6. Der rechte König.

[93] Es war einmal ein Fischer, der pflegte jeden Tag auf den Fischfang auszugehen und den ganzen Tag über sein Netz auszuwerfen; doch fing er immer nur zwei armselige Fische; die brachte er zum Verkauf für zehn oder zwölf Karruben, welche er nach Hause schaffte, um sie für seine Familie zu verwenden.

Eines Tages hatte er, wie jeden Tag, die zwei armseligen Fische gefangen und wollte sie verkaufen; da begegnete ihm ein Junge, der hatte zwei Vögel. Er fragte ihn: »Junge, sind die Vögel verkäuflich?« Jener erwiderte: »Jawohl!« Er fragte den Jungen: »Für wieviel?« Jener entgegnete: »Gieb mir die Fischchen, die du hast; gieb sie mir für die Vögel!« Der Fischer antwortete: »Recht!« Er empfing die Vögel und schaffte sie heim. Dann nahm er einen kleinen Käfig her und steckte die Vögel hinein. Er wandte sich an seine Frau: »Ich habe dir heute kein Geld heimgebracht; die zwei Fische (die ich gefangen hatte,) habe ich gegen diese Vögelchen hier umgetauscht, sie sind sehr schön!« Seine Frau entgegnete: »Wir haben aber nichts, was wir für uns ausgeben könnten!« Schliesslich ging sie zu ihren Nachbarn und borgte sich etwas Geld, damit sie sich etwas zum Abendbrot kochen könnten. Als der Fischer am nächsten Morgen auf stand, fand er unter dem Vogelweibchen einen Smaragd, den dasselbe gelegt hatte. Er nahm dies Smaragd-Ei, legte es in einen Kasten und ging dann weg; er begab[93] sich nach dem Meere, um zu fischen. Wieder fing er zwei armselige Fische wie immer. Er verkaufte diese Fische und ging nach Hause; dann assen sie zu Abend und legten sich schlafen. Als er am folgenden Morgen aufstand, da fand er unter dem Vogelweibchen wieder ein Smaragd-Ei. So sammelte er schliesslich zehn Stück.

Eines Tages – ihre Stadt lag also am Meere – war dahin ein Kaufmann aus einer anderen Stadt angelangt; der wollte seine Waaren in dieser Stadt verkaufen. Er kam des Nachts im Hafen an und sah sich mit seinem Fernrohre um; da erblickte er einen Lichtschein. Dieser Lichtschein stammte aber von dem Smaragd-Ei, welches das Vogelweibchen gelegt hatte; dies erblickte der Kaufmann von weitem, wie es einen Glanz im Hause des Fischers verbreitete. Er verliess sein Schiff und begann jenem Lichtscheine nachzugehen; so kam er vor das Haus des Fischers. Als der Fischer am folgenden Morgen aufstand und die Thür öffnete und ausgehen wollte, da fand er jenen Kaufmann vor seiner Thür. Er sprach zu ihm: »Friede über euch!« Jener entgegnete: »Über euch sei der Friede! Junger Mann,« fuhr er fort, »ist dies dein Haus oder nicht?« Jener entgegnete: »Mein Herr, es ist mein Haus.« Der Kaufmann fragte hierauf: »Was hast du denn da in deinem Hause, was so leuchtet und Glanz verbreitet?« Der Fischer entgegnete: »Ich habe nichts dergleichen.« Der Fremde aber sprach: »Doch, du musst irgend etwas haben! Gestatte mir, mit dir ins Haus zu treten!« Der Fischer erwiderte: »Gott befohlen!« Der Kaufmann trat nun mit ihm ein, forschte umher und erblickte das Vogelweibchen; er fand das neugelegte Ei neben ihm. Er sprach zum Fischer: »Reich' mir das Ei und lass es mich sehen!« Nachdem er es betrachtet, sagte er zum Fischer: »Hast du noch andre solche?« Der Fischer entgegnete: »Ja.« Damit öffnete er den Kasten und überreichte ihm die zehn gesammelten Eier. Der Fremde sprach: »Verkaufe sie mir!« Der Fischer erwiderte: »Thue ein Gebot, Herr!« Jener versetzte: »Nimm sämmtliche Waaren, die ich hierher mitgebracht habe, und gieb mir diese zehn Stück!« Der Fischer erwiderte: »Mein Herr, die Eier stehen dir zu Gebote!« Jener sprach: »Wohlan, junger Mann, gehe mit mir nach dem Schiffe, damit ich dich bezahle!«

Hierauf gab ihm der Kaufmann die ganze Ladung des Schiffes, Ambra, Räucherwerk, Moschus und kostbare Stoffe. Der Fischer lud dies aus dem Schiffe und kehrte damit nach Hause zurück; er[94] begann ein Geschäft und wurde ein Kaufmann; nun ging er nicht mehr auf den Fischfang aus; jeden Morgen aber, wenn er aufstand, fand er, dass das Vogelweibchen ein Smaragd-Ei gelegt hatte; dies brachte er dann auf den Basar und verkaufte es immer für fünfhundert Goldstücke. So wurde er ein sehr reicher Mann.

Er hatte zwei Söhne, einer hiess Muhammed und der andre hiess Ali; beide hatte er zur Schule gehen lassen. Einst sprach er zu seiner Frau: »Ich will auf die Pilgerschaft gehen!« Seine Frau entgegnete: »Gott gebe ein glückliches Gelingen!« Sie richtete ihm die Reisekost her. Als er eben abreisen wollte, legte er der alten Dienerin die beiden Knaben noch besonders ans Herz. Die Dienerin entgegnete: »Mein Herr, Gott befohlen!« Er reiste ab. Die Dienerin führte stets die Knaben nach der Schule und holte sie wieder ab.

Zu ihnen kam auch öfter ein Jude, der ihnen dies und jenes zu besorgen pflegte. Die Frau aber war seine Geliebte. Als derselbe eines Tages ins Haus zu der Frau kam, da erblickte er jene Vögel. Er fragte: »Was ist's mit diesen Vögeln?« Die Frau entgegnete: »Mein Mann hat sie gekauft.« Jene Vögel aber waren dem Juden bekannt. Er sprach zur Frau: »Du musst sie mir schlachten und eine Stippe davon kochen!« Sie entgegnete: »Gott befohlen!« Der Jude nahm nun die Vögel und schlachtete sie. Dann gab er sie der Magd, die rupfte sie und gab sie ihm zurück. Er zerlegte sie und gab sie der Magd zurück; er hatte aber die Magen und die Herzen herausgenommen und gebot der Magd: »Leg' die beiden Magen und Herzen mit dem Fleische der Vögel in den Tiegel und koche sie!« Die Magd kochte nun das Gericht, während die Frau des Hauses und der Jude zusammen schäkerten und spassten. Dann kamen die beiden Jungen aus der Schule und baten die Dienerin: »Gieb uns etwas zu essen, denn wir sind hungrig!« Da nahm sie die beiden Herzen aus dem Tiegel und gab sie Muhammed, die beiden Magen aber gab sie Ali. Die Knaben verzehrten dies und begaben sich wieder nach der Schule. Nun begann der Jude das Fleisch der Vögel zu verzehren, konnte aber die Magen und die Herzen nicht entdecken. Er sprach: »Magd, wo sind denn die Magen und die Herzen?« Jene entgegnete: »Mein Herr, die Knaben kamen aus der Schule, da habe ich ihnen dieselben zu essen gegeben.« Da stiess der Jude die Schüssel von sich und rief: »So wahr Adonai lebt, – wäre es nicht wegen der Magen und Herzen gewesen, so hätte ich die Vögel nicht geschlachtet!«[95] Dann wandte er sich an die Mutter der Knaben mit den Worten: »Sende nach den Knaben und lass sie kommen! Ich muss sie schlachten und aus ihrem Leibe die Vogelmagen und -herzen holen.« Die Mutter der Knaben rief die Magd her und sandte sie hin, um die Knaben zu holen.

Die arme Dienerin ging zuerst in ihr Zimmer und nahm mit, was ihr teuer war von ihrer Habe; dann begab sie sich nach der Schule. Sie rief die Knaben: »Herr Muhammed, Herr Ali!« Muhammed, der die Vogelherzen gegessen hatte, blickte auf, als beide die Treppe hinunterstiegen, und sprach zu seinem Bruder: »(Mir ahnt, dass) der Jude meiner Mutter befohlen hat (uns holen zu lassen); weil er uns schlachten und aus unsrem Leibe die Vogelmagen und -herzen herausholen will.« Ali antwortete seinem Bruder: »Was sollen wir da thun?« Muhammed entgegnete: »Ich denke, es ist besser, wir fliehen!« Sie kamen hinunter auf die Strasse zur Magd; die aber weinte. Sie fragten sie: »Was hast du, Muhme?« Sie entgegnete den Knaben: »Der Jude hat eurer Mutter geboten, euch holen zu lassen; denn er will euch schlachten.« Da sprach Muhammed zu ihr: »Warum müssen wir denn zu unsrer Mutter nach Hause? Die Welt Gottes ist doch weit und geräumig! Und willst du mit uns ziehen, Muhme?« Diese erwiderte: »Junger Herr, wo du hingehst, da gehe ich auch mit!« Sie kaufte einigen Vorrat für die Reise: dann verliessen sie die Stadt.

Sie schritten die Strasse weiter; schliesslich waren sie einen Monat ohne Aufhören fortgewandert. Sie kamen darauf (an einen Scheideweg) und fanden eine Strasse rechts und eine links. Sie blickten einander an, und es hiess: »Bruder, wir müssen uns hier trennen; wir müssen ein jeder eine andre Strasse weiterziehen!« Weiter hiess es: »Mit wem soll die Muhme gehen?« Ali sah auf und sprach: »Sie mag mit dir gehen, und mein alleiniger Gefährte soll Gott sein!« Sie nahmen Abschied von einander, der eine schlug diesen, der andre jenen Weg ein.

Lass jetzt Muhammed mit der Dienerin gehen; die Erzählung möge sich zu Ali wenden, der allein weitergewandert war. Ali also wanderte weiter und gelangte schliesslich nach einer Stadt. Er begab sich in diese Stadt, ein Fremdling, der Arme, er kannte dort niemand. Er gelangte vor eine Hausthür und kauerte hin. Die Besitzerin des Hauses kam heraus, eine bejahrte Frau, und sprach zu ihm: »Mein Sohn, was ist's mit dir?« Er entgegnete: »Ich bin[96] hier fremd.« Die Alte erwiderte ihm: »Komm, mein Sohn, geh mit mir ins Haus hinein!« Damit liess sie ihn in die Hausflur, auch brachte sie ihm eine Bank, eine Decke und das Abendessen; Ali ass zu Abend und legte sich dann schlafen. Am folgenden Morgen stand er auf, zog sich an und ging aus. Die Besitzerin des Hauses, die alte Frau, wollte die Bank und die Decke wieder ins innere Haus schaffen; ach, da fand sie einen Beutel mit fünfhundert Goldstücken unter der Decke! Nun lief sie schnell Ali nach und rief hinter ihm her: »Mein Sohn, Gast, Fremder!« Erhörte sie und sprach zu ihr: »Was willst du?« Sie entgegnete: »Deinen Geldbeutel da hattest du zurückgelassen!« Er entgegnete: »Nein, ich besitze keinen Geldbeutel.« Die Alte erwiderte: »Doch, es ist der deinige.« Ali sprach: »Sollte er mir gehören, so schenke ich ihn dir hiermit!« Die Alte erwiderte: »Wir befinden uns, Gott sei Dank, in guten Verhältnissen; wir brauchen nicht das Eigentum andrer Leute!« Ali sprach: »Ich schenke dir hiermit den Beutel; du thust mir einen Gefallen (wenn du ihn annimmst)! Den ganzen Tag über werde ich in der Stadt spazieren gehen, aber des Nachts will ich zu dir kommen und bei euch schlafen.« Die Alte erwiderte: »Mein Söhnchen, du bist willkommen!« Nun ging er jeden Tag aus; und jeden Morgen fand er beim Aufstehen einen Beutel mit fünfhundert Goldstücken unter seinem Kopfe. Von diesem Gelde nahm er und steckte sich in die Tasche soviel, als er tagsüber für sich zu verausgaben dachte; den Rest gab er immer der alten Frau.

Eines Tages ging er auch aus und kam auf den Pferde- und Eselmarkt; daselbst erblickte er einen Ausrufer, der ein Maultier zum Verkaufe anpries. Ali begann auf dasselbe zu bieten und trieb den Preis bis auf fünfhundert Goldstücke. Der Kauf fiel ihm zu. Da blickte ihn der Besitzer des Maultieres an und sprach: »Der Zaum ist nicht mit beim Verkaufe!« Ali entgegnete: »Das thut weiter nichts!« Er nahm dem Maultiere den Zaum ab und gab ihn dem Besitzer des Tieres; er selbst machte einen Halfter für das Tier, nahm es mit und kehrte mit demselben nach Hause zurück. Er führte das Tier in die Hausflur und band es an; alsdann begab er sich ins innere Haus hinein. Die alte Frau brachte ihm sein Abendbrot; er ass zu Abend und legte sich schlafen. Am folgenden Morgen konnte er aber das Maultier nirgends entdecken. Er ging aus und begab sich wieder nach dem Markte, wo man Tiere zum Reiten und Fahren verkauft. Da sah er das Maultier[97] wieder im Besitze eines Ausrufers! Ali begann nun auf dasselbe zu bieten und sprach zu jenem: »Fünfhundert Goldstücke!« Bevor er aber das Geld bezahlte, kam zu ihm ein fremder Mann, der sprach zu ihm: »Komm her Ali, ich habe dir etwas zu sagen!« Ali folgte ihm, und jener sagte ihm: »Wenn du das Maultier kaufst, so sage dem Verkäufer, der Zaum müsse dabei sein!« Ali kehrte wieder zu dem Maultiere zurück, und der Kauf fiel ihm zu. Der Besitzer des Maultieres fragte ihn: »Der Handel mit dem Maultiere ist auch mit seinem Zaume gemeint?« Ali sprach: »Gewiss!« Dann nahm er das Maultier mit dem Zaume, stieg auf dasselbe und kehrte so nach Hause zurück. Er band es an und gab ihm Futter. Jener fremde Mann hatte ihm auch gesagt: »Mein Sohn, gieb dem Maultier nicht Gerste und Stroh, wie den Tieren sonst, zum Futter!« Ali fragte: »Was frisst es denn?« Jener Unbekannte entgegnete: »Gieb ihm Sesam und Mandelkerne als Futter!« Am nächsten Morgen zäumte Ali das Tier, bestieg es und ritt aus der Stadt hinaus, um einen Spazierritt zu machen. Hurtig ging's vorwärts: das Tier legte eine Reise von einem Monat in zwei Stunden zurück!

Als er zurück kam und wieder in die Stadt hinein wollte, da fand er einen Mann vor dem Stadtthore stehen. Der sprach zu ihm: »Steig' ab, setze dich ein wenig und ruhe dich neben mir aus!« Ali stieg ab und setzte sich neben jenen hin; als er dasass, sagte jener zu ihm: »Mein Sohn, warum ist doch das Maultier so müde? Nimm ihm doch den Zaum aus dem Maule, damit das Tier es etwas bequem hat!« Ali nahm ihm den Zaum ab. Jener Mann begann wieder: »Gieb mir den Zaum und zeige ihn mir!« Als aber jener den Zaum in die Hand nahm, da wurde das Maultier plötzlich zu einer Frau; die rief dem Manne zu: »Nimm diesen hier fest!« Der Fremde ergriff Ali, band ihn und schleppte ihn nach dem Schlosse jener Frau. Sie liess Ali hinauf ins Obergeschoss bringen und sprach zu ihm: »Was werde ich nun wohl mit dir anfangen?« – Dieses Schloss war aber angefüllt mit Affen, Katzen, Eseln und Tauben. Sie sprach zu Ali: »Wähle du selbst, was du werden willst!« Ali erwiderte: »Ich verstehe von alledem nichts!« Da rief sie aus: »Ich werde dich in einen Pfau verwandeln!« Hiermit verwandelte sie ihn in einen Pfau und liess ihm Gerstenkörner zum Fressen geben.1 Ali rief aus: »Ich will Gott[98] bitten, dass er mich aus deiner Hand befreit! Ja, warte, ich will Gott bitten!« Hiermit begann er: »Er ist der Allgnädige, der Allsehende, er ist der Allwissende und Allmächtige; er sieht, ohne gesehen zu werden, und kennt alles in dieser und jener Welt! – Ich flehe dich an, mein Gott, mich aus der Hand jener Ungläubigen zu befreien!«

Als Ali so betete, da erblickte er einen Vogel, der liess sich zu ihm herab. Derselbe sprach zu ihm: »Wohlan, steige auf meinen Rücken! Ich will dich von hier fortbringen!« Ali stieg auf den Rücken des Vogels, und jener flog mit ihm empor und brachte ihn in die Stadt zurück. Dann übergab ihm der Vogel ein Fläschchen und sagte ihm: »Trinke aus diesem Fläschchen!« Ali trank daraus und ward wieder ein Mensch. Der Vogel fragte ihn: »Wie hat dich jene Ungläubige in ihre Gewalt gebracht?« Ali entgegnete: »Sie überwand mich auf folgende Weise: ich kam vom Ritte zurück nach dem Stadtthore; da sah ich daselbst einen alten Mann sitzen. Wir begrüssten uns. Er sprach zu mir: ›Steig doch ab und ruhe ein wenig neben mir aus!‹ Ich stieg ab und setzte mich neben ihn hin. Da blickte mich jener Alte an und sprach: ›Nimm doch dem Maultiere den Zaum ab und lass es ihm etwas bequem haben!‹ Ich nahm dem Tiere den Zaum ab, und jener sprach weiter zu mir: ›Reiche mir den Zaum, ich will ihn betrachten!‹ Als ich ihm den Zaum hinhielt, da verwandelte sich das Maultier in eine Frau, die rief dem Fremden zu: ›Nimm den hier fest!‹ Jener nahm mich fest, und sie liess mich nach ihrem Schlosse bringen und peinigte mich daselbst.«

Da erwiderte der Vogel: »Morgen wird man sie wieder auf den Markt bringen. Dann geh du auf den Markt, wo du sie bei einem Ausrufer erblicken wirst! Kaufe das Tier, wie du es das erste und zweite Mal gethan hast, für genau fünfhundert Goldstücke; für mehr oder weniger als das verkauft man sie dir nicht! Gieb aber ja nie den Zaum aus deiner Hand! Vergiss diese Warnung nicht (die nicht überflüssig ist); denn wer bloss einmal hineinfiel, der ist noch nicht hineingefallen, sondern ist noch ungewitzigt!«

Nachdem Ali jene Nacht gut geschlafen, begab er sich am folgenden Morgen auf den Pferde- und Eselmarkt. Da erblickte er das Maultier bei dem Ausrufer. Er bot auf dasselbe, bis der Kauf ihm zufiel, und kaufte das Tier. Der Verkäufer fragte ihn: »Der Handel ist auch mit dem Zaume gemeint?« Ali entgegnete:[99] »Gewiss!« Nun stieg er auf und ritt heim. Er begab sich zu jenem Vogel; der Vogel aber war mittlerweile zu einem Menschen, einem bejahrten Manne und Zauberer, geworden. Der trat an das Maultier heran und sprach zu demselben: »Bist du nun endlich gefangen, du schlechtes Weib?« Dann gab er Ali eine Peitsche in die Hand und forderte ihn auf: »Steige auf das Tier und schlage es tüchtig mit der Peitsche! Jetzt muss sie mit dir hingehen, wohin du wünschest; denn so lange du diese Peitsche und den Zaum in deinem Besitze hast, brauchst du dich nicht vor ihr zu fürchten. Gieb aber auf den Zaum Achtung, selbst wenn du schlafen willst; rolle ihn dann zusammen und stecke ihn in die Tasche!« Ali entgegnete: »Gewiss!« Er stieg auf das Maultier und ritt auf demselben aus der Stadt, peitschte dabei tüchtig auf ihre Seiten los und peinigte sie gehörig. Sie legte mit ihm eine Reise von drei Monaten in drei Stunden zurück. Da sprach sie zu ihm: »Lass mich ein wenig ausruhen, Herr Ali!« Er entgegnete: »Weisst du nicht mehr, was du mir angethan hast?« Jene entgegnete: »Ich bereue es aufrichtig!« Ali stieg ab und sprach: »Gieb mir das heilige Versprechen (mir nichts Böses anzuhaben)!« Sie gab ihm das Versprechen und ward eine Gläubige.

Am folgenden Morgen sagte Ali zu ihr: »Es geht mir schwer ans Herz, dich wieder zu einem Maultiere verwandeln und auf dir reiten zu müssen!« Sie entgegnete ihm: »Das thut weiter nichts! Steig nur auf mich; (wir wollen nach einer Stadt ziehen) und in der Stadt, in der du willst, eine Wohnung einrichten!« Da stieg Ali auf und reiste auf ihr weiter. Kaum war es Abend, da konnte er bereits in eine Stadt einziehen! Er begab sich nach einer Herberge und sprach zu dem Besitzer: »Ich wünsche, dass du für mich und mein Maultier ein Zimmer hergiebst!« Der Wirt gab ihm ein Zimmer; Ali holte das Maultier mitten in dies Zimmer hinein und band es an; dann ging er wieder aus und kaufte das Abendbrot für sich und für sie ein.

Lass jene beiden jetzt in der Herberge! Die Erzählung möge sich zu Muhammed wenden, der mit der Dienerin weitergezogen war! Dieselbe kam auch in eine Stadt und mietete sich irgendwo ein Zimmer; dann nahm sie einige von ihren Schmucksachen und verkaufte sie, damit sie zu essen hätten. Sie brachte den Knaben wie vordem zum Unterrichte nach der Schule.

Es pflegten aber dem Sultan jener Stadt, jedesmal, wenn die[100] Gerichtssitzung begann, drei Vögel vom Himmel zuzufliegen, ein Weibchen und zwei Männchen; die begannen, vor ihm in der Sprache der Vögel zu reden. So thaten sie jedesmal, flogen dann fort und verschwanden wieder. Der Sultan wandte sich an die Anwesenden im Sitzungssaal und sprach: »Ratet mir und erklärt mir: was ist mit diesen Vögeln? Was sagen diese Vögel?« Die Anwesenden entgegneten ihm: »Wir haben nicht die Zunge unseres Herrn Salomo, dass wir die Vogelsprache verstehen könnten!« – Die Kunde verbreitete sich bald in der Stadt, nämlich dass zum Sultan täglich drei Vögel kämen, dass aber niemand ihre Sache schlichten könne.

Muhammed sah seine übrigen Schulkameraden an und sprach zu denselben: »Wenn der Sultan mich vor sich beschiede, wollte ich den Vögeln ihren Streit schlichten!« Diese Worte wurden dem Sultan berichtet; man meldete ihm: »Da giebt es einen Jungen, der hat gesagt, wenn er vor den Sultan käme, würde er die Sache mit den Vögeln ins Reine bringen!« Der Sultan befahl: »Bringt mir den Jungen!« Man holte Muhammed. Der Sultan sagte zu ihm: »Du könntest also über diese Vögel Recht sprechen?« Muhammed entgegnete: »Jawohl!« Während er sich mit dem Sultan unterhielt, liessen sich die Vögel nieder. Der Sultan forderte nun Muhammed auf: »Mein Herr, da sind die Vögel! Sprich über sie Recht!« Muhammed blickte auf und sprach: »Ich kann es nur dann thun, wenn du mich auf dem Throne sitzen lässt, mir deine Krone auf den Kopf setzest und mit sämtlichen im Saale Anwesenden dich erhebst!« Die Vögel hatten sich also hingesetzt, und Muhammed redete mit ihnen in der Vogelsprache. Einer von den Vögeln nahte sich ihm und begann: »Dies hier ist mein Weib; ich war ein Jahr fern von ihr, und als ich wiederkam, fand ich, dass sie sich mit einem andern verheiratet hatte. Schlichte du nun unsren Streit und richte über uns auf gerechte Art und Weise!« Dann wandte sich Muhammed an das andre Männchen und sprach zu ihm: »Was hast du zu sagen?« Letzteres entgegnete: »Ich behaupte, dass ich jene auf rechtmässige Art und Weise zu meiner Frau genommen habe; ich habe sie mir nicht geraubt!« Da befahl Muhammed: »Ein Vogel soll sich hierher und einer dorthin setzen, einer rechts und einer links; das Weibchen aber soll, nach dem Gutdünken ihres Herzens, mit demjenigen hinziehen, mit dem sie will!« Da setzte sich ein Männchen hierhin und eines dahin; das Weibchen aber ging zu dem[101] neuen Gemahle. Beide flogen davon und verschwanden; das Weibchen flog mit ihrem neuen Gemahl fort, und der alte musste allein abziehen.

Herr Muhammed stand auf, wandte sich an den Sultan und sprach zu ihm: »Hier ist dein Thron und deine Krone wieder!« Der Sultan aber blickte Muhammed an und rief aus: »Niemand anders als du selbst sollst dein ganzes Leben lang als Herrscher auf dem Throne sitzen! Du seist mein Sohn, und ich sei dein Vater, und ich will mein Brot als dein Unterthan verzehren!« – Als am folgenden Morgen der Muezzin auf das Minaret stieg, da erblickte er rings um die Stadt alle mögliche wilden Tiere geschaart, Vierfüssler und Vögel; der Tiger, der Löwe, die Hyäne, der Schakal, der Hase u.s.w. hatten von dem »rechten König« gehört und kamen, um ihm verschiedene Klagen vorzubringen. Der alte Sultan liess Muhammed rufen und sprach zu ihm: »Mein Sohn Muhammed, alle Tiere haben von dir gehört, dass du der ›rechte König‹ seist, und haben sich versammelt, um Klagen vorzubringen. Aber«, fuhr er fort, »wir können sie doch nicht alle in die Stadt hereinlassen; ich werde dir draussen im Freien einen Pavillon bauen, dort kannst du die Streitsachen jener Tiere schlichten!« Hiermit verlegte Muhammed den Sitz der Regierung hinaus ins Freie. – Es nahte sich ihm ein Esel, der wollte die Hyäne verklagen. Er sprach zu Muhammed: »Sie hat mir meinen Vater und meine Kinder aufgefressen.« Dann kam wieder ein Hammel heran, der begann: »Ich muss den Schakal verklagen, er hat mir meine Frau und meine Brüder aufgefressen.« Muhammed wandte sich an diese Kläger und sprach zu ihnen: »Soll ich jetzt etwa die Hyäne fragen, wo sie dir Esel deinen Vater und deine Kinder wieder herholen soll? Das ist etwas, was gefressen worden ist und dahin ist! Ich will eure Sache aber doch schlichten,« fuhr er fort; »es soll nämlich in Zukunft keines von euch dem andern Gewalt anthun!« Die gesamten Tiere zogen nun in zufriedener Stimmung wieder ab; der alte Sultan aber bewunderte Muhammed, küsste ihn zwischen die Augen und sprach zu ihm: »Der Segen Gottes sei mit dir, mein Sohn!« Muhammed verlegte den Sitz der Regierung wieder in die Stadt.

Jetzt möge die Erzählung sich wieder zu Herrn Ali, dem Bruder Muhammeds, wenden, welcher sich in derselben Stadt in seinem Zimmer in der Herberge befindet. Er war ausgegangen, um Speisen für sich und jene Frau (früher Maultier) einzukaufen. Er that dies[102] und bereitete eine Tafel, (reich besetzt) vom ersten salzigen bis zum letzten süssen Gerichte. Dann zündete er ein Licht an und schloss die Thür; jenes Maultier legte ihr Fell ab und wurde zu einer jungen schönen Frau, die nicht ihresgleichen hatte. Der Besitzer der Herberge kam und guckte durch das Schlüsselloch; er begann sich diese fremde, schöne junge Frau anzusehen. Er liess beide ruhig in ihrem Zimmer, begab sich zum Obersten des Stadtviertels und sprach zu ihm: »Mein Herr, da ist erst seit kurzem ein Mann hier angekommen, der wohnt in meiner Herberge und hat bei sich eine ganz überaus schöne junge Frau; er wird auf diese Weise unsre Stadt in Verwirrung und Aufregung versetzen!« Der Oberste des Stadtviertels sandte mit dem Besitzer der Herberge vier Polizisten und befahl ihnen: »Bringt mir jene Frau und ihren Mann her!« Sie gingen ab. Herr Ali sass da und schlief noch nicht; er dachte an gar nichts Arges; da klopfte man an die Thür seines Zimmers! Ali fragte: »Wer ist's?« Man antwortete ihm: »Mach auf!« Er öffnete jenen das Zimmer; da traten die Polizisten ein und meldeten ihm: »Der Richter lässt dich rufen!« Ali erwiderte: »Gott befohlen!« Die Frau hüllte sich in ihre Tücher und ging mit. Als sie vor den Obersten des Stadtviertels trat, da fand er sie überaus schön. Drum befahl er: »Führet diese Frau nach meinem Hause, und ihn führet ins Gefängnis!« Ali entgegnete: »Wie? Sie soll die Nacht in deinem Hause zubringen, und ich im Gefängnis? Wer soll dich da für ehrlich halten? Bei Gott,« fuhr er fort, »ich gehe nur ins Gefängnis, wenn ich tot bin, oder wenn meine Frau neben mir bleibt!« Darauf befahl der Oberste des Stadtviertels: »Führet sie beide ins Gefängnis!«

Ali und die schöne Frau blieben bis zum Morgen im Gefängnisse; dann liess sie der Scheich vor den Sultan, den Bruder Alis, führen. Der Scheich hatte dem Sultan die Begebenheit erzählt und ihm berichtet: »Da wohnt ein Mann in einer Herberge, der hat eine so überaus schöne Frau, dass er uns die, Stadt in Aufregung versetzen wird.« Der Sultan hatte entgegnet: »Bring ihn her zu mir!« Der Oberste des Stadtviertels hatte also den Palast verlassen und Ali hinauf vor den Sultan gebracht. – Als nun der Sultan aufblickte, erkannte er seinen Bruder. Er fragte denselben: »Mein Sohn, was ist's mit dir?« Sein Bruder Ali entgegnete: »Ich bin erst seit kurzem mit meiner Frau hierhergekommen; ich weiss nicht, wie diese Sache über mich hereinbrach!« Wieder sah Muhammed[103] auf und befahl: »Führet diese Frau ins Innre meines Palastes und diesen Mann lasset einstweilen (frei), bis ich Zeit für ihn habe!« Herr Ali fuhr auf und rief: »Meine Frau wird nur von meiner Seite gehen, wenn mir vorher der Kopf abgeschlagen wird! Das bist also du, den man den ›rechten König‹ nennt, und dessen Ruf sich durch die Lande verbreitet hat! Du willst die Gemahlin rechtlicher Leute abführen lassen, um ihr Antlitz in deinem Palaste unverschleiert zu betrachten!« Da befahl Muhammed: »Nehmet sie beide, ihn und sie, und führet sie in das geheime Gemach!«

Dahin begab sich denn auch der Sultan Muhammed selbst und sprach zu Ali: »Kennst du mich nicht? Ich bin Ja dein Bruder Muhammed, der mit dir die Vogelmagen und -herzen ass, wobei ich die letzteren verzehrte! Solltest du mir nicht glauben, so will ich dir als Beweis unsre Muhme, die uns aufgezogen hat, herholen!« Damit liess Muhammed die alte Dienerin holen; sein Bruder erblickte die Dienerin, ihr Mütterchen, das sie aufgezogen hatte; man sprang auf und begrüsste sich und rief aus: »Dank sei Gott, der unsre Trennung zu einem Wiederfinden gemacht hat!« Und schliesslich machte Muhammed seinen Bruder zu seinem Wesir und verkündete den Leuten: »Mein leiblicher Bruder ist angekommen!«

Lass jetzt die beiden in ihrer Stadt regieren! Die Erzählung möge sich zu ihrem Vater wenden, der ja bekanntlich auf die Wallfahrt gegangen war. Derselbe kam nun von der Wallfahrt heim und gelangte wieder nach seiner Stadt; da sah er, dass sein Haus sich verändert hatte, und andre Leute darin wohnten. Die Mutter der Knaben hatte sich nämlich dem Juden angeschlossen und war eine Jüdin geworden. Er fragte überall umher, aber niemand konnte ihm Nachricht geben. So sass der arme Mann nun planlos und thatenlos in der Stadt und zog wie ein Verrückter umher und rief: »O mein Geld, mein Wohlstand, meine Frau und meine Kinder!« Als er einst umherwanderte, erblickte er eine Frau in der Hausflur einer Judenwohnung, die Fische abschuppte. Er erkannte sie und sprach bei sich: »Das ist doch meine Frau! Ist sie es nicht?« Er hielt sie fest und sprach zu ihr: »Du bist meine Frau!« Sie aber entgegnete: »Beim Leben Adonai's, ich bin eine Jüdin!« Er nahm sie fest und schrie laut. Da versammelten sich Leute um die beiden, Juden, Muhammedaner und Christen; man brachte beide vor den Richter. Der fragte: »Was hast du, mein Sohn?« Dieser antwortete: »Diese ist meine Frau; ich liess sie daheim zurück mit ihren beiden[104] kleinen Söhnen und deren Wärterin, sowie mit meiner Habe, meinem Gelde und Hause!« Der Richter wandte sich an die Frau und fragte sie: »Was hast du zu sagen, meine Tochter?« Sie entgegnete: »Ich bin eine Jüdin, ein jüdisches Weib vom Vater und Ahnher!« Der Richter blickte auf und sprach zu dem Manne: »Was wirst du jetzt sagen? Höre, was sie behauptet!« Der Mann aber entgegnete: »Ich lasse nicht von ihr! Sie soll mir meine Kinder geben und mag meinetwegen eine Griechin werden, wenn sie Lust hat! Bloss meine Kinder soll sie mir geben!« Schliesslich sandte der Richter an den Kadi; aber auch der Kadi konnte ihre Sache nicht schlichten, sondern musste ihre Streitsache als zu schwierig fallen lassen. Der Mann sprach: »Da will ich zum ›rechten König‹ gehen und bei ihm klagen!« Der Kadi erwiderte den Streitenden: »Gehet hin und begebt euch zu dem König, damit er euren Streit schlichte!«

Muhammed blickte seinen Bruder an und sprach zu ihm: »Höre, (mir ahnt, dass) morgen der Vater und die Mutter zu uns mit einer Streitsache kommen werden!« Die Brüder schliefen jene Nacht wohl bis zum folgenden Morgen. Muhammed hatte kaum die Gerichtssitzung eröffnet, als schon die Mutter und der Vater beider hereintraten, und mit ihnen eine Anzahl Juden, um die Frau zu verteidigen. Muhammed sprach: »Tritt heran, mein Sohn! Was hast du,« fuhr er fort, »mir vorzubringen?« Der Vater entgegnete: »Ich ging auf die Wallfahrt und liess diese meine Frau, sie und ihre beiden kleinen Knaben und mit ihnen eine Wärterin in meinem Hause zurück. Als ich von der Wallfahrt zurückkehrte, da fand ich weder das Haus (als das alte), noch die Frau, noch die Kinder. Eines Tages ging ich durch das Judenviertel, da erblickte ich sie in der Hausflur einer Judenwohnung; ich erkannte sie, sie aber verleugnete mich und sprach zu mir: ›Ich kenne dich nicht und besinne mich nicht auf dich!‹« Der »rechte König« wandte sich nun zur Frau und sprach zu ihr: »Was hast du zu sagen, meine Tochter?« Sie entgegnete: »Ich bin eine Jüdin, ein jüdisches Weib!« Wieder blickte sie der »rechte König« an und riet ihr: »Verfluche den Satan!« Sie entgegnete: »Doch, mein Herr, so ist's!« Da sprang der Sultan auf und rief: »Du bist ja meine Mutter, und das ist mein Vater! Das ist dein Sohn Ali, und ich bin dein Sohn Muhammed!« Sie aber verleugnete sie weiter und sprach zu Muhammed: »Nein, ich kenne euch nicht!« Da sandte Muhammed in den Palast[105] und liess die alte Dienerin holen. Die kam. Als sie ihre Gebieter erblickte, eilte sie auf ihren alten Herrn zu, begann ihn zu küssen, und rief: »Das ist der Herr, und das hier die Herrin, und das hier sind ihre Söhne!« Und dies alles geschah vor den Anwesenden im Gerichtssaale; die Mutter aber leugnete weiter.

Da liess Muhammed die Kadis und Muftis herkommen und fragte sie: »Wer seinen Glauben verleugnet und seine Religion wechselt, welches Urteil verdient der?« Man entgegnete: »Den Feuertod!« Hierauf verbrannte man denn die Mutter und jenen Juden mit ihr; das Väterchen der beiden aber blieb bei ihnen in der Stadt. – So ist denn unsre Geschichte im Strome dahingeflossen, und wir erzählen vor edlen Herren!

1

Die Übersetzung von S. 60, Z. 27 wäš bis S. 61, Z. 5 incl. ist unterblieben.

Quelle:
Stumme, Hans: Tunisische Märchen und Gedichte. Leipzig: Hinrich: 1893, S. 93-106.
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