und nahm ihn auf die Seite, um ihm Ulrikens Schattenriß zu geben, mit der Nachricht, daß sie ein Gleiches von ihm erwarte. »Das arme Mädchen schmachtet recht nach Ihnen«, setzte der Herr von Troppau hinzu. – »Elle languit!« schrie Piquepoint, ganz außer sich. »Ah, la pauvre petite chose!« (»Das arme kleine Ding!«)

Herr von Troppau. Aber Sie müssen Mitleid haben. Lassen Sie das arme Mädchen nicht zu lange schmachten!

Piquepoint. Pacienza, Monsieur lé Baron! Je fais ça, comme les grands Seigneurs de campagne: dans lé commencement jé marche sur les filles un peu horriblement: mais si ils se donnent, jé suis douce comme de la marmelade. –

Unterdessen, da dies Gespräch noch einige Zeit fortgesetzt wurde und Monsieur de Piquepoint seine Freude über Ulrikens Liebe auf alle Weise auszudrücken bemüht war, besteckte ihm die mutwillige Lairesse den Haarbeutel mit einer Menge Scheren und Bügeleisen von buntem Papier: und berichtete jedermann, daß Herr Piquepoint heute sein Wappen angehängt habe. Wohin sich der verspottete Naar kehrte, fing man an zu lachen, und kaum hatte er sich hurtig nach der lachenden Person hingewandt, so brach hinter ihm eine andre los: er sagte einige von seinen Bonmots über das Lachen, und weil es sich vermehrte – welches er seinem gesagten Witze zuschrieb –, so drehte er sich wie ein Dreher voller Lustigkeit herum und lachte selbst mit. »Ah«, rief der dumme Tropf und klatschte in die Hände, »je pé (peux) amiser les gens en maître qu'ils crévent pour rire.«

Bei Tische hatte er Ulrikens Silhouette beständig neben sich liegen, küßte sie und musterte ihre Reize, versicherte, qu'il l'aimoit toute entiere, son ame et son corps, und schwatzte so viel aberwitziges Zeug, besonders wie er ihr seine Liebe bezeugen wollte, daß Herrmann die Geduld verlor und ihm den[441] Schattenriß heimlich wegnahm. Wie unsinnig schrie und wehklagte der Narr, als er den Verlust inne ward, und bot einen, zwei, drei Dukaten, wenn man ihn wiederschaffte.

»Und wenn's tausend Dukaten wären«, fing Herrmann an, »so soll er nicht in so unwürdige Hände wieder kommen.«

Piquepoint. Ces mains sont au Monsieur de Piquepoint: savez – vous ça bien, mon petit Monsieur!

Herrmann. Einen ausgemachten Narren gehören sie.

Piquepoint. Quoi? Moi une boufon! Allons, je me duelle! je me duelle. –

Er trat wirklich mitten in die Stube und zog den Degen: Lairesse stund auf, zog eine Schere aus der Tasche und erbot sich, Herrmanns Verfechter zu sein. – »Quoi?« rief Piquepoint, »vous voulez être son champignon? (champion). Allez, ou jé vous pique! – Non, non«, unterbrach er sich sehr sanftmütig, kniete nieder und legte ihr den Degen zu Füßen,»pour les Dames jé place mon epée sur la terre. – Voyez-vous?« sagte er zu Herrmann, als er wieder aufstund, »Vous êtes echapé par ste Demoiselle.« – Die Silhouette blieb für ihn verloren.

Nach Tische erbot sich Lairesse, seinen Schattenriß zu machen, da er ihm zum Gegengeschenk versprochen hätte: er setzte sich, und sie erhöhte die Häßlichkeit seines Gesichts so sehr, daß es wie eines von den Polischinellen aussah, die sie in buntem Papier ausschnitt: dem ungeachtet küßte er ihr demütig die Hände dafür und versicherte, daß ihn in seinem Leben noch niemand so gut getroffen habe: sie machte sogleich eigenhändige Anstalt, es aufzupappen, und kleisterte im Kabinett das scheußliche Profil auf einen Bogen türkisches Papier, daß der ganze Schattenriß einem Gesichte ähnlich sah, das vor kurzem die Blattern gehabt hat.

Herrmann langte von der großen Lustigkeit sehr unlustig in seinem Zimmer an: nicht als wenn ihn der Narr eifersüchtig gemacht hätte! sondern daß man zu einer solchen Art des Spaßes Ulriken wählte, das beleidigte ihn. Die vielen Liebhaber, die man ihm vorgezählt hatte, gingen ihm doch nicht wenig im Kopfe herum: er war zwar wegen Ulrikens Treue[442] festiglich versichert, allein die Empfindung der Liebe, die andre für sie fühlten, beneidete er schon: er war ein so habsüchtiger, mißgünstiger Verliebter, daß er gern alle Lichtstrahlen von ihrem Gesichte auf sich allein gelenkt oder ihre Gestalt in eine beständige Nebelwolke für jeden andern gehüllt hätte, damit alle Empfindung des Wohlgefallens, die sie erregen konnte, sich allein in seinem Herze versammelte. Und dann! Verführung, Überraschung durch List war seine große Furcht. Wie ein Geiziger, der ängstlich seinen Schatz gern bei sich tragen möchte, um ihn vor Diebstahl zu sichern, schloß er die eroberte Silhouette in die Kommode und beklagte sehr, daß er das Original nicht zugleich mit verschließen konnte.

Den folgenden Morgen bekam er einen Brief von Ulriken, der den weiteren Erfolg von der Liebesgeschichte des Herrn Piquepoint enthielt.


Heute früh, Heinrich, habe ich ein großes Schrecken und eine große Lust gehabt. Der Phantast, Monsieur de Piquepoint, den Du vermutlich nunmehr auch kennen wirst, trat außerordentlich geputzt zu mir herein, machte eine unendliche Menge seiner zierlichen Verbeugungen und warf sich gerade vor mir hin auf die Knie: ich erschrak und dachte wahrhaftig, der Narr wäre verrückt geworden. Er zog unter dem Rocke einen großen, mit Goldpapier eingefaßten Bogen hervor, worauf ein abscheuliches Fratzengesicht von buntem Papier geklebt war, ein so possierlicher, rotgeschundner Kopf, daß ich mich vor Lachen nicht halten konnte. – »Ist das Ihr Portrait?« fragte ich ihn. – »Qui, oui, ma charmante bête!« antwortete er voller Süßigkeit, hustete und sagte mir kniend vier französische Knittelverse her, die er diese Nacht gemacht haben will. Ich habe sie aufgeschrieben: hier sind sie:


Acceptez, divine Deese,

Le portrait d'un Amant,

qui vous aime sans cesse,

Accordez-moi un rendez-vous,

Ou mon amour me rend très-fou.
[443]

Zuletzt, da ich nicht glauben wollte, daß es sein Produkt wäre, gestand er mir, daß es ein Billett sei, das einmal ein deutscher Baron an eine Französin geschrieben habe. »C'est un seigneur«, setzte er hinzu, »qui crache des ver françois, tant il est françois, tout françois: c'est un Monsieur de qualité, comme il faut; il parle allemand comme un cochon, mais lé françois, il lé parle comme lé diable; et il ecrit françois comme un enfant en France« (französisches Landeskind). Die Possen, die er außerdem noch sagte und tat, waren unzählig: er ließ mir keine Ruhe, bis ich ihn wegen der gefoderten Zusammenkunft auf eine bessere Zeit vertröstete: wenn ich über sein unverschämtes Verlangen zürnte, besänftigte er mich mit so komischen Ausdrücken, daß ich meinen Zorn vergessen und lachen mußte: um seiner loszuwerden, mußte ich ihm die Hoffnung geben, daß er bei Gelegenheit nähere Nachricht bekommen sollte.

Es ist mir höchst verdrießlich, daß der Phantast mit mir seine Narrenrolle zu spielen anfängt: er berühmt sich immer mit so vielen unsinnigen Zeuge, daß ich sicher durch ihn in die Rede der Leute kommen werde. Ob ihm gleich niemand glaubt, weil man weiß, daß er ein Naar ist, so könnte doch sein Geschwätze mehr Menschen auf mich aufmerksam machen, als ich wünschte; denn ich vermeide mit Fleiß alle öffentliche Örter, wo viele Leute beisammen sind, seitdem man mein Portrait hergeschickt hat. Ich lebe seitdem so eingezogen wie eine Nonne; und so ist es der Frau von Dirzau recht, die mich schon deswegen gelobt hat, besonders weil ich itzt weder zu Vignali noch in die Abendgesellschaften komme. Wenn sie wüßte, wie gern ich ihr Lob entbehrte! Aber ich begreife doch nicht, was dem Herrn von Troppau im Kopfe liegt, daß er der Vignali den Umgang mit mir untersagt. Ich mache mir tausend Grillen darüber und sinne, ob ich ihn oder Vignali beleidigt habe: es bleibt mir ein Rätsel. Mein Leben ist dadurch äußerst verdrießlich und traurig geworden: den ganzen Tag bin ich allein auf meinem Zimmer oder mit meiner Karoline, die vor Sittsamkeit und Vernünftigkeit unter den Händen ihrer Tante stumm wie ein[444] Stockfisch geworden ist; man kann nicht ein muntres Wort aus ihr bringen. Bei Tische ist die Langeweile so gewöhnlich und unausbleiblich da wie das liebe Brot: sie ist unser Hauptgerichte. Also liegt mir der ganze lange Tag auf dem Nacken wie ein schweres Joch. Ich will lesen; aber es schmeckt mir kein Buch, ich kriege Kopfschmerzen, die Gedanken laufen mir im Kopfe herum, und dabei ist so eine Leere, so eine langweilige schmerzhafte Leere in meiner Seele, wie in einem Magen, der drei Tage gefastet hat. Ans Arbeiten darf ich gar nicht denken; denn mir ekelt, wenn ich nur eine weibliche Arbeit liegen sehe. Schreiben? – das tu ich ja wohl, aber es gelingt mir nicht: alles klingt mir so steif, so hölzern, daß ich's zerreißen möchte: ich tu es auch oft genug; denn dies ist von vier Briefen der erste, den Du bekömmst; und noch möchte ich ihn lieber ins Feuer werfen, so elend ist er, so schleppend, so schläfrig, so langweilig wie ich selbst und alles um mich her. Fürwahr, man wird so eines abgeschmackten ungesalznen Lebens überdrüssig, und ich wäre itzt aus Verdruß zu allem fähig, um mir nur die Last vom Halse zu schaffen. – So einen entsetzlichen Ekel vor allem, was ich denke, tue und empfinde, hab ich in meinem Leben nicht gespürt: meine eignen Gedanken machen mir Langeweile.

Was das für eine abscheuliche Schrift ist! Es wird kaum zu lesen sein: da liegt mir nun das Tintenfaß so voller Federn, daß ich immer die unrechte fasse: ich will sie alle zerstampfen, die unseligen Federn!

Ich bin des einfältigen Schreibens müde: ich bringe doch nichts Gescheites zustande. Lebe wohl.


Ich sah Dich eben itzt am Fenster mit Vignali lachen. Sage mir, wie Du das kannst! Stellest Du Dir nicht vor, daß ich vor Verdruß vergehen möchte, und unsre Trennung, die ewige Störung unsrer Liebe liegt Dir so wenig am Herze, daß Du noch lachen kannst? – O Heinrich! Leichtsinn ist sonst nicht Dein Fehler: es ist also Unbeständigkeit, überlegte Unbeständigkeit, daß Dich Vignalis Vergnügen stärker rührt als mein Kummer. Hat sie Dich etwa schon so fest mit ihren[445] Fesseln umschlungen, daß Dir das Mitleid gegen die arme vergeßne Ulrike Mühe kostet? Bist Du schon so sehr mit Vignali einverstanden, daß Du ihren Triumph über mich durch Deine Freude empfindlicher machen willst? Ich versichre Dich, Dein Lachen ging mir durch Mark und Bein. O ich Törin! daß ich Dich in die Hände eines so listigen Weibes brachte! Du kannst, Du kannst mir nicht treu bleiben, wenn Du gleich wolltest: es ist um mich geschehn! Aber wisse! Untreue kann nur durch Untreue gerächt werden; und gewiß ein schwerer Schritt, wenn ein Mädchen aus Rache Untreue begehen muß! der Schritt in den Sarg kann nicht schwerer sein.

Heinrich, wenn es noch Zeit ist, erbarme Dich Deiner Ulrike! Ich wohnte in einem Rosengarten, ehe Du kamst: seitdem Du hier bist, wohne ich im Kloster, schlafe auf Dornen, der Fußboden wird mir zum zackichten Felsen und die ganze Welt eine Wüste. ›Nun willst du Freuden des Paradieses voll, rein, unerschöpflich genießen‹, hoffte ich, als Du zu Vignali zogst; und ach! – ich durfte kaum hineinblicken in das Paradies. – Keine Liebe, keine Sorge.

U.


Dies war der letzte Brief, den Herrmann empfing: seine Antwort darauf, die Ulriken wegen ihrer Besorgnis beruhigen sollte, wurde nebst den folgenden, so viel sie ihrer beiderseits schrieben, von Vignali zurückbehalten: also war ihnen auch diese Art der Mitteilung benommen, doch ohne daß eines das Stillschweigen des andern der wahren Ursache zuschrieb. Herrmann wurde nunmehr gar nicht auf sein Zimmer gelassen als des Nachts und zur Zeit des Anziehens und Auskleidens: die ganze übrige Zeit mußte er bei Vignali zubringen, mit ihr ausfahren, sie bald dahin, bald dorthin führen. Das heimliche Gezischel zwischen ihr und ihren Mitverschwornen nahm täglich zu, und jeden Tag erzählten sie sich, wie weit der Lord Leadwort, wie weit der sklavonische Graf, dieser und jener mit Ulriken gekommen sei: dabei äußerte man das grausamste Mitleiden gegen den betrognen Herrmann und ließ ihm nichts als den elenden Trost, daß er[446] Gleiches mit Gleichem vergelten könnte. Er wagte nicht, jemandem seinen geheimen Kummer über dies halblaute Reden mitzuteilen, sondern litt geduldig wie ein Märtyrer: was ihn jeden Tag vermehrte, war die Wahrscheinlichkeit des Verdachtes, der mit jedem Tage wuchs. Einige Morgen hintereinander führte ihn die tückische Vignali ans Fenster, damit er den Lord Leadwort erblicken sollte, der Ulriken auf ihr Anstiften so früh besuchen mußte und ihr jedesmal aus Ulrikens Fenster einen guten Morgen bot. Sie hatte den verliebten Lord überredet, daß sich die spröde Ulrike durch anhaltende Zudringlichkeit gewiß gewinnen lasse; und er war so gut und folgte ihrem Rate. Das arme geängstigte Mädchen klagte zwar ihr Herzeleid in ihren aufgefangnen Briefen, weinte, kümmerte und härmte sich doppelt über das Zusetzen und Zudringen des Lords und über Herrmanns vermeinte Untreue; denn was konnte sie aus einem so langen Stillschweigen anders argwohnen, als daß Vignali ihn überwunden habe? Sie war wider die himmelschreiende Treulosigkeit beider zu sehr aufgebracht, um ihnen mündliche Vorhaltung darüber zu tun: sie schien sich der beleidigte Teil und konnte also unmöglich den Anfang zur Wiederkehr machen. Wenn sie des Nachts zu einem Schlummer erwachte, stund ihr Vignali und Herrmann mit umschlungnen Armen, lachend, froh, küssend und scherzend vor ihren Augen: die stolze Siegerin warf einen verachtenden triumphierenden Blick auf sie, welcher der schlummernden Verlaßnen wie ein schneidendes Schwert durch das Herz fuhr: beide flohen in verliebter Vertraulichkeit und mit spottendem Gelächter über die leichtgläubige, hintergangne Ulrike hinweg: die Träumende wollte ihnen nach, sie sprang aus dem Bette, erwachte und sah sich allein, bebte vor dem melancholischen Scheine der Nachtlampe und dem stillen Grausen des dämmernden Zimmers. Hurtig warf sie sich wieder in die Betten, wickelte sich tief ein, ächzte und weinte. Selbst wachend fuhr ihre aufgeregte Einbildung fort, sie mit Kummerbildern zu quälen: aus jedem Schatten, den die düstre Lampe in einem Winkel malte, aus jedem schmalen[447] Scheine, den sie auf die Wand warf, schuf ihre Phantasie eine Vignali und einen Herrmann: die Täuschung ging so weit, daß sie ihr Zischeln, ihr halblautes Lachen hörte; sie verbarg Augen und Ohren tief in den Betten und schluckte mit neuen Tränen ihren Ärger hinab.

Sie schrieb in diesem Zustande zuweilen einige Hauptszenen desselben auf Zettelchen, wovon sie die meisten verbrannte und nur einige aufbehielt, weil sie sich in ihrem Arbeitsbeutel verkrochen hatten. Auf einem steht: ›Das war ein harter Kampf heute früh. Warum muß nun der verwünschte Lord jedesmal zu mir kommen, wenn ich am meisten vom Kummer entkräftet bin und über die Treulosigkeit des Undankbaren, der mich so schnell vergaß, geweint und gewehklagt habe? Als wenn er mit meiner Betrübnis in geheimer Verbindung stünde, kömmt er nur dann! – Wahrhaftig, fast sollte ich glauben, daß böse Geister Gedanken eingeben können; denn wohl tausendmal fährt mir die Idee durch den Kopf: Wie? wenn du dich an dem Undankbaren rächtest? Was nützt Tugend und Beständigkeit, wenn nur Herzeleid und Kummer ihr Lohn ist? Haben Vignali und andre ihresgleichen nicht unendlich größere Freuden als ich? Ohne Liebe des Herzens schwimmen sie im Vergnügen: ein Liebhaber, der sie verläßt, ist ihnen nicht mehr als eine Stecknadel, die sie verlieren: es gibt ihrer mehr. Weg mit allen den Grillen von Tugend und Liebe! Einbildungen sind's! Vignali hat mir's oft genug gesagt, daß ich an die Grillen nur glaube, weil ich die Welt nicht kenne. Sie hat recht: ich will dem Anerbieten des Lords Gehör geben, will dem Vergnügen nachgehn und alle die Zierereien von Delikatesse und Ehre vergessen. Die Liebe hat mich einmal zu einer Entlaufnen, zu einem übelberüchtigten Flüchtlinge gemacht: meine Ehre vor der Welt ist dahin: was hab ich weiter zu fürchten? – Vignalis Zustand ist ein Himmel, der meinige eine Hölle; und doch bildete ich mir so viel über sie ein, weil ich tugendhaft liebte, und hielt Tugend und Glückseligkeit für zwo Schwestern: nein, es können wohl weitläuftige Verwandten sein, aber sie vertragen sich auch so schlecht wie Verwandte.‹[448]

Auf einem andern Blatte, worauf sie Zwirn gewunden hatte, ist etwas unleserlich geschrieben: ›Wenn nur ein Engel vom Himmel käme und mir sagte, ob Vignalis Leben ein Verbrechen ist! Liebe macht unglücklich: das hab ich leider erfahren: sie hat mich zu Unbesonnenheiten verleitet, um Stand und Ehre gebracht. – Herrmann ist zeitiger zur Erfahrung gelangt als ich. Er hat das Schimärische der Liebe eingesehn. Er hat ihr entsagt. Warum sollte ich nicht dem Beispiele folgen? So viele tausend, die der Liebe höhnen und für das Vergnügen leben, werden doch klüger sein als ich phantastisches Mädchen? – Ich träume noch in der Welt herum: ich kenne sie noch nicht: Vignali hat recht darinne. Itzt sind mir die Augen geöffnet worden: alles hab ich erfahren, was sie mir von der Liebe prophezeite. Drum warnte sie mich wohl vor der schimärischen Herzensliebe. Nicht anders! ich will dem Lord – bin ich nicht erschrocken! War mir's doch, als wenn ein Teufel vor mir stünde und mir die Hand führte: ich fühle noch, wie ich mich losriß. – Was das für tolle Einbildungen sind!‹

Den Inhalt eines dritten übergebliebnen Zettelchen, das sehr zerstochen ist, kann man nur durch mühsames Raten herausfinden. Es fängt abgebrochen an: ›Nein! ich will nicht! meine ganze Seele widersetzt sich dem Gedanken, eine Buhlerin zu sein oder das Weib eines Mannes, der nicht liebt, der wollüstig seine vorgegebene Liebe auf den Kauf herumträgt und noch Geld bietet, damit man sie nur annimmt! Ich will – nicht lieben? – Nein, mich grämen!‹

Auf der umgewandten Seite steht: ›Wie schrecklich ist es, Liebe zu fühlen und niemanden lieben zu können! Wie traurig, Liebe zu fühlen und den einzigen, den man lieben möchte, seiner Liebe unwert zu finden! – O wie glücklich machte mich heute mein Unwille! er machte mich hart, mürrisch, gefühllos: doch itzo wacht meine ganze Seele wieder zur Empfindung auf: das Feuer ergreift mich, und ich elendes Mädchen – muß verbrennen. – Heinrich! gern will ich dir vergeben! gern! Kehre nur wieder! mache mir's nur nicht zu schwer, dich zu lieben. Entsage Vignali, und meine[449] Arme sollen dir so offen entgegeneilen wie itzo mein Herz!‹ –

In solchen Stunden der Liebe war sie mehr als einmal im Begriffe, zu ihm zu gehen und ihm Vergebung für seine Untreue anzubieten, ihn durch Tränen zu bewegen, daß er Berlin mit ihr verlassen möchte: allein teils fürchtete sie Vignalis Übermut, wenn ihr der Versuch nicht gelänge, teils ihre heimtückische List, die die Wirkung ihrer Bemühungen vereiteln würde, sobald sie Gefahr von ihnen besorgte. Also jammerte und trauerte die arme Einsame über eine nicht begangene Untreue, während daß derjenige, der sie begangen zu haben schien, nicht weniger über die ihrige sich beschwerte: beide hatten das größte Recht; denn da Vignali ihre Briefe unterdrückte, mußte ein jedes unter ihnen glauben, von dem andern zuerst beleidigt zu sein.

Herrmann klagte und wimmerte zwar nicht über die erlittne Kränkung, aber er zürnte, er raste. Er knirschte mit den Zähnen, sooft er den Lord an Ulrikens Fenster erblickte: jede Speise schmeckte ihm widrig, wie jedes Vergnügen. Die Abendgesellschaft konnte um ihn herum schäkern und lachen, daß ihm die Ohren zitterten: er bewegte keine Lippe: er hörte kaum, so zerstreut, verwildert und vertieft war er in seinen Schmerz. Reichte ihm der Bediente ein Glas, dann hielt er es in seiner Verwirrung für Brot und griff gerade hinein: oft trank er in der Selbstvergessenheit so hastig und so übermäßig viel, als wenn sein Magen ein Feuerofen wäre, den er löschen müßte, und einmal goß er seiner Nachbarin ein ganzes Glas Wasser in die Suppe, als sie ihn um das Salzfaß bat. Wenn ihm Vignali sagte, daß er mit ihr ausfahren oder ausgehn sollte, dann wanderte er gedankenvoll auf sein Zimmer, um den Hut zu holen, vergaß unterwegs seine Absicht, stellte sich ans Fenster oder setzte sich trübsinnig auf den Stuhl und ließ die wartende Vignali vor Ungeduld vergehen, bis sie nach ihm schickte. Einmal gab sie ihm in einer Gesellschaft bei Lairessen den Auftrag, sich zu erkundigen, ob ihr Wagen da sei: er ging hinunter, fand ihn, setzte sich hinein und fuhr nach Hause, und Vignali mußte[450] über eine Stunde verziehen, bis die Kutsche zurückkam. Zuweilen belustigten seine Zerstreuungen die übrigen, oft veranlaßten sie ihm auch Bitterkeiten und empfindliche Spöttereien: aber sein Gefühl war halb stumpf, wenigstens empfand er das Gesagte nie in gehörigem Maße: oft konnte er die stechendsten Reden gelassen anhören, und oft erzürnte er sich bei Kleinigkeiten, worüber er lachen sollte. Oft mitten unter den fröhlichsten Auftritten bei Tische stiegen ihm Tränen in die Augen, und in der Gruppe lachender Gesichter stach das seinige mit betrübter Wehmut und weinerlicher Traurigkeit hervor: mitten im gleichgültigsten Gespräche verzogen sich seine Muskeln plötzlich in Wut, er sprang knirschend auf und murmelte verbißne Flüche vor sich hin. Die schlimmsten Verfolgungen mußte er von Lairessens Mutwillen ausstehn. In jeder Gesellschaft, wo er sich befand, wußte sie eine Menge Gefälligkeiten zu erzählen, die bald der Lord, bald der sklavonische Graf von Ulriken genossen haben sollte: ihren Nachrichten und Schilderungen zufolge war sie ganz gesunken, ein freches, liederliches, wollüstiges Weibsbild geworden; und wenn ihr Herrmann widersprach, dann lachte ihn die Boshafte als einen leichtgläubigen, empfindsamen, einfältigen Duns mit den angreifendsten Spöttereien aus. Er tat Ulriken in einem Briefe sehr lebhafte Vorhaltung darüber, allein er wurde nicht beantwortet, weil ihn Vignali sowenig als die vorhergehenden übergeben ließ. Was war nun mehr gewisser zu vermuten, als daß sie sich scheute, auf Vorstellungen zu antworten, die sie nicht befolgen wollte? oder daß sie vielleicht aus Leichtsinn ihrer gar nicht achtete?

Lairesse ging in ihrem boshaften Mutwillen so weit, daß sie den sogenannten sklavonischen Grafen, der bisher verreist gewesen war, ohne daß es Herrmann wußte, unmittelbar nach seiner Rückkunft in eine Abendgesellschaft zog. Er gehörte unter die Zahl ihrer heimlich begünstigten Liebhaber und war ein Abenteurer, dessen eigentliches Vaterland niemand wußte, weil er in jeder Stadt, wo er sich aufhielt, ein anderes angab: bald war er ein Italiener, bald ein Türke, bald aus[451] Albanien, bald aus der Walachei, und in dieser Gesellschaft wurde er der sklavonische Graf genennt. Er hatte im vorjährigen Karneval zu Venedig großes Glück im Spiel gehabt und hielt sich itzt in Berlin auf, um seinen Gewinnst wieder zu vertun. Der Mann war das drolligste Gemische von affektierter Philosophie, natürlichem Verstande und aufschneidendem Aberwitze, er räsonierte über alles, und oft übernahm ihn mitten in dem Laufe seiner kalten Dissertationen der Zorn so gewaltig, daß er die Leute um sich mit den Zähnen hätte zerreißen mögen. Lairesse, der es nur um seine Geschenke zu tun war, hatte schon sehr oft die Stelle einer Kupplerin für ihn vertreten und erbot sich auch itzo, es bei Ulriken zu sein. Er hatte dies gute Mädchen, wie er sie nannte, einigemal in den Abendgesellschaften gesehn und nur darum, seiner Lüsternheit widerstanden, weil es ihm eine Beleidigung alles Rechts zu sein schien, wenn er nach einem Gegenstande strebte, in dessen rechtskräftigem Besitze, nach seiner Meinung, der Herr von Troppau sich schon befand: doch itzt, da ihn Lairesse von dem Gegenteil seiner Mutmaßung überzeugte, ward seine Begierde desto entflammter, besonders weil man ihm dabei die Lorbeeren der ersten Eroberung versprach. Vignali und Lairesse erboten sich, unterdessen für ihn wirksam zu sein, bis eine günstige Gelegenheit herannahte, wo er den Kranz eines so schönen Siegs verdienen könnte.

In der ersten Abendgesellschaft, wo er nach seiner Reise erschien, sprach er von Ulriken mit so vieler Entzückung, als nur ein feuriger Liebhaber von einem Mädchen sprechen kann: Herrmann schlich während seiner berauschten Lobrede an den Wänden herum, biß sich an den Lippen, nagte an den Nägeln, zog jede Viertelstunde das Schnupftuch aus der Tasche, nahm Tobak, rückte an der Weste oder Halsbinde, ob sie gleich beide vortrefflich saßen – machte mit einem Worte alle Handgriffe eines Schauspielers, der nicht weiß, was er mit seiner Person anfangen soll. Endlich ging der Sklavonier so weit, daß er gegen Lairesse und Vignali, die ihm verstellterweise widersprachen, trotzig behauptete,[452] er brauche nur die Karten aufzulegen, so gewiß sei ihm sein Spiel mit Ulriken. Das war in Herrmanns Ohren eine Blasphemie wider sie: Zurückhaltung wurde ihm nur zu schwer, er faßte den Grafen von hinten zu bei dem Arme und drehte ihn hastig herum. – »Legen Sie Ihre Karten auf!« rief er mit bitterm Lachen, »Sie sollen doch bete werden.«

Der Graf antwortete mit philosophischer Kälte: »Ich habe hundert hinreichende Gründe, warum ich meine Eroberung als gemacht betrachte: aber ich will Ihnen nur einen angeben, der stärker ist als alle Gründe in der Welt: – Weil ich es bin!«

Herrmann. Der Grund beweist weiter nichts, als daß Sie sehr viele Einbildung haben.

Der Graf. Ich räsoniere so: Wer viel Einbildung hat, muß Ursache dazu haben, und wer Ursache dazu hat, muß viel Einbildung haben; und da meine Einbildungen groß sind, müssen auch meine Ursachen groß sein: folglich muß ich zu meinem Zweck gelangen.

Herrmann. Und Sie werden nicht zu Ihrem Zweck gelangen, sage ich. Wissen Sie warum? – Weil ich mein Leben daran wage, um Sie zu hindern.

Der Graf. Ich räsoniere so: Ihr Leben ist weniger wert als das Mädchen, und das Mädchen mehr als Ihr Leben: folglich können Sie mich nicht daran hindern. Das Mädchen ist ihre bare hundert Dukaten unter Brüdern wert, und für Ihr Leben gebe ich nicht einen halben Gulden: folglich können Sie mich nicht daran hindern. Madam Vignali würde in meinem Vaterlande nicht mehr als neunzig Dukaten gelten, wenn man sie zu Markte brächte, und Lairesse kaum siebenzig: aber das Mädchen ist völlig so gebaut, wie wir sie bei uns zulande lieben. Wenn ich sie bewegen könnte, mir in mein Gebiet zu folgen, so würde ich ihr ein paar Städte schenken, wovon sie honett leben sollte. Sie müßte sich freilich gefallen lassen, meine Sklavin zu heißen, weil ich sie nach den Gesetzen des Landes nicht zur Gemahlin machen darf: und wenn Sie sich insgesamt entschlössen, mir zu folgen, so sollte es Ihr Schade nicht sein. Ihnen, Vignali, verspreche ich drei[453] Dörfer: unter uns gesagt, ich danke Gott, daß ich sie loswerde; und Dir, Lairesse, gebe ich eine Stadt mit drei Toren: und Sie, sprach er zu Herrmann, mach ich zum Vizegouverneur meiner sämtlichen Lande, bis der itzige mit Tode abgeht. –

Herrmann merkte nunmehr, daß auch dieses Subjekt mit Monsieur de Piquepoint in eine Klasse gehörte, und hielt ihn deswegen nicht für fürchterlich; er verließ ihn voller Verachtung. Allein der Aufschneider fuhr ungestört in seinem großsprecherischen Tone fort. Der Herr von Troppau erzählte in der Folge, daß ihm ein Bedienter entlaufen sei: gleich erbot sich der Graf, ihm drei Sklaven zu schenken, wenn er sie von seinen Gütern aus der Walachei holen lassen wollte. Vignali beschwerte sich über einige Unbequemlichkeiten ihrer Wohnung: der Graf versicherte sie, daß er zu Hause über zwanzig Paläste leerstehen habe, die alle zu ihrem Befehle wären, wenn man sie nach Berlin schaffen könnte. Lairesse beklagte sich über Berlins Weitläuftigkeit und den gewaltigen Kot der Straßen: »Sie sollten in meinen Städten wohnen«, fing der Graf an, »ich möchte, daß ich Ihnen eine zur Probe herbringen lassen könnte: da würden Sie Gassen sehen, wie sie sein müssen! so rein, daß man sich auszuspucken scheut!« – Man sprach von der Schwierigkeit, mit welcher sich die Zimmer im Hause heizen ließen, und Herrmann berichtete, daß das seinige ein Abgrund sei, der unendliches Holz verschlinge, ohne jemals warm zu werden: »Ich wünschte«, unterbrach ihn der Graf, »daß ich Ihnen ein paar von meinen Wäldern kommen lassen könnte: sie verderben und verfaulen mir, weil der Überfluß nicht zu verbrauchen ist.« – Man sprach von Öfen: der Graf hatte in seinen Palästen Sparöfen, die mit sechs Stücken trocknen Holzes eine Stube von sieben Fenstern im stärksten Winter auf einen ganzen Tag heizten. Man machte ihm den Einwurf, wozu ihm bei so unverbrauchbarem Überflusse an Waldung Sparöfen nützten. – »Ja«, antwortete er, »meine Waldungen liegen alle so viele Meilen weit von meinen Palästen, daß mich die Transportkosten zwanzigmal höher[454] kommen als hier das teuerste Holz.« – »So bauen Sie lieber Ihre Paläste näher an die Wälder!« riet ihm der Herr von Troppau. – »Ich räsoniere so«, versetzte der Graf, »wer viel Sklaven hat, muß ihnen viel zu tun geben, und wer ihnen viel zu tun geben will, muß sein Holz weit holen lassen: folglich lasse ich alle meine Residenzen weit von meinen Wäldern anlegen.« – »Sonach kann Ihnen ja der Transport nicht viel kosten, wenn er von Sklaven geschieht«, warf ihm Vignali ein. – »Der Transport nicht«, versetzte er, »aber die Lebensmittel für so viele Sklaven, die es auf den Schultern an Ort und Stelle tragen müssen!«

So war der Großsprecher unerschöpflich an Aufschneidereien und unerschöpflich an Beschönigungen und Ausflüchten, wenn man ihm Zweifel und Einwürfe entgegenstellte. Es durfte kaum ein Möbel oder ein anderes Bedürfnis des menschlichen Lebens genannt werden, so hatte er eine äußerst sinnreiche Erfindung entweder selbst auf seinen Gütern oder auf seinen Reisen an irgendeinem Orte der Welt gesehn: er trieb den Unsinn so weit, daß er behauptete, er habe auf einem seiner Sommersitze ein Zimmer, das man, sowie die Gesellschaft zunähme, erweitern könnte. Er besaß viele Geheimnisse in der Medizin, wovon er zwar nie eine Probe ablegte, aber doch ungemein viel sprach.

Auch dieser prahlerische Abenteurer belagerte die arme Ulrike mit seinen Besuchen, und so unverschämt, daß er sie wiederholte, ob sie ihm gleich in einer mürrischen Laune das Zimmer verbot: die beiden ältern Lieberhaber, der Lord und Mr. de Piquepoint, setzten ihre Verfolgungen – so nannte Ulrike ihre Besuche – ebenso unermüdlich fort. Die Frau von Dirzau ward ihr so gram deswegen, daß sie ihrem Bruder unaufhörlich anlag, sie aus dem Hause zu tun, weil die Erziehung seiner Tochter darunter litte: allein er gab ihr seine gewöhnliche Antwort, daß er sich um solche Sachen nicht bekümmerte. – »Ich bezahle eine Gouvernante für meine Tochter«, sagte er, »wenn sie nichts taugt, so ist es nicht meine Schuld: ich kann nicht jede Woche eine neue annehmen.« – Über die häufigen männlichen Besuche, die seiner[455] Schwester so anstößig waren, lachte er und versprach, den Lord und die übrigen zu bitten, daß sie künftig ganz eingestellt würden, versprach es in völligem Ernste und vergaß die Minute darauf, daß er es versprochen hatte. Überhaupt besaß er eine unaussprechliche Indolenz in allen seinen Angelegenheiten, wünschte sehr oft, etwas zu ändern, und kam niemals dazu: seine gesellschaftlichen Zerstreuungen rissen ihn davon hinweg, ehe er an die Ausführung seines Wunsches denken konnte: also blieb es in seinem Hause beständig, wie es war, schlecht oder gut, und es gehörte ein gewaltsamer Stoß dazu, um eine Änderung hervorzubringen, wobei meistens Vignali die erste bewegende Kraft war.

Die bedrängte Ulrike wußte in ihrer ganzen Seele kein Mittel zu finden, wie sie den höhnischen Vorwürfen der Frau von Dirzau entgehen sollte, die um so viel stärker und häufiger wurden, je weniger ihr Bruder Anstalt zu der verlangten Abänderung machte. Alle Entschuldigungen halfen nichts bei dieser grausamen Moralistin, nichts mehr als das ausdrücklichste Verbot bei den hartnäckigen Liebhabern. In so einer kritischen Lage gab ihr an einem Nachmittage, wo sie von allen dreien den ungestümsten Sturm hatte ausstehen müssen, üble Laune und Ärger einen sonderbaren Einfall ein, den sie auf der Stelle ausführte. Sie versprach der Küchenmagd, einem häßlichen, triefäugichten alten Weibe, ein Geschenk, wenn sie diesen Abend eins von ihren Kleidern anziehn und sich in ihr Zimmer setzen wollte: die alte Melusine ließ sich ihren Lohn zum voraus bezahlen und gab ihre Hand darauf, daß sie die Rolle übernehmen werde. Sogleich flog Ulrike auf ihr Zimmer zurück und schrieb an jeden ihrer drei Liebhaber ein Billett, mit dem bloßen Anfangsbuchstaben ihres Namens unterschrieben, worinne sie allen eine Stunde zu einem Abendbesuche bestimmte. Kaum hatte der Sklavonier das seinige empfangen, als er zu Vignali eilte und es triumphierend vorzeigte. Vignali triumphierte nicht weniger und glaubte, ihren rachsüchtigen Zweck nunmehr völlig erreicht zu haben. Herrmann erkannte Ulrikens Hand und war mit seinen eignen Augen von ihrer Untreue überzeugt:[456] er überlas mit tiefsinniger Aufmerksamkeit unzählige Male das unglückliche Billett, legte es langsam auf den Tisch, und neben der Hand fielen zween große Tränentropfen nieder, die ihm wider seinen Willen entschlüpften: sie wurden, tief aus dem Herze, um Ulrikens Tugend geweint. Er drückte hurtig die übrigen, welche eben nachfolgen wollten, ins Schnupftuch, verbarg, so gut er konnte, seinen Schmerz und ging auf sein Zimmer. Vignali, die mit einem Seitenblicke die Tränen hatte abwandern sehn, hinderte ihn nicht, sondern empfand wirkliches Mitleid für ihn, da sie sich ohne seine Beihilfe der Vollendung ihrer Rache so nahe dünkte. Im Übermaße ihres Mitleids beschloß sie sogar, ihn für seine Betrübnis durch ihre eignen Reize wieder zu entschädigen: sie war so entzückt, so trunken von ihrem Siege, daß sie sich vor Freuden selbst nicht kannte: sie holte den niedergeschlagnen Herrmann in eigner Person von seinem Zimmer und war äußerst geschäftig, seinen Schmerz durch alle Arten des Zeitvertreibs zu zerstreuen; allein das Vergnügen berührte nur die Oberfläche seiner Seele: es war keins mehr für ihn auf der Erde.

Unterdessen stellten sich die beschiedenen Liebhaber zur bestimmten Stunde ein; der Lord war der erste und stutzte nicht wenig, als er das ganze Zimmer mit einem unausstehlichen Brannteweinsgeruche durchräuchert fand, der immer stärker wurde, je mehr er sich der vermeinten Ulrike näherte. Die Alte hatte sich für den verdienten Lohn eine Güte getan, und zwar in so reichlichem Überflusse, daß sie auf keinem Bein stehen und kein Wort sprechen konnte. Der Lord erkannte in der schlecht erleuchteten Stube ihr Gesicht nicht und redete sie sehr treuherzig an, als er noch einige Schritte von ihr war: wie fuhr er zurück, als ihm ein lautes grunzendes Gelächter und mit demselben eine ganze Atmosphäre voll Brannteweinsdünste entgegenkam! Mit seinem gewöhnlichen Phlegma ergriff er das Licht, um den übelriechenden Gegenstand zu beleuchten, und hatte es kaum in die Hand genommen, als der Sklavonier, in einen weißen Mantel gehüllt, hereintrat. Der Lord hielt ihm das Licht vor das Gesicht:[457] er starrte den Sklavonier an, der Sklavonier ihn: jedem starb das Wort zwischen den Lippen. Eben wollte sich ihre Zunge lösen, als auch Mr. de Piquepoint, in dem funkelndsten Anzuge, den Degen an der Seite, gravitätisch durch die Tür hereinmarschierte. Wie versteinert blieb er mitten in seinem majestätischen Schritte stehn, als er die beiden übrigen erblickte: da stunden sie alle drei, gafften einander an, und jeder fragte den andern, was er hier wollte. Der Lord nahm den Sklavonier bei der Hand, um mit ihm gemeinschaftlich die vorhin unterbrochne Untersuchung anzustellen. »Mon Dieu!« schrien sie beide in einem Tempo, da ihnen die gläsernen Katzenaugen aus dem alten runzlichten Gesichte entgegenblickten: die Alte nahm es in ihrer Trunkenheit übel, daß man ihr so nahe in die Augen leuchtete und fing mit stotternder Zunge aus allen Leibeskräften zu schimpfen an. Der Lord setzte kaltblütig das Licht nieder und sprach ebenso kaltblütig: »Wir sind betrogen.« – »Wir sind betrogen«, schrie der Sklavonier und schwur Tod und Rache. Die Alte, die indessen in einem, fort geschimpft hatte, stund wankend auf und torkelte auf den erstaunten Mr. de Piquepoint hin, der sich mitten im Zimmer aufhielt und nicht wußte, wie ihm geschehn war. Kaum hatte sie ihn erwischt, so gab sie ihm mit tölpischer Hand eine so lautschallende Ohrfeige, daß er sich im Kreise herumdrehte. »Ah, mon joue, mon tête!« rief er winselnd und floh: die Alte torkelte ihm nach. In der Angst rennte er an den ergrimmten Sklavonier, der in seinem Zorne ihn bei der Brust packte und zurückstieß, daß er der nachsetzenden Alten in die Arme stürzte und in ihrer Umarmung auf den Sofa sank. Sie hielt den kraftlosen Schneider mit angestrengter Stärke fest, streichelte ihm die Backen, lehnte sich mit ihrem Gesichte auf das seinige, und wenn er vor Brannteweinsdampf beinahe erstickte und sich losmachen wollte, strafte sie ihn mit Ohrfeigen und überströmte ihn mit ihrer ganzen Fischmarktberedsamkeit. Der Lord sah dem Scharmützel zu und sagte frostig zu dem Sklavonier: »Der Mann könnte leicht Schaden leiden.« – »Sie bringt ihn um!« rief der Sklavonier, machte[458] die Tür auf, riß die Alte los, trug sie hinaus und legte sie auf dem Saale hin. Unterdessen hatte Mr. de Piquepoint bei dem Lord seine Beschwerden angebracht, daß er ihn beinahe hätte umbringen lassen, ohne ihm beizustehen. – »Aber warum?« fragte der Lord. »Sie hätten sollen zu Hause bleiben.« – Das nahm Piquepoint übel und belferte ihm eine Menge von seinem rotwelschen Französisch ins Gesicht, um ihn zu belehren, daß er gleiches Recht mit ihm gehabt habe, hier zu erscheinen. Er war mitten im Flusse der Rede, als der Sklavonier zurückkam: weil er sehr heftig sprach, gebot ihm dieser zu schweigen. Piquepoint versicherte ihn, daß er kein Recht habe, ihm ein solches Gebot zu tun: hurtig lud ihn der Sklavonier auf seine Schultern, trug ihn hinaus und setzte ihn an dem nämlichen Orte ab, wo die betrunkne Alte lag: kaum merkte Piquepoint, daß er sich in einer so übeln Nachbarschaft befand, als er aufsprang und brüllend wie ein Beseßner die Treppe hinunterlief.

»Was wollen wir tun, Lord?« fragte der Sklavonier voller Zorn, als er zurückkam.

»Nach Hause gehn!« antwortete der Lord äußerst gelassen.

Der Sklavonier. Aber wir müssen uns rächen: ich sprühe Feuer und Flammen.

Lord. Aber warum?

Der Sklavonier. Lord, Sie können noch fragen, warum? Ist es nicht die grausamste Beleidigung, uns beide so zum besten zu haben? uns mit so einem Narren in eine Klasse zu setzen? – Raten Sie, Lord, was wollen wir tun. Lord. Eine Schale Punsch zusammen trinken und dann zu Bette gehn.

Der Sklavonier. Ich nehme die Partie an, Lord. Bei dem Punsch beschließen wir Rache. –

Sie gingen und taten, wie der Sklavonier wollte, beschlossen Rache über Ulriken, die fürchterlichste Rache, die ein beleidigter Wollüstling über ein unbesonnenes Mädchen beschließen kann. Vignali war um so empfindlicher, als sie den Morgen darauf den unglücklichen Verlauf von dem Sklavonier erfuhr, je sichrer sie schon auf den guten Erfolg gerechnet[459] hatte. Dies unerwartete Mißlingen setzte sie so sehr aus ihrer Fassung, daß sie auf den Tisch schlug und schwur, das naseweise Mädchen in seine Hände zu liefern oder nicht zu leben.

8

Um diese Rolle recht zu lesen, muß man jeden Akzent und jeden Buchstaben so hart aussprechen, wie er hier geschrieben ist.

Quelle:
Johann Karl Wezel: Hermann und Ulrike. Leipzig 1980, S. 436-460.
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