Kawa

[794] Kawa (Kawabier), ein aus dem Kawapfeffer (Awa-, Rauschpfeffer), dem großen, stark verästelten, außen graubraunen, innen gelblichweißen Wurzelstock von Piper methysticum (s. Piper), bereitetes berauschendes Getränk. Der Wurzelstock schmeckt zusammenziehend bitter und enthält kokainartig wirkendes Kawaharz, ein zweites Harz und kristallisierbares Kawain (Methysticin). Auf vielen australischen Inseln innerhalb der Wendekreise kauen Knaben und Mädchen das Material, ohne den Saft zu verschlucken, und speien den Brei in ein Gefäß, worin er mit Wasser verdünnt wird. Die nach einiger Zeit von den Fasern gesonderte Flüssigkeit ist schmutzig graubraun, schmeckt nicht angenehm, wird aber ganz allgemein und z. T. leidenschaftlich getrunken, namentlich bei Festlichkeiten, Bewirtungen, Versammlungen, als Genußmittel zur Erzeugung angenehmer Stimmung, als schmerzbetäubendes, Ruhe für den kranken und ermatteten Körper schaffendes Heilmittel. K. vermehrt den Appetit, die Schweiß- und Harnabsonderung, erzeugt Gefühllosigkeit und wirkt ohne jegliche Erregung narkotisch, zuletzt Schlaf bringend. Daher ist die K. mit dem sozialen, religiösen und politischen Leben der Südseeinsulaner innig verwachsen. In Europa benutzt man Kawapfeffer besonders gegen Gonorrhöe. Vgl. Lewin, Über Piper methysticum (Berl. 1886).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 794.
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