[496] Bayern (hierzu 2 Karten: »Bayern, nördlicher und südlicher Teil«), Königreich, nach Flächenraum und Bevölkerung der zweite Staat des Deutschen Reiches, besteht aus zwei geographisch getrennten Gebietsteilen, von denen der größere, östliche Teil, von den Alpen, dem Böhmerwald, Thüringer Wald und der Hohen Rhön umschlossen, überwiegend dem Donaugebiet angehört, während der kleinere, westlich des Rheins abgesondert liegende Gebietsteil, die Pfalz,: 3 des Ganzen, seine Gewässer dem Rhein zusendet. Der erstere Teil, B. diesseit des Rheins, zwischen 9°1´ bis 13°50´ östl. L. und zwischen 47°16´-50°34´ nördl. Br. gelegen, grenzt gegen N. an die preußische Provinz Hessen-Nassau, an Sachsen-Weimar, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Koburg-Gotha, an das Fürstentum Reuß j. L. und das Königreich Sachsen, gegen O. an Böhmen, das Erzherzogtum Österreich ob der Enns und Salzburg, gegen S. an Salzburg, Tirol und Vorarlberg, gegen W. an Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt. Das linksrheinische B., die Pfalz, liegt zwischen 7°4´-8°30´ östl. L. und 48°5849°49´ nördl. Br. und grenzt gegen N. an die preußische Rheinprovinz und an Hessen-Darmstadt, gegen O. an Baden, wovon es durch den Rhein getrennt ist, gegen S. an Elsaß-Lothringen, gegen W. an die preußische Provinz Rheinland.
[Bodengestaltung.] In orographischer Beziehung teilt sich die östliche Hauptmasse des Landes (hinsichtlich Westbayerns s. Pfalz) in Nord- und Südbayern, d. h. in das Land nördlich und südlich der Donau, wovon Südbayern dem alpinen Gebirgssystem, Nordbayern dagegen dem rheinischen und mitteldeutschen System angehört. Spezieller zerfällt Südbayern wieder in eine Alpen- und eine Flachlandszone. Die drei Hauptglieder des Bayrischen Alpengebietes sind: die Algäuer Alpen zwischen Bodensee und Lech, die Bayrischen Alpen zwischen Lech und Inn (mit dem höchsten Punkte des Deutschen Reiches, der Zugspitze, 2964 m) und die Salzburger Kalkalpen (s. Art. »Alpen«, S. 365, und die besondern Artikel) zwischen Inn und Salzach. Zwischen Alpen und Donau erstreckt sich das südbayrische Flachland oder die schwäbisch-bayrische Hochebene, die in drei Zonen sich abstuft. Unmittelbar vor dem Fuß der Alpen breitet sich die Zone der obern Ebenen oder der Seelandschaften in einer durchschnittlichen Höhe von 650975 m aus. Es gehören dahin: die Kessel von Oberstdorf, Sonthofen, der obern Wertach, die Ebene von Füssen, von Schongau, die vom Ammer- und Würmsee aufwärts bis zum Staffel- und Kochelsee, die Innebene um Rosenheim, die Chiemsee-Ebene, der Salzburger Talkessel. Darauf folgt die Zone der mittlern Ebenen (das Lechfeld, die Ebenen von Memmingen, München, Mühldorf, Braunau und Pocking, mit durchschnittlicher Höhe von 400600 m), deren Charakter als ehemaliges Aufstauungsbecken der vier Flüsse Iller, Lech, Isar und Inn unverkennbar ist. Im N. sind diese oft unfruchtbaren Ebenen von einem hügeligen Landstreifen eingefaßt, von dem an sich die dritte Zone bis an und über die Donau erstreckt. Auf der böhmisch-bayrischen Grenze, zugleich die Wasserscheide bildend zwischen Elbe und Donau, erhebt sich der Böhmerwald, der im Arber (1457 m) und Rachel (1452 m) seine höchsten Höhen erreicht; südwestlich anschließend der Bayrische Wald (Einödriegel 1126 m, Dreitannenriegel 1092 m). Den nordöstlichen Winkel des Landes erfüllt das Fichtelgebirge (höchste Spitzen: Schneeberg 1053 m, Ochsenkopf 1024 m). Nördlich stößt es an den Frankenwald, der B. nur im äußersten Norden berührt. Den nordwestlichen Winkel Bayerns füllt die Hohe Rhön aus, deren Hauptmasse mit dem ganzen Südost- und Osthang (Kreuzberg 928 m) B. angehört. Südlich von der Rhön breitet sich in der westlichen Südbiegung des Mains der Spessart aus, eine waldreiche Hügellandschaft von etwas über 400 m Durchschnittserhebung (Geiersberg 585 m). Auch der Odenwald reicht in seinem östlichen Teil nach B. herüber. Im Innern von Nordbayern finden sich, der Regnitz parallel, zwei andre Höhen, die beide an den Main herantreten. Die Nab umsäumt den Ostrand der östlichen, des Fränkischen Jura, die Tauber und Jagst den Westrand der westlichen, der Frankenhöhe. Letztere schließt sich südlich im Herdtfeld an die Rauhe Alb an, während sie sich nordwärts in dem Steigerwald (mit dem Scheinberg 500 m) an den Main und jenseit des Flusses in den Haßbergen noch weiter nach N. erstreckt. Der Fränkische Jura durchzieht das weite Gebiet vom Durchbruch der Wörnitz bis in die Mainbiegung bei Lichtenfels. Als höchste Punkte seien genannt: Hessel berg 690 m, Moritzberg 598 m. In der Pfalz erhebt sich das Haardtgebirge (Donnersberg 687 m, Kalmit 673 m), das nach W. hin, den Westrich bildend, sich ganz allmählich abdacht.
[Gewässer] Die meisten Flüsse Ostbayerns gehören den Gebieten der Donau und des Mains, nur wenige dem der Elbe an. Zur Elbe fließen die Thüringische Saale und die Eger, in der Nordostecke entspringend. Die Donau, der Hauptfluß des Landes, fließt in nordöstlicher Richtung bis Regensburg, wo sie durch den Bayrischen Wald in eine südöstliche gedrängt wird. Von den vier größern Nebenflüssen der Donau von S. her, Iller, Lech. Isar, Inn, haben die erstern drei ihre Quellen in den Alpen verhältnismäßig nahe beieinander, strömen aber fächerartig auseinander, so daß ihre Mündungen je 75110 km voneinander entfernt sind. Der Ursprung des vielgewundenen Mains am Osthang des Ochsenkopfes im Fichtelgebirge ist von dem Austrittspunkt aus B. in der Luftlinie nur 200 km entfernt, während die Flußlänge in B. 490 km beträgt. Sein Flußgebiet verbreitert sich nach W. zu, da gerade an den ausspringenden Winkeln des Stromlaufes die bedeutendsten Nebenflüsse (Rodach, Saale, Kinzig, Nidda, Regnitz, Tauber) einmünden. Main und Donau sind durch den Ludwigskanal (s. d.) verbunden. Die Ostgrenze der Pfalz bildet auf eine Länge von 86 km der Rhein; ihm fließen die Flüsse der Pfalz teils direkt (Lauter, Queich, Speyer), teils durch Vermittelung der Nahe und Saar (Glan, Vlies) zu. Besonders charakteristisch für Oberbayern sind die gewaltigen Wasserstagnationen: Seen und Moose (Moore), beides Überreste vorzeitiger großer Wasseranstauungen[497] Die Seen erstrecken sich bis 1/2° nördlich der Voralpen, vom großartigen Bodensee bis zu dem malerischen Königssee. Von den Seen des Isargebiets zeichnen sich durch Größe der Ammer- und der Würmsee, durch schöne Lage der Walchen-, Kochel-, Tegern- und Schliersee aus. Der größte See Bayerns, der Chiemsee, auch wohl Bayrisches Meer genannt, 192 qkm groß, gehört ebenso wieder Königssee zum Gebiete des Inns. Der am tiefsten gelegene aller Alpenseen, an denen B. teilhat, ist der Bodensee (398 m). Nord- und Westbayern haben nur wenige und unbedeutende Seen aufzuweisen. Von den zahlreichen Moosen, die alle südlich der Donau liegen, sind die umfangreichsten das Haselmoos nördlich vom Kochelsee; das Filz südwestlich von Rosenheim; das Filz- und das Freimoos nahe dem Chiemsee; besonders aber das Erdinger oder Freisinger Moos (das erstere rechts, das andre links von der Isar unterhalb München), das Dachauer und das fast ganz ausgetrocknete Donaumoos. Außerdem hat auch die Rhön nicht unbeträchtliche Moorflächen.
B. umfaßt ein Gesamtareal von 75,870 qkm (1377, 9 QM.) und hat nach der Zählung vom 1. Dez. 1900: 6,176,057 Einw. (1818: 3,707,966 Einw.). Die Bevölkerung verteilt sich auf die acht Regierungsbezirke, in die B. eingeteilt ist, wie folgt:
Die dichteste Bevölkerung hat demnach die Pfalz, die schwächste die Oberpfalz. Im allgemeinen kommen 81 Menschen auf 1 qkm (1871: 64), so daß in Beziehung auf Volksdichtigkeit B. den meisten deutschen Staaten nachsteht. Der durchschnittliche Jahreszuwachs war seit 1818 am geringsten in der Zählungsperiode 184352: 0,09 Proz., am höchsten in der letzten Periode 18951900: 1,22 Proz. für das Jahr. Eine Verminderung war lediglich in der Periode 185255 (-0,11 Proz. für das Jahr) zu verzeichnen. Am stärksten hat die Seelenzahl seit 1895 zugenommen in Oberbayern (11,5 Proz.) und Mittelfranken (10,6 Proz.), am schwächsten in Niederbayern (0,7 Proz.). Die Einwanderung ist in der Periode 188999 von 26,900 auf 64,700 Personen gestiegen. Die Zahl der Auswanderer betrug 1889: 20,090,1899: 39,100 Personen und ist am häufigsten in der Pfalz, Mittelfranken und Schwaben. Die überseeische Auswanderung ist von 17,106 in 1881 auf 2636 Personen in 1901 zurückgegangen. Von der 1900 gezählten Bevölkerung gehörten 181,548 Personen = 2,9 Proz. andern deutschen Staaten an, und 106,754 = 1,8 Proz. waren Reichsausländer (meist aus Österreich-Ungarn). Auf das männliche Geschlecht entfallen (1900) 3,028,100, auf das weibliche 3,147,957 Personen, woraus sich ein Überwiegen des weiblichen Geschlechts um 3,9 Proz. ergibt. Was den Familienstand der Bevölkerung betrifft, so waren 60,9 Proz. ledig, 33,3 verheiratet, 5,7 Proz. verwitwet und 0,1 Proz. geschieden. Die Zahl der Eheschließungen betrug 1900: 50,585 und ist höher als in den übrigen süddeutschen Staaten, aber verhältnismäßig geringer als in Norddeutschland. Die Zahl der Geburten betrug 1900: 233,092, darunter 6879 Totgeborne. 30,696 = 13,2 Proz. sämtlicher Geburten waren unehelich. Der Prozentsatz der unehelich Gebornen ist am niedrigsten in der Pfalz und einem Teil von Unterfranken (6,3 und 7,2 Proz.), am höchsten in Oberbayern (19,5 Proz.). Die Zahl der Gestorbenen (ohne Totgeborne) betrug 1900: 156,408 Personen und blieb hinter der Zahl der Gebornen um 76,684 zurück. B. zählt 41 unmittelbare Städte mit zusammen 1,494,879 Einw. = nahezu ein Viertel der Gesamtbevölkerung. Über 100,000 Seelen haben München und Nürnberg, zwischen 50,000 und 100,000 Augsburg, Würzburg, Ludwigshafen und Fürth. Von 1050,000 Einw. zählen 26 Städte. Ländliche Gemeinden (bis 5000 Einw.) zählt B. 7936; politische Gemeinden überhaupt 8001. Die ländliche Bevölkerung überwiegt am meisten in Niederbayern, Oberpfalz und Unterfranken. Auf die größern Städte (über 20,000 Einw.) trafen 1880 nur 11,5 Proz., 1900 schon 22,3 Proz. der Einwohner des Königreichs. Die Zahl der Wohngebäude beträgt 1900: 880,792. In ethnographischer Beziehung gehört die Bevölkerung verschiedenen Stämmen an: außer einigen germanisierten Slawen (Wenden) in Oberfranken bewohnen Franken die drei fränkischen Regierungsbezirke, Schwaben (Alemannen) den Südwesten des Landes, eigentliche Bayern (Altbayern) die Regierungsbezirke Ober- und Niederbayern und die Oberpfalz. Die Bevölkerung der Pfalz ist vorwiegend fränkisch (westfränkisch). ‚ ‚
Dem Religionsbekenntnis nach gehört die Mehrzahl der Bewohner (70,7 Proz.) zur römisch-katholischen Kirche. 1900 wurden ermittelt 4,357,133 Römischkatholische, 1,719,206 (28,3 Proz.) Evangelische (Protestanten und Reformierte), ferner 5430 Altkatholiken, die seit 1892 nur noch als Privatgenossenschaft gelten, 3170 Mennoniten (meist in Rheinbayern), 1797 Freireligiöse, 1296 Methodisten etc., 54,928 (0,9 Proz.) Israeliten; als konfessionslos hatten sich 1049 Personen bezeichnet. Das Kirchenregiment steht in der katholischen Kirche den zwei Erzbischöfen in München-Freising und Bamberg und ihren Suffraganen, den Bischöfen von Regensburg, Augsburg, Passau, Eichstätt, Würzburg und Speyer, zu. Die Leitung der innern Angelegenheiten der protestantischen Kirche in den Kreisen diesseit des Rheins geht von einem selbständigen Oberkonsistorium in München aus, das dem Kultusministerium untergeordnet ist. Unter ihm stehen die zwei Konsistorien in Ansbach und Bayreuth, deren Organe die Dekanate sind. In der Pfalz besteht für die vereinigte protestantische Kirche das protestantische Konsistorium zu Speyer, das dem Kultusministerium unmittelbar untergeordnet ist. Für die Verhältnisse der katholischen Kirche sind das Konkordat vom 24. Okt. 1817 und das Verfassungsedikt vom 26. Mai 1818, für die der protestantischen Kirche ebenfalls das letztere maßgebend.
Nach der Berufsstatistik von 1895 verteilte sich die Berufsbevölkerung (5,779,176 Personen) folgendermaßen auf die Berufsabteilungen: es entfielen auf Landwirtschaft, Gärtnerei und Tierzucht, Forstwirtschaft und Fischerei 45,81 Proz., auf Bergbau und Industrie 31,94 Proz., auf Handel und Verkehr 9,77 Proz., auf Lohnarbeit wechselnder Art 0,79 Proz., auf Militär- und Zivildienst und sogen. freie Berufe 5,19 Proz., auf Berufslose 7,49 Proz. Seit 1882 haben sich bei sämtlichen Berufsabteilungen die Anteilsziffern[498] erhöht, mit Ausnahme der Landwirtschaft, wo sie um 5 Proz. gesunken ist.
Für den Elementarunterricht bestanden 1899: 7338 deutsche Schulen (5178 katholische, 1930 protestantische, 144 simultane und 86 jüdische) mit zusammen 25,983 Lehrkräften und 850,309 Schulkindern. In 75 Proz. der Schulen wird Schulgeld erhoben. Die Ausgaben für Volksschulen bezifferten sich auf 19,7 Mill. Mk. Von den im Jahr 1899/1900 in die Armee und Marine eingestellten 28,659 Rekruten waren nur 4 = 0,01 Proz. Analphabeten. Für Gebrechliche bestehen 18 Taubstummenanstalten, 5 Blindeninstitute, 3 Anstalten für krüppelhafte Kinder und 24 Anstalten für Kretinen, Epileptische, Unheilbare etc. Humanistische Gymnasien zählt B. 42, jedes mit einer vorbereitenden Lateinschule verbunden; ferner gibt es 44 Progymnasien und isolierte Lateinschulen, 4 Realgymnasien und 55 Realschulen. Die Schülerzahl betrug an den Gymnasien und deren Lateinschulen 16,045, an den Progymnasien und isolierten Lateinschulen 3272, an den Realgymnasien 789, an den Realschulen 12,259. Für den höhern landwirtschaftlichen Unterricht bestehen in B. die landwirtschaftliche Abteilung an der technischen Hochschule in München und die Akademie für Landwirtschaft und Brauerei in Weihenstephan, für den mittlern Unterricht die Kreislandwirtschaftsschule in Lichtenhof und 5 Kreisackerbauschulen; für Veterinärwesen die tierärztliche Hochschule in München. Dem landwirtschaftlichen Fortbildungsunterricht dienten 1899: 23 Winterschulen mit 773,446 Fortbildungsschulen mit 7901, dazu 5 Waldbauschulen mit 266 Schülern. Die höchste technische Lehranstalt Bayerns ist die technische Hochschule in München, mit (1899) 2048 Studierenden. Außerdem gibt es 4 Industrieschulen mit (1899) 648 Schülern; zur Weiterbildung von Bauhandwerkern 6 Baugewerkschulen mit 1986 Schülern; ferner 271 gewerbliche Fortbildungsschulen mit 35,670 Schülern, 2 Kunstgewerbeschulen in München und Nürnberg, 13 Musikschulen, endlich Webschulen, Schnitzschulen etc. Der Ausbildung des Lehrpersonals dienen 47 Präparandenschulen und 24 Lehrer- und Lehrerinnenseminare.
Wissenschaftliche Zentralstellen sind: die Akademie der Wissenschaften in München (1759 gegründet), aus drei Klassen, der philologisch-philosophischen, der mathematisch-physikalischen und der historischen, bestehend; das Generalkonservatorium der wissenschaftlichen Sammlungen, das der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns und die Hof- und Staatsbibliothek, sämtlich in München. Unter den wissenschaftlichen Anstalten stehen in erster Reihe die drei Universitäten des Landes: München, Würzburg und Erlangen (1899 zusammen mit 6755 Studierenden). Spezialschulen für das theologische und philosophische Studium sind 7 königliche Lyzeen mit (1899) zusammen 688 Studierenden, ferner ein bischöfliches Lyzeum; dazu noch 9 Klerikalseminare. Dem Studium des Forstwesens dient die forstliche Hochschulezu Aschaffenburg. Außer der erwähnten Staatsbibliothek bestehen noch 18 staatliche öffentliche Bibliotheken, unter denen die von Augsburg und Bamberg die bedeutendsten sind.
Die königliche Akademie der bildenden Künste in München, in ihrer jetzigen Gestalt 1808 gegründet, ist sowohl eine Lehr- und Bildungsanstalt, mit 304 Schülern, als eine Kunstverbindung oder Kunstgesellschaft. Unter den Kunstsammlungen sind die berühmten Museen von München (s. d.) und die Gemäldesammlungen zu Augsburg und Nürnberg hervorzuheben. Unter den Theatern des Landes stehen das Hof- und Nationaltheater sowie das Prinzregenten-Theater in München obenan, außerdem das von Richard Wagner für seine Tondramen begründete Bühnenfestspielhaus in Bayreuth.
Vom gesamten Flächeninhalt Bayerns (7,59 Mill. Hektar) entfallen nach der Erhebung im J. 1900 auf Acker- und Gartenland 3,05 Mill. Hektar (40,1 Proz.), auf Wiesen 1,30 Mill. Hektar (17 Proz.), auf Weiden und Hutungen 0,26 Mill. Hektar (3,1 Proz.), auf Weinberge 25,000 Hektar (0,3 Proz.), auf Waldungen 2,47 Mill. Hektar (32,5 Proz.). Unter den Kulturpflanzen nimmt das Getreide die erste Stelle ein. Getreidebau findet sich vorzugsweise in dem Vorland der Alpen, auf dem niederbayrischen Plateau (besonders bekannt durch Kornreichtum die Straubinger Ebene), im Gebiet um Nördlingen (dem sogen. Ries), in großen Teilen von Mittelfranken, den Main- und Regnitztälern und in der Rheinebene. Nach der Betriebsstatistik von 1895 besitzen über 60 Proz. aller landwirtschaftlichen Betriebe weniger als 5 Hektar, die landwirtschaftlich benutzte Fläche derselben beträgt jedoch nur 16,8 Proz. der landwirtschaftlich benutzten Fläche überhaupt. Vom gesamten Acker- und Gartenland fallen auf Getreide und Hülsenfrüchte 61 Proz., Hackfrüchte und Gemüse 15,1, Handelsgewächse 1,2, Futterpflanzen 11, Ackerweide 0,9, Brache 8,3, Haus- und Obstgärten 2,5 Proz. Fast sämtliche bekannte Wirtschaftssysteme sind in B. üblich. Die Anwendung verbesserter Geräte und Maschinen findet in der Landwirtschaft Bayerns immer mehr Eingang. Man zählte 1882: 93,258,1895 schon 194,900 Betriebe mit landwirtschaftlichen Maschinen, darunter 55,234 (1882: 21,529) mit Dampfdresch-, 2181 (gegen 838) mit Säe- und 2580 (gegen 846) mit Mähmaschinen.
Der gesamte Ernteertrag an den hauptsächlichsten Kornfrüchten betrug 1901: Winterweizen 379,732 Ton., Sommerweizen 36,986, Winterspelz 119,618, Winterroggen 795,913, Sommerroggen 47,680, Sommergerste 567,085, Hafer 662,657 T. Weizen wird sehr viel in Nieder- und Oberbayern, am wenigsten in Schwaben und in der Pfalz, Roggen am meisten in Ober- und Niederbayern, Spelz überwiegend in Schwaben gebaut. Sehr bedeutend ist der Gerstenbau in Niederbayern und Unterfranken, dann in Oberfranken. Hafer findet sich hauptsächlich im südlichen Bayern, nur wenig in der Pfalz. Berühmt ist insbes. für die Aussaat der sogen. Sechsämter-Hafer Oberfrankens. Hülsenfrüchte werden namentlich in Niederbayern, Mittel- und Unterfranken angebaut. Buchweizen findet sich zumeist in Unterfranken, Hirse in Niederbayern. An Kartoffeln wurden 1901: 4,805,946 T. geerntet; die Anbaufläche betrug 11 Proz. des ganzen Acker- und Gartenlandes. Am meisten werden sie in der Pfalz, dann in der Oberpfalz und Unterfranken gebaut. Ansehnlich ist der Flachsbau in der Oberpfalz, im Fichtelgebirge und im Alpenvorland von Oberbayern und Schwaben, dann in Niederbayern; Hanf findet sich in Ober- und Niederbayern. Der Tabakbau ist gegen früher zurückgegangen; es wurden 1883 noch 4892 Hektar, 1901 nur mehr 2331 Hektar (fast nur in der Pfalz) bebaut; geerntet wurden 50,566 dz im Werte von 4,302,576 Mk. Große Ausdehnung hat der Hopfenbau, dessen Anbaufläche 1900 auf 23,635 Hektar und dessen Gesamtproduktion auf 112,294 dz sich belief. Er findet sich[499] hauptsächlich in Mittelfranken (im Gebiet von Nürnberg, Spalt und im Aischgrund), in Ober- und Niederbayern (in der sogen. Holledau, dem Hügelland nördlich der Amper und Isar), ferner in Oberfranken und der Oberpfalz. Der Rübenbau ist meist zur Futtergewinnung bestimmt (1900 insgesamt 67,309 Hektar, davon ein Drittel in Unterfranken). Obstbau blüht vorzüglich in Unterfranken, dann in der Pfalz, in Niederbayern (an der Donau) und am Bodensee; bei der letzten Erhebung von 1900 wurden 22,6 Mill. Obstbäume gezählt (10,7 Mill. Zwetschen-, 6,6 Mill. Apfel-, 3,9 Mill. Birn- und 1,8 Mill. Kirschbäume). Verhältnismäßig bedeutend ist der Weinbau Bayerns, der 1900 auf einer Fläche von 16,259 Hektar in der Pfalz 381,025 hl Most im Wert von 17 Mill. Mk., auf 8070 Hektar in Unterfranken 159,426 hl Most im Wert von 5 Mill. Mk. lieferte, in Mittelfranken wird nur wenig Wein gebaut; näheres s. Frankenweine und Pfälzer Weine. Champagnerfabriken bestehen in Würzburg und in der Pfalz. Der Kleebau nimmt in B. immer mehr zu. Es wurden 1901 geerntet an Klee 1,4 Mill. Ton. auf einer Anbaufläche von 264,607 Hektar, von Luzerne 0,22 Mill. T. auf 39,027 Hektar. Mit Esparsette waren 1900: 8117 Hektar bebaut. Fruchtbare Wiesen finden sich hauptsächlich im Alpenvorland, am Fuß des Bayrischen Waldes, an den Alluvionen der Altmühl, Rott, Vils, Itz, Baunach, Regnitz, Wiesent und in Unterfranken in den Maintälern. Die Anbaufläche betrug 1901: 1,287,563 Hektar, die Heuernte 6,2 Mill. T. Auf Weiden und Hutungen entfielen 1900: 260,730 Hektar. Zur Förderung der Landwirtschaft besteht in B. ein 1810 gegründeter landwirtschaftlicher Verein, der 1899 in 233 Bezirkskomitees 79,258 Mitglieder zählte. Organ desselben ist das Generalkomitee zu München. Außerdem bestehen 6132 landwirtschaftliche Spezialvereine mit 403,763 Mitgliedern und einem Vermögen van 8,2 Mill. Mk.
Was die Tierzucht betrifft, so steht zunächst die Pferdezucht auf niedrigerer Stufe als in Preußen. Man zählte 1900 in ganz B. 386,642 Stück gegen 369,035 im J. 1892. Durch Reichtum an Pferden ragen Oberbayern, Niederbayern und Schwaben hervor. Die Viehzucht hat sich bedeutend gehoben. Nach der Zählung vom 1. Dez. 1900 betrug der Gesamtbestand des Rindviehs in B. 3,469,163 Stück gegen 3,337,978 im J. 1892. Davon kommen auf:
Die Rindviehzucht ist hiernach am bedeutendsten im südlichen B. Die Gesamtzahl der Schafe vermindert sich fortdauernd: sie betrug 1900: 760,428 Stück gegen 968,414 im J. 1892 und 1,342,190 im J. 1873; die meisten finden sich in Mittelfranken, Ober- und Unterfranken, die wenigsten in der Pfalz. Dagegen nehmen die Schweine an Zahl zu; es wurden gezählt im J. 1900: 1,757,156 Stück gegen 1,358,744 im J. 1892; die meisten weist Niederbayern und Unterfranken, die wenigsten Oberfranken auf. Auch die Ziegen nehmen an Zahl zu; 1892: 268,471; 1900: 274,575. Esel und Maultiere gab es 1900 nur 320. Von den 459 Viehmärkten Bayerns ist München der größte; dort wurden im J. 1900: 3,191,966 Tiere auf den Markt gebracht. Gänse gab es 1900 in B. 878,246, Enten 296,741, Hühner 8,047,232 Stück. Bienenstöcke gab es 1900: 392,398, davon in Oberbayern allein 93,304. Fische finden sich reichlich in den Flüssen und Seen. Von den Seefischen sind zu nennen die Seeforelle, der Amaul (Ammersee), der Saibling und die Renke. Der einstige Krebsreichtum Bayerns ist durch die Krebspest sehr gelichtet.
In Beziehung auf Forsten u. Holzungen sind Oberbayern mit 20,4 Proz. und Oberpfalz mit 14,5 Proz. der gesamten Waldfläche die reichsten Regierungsbezirke, wogegen Schwaben mit 9,3 Proz., Pfalz mit 9,4 Proz. am wenigsten bewaldet sind. Die größte zusammenhängende Waldmasse bildet das Bayrische Hochgebirge mit den Algäuer Alpen. Hieran reihen sich der Bayrische Wald, der Pfälzer Wald auf dem Haardtgebirge und im Westrich der Pfalz, der Spessart mit dem bayrischen Anteil des Odenwaldes, das Fichtelgebirge, der Fränkische Wald, das Rhöngebirge, endlich der Nürnberger Reichsforst. Von der Gesamtfläche sind 33,6 Proz. im Besitz des Staates, 0,4 sind Staatsanteilforste, 12,4 Gemeindeforste, und Stiftungsforste, 0,8 Genossenschaftsforste und 50,9 Proz. im Besitz von Privaten; die Bestände an Laubholz bilden 24,6 Proz., die an Nadelholz 75,4 Proz. der gesamten Waldfläche, die zu 78,7 Proz. aus Hochwald besteht. Der Holzertrag betrug 4,335,000 Festmeter an Nutzholz, 2,612,000 Festmeter an Brennholz, 484,000 Festmeter an Stock- und Reisholz. Einen nicht unerheblichen Nebenverdienst gewährt der ärmern Volksklasse in den waldreichen Gegenden des Bayrischen Waldes, Fichtelgebirges und der Rhön das Sammeln von Beeren, insbes. Heidel-, Preißel-, Him- und Erdbeeren.
Obwohl der Wildstand in B. wie anderwärts vermindert ist, so liefern die königlichen Leibgehegs- und Regiejagden des Alpengebiets noch immer einen schönen Crtrag. Gemsen werden im ganzen Alpengebiet gehegt. Edelwild findet sich außer im Hochgebirge fast in allen größern Waldkomplexen vor. Der Reh stand ist am vorzüglichsten in der Rheinpfalz und im Nürnberger Reichswald, nächstdem im Steigerwald, Frankenwald, Fichtelgebirge und im Bayrischen Hochgebirge. Die Hasenjagden sind am ergiebigsten um München, in den fränkischen Gauen und in der Pfalz. Der Dachs kommt in B. fast allenthalben, aber selten, Auerwild fast überall längs des Alpengebirges vor, ferner in der Oberpfalz, im Nürnberger Reichswald und Fichtelgebirge. Haselhühner trifft man in allen Vorbergen der Alpen, im Bayrischen Wald, Fichtelgebirge und Spessart, Schneehühner im Algäu und in den Bergen um Hohenschwangau. Rebhühner finden sich zahlreich im ganzen Königreich. Fasanen gibt es in den Isar-, Inn- und Rheinauen. Die Wildkatze kommt vereinzelt vor, ebenso der Uhu. Adler horsten nur im Hochgebirge, meist im Algäu.
Bergbau. Die wichtigsten Produkte sind Kohlen, Eisenerze, Graphit und Salz. Man zählte 1900 zur Ausschließung und Gewinnung von Stein- und Pechkohlen 13 betriebene Werke, in welchen 6757 Arbeiter 1,078,837 Ton. Kohlen im Gesamtwert von 12,6 Mill. Mk. zutage förderten. Steinkohle findet sich hauptsächlich in der Pfalz, Oberbayern und Oberfranken. Für Gewinnung von Graphit (hauptsächlich im Bezirksamt Passau) bestehen 144 Werke mit 576 Arbeitern, die 1900: 9248 T. gewannen. Von Eisenerzen wurden 1900 in 34 Werken mit 776 Arbeitern 179,920 T. im Wert von 826,000 Mk. gewonnen; sie finden sich am meisten in der Oberpfalz und Oberfranken. Ferner gibt es in B. 3 Gruben für Bleierz, 4 für Kupfer. Außerdem gewinnt man Ocker und Farberde in 29 Werken in der Oberpfalz und der [500] Pfalz, Porzellanerde in der Oberpfalz und in Oberfranken, Tonerde, Dach- und Tafelschiefer, Schwerspat, Gips und Schmirgel. Hervorragend ist die Gewinnung von Kalk und Kreide in der Pfalz, Oberpfalz, Niederbayern und Schwaben, von Granit in Niederbayern, Oberpfalz, Oberfranken und Pfalz, von Marmor in Oberbayern. Wetzsteine werden in Oberbayern, Lithographiesteine bei Solnhofen (Mittelfranken) gewonnen. Für Salz ist der Hauptbezirk im SO., wo sich das Steinsalzwerk Berchtesgaden und die Salinen Berchtesgaden, Reichenhall, Traunstein und Rosenheim befinden. Diese vier Salinen nebst denen von Dürkheim und Kissingen produzierten 1900: 44,432 T. Kochsalz im Wert von fast 2 Mill. Mk.
Unter den zahlreichen Mineralquellen Bayerns, die meist in den Gebirgsgegenden Ober- und Unterfrankens und Oberbayerns liegen, nimmt Kissingen in Unterfranken mit seinen kohlensäurereichen Kochsalzquellen den ersten Rang ein. Kochsalzquellen befinden sich außerdem in Berchtesgaden, Reichenhall und Rosenheim (Oberbayern), Dürkheim (Pfalz); Schwefelquellen in Kreuth und Kainzenbad bei Partenkirchen (Oberbayern), Abbach und Höhenstadt (Niederbayern), Faulenbach bei Füssen, Tiefenbach und Au bei Sonthofen (Schwaben), Neumarkt in der Oberpfalz (Stahl- und Schwefelquellen), Langenkandel und Freinsheim (Pfalz); Jodquellen in Heilbrunn bei Benediktbeuern und in Tölz (Oberbayern), bei Sulzberg (Schwaben); Eisensäuerlinge in Alexandersbad bei Wunsiedel und Steben (Oberfranken), bei Kondrau und Wiesau (Oberpfalz), zu Kellberg bei Passau (Niederbayern), zu Bocklet und Brückenau (Unterfranken).
Die Industrie Bayerns ist in steter Entwickelung begriffen. Es bestanden 1895: 369,560 gewerbliche Hauptbetriebe (1882: 350,622), davon 223,911 Alleinbetriebe und 145,649 Gehilfenbetriebe. Durchschnittlich wurden 1895: 1,003,584 Personen (1882: 685,298) beschäftigt, davon 779,673 in Gehilfenbetrieben. Außerdem wurden noch 74,564 Betriebe nebenberuflich ausgeübt, so daß mit Angehörigen und Dienenden insgesamt 1,793,541 Personen der Berufsabteilung der Industrie angehörten. Die 1897 bestehenden 336 Aktiengesellschaften hatten ein Nominalkapital von 922, ein eingezahltes Kapital von 725 Mill. Ml. Die Reservefonds beliefen sich auf 240 Mill. Mk., der Reinertrag im J. 1897 auf 123 Mill. Mk.; davon gelangten 55,5 Mill. Mk. an die Aktionäre zur Verteilung. Als industrielle Plätze ragen hervor: Nürnberg, Fürth, München, Augsburg, Würzburg, Aschaffenburg, Ludwigshafen, Zweibrücken, Speyer, Kaiserslautern, Hof etc. Ziemlich bedeutend ist die Produktion von Eisen und die Fabrikation von Eisen- und Stahlwaren. Für die Produktion von Roheisen waren 1900: 3 Hochöfen in Betrieb, die 82,368 Ton. Roheisen im Wert von 4,5 Mill. Mk. erzeugten. Die Hauptwerke für Verarbeitung des Roheisens finden sich in Oberbayern, der Pfalz (St. Ingbert) und Oberpfalz. Es bestanden 1900 für Verarbeitung des Roheisens 80 Eisengießereien mit 6264 Arbeitern, welche 89,692 T. Gußwaren zweiter Schmelzung im Wert von 18,9 Mill. Mk. erzeugten; 3 Werke mit 1823 Arbeitern produzierten 121,064 T. Stahl im Wert von 15,5 Mill. Mk., 11 Werke mit 1271 Arbeitern erzeugten 65,744 T. Stabeisen, Schwarzblech und Eisendraht im Wert von 10,5 Mill. Mk. Die Fabrikation von Waren aus Eisen und sonstigen unedlen Metallen, von Messerschmiedewaren, Drahtstiften, Bronzegußwaren, Feilen, Glocken ist in den Industriestädten München, Nürnberg, Augsburg, Fürth, Kaiserslautern etc. vertreten. Hervorzuheben ist die Fabrikation von Zinnfolien, Blattmetallen und insbes. von Metallspielwaren in Nürnberg und Fürth. Die Fabrikation von Waren aus edlen Metallen blüht in München und Nürnberg. Die Anfertigung von Lokomotiven, Dampfmaschinen, Wagen u. a. ist vorwiegend auf die größern Industriestädte beschränkt wie München, Nürnberg, Würzburg. Für Fabrikation von wissenschaftlichen Instrumenten sind München, Nürnberg, Fürth und Augsburg die Hauptsitze. Eine Spezialität ist die Geigenfabrikation in Mittenwald sowie der Orgelbau in Öttingen. Eine staatliche Gewehrfabrik besteht in Amberg. Im Gebiete der Stein-, Zement- und Tonwarenfabrikation betätigt sich in B. eine stets fortschreitende Bewegung. Die Ziegelei und Tonröhrenfabrikation beschäftigte 1895 allein 22,200 Personen. Sehr große Ziegelfabriken, meist mit italienischen Arbeitern, bestehen bei München; Fabriken für feuerfeste Ziegel in Schwandorf, Rosenau bei Passau etc., für Trottoirsteine in Großhesselohe bei München; Zementfabriken finden sich sehr viele im Gebirgsbezirk. Schmelztiegel werden besonders in Obernzell und Hafnerzell in Niederbayern angefertigt. Porzellan- und Steingutwarenfabrikation ist hervorragend in Nymphenburg. Solnhofen ist berühmt durch seine »Solnhofener Steinplatten«. Glashütten (im ganzen 48 mit 2643 Personen) sind zahlreich in Niederbayern, der Oberpfalz und der Rheinpfalz. Die Belegung des Spiegelglases erfolgt überwiegend in Fürth.
Zur Fabrikation von chemischen Produkten für technische Zwecke bestehen Fabriken in München, Heufeld und Nürnberg; Ultramarinfabriken namentlich in Nürnberg und Kaiserslautern; für Anilinfarben in Ludwigshafen. Parfümerien werden vorzugsweise in München und Würzburg fabriziert; Fettwaren, Seifen und Ole in München, Würzburg, Nürnberg; Farbwaren in München und Schweinfurt (Schweinfurtergrün). Die Holzindustrie Bayerns gründet sich auf die bedeutende einheimische Holzproduktion. Parkettfabrikation blüht in München, Regensburg, Kaiserslautern; Möbeltischlerei in Augsburg, München und Nürnberg; Fässerfabrikation in München, Kaiserslautern, Kitzingen etc.; Schnitzwarenfabrikation in Berchtesgaden, Reichenhall, Oberammergau, Garmisch, Partenkirchen, Brückenau; Anfertigung von Holzgalanteriewaren in Nürnberg und Fürth; Zündholzfabriken bestehen im Bayrischen Wald, in Augsburg und Rosenheim. Als häusliche Industrie blüht um Lindau die Strohhut-, um Lichtenfels die Korbflechterei. Die Hauptsitze der Industrie in Kurz waren, hauptsächlich Spielwaren aller Art, sind Nürnberg und Fürth. Hauptorte der Papierfabrikation sind München, Dachau, Pasing, Miesbach, Augsburg, Kempten, Nürnberg, Regensburg, Aschaffenburg. In der Fabrikation von Schreib- und Zeichenmaterialien (Bleistiften, Schiefertafeln etc.) nehmen die Faberschen Fabriken in Stein bei Nürnberg den ersten Rang ein. Zentralpunkte für die Photographie, Lithographie etc., für Bildhauerei und Glasmalerei sind München und Nürnberg. Die Lederfabrikation ist in B. in großem Aufschwung. Neben den ebengenannten Städten spielen hiereine Rolle Schweinfurt, Passau und Edenkoben. Kautschuk- und Guttaperchafabrikation wird in München und Augsburg, Bürsten- und Pinselbinderei in Nürnberg, Fürth, Erlangen und München betrieben.
[501] Einen bedeutenden Aufschwung hat die Webindustrie gemacht. Sie ist vor allem in Schwaben sehr verbreitet, wo Augsburg der Hauptsitz für Kammgarn- und Tuchfabrikation, Baumwollspinnerei und -Weberei ist; ferner in der Pfalz (Zweibrücken, Kaiserslautern) und in München, dann als Hausindustrie in Niederbayern und bei Hof. Garnfärbereien und Bleichereien gibt es in Schwaben und Oberfranken; Leinspinnerei und -Weberei in Bäumenheim bei Donauwörth und Memmingen etc.; Seilerei in Füssen, Immenstadt und Bamberg; Kunststickerei, insbes. Gold- und Silberstickerei, in München, Nürnberg u. Weißenburg a. S.; Fabrikation künstlicher Blumen in München. Größere Mahlmühlen bestehen in München, Schweinfurt, sehr viele in der Pfalz, Zuckerfabriken und Raffinerien in der Pfalz. Von außerordentlichem Umfang ist die Malz- und Bierfabrikation, die in München, Erlangen, Kulmbach und Nürnberg am schwunghaftesten betrieben wird. Die Zahl der im Betrieb stehenden Braunbierbrauereien betrug 1900: 4563 (darunter 74 Aktienbrauereien und 529 Kommunbrauereien), jene der Weißbierbrauereien 1401; sie erzeugten 17,748,292 hl Braunbier und 186,797 hl Weißbier. Sehr bedeutend ist die Bierausfuhr (1900: 2,882,350 hl) aus München, Kulmbach, Erlangen und Nürnberg. Die Fabrikation von Spiritus und Spirituosen findet sich vorzugsweise in München, dann in der Pfalz, in Unterfranken und in der Rosenheimer und Lindauer Gegend. 1900/1901 waren 7367 Brennereien im Betrieb, von denen 2111 mehlige Stoffe verarbeiteten; hiervon waren nur 31 gewerbliche, die übrigen landwirtschaftliche oder Materialbrennereien; die Gesamtproduktion an reinem Alkohol betrug 194,970 hl. Außerdem ist zu erwähnen: die Fabrikation von Essig, Hefe, Senf, konservierten Früchten, Fruchtsäften und kondensierter Milch. Bedeutendere Tabak- u. Zigarrenfabriken sind in München, Würzburg, Augsburg, Regensburg und in der Pfalz.
Am Schluß des Jahres 1900 waren vorhanden 8063 (1889: 4939) feststehende, 3138 (1889: 2111) bewegliche Dampfkessel, 10,083 (1889: 3819) Dampfmaschinen und 78 Schiffskessel (die Heizfläche aller Dampfkessel betrug 1900: 378,330 qm, die Leistungsfähigkeit 306,917 Pferdekräfte).
Der Handel von B. ist vorzugsweise innerer und Durchfuhrhandel. Als Hauptplätze desselben sind zu nennen: Nürnberg, München, Fürth, Augsburg, Ludwigshafen, sodann Würzburg, Hof, Bamberg, Kempten, Regensburg, Lindau, Passau, Schweinfurt, Kitzingen, Kaiserslautern. Es gab 1895 im Handelsgewerbe 72,061 Haupt- und 20,992 Nebenbetriebe (zusammen = 20 Proz. aller gewerblichen Betriebe). In erstern waren 128,771 Personen (davon 52,560 weibliche) beschäftigt. Von den Hauptbetrieben wurden 30,529 mit Gehilfen, die übrigen allein betrieben. Für Getreidehandel sind München und Lindau Hauptplätze, für Hopfenhandel Nürnberg; den bedeutendsten Wollmarkt hat Augsburg. Nicht unbedeutend sind die Börsen in München und Augsburg. Zur Ausfuhr kommen vorzugsweise Getreide, Kartoffeln, Hopfen, Gemüse und Sämereien, Bier, Wein, Farbwaren, Baumwollenwaren, Glas, Spiegel, Eisenwaren, Nürnberger und Fürther Galanterie- und Kurzwaren, Steinwaren, Lithographiesteine. Bei der Einfuhr stehen voran: Kakao, Kaffee, Tabak, Tee, Südfrüchte, Öle, Farbstoffe, Baumwolle, Seide, Seidenstoffe, Eisenwaren. Dem Handel dient neben einem ansehnlichen Bahn- und Straßennetz der nicht unbedeutende Schiffahrtsverkehr auf der Donau, dem Main und Rhein. Auf dem Main sind 1900 durchgegangen bei Aschaffenburg 2680 Schiffe mit 215,800 Ton. Gütern zu Tal, 2820 Schiffe mit 17,100 T. zu Berg. Auch Würzburg und Schweinfurt haben einen bedeutenden Schiffs- und Güterverkehr. Seit 1898 ist auf der Strecke von Aschaffenburg bis Kitzingen die Kettenschleppschiffahrt eingerichtet. An der Donau sind die wichtigsten Hafenplätze Neuulm, Günzburg, Donauwörth, Neuburg a. D., Ingolstadt, Regensburg und Passau. Von Regensburg ab wird von der Österreichischen Donaudampfschiffahrtsgesellschaft die Dampfschiffahrt betrieben; der Schiffahrtsverkehr beginnt in Neuulm. Sehr bedeutend ist der Schiffsverkehr bei Passau. 1900 stellte sich der Durchgangsverkehr zu Berg auf 229 Personendampfschiffe, 503 Schlepper und 1067 Güterschiffe mit 265,400 T. Gütern, worunter 141,526 T. Getreide, 27,511 T. Mehl, 71,892 T. Holz etc.; zu Tal auf 225 Personendampfschiffe, 513 Schlepper und 990 Güterschiffe mit 30,900 T. Gütern. Auch auf dem Ludwigskanal (s. d.) ist die Schiffahrt nicht unbeträchtlich. Auf dem Rhein sind 1900 in Ludwigshafen angekommen zu Berg 6719 Dampf- und Segelschiffe (hiervon 1036 niederländische und 24 belgische) mit 1,453,630 T. (305,661 T. Getreide, 671,619 T. Steinkohle etc.), abgegangen zu Tal 6566 Schiffe mit 262,678 T. Trotz der Konkurrenz der Eisenbahnen ist die Flößerei auf dem Main, dann auf der Donau und deren Nebenflüssen, insbes. Lech, Isar und Inn, noch immer bedeutend. München ist nächst Mannheim der bedeutendste Holzmarkt Süddeutschlands. Die Dampfschifffahrt auf dem Bodensee wird vom Staat in eigner Regie betrieben. Im J. 1900 wurden 238,530 Personen, 222,365 T. Güter und 2144 Tiere befördert.
Die Eisenbahnen werden im diesseitigen B. zum überwiegenden Teil vom Staat, in der Rheinpfalz von Privaten betrieben. Im diesseitigen B. bestehen 215 km Privatbahnen, darunter 131 km von der Lokalbahn-Aktiengesellschaft erbaut. Die Ludwigsbahn zwischen Nürnberg und Fürth wurde als die erste Lokomotiveisenbahn in Deutschland 1835 erbaut. Die bayrischen Staatsbahnen stehen unter der Generaldirektion in München und werden in zehn Betriebsdirektionsbezirken verwaltet. Hauptknotenpunkte des Verkehrs sind München, Augsburg, Rosenheim, dann Nürnberg und Weiden. Der Wagenpark der bayrischen Staatsbahnen umfaßt 1705 Lokomotiven, 4380 Personenwagen, endlich 25,764 Pack- und Güterwagen mit 300,174 T. Ladegewicht. Ausschließlich der an andre Eisenbahnverwaltungen verpachteten 100 km und zuzüglich der gepachteten 19 km stehen 5784,79 km Bahnen im Staatsbetrieb; hiervon gehören 1783 km zu Bahnen von untergeordneter Bedeutung. Zweigleisig sind (1900) 1856 km = 31,6 Proz. der Gesamtlänge. Die Baukosten der sämtlichen Staatseisenbahnen beliefen sich Ende 1900 auf 1332 Mill. Mk. 1900 wurden auf ihnen 45,248,335 Personen und an Gütern 17,9 Mill. T. befördert. Die Privatbahnen im diesseitigen B. beförderten 1899: 5,460,086 Personen und 550,355 T. Güter. Die Pfälzer Bahnen (Privatbahnen) hatten Ende 1900 eine Gesamtlänge von 760 km; auf ihnen wurden 11,762,263 Personen, 6,736,674 T. Güter, 2,079,790 T. Kohlen und 474,049 Stück Vieh befördert. Telegraphenanstalten gab es 1900 (mit Ausschluß der im Ausland gelegenen sechs bayrischen Stationen) im ganzen 2765. Die Länge sämtlicher Telegraphenlinien betrug Ende 1900: 16,371 km mit 64,233 km Drahtleitungen. Fernsprechanlagen[502] bestanden 1900 in 151 Städten mit 29,488 Sprechstellen. Die wichtigsten Fernlinien sind München-Berlin, München-Frankfurt, München-Stuttgart und Nürnberg-Frankfurt. Die Gesamtzahl der beförderten Telegramme betrug 1900: 4,702,901, jene der telephonischen Gespräche im Ortsverkehr 31 Mill. und auf den Fernverbindungsanlagen 5,5 Mill. Die Posten beförderten 1900: 1,151,827 Personen. Die Reineinnahme aus dem Briefpost-, Fahrpost- und Zeitungsverkehr betrug 27,7 Mill. Mk. Befördert wurden im Briefpostverkehr 337 Mill. Sendungen, und zwar 205 Mill. Briefe, 62 Mill. Postkarten, 70 Mill. Drucksachen, 3 Mill. Warenproben; im Fahrpostverkehr 24,8 Mill. Stück mit einem Gesamtwert von 2125 Mill. Mk. Im Postanweisungsverkehr wurden 1900: 12,282,000 Anweisungen mit 758 Mill. Mk. einbezahlt, an Zeitungen wurden 240 Mill. Nummern befördert. Vgl. Brunner, Das Postwesen in B. in seiner geschichtlichen Entwickelung (Münch. 1900).
Anstalten zur Förderung des Handels sind die Reichsbankhauptstelle in München, die Reichsbankstellen in Augsburg, Nürnberg und Würzburg und 26 Nebenstellen; in München die Bayrische Hypotheken- und Wechselbank, die Bayrische Vereinsbank, die Bayrische Handelsbank, die Bayrische Notenbank, die von den bayrischen Banken allein Noten ausgibt (vgl. Banken, S. 342 f.), die Süddeutsche Bodenkreditbank und die Bayrische Bank; in Nürnberg die königliche Bank (mit einer Hauptbank und 16 Filialen) und die Vereinsbank; ferner die Pfälzische Hypothekenbank und die Pfälzische Bank. Für jeden Regierungsbezirk besteht eine Handels- und Gewerbekammer, die alljährlich einen Bericht an das Ministerium des Innern vorzulegen hat. Daneben können für Orte oder Bezirke mit erheblichem gewerblichen Verkehr Bezirksgremien (1900: 57) gebildet werden. Für den Unterricht in Handelsgegenständen bestehen an 14 Realschulen sowie an der königl. Industrieschule in München Handelsabteilungen; außerdem gibt es 4 öffentliche und 12 private Handelsschulen. Insgesamt dienten dem kaufmännischen Unterricht im J. 1900: 50 Fortbildungsschulen mit 5699 Schülern, worunter 798 weibliche. Seit 1. Jan. 1876 besteht in B. die deutsche Reichswährung. Die alten bayrischen Maße und Gewichte (näheres s. »Fuß, Elle, Pfund« etc.) sind bereits 1872 dem metrischen System gewichen.
Die Statistik der Sparkassen ergibt für B. 1898: 337 öffentliche Sparkassen mit einem Stand an Spareinlagen von 296 Mill. Mk. (1869 noch 50 Mill., 1888: 160 Mill. Mk.). Die Zahl der Einleger betrug 780,366, so daß auf 1000 Einw. 130 Einleger entfallen. Verhältnismäßig am meisten bestehen Sparkassen in der Pfalz und in Oberfranken, am wenigsten in Oberbayern. (Vgl. Schachner, Das bayrische Sparkassenwesen, Leipz. 1899.) Die Zahl der öffentlichen Stiftungen belief sich 1899 auf 19,360, die zusammen ein rentierendes