Kaseïn

[713] Kaseïn (Käsestoff), der wichtigste, zu den Nukleoalbuminen gehörende Eiweißkörper der Mil ch der Säugetiere, findet sich darin als neutrales Kaseincalcium, enthält, aus der Milch abgeschieden, stets phosphorsauren Kalk, doch weiß man nicht, in welchem Verhältnis dieser zum Kaseincalcium steht. Durch viel gebrannten Ton oder Tierkohle wird das K. aus der Milch mechanisch gefällt. Es gerinnt nicht beim Erhitzen der Milch, aber das bei saurer Reaktion eben noch gelöste freie K. wird durch Hitze so verändert, daß es sich auch in Gestalt seiner Salze nicht mehr löst. Die Gerinnungstemperatur liegt bei 75°. Bei 120–130° werden auch die Kaseinsalze verändert. Mineralsäuren und Essigsäure fällen das K. und lösen es im Überschuß, ebenso Kalialaun. Auch Kohlensäure fällt K. Durch das von der Magenschleimhaut abgesonderte Labferment wird K. in Parakasein übergeführt, das wie K. in Alkalien leicht löslich ist, während sein Calciumsalz unlöslich ist, so daß[713] es durch Lab aus der Milch gefällt wird. Wurde der Milch zunächst der Kalk durch ein Oxalsäuresalz entzogen, so bleibt das Parakasein als Kaseinogen gelöst. Der in Milch durch Lab erzeugte Niederschlag enthält erhebliche Mengen phosphorsauren Kalk, die Fällung erfolgt aber auch bei Abwesenheit von phosphorsaurem Kalk. Bei der Gerinnung der Milch durch Lab soll eine Spaltung des Kaseins stattfinden und Molkeneiweiß mit den Eigenschaften einer Albumose gelöst bleiben. K. besteht aus etwa 52,96 Kohlenstoff, 7,5 Wasserstoff, 15,65 Stickstoff, 0,758 Schwefel und 0,847 Phosphor. Salze des Kaseins, wie das Kaseinammonium (Eukasin), Kaseïnnatrium (Nutrose und Plasmon), Sanose, Sanatogen, Hämatol etc., sind als Nährpräparate in den Handel gekommen.

Kasel (nach Viollet-le-Duc).
Kasel (nach Viollet-le-Duc).

K. besitzt hohen Wert als Nährstoff und ist Hauptbestandteil des Käses. Für technische Zwecke aus Magermilch durch Säuren gefälltes, ausgepreßtes u. getrocknetes K. bildet ein gelblichweißes, sandiges Pulver, das in kalten verdünnten Alkalien fast vollständig löslich ist. Es findet ausgedehnte Anwendung in der Kunstdruck- und Buntpapierfabrikation, für Appretur, in der Tapeten-, Spielkarten- und Linoleumfabrikation, in der Photographie, Farben- und Schokoladenfabrikation und als Ersatz von Leim, Gelatine und andern Klebstoffen. Mit Käsekalk (Quarkleim, Käsegummi, Caseogomme) behandelte (animalisierte) Baumwolle und Leinenfaser nehmen Farbstoffe so leicht wie tierische Faser auf. Käsekalk dient auch als Kitt und zur Darstellung von Anstrichfarben.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 713-714.
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