Quellennachweise und Anmerkungen

[339] Die Märchen dieses Bändchens sind entnommen:


Die australischen aus:

K. Langloh Parker: Australian Legendary Tales. Folklore of the Noongahburrahs as told to the piccaninnies. London 1897.

K. Langloh Parker: More Australian Legendary Tales. Collected from various tribes. London 1898.

(unten zitiert mit L.P. 1 und 2).


Die melanesischen aus:

Lorimer Fison: Tales from Old Fiji. London 1904 (zt. mit L.F.).

P. Jos. Meier, M.S.C.: Mythen und Erzählungen der Küstenbewohner der Gazelle-Halbinsel (Neu-Pommern). Münster i.W. 1906, (zt. mit P.M.).

R. Parkinson: Dreißig Jahre in der Südsee. Stuttgart 1907 (zt. mit R.P.).

C.G. Seligmann: The Melanesians of British New Guinea. Cambridge 1910 (zt. mit G.S.)1.

F. Speiser: Südsee, Urwald, Kannibalen. Reiseeindrücke aus den Neu-Hebriden. Leipzig 1913 (zt. mit F.S.).

Anthropos, Internationale Zeitschrift für Völker- und Sprachenkunde. X–XI. Wien 1916 (zt. mit Anth.).


Die mikronesischen aus:

P. Hambruch: Nauru I u. II. Hamburg 1914 u. 1915. (zt. mit P.H.)

Ethnologisches Notizblatt. III, 3. Berlin 1904. (zt. Ethn. N.)

Mitteilungen des Seminars für Orientalische Sprachen zu Berlin. Ostasiatische Studien. Berlin 1906 (zt. mit M.O.S.).


Die polynesischen aus:

H.M. Emerson: Unwritten Literature of Hawaii. The sacred songs of the Hula. Washington 1909 (zt. mit Em.).

Sir George Grey: Polynesian Mythology and Ancient Traditional History of the New Zealand Race, as furnished by their priests and chiefs. Auckland 1885 (zt. mit G.G.).

A. Krämer: Die Samoa-Inseln. I.u. II. Stuttgart 1902. (zt. mit A.K.)

O. Sierich: Samoanische Märchen in: Internationales Archiv für Ethnographie. Leiden 1900–1905 (zt. mit J.A.).

W.D. Westervelt: Legends of Old Honolulu. Collected and translated from the Hawaiian. London 1915 (zt. mit D.W.).


[340] Die Umwelt, in denen die Märchen sich abspielen, wird den meisten Lesern nicht bekannt sein. Wer sich im allgemeinen darüber zu belehren wünscht, nehme das Buch von Sievers-Kükenthal: Australien, Ozeanien und Polarländer. Leipzig 1906 in die Hand. Aus der Fülle der ethnologischen Literatur, die reine Fachliteratur wird hier nicht herangezogen, seien genannt und empfohlen:

Australien: K. Langloh Parker: The Euahlayi Tríbe. A Study of Aboriginal Life in Australia. London 1905 und N.W. Thomas: Natives of Australia. London 1906.Südsee: Ph. Berges: Eine Reise um die Welt. Hamburg 1914; E. Way Elkington: The Savage South Seas. Painted by Norman H. Hardy. London 1907; B. Mörner: Aráfis Tropiska Ar. Stockholm 1914; A. Krämer: Hawaii, Ostmikronesien und Samoa. Stuttgart 1906; R. Parkinson: Dreißig Jahre in der Südsee. Stuttgart 1907; F. Speiser: Südsee, Urwald, Kannibalen. Leipzig 1913; E. Spiegel von und zu Peckelsheim: Kriegsbilder aus Ponape. Stuttgart 1912; R.L. Stevenson: In the South Seas. Leipzig 1901; H. Vogel: Eine Forschungsreise im Bismarck-Archipel. Hamburg 1911. Diese genannten Werke machen den Leser aufs innigste mit Land und Leuten, ihren Lebensgewohnheiten, Sitten usw. vertraut.

Erläuterungen2 und Erklärungen, die in jedem guten Konversations-Lexikon zu finden sind, gebe ich nicht; andererseits wird der Leser jedoch gelegentlich die Anmerkungen zu den in den Märchen erwähnten Tier-, Pflanzen- und Landschaftsnamen vermissen; in solchen Fällen vermag ich nicht zu helfen, denn alsdann gibt die herangezogene Quelle auch keine Auskunft.

Sämtliche australischen Märchen sind bei den Stämmen des nordöstlichen Neu-Süd-Wales aufgenommen.


1. Der Kranich und die Krähe. – L.P. 2. S. 1.


2. Der Emu Dinewan und die Krähen Wahn. – L.P. 1, S. 73.


3. Die Fliegen Bunnyyarl und die Bienen Wurrunnunnah. – L.P. 1, S. 106. – Vergl. die Fabel von der »Grille und der Ameise«.


4. Die Blutblume. – L.P. 2, S. 31. – Die »Blutblume« ist Sturt's desert pea, Cliantus Dampieri.


5. Balu und die Dens. – L.P. 1, S. 8. – Vergl. die Behandlung des Motivs »Weshalb die Menschen sterben müssen« in Nr. 15; Nr. 16, 2; Nr. 40 und Nr. 70. Abart einer der in der Südsee ebenfalls weitverbreiteten Mythen von dem Ursprung des Todes; wie der Mond sich immer wieder verjüngt, soll der Mensch sich wieder verjüngen; das Versprechen wird vom Monde oder einem Helden mit mondähnlichem Charakter gegeben; durch Ungehorsam, Mißverständnis usw. bringt die Menschheit sich um die Unsterblichkeit. Weitere Beispiele siehe Tylor: Anfänge der Kultur 1. S. 349. – Den, Name für Eingeborene.


[341] 6. Die Entstehung der Sonne. – L.P. 2. S. 28.


7. Die sieben Schwestern Meamei. – L.P. 1. S. 40. – Die Plejaden spielen in den Märchen aller Völker eine große Rolle. »Die Plejaden erscheinen als Tauben oder als Frauen, die ein Jäger verfolgt, oder, das ist im Märchen das Häufigste, als goldene Henne mit sechs goldenen Küchlein.« (v.d. Leyen, Das Märchen S. 63). In der Südsee kündet ihr Aufgang den Wechsel der Jahreszeiten an, die Regen- und Trockenzeit, den Wechsel der Monsune. Man rechnet hier auf vielen Inseln nach einem Plejadenjahr. Weiteres s. Stucken, Astralmythen. – Die beiden Plejaden, welche Wurunnah heiratete, leuchten nicht so stark als die Plejaden, welche Jungfrauen blieben.


8. Woher der Frost kommt. – L.P. 2. S. 73.


9. Byamee's Versammlung. – L.P. 1. S. 94. – Byamee (Baiame, Piame) ist der Allvater, der Kultur-Heros. Bei den Beschneidungsfesten lernen die mannbar gewordenen Eingeborenen diese Gottheit kennen. Sie wurde viel umstritten; Byamee sollte keine echte australische Gottheit, sondern unter christlichen Einflüssen entstanden sein. Genaue Untersuchungen erwiesen, daß die Eingeborenen Byamee als Schutzgott der Mannbarkeitsfeste kannten, bevor irgend ein Weißer oder Missionar zu ihnen gekommen war. Gewisse Züge deuten auf seine Einführung aus Asien hin (s. Asiatic Researches Bd. 9). Byamee wohnt im Himmel; man stellt ihn sich auf einem Thron aus wasserklarem Krystall sitzend vor; zu beiden Seiten stehen hohe krystallene Säulen. Sein Sohn heißt Grogorally; er überwacht die Menschen und fährt ihre Seelen nach dem Tode zu Byamee. Byamee schuf den ersten Menschen namens Moodgegally. Als er Byamee besuchte, um die Gesetze von ihm entgegen zu nehmen, stieg er auf einem Wendelstieg, dann auf einer Leiter zum Himmel empor. – Der Balah-Baum ist die Sumpfeiche, der Bibbil-Baum eine Eukalyptusart mit pappelähnlichen Blättern.


10. Wie die Blumen wieder in die Welt kamen. – L.P. 2. S. 84. –


11. Der Ibis und der Mond. – L.P. 1. S. 68. – Eine Sintflutsage. – Wenn der Mond einen »Hof« hat, hat er sich nach dem Glauben der Eingeborenen ein Haus gebaut, um sich vor dem nahe bevorstehenden Regen zu schützen.


12. Warum der Kasuar keine Flügel hat. – R.P. S. 694. – Gazelle-Halbinsel, Neu-Pommern.


13. Der Tanz der Vögel. – P.M. S. 275. – Gazelle-Halbinsel, Neu-Pommern. Der Malip-Vogel ist eine Papagei-Art.


14. Die Sonne. – P.M. S. 133. – ebd. Vergl. Märchen Nr. 70, wie Maui die Sonne mit einer Schlinge einfängt.


15. Warum wir sterben. – P.M. S. 107. – ebd. Vergl. Anmerkungen zu Nr. 5.


16. Drei Geschichten von den Brüdern To Kabinana und To Karwuwu. – P.M. S. 59, S. 37 und S. 73. – ebd. Aus anderen hier nicht angeführten Geschichten geht hervor, daß To Kabinana, der Vertreter und Erfinder alles Guten, der Weise, der Hellmond [342] ist, dem To Karwuwu als Tölpel, Tunichtgut und Unheilstifter als Dunkelmond gegenübergestellt wird. In den beiden Persönlichkeiten sind die gegensätzlichen Naturen der Mondphasen auf das trefflichste verwertet worden. Der Eingeborene sieht in den beiden seine Stammväter, die einen bestimmenden Einfluß auf das ganze Leben ihrer Nachkommen ausüben. Sie stehen von Anfang an als wirkliche Menschen den Geistern gegenüber, denen sie Streiche spielen oder zu spielen versuchen.


17. Das Huhn und der Kasuar. – P.M. S. 95. – ebd. Das Muschelgeld besteht aus besonders ausgewählten verschiedenen Schnecken- und Muschelarten, deren Schalen meistens zerschlagen, die kleinen Stückchen durchbohrt und zu gleichmäßigen Scheibchen abgeschliffen werden. Diese Scheiben zieht man auf Stränge auf, deren kürzester, ein Handspann, die kleinste Münze verkörpert; diese Stränge werden jedoch zu vielen Metern verlängert, die alsdann zu Reifen von 1/2–2 m Durchmesser aufgerollt werden. Geld bedeutet die höchste Wonne für den Eingeborenen; er sucht in seinem Leben möglichst viel davon in seine Hände zu bekommen, obschon es bei seinem Tode doch nur in den Besitz der trauernden Verwandtschaft übergeht. – In dem Märchen ist die Fahrt nach Nakanai an der Nordküste Neu-Pommerns geschildert, wo die begehrteste Geldschnecke, nassa calosa, gefunden wird. – Zu S. 56. Es gilt als großer Schimpf bei den Eingeborenen, jemandem zu sagen, er solle Kot essen. Kot genießen nur die Teufel und die Verstorbenen. Wird dieser Schimpf einem Eingeborenen an den Kopf geschleudert, so beschwört er immer eine Katastrophe herauf. Im gelindesten Falle wird der Beschimpfte das Weite suchen und Haus und Hof samt seinen Angehörigen wenigstens für eine Zeitlang verlassen, bis sein Zorn wieder verraucht ist. – Zu S. 61. Tabai ist ein Platz an der Westküste von Neu-Pommern. Es sollen sich dort die Geister von Verstorbenen aufhalten.


18. Die Ratte und der Schmetterling. – G.S. S. 410. – Aus Wedau, Englisch-Neu-Guinea. – Diese Geschichte grotesker Gegensätze gehört zu den beliebtesten Erzählstoffen der Südsee. Vergl. Anmerkungen zu Nr. 52.


19. Kukuku und Waima. – G.S. S. 418. – Aus Menapi, Englisch-Neu-Guinea.


20. Die Geburt der Sonne. – G.S. S. 378. – Aus Wagawaga, Englisch-Neu-Guinea. – Das Motiv des Streits beim kindlichen Spiel, das für die Zukunft das Leben des beleidigten Helden beeinflußt und die Geschichte wesentlich bestimmt, kehrt in den Eingeborenen-Erzählungen häufig wieder. Vergl. Nr. 30 und Nr. 43. – Kalkstaub gilt als beliebtes und bewährtes Zaubermittel zur Abwehr.


21. Die Entstehung des Feuers. – G.S. S. 379. – Aus Wagawaga, Englisch-Neu-Guinea. – Vergl. Nr. 70, wie Maui der Mahu-ika das Feuer stiehlt.


22. Das lahme und das schlafende Bein. – G.S. S. 418. – Aus Mukaua, Englisch-Neu-Guinea.


[343] 23. Der Feigenbaum. – G.S. S. 404. – Aus Awaiama, Englisch-Neu-Guinea. – Vergl. hierzu das Märchen aus Ponape Nr. 46 und Nr. 38 aus Palau.


24. Der Ursprung der Weißen. – G.S. S. 404. – Aus Taupota, Englisch Neu-Guinea. – Der Gedanke der gemeinsamen Abkunft von Schwarz und Weiß kehrt auch an andern Orten der Südsee wieder, z.B. in den Karolinen, ohne daß dieser Glaube auf eine Beeinflussung seitens der Missionare zurückgeführt werden kann.


25. Der Fischer und der Geist. – Unveröffentlicht; Erzählung des Buka- (Salomon-Inseln) Eingeborenen To Hen; handschriftlich mitgeteilt von Hans Vogel-Hamburg.


26. Die Heldenzwillinge. – Unveröffentlicht; Erzählung von To Hen; handschriftlich mitgeteilt von Hans Vogel-Hamburg.


27. Vom Manne, der ausging, sich eine Frau zu suchen. – Unveröffentlicht; Erzählung von To Hen; handschriftlich mitgeteilt von Hans Vogel-Hamburg.


28. Die Entdeckung der Spiegelung im Wasser. – F.S. S. 70. – Aus Vao, Neu-Hebriden.


29. Die Schlange. – Anth. X–XI, S. 269. – Aus den Neu-Hebriden. Vergl. Das Wachstum der Schlange mit dem des Fisches in Nr. 41 aus Palau.


30. Das Sonnenkind. – L.F. S. 33. – Erzählung des Häuptlings Taliai-tupou von Naiau, Fidji. – Das Märchen ist ebenfalls in Samoa bekannt. J.A. 1902. S. 170.


31. Wie die Fidji-Leute den Bootbau erlernten. – L.F. S. 27. – Erzählung des Häuptlings Taliai-tupou von Naiau, Fidji. – Sintflutsage.


32. Die Geschichte von Longa-Poa. – L.F. S. 65. – Erzählung des Häuptlings Taliai-tupou von Naiau, Fidji. – Bokolas sind die zum Fressen bestimmten menschlichen Leichname.


33. Matanduas Abenteuer. – L.F. S. 99. – Erzählung des Roko Sokotukevei, Fidji.


34. Napoleon ist ein Tonga-Mann. – L.F. S. 135. – Erzählung eines Tonganers, der sich auf Fidji befand. – Beispiel der Entstehung einer Sage aus fremdländischen Erzählungen.


35. Das Ei der weißen Seeschwalbe. – Palau, Karolinen. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart. Vergl. hierzu die Buchleiste auf S. 155.


36. Der arme und der reiche Hahn. – ebd. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart. In Palau bedeutet »audóu« Geld alles; es gibt keinen andern Reichtum daneben. Das Verhältnis zu den Göttern, zum Häuptling, zum Priester, zum Gesetz ist durch das Geld geregelt; Freundschaften werden mit Geld abgeschlossen, Liebe bezahlt; für jede Umarmung hat der Mann seiner Frau ein Geldstück zu entrichten. Töchter, die »verdienen« können, bilden daher den Reichtum der Familie. Das Palau-Geld besteht aus kleinen Stücken angebrannter Erden, Emaillen und Glas, die zu regelmäßigen symmetrischen gebogenen Prismen oder Perlen geschliffen werden. Ihr Einzelwert[344] schwankt zwischen 15000 und 1 Mark. – Nr. 37–41 zeigen, welche Rolle das Geld im öffentlichen Leben spielt, wie der Eingeborene gierig hinter ihm herhastet.


37. Der Vogel Peaged arsai. – ebd. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart – S. 158 Motiv des Tischlein deck' dich!


38. Die Mandelsammlerin. – ebd. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart. – Zauber »des Zusammenkommens« vergl. Nr. 23, S. 72 (Britisch-Neu-Guinea): zu Verwandlung des Gobakerai vergl. Nr. 61, aus Samoa; die Episode vom Froschbräutigam erinnert an Grimms »Froschkönig«. (Grimm Nr. 66). – Die Erzählung scheint das Bruchstück einer größeren Geschichte zu sein. – Die Frauen sind auf Palau selbständig; sie haben ihre eigene Regierung und bilden Vereine, die gelegentlich eine Zeitlang in corpore das Dorf verlassen, um Besuchsfahrten in andere Landschaften zu unternehmen und im Verkehr mit den dort wohnenden Männern möglichst viel zu »verdienen«.


39. Klubud singal. – ebd. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart. – Das Märchen erinnert an die ähnliche Erzählung aus Ponape Nr. 49. Auch auf Ponape spielen in verschiedenen Geschichten hölzerne, von Menschen angefertigte Vögel eine große Rolle. Flieger-Märchen werden in der Südsee aus den Admiralitäts-Inseln, Britisch-Neu- Guinea, Neu-Hebriden und Hawaii mitgeteilt. – S. 165. Ein Tarospieß ist ein spitzer Stab aus hartem Holz, mit dem die gekochten Taro auf ihr Garsein geprüft werden. S. 187. Der gadepsungel-Baum ist eine Crataeva-Art; er hat hartes und dabei doch sehr leichtes Holz. S. 170. Die Ortschaften Ngesebei, Ngaragedag, Ngartukur u.a. in Ngardmau wandten sich an Galegui mit der Bitte, doch ihre Kinder bei ihnen zu lassen. Dafür erhielten die Leute von Galegui das Recht, unvollendete Boote in Ngardmau nach ihrem Belieben wegzunehmen, ein Recht, das heute noch besteht. Wenn ferner in Ngardmau eine Tarokrankheit oder sonst ein Übel herrscht, machen die Leute dort noch heute einen Kedam l'bekl »einen Drachen für ein Paar«, so groß wie einen Hausgiebel. Ein Klub macht die Leine dazu. Dann bringt man ihn hinaus auf die Heide und läßt ihn 5–7 Tage in die Höhe fliegen, während die Bewohner draußen fasten und speisen zur Erinnerung an den Vogel des Klubud singal.


40. Das Bündel von Ngeraod. – ebd. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart. Motiv der drei Wünsche. S. 172. 1) Motiv des Tischlein deck' dich. 2) Größte Versuchung für einen Palau-Mann, die immerwährend spendende Geldquelle ablehnen zu müssen. 3) Motiv des ewiges Leben verleihenden Bündels. – Infolge der Habgier einzelner Leute verliert die Menschheit die Möglichkeit ewig leben zu bleiben. Vergl. Nr. 5; Nr. 15; Nr. 16, 2 und Nr. 70. – S. 173. Die Worte [345] Audogul ma geuid sind unübersetzbar, sie scheinen einen Heilsegen zu enthalten. Die Fackel-Linde ist Hibiscus tiliaceus.


41. Die Herkunft des Geldes. – ebd. Unveröffentlicht; handschriftlich mitgeteilt von Prof. Dr. A. Krämer-Stuttgart. Bildliche Darstellung siehe Tafel 8, die unterste Bildreihe findet ihre Erklärung in der hier in der Anmerkung erzählten Geschichte. Vergl. zur Geschichte vom Vogel Delarok die Erzählung Grimm Nr. 84 »Der Vogel Greif« und Chinesische Märchen Nr. 1, in dem der Vogel Rokh gleichfalls erscheint. Das sagenhafte Geldland ist in den Zentralkarolinen, s.S. 191 ff., das Land der Kraniche, nach dem mühevolle Fahrten unternommen werden, um die geschätzten Federn, das Geld, zu holen. Nach den Erzählungen der Ponape-Leute lebt der Geldvogel ebenfalls in einem fernen Lande. Er wird dort als König gehalten und ängstlich bewacht. – Im Journal des Museum Godeffroy 4, S. 50 berichtet Kubary weiter: »Ein Mann Namens Ardakor aus Kyangle ging auf die See mit seinem Sohn, um zu fischen. Sie banden das Kanu nach der Palau-Sitte an einen über das Wasser hervorragenden Stein, und der Vater schlief ein. Der scheinbare Stein aber war der Stachel der Rückenflosse eines ungeheuren Dukl, eines Fisches, der noch heute hier zwei Fuß lang wird. Der erwähnte Dukl war aber so groß wie eine Insel, da der Stachel seiner Flosse mit einem Stein verwechselt werden konnte.
Bald bemerkte der wachende Knabe, daß das kleine Kanu sich in Bewegung setzte und daß seine Heimat Kyangle aus seinen Augen verschwand. Der Dukl, an dessen Stachel das Kanu befestigt war, schwamm weg und brachte dasselbe nach einem unbekannten Lande. Es war das Land Ngorot, dessen Ufer aus dem audóu, Geld, gleich Kieselsteinen bestand. Der Knabe fühlte, daß sein kleiner Nachen den Grund berührte, und stieg ans Land, auf welchem er zahlreiche Strandläufer (Brachvogel, Delarok) bemerkte. Er füllte seinen Handkorb mit den am Strande liegenden Steinen an und kletterte auf sein Kanu zurück, um mit den Steinen die herumlaufenden Schnepfen zu werfen. Er verwarf auf diese Weise viele von den Steinen, und nur ein kleiner Teil blieb in dem Korbe. Der Dukl brachte das Kanu bald auf die frühere Stelle, wo der Vater erwachte und in den übrig gebliebenen Steinen Geld, audóu, erkannte. Auf diese Weise bekam Kyangle sein Geld und Ardakors Haus wurde das dritte reiche in Palau«. – Wachstum des Fisches vergl. Nr. 29 aus den Neu-Hebriden.


42. Der Chaifi. – Aus den Marianen; mitgeteilt von G. Fritz in M.O.S. 1906 S. 178.


43. Die Geschichte von Jat und Jol. – Aus Elato, Koralleninsel östlich von Yap. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1909 aufgenommen. – Das Märchen ist eine Schachtelerzählung, welche eine Reihe Geschichten und Erlebnisse locker miteinander verknüpft; es soll noch eine Fortsetzung haben und durchaus nicht mit der Auswanderung des Apischur und der Ilusumar nach Falueluegarar abschließen. – Eluelap, der große Geist, ist [346] die höchste Gottheit der Karoliner; er wird einäugig gedacht. Eine Schar Naturgeister und Dämonen führen seine Befehle aus. Ururulang, der Wolkenschieber, ist gleichzeitig der Totenrichter. Denn nach dem Glauben der Karoliner spinnt eine Frau den Lebensfaden (Adernsystem) des Menschen, eine andere schneidet ihn auf Geheiß Eluelaps ab. Der Tote hat vor dem Himmelstor seinen Lebensfaden vorzuzeigen, nach dessen Beschaffenheit die Aufnahme in den Himmel oder den untermeerischen Sumpfpfuhl entschieden wird. Lugeileng und Olufat sind die neben Eluelap am besten bekannten Gottheiten auf den Karolinen, namentlich werden von Olufat, dem unartigen Gott, der voller Streiche und Schnurren steckt, gern Geschichten erzählt. Er besitzt viele gemeinsame Züge mit dem polynesischen Maui. – Die Reise nach den Federn erinnert an die Fahrt der Argonauten (Reise des abnehmenden Mondes) S. 193 vergl. die beiden Brunnen mit den Flüssen des Lebens und Todes im Märchen Nr. 63, 64 und 68; siehe auch Nordische Märchen 1 S. 211. – Das Geisterhaus, in dem jeder Balken einen bösen Geist verkörpert, die Art, wie die Geister betrogen werden, sind in melanesischen Märchen häufig zu finden.


44. Das Wettschwimmen zwischen dem Hornhecht und der Krabbe. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. – Die Erzählung gehört zu den über die ganze Erde verbreiteten Wettmärchen. Siehe Grimms Märchen Nr. 112. Vergl. Dähnhardt, Natursagen Band 4, 2. 3. Kapitel. Auf Fidji findet der Wettlauf zwischen Kranich und Krebs statt (Dähnhardt, ebd. S. 64 vergl. ferner S. 62 u.S. 284).


45. Der Kampf der Vögel und Fische. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. – Auch diese Erzählungen sind über die ganze Welt verbreitet. Vergl. Dähnhardt, Natursagen Band 4, 2. 6. Kapitel. In der Südsee aus Samoa berichtet. Nr. 55. Das Märchen scheint die ursprüngliche Fassung dieses Geschichtentypus am besten wiederzugeben. Siehe Dähnhardt, ebd. S. 197 ff.


46. Die angeführte Menschenfresserin. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. – Vergl. Nr. 23 aus Englisch-Neu-Guinea und Nr. 62 aus Samoa. – Eingeborene versicherten mir wiederholt, Läuse schmecken »wie Zucker«; man laust sich daher gern. In Melanesien erhält eine Frau oft Prügel, wenn sie etwa die eigenen Kopfläuse verzehrt, die doch ihrem Manne vorbehalten sind.


47. Taile. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. – Die Könige von Ponape führten alle den Namen Schautelur: sie wohnten in der künstlich auf das Riff bei Matolenim ins Wasser gebauten Stadt. Ihr Wohnhof hieß Pankatera. o uä ist unübersetzbar; die Worte bilden meist das Schlußzeichen bei Liedern und Geschichten.


48. Tolojäla und seine Tochter. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. – [347] Die Art der magischen Geburt ist auch auf Palau und den Neu-Hebriden bekannt.


49. Wie Schau Etietsch sich seine Frau wiederholte. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. Vergl. Nr. 39 aus Palau.


50. Wie das Flugschiff nach Ponape kam. – Aus Ponape. Unveröffentlicht; aus der Sammlung des Verfassers. 1910 aufgenommen. – »Hier riecht es nach Menschen!« im Texte: »Pōn ārüm!« Diese Worte sind in der heutigen Ponape-Sprache, in der das Märchen sonst wiedergegeben ist, nicht mehr gebräuchlich; nur ihr »Sinn« ist den Leuten noch geläufig. Vergl. hierzu Nr. 54, ferner Chines. Märchen Nr. 8, Balkan-Märchen Nr. 12: siehe auch von der Leyen: Das Märchen S. 69., S. 212. Das Versammlungshaus in Ponape hat einen u-förmigen Grundriß; das Fundament ist ein 3/4-cm hoher über den Boden ragender Steinunterbau, der ca. 11/2 m breit ist. Dieser erhöhte Unterbau ist die Sitzgalerie der Vornehmen, während das Volk im U-Ausschnitt, im »Hof« sich aufzuhalten hat. Die »Vornehmen« hatten das Recht, die »Niederen« zu ihrem Vergnügen, ungestraft, mit Steinen zu bewerfen.


51. Die Geschichte von der Rohrdrossel. – P.H. 1. S. 447. – Aus Nauru. – Ein ähnliches Märchen ist aus den Admiralitäts-Inseln, Borneo und von den Battak auf Sumatra bekannt.


52. Die Geschichte von den Tieren, die sich ein Boot bauten. – P.H. 1. S. 449 u. 2. S. 285. – Aus Nauru. – Das Märchen gehört zu den Lieblingserzählungen der Südsee-Eingeborenen, vergl. Nr. 18. Nur mit geringen, unwesentlichen Abänderungen sind bis heute Fassungen aus den Marshall-Inseln, Samoa, Neu-Hebriden und der Torres-Straße bekannt.


53. Erauarauin und das Ungeheuer. – P.H. 1. S. 441. – Aus Nauru. – Ein typisches »Mondmärchen«. Die dreißig Kinder sind die einzelnen Mondphasen, das Ungeheuer ist das Tier, das nach Anschauung der Eingeborenen bei einer totalen Mondfinsternis den Mond (die dreißig Phasen) verschlingt.


54. Das Mädchen im Monde. – P.H. 1. S. 435 und A. Brandeis in Ethn. N. – Aus Nauru. – Das Märchen ist in zwei Fassungen mitgeteilt. Die erste, obschon kürzere, ist die ursprüngliche; die zweite zeigt, wie selbst auf einer kleinen Insel Märchen verschieden wiedergegeben werden. Man achte auf den Namenwechsel in beiden Märchen, die unterschiedlichen Ursachen zur Wanderung in den Himmel, das Fehlen des dritten Sohns, des Donners. – Der Baum der Egigu, der einzige Eukalyptusbaum (eine sehr seltene Erscheinung auf einer Koralleninsel) wird heute noch jedem auf Nauru gezeigt. – Anlaß zu diesen Märchen, die über die ganze Welt in verschiedensten Fassungen verstreut sind, gibt die im Monde sichtbare menschliche Gestalt. Der Gedanke, auf dem Baum in den Himmel zu steigen ist spezifisch polynesisch. Auf Samoa, Mangaia, Neu-Seeland dient der Baum als Kommunikationsmittel[348] mit der himmlischen Welt. Enibarara ist der Dunkelmond, en barara = Frau schwarze. Die dreißig Schalen sind die dreißig Mondphasen. Der Besuch der Egigu bei der Mondfrau erinnert an Tawhakis Besuch bei der blinden Matakerepo (s. Nr. 71). Dieses Motiv ist ähnlich verwendet auf Samoa, Nr. 63 und 64 und ebenfalls von Mangaia und Timor bekannt.


55. Die Seegurke. – A.K. 1. S. 258. – Aus Samoa. Vergl. Nr. 45. Aus Nauru ist ein Krieg zwischen den Einsiedlerkrebsen und Langusten bekannt. P.H. 1. S. 446.


56. Die Strafe für den Diebstahl. – J.A. 1904. S. 90. – Aus Samoa.


57. Du sollst deine Schwiegermutter ehren. – J.A. 1904. S. 90. – Aus Samoa. Tingilau ist eine sagenhafte Gottheit, die in den Märchen der Samoaner eine große Rolle spielt. Tapa ist Kleiderstoff, der aus Rindenbast durch Klopfen und Hämmern erzeugt wird.


58. Die Ratte und der fliegende Hund. – A.K. 1. S. 359. – Aus Samoa. – Die »Sprecher« sind die Wortführer in den Häuptlings- und Ratsversammlungen.


59. Der Drachenfisch. – J.A. 1902. S. 169. – Aus Samoa. Ausdrücklich als »Kindermärchen« bezeichnet.


60. Die Krokodilshöhle. – J.A. 1902. S. 167. – Aus Samoa. Das Krokodil ist auf Samoa nicht heimisch, sondern kann nur sehr selten einmal von Neu-Guinea auf treibenden Baumstämmen dorthin verschlagen werden.


61. Die Liebe der Schlange. – J.A. 1904. S. 105. – Aus Samoa. Vergl. Nr. 38. – Siehe Nordische Märchen, Schweden Nr. 8. Sina (weiß, hell, glänzend) ist als Mädchenname in Märchen sehr beliebt; es ist der Name des Mondes.


62. Der angeführte Menschenfresser. – J.A. 1901. S. 20. – Aus Samoa. Motiv der magischen Flucht. Vergl. Nr. 46. Mulifanua, das Ende der Welt, der Eingang zur Unterwelt.


63. Die Reise in die Unterwelt zur Strudelhöhle Fafá. – J.A. 1902. S. 174. – Aus Samoa. Faalataitimea gibt durch das todeswürdige Verbrechen der Blutschande an der Schwester den Anlaß zu dieser Fahrt. Beachte die Ähnlichkeit in der Verarbeitung einiger Motive in Nr. 63 u. 64, z.B. Fischfang, Szene bei der Matamolali, die Wiedervereinigung der getrennten Personen am Lebenswasser. – Anm. zu »Lebenswasser« s. Nr. 68. – Matamolali ist der Dunkelmond; f. Anm. in Nr. 54 und Nr. 64.


64. Sina. – A.K. 1. S. 124. – Aus Samoa. Vgl. Nr. 63. Zu Verfärbung des Wassers als Verkünder des Todes und Aufforderung den Toten zu erlösen vergl. Nordische Märchen, Schweden Nr. 6. S. 203; vergl. die »Heiligen Fragen« auf S. 253, 258, 298 und 308.


65. Der Rattenfänger Pikoi. – D.W. S. 157. – Aus Hawaii. Nach dem alten Glauben der Hawaii-Leute konnten in den Häuptlingsfamilien früher menschliche Knaben und Mädchen, aber auch [349] »Götter« (Geister) in Tiergestalt geboren werden. Die »Götter« erschienen in der Familie als menschliche Wesen oder als Tiere. Sie waren die Schutzgeister ihrer Sippe; sie überwachten und behüteten ihre menschlichen Geschwister, taten allerlei Wunder und betrugen sich so wie die guten Zauberer und wohltätigen Feen in unseren Märchen. S. 266. Das Brandungsschwimmen ist ein in der Südsee allgemein gepflegter und beliebter Sport. Mit dem Boote begibt man sich auf die See hinaus in die Nähe des Riffes, wo die großen hohen Meereswogen donnernd an den Strand poltern. Kurz vor den Brechern verläßt man das Boot und besteigt ein schmales, vorn spitz zulaufendes Brett und läßt sich von der Dünung der Brandung zutreiben. Die Geschicklichkeit besteht darin, den Strand zu erreichen, ohne vom Schwimmbrett heruntergeworfen zu werden, was in dem Augenblick, wo der Wogenkamm sich bricht, sehr leicht möglich ist. – tabu bedeutet geweiht, heilig, unverletzbar.


66. Iwa, der Meisterdieb von Oahu. – D.W. S. 148. Aus Hawaii. Vergl. von der Leyen: Das Märchen S. 30, 71 und 92. »Die Märchen von den Meisterdieben griff die ganze Menschheit, alle Kulturvölker des Westens und des Ostens, begierig auf« (v.d.L.). S. bei Herodot »Der Schatz des Rampsinit«; (Griechische Märchen von Hausrath und Marx S. 116); Russische Märchen Nr. 49; Nordische Märchen 2 Nr. 15; Grimms Märchen Nr. 74; Märchen seit Grimm S. 216; Plattdeutsche Märchen S. 252.


67. Der Häuptling mit den wunderbaren Dienern. – D.W. S. 75. – Aus Hawaii. Das Märchen wurde im Jahre 1862 in der Eingeborenen-Zeitung Kuokoa zuerst abgedruckt. Vergl. Grimms Märchen Nr. 81, 80; Russische Märchen Nr. 4.


68. Das Lebenswasser des Kane. – D.W. S. 38. – Aus Hawaii. In einer Maori-Legende aus Neuseeland wird berichtet: Wenn der Mond stirbt, begibt er sich zum Lebenswasser des Kane; das Wasser kann alles wieder beleben, so auch den Mond, der nun von neuem seine Wanderung über den Himmel antritt. Die Hawaii-Leute glauben (s. Nr. 69), daß sich irgendwo weit hinter dem Horizont ihrer Inseln, tief unten im Meere ein Land befindet, das andere wiederum als ein Land über den Bergen, in den Wolken, träumen, das beidemal jedoch als das »Götterreich mit dem Wasser des Lebens« gedacht wird. In diesem Lande befindet sich ein See, dessen Wasser alle Dinge neu belebt. Es heißt Ka wai ola a Ka-ne, das lebende Wasser des Ka-ne, das Lebenswasser des Ka-ne. – Dieses Lebenswasser spielt in den Südsee-Geschichten eine große Rolle; meist wird es zusammen mit dem Todeswasser genannt; man stellt es sich als Brunnen (s. Nr. 43) und zwei nebeneinander fließende, nur durch einen schmalen Damm getrennte Ströme vor (s. Nr. 63, 64). In Neu-Seeland z.B. befindet es sich in Hauora, im vierten Himmel. Aus diesem Himmel wird die Seele für das menschliche Wesen gesandt, das gerade unten auf der Erde geboren wird. Ferner wird es aus Tonga, wo es als See gedacht ist, ebenfalls aus Mangaia, Paumotu und Samoa erwähnt. – Kane ist eine der vier großen polynesischen [350] Gottheiten. Ihm ist die Sorge für das Lebenswasser anvertraut. Wer dies Wasser erhält, bekommt damit die Kraft des Gottes, ein Kranker wird durch einen Trunk des Wassers wieder gesund, ein Toter, der damit besprengt wird, wieder lebendig. – Vgl. Grimms Märchen Nr. 39, Nordische Märchen 1, Schweden Nr. 6 und 9. – Kane und Ka-ne sind beides zulässige Schreibweisen, die letzte ist spezifisch hawaiisch, die z.B. auch Ma-ui (Maui) schreibt.


69. Das Wasser des Kane. – Em. S. 257. – Aus Hawaii, von der Insel Kauai. Nihoa ist das nordwestlich von Kauai gelegene Bird Island. – Vergl. damit die Gralsage.


70. Maui. G.G. S. 10 [13]. – Aus Neu-Seeland. Der Märchenkreis um Maui bildet die Grundlage der Sagen und Märchen der Südsee und drückt der ozeanischen Mythologie seinen besonderen und charakteristischen Stempel auf. Drei Gebiete in der Südsee: Neu-Seeland, Tahiti nebst der Hervey-Gruppe und Hawaii haben die Maui-Legen den am besten erhalten. Zwanzig Erzählungen, die an allen drei genannten Orten heute noch erzählt werden, bilden den Grundstock, zu dem dann noch einige diesen Inseln allein eigentümliche hinzutreten. Aber auch die übrigen Südseeinseln haben sich Reste der Maui-Legenden bewahrt; auf Olufat wurde schon in den Anmerkungen zu Nr. 43 hingewiesen, und fast jede Insel besitzt eine Variation der Geschichte von dem wundervollen Fischzug des Maui, der die Nordinsel von Neu-Seeland, Aotea roa, aus dem Meere emporzog; beinahe jede Gruppe besitzt eine solche auf wunderbare Weise entstandene Insel. – Maui ist ein Halb-Gott, dessen Stellung heute als Sonnengott oder als Kulturbringer und Stammvater der Maori noch nicht geklärt ist. Aus einem Mythus erfahren wir, daß Mauis Mutter, der glühende Lavastrom, zum Himmel emporstieg und dort zur Sonne wurde. Das hier mitgeteilte Märchen zerfällt in eine Reihe einzelner Erzählungen, die locker miteinander verbunden sind: 1. Wie Maui sich seiner Mutter und den Brüdern zu erkennen gibt und seine Geburt erzählt S. 289–292; 2. Mauis Reise in die Unterwelt zu den Eltern S. 292–299; 3. Wie Maui den zauberkräftigen Angelhaken erwirbt S. 299–300; 4. Wie Maui die Sonne fängt und ihren Lauf regelt S. 301–303; 5. Mauis wunderbarer Fischzug oder die Erschaffung der Nordinsel von Neu-Seeland S. 303–307; 6. Maui stiehlt der Feuergöttin das Feuer S. 307–310; 7. Maui verwandelt seinen Schwager in einen Hund S. 310–312; 8. Wie Maui den Tod aus der Welt schaffen wollte und selber dabei den Tod fand S. 312–315. S. 290. Vergl. Tennysons Idylls of the king 1. Ausg. S. 240. Wurde ein Kind vorzeitig geboren, und starb es, ohne die Freuden des Lebens kennen gelernt zu haben, dann begrub man es mit besonderen Förmlichkeiten; denn warf man es etwa achtlos ins Wasser oder tat es beiseite, so wurde daraus ein übelwollender Geist, der den Menschen allerlei Böses zufügte; es verfolgte die Menschheit, die es um die irdischen Freuden gebracht hatte. Alle bösen Dämonen sind so entstanden. S. 292. Rangi-nui ist der Himmel, [351] Papatu-a-nuku die Erde; beide wurden gewaltsam durch ihre Kinder, die des Lichtes entbehrten, getrennt und in ihre heutige Lage gebracht; der Titanenkampf. S. 297. Der Baum, auf den Maui sich als Taube (Seelenvogel) niederließ, war ein manapau-Baum, der heute nicht mehr in Neu-Seeland bekannt ist. Er wuchs in Hawaiiki, dem sagenhaften Ursprungsland der Maori. S. 299. Die Weihegebete hatten die Kraft und Bedeutung etwa unserer Taufe; vergl. S. 320 u. 328. S. 301. Mauis Sonnenfang vergl. Nr. 14. S. 305. Wer das Sternbild des Skorpions mit seinem langen hakenförmigen Schweif am südlichen Himmel gesehen hat und die Formkraft der Eingeborenen kennen gelernt hat, dem wird die Geschichte von Mauis Fischzug verständlich. Auf Tonga und Yap wird der Haken angeblich heute noch in einer Häuptlingsfamilie aufbewahrt. In Neu-Seeland heißt jetzt noch am südlichen Ausgang der Hawke's Bay eine Reihe einzelner Felsklippen, die sich zu einem Haken ordnen: Mauis Fischhaken. S. 309. Mauis Sturz in den Teich bedeutet symbolisch den ersten Sonnenuntergang. Erzählung vom Sinbrand. S. 312. Hina-uri's Erlebnisse werden in einer anderen Geschichte »Rupe« fortgesetzt. S. 313. Hine-nui-te-po ist die »Göttin der Nacht und Unterwelt«.


71. Tawhaki.3 – G.G. S. 36 [47] – Aus Neu-Seeland. Das Märchen ist mit Variationen in der ganzen Südsee bekannt; am besten erhielt es sich auf Neu-Seeland, Hawaii und Tahiti. Tawhaki wurde aus Eifersucht erschlagen, denn ein anderes Mädchen, dem ein anderer Mann bestimmt war, liebte ihn. Nach einer zweiten Version rächte sich Tawhaki an den Menschen, indem er an der Steigeleine seines Drachens in den Himmel kletterte und hier den Boden eintrat, so daß sich alle Wassermassen durch das Loch im Himmel über die Erde ergossen und die Menschen ertränkten. S. 316. Die Ponaturi waren Wassergeister, die das Tageslicht scheuen mußten und nur nachts in ihr Haus heimkehren konnten. Aus der Vernichtung der Ponaturi vermochte nur der Lachs sich zu retten, da er in großen Sprüngen das Wasser erreichen konnte. S. 322. Besuch bei Matakerepo (die verdunkelten Augen) vergl. Nr. 54, 63 u. 64. Kranke Eingeborene bitten Matakerepo um Hilfe, sie opfern dabei zehn Körbe mit Früchten, die sie in derselben Weise darbringen, wie die Großmutter Tawhakis einst ihre Taros zählte; erst zählen sie zehn Körbe ab und bringen einen dar, dann zählen sie neun ab und bringen einen dar, dann acht, nehmen einen fort usw. S. 325. Den Eingeborenen gilt es als geradezu ungeheuerlich und ist es unfaßbar, daß ein vornehmer, hoher, heiliger Häuptling sich als geringer Sklave einführt und dementsprechend behandeln läßt.


72. Das verzauberte Holzbild. – G.G. S. 173 [71] – Aus Neu-Seeland. Die Erzählung spielt auf der Nordinsel von Neu-Seeland. Vergl. Einleitung: Traum- und Seelenvorstellungen.


[352] 73. Hine-moa und Tutanekai. – G.G. S. 146 [125] – Aus Neu-Seeland. Die Erzählung spielt am See von Roto-rua auf der Nordinsel von Neu-Seeland. Vergl. die Sage von Hero und Leander. Die Geschichte von Hine-moa und Tutanekai ist unter den Maori neben der von Maui am beliebtesten; sie bildet vielfach den Anlaß hochwertiger künstlerischer Schnitzereien an den Wänden der Maori-Häuser.


1

Die Wiedergabe einiger Märchen aus Kaiser-Wilhelmsland, den Admiralitätsinseln und Salomonen scheiterte an dem mangelnden Entgegenkommen der Verlagshandlung Dietrich Reimer (Ernst Vohsen) in Berlin.

2

Hinweise wie z.B. »Grimms Märchen, Balkan-Märchen« usw. beziehen sich auf die einzelnen Bände dieser Sammlung »die Märchen der Weltliteratur.« Eugen Diederichs Verlag in Jena.

3

wh wird wie f gesprochen.

Quelle:
Hambruch, Paul: Südseemärchen. Jena: Eugen Diederich, 1916, S. 339-353.
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