[180] 43. Die Geschichte von Jat und Jol

In alten Zeiten lebte einmal ein Ehepaar; der Mann hieß Jat und die Frau Jol; die hatten zwei Mädchen als Kinder. Nachdem sie groß geworden waren, heirateten sie zu gleicher Zeit, wurden zu gleicher Zeit schwanger und gebaren zur gleichen Zeit ein Kind. Als ihre Zeit nahe herangekommen war, begaben sie sich in das Frauenhaus, wo die Kinder geboren wurden, und gruben jede für sich ein Wasserloch. Dort setzten sie einen Stab hinein. Und darauf wurden ihre Kinder geboren; es waren zwei Knaben. Die Stäbe grünten und bekamen rote Blumen.

Eines Tages ging die ältere Schwester in die Tarofelder, um Knollen für die Mittagsmahlzeit zu holen. Sie blieb ein wenig länger aus als sonst; und da fing ihr Junge heftig an zu schreien. Die Mutter hörte es und eilte vom Felde ins Haus zurück, um ihn wieder zu beruhigen, aber er wollte nicht schweigen. Die Schwester wußte jedoch Rat, sie ging hinaus, brach eine Blume vom Stab ihrer Schwester und gab sie dem Kinde. Da war es sofort ruhig und freute sich[180] über die Blume. Die Mutter ging fort und holte Wasser, um den kleinen Schreihals zu waschen. Als sie das Wasser aus dem Loch schöpfte, merkte sie, daß an ihrem Stabe eine Blume fehlte. Sie ging zu ihrer Schwester und schalt sie gehörig aus, weil sie ihr eine Blume fortgenommen hatte; so sehr sie sich auch verteidigen mochte und sagte, daß sie damit den Schreihals beruhigt hätte; es half nichts. Die Schwester schalt weiter, und beide zankten sich tüchtig. Schließlich kamen Jat und Jol hinzu und schlichteten den Streit; die beiden vertrugen sich wieder.

Die jüngere Schwester setzte sich darauf an den Webstuhl und arbeitete daran bis Sonnenuntergang. Und während sie webte, kam Nitor daher, die Schwester des Königs Remesielangegotu, welcher im Osten des Himmels ein großes Reich beherrschte. Die tüchtige, fleißige Frau gefiel ihr, und so nahm sie die Frau samt ihrem Kinde mit hinauf in den Himmel. Als sie dort oben ankam und in das Haus ihres Bruders eintrat, fragte er seine Schwester: »Sag, weshalb bringst du Menschen mit hierher?« – »Ich mag sie so gern,« antwortete Nitor, »ich ging auf der Erde spazieren, da sah ich die Frau, wie sie eifrig webte, obschon es fast dunkel war, und sie den Faden nicht mehr sehen konnte.« Und sie erzählte so viel von der Schönheit der Frau und ihres Kindes, daß Remesielangegotu sie zur Frau begehrte und heiratete. So wurde die Frau Königin und ihr Mann hatte auch das Kind sehr lieb. Das war auf der Reise zum Himmel fast zum großen Knaben geworden.

Er war schon ganz vernünftig, konnte sprechen, und weil er so schön tanzen konnte, sagte seine Mutter zu ihm: »Geh, und tanz einmal den Gapagag, den Kreuztanz, vor!« Da tanzte der Knabe und machte es so vorzüglich, daß Remesielangegotu hinging und das Muschelhorn blies, damit alle Leute herbeikämen und ihn tanzen sähen. Alle bewunderten den Jungen und wurden so hingerissen, daß sie auch den Tanz erlernten und nun tanzten, bis die Sonne aufging. Weil der Knabe jedoch am besten und eifrigsten getanzt [181] hatte, wollte sein Vater ihn auszeichnen und belohnen. Er ging ins Haus, öffnete seine Truhen, holte hundert feingewebte, rote Tücher heraus und bedeckte damit den Boden, denn fortan sollte der Knabe auf den Tüchern tanzen. Am nächsten Abend wiederholten sie den Tanz, und der Knabe machte seine Sache so schön, daß die Leute aus allen Teilen des Himmels als Zuschauer herbeiströmten.

Die Kunde von diesem Ereignis drang auch zum obersten Himmelsgott, dem Großen Geiste Eluelap. Als er davon hörte, wollte er den Remesielangegotu rufen lassen; er konnte jedoch keinen Boten finden, denn der Himmel war fast ganz ausgeflogen. Schließlich traf er einen seiner Söhne und sagte dem, er solle sich die Sache einmal ansehen und ihm nachher erzählen, ob wirklich soviel daran wäre, wie man daraus zu machen schien. Der ging also hin und fragte die Leute: »Was macht ihr denn hier?« »O, wir tanzen zu Ehren von Remesielangegotus Sohn,« antworteten sie, »der tanzt großartig, und wir alle bewundern ihn.« Da blieb der Sohn Eluelaps stehen und mußte zuschauen. Und als er nicht wiederkam, ging Eluelap endlich selber los, um sich den Tanz anzusehen. Beim Zuschauen gefiel ihm der Tanz so sehr, daß er immer wieder hinsehen mußte und sich nicht losreißen konnte. Schließlich mußte er doch nach Hause gehen; dort kam ihm sein Sohn Morakero entgegen, und Eluelap erzählte ihm, was er alles gesehen hatte. »Und nun sieh nach deinem Bruder,« setzte er hinzu, »den schickte ich aus, um mir Bericht zu erstatten, doch ist er bis jetzt noch nicht wiedergekommen.« Morakero fand seinen Bruder im Gedränge stehen, den Blick starr auf den tanzenden Knaben gerichtet. Da nahm er eine Handvoll Sand, warf sie ihm in die Augen und lief darauf fort. Dem Vater bestellte er: »Ich konnte ihn nicht mitbekommen, er muß ja den schönen, tanzenden Knaben von Remesielangegotu bewundern und kann sich gar nicht von dem Anblick losreißen.«

Jetzt wollte Eluelap sich den Knaben einmal in der Nähe [182] betrachten. Er schickte nach dem Wolkenschieber und Himmelswächter Ururulang und befahl ihm, fünfzig schöne Matten zu holen und sie zum Remesielangegotu als Geschenk zu bringen. Das geschah; und Remesielangegotu gab ihm als Gegengabe für Eluelap hundert rote Tücher mit. Da sandte Eluelap nochmals hundert ganz besonders schöne Matten mit prächtigen roten und schwarzen Mustern zum Remesielangegotu und lud ihn ein, mit seinem Knaben bei ihm zum Besuch zu kommen. Remesielangegotu sandte wiederum hundert schöne Tücher und ließ sie vor dem Hause der Götter, Fatschumal, in dem Eluelap wohnte, ausbreiten. Dann wusch er seinen Knaben, rieb ihn mit Ingwerwurzel und wohlriechenden Ölen ein und begab sich mit ihm nach Fatschumal. »Nun, da kommt ihr ja,« sagte Eluelap und ließ seine beiden Diener Ulülemes und Tibur kommen, die erst einmal sein Auge ordentlich öffnen sollten, damit er den Knaben recht betrachten konnte. Die beiden versuchten es zuerst mit der Hand; das ging nicht; darauf probierten sie es mit Bootspaddeln; das verschlug auch nichts. Schließlich rieben sie die Paddeln mit Sand ein; da ging es. Das Auge war weit geöffnet; sie salbten es mit wohlriechendem Öl, und Eluelap sagte zum Knaben: »Mein Junge, komm einmal her zu mir.« Da trat der Knabe vor den höchsten Gott hin, der seine Hand nahm und sie auf die Stirn legte. Als Remesielangegotu das sah, wurde er sehr traurig; er wußte, was das bedeutete, und er schrie laut auf vor Kummer: »O, nun habe ich keinen Sohn mehr, Eluelap hat mir meinen Sohn genommen!«

Eluelap befragte den Knaben nach seinem Namen. Aber der hatte noch keinen. So rief Eluelap alle Diener, die Sterne, herbei, den Morgenstern, Adler, Plejaden, Orion, großen Bär usw. Sie fragten nach seinem Begehr, und er sprach zu ihnen: »Sucht mir jetzt einen recht schönen Namen hier für den Knaben, meinen Sohn, aus.« Da setzten die Sterne sich hin und dachten einen ganzen Tag lang nach, und als dann jeder einen Namen gefunden hatte und ihn [183] sagte, war dem Eluelap keiner recht. Der Morgenstern wurde wütend und rief: »Nun, so nennt ihn doch Pagaral, den Scheißer!« Doch der Atair entgegnete: »Nein, so wollen wir ihn nicht nennen. Lugeileng, Mitte des Himmels, soll er heißen.« Und den Namen behielt der Knabe fortan. Eluelap rief den Morgenstern herbei und sagte: »Weil du meinem Sohn solch einen häßlichen Namen zugedacht hast, sollst du von deinem hohen Platz am Himmel herunter. Niemals sollst du wieder in die Höhe kommen, sondern morgens und abends meinem Sohn leuchten, wenn er am Strand seine Geschäfte verrichtet. Du aber,« und nun wandte er sich zum Atair, »hast meinen Sohn mit einem schönen Namen bedacht. Mit dir bin ich sehr zufrieden; du sollst in Zukunft an der höchsten Stelle des Himmels stehen, sollst den Ehrenplatz einnehmen und in alle Dinge hineinschauen.« So ist es bis zum heutigen Tag geblieben.

Als Lugeileng herangewachsen war, sah sich Eluelap nach einer Frau für ihn um und gab ihm Ilamulul, die Tüchtige im Spiel, zur Gemahlin. Sie bekam einen Sohn und nannte ihn Geo. Darauf ging sie mit einem zweiten Kinde; als sie aber gebären sollte, war nichts da. Und zum dritten Male wurde sie schwanger und konnte wiederum nicht gebären. Da bekam es Eluelap mit der Angst und meinte, Ilamulul würde ein Ungetüm gebären, welches dem Geo einmal schaden könne. Er riet ihr, Geo zu verstecken. Sie tat es und brachte ihn an einen Ort, zu dem man nur gelangen konnte, wenn man die Schlafmatte des Eluelap emporhob. Nachdem Geo in Sicherheit war, wurde seine Mutter zum vierten Male schwanger. Als die Gebärzeit herannahte, hatte sie große Schmerzen, starke Wehen setzten ein, und sie quälte sich sehr. Alle Frauen halfen ihr, leisteten Beistand, doch alles war vergebens, sie konnte nicht entbunden werden. Dazu hatte sie die heftigsten Kopfschmerzen. Als Eluelap sie sich so quälen sah, sagte er: »Holt aus dem Meere eine große Perlmutterschale und schneidet damit Ilamulul oben den Kopf auf. Sagt ihr, sie soll nicht nach[184] unten pressen, sondern lieber gehörig seufzen.« – Das geschah, und ein Kind sprang aus ihrem Kopfe heraus. Es bekam den Namen Olufat.

Olufat war ein wunderbarer Knabe. Kaum war er geboren, da konnte er schon sprechen und alles wie Erwachsene tun. Man wollte ihm die Nabelschnur abschneiden, er rief: »Das kann ich selber!« und tat es. Die Schnur streifte an den Palmen entlang und färbte ihre Rinde rot, so daß sie dies Aussehen bis heute behalten haben. Dann lief er in den Busch und ließ seine Mutter im Wochenbett zurück. Er trieb sich überall herum und machte dumme Streiche. Schließlich kam er an einen Ort, wo Frauen Blumen zu Kränzen wanden. »Ich bin Olufat,« sagte er, »gebt mir eine Blume ab.« – »Nanu, Olufat? Wer ist Olufat? Seit wann redet man von Olufat?« antworteten die Frauen. Sie hatten Olufat sehr gekränkt und beleidigt, denn er dachte, daß jedermann ihn, den schönen Olufat, kennen würde; er glaubte, alle würden sich um ihn, den hübschen, prächtigen Kerl, nur so reißen. Dabei war er von allem das Gegenteil; er war häßlich, und alle Leute verulkten ihn. Er fragte die Frauen nach Geo und wollte wissen, wer das eigentlich wäre, denn von dem sprach ja jedermann. »Wo ist er, der soviel schöner ist als ich, und von dem soviel geredet wird?« – »Er ist ein Geist,« antworteten die Frauen, »sein Name bedeutet Schönheit, und wir machen hier Kränze für ihn und Eluelap.«

Olufat war verstimmt; er war wütend; und überall zog er im Himmel herum, um herauszubekommen, wo Geo war, und wer er war. Doch niemand wollte es ihm sagen. Er kam wieder nach Fatschumal und sah dort vor der Tür zwei Fische hängen, welche er noch nie gesehen hatte. »Was sind das für Fische?« fragte er; »die hat Lugeileng gefangen,« antwortete man ihm. Olufat beschloß jetzt, aufzupassen, wenn Lugeileng Fische fing. Aber er konnte lange warten. Die Leute in Fatschumal hatten ihm was vorgelogen; die Fische stammten aus dem Lande des Geo.

[185] Als Olufat das erfuhr, wollte er durchaus zu Geo. Aber niemand zeigte ihm den Weg. So ging er eines Tages zu Fatschumal heraus, setzte sich an den Weg und dachte darüber nach, wie er seine Absicht verwirklichen könnte. Schließlich verwandelte er sich in eine Eidechse und lief nach Fatschumal zurück. Er kroch unter die Schlafmatte von Eluelap und fand dort bald den Eingang zum Wege, der zu Geo führte. Als er den Weg gefunden hatte, nahm er seine rechte Gestalt wieder an und wanderte ins Land des Geo. Er schritt tüchtig aus; nahe am Hause des Geo angelangt, verwandelte er sich in einen Kranich und flog zum Badeplatz von Geo, der hundert Wächter, fünfzig Diener, zehn Köche und fünf Frauen besaß. Als Geo zum Baden ging, erblickte er den Kranich. Er wunderte sich darüber nicht wenig, denn einmal hatte er solchen Vogel noch nie gesehen und im übrigen gab es in seinem Lande überhaupt keine Vögel. Der Kranich flog darauf fort, verwandelte sich in eine Eidechse, kehrte unter Eluelaps Matte zurück und kroch aus Fatschumal heraus. Sie verwandelte sich nun wieder in Olufat, der nach Fatschumal zurückging und dort um ein Beil bat. »Was willst, du damit?« wurde er gefragt. »Meinen Busch roden,« gab er zur Antwort. Da gab man ihm ein Beil, und er versteckte es unter der Matte von Eluelap.

Am andern Tag verwandelte er sich wieder in eine Eidechse, kroch unter die Matte, nahm die Axt mit, verwandelte sich in seine menschliche Gestalt zurück und ging nach dem Hause von Geo. Unterwegs hob er noch einen Stein auf, steckte ihn ein und sprach darüber manche Zauberformel aus. Als er am Hause angelangt war, warf er den Stein auf das Dach, der dort mit fürchterlichem Gepolter durchschlug. Die Leute erschraken so sehr, daß alle stumm und wie gelähmt waren. Olufat kam näher, und Geo fragte seine Leute: »Habt ihr neulich nicht einen Vogel hier gesehen?« – Doch ehe sie ihm antworteten, wurde es ihm zur Gewißheit, daß Olufat der Vogel gewesen war, daß er[186] den Stein geworfen hatte und sie nun alle töten wollte. So kam es auch. Zuerst erschlug Olufat das ganze Hausgesinde und hieb zuletzt Geo den Kopf ab.

Den Kopf nahm Olufat mit und kehrte nach Fatschumal zurück. Dort versteckte er ihn unter einem Balken an der Wand. Als die Leute ihn nun fragten, wo er gewesen wäre, antwortete er: »O, ich habe tüchtig gearbeitet und dabei auch etwas Schönes gefunden.« Er zeigte ihnen jedoch noch nicht den Kopf. Aber Ilamulul ahnte, was vorgefallen war; sie sprach ihre Vermutungen aus; und als die Leute in Olufat drangen, zeigte er ihnen den Kopf des Geo. Da schrie die Menge auf und nannte ihn einen Brudermörder. Olufat blieb ruhig und gelassen und sagte: »Warum schreit ihr denn? Habe ich euch nicht genug befragt, ob ich einen Bruder habe oder keinen? Und nun wehklagt ihr? Ihr habt es verschuldet!« – Die heulten weiter und riefen: »Sollen wir denn etwa nicht weinen, wo du den guten Geo erschlagen hast?« – »Ach was, heult nicht so,« entgegnete Olufat, »ihr habt gar keinen Grund dazu, denn ihr habt es mir nicht sagen wollen, daß Geo mein Bruder ist.«

Große Trauer herrschte in Fatschumal. Lugeileng begrub den Kopf seines Sohnes vor dem Hause, und eine herrliche Lilie sproß daraus hervor. Sie trug zwei prächtige Blüten, die zu wunderschönen Mädchen wurden. Die Leute aber sprachen zueinander: »Kommt, laßt uns den Olufat wegen seiner schlechten Tat töten!« Doch die Mutter legte sich ins Mittel und sagte: »Nein, es ist genug, daß mein eines Kind tot ist, soll jetzt auch noch das andere sterben?« – Aber sie setzten es durch, daß Olufat aus dem Himmel verbannt wurde. Das geschah; und die beiden Mädchen nahm Eluelap als seine Töchter an.

Als Olufat verstoßen war, wanderte er aus und kam in ein Land, namens Pelit. Da wohnte nur ein Mann, der hieß ebenfalls Pelit, und seine einzige Beschäftigung war, den ganzen Tag über Palmwein zu schneiden und ihn zu trinken. Olufat half ihm dabei eine ganze Zeit; schließlich [187] wurde es ihm bei Pelit aber zu langweilig, und er wanderte weiter, bis er schließlich an das Ende der Welt kam, nach Tabolifalu. Dort war es öde und leer; nur ein großes Stück Bambus lag da. Olufat hob es auf, nahm es und kehrte nach Pelit zurück. Der einsame Mann saß gerade in der Palme und schnitt sich Palmwein. Da nahm Olufat den Bambus und schlug ihn mit solchem Krach gegen die Palme, daß Pelit heftig erschrak. Er eilte von der Palme herunter und lief schleunigst fort. Olufat war nun allein; aber es ging ihm nicht gut. Pelit hatte Messer und Trinkschalen bei seiner Flucht mitgenommen, und Olufat mußte den Palmwein, wie die Ratte, mit den Zähnen schneiden. Als er einmal hoch oben in einer Palme saß, erblickte er in der Ferne ein anderes Land.

So zog er weiter. Als er ans Meer kam, nahm er seinen Stab, tauchte ihn ins Wasser; sofort teilten sich die Wellen, und er ging trockenen Fußes in das andere Land. Hier fand er zwei Menschen, einen Mann und eine Frau. Der Mann hieß Goschuberig und war Fischer, und seine Frau pflanzte Taro. Als Olufat zuerst das Land betrat, bemerkte er noch niemanden, als er aber weiter ging, sah er die Frau im Tarofelde arbeiten. Da verwandelte er sich in einen Säugling und fing an fürchterlich zu schreien. Die Frau hörte es; sie eilte herbei, und wie sie das Kind daliegen sah, tat es ihr sehr leid. Sie hob es auf und freute sich über den Fund, denn sie hatte selber kein Kind. Sie säuberte es, wusch es und nahm es mit nach Hause. Weil sie keine Milch hatte, holte sie mit einem langen Stab eine Kokosnuß von einer Palme herab und päppelte damit das Kind. Als sie ihren Mann von weitem mit dem Boote kommen sah, lief sie ihm an den Strand entgegen und erzählte ihm ihr Erlebnis. Der freute sich sehr; er ließ das Boot am Strande liegen wie es war und lief nach Hause, um das Kind zu sehen und es zu herzen. Sie hielten den Findling wie ihr eigen Kind; und es wuchs rasch auf.

Einmal war der Vater zum Fischen gegangen und die Mutter [188] im Tarofelde, da ging Olufat fort, um Palmwein zu holen. Als er die Flasche von der Wand herabholte, sah er, daß an der Decke zwei große Säcke hingen. Goschuberig hatte früher in ihnen Menschen geholt; und in dem einen waren lauter gute, in dem andern lauter schlechte, böse, mit Lastern, Gebrechen, Krankheiten u.a.m. behaftete Menschen. Obwohl der Vater es ihm stets verboten hatte, die Säcke anzurühren oder nachzusehen, was darin wäre, wollte Olufat es doch wissen. Er lief zunächst an den Strand, um zu sehen, was der Vater machte, dann sah er nach der Mutter. Als er merkte, daß beide sehr beschäftigt waren, und nun die Luft rein war, eilte er ins Haus zurück und schnitt die Säcke ab. Mit einem fürchterlichen Gepolter und Getöse sausten die Säcke zu Boden; der ganze Himmel erbebte und erzitterte. Auch die Eltern merkten es und kamen eilends herbei. Die Säcke waren noch nicht geöffnet. Und als Olufat die Eltern kommen sah, nahm er beide Säcke auf den Buckel und lief fort. Da wußten die Eltern, daß ihr vermeintliches Kind Olufat gewesen war.

Olufat eilte in das Land Pelit zurück und Goschuberig rannte hinter ihm her. Als dem Olufat die beiden Säcke zu schwer wurden, ließ er den einen fallen. Sein Vater hob ihn auf und trug ihn nach Haus. Je näher er dem Haus kam, um so schwerer wurde der Sack, so daß Goschuberig ihn schließlich hinwerfen mußte. Da fiel der Sack durch den Himmel hindurch und landete auf der Insel Feis1. Mit dem andern Sack gelangte Olufat jedoch glücklich nach Pelit. Als er ihn öffnete, erlebte er eine große Enttäuschung; er hatte den Sack mit den schlechten Menschen zu fassen gekriegt. Und weil er nicht wußte, was er mit ihnen anfangen sollte, schlug er sie alle tot. Darauf ging Olufat nach Fatschumal zurück und benahm sich fortan als ein ordentlicher Gott.

Der Sack war nachts auf Feis herabgefallen. Feis und die See erbebte. Und als am nächsten Morgen die Bewohner von Feis den Sack öffneten, da kam eine bildschöne Frau [189] heraus, nach ihr eine zweite, eine dritte und so immer mehr, bis schließlich jeder Mann auf Feis eine Frau bekommen hatte; dann war der Sack leer, und waren die Frauen alle. Man warf ihn achtlos an den Strand.

Nun wohnte damals in der Mitte der Insel ein Mann, namens Apischur. Der kam bei der Verteilung zu spät; und die Leute konnten ihm nur noch die Geschichte von dem Sacke erzählen, und wie sie ihn leergemacht hatten. Aber Apischur sagte: »Ich will mir den Sack einmal selber besehen.« Wie man es beim Aufholen des Bootes zu tun pflegt, legte er eine Reihe Palmblattrippen an den Strand und zog darauf den Sack hinauf. Mittlerweile war der Sack arg schmutzig geworden, denn die Frauen hatten ihn benutzt, um ihre Geschäfte darin zu verrichten. Trotz des üblen Geruches und Kotes besah sich Apischur den Sack von innen und fand im hintersten Winkel noch eine Frau, die man bei der Verteilung vergessen hatte. Er holte sie hervor und nannte sie Ilusumar, denn er hatte sie zwischen dem Schmutz gefunden. Und so dreckig, wie sie war, nahm er doch daran keinen Anstoß; er konnte trotzdem sehen, wie schön sie war. Er wusch sie gehörig ab und nahm sie mit in sein Haus.

Als der König davon hörte, wurde er sehr eifersüchtig auf Apischur und ärgerte sich, daß er die schönste Frau hatte. Er wollte sie ihm abspenstig machen, und lud deshalb alle Männer mit ihren Frauen zu einem großen Tanzfest ein. Zu Apischur aber sagte er: »Mach dein Boot fertig und fahre sofort nach Faiju2. Du sollst dort Vogelfedern holen!« Da machte der Mann sich fertig. Morgens fuhr er ab, mittags kam er in Faiju an, und abends war er in Feis zurück. Er hatte es sehr eilig, denn er ahnte, daß ihm der König den Auftrag nur deshalb gegeben hatte, um ihm während seiner Abwesenheit seine Frau fortzunehmen. Als er zurückkam, sprach der König zu sich: »Nun, der kommt ja rasch wieder, da kann ich ihm seine Frau wohl doch nicht stehlen.« Aber er wollte sein Vorhaben nicht aufgeben. Als [190] Apischur zu ihm kam, sagte er: »Schön, jetzt fahre nach Yap und hole mir von dort Reng.« Apischur gehorchte und war noch am selben Tage zurück. Der König gab ihm nun den Befehl, eine Reise in das große Land des Ostens zu machen und schöne Tücher zu holen. Als er nach dorthin abfahren wollte, brachte er zunächst seine Frau in Sicherheit. Er beschwor Feis, und die hohen Klippen tauchten aus dem Meere herauf; dahinter verbarg er seine Frau vor den Nachstellungen des Königs und fuhr los. Nach fünf Tagen war er wieder zurück und lieferte die Tücher ab. Jetzt wollte der König seine Absichten auf Ilusumar aufgeben, doch ließ sein Herz ihm keine Ruhe. Er dachte sich ein schweres Stück Arbeit für Apischur aus, eine Reise, von der er gewiß nicht wieder zurückkommen würde. So gab er ihm den Auftrag, ins Land der Kraniche, nach Falueluegarar, zu fahren.

Als Ilusumar hörte, daß ihr Mann wieder fortreisen müsse, wurde sie sehr traurig und fragte ihn, warum er denn immer reisen müßte, weshalb er nicht bei ihr bliebe und wohin er diesmal fahren sollte. Apischur erzählte es ihr, und sie wurde wieder guten Mutes, daß er nach Falueluegarar reisen sollte. Denn Falueluegarar war ihr Heimatland, dort war sie geboren; und der König wußte es nicht. Sie erzählte es ihrem Mann, bat ihn darüber zu schweigen und sagte zu ihm: »Geh nicht in diesem und im nächsten Monat; die Früchte sind ja noch nicht reif; das Land ist sehr weit von hier, und du kannst nicht genügend zu essen mitnehmen. Bleibe noch und brenne dir Kalk, denn unterwegs wirst du viele böse Geister treffen; die kannst du alsdann damit bannen und verscheuchen.«

Apischur brannte nun zwei Monate hindurch Kalk, füllte ihn ins Boot und belud es auch mit Lebensmitteln. Dann reiste er ab. Als er einen Monat unterwegs gewesen war, sah er von fern zwei hohe steile Felsen im Meer, zwischen denen der Weg hindurchführte. Seine Begleiter sagten zu ihm: »Sieh, dort ist das Land.« – »O nein,« antwortete er, »wir müssen noch viel, viel weiter fahren. Das sind [191] Felsen, die von bösen Geistern bewohnt werden.« Und als sie zwischen den Felsen waren, kamen die Geister auf beiden Seiten herab und wollten das Boot vernichten. Apischur bewarf sie mit Kalk; da wurden sie sofort gebannt, und die Reisenden konnten ruhig die Fahrt fortsetzen.

Nach einem weiteren Monat begegneten sie einem gewaltigen Walfisch, der von den Leuten wieder für das gesuchte Land gehalten wurde. »O, nein,« sagte Apischur, »wir müssen noch viel, viel weiter fahren. Aber kommt, laßt uns auf den Wal hinaufklettern, er soll fortan unser Boot sein und wird uns nach Falueluegarar bringen.« Da zerschlugen sie ihr Boot und warfen Mast und Segel in die See. Dann kletterten sie auf den Wal hinauf, und Apischur sagte: »Ich bin der Führer und sitze auf dem Rücken; ihr übrigen verteilt euch auf die Flossen und zwei setzen sich auf den Schwanz!« Das taten sie auch; Apischur war aber ein großer Zauberer, und als es ihm und seinen Leuten nicht mehr auf dem Fisch gefiel, da sprach Apischur kräftige Zaubersprüche, und alle saßen in der Wirbelsäule des Wals. Nach einem Monat strandete der Fisch in Falueluegarar.

Da kamen die Kraniche herbei und fraßen das Fleisch des gestrandeten Tieres auf; und als die Kraniche gesättigt waren, blieben nur noch die Knochen übrig. Die trockneten in der Sonne, barsten auseinander; und als sie zerfielen, kroch Apischur mit seinen Gefährten heraus.

Sie gingen ins Land hinein und kamen bald an ein Haus, das der Frau Aliselap gehörte. Aliselap war eine böse Zauberin; sie war halb Mensch und halb Geist. Als sie die Fremdlinge kommen sah, ging sie ihnen entgegen und sagte: »O, ihr tut mir sehr leid; doch Essen kann ich euch im Augenblick nicht geben; ich habe nichts im Hause, doch werde ich meine Leute rufen, die können es bereiten!« Und sie zündete eine Menge Feuer an, damit sie herbeikämen; es erschien jedoch niemand, denn in Wirklichkeit hatte sie keine Leute und war ganz allein auf der Insel. Vor dem [192] Hause stand eine Kokospalme, die gehörte der Ilusumar, und daneben waren zwei Wasserlöcher. Ilusumar hatte ihrem Mann davon erzählt; er wußte Bescheid. Das Wasser des einen Loches verlieh Schönheit, Stärke und Tapferkeit, wer jedoch in dem andern badete, wurde mit Krankheiten und Plagen bedacht. Dieser Brunnen war schön gepflegt, die Korallensteine waren sauber um ihn aufgesetzt, und sein Wasser war spiegelblank. Aliselap dachte, die Menschen würden in diesem schönen Brunnen baden und sterben; und sie könnte sie dann auffressen. Der erste Brunnen war mit Schmutz umgeben, er war ungepflegt und hatte trübes Wasser. Niemand ahnte, welche vorzüglichen Eigenschaften er verlieh. Apischur schlug seinen Leuten nun vor, zu baden. Als sie aber in den schönen Brunnen steigen wollten, warnte er sie und befahl ihnen, den Schmutz fortzuräumen und ferner fünf Nüsse von der Palme seiner Frau zu holen. Als sie die Nüsse öffnen und essen wollten, hatten sie jedoch keinen geeigneten Stein. Und erst als sie den Schmutz am Brunnen forträumten, fanden sie einen flachen Stein und darunter eine Trinkschale, welche Ilusumar früher hier verborgen hatte.

Dann badeten sie, bekamen neue Kräfte und erfrischten sich an den Nüssen. Als sie damit fertig waren, dachten sie an den Auftrag des Königs; sie verteilten sich über die Insel, und jeder sammelte eine Kiste voll Kranichfedern. Sie sammelten fünf Kisten voll. Als die Nacht hereinbrach, war der Auftrag ausgeführt, und ehe sie die Heimkehr antraten, wollten sie noch einmal gehörig ausschlafen. Sie gingen ins Haus der Aliselap und legten sich nieder: Da sagte Apischur: »Schlaft noch nicht ein! Jeder Pfosten, jeder Balken ist hier verzaubert; es sind böse Geister, die euch im Schlafe töten wollen. Aber wir führen sie an. Gebt mir einmal eine Nuß her!« Da öffnete er eine Nuß und schnitt sie in kleine Stücke; jeder erhielt zwei; und Apischur befahl ihnen, je ein Stückchen mit der weißen Schale nach oben auf jedes Auge zu legen; »dann denken die Geister, wir wachen [193] und können uns nichts anhaben.« Sie taten es und schliefen nun ruhig bis in den Morgen hinein.

Als die Sonne schon hoch am Himmel stand, wachten sie auf und wollten jetzt in die Heimat zurückkehren. Doch hatten sie kein Boot. Da sagte Apischur, der ja Bescheid wußte: »Geht an den Strand zum Brunnen, wo wir gestern gebadet haben, und wälzt den flachen Stein ganz beiseite!« Sie taten es und entdeckten den Eingang zu einem unterirdischen Wege. Der führte nach Feis. Sie zogen ihn entlang, und als sie ihn zu Ende gegangen waren, kamen sie wieder an einen Stein. Sie hoben ihn hoch und standen mitten im Hause der Ilusumar und von Apischur auf Feis. Der lange Marsch hatte sie sehr ermüdet; sie schliefen gehörig aus und gingen am nächsten Tage zum König. Bei der Ankunft vor seinem Hause setzten sie die Kisten mit den Kranichfedern nieder und sagten: »Hier, König, hast du, was du haben wolltest.« Da sah der König ein, daß er dem Apischur doch nichts anhaben konnte, und gab seine Absichten auf Ilusumar auf. Apischur lebte fortan glücklich und zufrieden mit seiner Frau und bekam viele Kinder.

Die Kinder wuchsen heran, wurden groß und spielten gern. Als sie einmal wieder spielten, hatte der Älteste Unglück und erschlug ein anderes Feiskind. Da mochte niemand mehr mit den Kindern von Ilusumar spielen, und sie wollten nicht mehr in Feis bleiben. Der Älteste bat, doch in die Heimat der Mutter gehen zu dürfen. Als sie sah, daß es ihrem Sohn ernstlich darum zu tun war, erzählte sie ihm von ihrer Heimat, von den vielen Schwierigkeiten, dort hinzugelangen, den bösen Geistern, und lehrte ihn die Zauberformeln und Mittel, sich dagegen zu verteidigen. Dann salbte sie ihm die Füße und entließ ihn. Der Sohn ging fort, und das Öl ermöglichte es ihm, über das Wasser hinwegzuschreiten.

Er wanderte eine lange, lange Zeit und gelangte endlich auf die Insel der Aliselap und weiter nach der Hauptinsel von Falueluegarar, welche dahinter lag. Die war von vielen Menschen bewohnt, und als er sich ihr näherte, kündete er durch [194] lautes Rufen sein Kommen an. Man nahm ihn freundlich auf und führte ihn ins große Versammlungshaus. Als er dort seine Erlebnisse erzählte, seinen Namen nannte und sich als Sohn der Ilusumar zu erkennen gab, war die Freude groß. Alle Leute eilten herbei, begrüßten und umarmten ihn, und dankten ihm, daß er ihnen Nachrichten von ihrer längst totgeglaubten Schwester Ilusumar brachte. Sie badeten und salbten ihn. Und er blieb im Lande seiner Mutter und wurde König.

Es dauerte nicht lange, da wollte auch der zweite Sohn von Feis fortgehen und seinem Bruder folgen. Er sagte seiner Mutter jedoch nichts davon und erfuhr daher nicht die Zauberformeln zum Vertreiben der bösen Geister. Als er die Füße mit dem Zauberöl gesalbt hatte, ging er auf das Wasser und entfernte sich heimlich. Bald kam er an die beiden hohen Felsen, wo die bösen Geister wohnten. Die bemächtigten sich des Jünglings und setzten ihn gefangen. Als er nicht wieder nach Haus kam, wurde die Mutter unruhig und schickte schließlich den dritten Sohn aus, um seinen Bruder zu suchen. Sie belehrte ihn genau so wie den Ältesten und gab ihm eine Schale mit Sand mit. Der Sohn ging fort und kam ebenfalls an die Felsen. Als die Geister über ihn herfallen wollten und mit Speeren nach ihm warfen, sprach er die Sprüche, welche die Mutter ihn gelehrt hatte. Da flogen die Speere an ihm vorbei, und er gelangte unbehelligt auf die Felsen. Die Geister nahmen ihn gerade nicht freundlich auf, aber sie taten ihm auch nichts. Und als er in das Versammlungshaus eintrat, fand er dort seinen vermißten Bruder, der mit dicken Stricken an der Decke festgebunden, jedoch noch am Leben war. Da nahm er den Sand, den ihm die Mutter mitgegeben hatte, und bewarf damit die Geister, so daß sie alle starben. Darauf befreite er seinen Bruder, und beide wanderten ins Land der Mutter, wo ihr älterer Bruder sie mit Freuden aufnahm.

Bald folgte ihnen auch der vierte Sohn nach. Da vereinsamten Apischur und Ilusumar. Sie bekamen Sehnsucht [195] nach ihren Kindern und verließen schließlich Feis. Sie wanderten nach Falueluegarar und lebten dort glücklich mit ihren Söhnen zusammen bis an ihr Ende.


Strand einer Koralleninsel in den Karolinen
Strand einer Koralleninsel in den Karolinen
Ehepaar von den Zentral-Karolinen
Ehepaar von den Zentral-Karolinen
1

Insel nordwestlich von Elato, nordöstlich von Yap.

2

Insel südöstlich von Feis.

Quelle:
Hambruch, Paul: Südseemärchen. Jena: Eugen Diederich, 1916, S. 180-196.
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Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

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