Synagoge

[401] Synagoge, das Bethaus jüdischer Gemeinden.

Es besteht aus folgenden Teilen: 1. Geräumige Vorhalle, meist nach Werten gerichtet mit den Zugängen zu 2. dem Männerraum, als Hauptraum des Ganzen, und zu 3. dem Frauenraum, der auf flach ansteigenden Emporen gelegen durch seitliche Treppen erreicht wird. Gegen Osten liegt 4. der Chorraum mit dem Allerheiligsten. Dieser hochgelegte Teil enthält a) den durch einen Vorhang verschlossenen heiligen Schrank für die Thora, davor b) den Almemor, das Vorlesepult, c) den Vorsängerstand, d) die Kanzel und e) Sitze für Rabbiner und Vorsteher; diese Teile in würdigster und reichster Ausstattung. Als Nebenräume schließen sich an: 5. Rabbiner- und Vorsängerzimmer mit eignem Zugang; 6. Saal für Vorsteher und deren Sitzungen; 7. Aborte und Garderoben; 8. Bäder für Frauen. Für Heizung und künstliche Beleuchtung ist zu sorgen. Die Tagesbeleuchtung wird mit Vorteil durch Oberlicht bewirkt. Die innere Ausschmückung kann in reicher Farbenstimmung und Vergoldung, jedoch ohne bildliche Darstellungen erfolgen. Für die Gesamtanlage wird gerne ein Zentralbau, jedoch ohne Kreuzform bevorzugt; aber auch der Langbau hat seine Vorteile. Für die formale Ausbildung galt lange der maurisch-arabische Stil ohne eigentlichen Grund als geeignet; er ist in letzterer Zeit durch den ernsteren romanischen oder spätromanischen Stil ersetzt worden [2], Als symbolisch gilt, daß das Gebäude kein sichtbares Dach hat und mit Zinnengesims versehen ist; eine hoch überragende Kuppel wird ihre Wirkung nicht verfehlen.


Literatur: [1] Baukunde des Architekten, Bd. 2, Berlin 1884, S. 270, bearbeitet von Appler-Hannover. – [2] Die neue Synagoge in Straßburg i. E., Deutsche Bauztg. 1899.

Weinbrenner.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 8 Stuttgart, Leipzig 1910., S. 401-402.
Lizenz:
Faksimiles:
401 | 402
Kategorien: