Mineralwasserfabrikation [1]

[438] Mineralwasserfabrikation, die Darstellung der künstlichen Mineralwasser.

Sie erfolgt so, daß reinem Wasser die in Betracht kommenden Salze möglichst in gelöster Form zugesetzt, die Mischung mit Kohlensäure unter einem Druck von mehreren Atmosphären imprägniert und das Wasser alsdann in Flaschen gefüllt wird.

Früher wurde vielfach die aus Kalksteinen mit Mineralsäuren entwickelte Kohlensäure teils durch eignen Druck, teils mit Hilfe von Pumpen dem Wasser einverleibt. Diese Art der Fabrikation ist jedoch, seit flüssige Kohlensäure in Stahlzylindern (s. Kohlensäureflaschen) leicht und verhältnismäßig billig überall im Handel zu bekommen ist, verlassen. Ein Apparat einfachster Konstruktion, bei dem flüssige Kohlensäure Verwendung findet, ist in der Figur S. 439[438] abgebildet. 1 ist die mit flüssiger Kohlensäure gefüllte Stahlflasche, die jederzeit leicht gegen eine frischgefüllte ausgewechselt werden kann; 2 ein Reduzierventil, an dessen Stelle ein Expansionskessel treten kann. Durch die Röhre 3 wird die Kohlensäure in den Behälter 5, der das zu sättigende Wasser bezw. die zu sättigenden Salzlösungen enthält, geleitet und mit den letzteren durch Drehen der Kurbel 6 gemischt; 4 ist ein Manometer; durch die Röhre 7, die mit einem Verschlußhebel 8 versehen ist, wird das Wasser in die Abfüllflaschen geleitet, die mit dem Fußhebel 10 gegen die Ausflußöffnung des Rohres 7 gedrückt werden und zur Vermeidung von Unglücksfällen beim etwaigen Zerspringen einer Flasche mit einem Drahtkorb 9 umgeben sind. Die gefüllten Flaschen werden sofort verschlossen und möglichst kühl gelagert.

Der abgebildete Apparat ist der einfachste Typ; für größere Betriebe werden auch Apparate mit mehreren hintereinander geschalteten Kohlensäureflaschen und Mischgefäßen konstruiert. Vielfach wird auch lediglich reines Wasser in den beschriebenen Apparaten mit Kohlensäure gesättigt und die erforderlichen Salze entweder in Pastillenform jeder einzelnen Flasche vor dem Füllen einverleibt oder aber von der in einem besonderen Gefäß befindlichen Salzlösung durch besonders konstruierte Pumpenapparate in jede einzelne Flasche ein durch Hebeleinstellung genau bestimmbares Quantum eingepumpt. Diese Abfüllvorrichtungen für die Salzlösungen werden dann direkt mit der Abfüllvorrichtung für das kohlensäure Wasser verbunden, so daß jede einzelne Flasche an ein und demselben Platz sowohl die Füllung mit Salzlösung als auch diejenige mit kohlensauerm Wasser erhält. Das verwendete Wasser muß den an Trinkwasser zu Heilenden Anforderungen genügen. Die Verzinnung der Innenteile der Apparate muß bleifrei sein. Die zur Nachbildung eines Mineralwassers verwendeten Salze dürfen nur in chemischer Reinheit Verwendung finden. Für die Abfüllung in die verschiedenen existierenden Flaschenarten sind eine Reihe von Apparaten konstruiert, ebenso für die Reinigung und Spülung der Flaschen (vgl. Flaschenspülapparate) und Flaschenverschlüsse.

Für die Lieferung sämtlicher für die Fabrikation von Mineral wassern in Betracht kommenden Maschinen seien u.a. genannt: Kraiß & Friz, Stuttgart, Petersen, Hamburg, und die Sürther Maschinenfabrik, Sürth bei Köln a. Rh.

Mezger.

Mineralwasserfabrikation [1]
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 438-439.
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