Simandl

[476] Simandl (Simannl, Simon, vom hebr. Simeon, d. h. der Erhörende und Gehorchende), alte, bei den Humoristikern, z. B. Hans Sachs und Abraham a Santa Clara, oft vorkommende Bezeichnung der Männer, die das Hausregiment an die Frau abgetreten haben, so daß sie eigentlich den Mann (daher auch Siemann) und er das Weib (Erwei in Bayern) darstellt. Man sagt den Simandln nach, daß sie einen großen Geheimbund, die Simandlbrüderschaft, bildeten, den heiligen Simon als ihren Patron verehrten und am Tage der Heiligen Simon und Judä (28. Okt.), die in Bayern auch Sankt Siman und Sankt Erwei genannt werden, ihren großen Jahrestag hielten. Siemandlbrief nannte man humoristische Ermahnungsbriefe, von denen Wichard einen solchen aus dem Jahre 1771 in Faksimiledruck herausgegeben hat.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 476.
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