Uebersetzung.

Die folgende Uebersetzung der S. 157–269 mitgetheilten litauischen Märchen hat den Zweck, diese Märchen auch denen zugänglich zu machen, die der litauischen Sprache nicht kundig sind und sich für Märchenforschung interessieren.

Im allgemeinen war mein Bestreben möglichst getreu zu übersetzen. Doch glaubte ich mir öfters eine etwas freiere Bewegung gestatten zu müssen. Die meisten dieser Freiheiten beruhen darauf, dass ich blosse Nachlässigkeiten in der Ausdrucksweise und der Anordnung der Gedanken, wie sie im Original manchmal unterlaufen und die im Originaltext zu beseitigen ich mich nicht für befugt erachtete1, in der deutschen Uebersetzung nur in solchen Fällen getreu nachbilden zu müssen glaubte, wo nicht der Zusammenhang klar zeigte, wie sich ein gewandterer litauischer Erzähler würde ausgedrückt haben2. Einige kleinere Freiheiten anderer Art, die ich mir als Uebersetzer erlaubt habe, mögen sich durch sich selbst rechtfertigen. Dass ich sachlich mich überall an das Original band, versteht sich von selbst.

Dass ich in allen Stücken das rechte getroffen habe, wage ich nicht zu behaupten. Wie hinsichtlich der Grammatik der godlewischen Mundart (s. S. 86), so wäre es mir auch hinsichtlich[351] dieser Uebersetzung in mehrfacher Beziehung zu gute gekommen, wenn ich sie an Ort und Stelle in Litauen hätte abfassen können.

Die den Ueberschriften der Märchen nachgesetzte Ziffer ist die Nummer des Originaltextes.

1

Die litauischen Texte sind, mit Absehung von einigen ganz geringfügigen Abänderungen (s. S. 86), Wort für Wort so gegeben, wie ich sie aus dem Volksmund aufzeichnete.

2

Um gegen meine Erzähler und Erzählerinnen hier nicht ungerecht zu sein, muss ich zufügen, dass ich an den stilistischen Mängeln der Originalmärchen zum Theil wol selbst schuld bin, indem ich während des Vortrags der Märchen, um nachschreiben zu können, den Erzählenden ein ihnen ungewohntes häufigeres Pausieren auferlegen musste.

Quelle:
Leskien, August/Brugman, K.: Litauische Volkslieder und Märchen. Straßburg: Karl J. Trübner, 1882, S. 351-352.
Lizenz:
Kategorien: