Keiser

[817] Keiser, Reinhard, Komponist, geb. 9. Jan. 1674 in Teuchern bei Weißenfels, gest. 12. Sept. 1739 in Kopenhagen, brachte schon 1693 eine große Oper, »Basilius«, und 1695 ein Schäferspiel, »Ismene«, in Braunschweig auf die Bühne. 1694 kam er nach Hamburg, wo 1678 eine nationale Oper mit glänzenden Mitteln ins Leben gerufen war, deren Hauptrepräsentant nunmehr, da Kusser um dieselbe Zeit wegging, K. wurde (1703–06, wo Händel in Hamburg weilte, war K. Direktor der Oper). Die Gesamtzahl der Opern Keisers übersteigt 100. K. richtete nun bereits 1700 Abonnementskonzerte ein, die sehr in Blüte kamen, und die er auch 1716 wieder aufnahm. 1719–21 hielt sich K. in Stuttgart auf, 1717 und 1723–28 (als königlicher Kapellmeister) in Kopenhagen, wurde 1728 als Kantor an der Katharinenkirche in Hamburg angestellt, starb aber in Kopenhagen, wo seine Tochter als Sängerin angestellt war. Außer den Opern schrieb K. viel Kirchenwerke (Passionen, Psalmen, Motetten), Oratorien, Kantaten (gedruckt: »Gemütsergötzung«, 1698; »Divertimenti«, 1713; »Musikalische Landlust«, 1714, u. a.). K. war hervorragend begabt für Melodie und dramatischen Ausdruck, ermangelte aber sittlicher Kraft und vermochte den gänzlichen Verfall der Hamburger Oper nicht aufzuhalten. Die Oper »Prinz Jodelet« gab Fr. Zelle neu heraus. Vgl. Lindner, Die erste stehende deutsche Oper (Berl. 1855), wo sich Bruchstücke seiner Opern abgedruckt finden; Chrysander, Reinhard K. (in der »Allgemeinen deutschen Biographie«); Voigt in der »Vierteljahrschrift für Musikwissenschaft«, 1890; Leichtentritt, Reinhard K. und seine Opern (Berl. 1901).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 10. Leipzig 1907, S. 817.
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