Wilhelm [1]

[632] Wilhelm (lat. Guillemus, franz. Guillaume, engl. William), männlicher Name, bedeutet: der willenskräftige Beschützer. Die hervorragendsten fürstlichen Träger desselben sind (Übersicht nach den Ländern):

Tabelle

[Deutsche Könige und Kaiser.] 1) W. von Holland, deutscher König, geb. 1227, gest. 1256, Sohn des Grafen Florens IV. von Holland, folgte 1235 dem Vater als Graf und wurde nach dem Tode des Gegenkönigs Heinrich Raspe, als kein andrer deutscher Fürst den Kampf gegen das staufische Haus aufnehmen wollte, 3. Okt. 1247 von der päpstlichen Partei zum König gewählt und 1. Nov. 1248 in Aachen, das er sich nach langer Belagerung erobert hatte, von dem Erzbischof von Köln gekrönt, mußte aber ohne tatsächliche Königsgewalt nach Holland zurückkehren. Erst nachdem Friedrich II. 1250 gestorben und sein Sohn Konrad nach Italien eilte, um dieses für sich zu retten, gewann W. durch Verschleuderung des Reichsguts in Deutschland einigen Anhang und nach Konrads IV. Tod (1254) allgemeinere Anerkennung. W. kämpfte gegen Margarete von Flandern glücklich und zog 1256 aus, um die rebellischen Friesen zu züchtigen, versank aber 28. Jan. auf diesem Feldzuge mit seinem Pferd in einem Sumpf; erst 1282 wurde sein Leichnam aufgefunden und nach Middelburg gebracht. Vermählt war er (seit 1252) mit Elisabeth von Braunschweig. Vgl. Ulrich, Geschichte des römischen Königs W. von Holland (Hannov. 1882); Hintze, Das Königtum Wilhelms von Holland (Leipz. 1885); Hasse, König W. von Holland (nur 1. Teil: 1247, Straßb. 1885).

2) W. I. Friedrich Ludwig, deutscher Kaiser und König von Preußen, der zweite Sohn König Friedrich Wilhelms III. (s. Friedrich 60) und der Königin Luise (s. Luise 3), geb. 22. März 1797 in Berlin, gest. daselbst 9. März 1888, wurde 1. Jan. 1807 Offizier und durch Delbrück und den Hauptmann v. Reiche vortrefflich erzogen. W. zeigte früh einen klaren, praktischen Verstand, große Ordnungsliebe und einen ernsten, zuverlässigen Charakter, während er an geistiger Regsamkeit seinem ältern Bruder, Fritz (Friedrich Wilhelm IV.), nachstand. 1814 Hauptmann geworden, begleitete der Prinz seinen Vater auf dem Feldzug nach Frankreich, erwarb sich bei Bar-sur-Au be 26. Febr. das Eiserne Kreuz, zog 31. März mit in Paris ein, folgte den Monarchen auch beim Besuch in England und führte, 8. Juni 1815 konfirmiert und zum Major befördert, ein Bataillon des 1. Garderegiments von neuem nach Frankreich, wo indes der Krieg schon zu Ende war. Seit 1. Jan. 1816 führte er das Stettiner Gardelandwehrbataillon, erhielt 1818 als Generalmajor eine Gardeinfanteriebrigade, 1. Mai. 1820 die 1. Gardedivision und 1825 als Generalleutnant das Gardekorps. Mit Treue die Pflichten seiner militärischen Stellung erfüllend, half er mit Erfolg in der langen Friedenszeit den militärischen Geist in den Truppen zu erhalten. Auch zu den Staatsangelegenheiten herangezogen und wiederholt an den Petersburger Hof gesandt, vermählte er sich, nachdem er 1826 auf die Heirat mit der Prinzessin Elise Radziwill (s. Radziwill, S. 564), die er innig liebte, verzichtet hatte, weil sie Streit über die Erbfolge in der [632] Dynastie hervorzurufen drohte, 11. Juni 1829 mit der Prinzessin Augusta (s. d.) von Sachsen-Weimar, deren Schwester Maria die Gemahl in seines jüngern Bruders Karl (s. Karl 48) war. Sie gebar ihm 18. Okt. 1831 den Prinzen Friedrich Wilhelm (s. Friedrich 5) und 3. Dez. 1838 die Prinzessin Luise (seit 1856 Großherzogin von Baden). Nach dem Tode seines Vaters 1840 erhielt W. als präsumtiver Nachfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. den Titel »Prinz von Preußen«, wurde bald darauf General der Infanterie und verfolgte nun mit lebhaftem Interesse die innere Politik, ohne jedoch auf seinen Bruder wesentlichen Einfluß zu gewinnen. Nur mit schwerer Besorgnis stimmte er 1847 der Berufung des Vereinigten Landtags zu. Im März 1848 war er entschieden für Bewilligung einer konstitutionellen Verfassung, aber ebenso für unbedingte Aufrechthaltung der königlichen Macht. Wegen seiner ausgesprochenen Vorliebe für das Militärwesen erschien er jedoch dem Volke als die Hauptstütze der absolutistischen Tendenzen, war persönlich gefährdet und ging deswegen 22. März nach London, wo er im Verkehr mit dem Prinzen Albert, R. Peel, J. Russell, Palmerston und andern Staatsmännern seine politischen Anschauungen klärte. Anfang Juni kehrte er nach Berlin zurück, wurde in die preußische Nationalversammlung gewählt, nahm aber, nachdem er seine konstitutionellen Grundsätze dargelegt hatte, keinen weitern Anteil an den Verhandlungen. Am 8. Juni 1849 mit dem Oberbefehl über die zur Bewältigung der süddeutschen Revolution bestimmten Truppen betraut, unterwarf er, nachdem er in Mainz einem Attentat glücklich entgangen, in wenigen Wochen die aufständische Pfalz und Baden. Im Oktober Militärgouverneur am Rhein und in Westfalen geworden, nahm er seinen Wohnsitz in Koblenz, ward 1854 Generaloberst der Infanterie mit dem Rang eines Feldmarschalls und zugleich Gouverneur der Festung Mainz. Mit der auswärtigen Politik Preußens seit 1850 war der Prinz nicht einverstanden, hielt sich aber auch von der politischen und kirchlichen Reaktion fern und förderte die Wehrmacht Preußens in der Erkenntnis, daß nur durch militärische Erfolge eine grundsätzliche politische Wandlung herbeigeführt werden könnte. So sehr er mit dieser Anschauung allein stand, so war er doch in der letzten Zeit wenig hervorgetreten, galt als guter preußischer und deutscher Patriot, als kirchlich unbefangen und konstitutionell gesinnt, und die früher ihm ungünstige öffentliche Meinung war so umgeschlagen, daß alle Hoffnungen sich ihm zuwandten, als er während der Krankheit des Königs 23. Okt. 1857 als dessen Stellvertreter und 7. Okt. 1858 als Regent an die Spitze der Regierung trat. Nachdem er 26. Okt. den Eid auf die Verfassung geleistet, berief er 5. Nov. das liberale Ministerium Hohenzollern (»neue Ära«) und legte 8. Nov. in einem Erlaß an dieses seine Regierungsgrundsätze dar: Von einem Bruch mit der Vergangenheit könne nicht die Rede sein, aber alle Scheinheiligkeit und Heuchelei sei zu meiden; in der auswärtigen Politik dürfe Preußen fremden Einflüssen nicht nachgeben, es müsse vielmehr durch eine weise Gesetzgebung, Hebung aller sittlichen Elemente und Ergreifung von Einigungsmomenten in Deutschland moralische Eroberungen zu machen suchen. Diese Äußerungen wurden im Volke mit Beifall aufgenommen, aber zu wenig Beachtung fanden seine Worte, in denen er von der notwendigen Heeresreform und den dazu erforderlichen Geldmitteln sprach, da Preußens Heer mächtig und angesehen sein müsse, wenn Preußen seine Aufgabe erfüllen solle. Die Ereignisse von 1859, als die Mobilmachung auf große Schwierigkeiten stieß und viele Mängel im Heerwesen aufdeckte, erwiesen die Berechtigung dieser Gedanken; aber das Abgeordnetenhaus konnte sich nicht entschließen, die Mehrkosten der durchgreifenden Heeresreorganisation, deren Plan 1860 vorgelegt wurde, zu bewilligen. Voll Ungeduld wollte man erst tatsächliche Beweise einer erfolgreichen deutschen Politik sehen. Am 14. Juli 1861 machte der Student Oskar Becker in Baden-Baden sogar ein Attentat auf W., der nach Friedrich Wilhelms Tode (2. Jan. 1861) wirklich König geworden war, verwundete ihn aber nur leicht. Die Krönung (18. Okt. 1861) zeigte der Öffentlichkeit die von dem Parlament unabhängige Macht des Königtums, verstärkte aber deswegen das Mißtrauen gegen die konstitutionellen Ansichten des Königs; die Neuwahlen Ende 1861 fielen fortschrittlich aus, und mit dem Rücktritte des Ministeriums der Neuen Ära (17. März 1862), das zurücktrat, weil es die gesetzliche Genehmigung der tatsächlich bereits durchgeführten Heeresreorganisation nicht erreichen konnte, begann der Verfassungskonflikt, in dem der König sein eigenstes Werk, die Heeresreform, mit Standhaftigkeit festhielt und für das Ministerium Bismarck (s. Bismarck 1) mit seiner ganzen königlichen Autorität eintrat.

Dadurch verlor der König rasch seine frühere Popularität wieder, wie sich besonders bei den 50jährigen Erinnerungsfesten an die Befreiungskriege und an die Vereinigung der neuen Provinzen mit Preußen 1863–65 zeigte. Obwohl W. schwer unter dieser Entfremdung des Volkes litt, blieb er doch in der Verteidigung der Rechte der Krone standhaft, verfolgte aber Bismarcks kühnem und staatsklugem Plane gemäß eine entschiedene deutsche Politik. Da aber die damalige öffentliche Meinung diese Pläne nicht verstand, so hielt sie das Verhalten des Königs gegen den Fürstenkongreß 1863 und in der schleswigholsteinischen Sache 1864 für bloße Spiegelfechterei. Um den Konflikt zu beenden, ohne die mit Mühe durchgeführte Heeresreform preiszugeben, ging der König, wiewohl widerstrebend, auf Bismarcks geniale Politik ein, die 1866 zum Entscheidungskampf mit Österreich führte. Er übernahm selbst den Oberbefehl über das Heer und errang den glänzenden Sieg bei Königgrätz. Bei den Friedensverhandlungen verzichtete er nur ungern auf die Annexion Sachsens, um Bismarcks deutsche Einigungspläne nicht zu durchkreuzen, und bot dem Landtag durch das Indemnitätsgesetz die Hand zum Frieden, die nun nach dem Erfolg freudig ergriffen wurde. Durch die Verfassung des Norddeutschen Bundes vom 1. Juli 1867 ward W. dessen Präsident. Im Innern lenkte er in die liberale Bahn, die verhaßtesten Minister der Konfliktsperiode wurden durch liberale Männer ersetzt. Der Krieg mit Frankreich 1870–71 bedeckte das Heer mit neuem Ruhm. W. übernahm wieder den Oberbefehl über die gesamte in Frankreich einrückende Armee, befehligte selbst bei Gravelotte und bei Sedan und leitete von Oktober 1870 bis März 1871 von Versailles aus die militärischen Operationen und die politischen Verhandlungen über die Errichtung des Deutschen Reiches. Durch die Kaiserproklamation, die am 18. Jan. 1871 im Versailler Schloß stattfand, nahm W. für sich und seine Nachfolger an der Krone Preußen den Titel »deutscher Kaiser« an. Am 16. Juni 1871 hielt er seinen glänzenden Einzug in Berlin. Rastlos mit der Vollendung der militärischen Organisation des Deutschen Reiches und der innern Reform[633] des preußischen Staatswesens beschäftigt, hielt W. auch im Kulturkampf gegenüber allen ultramontanen Schmeicheleien und Drohungen entschlossen zu seinen Ministern und wies die Anmaßung des Papstes in seinem berühmten Schreiben vom 3. Sept. 1873 zurück. Zur Sicherung des europäischen Friedens schloß er im September 1872 den Dreikaiserbund zwischen Deutschland, Rußland und Österreich, der die beiden letztern Mächte einander näherte. Demselben Zwecke dienten des Kaisers Besuche 1873 in St. Petersburg und Wien, 1875 in Mailand. Durch seine unermüdliche, aufopfernde Tätigkeit für das Gemeinwohl erlangte W. eine außerordentliche Beliebtheit, die sich bei seinem 70jährigen und 80jährigen Militärjubiläum, bei der Feier des 80. und 90. Geburtstags (1877 und 1887) sowie bei der Goldenen Hochzeit (1879) in großartigen Huldigungen des deutschen Volkes bewährte. Selten hat ein Fürst noch in so hohem Alter seinem Haus und Staate solche Ehren errungen wie er, der nicht bloß der älteste, sondern auch der angesehenste und mächtigste Monarch Europas war. Um so größeres Erstaunen erregten die auf sein Leben von Hödel (s. d.) 11. Mai 1878 und Nobiling (s. d.) 2. Juni 1878 unternommenen Attentate. Obwohl der Kaiser durch die bei letzterm erhaltenen Wunden an Kopf und Arm so krank wurde, daß er 4. Juni den Kronprinzen zum Stellvertreter ernennen mußte, so bewahrte er dennoch unerschütterliche Seelenruhe und übernahm nach längerm Aufenthalt in Baden und Wiesbaden 5. Dez. die Regierung wieder. Im Sommer 1878 ward im ganzen Reiche die Kaiser Wilhelms-Spende (s. d.) aus kleinen Gaben gesammelt. Am 17. Nov. 1881 und 14. April 1883 ergingen die Botschaften an den Reichstag, in denen die wichtigen Gesetze für das Wohl der Arbeiter angekündigt wurden. Auch knüpfte der Kaiser Verhandlungen mit dem neuen friedliebenden Papste Leo XIII. zur Beendigung des Kulturkampfes an. Ungeachtet seiner tief gewurzelten Sympathien für Rußland gab er 1879 seine Zustimmung zum Bündnis mit Österreich, aus dem durch den Zutritt Italiens der Dreibund (s. d.) wurde. Unermüdlich tätig, weilte W. meist in Berlin und ging nur im Sommer kurze Zeit nach Ems und Gastein. Schmerzlich getroffen durch die Krankheit seines Sohnes und den Tod seines Enkels (des Prinzen Ludwig von Baden), starb W. nach kurzer Krankheit 9. März 1888 in Berlin und ward 16. März im Mausoleum zu Charlottenburg beigesetzt. Zahlreiche, teilweise großartige Denkmäler wurden ihm von Provinzen und Städten u. errichtet: Ende 1902 wurden 322 an 318 Orten gezählt. Die bedeutsamsten darunter sind das auf Reichskosten errichtete Nationaldenkmal in Berlin (von R. Begas, mit Halle von Halmhuber, 22. März. 1897, enthüllt; s. Tafel »Berliner Denkmäler I«, Fig. 1), das vom deutschen Kriegerbund errichtete auf dem Kyffhäuser (von Schmitz, mit Reiterstandbild von Hundrieser), das der Rheinprovinz am deutschen Eck bei Koblenz (von denselben) und das der Provinz Westfalen auf dem Wittekindsberg bei Minden (von Schmitz, mit Standbild von Zumbusch). Außerdem sind zu erwähnen das Jung Wilhelm-Denkmal auf der Luiseninsel im Tiergarten zu Berlin in Marmor (von Adolf Brütt, 3. Mai 1904 enthüllt), das den Prinzen in der Uniform der Gardefüsiliere im Alter von 17 Jahren zeigt, die Reiterdenkmäler in Eberfeld und Mannheim (beide von Eberlein), Bremen (von Bärwald), Görlitz (von Pfuhl), Frankfurt a. M. (von Buscher), Düsseldorf (von K. Janssen), Köln (von R. Anders), Kiel (von Brütt), Stettin (von Hilgers), Metz (von Fr. v. Miller), Breslau (von Behrens) und Magdeburg (von Siemering) und die Marmorstandbilder in Ems (von P. Otto) und Wiesbaden (von Schilling). Vgl. Kuntzemüller, Die Denkmäler Kaiser Wilhelms des Großen (Brem. 1903). Das 2. westpreußische Grenadierregiment Nr. 7 wurde Grenadierregiment König W. I. benannt.

W. war von großer, imposanter Gestalt und regelmäßigen, angenehmen und freundlichen Gesichtszügen. Geregelte Tätigkeit und einfache Lebensweise bewahrten ihm bis in sein hohes Alter eine seltene körperliche Rüstigkeit und geistige Frische. Allgemein bewundert wurden seine Liebenswürdigkeit im persönlichen Verkehr und seine unermüdliche Ausdauer in der Erfüllung seiner Pflichten als Monarch. »Einfach, bieder und verständig«, so hatte seine Mutter ihn 1810 bezeichnet, und so entwickelte er sich harmonisch. Er war ein gläubiger Christ, aber ohne Unduldsamkeit. Hervorragende Geistesgaben zeichneten ihn nicht aus; er zeigte hauptsächlich für militärische und politische Dinge Verständnis, weniger für Künste und Wissenschaften. Doch suchte er sich als Herrscher über alle wichtigen Dinge genau zu unterrichten und sich ein selbständiges Urteil zu bilden. Seine Menschenkenntnis gestattete ihm, fast immer die richtigen Männer für die zu lösenden Aufgaben zu finden. Bedeutend waren seine Charaktereigenschaften: seine Wahrheitsliebe, Treue, Dankbarkeit, sein sittlicher Mut, sein Pflichtgefühl als Herrscher, seine Standhaftigkeit in gefährlichen, seine Mäßigung in glücklichen Lagen. Mit Bescheidenheit pflegte er das Verdienst der von ihm selbst ausgewählten Gehilfen, besonders Bismarcks, Moltkes und Roons, nicht nur selbst anzuerkennen, sondern ertrug auch die ihn selbst in Schatten stellende Verherrlichung derselben ohne Eifersucht. Kaiser W. war ein glänzendes Beispiel dafür, daß im Staatsleben ein Charakter weit mehr wert ist als ein Talent. Den Beinamen »der Große«, den ihm sein Enkel beigelegt und auf vielen Denkmälern verewigt hat, versagt ihm die Geschichte, aber als »W. der Siegreiche« und populär als »der alte W.« lebt er im Andenken des Volkes. Gesammelt erschienen: »Militärische Schriften weiland Kaiser Wilhelms des Großen« (Berl. 1897, 2 Bde.); »Politische Korrespondenz Kaiser Wilhelms I.« (das. 1890) und »Kaiser Wilhelms des Großen Briefe, Reden und Schriften« (hrsg. von E. Berner, das. 1905, 2 Bde.). Den Briefwechsel zwischen Kaiser W. und Fürst Bismarck gab Penzler heraus (Leipz. 1900). Vgl. E. Marcks, Kaiser W. I. (Leipz. 1897, 5. Aufl. 1905); Pfister, Kaiser W. I. und seine Zeit (Bielef. 1906); W. Müller, Kaiser W. (das. 1888); (L. Hahn) Gedenkbuch Kaiser Wilhelms I., 1797–1873 (das. 1874) und W., der erste Kaiser etc. (das. 1888); Kugler, Kaiser W. und seine Zeit (Münch. 1888; Volksausg., Leipz. 1896); Adami, Das Buch vom Kaiser W. (Bielef. 1887–90, 2 Bde.); Scheibert, Kaiser W. und seine Zeit (Berl. 1898); L. Schneider, Aus dem Leben Kaiser Wilhelms (das. 1888, 3 Bde.); v. Bernhardi, Die ersten Regierungsjahre König Wilhelms I., Tagebuchblätter (Leipz. 1895); Berner, Der Regierungsanfang des Prinzregenten von Preußen (Berl. 1901); Oncken, Das Zeitalter des Kaisers W. (das. 1890--02, 2 Bde.) und Unser Heldenkaiser (das. 1897); Sybel, Die Begründung des Deutschen Reichs durch W. I. (Münch. 1889–94, 7 Bde.); O. Lorenz, Kaiser W. und die Begründung des Deutschen Reichs 1866–1871 (Jena 1902); F. Delbrück, Die Jugend des Königs Friedrich [634] Wilhelm IV. von Preußen und des Kaisers und Königs W. I., Tagebuchblätter (Berl. 1907); Freiherr v. Egloffstein, Kaiser W. I. und Leopold v. Orlich (das. 1904); Dehn, W. I. als Erzieher, in 711 Aussprüchen aus seinen Kundgebungen und Briefen (Halle 1906); Blume, Kaiser W. und sein Kriegsminister Roon als Bildner des preußisch-deutschen Heeres (Berl. 1906); Lavisse, Trois empereurs d'Allemagne (Par. 1888); Forbes, Kaiser W. (a. d. Engl., Gotha 1888).

3) W. II. Friedrich Viktor Albert, deutscher Kaiser und König von Preuf; en, geb. 27. Jan. 1859 in Berlin, ältester Sohn des damaligen Prinzen Friedrich Wilhelm (s. Friedrich 5) und der Prinzessin Viktoria (s. Viktoria 2) von Großbritannien, wurde nach sorgfältiger Erziehung im elterlichen Hause seit 1866 durch Hinzpeter (s. d.) 27. Jan. 1869 Leutnant im 1. Garderegiment, besuchte nach seiner Konfirmation (1. Sept. 1874) das Gymnasium in Kassel, wo er 20. Jan. 1877 das Abiturientenexamen ablegte. Hierauf stand W. im praktischen Militärdienst beim 1. Garderegiment in Potsdam, studierte 1877–79 in Bonn Staats- und Rechtswissenschaften und führte dann als Hauptmann eine Kompanie des 1. Garderegiments. Am 27. Febr. 1881 vermählte er sich mit Prinzessin Auguste Viktoria (s. d.) von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. 1882 als Major zum 1. Gardehusarenregiment versetzt, ward er bald Oberst und Kommandeur desselben, lernte gleichzeitig unter der Leitung des Oberpräsidenten Achenbach den Verwaltungsdienst bei der Potsdamer Regierung kennen. Der Prinz zeigte großen Eifer, nahm an allen Vorgängen des Lebens lebhaften Anteil und war trotz einer Schwäche im linken Arm, die durch eine Verletzung des Nervs bei seiner Geburt verursacht wurde, ein trefflicher Reiter und Jäger. Seit Anfang 1888 Generalmajor und Kommandeur der 1. Gardeinfanteriebrigade, ward er durch den Tod seines Großvaters Wilhelm I., den er als sein Vorbild verehrte, 9. März 1888 Kronprinz und nach dem frühen Hinscheiden seines Vaters 15. Juni d. J. deutscher Kaiser und König von Preußen. Er ergriff das Zepter mit kräftiger Hand, eröffnete den deutschen Reichstag 25. Juni inmitten aller deutschen Fürsten mit einer schwungvollen Ansprache, versprach bei der Eidesleistung im preußischen Landtag 27. Juni, gleich Friedrich II. der erste Diener des Staates zu sein, und trat überhaupt häufiger als seine Vorgänger mit Reden vor die Öffentlichkeit; dies erschwerte einerseits den verantwortlichen Leitern der Regierung ihre Aufgabe, erregte aber anderseits das Interesse des Volkes für die Person des Monarchen, der nunmehr im Gegensatz zu früher persönlich als Träger der innern und äußern Politik erschien und als solcher vom Volke für alles Geschehen als verantwortlich betrachtet wurde. Indem er die Politik Bismarcks anfangs zu der seinigen machte, sicherte er durch Pflege des Bündnisses mit Österreich und Ital sen den Frieden und knüpfte durch Besuche bei den bedeutendsten Höfen Europas mit den fremden Herrschern persönliche Beziehungen an. Zuerst besuchte er 1888 mit einer Kriegsflotte die Höfe St. Petersburg, Stockholm und Kopenhagen, dann die süddeutschen Höfe, den Kaiser Franz Joseph und den König von Italien, wo er in Rom und Neapel begeistert aufgenommen wurde, 1889 nach einer Nordlandsreise England, Griechenland, dessen Kronprinz (s. Konstantin 12) sich im Oktober d. J. mit seiner Schwester vermählte, und Konstantinopel. Seinen festen Entschluß, die Weltstellung des Deutschen Reiches zu behaupten, sprach er wiederholt mit Nachdruck aus und war eifrig bestrebt, Heer und Flotte in bestem Stande zu erhalten, besonders aber die letztere den neuen Anforderungen entsprechend zu verstärken; seit 1897 wurden diese Pläne unter immer wachsendem Interesse des Volkes für die Marine allmählich verwirklicht (s. Deutschland, S. 832). Aber auch den andern Zweigen der Staatsverwaltung und des sozialen Lebens widmete W. eine lebhafte Aufmerksamkeit und griff selbst tätig ein in der Hoffnung, bestehende Schwierigkeiten durch die Macht der Persönlichkeit zu überwinden, so durch Berufung der internationalen Arbeiterschutzkonferenz in Berlin im März 1890 und der Schulkonferenz im Dezember d. J. Indes die erwarteten Erfolge blieben aus, und W. sah allmählich ein, daß auch seine Bemühungen, als sozialer Kaiser das Vertrauen der sozialdemokratischen Handarbeiter zu gewinnen, vergeblich waren. Aber gerade die sozialpolitischen Ideen des Kaisers veranlaßten einen großen Umschwung, insofern die Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und Bismarck über das Sozialistengesetz den Rücktritt des Kanzlers (20. März 1890) und dadurch eine Entfremdung zwischen den nationalen Kreisen des Volkes und dem Kaiser herbeiführten. Eine Annährung der Regierung an die linksliberale Politik war unter Caprivis (s. d., 1890–1894) Leitung die Folge, und erst ganz allmählich machte sich eine Änderung sowohl im Kurs der Regierung als auch in der öffentlichen Meinung geltend, nachdem im Januar 1894 eine formelle Aussöhnung zwischen Bismarck und dem Kaiser stattgehabt hatte. Unter der Kanzlerschaft des Fürsten Hohenlohe (s. Hohenlohe 6) war Kaiser W. der tatsächliche Leiter der Politik, in der viele ernste Beobachter die Einheitlichkeit vermißten, und übte auch während der des Grafen und Fürsten Bülow (s. Bülow 12) bei wichtigen Anlässen entscheidenden Einfluß, wenn auch unmittelbare Eingriffe etwas seltener wurden. Die mannigfachen Reden des Kaisers haben viel dazu beigetragen, das Verständnis für die Notwendigkeit einer deutschen Weltpolitik im Volke zu wecken, wie die von ihm persönlich entworfenen vergleichenden Flottentabellen der Notwendigkeit einer deutschen Flottenvermehrung zur allgemeinen Anerkennung verhalfen. Außer den alljährlichen Nordlandsfahrten, zu denen Personen aller Kreise als Gäste hinzugezogen zu werden pflegen, hat W. auch viele Auslandsreisen unternommen, unter denen die nach Konstantinopel und Palästina im Herbst 1898 und die nach Marokko im März 1905 auch politische Bedeutung hatten. Zwei Attentate auf W., 16. Nov. 1900 in Breslau und 6. März 1901 in Bremen, deren letzteres eine Verwundung des Kaisers am rechten Auge zur Folge hatte, entbehrten politischer Beweggründe. Seit Januar 1901 ist W. englischer Feldmarschall. Standbilder von ihm finden sich in der Ruhmeshalle in Barmen (Marmor) und an der Eisenbahnbrücke in Mainz (Erz).

Die Persönlichkeit des Kaisers W. charakterisiert ein gewisser romantischer Zug, der namentlich in einer bewundernden Verehrung für seine hohenzollerischen Ahnen (besonders in der von ihm geschaffenen Siegesallee, s. Berlin, S. 693) zum Ausdruck gelangt, sowie das Bestreben, als universeller Geist an allen Betätigungen menschlichen Geistes selbst teilzunehmen und das Schaffen des deutschen Volkes und der fremden Nationen, auch das technische, künstlerische und wissenschaftliche, nicht nur zu verfolgen und kennen zu lernen, sondern auch zu beeinflussen. W. hat sich selbst als Dichter und KomponistSang an Ägir«)[635] versucht und namentlich der bildenden Kunst durch seine bestimmten Aufträge bei Errichtung von Denkmälern und Bauten selbst Anregung gegeben, wenn auch die Künstlerwelt darin vielfach eine Einschränkung der Individualitäten erblickt und objektiv eine vielleicht nicht gewollte Bevorzugung älterer Kunstrichtungen zum Nachteil der modernen darin zu beobachten ist. – Aus der Ehe des Kaisers sind sechs Söhne und eine Tochter entsprossen: Kronprinz Wilhelm (s. Wilhelm 36); Prinz Eitel-Friedrich, geb. 7. Juli 1883, seit 27. Febr. 1906 vermählt mit Herzogin Sophie Charlotte von Oldenburg (geb. 18. Febr. 1878), seit 1907 Herrenmeister des Johanniterordens; Prinz Adalbert, geb. 14. Juli 1884; Prinz August Wilhelm, geb. 29. Jan. 1887, 1908 verlobt mit Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein; Prinz Oskar, geb. 27. Juli 1888; Prinz Joachim, geb. 17. Dez. 1890; Prinzessin Viktoria Luise, geb. 13. Sept. 1892. Vgl. »Kaiserreden. Reden und Erlasse, Briefe und Telegramme Kaiser Wilhelms II.« (Leipz. 1902); Liman, Der Kaiser (4. Aufl., Berl. 1906); (v. Redern) Kaiser W. II. und seine Leute (3. Aufl., das. 1891); Jahnke, Kaiser W. II. (3. Aufl., das. 1903); Obst, Kaiser W. II. und Kaiserin Auguste Viktoria (Bresl. 1904).

[Baden.] 4) W. Ludwig August, Markgraf von Baden, zweiter Sohn des Großherzogs Karl Friedrich von Baden aus dessen zweiter Ehe mit der Gräfin von Hochberg, geb. 8. April 1792 in Karlsruhe, gest. 11. Okt. 1859, führte bis 1817 den Namen Graf von Hochberg, trat 1805 in das Heer, machte als Oberst im Hauptquartier Massénas den Krieg von 1809 mit und führte 1812 in Rußland die badische Brigade. Im Januar 1813 Generalleutnant geworden, erhielt er im August das Kommando des neuerrichteten badischen Korps. Während der Schlachttage von Leipzig hatte er die Stadt selbst besetzt, kapitulierte mit den Verbündeten 19. Okt., lehnte jedoch deren Antrag, sich mit ihnen zu vereinigen, ab. 1814 leitete er mit 10,000 Mann, die das 8. deutsche (badische) Bundeskorps bildeten, die Blockaden von Straßburg, Landau, Pfalzburg, Lichtenberg, Lützelstein und Bitsch, vertrat beim Wiener Kongreß die Angelegenheiten der großherzoglich badischen Familie und befehligte beim Wiederbeginn des Krieges gegen Frankreich an der Spitze einer aus württembergischen. hessischen und badischen Truppen bestehenden Division die Blockaden von Schlettstadt und Neubreisach sowie die Belagerung von Hüningen. Am 4. Okt. 1817 mit dem Titel eines großherzoglichen Prinzen und Markgrafen von Baden ausgestattet, ward W. 1819 Präsident der Ersten Kammer und 1825 Kommandeur des badischen Armeekorps. Während der Stürme von 1848 legte er die Führung der Truppen nieder und gab später auch seine Stellung als Präsident der Ersten Kammer auf. Er war seit 1830 vermählt mit Elisabeth, der Tochter des Herzogs Ludwig von Württemberg, die ihm vier Töchter gebar und 5. Dez. 1864 starb. Seine »Denkwürdigkeiten« gab Obser (Heidelb. 1906, Bd. 1; bis 1818) heraus.

5) W. Ludwig August, Prinz von Baden, dritter Sohn des Großherzogs Leopold, geb. 18. Dez. 1829, gest. 27. April 1897, trat 1849 als Premierleutnant in das preußische Heer und war Generalmajor und Kommandeur der Gardeartilleriebrigade, als er 1863 den Abschied nahm und sich mit der Prinzessin Maria von Leuchtenberg vermählte. 1866 mit dem Oberbefehl über die badische Division im 8. Bundeskorps betraut, zog er sich durch sein vorsichtiges Verhallen heftige Angriffe zu, da man ihm die Schuld an dem Mißgeschick des Feldzugs zuschob (vgl. »Zur Beurteilung des Verhaltens der badischen Felddivision im Feldzug 1866«, Darmst. 1866; dagegen: [Schneider] »Der Anteil der badischen Felddivision an dem Krieg 1866 in Deutschland«, 3. Aufl., Lahr 1867). 1870 führte W. im französischen Kriege die badische 1. Brigade im Werderschen Korps, ward bei Nuits schwer verwundet, gehörte 1871–73 dem Reichstag (Reichspartei) an und ward General der Infanterie. Auch war er Präsident der badischen Ersten Kammer. Seine Tochter, Prinzessin Maria, ist mit dem Herzog Friedrich II. (s. Friedrich 7) von Anhalt vermählt, sein Sohn, Prinz Maximilian, geb. 10. Juli 1867, ist Kommandeur des 1. badischen Leibdragonerregiments Nr. 20.

[Bayern.] 6) W. IV., Herzog von Bayern, Sohn Albrechts IV. (gest. 1508), geb. 13. Nov. 1493, gest. 6. März 1550, regierte erst unter Vormundschaft, seit 1511 selbständig, jedoch eine Zeitlang gemeinschaftlich mit seinem Bruder Ludwig, vereinigte die bayrischen Landesteile wieder, ließ sich 1524 vom Papste durch die Abtretung der Hoheitsrechte über die bayrischen Bischöfe und der Einkünfte der kirchlichen Institute für die Sache der alten Kirche gewinnen und wurde einer der eifrigsten Gegner der Reformation. Er nahm auf seiten Karls V. am Schmalkaldischen Kriege teil, suchte aber vergeblich die pfälzische Kurwürde an sich zu bringen. Durch die Berufung der Jesuiten nach Ingolstadt machte er diese Universität zum Hort der katholischen Reaktion.

[Braunschweig.] 7) W. August Ludwig Maximilian Friedrich, Herzog von Braunschweig, geb. 25. April 1806, gest. 18. Okt. 1884, zweiter Sohn des 1815 bei Quatrebras gefallenen Herzogs Friedrich Wilhelm und der Prinzessin Maria Elisabeth Wilhelmine von Baden, die sich nach der Schlacht bei Auerstedt 1806 mit W. und seinem ältern Bruder, Karl, nach Schweden und dann nach Bruchsal begab, wo sie 20. April 1808 starb. Die Prinzen wurden seit 1809 unter der Aussicht ihrer Großmutter, der verwitweten Herzogin Auguste, einer Schwester des Königs Georg 111., in England, seit 1814 nach der Rückkehr nach Braunschweig unter der Vormundschaft des Königs Georg IV. von Großbritannien vom Hofrat Eigner erzogen. W. studierte 1822 in Göttingen und trat 1823 als Major in preußischen Dienst. Sein Bruder, der Herzog Karl von Braunschweig, trat ihm 1826 das Fürstentum Öls in Schlesien ab. Als Herzog Karl durch den Aufstand 7. Sept. 1830 vertrieben worden war, übernahm W. 28. Sept. vorläufig die Regierung und, nachdem Karl im Februar 1831 für absolut regierungsunfähig erklärt worden war, 20. April 1831 endgültig. Er überließ die Staatsgeschäfte seinen Ministern, während er viel außer Landes, namentlich in Öls, lebte. 1866 hielt W. zu Preußen, schloß sich dem Norddeutschen Bund an, weigerte sich aber, mit Preußen eine Militärkonvention zu schließen, und blieb dem preußischen Hofe fern, da dieser seinen Wunsch, den Herzog von Cumberland als seinen Erben anzuerkennen, nicht erfüllte. W. starb als letztes Glied der ältern welfischen Linie in Sibyllen ort und ward im Dome zu Braunschweig beigesetzt; ein Landesdenkmal für ihn von Manzel wurde 1904 in Braunschweig enthüllt. Sein Privatvermögen vermachte er dem Herzog von Cumberland, seine Allodialgüter in Schlesien dem König von Sachsen, während Öls an Preußen zurückfiel. Vgl. Braunschweig, S. 358.[636]

[England.] 8) W. I, der Eroberer, König von England, Stifter der englisch-normannischen Dynastie, geb. 1027 oder 1028 in Falaise als der natürliche Sohn Roberts II., des Teufels, Herzogs von der Normandie, gest. 9. Sept. 1087, wurde 1033, als sein Vater eine Pilgerfahrt nach dem Gelobten Land antrat, als Nachfolger anerkannt und 1035 nach dessen Tode Herzog. 1046 trat er persönlich die Herrschaft an und vermählte sich 1053 mit Mathilde, Tochter Balduins V. von Flandern. In zahlreichen Fehden mit benachbarten Herren gewann er Kriegserfahrung und Ruhm. 1051 stattete er seinem Verwandten Eduard dem Bekenner, König von England, einen Besuch in London ab, bei welcher Gelegenheit ihm dieser Zusicherungen in bezug auf die Erbfolge in England gemacht haben soll. Als nun nach dem am 5. Jan. 1066 erfolgten Ableben Eduards Graf Harald von Wessex von den englischen Großen auf den Thron erhoben wurde, landete W. im September 1066 bei Hastings und siegte unweit davon bei Senlac 14. Okt. in einer blutigen Schlacht, in der Harald mit dem Kern des angelsächsischen Adels blieb. Nachdem W. darauf London eingenommen hatte, ließ er sich 25. Dez. 1066 in Westminster krönen. Mit den Ländereien der Krone und der im Kampfe gefallenen Angelsachsen stattete er seine normannischen Barone aus, führte eine scharfe Polizei ein, erbaute in London und den Provinzen Burgen, schritt aber zunächst noch nicht zu einer allgemeinen Umgestaltung der Besitzverhältnisse, wie denn überhaupt durch den Sieg bei Sen lac noch keineswegs das ganze Reich unterworfen war. Vielmehr kam es in den nächsten Jahren zu wiederholten Erhebungen der Angelsachsen in den Landschaften des Westens und Nordens, bei denen sie von den Königen von Schottland und von Dänemark unterstützt wurden. Erst 1070 waren die Kämpfe, während deren die nördlichen Landschaften von den Normannen entsetzlich verheert wurden, beendet und W. war Herr des ganzen Reiches. Hierauf erst schritt er zur systematischen Schwächung der angelsächsischen Adelsfamilien und zur vollen Durchführung der normannischen Feudalverfassung; die normannisch französische Sprache war die herrschende im amtlichen Verkehr. Alle spätern Empörungsversuche der Angelsachsen, mit denen sich auch einzelne mißvergnügte normannische Barone verbanden, und denen einmal sogar eine Erhebung Roberts, des ältesten Sohnes von W., zustatten kam, blieben erfolglos und wurden von dem König mit blutiger Strenge unterdrückt. Mit dem Scheitern eines vom König Knut dem Heiligen von Dänemark geplanten Einfalles 1084 durfte W. seine Herrschaft als gesichert ansehen. 1086 vollendete er sein berühmtes »Domesday Book« (s. d.), ein Grund- und Steuerkatasterbuch für das ganze Land. Äußerst streng waren Wilhelms Jagdgesetze; um seiner Jagdlust zu frönen, ließ W. in der Gegend von Winchester einen ausgedehnten Landstrich in Wald verwandeln und schuf daraus den sogen. New Forest. Die Begünstigung der Aufstände seines Sohnes Robert durch Philipp I. von Frankreich verwickelte W. in Krieg mit diesem; im August 1087 fiel er in das französische Gebiet ein, zog sich aber in Mantes-sur-Seine durch einen Sturz vom Pferde eine Verletzung zu und starb an deren Folgen in Rouen. Zu Caen ward er bestattet, in Falaise ward 1851 seine Statue aufgestellt. Seiner Anordnung gemäß folgte ihm in der Normandie der älteste Sohn Robert, in England der zweite, Wilhelm II.; der dritte, Heinrich, erhielt die Hinterlassenschaft seiner vier Jahre vorher verstorbenen Mutter. Vgl. Freeman, William the Conqueror (Lond. 1888); Cobbe, History of the Norman kings of England (das. 1869); Planché, The Conqueror and his companions (das. 1874, 2 Bde.); Pauli in den »Bildern aus Alt-England« (2. Aufl., Gotha 1876); Dillon, King William I. the Conqueror (Lond. 1905).

9) W. 11., Rufus (der Rote), König von England, zweiter Sohn des vorigen und der Prinzessin Mathilde von Flandern, geb. zwischen 1056 und 1060, gest. 2. Aug. 1100, folgte seinem Vater 1087 als König von England und ward 26. Sept. d. J. gekrönt. Von der seinem Bruder Robert zugefallenen Normandie erwarb er durch den Frieden von 1091 die Grafschaft Eu, Fécamp, Cherbourg u. a. 1093 fiel König Malcolm von Schottland abermals in England ein, geriet aber in einen Hinterhalt und fiel nebst seinem Sohne Eduard. um die Kosten eines Kreuzzugs zu bestreiten, verpfändete Robert von der Normandie 1096 W. sein Herzogtum. Als dieser aber auch das französische Vexin als zur Normandie gehörig beanspruchte, kam es 1097 zu einem Kriege mit Frankreich, der 1098 durch einen Waffenstillstand beendet wurde. W. wurde auf der Jagd im New Forest durch einen Pfeil erschossen; wer der Täter war, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. In England hat Wilhelms harte und grausame Herrschaft ein schlechtes Andenken hinterlassen. Er war nicht vermählt, sein Bruder Heinrich I. folgte ihm in der Regierung. Vgl. Freeman, The reign of William Rufus and the accession of Henry I. (Oxf. 1882, 2 Bde.).

10) W. III., König von England, Sohn Wilhelms II. von Oranien und der Maria Stuart, Tochter Karls I. von England, geb. 14. Nov. 1650, acht Tage nach dem Tode seines Vaters, im Haag, gest. 19. März 1702 in London, ward nach dem 1661 erfolgten Tode seiner Mutter von der Großmutter Amalia von Solms unter Aussicht der Generalstaaten erzogen. In seiner Jugend durch die Handelsaristokratie der Niederlande, an deren Spitze die Brüder de Witt (s. d.) standen, von den seiner Familie früher zugehörigen wichtigsten Ämtern und Würden ausgeschlossen, ward er im Frühjahr 1672 durch eine beim Beginn des Krieges mit Ludwig XIV. ausgebrochene Volksbewegung als Erbstatthalter an die Spitze des Staates gestellt und von den Generalstaaten zum Generalkapitän und Großadmiral der Vereinigten Provinzen ernannt. Seine Energie und Tatkraft sowie die Unterstützung der fremden Mächte, die er erwirkte, retteten die Niederlande vor dem Verderben. Militärisch freilich errang W. keine großen Erfolge. In der Schlacht bei Seneffe gegen Condé 11. Ang. 1674 erlitt er zwar keine eigentliche Niederlage, aber in dem blutigen Kampfe vom 11. April 1677 wurde er bei Mont Cassel vom Marschall von Luxemburg geschlagen. Nichtsdestoweniger widersetzte er sich hartnäckig den Bemühungen der ständischen Partei in Holland auf dem Kongreß zu Nimwegen, mit Frankreich Frieden zu schließen, griff, um diesen zu verhindern, die Franzosen 14. Aug. 1678 nochmals bei Mons an, mußte aber tags danach auf die Nachricht von dem inzwischen erfolgten Friedensschluß die errungenen Vorteile aufgeben. Unerschüttert setzte er dennoch den Widerstand gegen Ludwigs XIV. Eroberungspolitik fort, auf dem seine welthistorische Bedeutung beruht. 1677 hatte er sich mit Maria, Tochter des Königs Jakob II. von England, vermählt. Gegen dessen Versuche, England zu katholisieren und die Rechte des Parlaments zu vernichten,[637] riefen mehrere einflußreiche Herren, teils Whigs, teils Tories, Wilhelms bewaffnete Einmischung an. Dieser landete 15. Nov. 1688 zu Torbay; fast die ganze Nation schloß sich ihm an, Jakob floh nach Frankreich, und W. zog 28. Dez. 1688 in London ein. Nachdem er den Vorschlag, seine Gemahlin als Königin auszurufen, mit der Drohung seiner Rückkehr nach Holland beantwortet hatte, ward 23. Febr. 1689 ihm und seiner Gemahl in zusammen die britische Krone übertragen mit der Bestimmung, daß er allein die Regierung führen und nach beider kinderlosem Tode Marias Schwester, die Prinzessin Anna, den Thron erben sollte. Noch vor der Thronbesteigung aber mußte er die Declaration of rights, in der die Rechte der Nation und des Parlaments zusammengefaßt waren, unterzeichnen. Auch die schottische Nationalkonvention sprach ihm im Mai 1689 die Krone zu. Leicht erlangte W. die Zustimmung des Parlaments zur Teilnahme am Kriege gegen Frankreich und zu einem engen Bündnis mit den Generalstaaten. Noch ehe er jedoch den Krieg erklärte, landete Jakob II. mit französischer Hilfe auf Irland, und die ganze Insel fiel ihm zu. W. selbst zog gegen ihn; 11. Juli 1690 erfocht er den glänzenden Sieg am Boynefluß, und 1691 war die Unterwerfung der Insel vollendet. Im Februar 1691 ging W. mit 45,000 Mann nach den Niederlanden, focht aber weder in diesem noch in den folgenden Feldzügen glücklich. Während die britische Flotte bei La Hogue im Mai 1692 einen glänzenden Sieg gewann, behielten die Franzosen zu Lande die Oberhand. Die erneuten Versuche Jakobs II., in England festen Fuß zu fassen, mißlangen indes ebenso wie ein von den Jakobiten 1696 gegen das Leben des Königs geplantes Attentat; trotzdem machten die mißliche Finanzlage und heftige Parteikämpfe in England auch für W. den Frieden wünschenswert, der im September 1697 zu Ryswyk abgeschlossen wurde und W. die Anerkennung seiner Königswürde durch Ludwig XIV. verschaffte. Im Innern hatte W., der seit dem Tode seiner Gemahlin (7. Jan. 1695) allein herrschte, mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Der Mehrzahl seiner Untertanen blieb er immer ein Fremdling. Sein verschlossenes Wesen, seine Gleichgültigkeit gegen die Hochkirche und die Interessen der Geistlichkeit, seine Vorliebe für seine niederländischen Günstlinge riefen vielfach Verstimmung gegen ihn hervor, während ihn die Zänkereien der Parteien im Parlament und die Angriffe, die dabei auf seine Person fielen, mit solchem Widerwillen erfüllten, daß er mehr als einmal die Niederlegung der Krone ins Auge faßte. Nur mit Widerstreben und nach einjährigem Zögern bestätigte er 1694 das Gesetz, durch das die Dauer der Parlamente von sieben auf drei Fahre herabgesetzt wurde. Seine letzten Jahre waren wieder hauptsächlich von Fragen der auswärtigen Politik erfüllt; abermals bekämpfte er in der Frage der spanischen Erbfolge im Interesse des europäischen Gleichgewichts die Übermacht Ludwigs XIV. Als dieser das Testament Karls II. von Spanien, durch das Philipp von Bourbon zum alleinigen Erben der spanischen Monarchie bestimmt war, angenommen hatte, bewog W. 1701 das Parlament zur Absendung eines Korps von 10,000 Mann in die Niederlande, und nachdem er im Juni 1701, infolge des Ablebens des einzigen Sohnes der Prinzessin Anna, die protestantische Erbfolge in England gesichert hatte, schloß er 7. Sept. d. J. im Haag die Allianz mit dem Kaiser und den Niederlanden. Mit Rüstungen zum Kriege gegen Frankreich beschäftigt, starb er im nächsten Frühjahr an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferde. Mit ihm erlosch die ältere Linie des Hauses Oranien. In England folgte ihm seine Schwägerin Anna. Die Begründung des modernen parlamentarischen Regierungssystems in England und die Beseitigung des französischen Übergewichts in Europa sind zum großen Teile das Ergebnis der Regierung und das persönliche Verdienst Wilhelms III. Vgl. Trevor (Lord Dungannon), Life and times of William III. (Lond. 1835–36, 2 Bde.); Traill, William the third (das. 1888); Nippold, W. III. (Berl. 1900); Koch, Die Friedensbestrebungen Wilhelms III. von England in den Jahren 1694–1697 (Tübing. 1903); Preuß, W. III. von England und das Haus Wittelsbach im Zeitalter der spanischen Erbfolgefrage (Bresl. 1904, Bd. 1).

11) W. IV. Heinrich, König von England, dritter Sohn Georgs III., geb. 21. Aug. 1765 in London, gest. in Windsor 20. Juni 1837, trat 1779 als Kadett in die Marine, nahm 1780 und 1781 an verschiedenen Seegefechten gegen spanische und französische Schiffe teil, ward 1785 zum Leutnant und 1786 zum Kommandeur der Fregatte Pegasus befördert. Nach der Rückkehr nach England wurde er 1789 zum Herzog von Clarence und St. Andrews sowie zum Grafen von Munster ernannt. Wiewohl er in der Marine von Stufe zu Stufe stieg, durfte er sich doch seitdem nicht mehr an kriegerischen Unternehmungen beteiligen. Um 1790 trat er in ein Verhältnis zu der irischen Schauspielerin Dora Jordans, die ihm zehn Kinder gebar, 1811 aber von ihm verlassen wurde. Der Herzog verheiratete sich hierauf 18. Juli 1818 mit Adelheid, Prinzessin von Sachsen-Meiningen, und lebte meist zurückgezogen auf seinem Landsitz Bushy Park bei London. 1827 wurde er zum Marineminister mit dem Titel eines Großadmirals des Reiches im Ministerium Wellington ernannt, nahm aber, da das Ministerium seine Eigenwilligkeit nicht billigte, im August 1828 seine Entlassung. 1829 erklärte er sich im Oberhaus für die Katholikenemanzipation. Durch den Tod seines Bruders Georg IV. 26. Juni 1830 auf den Thron berufen, vertraute er im November das Staatsruder den Whigs an, die 1832 die Parlamentsreform durchsetzten. Diese Maßregel, sodann die Reform der englischen Städteordnung, die Abschaffung der Sklaverei, die heftigen Kämpfe um die irischen Kirchenzehnten machten Wilhelms Regierung zu einer ebenso bedeutungsvollen wie bewegten. Da seine einzige legitime Tochter bald nach der Geburt gestorben war, folgte ihm seine Nichte Viktoria auf dem Thron, in Hannover aber, wo er 1831 eine den Zeitbedürfnissen angemessene Verfassung eingeführt hatte, sein Bruder Ernst August. Für seine, von der Jordans gebornen Kinder hatte er nach seiner Thronbesteigung gut gesorgt. Der älteste, George Fitzclarence (geb. 29. Jan. 1799, gest. 20. März 1842), erhielt 1831 den Titel eines Grafen von Munster, und dessen Enkel Aubrey Fitzclarence, geb. 1862, ist der gegenwärtige Graf von Munster; der zweite Sohn Wilhelms, Lord Frederick Fitzclarence, geb. 1799, starb als Oberbefehlshaber in Bombay 30. Okt. 1854; der dritte, Lord Augustus Fitzclarence, trat in den geistlichen Stand und starb 14. Juni 1854. Vgl. Huish, Reign and life of William IV. (Lond. 1837); Wright und Watkin, Life and reign of William IV. (das. 1844); Fitzgerald, Life and times of William IV. (das. 1884, 2 Bde.).

[Hessen.] 12) W. IV., der Weise, Landgraf[638] von Hessen-Kassel, Sohn Philipps des Großmütigen, geb. 14. Juni 1532, gest. 25. Aug. 1592, trieb von Jugend auf mathematische und astronomische Studien, für die er 1561 auf einem Tore Kassels einen besondern Turm errichtete, folgte seinem Vater 1567 in Kassel und stiftete die Kasseler Linie. Einen Teil der Beobachtungen Wilhelms gab Snellius unter dem Titel: »Coeli et siderum observationes Hassiae J. P. Wilhelmi« (Leid. 1618) heraus; die meisten aber finden sich ungedruckt in der Bibliothek zu Kassel.

13) W. V., Landgraf von Hessen-Kassel, geb. 14. Febr. 1602, gest. 21. Sept. 1637 zu Leer in Ostfriesland, Sohn des Landgrafen Moritz, folgte nach dessen Abdankung 1627 in der Regierung, war ein eifriger Anhänger des Protestantismus, verbündete sich 1631 mit Gustav Adolf in Werben zur Verteidigung des Glaubens und kämpfte mit einem nach schwedischem Muster geschulten Heer. Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen von den Kaiserlichen aus seinem Lande vertrieben, starb er in der Verbannung. Ihm folgte seine Witwe Amalie Elisabeth.

14) W. I., erster Kurfürst von Hessen, Sohn des Landgrafen Friedrich II. und der Maria, Tochter Georgs II. von England, geb. 3. Juni 1743 in Kassel, gest. 27. Febr. 1821, erhielt beim Tode seines Großvaters W. VIII. 1760, bis 1764 unter Vormundschaft seiner Mutter, die Grafschaft Hanau, studierte in Göttingen und lebte am Hofe seines Oheims, des Königs Friedrich V. von Dänemark, dessen Tochter Wilhelmine Karoline er 1764 heiratete. 1776 vermietete er an England seine Truppen zur Bekämpfung der aufständischen nordamerikanischen Kolonien. 1778 nahm er als preußischer Generalmajor an dem Bayrischen Erbfolgekrieg teil und folgte 1785 seinem Vater als Landgraf W. IX. in Hessen-Kassel. W. verwaltete das Land mit Sparsamkeit, beseitigte viele Mißbräuche, führte Bauten auf und tat viel für Verbesserung des Kirchen- und Schulwesens, spannte aber die Steuerkraft stark an. Am französischen Revolutionskrieg auf seiten Preußens beteiligt, eroberte er 22. Dez. 1792 Frankfurt a. M. und ließ 1793: 12,000 Mann im englischen Sold in Flandern aufs neue gegen die Franzosen kämpfen. Für das geringe Gebiet auf dem linken Rheinufer, das er 1795 verlor, wurde er 1803 nebst der Kurwürde, die er unter dem Namen W. I. 15. Mai annahm, durch mehrere kurmainzische Ämter und die Reichsstadt Gelnhausen entschädigt. Da er sich 1806 an Preußen anschloß, ohne jedoch seine Truppen mit der preußischen Armee zu vereinigen, besetzten die Franzosen das Land; W. selbst floh 1. Nov. nach Holstein. Als nach dem Frieden zu Tilsit seine Länder dem Königreich Westfalen zugeschlagen wurden, ging er nach Prag und machte 1809 einen vergeblichen Versuch, sein Land wiederzuerobern. Erst 21. Nov. 1813 zog er wieder in seine Hauptstadt ein. Mit seinem Wunsche, als König der Katten anerkannt zu werden, drang er auf dem Wiener Kongreß nicht durch, verschmähte deshalb den großherzoglichen Titel, behielt den kurfürstlichen bei und verband damit das Prädikat »Königliche Hoheit«. Im Innern betrachtete er die Zeit seiner Verbannung als nicht vorhanden, stellte alles, auch ganz veraltete Einrichtungen, so den Zopf beim Militär, rücksichtslos wieder her, vertrieb alle Ausländer, reduzierte die Staatsobligationen auf ein Drittel Wert und nahm den Erwerbern von Staatsdomänen diese ohne Entschädigung weg. Die althessischen Stände berief W. mehrmals, um mit ihnen eine ständische Verfassung zu vereinbaren; aber da diese Sonderung des Staatsvermögens von dem überreichen Privatschatz des Kurfürsten forderten, unterblieb die Herstellung der Verfassung, worauf 4. März 1817 statt einer Verfassung ein Haus- und Staatsgesetz oktroyiert wurde.

15) W. II., Kurfürst von Hessen, Sohn des vorigen, geb. 28. Juli 1777, gest. 20. Nov. 1847 in Frankfurt, studierte in Marburg und Leipzig und vermählte sich 13. Febr. 1797 mit der Prinzessin Auguste, der Tochter des Königs Friedrich Wilhelm II. von Preußen. 1806 folgte er seinem Vater nach Holstein und Prag, ging 1809 nach Berlin und focht 1813 im preußischen Heere bei Leipzig mit. Er erließ in Kassel 30. Okt. den Ausruf an die Hessen zum Kampf gegen Frankreich, half das Heer ausrüsten und übernahm im März 1814 den Oberbefehl. Als W. 1821 den Thron bestieg, begann er mit zeitgemäßen Reformen in der Verwaltung, aber die erhoffte Verfassung stellte er nicht her. Als W. seine Geliebte, Emilie Ortlöpp aus Berlin, 1821 zur Gräfin von Reichenbach (später zur Gräfin von Lessonitz) erhob, zog sich die vom Volke geliebte Kurfürstin vom Hofe zurück, und viele vom Adel folgten ihrem Beispiel; der Kurprinz (s. Friedrich 26) ging nach Berlin und söhnte sich erst 1830 mit seinem Vater aus. Infolge eines Aufstandes 6. Sept. 1830 bewilligte W. 15. d. M. das Gesuch der Bürger um Versammlung der Landstände, und schon 5. Jan. 1831 kam die neue Verfassung erzwungen zustande. Infolge der Unruhen über die Rückkehr der Gräfin Lessonitz (11. Jan.), die abreisen mußte, ging der Kurfürst nach Hanau und übertrug 30. Sept. 1831 die Regentschaft dem Kurprinzen Friedrich Wilhelm. Seitdem lebte der Kurfürst abwechselnd in und bei Hanau (in Philippsruhe), in Baden und besonders in Frankfurt a. M., getrennt von seiner Gemahlin, nach deren Tod, 19. Febr. 1841, er sich 8. Juli mit der Gräfin Lessonitz und, als diese 12. Febr. 1843 starb, 28. Aug. mit Karoline, Baronin von Bergen, geborner v. Berlepsch, morganatisch vermählte.

[Hohenzollern.] 16) W., Fürst (seit 8. Juni 1905) von Hohenzollern-Sigmaringen, s. Leopold 13).

[Lippe.] 17) Friedrich W. Ernst, Graf zu Lippe-Schaumburg-Bückeburg, Sohn des Grafen Albert Wolfgang und von Margarete Gertrud, Gräfin von Öynhausen, geb. 9. Jan. 1724 in London, gest. 10. Sept. 1777, in Genf erzogen, studierte in Leiden und Montpellier und trat in England in die königliche Leibgarde. Nach dem Tode seines ältern Bruders Erbgraf geworden, kehrte er zurück, begleitete seinen Vater, damals General in holländischen Diensten, auf dem Feldzuge gegen Frankreich, focht bei Dettingen 27. Juni 1743 mit Auszeichnung, und machte als Freiwilliger im kaiserlichen Heer den Feldzug von 1745 in Italien mit. Durch den Tod seines Vaters (1748) zur Regierung gelangt, ging er nach Berlin zu Friedrich d. Gr., reiste dann wieder nach Italien und besuchte später auch Ungarn. Beim Ausbruch des Siebenjährigen Krieges stellte er ein vorzüglich diszipliniertes Kontingent zur alliierten Armee, ward Generalfeldzeugmeister, focht mehrmals mit Auszeichnung und erhielt 1759 den Oberbefehl über sämtliche Artillerie bei dem verbündeten Heer. Nach dem Angriff Frankreichs und Spaniens auf Portugal (1761) erhielt W. 1762 den Oberbefehl der verbündeten englischen und portugiesischen Truppen, doch beendete der Friede von Fontainebleau bald den Krieg. Er gründete in Portugal auch eine Kriegs- und Artillerieschule und legte die Festung bei Elvas an, die der König ihm zu Ehren Fort Lippe nannte. In seiner [639] Grafschaft förderte W. Gewerbe und Ackerbau und hob viele Frondienste auf. Auch hier gründete er eine Kriegsschule, namentlich für die Artillerie und das Geniewesen, die großen Ruf erlangte, und legte für sie die kleine Festung Wilhelmstein im Steinhuder Meer an. Vgl. Varnhagen von Ense, Biographische Denkmale, Bd. 1 (3. Aufl., Leipz. 1872); Sträck v. Weißenbach, Graf W. zu Schaumburg-Lippe (Bückeb. 1889)

[Luxemburg.] 18) W. Alexander, Großherzog von Luxemburg, geb. 22. April 1852 in Biebrich, folgte seinem Vater Adolf (s. Adolf 5) 17. Nov. 1905 in der Regierung. Seit 21. Juni 1893 vermählt mit Maria Anna, Infantin von Portugal (geb. 13. Juli 1861), hat W. 6 Töchter, deren älteste, Marie (geb. 14. Juni 1894), Anfang 1908 zur »Erbgroßherzogin« erklärt wurde. Am 26. März 1908 wurde die Großherzogin zur Statthalterin für den kranken Großherzog ernannt.

[Mecklenburg.] 19) Friedrich W. Nikolaus, Herzog von Mecklenburg, zweiter Sohn des Großherzogs Paul Friedrich und der Prinzessin Alexandrine von Preußen, Schwester Kaiser Wilhelms I., geb. 5. März 1827, gest. 28. Juli 1879, trat in die preußische Armee, ward Kommandeur des 6. Kürassierregiments, vermählte sich 9. Dez. 1865 mit der Prinzessin Alexandrine von Preußen (geb. 1. Febr. 1842 in Berlin, gest. 25. März 1906 in Schloß Marly bei Potsdam), führte 1866 als Generalmajor eine Brigade im Kavalleriekorps der ersten Armee, 1870–71 als Generalleutnant die 6. Kavalleriedivision, wurde 9. Sept. bei der Explosion in Laon leicht verwundet und zeigte bei Le Mans im Januar 1871 großen Mangel an Energie. 1873–74 war W. Kommandeur der 22. Division in Kassel.

[Meißen.] 20) W. 1., Markgraf von Meißen, geb. 19. Dez. 1343, gest. 9. Febr. 1407 in Grimma, Sohn Friedrichs des Ernsthaften, besaß die väterlichen Länder gemeinschaftlich mit seinen ältern Brüdern, Friedrich (dem Strengen) und Balthasar, erhielt bei der Teilung von 1382 Meißen und verwaltete seit 1395 als Statthalter Jobsts von Mähren auch die Mark Brandenburg. Einer der tatkräftigsten wettinischen Fürsten, arbeitete er in Meißen klug an der Befestigung der fürstlichen Macht im Innern und an der Abwehr der böhmischen Luxemburger, erwarb die Herrschaft Kolditz, brachte die Besitzungen der Burggrafen von Dohna an sich und bewirkte die Exemtion der Meißener Domkirche. Vermählt mit Elisabeth von Mähren, dann mit Anna von Braunschweig, starb er kinderlos. Vgl. Wenck, Die Wettiner im 14. Jahrhundert, insbesondere Markgraf W. und König Wenzel (Leipz. 1877).

21) W. II, Markgraf von Meißen, zweiter Sohn Markgraf Friedrichs des Strengen, geb. 23. April 1371, gest. unvermählt 30. März 1425, erhielt bei der Teilung von 1382 gemeinschaftlich mit seinen Brüdern Friedrich dem Streit baren und Georg das Osterland und Landsberg und bei der Örterung von 1411 den größern Teil des Osterlandes, wozu ihm sein Bruder Friedrich durch Tausch Leipzig statt Jena überließ. 1420 machte er dessen Zug gegen Prag mit.

22) W. III., Markgraf von Meißen, der Tapfere, geb. 30. April 1425, gest. 17. Sept. 1482, erbte bei seines Vaters Kurfürst Friedrich des Streitbaren Tode die wettinischen Lande gemeinschaftlich mit seinem Bruder, Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen, erhielt bei der Teilung 1445 Thüringen und die fränkischen Besitzungen, geriet aber mit seinem Bruder in Streit, woraus 1446 der sächsische Bruderkrieg entstand, den erst 1451 der Vergleich zu Pforta beendigte. W. nahm an den Fehden des Markgrafen Albrecht Achilles gegen Nürnberg teil, erhob nach seines Schwagers Ladislaus Tode 1457 Ansprüche auf den böhmischen Thron, entsagte diesem jedoch 1459 zugunsten Georg Podiebrads und unternahm 1461 eine Pilgerfahrt nach Palästina. Aus seiner ersten unglücklichen Ehe mit Anna, der Tochter Kaiser Albrechts II., hinterließ er zwei Töchter, Margarete, vermählt mit Kurfürst Johann Cicero von Brandenburg, und Katharina, vermählt mit Hinko Podiebrad.

[Nassau.] 23) W. August Heinrich Belgicus, Herzog von Nassau, geb. 14. Juni 1792 in Kirchheimbolanden, gest 20. Aug. 1839 in Kissingen, Sohn des Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg (gest. 9. Jan. 1816), verlebte seine Jugend in Bayreuth, kehrte 1801 nach Weilburg zurück, kämpfte 1814 und 1815 gegen Napoleon und ward durch den Tod seines Vaters und seines Vetters Friedrich von Nassau-Usingen (24. März 1816) Erbe der gesamten zu einem Herzogtum vereinigten nassauischen Lande. Er erließ eine treffliche Gemeindeordnung, führte die Simultanschule ein und stiftete die Union der evangelischen Kirchen. Im deutschen Bund einflußreich, war er an den Höfen von Wien, Berlin und St. Petersburg hoch angesehen. Er war in erster Ehe mit der Prinzessin Luise von Sachsen-Hildburghausen (gest. 1825), in zweiter mit der Prinzessin Pauline von Württemberg (gest. 1856) vermählt. Als Herzog folgte ihm sein Sohn Adolf (s. Adolf 5).

[Neapel und Sizilien.] 24) W. I., der Böse, von Neapel und Sizilien (1154–66), und sein Sohn W. II., der Gute (1166–89), s. Sizilien (Königreich beider), S. 511.

[Niederlande, Prinzen von Oranien.] 25) W. 1., der Schweiger, Graf von Nassau, Prinz von Oranien, Gründer der niederländischen Unabhängigkeit, geb. 25. April 1533 auf dem Schloß Dillenburg in der Grafschaft Nassau, gest. 10. Juli 1584 in Delft, war der älteste Sohn des Grafen Wilhelm des Ältern von Nassau, erbte 1544 von seinem kinderlosen Vetter René von Nassau das Fürstentum Orange (Oranien) in der Provence und kam frühzeitig als Page an den Hof Karls V. Der Kaiser begünstigte den jungen Prinzen auf alle Weise: er vermählte ihn 1551 mit der reichen Erbin Anna van Buren (gest. 1558), übertrug ihm im Kriege gegen Frankreich den Oberbefehl über seine Armee, hielt, auf seine Schulter gestützt, 1555 bei seiner Abdankung die Ansprache an die Generalstaaten, ließ durch ihn Ferdinand I. die Kaiserkrone überbringen und empfahl ihn bei seiner Abreise nach Spanien seinem Nachfolger Philipp II., der auch W. zum Mitglied des Staatsrats in Brüssel und zum Statthalter von Holland, Zeeland, Utrecht und Franche-Comté ernannte. Doch hegte Philipp von Anfang an gegen W. Argwohn, während dieser, seit 1561 mit Anna, der Tochter Moritz' von Sachsen, vermählt, gegen die Politik Philipps mehr und mehr in Opposition trat. Der übermächtige Einfluß des Kardinals Granvella bewog W. und die Grafen Egmond und Hoorne, dem König schriftliche Vorstellungen zu machen und 1563 einen geheimen BundLigue«) zu schließen. Philipp rief 1564 den verhaßten Minister zurück, worauf W. wieder eifrig am Staatsrat teilnahm und durch Milde und Mäßigung die Ruhe in den Niederlanden herzustellen riet. Am Kompromiß nahm er nicht öffentlich teil und zog sich, als die Bewegung zunahm, nach Breda zurück. Nach dem Bildersturm 1566 stellte er in Antwerpen, wo er[640] das Amt eines Burggrafen bekleidete, sowie in Utrecht und Holland die Ruhe wieder her. Als er erfuhr, daß Alba zum Statthalter bestimmt sei, legte er seine Ämter nieder und begab sich, nachdem er noch eine Zusammenkunft mit Egmond gehabt, der seine Warnungen in den Wind schlug, im April 1567 nach Dillenburg. Wilhelms 13jährigen Sohn Philipp Wilhelm, der in Löwen studierte, nahm Alba gefangen und schickte ihn als Geisel nach Spanien, wo er streng katholisch erzogen und seiner Familie und seinem Vaterland entfremdet wurde. W. selbst wurde vor den Rat der Unruhen geladen und seine Güter konfisziert. W. bekannte sich nun zum lutherischen Glauben und rüstete sich zum Kampf. Seine Brüder Ludwig und Adolf drangen an der Spitze eines Heeres in Friesland ein und schlugen den Statthalter Frieslands, Aremberg, 23. Mai 1568 zu Heiligerlee in Groningen, wobei Adolf blieb. Aber die beiden andern, in Artois und Brabant einfallenden Heerhaufen wurden von den Spaniern bald überwältigt, und auch Ludwig unterlag 21. Juli bei Jemmingen gegen Alba. W. selbst hatte ein Heer von 14,000 Mann geworben, drang im September in Brabant ein, vermochte aber weder Alba zu einer entscheidenden Schlacht noch das Volk zum allgemeinen Aufstand zu bewegen und mußte aus Geldmangel die Truppen entlassen. Mit 1200 Reitern schloß er sich dann dem Zuge des Pfalzgrafen Wolfgang von Zweibrücken gegen die katholische Partei in Frankreich an, zog aber vor der Schlacht bei Montcontour 1569 wieder nach Dillenburg. Indessen gab er die Sache der Niederländer nicht auf. 1568 schon stellte er sich mit den Meergeusen in Verbindung. Der Aufstand von 1572 wurde von ihm vorbereitet. Er unternahm im August mit einem neuen Heer von 24,000 Mann einen abermaligen Einfall in Brabant; allein die versprochenen französischen Hilfstruppen blieben infolge der Pariser Bluthochzeit aus, und er selbst konnte Alba zu keiner Feldschlacht nötigen. Mit großem Verlust mußte er sich bei Beginn des Winters nach Roermond zurückwenden und seine Truppen entlassen. Er begab sich nun nach Holland, wo er im Juli 1572 von den Staaten in Dordrecht als Führer anerkannt worden war. Er hatte hier eine mühevolle Zeit, in der er sich als ein großer Staatsmann und Feldherr zeigte. 1573 schloß er sich dem Calvinismus öffentlich an. 1574 eroberte er Geertruidenberg und Middelburg, die Hauptstadt von Zeeland, und entsetzte 3. Okt. d. J. Leiden. Nach der Meuterei der spanischen Armee und der »spanischen Furie« in Antwerpen erlangte W. auch endlich durch die Genter Pazifikation (im November 1576) sein lang erstrebtes Ziel: die Einigung der gesamten Niederlande gegen Spanien. Die Milde, mit welcher der neue spanische Statthalter, Don Juan d'Austria, anfänglich auftrat, hatte zwar das Friedensedikt (»Ewige Edikt«) von 1577 zur Folge; als aber der junge und absichtlich gereizte Don Juan sehr bald gegen das Edikt handelte. wurde W. von den Ständen zu Hilfe gerufen und unter dem Jubel des Volkes in Brüssel zum Ruwart von Brabant erwählt. Doch mußte er, um den Neid der Großen zu beschwichtigen, die Wahl des Erzherzogs Matthias von Österreich zum Generalstatthalter dulden (Ende 1577), während er faktisch die Leitung der Staatssachen behielt. Als der Sieg der Spanier bei Gembloux (31. Jan. 1578) und das kluge Benehmen des neuen Statthalters Alexander von Parma der spanischen Herrschaft aufs neue Vorschub leisteten, schloß er durch seinen Bruder Johann 23. Jan. 1579 zwischen den nacheinander zutretenden nördlichen Provinzen Holland, Zeeland, Utrecht, Gelderland und Friesland, Overyssel und Groningen die berühmte Union zu Utrecht, durch die der Grund zur Republik der Vereinigten Niederlande gelegt wurde. 1580 wurde W. von Philipp II. in die Acht erklärt, wogegen er die denkwürdige »Apologie des Prinzen von Oranien« veröffentlichte. Mordanschläge auf ihn folgten, vornehmlich im März 1582. Einsichtig ordnete er sich dem Herzog Franz von Anjou unter, den die Staaten zum Protektor erwählten, um sich Frankreichs Hilfe zu sichern. Nach dessen Mißgriffen von 1583 würde er vielleicht zum Monarchen eines unabhängigen Staates der nördlichen Niederlande ernannt worden sein, wenn er nicht 10. Juli 1584 in Delft von einem fanatischen Katholiken, Balthasar Gérard, meuchlings erschossen worden wäre. Er ward in Delft beigesetzt. W. verband mit angenehmem Äußern große Liebenswürdigkeit im Umgang, scharfen Verstand, Staatsmannsblick, Festigkeit des Charakters, starke Neigung zu religiöser und politischer Freiheit mit hinreißender Beredsamkeit in Wort und Schrift. Er war viermal verheiratet; von seiner zweiten Gemahlin, Anna von Sachsen, trennte er sich wegen ihres Irrsinns, nachdem sie ihm mehrere Töchter und den Grafen Moritz von Nassau (später »Prinz von Oranien«) geboren. 1576 vermählte er sich wieder mit Charlotte von Bourbon (gest. 1582), Tochter des Herzogs Ludwig von Montpensier, die ihm sechs Töchter gebar, endlich 1583 mit Luise, der Tochter des Admirals Coligny (gest. 1620), aus welcher Ehe Friedrich Heinrich von Nassau, später Prinz von Oranien, hervorging. Sein Denkmal von Stappen (auf dem kleinen Zavelplatz in Brüssel) s. Tafel »Bildhauerkunst XX«, Fig. 1; zwei andre im Haag, ein drittes seit 1907 in Berlin. Vgl. Groen van Prinstarer, Archives de la Maison d'Orange-Nassau (1. Serie, Leid. 1835–38, 5 Bde.); Gachard, Correspondance de Guillaume le Taciturne (Brüss. 1847–66, 6 Bde.); Klose, W. I. von Oranien, der Begründer der niederländischen Freiheit (Leipz. 1864); Juste, Guillaume le Taciturne (Brüss. 1873); »Oorspronkelyke verhalenen gelyktydige berichten van den moord gepieegd aan Prins Willem van Oranje« (hrsg. von Frederiks, Haag 1884); Putnam, William the Silent (Lond. 1895, 2 Bde.; holländ., Haag 1897); Harrison, William the Silent (Lond. 1897; holländ., Haag 1898); Rachfahl, W. von Oranien und der niederländische Aufstand (Halle 1906 bis 1907, Bd. 1 u. 2); Heyck, W. von Oranien und die Entstehung der freien Niederlande (Bielef. 1908).

26) W. II., Prinz von Oranien, Statthalter von Holland und andern Provinzen, Sohn des Prinzen Friedrich Heinrich und der Amalie von Solms, Enkel des vorigen, geb. 27. Mai 1626, gest. 6. Nov. 1650, ward 1641 mit Maria, Tochter Karls I., vermählt, kämpfte gegen die Spanier, folgte seinem Vater 14. März 1647 als Statthalter der Niederlande, widersetzte sich nach dem Frieden von Münster der Abdankung der Truppen, die Holland verlangte, und versuchte, unterstützt von den Generalstaaten, den Widerstand der Regentenpartei zu brechen, indem er 30. Juli 1650 sechs Mitglieder der Staaten von Holland verhaften und nach Loevestein bringen ließ. Zwar mißlang der gleichzeitige Versuch, Amsterdam zu besetzen; aber er erlangte die Zustimmung der Staaten zur Beibehaltung der Truppen, als er plötzlich an den Blattern starb. Erst nach seinem Tode wurde ihm ein Sohn, Wilhelm III. (s. Wilhelm 10), geboren, mit dem die ältere Linie des Hauses Oranien[641] erlosch. Vgl. »Leven van Willem II.« (Haag 1738, 2 Bde.).

27) W. IV. Karl Heinrich Friso, Prinz von Oranien, Erbstatthalter der Niederlande, Sohn des Prinzen Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz, Statthalters von Friesland und Groningen, der 1702 den Titel Oranien angenommen, geb. 1. Sept. 1711 nach seines Vaters Tode, gest. 22. Okt. 1751, folgte diesem als Erbstatthalter von Friesland und Groningen, später auch von Gelderland und Drenthe, und ward infolge des unglücklich geführten französischen Krieges durch die 1747 ausbrechende Volksbewegung im Mai erblicher Statthalter auch der übrigen Provinzen. Er heiratete 1734 Anna, Tochter Georgs II. von England. Er verschmähte es, die günstige Stimmung der Niederländer und die Schwäche der Aristokratie zur Errichtung einer fest organisierten, starken Monarchie zu benutzen. Vgl. »Leven van Willem IV.« (Amsterd. 1760, 4 Bde.).

28) W. V., Prinz von Oranien, Sohn des vorigen, Erbstatthalter der Niederlande, geb. 4. März 1748, gest. 9. April 1806 in Braunschweig, folgte seinem Vater 1751 unter der Vormundschaft seiner Mutter, dann seit 1759 des Herzogs Ludwig Ernst von Braunschweig-Wolfenbüttel, seit 1766 selbständig. Gutmütig, aber schwach, überließ er auch seitdem die Leitung der Staatsgeschäfte dem Herzog von Braunschweig, wodurch er die heftige Opposition auch in der eignen Partei hervorrief. Er vermählte sich 1767 mit der preußischen Prinzessin Friederike Sophie Wilhelmine, Schwester König Friedrich Wilhelms II. Um 1780 erhob sich gegen ihn die Partei der Patrioten (s. d.). Nachdem er mit preußischer Hilfe 1787 ihre Macht gebrochen, ward er 1795 von den Franzosen vertrieben und erhielt 1802 als Entschädigung unter anderm die Abteien Korvei und Fulda, die er seinem Sohne überließ. Vgl. van der Aa, »Leven van Willem V.« (Amsterd. 1806, 5 Bde.).

[Könige der Niederlande.] 29) W. I. Friedrich, König der Niederlande, Prinz von Oranien-Nassau, Sohn des vorigen, geb. 24. Ang. 1772 im Haag, gest. 12. Dez. 1843 in Berlin, führte zuerst den Titel Erbprinz von Oranien, verweilte 1788 eine Zeitlang am Hofe seines Oheims, Friedrich Wilhelms II. von Preußen, studierte 1790 in Leiden und vermählte sich 1791 mit Friederike Luise Wilhelmine, Tochter des genannten Königs. 1793–95 befehligte er im Kriege gegen Frankreich in Belgien die niederländischen Truppen, begab sich nach der Eroberung der Niederlande nach Berlin, wohnte, nachdem sein Vater die ihm zugefallene Entschädigung in Deutschland, unter anderm das Fürstentum Fulda nebst Korvei, 29. Aug. 1802 an ihn abgetreten, seitdem meist in Fulda, erhielt 1806 das Kommando einer preußischen Division und kapitulierte nach der Schlacht bei Jena 15. Okt. mit 10,000 Mann in Erfurt. Napoleon I. erklärte ihn seiner Länder für verlustig, so daß ihm nur seine Privatbesitzungen in Posen und Schlesien blieben. 1809 trat er in das Heer des Erzherzogs Karl und nahm an der Schlacht bei Wagram teil. Darauf begab er sich nach England und landete, als sich im November 1813 beim Eindringen der Preußen in Holland das Volk erhob, 30. Nov. in Scheveningen, worauf er in Amsterdam als Landesherr begrüßt wurde. Der Wiener Kongreß sprach die Vereinigung Belgiens und Lüttichs mit den Niederlanden zu einem Königreich aus, und 16. März 1815 wurde W. im Haag unter dem Namen W. I. zum König der Niederlande ausgerufen. Seine Erbländer in Deutschland mußte er für Luxemburg, das am 22. Juli 1815, zum Großherzogtum erhoben, dem Deutschen Bund einverleibt wurde, an Nassau und Preußen abtreten. 1830 verlor er durch den Aufstand der Belgier den südlichen Teil des Königreichs; seine Hartnäckigkeit in dem Bestreben, ihn wiederzuerlangen, bewirkte, daß der Friede erst 1839 geschlossen werden konnte. Die Mißstimmung, die seine Verweigerung der geforderten Reformen auch in den Generalstaaten schon längere Zeit hervorgerufen hatte, ward durch seine Beziehungen zur katholischen Gräfin Henriette d'Oultremont, die er zu heiraten beabsichtigte, so bedenklich gesteigert, daß er nach der Grundgesetzrevision die Krone 7. Okt. 1840 in die Hände seines ältesten Sohnes, Wilhelms II., legte. Er nahm den Titel eines Grafen von Nassau an und begab sich nach Berlin, wo er sich mit der Gräfin d'Oultremont trauen ließ. Er hinterließ zwei Söhne, König Wilhelm II. und Prinz Friedrich (s. Friedrich 45), und eine Tochter, Prinzessin Marianne, 1830 verheiratet mit dem Prinzen Albrecht von Preußen (s. Albrecht 21). Vgl. Terlinden, Guillaume Ier et l'Eglise catholiqueen Belgique (Brüss. 1906, 2 Bde.).

30) W. II. Friedrich Georg Ludwig, König der Niederlande, Sohn des vorigen, geb. 6. Dez. 1792, gest. 17. März 1849, wurde in der Militärakademie zu Berlin erzogen, studierte dann in Oxford und trat in englische Militärdienste. Im Kriege auf der Pyrenäischen Halbinsel war er Adjutant des Herzogs von Wellington und bewies bei Ciudad Rodrigo und Badajoz sowie in der Schlacht von Salamanca Tapferkeit. Als Kronprinz der Niederlande befehligte er 1815 das niederländische Heer und erwarb sich bei Quatrebras und Waterloo, wo er verwundet wurde, neuen Ruhm. Am 21. Febr. 1816 vermählte er sich mit der Schwester des Kaisers Alexander I., der Großfürstin Anna Paulowna (gest. 1. März 1865). 1830, beim Ausbruch der belgischen Revolution, begab sich der Prinz nach Belgien, wo er, seine Vollmacht überschreitend, die Trennung Belgiens anerkannte. Der König mißbilligte sein Verhalten, und er ging nun nach England. 1831 übernahm er wieder den Oberbefehl über die holländische Armee, die er im August in dem Kriege mit Belgien siegreich führte, bis er sich vor der bewaffneten Intervention Frankreichs zurückziehen mußte. Später führte er das Kommando über die holländische Observationsarmee an der belgischen Grenze. Nach seines Vaters Abdankung 7. Okt. 1840 trat er an die Spitze der Regierung. Der wachsenden Finanznot suchte er mittels durchgreifender Mittel zu begegnen, verweigerte aber lange die Einführung der geforderten politischen Reformen, bis die Umgestaltung der europäischen Verhältnisse 1848 seinen Widerstand brach. Er hinterließ zwei Söhne, König Wilhelm III. und Prinz Heinrich (s. d. 44), und eine Prinzessin, Sophie, geb. 8. April 1824, vermählt 1842 mit dem Großherzog Karl Alexander von Sachsen-Weimar, gest. 23. März 1897. Im Haag und in Luxemburg wurden ihm Standbilder errichtet. Vgl. Bosscha, Het leven van Willem II. (4. Aufl., Amsterd. 1873).

31) W. III. Alexander Paul Friedrich Ludwig, König der Niederlande, Sohn des vorigen, geb. 19. Febr. 1817, gest. 23. Nov. 1890, trat 17. März 1849 die Regierung an, kam der öffentlichen Meinung durch freiwillige Verminderung der Zivilliste entgegen und berief im Oktober das entschieden liberale Ministerium Thorbecke, das 1853 wieder entlassen wurde, zog sich dann aber fast gänzlich von der Leitung[642] des Staates zurück, sie gewöhnlich den von der Majorität der Generalstaaten abhängigen Ministerien überlassend. Nach Vorboten im J. 1888 erkrankte er im Schloß Loo 1889 so schwer, daß im April im Haag eine Regentschaft eingesetzt, in Luxemburg Herzog Adolf von Nassau als Regent proklamiert wurde. Doch genas er unerwarteterweise so weit wieder, daß er im Mai die Regierung wieder übernahm. Im Herbst 1890 wurde die Einsetzung einer Regentschaft 20. Nov. wiederum nötig. Drei Tage später starb er. Mit ihm erlosch die jüngere Linie des Hauses Oranien-Nassau im Mannesstamm. Er war seit 18. Juni 1839 mit Sophie, Tochter des Königs Wilhelm von Württemberg (geb. 17. Juni 1818, gest. 3. Juni 1877), vermählt, die ihm 4. Sept. 1840 den Kronprinzen Wilhelm (gest. 11. Juni 1879) und 25. Aug. 1851 den Prinzen Alexander (gest. 21. Juni 1884) gebar. Am 12. Jan. 1879 vermählte er sich zum zweitenmal in Arolsen mit der Prinzessin Emma von Waldeck (geb. 2. Aug. 1858, s. Emma), die ihm 31. Aug. 1880 eine Tochter, Wilhelmine (s. d. 2), gebar. Vgl. Liez, W. III., König der Niederlande (Luxemb. 1889).

[Österreich.] 32) W. Franz Karl, Erzherzog von Österreich, dritter Sohn des Generalfeldmarschalls Erzherzog Karl, geb. 21. April 1827, gest. 29. Juli 1894 in Baden bei Wien, machte den italienischen Krieg von 1848 und 1849 als Freiwilliger, den von 1859 als Feldartillerieinspektor mit, ward 1862 Gouverneur von Mainz und 1864 Generalinspektor der Artillerie und Feldmarschalleutnant. In der Schlacht von Königgrätz 1866 wurde er verwundet. Er war Großmeister des Deutschen Ordens für Österreich. Er starb infolge eines Sturzes vom Pferde.

[Preußen.] 33) W. I., König von Preußen, deutscher Kaiser, s. oben Wilhelm 2), S. 632.

34) W. II., König von Preußen, deutscher Kaiser, s. oben Wilhelm 3), S. 635.

35) Friedrich W. Karl, Prinz von Preußen, dritter Sohn des Königs Friedrich Wilhelm II., geb. 3. Juli 1783 in Berlin, gest. daselbst 28. Sept. 1851, diente seit 1799 in der Garde, führte 1806 eine Kavalleriebrigade bei Auerstädt, ging, um eine Ermäßigung der Kriegslasten zu erlangen, im Dezember 1807 nach Paris, erwirkte jedoch nur eine geringe Verminderung. W. vertrat 1808 Preußen auf dem Erfurter Kongreß, wirkte tatkräftig bei der Umgestaltung Preußens und der Armee mit und befand sich 1813 in Blüchers Hauptquartier; in der Schlacht bei Lützen 2. Mai kommandierte er die Reservekavallerie und vermittelte bei Leipzig die Vereinigung des Nordheeres mit Blücher. Später führte er die 8. Brigade des Yorckschen Korps über den Rhein und zeichnete sich bei Château-Thierry, Laon und vor Paris aus. Nach dem Frieden begleitete W. den König nach London, wohnte dem Wiener Kongresse bei und kommandierte die Reservekavallerie des 4. Armeekorps. Seit dem zweiten Pariser Frieden lebte er teils in Paris, teils auf seinem Schloß Fischbach bei Schmiedeberg in Schlesien, war 1824–29 Gouverneur der Bundesfestung Mainz und 1830–31 Generalgouverneur der Rheinprovinz und Westfalens. Im März 1834 wurde er General der Kavallerie und wieder Gouverneur von Mainz. Nach dem Tode seiner Gemahlin Maria Anna, Tochter des Landgrafen Friedrich Ludwig von Hessen-Homburg (14. April 1846; vgl. ihre Biographie von Baur, 2. Aufl., Hamb. 1889, und ihre Briefe an ihren Bruder Ludwig, hrsg. von Emilie Droescher, Homb. 1904), zog er sich ganz nach Fischbach zurück. Von seinen Kindern wuchsen heran die Söhne Adalbert (s. d. 4) und Waldemar (s. d. 6) und die Töchter Elisabeth, geb. 18. Juni 1815, gest. 21. März 1885, seit 1836 Witwe des Prinzen Karl Wilhelm Ludwig von Hessen und bei Rhein, Mutter des Großherzogs Ludwig IV., und Maria, geb. 15. Okt. 1825, gest. 17. Mai 1889 als Witwe des Königs Maximilian II. von Bayern.

36) W., Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen, Sohn des deutschen Kaisers W. II., geb. 6. Mai 1882, wurde 1892 Leutnant im 1. Garderegiment zu Fuß, trat 1896 in das Kadettenhaus in Plön, bestand im Februar 1898 die Fähnrichs- und im Mai 1900 die Offiziersprüfung. Nach seiner Großjährigkeit (1900) erhielt er seine Residenz in Potsdam, tat beim 1. Garderegiment Frontdienst als Offizier und wurde 1. Sept. 1900 Oberleutnant. Als Student in Bonn (1901–03) war W. Konkneipant des Korps Borussia, erkrankte auf der Orientreise im März 1903 in Ägypten an den Masern und tat dann als Hauptmann und Chef der 2. Kompanie des 1. Garderegiments zu Fuß aktiven militärischen Dienst. Als Rittmeister zum Regiment der Gardedukorps kommandiert, vermählte sich W. 6. Juni 1905 mit Prinzessin Cecilie von Mecklenburg (geb. 20. Sept. 1886), Tochter des Großherzogs Friedrich Franz III. (s. Friedrich 35), die ihm 4. Juli 1906 und 9. Nov. 1907 zwei Söhne schenkte, und wurde 1908 Major und Kommandeur des 1. Bataillons des 1. Garderegiments zu Fuß. Vgl. Nieduruy, Unser Kronprinz (Kattowitz 1906).

[Sachsen.] 37) W. Ernst, Großherzog von Sachsen-Weimar, geb. 10. Juni 1876 in Weimar, Sohn des Erbgroßherzogs Karl August (gest. 21. Nov. 1894), tat einige Zeit beim 1. Garderegiment zu Fuß in Potsdam aktiven Dienst als Offizier, wurde dann Oberleutnant à la suite dieses Regiments und studierte in Jena und Bonn. Seit dem Tode seines Vaters Erbgroßherzog, folgte W. seinem Großvater Karl Alexander (s. Karl 53) 5. Jan. 1901 in der Regierung und vermählte sich 30. April 1903 mit Prinzessin Karoline von Reuß ä. L. (geb. 13. Juli 1884), Tochter des Fürsten Heinrich XXII. (s. Heinrich 53), die ihm 17. Jan. 1905 der Tod wieder entriß (vgl. ihr Leben von H. v. Egloffstein, Berl. 1905). Nach dem Antritt der Regierung erhielt W. den militärischen Rang als Generalmajor, ist seit 1903 Chef des sächsischen Karabinierregiments und wurde 1905 auch à la suite des ersten Seebataillons gestellt.

[Württemberg.] 38) W. I., König von Württemberg, geb. 27. Sept. 1781 zu Lüben in Schlesien, wo sein Vater, nachmals König Friedrich I. von Württemberg, als preußischer Generalmajor in Garnison stand, gest. 25. Juni 1864 auf Schloß Rosenstein, trat 1800 in das österreichische Heer und focht in der Schlacht von Hohenlinden, bereiste 1803 Frankreich und Italien und lebte von 1806–12 als Kronprinz zurückgezogen in Stuttgart. Seit 1808 mit der Prinzessin Karoline Auguste von Bayern vermählt, löste er 1814 diese Ehe wieder, worauf jene Gemahlin des Kaisers Franz von Österreich wurde. Auf Napoleons I. russischem Feldzug führte W. das württembergische Kontingent, blieb aber, gefährlich erkrankt, in Wilna zurück. Beim Einfall in Frankreich 1814 führte er das 7. Armeekorps, das durch Russen und Österreicher verstärkte württembergische Kontingent, bekundete Feldherrntalent, half den Sieg bei La Rothière erringen, wurde aber 18. Febr. bei Montereau geschlagen. Auch im Feldzuge von 1815 führte er ein Kommando im Elsaß. 1816 vermählte er sich mit der Großfürstin Katharina Paulowna, Witwe des[643] Prinzen Peter von Holstein-Oldenburg, die am 9. Jan. 1819 starb. Durch den Tod seines Vaters 30. Okt. 1816 König geworden, beschränkte er den Aufwand des Hofes, gab 1819 dem Lande eine Verfassung und widmete sich der Regierung mit Eifer und Wohlwollen. Trotz seiner liberalen und deutsch-nationalen Gesinnung vermochte W. indes die Bureaukratie der Rheinbundszeit nicht umzustoßen, ließ sich allmählich von ihr beeinflussen und schloß sich seit 1850 ganz an Österreich an. Ihm folgte König Karl (s. Karl 82), der Sohn seiner dritten Gemahlin (seit 15. April 1820), Pauline von Württemberg (geb. 4. Sept. 1800, gest. 10. März 1873). Vgl. Nick, W. I. und seine Regierung (Stuttg. 1864); »Das Kommando des Kronprinzen von Württemberg 1814–1815« (das. 1841); Merkle, Katharina Paulowna, Königin von Württemberg (das. 1890); Palm, Königin Pauline von Württemberg (das. 1891).

39) W. II., König von Württemberg, geb. 25. Febr. 1848, Sohn des Prinzen Friedrich von Württemberg (geb. 21. Febr. 1808, gest. 9. Mai 1870) und einer Tochter des Königs Wilhelm I., Katharine (gest. 6. Dez. 1898), studierte seit 1865 in Tübingen und Göttingen, kämpfte 1866 an der Tauber, trat 1869 in das preußische Heer, wohnte dem Kriege gegen Frankreich im Hauptquartier des Königs von Preußen bei, führte das Gardehusarenregiment, ging 1876 als Generalmajor in das württembergische Korps über, legte aber 1884 sein Kommando nieder. Er vermählte sich 1877 mit der Prinzessin Marie von Waldeck, die ihm eine Tochter, Prinzessin Pauline (geb. 19. Dez. 1877, seit 1898 Gemahlin des Erbprinzen Friedrich zu Wied), gebar, und nach deren Tod (1882) 1886 mit der Prinzessin Charlotte von Schaumburg-Lippe; die Ehe blieb kinderlos. Dem kinderlosen Karl I. folgte er 6. Okt. 1891 auf dem Thron und bewährte auch als König seine deutsch-nationale Gesinnung. Da der König keinen Sohn hat, wird der Thron nach seinem Tode an ein Glied der katholischen herzoglichen Linie des Hauses Württemberg fallen (s. Wilhelm 40).

40) W. Nikolaus, Herzog von Württemberg, geb. 20. Juli 1828 zu Karlsruhe in Schlesien, gest. 6. Nov. 1896 in Meran, Sohn des Herzogs Eugen (s. Eugen 3), in Breslau und Genf erzogen, trat erst in das preußische, 1847 in das österreichische Heer, zeichnete sich 1848–49 unter Radetzky in Italien aus, ward bei Novara schwer verwundet, kämpfte 1859 bei Magenta und Solferino als Oberst des 27. Infanterieregiments, befehligte 1864 eine Brigade in Schleswig-Holstein, wo er bei Översee sich hervortat, 1866 eine Brigade des 2. Korps in Böhmen, ward 1869 Feldmarschalleutnant, Militärkommandant in Triest und Befehlshaber der 7. Truppendivision, rückte 1878 mit ihr in Bosnien ein, siegte bei Jaicze über die Aufständischen und ward Feldzeugmeister und Kommandeur des 13. Armeekorps, 18. Nov. Kommandierender und Chef der Verwaltung in Bosnien und der Herzegowina, 1881 kommandierender General in Lemberg, 1889 in Graz. Durch den Tod des Königs Karl von Württemberg (6. Okt. 1891) wurde W. Haupt der herzoglichen Linie des Hauses Württemberg, schied aus dem österreichischen Dienst und ward württembergischer General der Infanterie. Seit seinem Tod ist der von Herzog Alexander (1771–1833) abstammende Herzog Albrecht (geb. 23. Dez. 1865) der voraussichtliche Erbe des württembergischen Thrones. Vgl. Magirus, Herzog W. von Württemberg (Stuttg. 1897); Teuber, Feldzeugmeister W., Herzog von Württemberg (Wien 1899).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 632-644.
Lizenz:
Faksimiles:
632 | 633 | 634 | 635 | 636 | 637 | 638 | 639 | 640 | 641 | 642 | 643 | 644
Kategorien:

Buchempfehlung

Brachvogel, Albert Emil

Narziß. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Narziß. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen

Albert Brachvogel zeichnet in seinem Trauerspiel den Weg des schönen Sohnes des Flussgottes nach, der von beiden Geschlechtern umworben und begehrt wird, doch in seiner Selbstliebe allein seinem Spiegelbild verfällt.

68 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Hochromantik

Große Erzählungen der Hochromantik

Zwischen 1804 und 1815 ist Heidelberg das intellektuelle Zentrum einer Bewegung, die sich von dort aus in der Welt verbreitet. Individuelles Erleben von Idylle und Harmonie, die Innerlichkeit der Seele sind die zentralen Themen der Hochromantik als Gegenbewegung zur von der Antike inspirierten Klassik und der vernunftgetriebenen Aufklärung. Acht der ganz großen Erzählungen der Hochromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe zusammengestellt.

390 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon