Ernst [1]

[63] Ernst (althochd. Eruust, ursprünglich »Kämpfer«), Name zahlreicher deutscher Fürsten:

[Anhalt.] 1) Fürst von Anhalt-Bernburg, geb. 19. Mai 1608 in Amberg, gest. 3. Dez. 1632, dritter Sohn Christians I., bereiste 1621 mit seinem Vater Schweden, wo er sich die Zuneigung Gustav Adolfs erwarb, Holland, Dänemark und Italien, ward, erst 18 Jahre alt, zu den Regierungsgeschäften gezogen, diente in einem kaiserlichen Reiterregiment, später unter Gustav Adolf und starb an einer bei Lützen erhaltenen Wunde.

[Baden.] 2) Markgraf von Baden, geb. 7. Okt. 1482, gest. 6. Febr. 1553, der jüngste Sohn des Markgrafen Christoph I., erhielt bei der Teilung 1515 die Markgrafschaft Hochberg, floh während des Bauernkriegs nach Straßburg, bis der Vergleich von Basel 25. Juli 1525 die Ruhe wiederbrachte. Nach dem Tode seines Bruders Philipp 1533 auch Herr der niedern Grafschaft, ward er Stifter der baden-durlachischen Linie, blieb aber, obwohl persönlich der Reformation zugetan, katholisch.

3) E. Friedrich, Markgraf von Baden, geb. 17. Okt. 1560, gest. 14. April 1604 in Remchingen, Enkel des vorigen, ältester Sohn Karls II., erhielt bei der Teilung 1584 die untere Markgrafschaft und nahm 1594 auch die Stadt Baden mit ihrem Gebiet ein. An den konfessionellen und politischen Verhandlungen zu Heilbronn (1594), Frankfurt (1598), Friedberg (1601) und Heidelberg (1603) nahm E. als evangelischer Fürst tätigen Anteil. In der Jugend Lutheraner, neigte er sich später der reformierten Lehre zu, veranlaßte die Abfassung des sogen. Staffortischen Buches (liber Staffortensis, vom Schlosse Staffort bei Durlach), das seine christlichen Bedenken enthält (1599), und zwang seinem bis dahin lutherischen Lande die reformierte Lehre auf. Da er kinderlos starb, folgte ihm sein jüngster Bruder, Georg Friedrich.

[Hannover.] 4) E. August, Kurfürst von Hannover, geb. 20. Nov. 1629, gest. 23. Jan. 1698 in Herrenhausen, jüngster Sohn des Herzogs Georg und der Prinzessin Anna Eleonore von Hessen-Darmstadt, seit 1662 evangelischer Bischof von Osnabrück, folgte 1679 seinem ältern Bruder, Johann Friedrich, im Fürstentum Kalenberg (Hannover) und setzte 1682 unter dem Widerspruch seiner jüngern Verwandten in seinem Hause das Erstgeburtsrecht fest, nachdem der Anfall sämtlicher Besitzungen der jüngern welfischen Linie an Hannover wahrscheinlich geworden war. Leopold I. belohnte ihn wegen seiner Hilfe gegen Franzosen, Türken und die aufständischen Ungarn 1692 mit der neunten Kurwürde, gegen deren Anerkennung sich ein Teil der Reichsfürsten allerdings noch einige Zeit sträubte. E. eröffnete die Verhandlungen über die Nachfolge seines Geschlechts in England, förderte religiös duldsam die Landesverwaltung und war der Beschützer des Philosophen Leibniz, den er als Historiographen an seinen Hof zog. Aus seiner mit Kindern reich gesegneten Ehe mit Sophie, einer Tochter des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, stammen sein Nachfolger Georg Ludwig (nachmals König Georg I. von England) und Sophie Charlotte, die erste Königin von Preußen. Sein sechster und jüngster Sohn, gleichfalls E. August genannt, geb. 16. Sept. 1674, gest. 14. Aug. 1728, wurde 1716 Fürstbischof von Osnabrück. Seine Briefe an Johann Franz Diedrich v. Wendt aus den Jahren 1703 bis 1726 (hrsg. von Graf Kielmansegg, Hannov. 1902) enthalten wichtige Nachrichten über seine Mutter, die Tochter des Winterkönigs, und seinen Bruder Georg Ludwig. Vgl. v. Malortie, Der hannöversche Hof unter dem Kurfürsten E. August und der Kurfürstin Sophie (Hannov. 1847).

5) E. August, König von Hannover, geb. 5. Juni 1771 in London, gest. 18. Nov. 1851 in Hannover, fünfter Sohn König Georgs III. von Großbritannien und der Prinzessin Charlotte von Mecklenburg-Strelitz, kämpfte 1793–95 als Kommandeur eines hannöverschen Kavallerieregiments mit den englischen Truppen in den Niederlanden gegen die französische Republik, ward bei Avesnes-le-Sec verwundet und verlor bei Cayghem ein Auge. Nach dem Baseler Frieden erhielt E. in England den Titel eines Herzogs von Cumberland und trat als Hochtorie ins Oberhaus ein. Am 31. Mai 1810 in seinem Schlafzimmer, wahrscheinlich durch seinen Kammerdiener Sellis, schwer verwundet, genas er bald, wurde 1813 britischer Feldmarschall, ging nach Hannover, erhielt jedoch nicht die erstrebte Statthalterschaft von Hannover, die seinem jüngern Bruder, dem Herzog von Cambridge, zuteil wurde. In Berlin vermählte er sich 1815 mit der mecklenburg-strelitzschen Prinzessin Friederike, Schwester der Königin Luise von Preußen, obwohl dieselbe bereits mit dem Herzog von Cambridge verlobt war, geriet mit dem englischen Hof in Zwist und ließ sich in Berlin nieder, später in England, sich dort am politischen Leben beteiligend. Nach dem am 20. Juni 1837 erfolgten Tode des Königs Wilhelm IV., als die Krone von England auf die weibliche Linie überging, wurde E. König des von [63] England losgetrennten Hannover und nahm seine Residenz im Lande selbst. Da die hannöversche Verfassung weder seiner autokratischen Gesinnung noch seinen finanziellen Interessen entsprach, so vertagte er die Ständeversammlung, weigerte sich, die Rechtsverbindlichkeit des Staatsgrundgesetzes von 1833 anzuerkennen, und hob es 1. Nov. 1837 förmlich auf. Mit der Aufhebung der Verfassung hingen manche weitere unpopuläre Maßregeln zusammen, wie z. B. die bekannte Maßregelung der sieben Göttinger Professoren. Die Mißstimmung beseitigte auch das neue Staatsgrundgesetz von 1840 nicht, aber 1848 beugten die Berufung Stüves (s.d.) ins Ministerium und die Einführung einer neuen Verfassung jeder aufrührerischen Bewegung vor. Die deutsche Reichsverfassung erkannte E. nicht an, beteiligte sich 1849 am Dreikönigsbündnis, gab dieses jedoch noch im Herbst d. J. auf und neigte sich mehr Österreich zu. Erst im September 1851 trat er dem Zollverein bei. 1861 ward ihm in Hannover ein Denkmal (von A. Wolff) errichtet. Vgl. v. Malortie, König E. August (Hannover 1861); Wilkinson, Reminiscences of the court and times of king Ernest of Hanover (Lond. 1886, 2 Bde.; deutsch, Braunschw. 1902).

[Hessen.] 6) Landgraf von Hessen-Kassel, Stifter der hessen-rheinfelsischen Linie, geb. 1623, gest. 12. Mai 1693 in Köln, Sohn des Landgrafen Moritz und dessen zweiter Gemahlin, Juliane von Nassau-Dillenburg, diente seit 1641 mit Auszeichnung im hessischen Heer und beherrschte seit 1649 das ihm zugefallene Gebiet Niederkatzenelnbogen mit Rheinfels. Später mit dem Kaiser verbunden, um mit dessen Hilfe das Primogeniturrecht der kasselschen Linie umzustoßen, ward E. in Wien katholisch, erbte 1655 und 1658 die Lande seiner Brüder, Eschwege und Rotenburg, und lebte viel auf Reisen, besonders in Venedig. Seine Schriften, darunter eine sehr offenherzige Selbstbiographie, befinden sich noch größtenteils in der Kasseler Bibliothek. Seinen Briefwechsel mit Leibniz gab Rommel heraus (Frankf. 1847, 2 Bde.).

7) E. Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, geb. 25. Nov. 1868 in Darmstadt, einziger Sohn des damaligen Prinzen, spätern Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und der Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, wurde durch den frühen Tod seines Vaters 13. März 1892 Großherzog, vermählte sich 1894 mit der Prinzessin Viktoria von Sachsen-Koburg-Gotha (geb. 25. Nov. 1876), die ihm 1895 die Prinzessin Elisabeth (gest. 16. Nov. 1903) gebar. Die unglückliche Ehe wurde 23. Dez. 1901 gerichtlich geschieden, und durch das neue Regentschaftsgesetz vom 26. März 1902 wurde für den Fall, daß E. aus einer neuen Ehe keinen Sohn erzielen sollte, als Thronerbe der dem Thron am nächsten stehende Agnat des Gesamthauses Hessen bestimmt, der erblindete kinderlose Landgraf Alexander Friedrich von Hessen, dem sein jüngerer Bruder, Prinz Friedrich Karl von Hessen, ein Schwager des deutschen Kaisers, folgen würde.

[Köln.] 8) Herzog von Bayern, Kurfürst von Köln, geb. 17. Dez. 1554, gest. 17. Febr. 1612 in Arnsberg, Sohn Herzog Alberts V. von Bayern, von Jesuiten humanistisch und theologisch gebildet, seit 1566 Bischof von Freising, seit 1573 Bischof von Hildesheim, wurde bei der Abdankung des Kölner Erzbischofs Salentin von Isenburg 1577 von der jesuitischen Partei zu dessen Nachfolger ausersehen, doch erst nach dem Abfall des an seiner Statt gewählten Gebhard Truchseß von Waldburg vom katholischen Glauben 22. Mai 1583 an Stelle des abgesetzten und exkommunizierten Gebhard zum Erzbischof erwählt. Mit Hilfe des Papstes und des Kaisers vertrieb E. Gebhard aus dem Stift, rettete dasselbe für die katholische Kirche, machte es aber auch zum Schauplatz schwerer Kämpfe. 1581 auch Bischof von Lüttich, 1584 Bischof von Münster geworden, besaß E. fünf Bistümer, in denen allen er sich besonders um die Einführung der Jesuiten bemühte. Vgl. Lossen, Der Kölnische Krieg, Bd. 2 (Münch. 1897) und »Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges«, Bd. 4–6 (das. 1878–95).

[Lippe.] 9) Graf und Edler Herr zur Lippe-Biesterfeld, Regent des Fürstentums Lippe, geb. 9. Juni 1842 in Oberkassel bei Bonn, seit 1884 Chef der erbherrlichen Linie Lippe-Biesterfeld, lebte auf Schloß Neudorf bei Bentschen in der Provinz Posen und erhob, als 1895 Fürst Woldemar von Lippe starb und sein Bruder und Nachfolger, Fürst Alexander, wegen Geisteskrankheit die Regierung nicht antreten konnte, gegen die Regentschaft des vom Fürsten Woldemar ernannten Regenten, Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe, Einspruch, wurde auch durch den Schiedsspruch vom 22. Juni 1897 als nächstberechtigter Agnat und daher als zur Regentschaft berufen anerkannt. Vgl. Lippe.

[Mansfeld.] 10) E. von Mansfeld, Feldherr im Dreißigjährigen Kriege, s. Mansfeld.

[Nassau.] 11) E. Kasimir, Graf von Nassau, Katzenelnbogen, Vianden und Dietz, der Stifter der Dietzer Linie, fünfter Sohn des Grafen Johann des ältern von Nassau, geb. 1573 in Dillenburg, nahm niederländische Kriegsdienste, geriet 1595 in spanische Gefangenschaft und beteiligte sich, mit 10,000 Brabanter Gulden ausgelöst, unter dem Prinzen Moritz von Oranien an der Eroberung von Rheinbergen und Lingen sowie an dem Feldzug gegen die Spanier, wurde 1606 niederländischer Feldmarschall, 1610 Statthalter von Utrecht, 1620 von Friesland und 1625 auch von Groningen, eroberte im Kampf gegen die Spanier 1622 Bergen op Zoom und Steenbergen, schützte 1623 Emden gegen Tilly und fiel 5. Juni 1632 vor Roermonde.

[Österreich.] 12) E. der Eiserne, Herzog von Österreich, geb. 1377, gest. 9. Juni 1424 in Graz, stand nach dem Tode seines bei Sempach 1386 gefallenen Vaters Leopold unter der Vormundschaft Albrechts III. Bei der Teilung 1406 erhielt E. Steiermark und führte mit seinem Bruder Leopold die Vormundschaft über den unmündigen Albrecht V. Nach Leopolds Tode 1411 erhielt E. auch Kärnten und Krain. Als sein Bruder Friedrich vom Kaiser Siegmund 1417 in die Acht erklärt worden war, versuchte E. zunächst sich selbst des Gebietes Friedrichs zu bemächtigen, glich sich dann aber mit seinem Bruder aus und verteidigte namentlich Tirol gegen die Ansprüche des Kaisers. Als Regent Innerösterreichs und Stifter der ältern steiermark-habsburgischen Linie, die in seinem Erstgebornen, Herzog Friedrich V. (als Kaiser Friedrich III.), die beiden andern, die albrechtinisch-österreichische und tirolische, überdauerte und beerbte, handhabte er mit Festigkeit seine landesfürstlichen Rechte. Er war in erster Ehe mit Margarete, Fürstin von Pommern, in zweiter mit der ihm an Leibeskraft ebenbürtigen Cimburg von Masovien vermählt, von der ihm Erben geboren wurden. Sein Grabmal befindet sich im nahen Cistercienserstift Rein.

13) Erzherzog von Österreich, zweiter Sohn des Kaisers Maximilian II., geb. 15. Juni 1553 in [64] Wien, gest. 10. Febr. 1595 in Brüssel, war lange Zeit Statthalter in Unter- und Oberösterreich, übernahm 1590 die Vormundschaft über den jungen Erzherzog Ferdinand von der steirischen Linie und erhielt 1592 von König Philipp II. von Spanien die Regierung der Niederlande übertragen; doch traf E. in Brüssel erst 1594 ein und starb schon im folgenden Jahre.

[Sachsen.] 14) Kurfürst von Sachsen, geb. 24. März 1441, gest. 26. Aug. 1486 in Kolditz infolge eines Sturzes vom Pferde, ältester Sohn Friedrichs des Sanftmütigen, Stifter der Ernestinischen Linie des sächsischen Hauses, ward mit seinem Bruder Albrecht von Kunz von Kaufungen aus dem Schloß zu Altenburg 1455 geraubt (s. Sächsischer Prinzenraub). Er folgte 1464 seinem Vater in der Kurwürde, beherrschte aber die meißnischen und thüringischen Länder mit seinem Bruder Albrecht gemeinschaftlich bis 1485. Durch Vollstreckung der von Georg Podiebrad über den Vogt Heinrich II. von Plauen verhängten Acht erwarben 1466 beide Plauen, Ölsnitz und Adorf. Die Schutzherrschaft über Quedlinburg erwarb E. 1479-infolge des seiner Schwester Hedwig, der dortigen Äbtissin, gegen die Stadt und den Bischof von Halberstadt geleisteten Beistandes. Die neuentdeckten Silberbergwerke im Erzgebirge verschafften die Mittel zum Ankauf neuer Besitzungen, wie 1472 des Fürstentums Sagan in Schlesien und 1474 der Herrschaften Sorau, Beeskow und Storkow. Die Erhebung von Ernsts zweitem Sohn, Albrecht, auf den erzbischöflichen Stuhl von Mainz 1482 nötigte Erfurt die sächsische Schutzherrschaft auf; der dritte Sohn, Ernst, wurde 1476 Erzbischof von Magdeburg, 1479 auch Koadjutor von Halberstadt und zwang mit des Vaters Hilfe 1478 Halle, 1486 Halberstadt zum Gehorsam. Vom Papst Sixtus IV. erhielt E. 1480 in Rom die Goldene Rose, die er dem Dom zu Meißen gab. Der Anfall Thüringens nach dem Tod ihres Oheims Wilhelms III. störte die bisherige brüderliche Eintracht. Bei der Landteilung zu Leipzig 26. Aug. 1485 erhielt E. außer dem Kurland Thüringen mit den vogtländischen und fränkischen Besitzungen, die Hälfte des Pleißener und Osterlandes etc. und ward so Stifter der Ernestinischen, vorerst kurfürstlichen Linie. Seine Gemahlin Elisabeth, Tochter des Herzogs Albrecht von Bayern (seit 1462), starb 1484. Er hatte von ihr vier Söhne: außer den beiden Geistlichen (Albrecht, Ernst) Friedrich (den Weisen) und Johann (den Beständigen), seine Nachfolger in der Kurwürde.

15) E. Friedrich Paul Georg Nikolaus, Herzog von Sachsen-Altenburg, geb. 16. Sept. 1826 in Hildburghausen, Sohn des Herzogs Georg, folgte diesem 1853 in der Regierung, vereinbarte 1862 eine Militärkonvention mit Preußen, blieb 1863 von dem Fürstentag fern, trat 1866 dem preußischen Bundesreformentwurf bei und stellte Preußen seine Truppen zur Verfügung. Aus seiner Ehe mit der Prinzessin Agnes von Anhalt-Dessau (geb. 24. Juni 1824, gest. 23. Okt. 1897) wurde ihm 2. Aug. 1854 die mit dem Prinzen Albrecht von Preußen vermählte Prinzessin Maria geboren. Vgl. Volger, Herzog E. von Sachsen-Altenburg (Altenb. 1896).

16) E. der Fromme, Herzog von Sachsen-Gotha, geb. 25. Dez. 1601 in Altenburg, gest. 26. März 1675 in Gotha, neunter Sohn des Herzogs Johann von Weimar, Stifter des gothaischen Gesamthauses, ward nach dem Tode seines Vaters (1605) von seiner Mutter Dorothea Maria von Anhalt trefflich erzogen, leitete während des böhmischen Krieges die Landesverwaltung, machte unter Gustav Adolf und dann unter seinem jüngern Bruder, Bernhard von Weimar, eine Reihe von Feldzügen im Dreißigjährigen Kriege mit und verwaltete für seinen Bruder Bernhard mit großer Umsicht die Bistümer Würzburg und Bamberg. 1635 trat er mit seinen Brüdern Albrecht und Wilhelm dem Frieden zu Prag bei, weshalb die Schweden sein jetzt von ihm und Wilhelm gemeinsam regiertes Land verheerten. 1636 mit der Tochter des Herzogs Johann Philipp von Altenburg, Elisabeth Sophie, vermählt, residierte E. zu Weimar, aber nach der Teilung des Gesamtbesitzes mit seinen Brüdern Wilhelm und Albrecht (8. April 1640) in Gotha. Schon 1644 fiel ihm durch Albrechts Tod die Hälfte des Fürstentums Eisenach zu, 1660 Teile von Henneberg und 1672 durch den Tod des Herzogs Wilhelm von Altenburg auch drei Viertel des koburg-altenburgischen Gebiets. Für sein Land durch eigne Tätigkeit, geordnete Verwaltung und treffliche Gesetze aufs beste sorgend, erließ er 1653 seine »Revidierte und vermehrte Landesordnung« und widmete namentlich dem Erziehungs- und Schulwesen große Aufmerksamkeit: wie er die sogen. Ernestinische Bibelausgabe veranstaltete, so ließ er auch Bücher ausarbeiten, die zum Preise von 1 Pfennig für den Bogen verkauft wurden, z. B. »Kurzen Unterricht« für Welt- und Naturkunde, die biblische Bilder- und die Katechismusschule, das weimarische Bibelwerk. Für die Erwachsenen wurden Katechismusexamina angeordnet und die Katechismustaler geprägt. Durch Beschränkung der Ausgaben und Erhöhung der Steuerkraft besserten sich die Finanzen, so daß E. infolge seines Reichtums unter den Reichsfürsten eine angesehene Stellung einnahm. Als das Reich Rüstungen gegen die Türken verlangte, brachte E. ein dreifach verstärktes Kontingent auf; gegen Frankreich stellte er später dem Kaiser 3200 Fußsoldaten und 620 Reiter als Hilfskorps. Über die Grenzen Deutschlands hinaus verbreitete sich Ernsts Ruf: Cromwell rechnete ihn unter die drei klugen Fürsten; der Patriarch von Alexandria schrieb an den »Sultan« E. von Gotha; der Zar Alexei Michailowitsch bat ihn um Hilfe wider die Türken. 1674 übergab er die Regierung seinem Sohn Friedrich. Von 18 Kindern überlebten ihn sieben Prinzen, die sich in seine Lande teilten; von ihnen stammen die herzoglich sächsischen Linien ab. Die 300jährige Wiederkehr seines Geburtstags wurde 1901 festlich unter Teilnahme des Kaisers begangen. Vgl. Klaunig u. Schneider, E., Herzog zu Sachsen-Gotha, nach seinem Leben und Wirken (Leipz. 1858); A. Beck, E. der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und-Altenburg (Weim. 1865, 2 Bde.); Kreyenberg, E. der Fromme (Frankf. 1890); Boehne, Die pädagogischen Bestrebungen Ernsts des Frommen (Gotha 1888); Schrödel u. Möller, E. der Fromme, ein Pädagog unter den Fürsten (das. 1901).

17) E. Ludwig, gewöhnlich E. II. genannt, Herzog von Sachsen-Gotha und Altenburg, geb. 30. Jan. 1745, gest. 20. April 1804, zweiter Sohn des Herzogs Friedrich III., seit 1769 mit der Prinzessin Marie Charlotte Amalie von Meiningen vermählt, trat E. die Regierung 1772 an, arbeitete mit Erfolg an der Tilgung der sein Land bedrückenden Schulden und legte später Sammlungen von literarischen und Kunstschätzen an. Ein Freund astronomischer und physikalischer Studien, bestimmte E. zur Unterhaltung der Sternwarte auf dem Seeberg bei Gotha, die unter Zach einen Namen in der astronomischen Welt erlangte, testamentarisch 40,000 Tlr. Dem Freimaurerbund und dem Illuminatenorden trat er bei, ohne[65] jedoch in ihnen die gehoffte Befriedigung zu finden. Die Volksbildung förderte er 1779 durch Errichtung eines Schullehrerseminars. In der äußern Politik schloß er sich an den von Friedrich II. gestifteten Fürstenbund an. Ihm folgte sein Sohn August. Vgl. A. Beck, E. II. als Pfleger und Beschützer der Wissenschaft und Kunst (Gotha 1854).

18) Herzog von Sachsen-Hildburghausen, geb. 12. Juli 1655, gest. 17. Okt. 1715, sechster Sohn des Herzogs Ernst des Frommen, Stifter der hildburghausischen Linie, erhielt 1676 die Ämter und Städte Hildburghausen, Heldburg, Veilsdorf, Eisfeld, Schalkau und Königsberg in Franken und 1702 durch Befreiung Hildburghausens von dem sogen. Nexus Gothanus in seinen Ländern die volle landesfürstliche Regierung. 1683 im sächsischen Heer des Kurfürsten Johann Georg III. beim Entsatz Wiens und im weitern Kampf gegen die Türken bewährt, kämpfte er später in holländischen Diensten gegen Ludwig XIV. Seine letzte Regierungshandlung war die Gründung eines Gymnasium illustre in seiner Residenz.

19) E. III. (I.), Herzog von Sachsen-Koburg, geb. 2. Jan. 1784, gest. 29. Jan. 1844, Sohn des Herzogs Franz, gelangte 9. Dez. 1806 zur Regierung seines von Napoleon besetzten Landes, das er erst im Tilsiter Frieden zurückerhielt, blieb aber wegen seiner Teilnahme an der Schlacht von Auerstädt auf preußischer Seite stets von Napoleon beargwöhnt. Nach der Schlacht bei Leipzig Führer des 5. Armeekorps der Verbündeten, zwang E. Mainz durch Blockade zur Übergabe, wirkte auf dem Wiener Kongreß für das Fortbestehen des Königreichs Sachsen und erhielt selbst das jenseit des Rheins gelegene Fürstentum Lichtenberg mit 20,000 Einw., das im zweiten Pariser Frieden, nachdem er als Oberbefehlshaber der sächsischen Truppen wieder gegen Napoleon gekämpft hatte, um ein weiteres Gebiet mit 5000 Einw. vermehrt ward, trat aber alles 22. Sept. 1834 für 2 Mill. Tlr. an Preußen ab und erkaufte dafür 1836–38 mehrere Domänen. Nach dem Erlöschen des gothaischen Stammhauses (11. Febr. 1825) durch den Staatsvertrag vom 12.–15. Nov. 1826 Erbe des Herzogtums Gotha, mit Ausschluß des Amtes Kranichfeld, trat er das Fürstentum Saalfeld an Meiningen ab und nannte sich nun E. I., Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha. Am 8. Aug. 1821 gab er Koburg eine Verfassung, ließ aber die alte Form der feudalen Landstände in Gotha fortbestehen. Nachdem seine Ehe mit Luise, der Tochter des Herzogs August von Sachsen-Gotha, 1826 wieder getrennt worden, vermählte er sich 1831 mit Maria, der Tochter des Herzogs Alexander von Württemberg. Seine Schwester Viktoria ward durch ihre Vermählung mit dem Herzog Eduard August von Kent Mutter der spätern Königin Viktoria von England, deren Hand Ernsts jüngerer Sohn, Albert, 1840 erhielt. Sein jüngerer Bruder, Leopold, wurde 1831 zum König der Belgier erwählt, und sein Neffe Ferdinand, der älteste Sohn des Herzogs Ferdinand von Sachsen-Koburg-Koháry, ward 1836 der Gemahl der Königin von Portugal, Donna Maria da Gloria.

20) E. II., Herzog von Sachsen-Koburg, geb. 21. Juni 1818 in Koburg, gest. 22. Aug. 1893 in Reinhardsbrunn, ältester Sohn des vorigen, reiste viel, studierte zu Bonn, trat als Rittmeister in königlich sächsische Dienste und folgte, seit 1842 mit der Prinzessin Alexandrine von Baden vermählt, 29. Jan. 1844 seinem Vater in der Regierung. In den Jahren 1848–49 durch rechtzeitige Konzessionen die Gemüter beruhigend, vereinigte E. die Herzogtümer Koburg und Gotha durch eine gemeinsame Verfassung, kämpfte mit gegen Dänemark und hatte an dem Sieg bei Eckernförde 5. April 1849 Anteil. Nachdem die Pläne für das deutsche Gesamtreich gescheitert, schloß er sich dem sogen. Dreikönigsbündnis an und veranlaßte den Fürstenkongreß zu Berlin. Persönlich mit dem Kaiser Napoleon, den er auch zuerst von den deutschen Fürsten in Paris begrüßt hatte, befreundet, bemühte er sich 1854 beim Ausbruch des Krimkriegs, eine Wendung Preußens zugunsten Rußlands zu verhindern, suchte dagegen 1859 Preußen zur Teilnahme am Kriege gegen Frankreich zu bestimmen. Bismarck galt ihm als Reaktionär, seine Hoffnungen bezüglich einer Wiedergeburt Deutschlands setzte er auf Österreich und war ein eifriger Teilnehmer am Fürstentage von Frankfurt 1863. Durch seine persönliche, von aller Etikette freie Teilnahme an Turn- und Schützenfesten, von denen man damals das Heil erwartete, durch seine Begünstigung des Nationalvereins u. dgl. populär geworden, trat E. nach dem Tode des Königs Friedrich VII. von Dänemark beim Bundestag energisch für den Augustenburger ein und suchte auch persönlich den Kaiser Napoleon III. dafür zu gewinnen. Doch in richtiger Erkenntnis der Verhältnisse schloß er sich 1866 Preußen an und machte im Gefolge des Königs Wilhelm I. den Krieg von 1870/71 mit. Der Herzog war ein trefflicher Musiker und Komponist; bekannt sind seine Opern: »Zaïre«, »Casilda«, »Santa Chiara«, »Diana von Solanges« sowie verschiedene kleinere Kompositionen. 1862 machte er mit seiner Gemahlin und zahlreichem Gefolge, worunter mehrere Naturforscher, eine Reise nach Ägypten und Abessinien, deren Ergebnisse in dem Prachtwerk »Reise des Herzogs E. von Sachsen-Koburg-Gotha nach Ägypten etc.« (Leipz. 1864) niedergelegt sind. 1902 wurde ihm in Oberhof und 1903 im Schloßpark zu Reinhardsbrunn ein Denkmal errichtet. Vgl. seine Denkwürdigkeiten: »Aus meinem Leben und aus meiner Zeit« (1.–6. Aufl., Berl. 1887–89, 3 Bde.; Bearbeitung in 1 Bd. 1892); Ohorn, Herzog E. II., ein Lebensbild (Leipz. 1894); Tempeltey, Herzog E. von Koburg und das Jahr 1866 (Berl. 1898).

21) E. Ludwig I., Herzog von Sachsen-Meiningen, geb. 1672, gest. 24. Nov. 1724, zweiter Sohn des Herzogs Bernhard I., trat 1692 als Oberst eines gothaischen Regiments in holländische Kriegsdienste, dann in kurpfälzische, focht als kaiserlicher Feldmarschalleutnant mit Auszeichnung gegen Ludwig XIV., stieg bis zum Feldzeugmeister und übernahm nach dem Tode seines Vaters 1706 die Regierung seines Landes, die ihm seine Brüder Friedrich Wilhelm und Anton Ulrich allein überließen.

22) E. August, Herzog von Sachsen-Weimar, geb. 19. April 1688, gest. 18. Jan. 1748, Sohn des Herzogs Johann Ernst, regierte seit 1707 mit seinem Oheim Wilhelm Ernst bis zu dessen Tod 1728 gemeinschaftlich und setzte 1725 die Primogenitur fest. Ludwig XIV. nachahmend, führte E. eine prächtige Hofhaltung, errichtete viele kleine Jagdschlösser, die Jakobskirche in Weimar, das Schloß in Eisenach, machte großen militärischen Aufwand und trieb Alchimie. Auch stiftete er den Weißen Falkenorden (s. Falkenorden 2). Seit 1734 wohnte er meist in Eisenach. Vgl. v. Beaulieu-Marconnay, E. A., Herzog zu Sachsen-Weimar-Eisenach (Leipz. 1872).

[Schleswig-Holstein.] 23) E. Günter, Herzog zu Schleswig-Holstein, Haupt der Linie Augustenburg, geb. 11. Aug. 1863 in Dolzig, einziger Sohn[66] des Herzogs Friedrich (s.d.) und der Prinzessin Adelheid zu Hohenlohe-Langenburg, folgte seinem Vater 14. Jan. 1880 als Besitzer von Primkenau in Schlesien und erhielt später noch einen Teil der Augustenburgischen Güter in Schleswig, darunter Schloß Augustenburg, vom preußischen Staat abgetreten. Die Besitzungen bilden seit 1886 ein Fideikommiß, als dessen Inhaber der Herzog, der 1895 als Major à la suite des Leibgardehusarenregiments den aktiven Militärdienst aufgab, seit 1894 Mitglied des preußischen Herrenhauses ist. E. ist der Bruder der Kaiserin Auguste Viktoria.

[Schwaben.] 24) E. I., der ältere, Herzog von Schwaben, Sohn des Babenbergischen Markgrafen Luitpold von Österreich, empörte sich 1003 gegen Kaiser Heinrich II., leistete ihm aber, zur Unterwerfung gezwungen, treue Dienste. Infolge seiner Vermählung mit Gisela, der Schwester Herzog Hermanns III. von Schwaben, nach dessen Tod (1012) Herzog von Schwaben geworden, starb E. 31. Mai 1015, auf der Jagd durch Unvorsichtigkeit tödlich verwundet. Seine Witwe Gisela heiratete den nachmaligen Kaiser Konrad II. (s.d.). Ihr und Ernsts I. Sohn war:

25) E. II., Herzog von Schwaben, der vielbesungene »Herzog E. von Schwaben«, geb. 1007, gest. 17. Aug. 1030, nach seines Vaters Tod als Kind mit dem Herzogtum Schwaben belehnt, stand unter Vormundschaft seiner Mutter Gisela, die für ihn regierte, bis Heinrich II. nach ihrer Vermählung mit dem ihm feindlichen Konrad von Franken die Vormundschaft seinem Oheim, dem Erzbischof Poppo von Trier, übertrug. Mit seinem Stiefvater wegen seiner Erbansprüche auf Burgund verfeindet, mußte er sich 1025 unterwerfen, empörte sich 1027 in Verbindung mit Welf II. von Bayern, Werner von Kyburg u. a. wiederum, ward bezwungen und erhielt erst 1028 die Freiheit und das Herzogtum Schwaben zurück. Als er sich 1030 weigerte, seinen frühern Anhänger, den geächteten Grafen Werner von Kyburg, zu bekämpfen, floh er mit Werner geächtet und gebannt in die Burg Falkenstein bei Schramberg im Schwarzwald und fristete seine Existenz durch Raub und Plünderung, bis er im Kampf mit dem gegen ihn gesendeten Grafen Mangold fiel. Seine Schicksale, besonders seine Treue gegen Werner, erregten allgemeine Teilnahme für ihn; sein Kampf mit dem Kaiser wurde vielfach besungen, und E. wurde in dem Volksbuch »Herzog E.« (s.d.) der Held vieler wunderbarer Schicksale und Abenteuer. Uhland hat seine Treue in dem Trauerspiel »Herzog E. von Schwaben« verewigt. Vgl. Bartsch, Herzog E. (Wien 1869).

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 6. Leipzig 1906, S. 63-67.
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Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

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