Weichen- und Gleissperrsignale

[657] Weichen- und Gleissperrsignale. Als Ergänzungen müssen angeführt werden: Das Signal 14a und die Kennzeichnung der Stellung von doppelten Kreuzungsweichen mit Parallelschaltung durch nur eine Weichenlaterne.

I. Signal 14a. – War es nötig, die Aufhebung einer durch Signal 14 gekennzeichneten Gleissperrung besonders anzuzeigen, so wurde dazu das Signal 12 benutzt. Für diese Aufhebung einer Gleissperrung ist nunmehr ein besonderes Signal geschaffen worden, das Signal 14a (vgl. Fig. 1).

Das Signal 14/14a, an einer drehbaren Kastenlaterne angebracht, findet Verwendung an Gleissperren. Das Signal 14 zeigt als Rücklicht zwei mattweiße Sternlichter wagrecht nebeneinander und das Signal 14a zwei mattweiße, schräg unter einem Winkel von 45° nach rechts aufwärts stehende Sternlichter. – Signal 14/14a findet aber auch als freistehendes Signal ohne Verbindung mit einer Gleissperre Verwendung und dient als solches hauptsächlich zum Schutz von Zugfahrten gegen Flankenfahrten durch Verschiebebewegungen, wenn eine andere Sicherung, z.B. durch Schutzweichen, nicht vorhanden ist. Die Fig. 2 gibt ein Beispiel seiner Anwendung. Bei dem freistehenden Signal 14/14a der preußisch-hesschen Staatseisenbahnen ist die Laterne feststehend und nur der schwarze Balken drehbar eingerichtet. Das Signal wird entweder durch einen eigenen Hebel bedient, der dann ein Signalhebel ist, oder mit einer Weiche (in Fig. 2 mit Weiche 3 und 4) gekuppelt und dann durch den Weichenhebel bedient. Das Signal ist auch von den sächsischen Staatsbahnen zur Einführung in Aussicht genommen, ebenso in besonderen Fällen von den badischen.

II. Signale an doppelten Kreuzungsweichen. Die Kennzeichnung der Stellung einer doppelten Kreuzungsweiche erfolgte bisher fast überall in der Weise, daß jedes Zungenpaar eine besondere Weichenlaterne erhielt, im ganzen also vier Weichenlaternen verwandt wurden. Die Fig. 3 zeigt, welche[657] vier Bilder jede dieser Laternen besitzen muß. (Die Seitenebenen sind hochgeklappt.) Liegen viele Kreuzungsweichen auf einem Bahnhof, so ergibt sich eine große Häufung von Weichenlaternen, wodurch das Zurechtfinden sehr erschwert wird. Es ist das Verdienst der bayrischen Staatsbahnen, als erste den Gedanken verwirklicht zu haben, die Stellungen einer doppelten Kreuzungsweiche nur durch eine Laterne zu kennzeichnen. In der Tat ist ja bei der Parallelschaltung der Weichenzungen auch stets nur eine Fahrt und ihre Gegenfahrt (in Fig. 3 von 3 nach 4 und umgekehrt) möglich. Zu deren Kennzeichnung muß also ein Signal genügen. Drei Bauarten haben bisher Bedeutung gewonnen. Das bayrische Signal (nach dem Erfinder das Jägersche genannt), das Cauersche Signal (von der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin gebaut) und das von Siemens & Halske gebaute.

1. Das bayrische Signal. Das bayrische Signal ist auf den bayrischen Bahnen schon lange im Gebrauch und hat sich dort bewährt. Auf einer quadratischen Milchglasscheibe sind in den vier Ecken je ein schwarzer Balken drehbar gelagert, mit denen die in Fig. 4 dargestellten Signalbilder gegeben werden. Als Hauptrichtung gilt die, die der Längsrichtung des Bahnhofs gleichgerichtet (oder doch mehr gleichgerichtet als die anderen) ist. Auch die Schweizer Bundesbahnen und die österreichischen Staatsbahnen verwenden dieses Signal. Für die anderen deutschen Bahnen kommt das Signal schon deshalb nicht in Frage, weil es (wie auch die anderen bayrischen Weichensignale) schwarze Bilder auf weißem Grund zeigt, während die Weichensignale der anderen deutschen Bahnen weiße Bilder auf schwarzem Grund zeigen.

2. Das Cauersche Signal. Das Cauersche Signal veranschaulicht Fig. 5. Es zeigt weiße Bilder auf schwarzem Grunde. In der Vorderwand der Laterne befinden sich vier schräge, in der Diagonale liegende, mit Milchglas abgedeckte Ausschnitte. Um den Mittelpunkt drehen sich zwei von den Zungenpaaren angetriebene Blenden, die in den Endstellungen immer zwei Ausschnitte abdecken, so daß mit den freibleibenden die in Fig. 5 dargestellten Bilder gegeben werden können. Die Signalbilder geben gewissermaßen jedesmal die Form der eingestellten Fahrstraße um 90° hochgeklappt an. Sie prägen sich daher sehr leicht ein und schließen Irrtümer aus. Das Cauersche Signal ist auf den dänischen Bahnen in großem Umfange eingeführt. In Schweden ist es in das Signalbuch aufgenommen, und auch die russischen Bahnen haben es schon im Frieden verwendet.

3. Das neue Signal der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen (gebaut von Siemens & Halske). Das Signal für doppelte Kreuzungsweichen, das von den preußisch-hessischen Staatseisenbahnen außer dem vorstehend geschilderten erprobt wird, ist in Fig. 6 dargestellt. Es will die in der Signalordnung vorhandenen Weichensignale 12 und 13a (s. Bd. 8, S. 905) benutzen und keine neuen Signalbilder schaffen. Es verwendet daher für die Fahrt durch einen der geraden oder einen der krummen Stränge das stehende Rechteck oder den nach rechts bezw. links zeigenden Pfeil. Um erkennen zu können, ob die Einfahrt in die doppelte Kreuzungsweiche von rechts oder links erfolgen kann, erscheint neben dem betreffenden Zeichen ein kleiner quadratischer Punkt, und zwar auf[658] der linken Seite, wenn die Einfahrt in die Weiche von rechts erfolgt, und umgekehrt. Daraus ergeben sich die in Fig. 6 dargestellten vier Bilder. Neben den Signalen 13 a wäre der Punkt an sich nicht nötig, da z.B. der nach rechts weisende Pfeil sich nur auf die Einfahrt von rechts beziehen kann. Man kann aber auch hier den Punkt nicht entbehren, da es nötig ist, das Signal von dem einer einfachen Weiche zu unterscheiden. Die Bilder werden durch drehbare, von den Zungen angetriebene Blenden erzeugt.


Literatur: Zeitschr. d. Ver. deutsch. Eisenb.-Verw., Jahrg. 1911 (Oder, Weichensignale für doppelte Kreuzungsweichen). – Zeitschr. »Das Stellwerk,« Jahrg. VI, S. 21–23 und ebend., Jahrg. VIII, S. 41–46 und 49–53.

Gerstenberg.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Fig. 4.
Fig. 4.
Fig. 5.
Fig. 5.
Fig. 6.
Fig. 6.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1920., S. 657-659.
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