Palast

[794] Palast (lat. palatium, ital. palazzo, franz. palais), ein monumentales, städtisches, mit Prachträumen ausgestattetes Gebäude.

Im allgemeinen versteht man darunter die Wohnsitze des reichen Adels oder fürstlicher Geschlechter, von Gesandten oder hohen Beamten, doch werden auch andre öffentliche Gebäude, wie Verwaltungs- oder Gerichtsgebäude (s. Justizpalast), Ausstellungsgebäude u.s.w., so genannt. Vor den gewöhnlichen städtischen Wohngebäuden wird sich der Palast oft durch seine Lage, hauptsächlich aber durch große Anlage und Weiträumigkeit der Hallen und Höfe, des Treppenhauses und der Innenräume sowie durch stattliche äußere Gestaltung und künstlerische Wirkung auszeichnen. Er bildet den Uebergang zu dem Schloß, dem Herrschersitz eines Fürsten. Ueber das Urbild des Palastes, die Kaiserpaläste auf dem Palatin zu Rom und zu Spalato (Fig. 1), geben uns die Ruinen Aufschluß. Von den Palästen Karl des Großen erzählt uns die Sage, von den Pfalzen der späteren Kaiser zu Gelnhausen, Goslar u.s.w. sind uns deutliche Spuren hinterlassen. Diese bildeten, dem kriegerischen Zeitalter entsprechend, umschlossene Teile einer Burg (s.d., Bd. 2, S. 405 ff.). Erst dem späteren Mittelalter und der Zeit der Renaissance war es vorbehalten, eine hohe Entwicklung des Palastbaues herbeizuführen, die herrliche Bauwerke schuf. Die Paläste in den Städten Ober- und Mittelitaliens, wie Venedig [1] (Fig. 2), Florenz [2] (Fig. 3 und Fig. 6 im Art. Fassade), Rom [3]–[5][794] (vgl. Fig. 4 sowie Fig. 2 im Art. Loge, S. 196), Genua [6], [7] u.a.m., zeigen vollendete Schöpfungen äußerer Prachtentfaltung und großartigster Wirkung, die für die übrigen Länder europäischer Kultur vielfach vorbildlich geworden sind. In ihren Bahnen haben dann die Architekten Frankreichs, Englands, Deutschlands u.s.w. zu verschiedenen Zeiten glänzende Werke geschaffen, worüber reiche Literatur im Art. Baustil, Bd. 1, S. 632 [11][15].


Literatur: [1] Cicognara, L., Le fabbriche più cospicue di Venezia, Venedig 1815/20. – [2] Raschdorf, J., Palastarchitektur in Oberitalien und Toskana, Berlin 1888. – [3] Burckhardt, J., Geschichte der Renaissance in Italien, Stuttgart 1868. – [4] Le Tarouilly, P., Edifices de Rome moderne etc., Paris 1860. – [5] Percier und Fontaine, Palais et maisons & c. de Rome, Paris 1798. – [6] Gauthier, Les plus beaux édifices de la ville de Gênes, Paris 1818. – [7] Reinhardt, R., Palastarchitektur von Genua, Berlin 1886/88.

Weinbrenner.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4.
Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 6 Stuttgart, Leipzig 1908., S. 794-795.
Lizenz:
Faksimiles:
794 | 795
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Unsühnbar

Unsühnbar

Der 1890 erschienene Roman erzählt die Geschichte der Maria Wolfsberg, deren Vater sie nötigt, einen anderen Mann als den, den sie liebt, zu heiraten. Liebe, Schuld und Wahrheit in Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

140 Seiten, 7.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon