Spezifische Wärme [3]

[593] Spezifische Wärme. Durch die Untersuchungen von Nernst und seinen Schülern wurde festgestellt, daß die Atomwärmen (spezifische Wärme mal Atomgewicht) von Blei, Silber, Kupfer, Aluminium u.s.w. bei Annäherung an den absoluten Nullpunkt der Temperatur verschwindend klein werden; bei hohen Temperaturen konvergieren sie gegen den Wert 6 Kalorien, entsprechend dem Dulong-Petitschen Gesetz. Der qualitative Verlauf dieser Temperaturabhängigkeit wurde zum erstenmal durch eine auf quantentheoretischer (vgl. Ergbd. I, S. 626) Grundlage ruhende Formel von Einstein dargestellt. Neuere theoretische Arbeiten von Debye, Born, Karman u.a. ergeben eine noch bessere Uebereinstimmung zwischen Theorie und Experiment. Das Neuartige dieser Theorien besteht darin, daß für die Energieverteilung die Quantenhypothese als Grundlage herangezogen wird. Bei den Gasen ergibt sich, daß sämtliche Gase bei genügend tiefer Abkühlung in bezug auf die spezifische Wärme sich wie einatomige Gase verhalten. Für die theoretische Auswertung dieser Beobachtung hat sich ebenfalls die Quantenhypothese als sehr nützlich erwiesen.


Literatur: [1] Nernst, Die theoretischen und experimentellen Grundlagen des neuen Wärmesatzes, Halle 1918. – [2] Valentiner, Anwendungen der Quantenhypothese, Braunschweig 1914.

Glocker.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1920., S. 593.
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