Leinölfirnis [1]

[134] Leinölfirnis, Firnis, Oelfirnis, durch Erhitzen mit sauerstoffabgebenden Metalloxyden (Blei, Mangan), neuester Zeit auch mit harz- oder ölsauern Blei- und Manganoxyden, mit flüssigen oder festen Trockenmitteln ohne Erwärmen aktiv gemachtes, d.h. mit beschleunigtem Austrocknungsvermögen ausgerüstetes Leinöl.

Bei Erhitzung auf 240–280° C. wird der Firnis als gekocht bezeichnet; ohne Erwärmung oder bei einer solchen auf 130° C. hergestellter Firnis (neueingeführtes Verfahren) heißt ungekocht. Letzterer enthält weniger Zersetzungsprodukte als der gekochte. Guter Leinölfirnis muß etwas dickflüssiger als Leinöl, von gelber bis braungelber, allenfalls rötlicher, aber nicht dunkel- oder gar schmutzigbrauner Farbe sein. Der Geruch kann allenfalls unangenehm, darf aber nicht stinkend sein, der Geschmack ist dem des Oeles ähnlich mit einer Beigabe, welche an die beim Sieden sich entwickelnden Dämpfe erinnert; Firnis muß, auf Glas gestrichen, binnen 9 bis 18 Stunden zu einem festen, elastischen, nicht klebenden Häutchen ausgetrocknet sein. Er ist mannigfachen Verfälschungen, namentlich mit Harz, Harzöl und Petroleumkompositionen unterworfen. Für weiße Anstriche werden die Firnisse mittels Manganoxyden (namentlich borsauern) hergestellt, auch wohl mittels Chemikalien oder durch Sonnenlicht gebleicht.

Andés.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 134.
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