Stranfa

[605] Stranfa, eine Gespinstfaser [1], die durch Aufschließen von Stroh, insbesondere Roggen- und Weizenstroh, z.B. nach dem Verfahren von F. Reichmann in Barmen [2] gewonnen wird und hauptsächlich als Juteersatz dient.

Am geeignetsten ist zur Fasergewinnung Roggenlangstroh, das durchschnittlich 46–48% Faserstoff enthält. Das aus der brauchbaren langen festen Faser gewonnene Garn wird für Seile,[605] Stricke und Webwaren (Sack- und Packtücher aus reiner Stranfa oder Mischgarn von Stranfa und Hede, Läufer, Teppiche u.s.w.) verwendet. Das Stroh wird zwischen Walzen mechanisch vorgearbeitet, hierauf mit Lauge behandelt, gespült, zunächst auf mechanischem Wege von Wasser befreit und schließlich im Trockenapparat getrocknet. Zum Weichmachen der so gewonnenen rohen, noch spröden Faser wird sie einem Einweichverfahren, ähnlich wie bei der Jute, unterworfen. Die Auflösung in spinnbare Fasern geschieht auf Jutekrempeln und die Weiterverarbeitung der Stranfafaser allein oder im Gemisch mit Hede auf den üblichen Jutestrecken, Vor- und Feinspinnmaschinen. Versuche, die Fasern durch Hecheln zu veredeln, haben nach Lüdicke ein günstiges Ergebnis gehabt. Das Verfahren von Reichmann ist in Verbindung mit Lüdicke in der Geraer Jutespinnerei und Weberei wesentlich verbessert und praktisch brauchbar gemacht worden.


Literatur: [1] Deutsche Faserstoffe und Spinnpflanzen 1920, S. 10, 59. – [2] D.R.P. Nr. 284465. – Leipziger Monatsschrift für Textilindustrie 1917, S. 119. – D.R.P. Nr. 316109.

Ernst Müller.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1920., S. 605-606.
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