[761] Deutschland (Deutsches Reich, franz. Allemagne, engl. Germany), das im Herzen Europas, zwischen den vorherrschend slawischen Ländern des Ostens und den romanischen des Westens und Südens liegende, im SO. an Deutsch-Österreich und im N. an das stammverwandte skandinavische Dänemark grenzende Land.
(Hierzu die politische Übersichtskarte »Deutsches Reich«.)
Das Deutsche Reich ist durch Verträge zwischen dem ehemaligen Norddeutschen Bund und den süddeutschen Staaten (Nov. und Dez. 1870) und durch Erwerbung der Länder Elsaß und Deutsch-Lothringen im Frieden zu Frankfurt (10. Mai 1871) gebildet und umfaßt alle Länder des ehemaligen Deutschen Bundes, mit Ausnahme von Österreich, Luxemburg, Limburg und Liechtenstein, jedoch mit Einschluß der preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen und Schleswig und des Reichslandes Elsaß-Lothringen (s. Tabelle). Es reicht vom westlichsten Punkte der preußischen Rheinprovinz beim Dorf Isenbruch im Regbez. Aachen, unter 5°52', bis zum östlichsten Ende der Provinz Ostpreußen beim Dorf Schilleningken, unweit Schirwindt an der Scheschuppe, unter 22°53' östl. L. Der südlichste Punkt liegt am Ursprung der Stillach, eines Quellflusses der Iller, in den Algäuer Alpen, unter 47°16', der nördlichste beim Dorf Nimmersatt nördlich von Memel, unter 55°54' nördl. Br. Die Entfernung von Tilsit bis Metz beträgt 1305, von Hadersleben bis Kempten 860, von Swinemünde bis Bautzen 315 und von Trier bis Wunsiedel 400 km. Im N. grenzt D. an die Nordsee, Dänemark und die Ostsee; im O. an Rußland und Österreich (Galizien); im S. an Österreich von der Weichsel bis an den Bodensee und an die Schweiz; im W. an Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande.
In den Größenzahlen der obigen Tabelle sind die Wasserflächen der Hasse und Küstengewässer, die an der Ostsee 4054, an der Nordsee 2654, zusammen 6708 qkm betragen, sowie der Anteil Deutschlands am Bodensee (309 qkm) nicht gerechnet. Vor 1866 umfaßten die Staaten des Deutschen Bundes 630,098 qkm (11,441 QM.). Gegenwärtig nimmt das Deutsche Reich unter den Staaten Europas nach seinem Flächeninhalt die vierte, nach der Zahl seiner Bevölkerung die zweite Stelle ein, da es an Einwohnerzahl nur Rußland, an Umfang außer diesem nur Schweden-Norwegen und Österreich-Ungarn nachsteht.
(Hierzu die »Fluß- und Gebirgskarte«; ferner die »Geologische Karte« und »Karte der nutzbaren Mineralien«, mit Textblatt, bei S. 764.)
Die Oberfläche des Deutschen Reiches zerfällt (nach Pencks auf geologischen Untersuchungen beruhender Darstellung) in folgende sechs Hauptgruppen:
I. Die Deutschen Kalkalpen, welche die Osthälfte des Südrandes umrahmen, sind hier durch die Längstäler der Salzach, des Inn und der Ill von den Zentralalpen, im W. durch das Rheintal von den Schweizeralpen geschieden. Sie teilen sich in die Algäuer Alpen (mit der 2643 m hohen Mädele Gabel) zwischen Bodensee und Lech, einige Gruppen der Nordtiroler Kalkalpen zwischen Lech und Inn, wie das Wettersteingebirge (mit der 2964 m hohen Zugspitze, dem höchsten Gipfel Deutschlands), die Altbayrischen Voralpen und die Berchtesgadener Alpen, einen Teil der Salzburger Gruppe (mit dem 2714 m hohen Watzmann), im O. des Inn.
II. Das Alpenvorland, auch Oberdeutsche oder Schwäbisch-Bayrische Hochebene genannt, reicht nordwärts bis zum Deutschen Jura und Böhmerwald und geht im W. in das schweizerische, im O. in das österreichische Alpenvorland über. Bei einer Länge von 250 und einer Breite von 140 km bedeckt es eine Fläche von etwa 26,000 qkm und hat die Gestalt eines[762] langgedehnten Fünfecks. Der südliche Teil zeigt eine Reihe von Seen und Hochmooren, die durch einen Wall von 80100 m Höhe, den Überrest alter Gletschermoränen, im N. begrenzt werden. Daran schließt sich eine nach N. allmählich abfallende Hochebene. Die nördlichste Landstufe nimmt das Donautal ein, das im obern Laufe zahlreiche Moore, im O. die fruchtbare Ebene von Straubing aufweist. Zwischen Regen und Ilz erhebt sich der Bayrische Wald (Einödriegel 1126 m), von ihm durch einen 16 km breiten Landstreifen getrennt der Böhmerwald (Arber 1457 m), und jenseit der zu 500 m herabsinkenden Pforte von Furth i. W. beginnt der sich bis in die Gegend von Eger hinziehende Oberpfälzer Wald.
III. Das südwestdeutsche Becken wird im N. vom Rheinischen Schiefergebirge, dem hessischen Berglande und dem Thüringer Wald umschlossen, im S. reicht es bis zum Schweizer Jura, im O. zum Deutschen Jura, im W. dringen seine Ausläufer weit nach Frankreich hinein. Das Mittelglied bildet die Oberrheinische Tiefebene, an die sich zu beiden Seiten Stufenlandschaften anschließen. Die Tiefebene, die der Rhein nach Durchbrechung des Schweizer Jura bis Mainz durchfließt, wird von zwei langgedehnten Gebirgszügen eingerahmt. Im W. erheben sich die Vogesen (Sulzer Belchen 1423 m) und jenseit der sogen. Zaberner Steige die Hardt (Kalmit 681 m); die Verbindung mit dem Rheinischen Schiefergebirge stellt dann das Pfälzer Bergland (Donnersberg 687 m) her. Auf dem rechten Rheinufer zieht sich den Vogesen gegenüber der Schwarzwald (Feldberg 1494 m) hin, an den sich jenseit der Kraichgauer Lücke der Odenwald (Katzenbuckel 628 m) anschließt; dieser setzt sich durch den Spessart (Geiersberg 609 m) unmittelbar in das hessische Bergland fort. In der Rheinebene liegt ganz isoliert bei Freiburg der Kaiserstuhl (558 m). Durch die Kraichgauer Lücke steht mit der Oberrheinischen Tiefebene die fränkisch-schwäbische Stufenlandschaft in Verbindung, die ostwärts bis zum Deutschen Jura, im N. bis zur Wasserscheide von Main und Werra, also fast bis zum Thüringer Walde reicht. Auf einen Streifen ebenen Landes, der sich von Unterfranken (Grabfeld) bis zur Nagold im westlichen Württemberg hinzieht und in der Mitte etwa 200300 m hoch ist, folgt eine Reihe von Erhebungen, die am Main als Haßberge, Steigerwald, Frankenhöhe stattlich emporragen, aber auch in Württemberg sich als Ellwanger Forst, Limburger Berge, Schurwald etc. verfolgen lassen. Gegen das Donautal wird diese Landstufe durch den Schwäbisch-Fränkischen Jura (Lemberg 1015 m) abgeschlossen. Er heißt in seinem Hauptteil Rauhe Alb und an der Grenze von Württemberg und Bayern Härtfeld. Der Jura steigt mauerartig an und wird nur von kurzen, steilen Tälern durchschnitten; seine Abdachung ist nach dem Alpenvorland hin eine allmähliche, dagegen der Abfall nach dem Vorlande des Böhmerwaldes um so steiler. Auf der Juraplatte sind die Täler meist trocken und zeigen grubenartige Vertiefungen (Dolinen), dagegen sind die Täler wasserreich, die in die Platte eingeschnitten sind. Jenseit des Nördlinger Rieses in Bayern streicht der Fränkische Jura in nordöstlicher Richtung bis in die Gegend von Regensburg, darauf in nördlicher Richtung bis zur Breite von Nürnberg und endlich in fast nordwestlicher über den Main hinaus bis zur Main-Werrrascheide (Großer Gleichberg 678 m). Eine ähnliche Stufenlandschaft von geringerer Erhebung baut sich im W. der Oberrheinischen Tiefebene auf, es ist die lothringische. Sie beginnt jenseit der Zaberner Steige mit der Lothringer Seenplatte, einer Ebene von 200300 m Höhe. Im W. erheben sich noch mehrere Landstufen, von denen die westlichste, die Lothringer Juraplatte, von der Maas durchströmt wird.
IV. Die mitteldeutsche Gebirgsschwelle erstreckt sich von der Maas bis zur Elbe und beginnt im W. mit dem Rheinischen Schiefergebirge. Dieses hat die Form eines Trapezes und eine Breite von 150 km. Es wird durch den Rhein und dessen Nebenflüsse Lahn und Mosel in vier Teile geschieden; in den beiden südlichen Bergzügen Taunus im O. und Hunsrück im W., deren höchste Gipfel der Feldberg (880 m), bez. der Erbeskopf (816 m) sind, tritt der plateauartige Charakter des Schiefergebirges am wenigsten hervor, um so mehr in den beiden Nordhälften jenseit der Lahn und Mosel. Da erheben sich auf dem linken Rheinufer die Eifel (Hohe Acht 760 w), die sich durch eine Reihe kleiner Vulkankegel und kreisrunder Wasserbecken, der sogen. Maare, auszeichnet, und nordöstlich davon die Schneifel. Auf dem rechten Rheinufer liegt südlich der Sieg das Siebengebirge (464 m), zwischen der Lahn und der obern Steg der Westerwald (657 m), sowie weiter im NO. das Rothaargebirge (696 m) und das Plateau von Winterberg (Kahler Astenberg 827 m). Die beiden letztern sind das Quellgebiet zahlreicher Flüsse, die teils zum Rhein (Lahn, Sieg. Ruhr mit Lenue), teils zur Fulda (Eder) strömen. Nördlich von der Sieg im westfälischen Sauerland liegt die Ebbe, auf der die Wupper entspringt. An das Schiefergebirge schließt sich ostwärts das hessische Berg- und Hügelland an, das sich bis nach Thüringen hin über eine Fläche von 100 km Breite erstreckt. Es wird vom Taunus durch die sogen. Hessische Senke getrennt, die nur in der Wetterau eine fruchtbare Ebene bildet, weiter nach N. aber in ein welliges Hügelland übergeht. Die einzelnen Bergrücken, die sich östlich von dieser Senke zwischen der Kinzig im S. und der mittlern Weser hinziehen, faßt man unter dem Namen des Hessischen Waldgebirges zusammen; dazu gehört der Vogelsberg (Taufstein 772 m) im S., das Knüllgebirge (632 m), der Habichtswald (595 m) bei Kassel, der Hohe Meißner (749 m), der Solling (513 m) an der Weser sowie im äußersten Nordwesten die Egge. Eine eigentümliche Erscheinung innerhalb des ganzen deutschen Mittelgebirges bietet im O. des Vogelsberges die Rhön dar, die im O. aus langgedehnten plateauartigen Rücken (hier Wasserkuppe 950 m), im NW. aus einzelnen kegelförmigen Bergkuppen besteht. Eine dritte Gruppe innerhalb der mitteldeutschen Gebirgsschwelle bildet Thüringen. Im SO. wird die Verbindung mit dem böhmischen Massiv durch das Fichtelgebirge hergestellt. Dieses wird allerdings nicht mehr als Mittelpunkt des deutschen Gebirgssystems betrachtet, nimmt aber in hydrographischer Beziehung als Quellgebiet von Nab, Main, Saale und Eger eine zentrale Stellung ein. Es besteht aus fünf gewölbartigen Bergrücken (Schneeberg 1053 m), fällt steil nach SW., aber sanft nach N. ab und findet in nordwestlicher Richtung eine Fortsetzung im Frankenwald (Kieferle 868 m), dessen Abdachung nach NO. (zur Leipziger Bucht) gleichfalls eine allmähliche ist. Erst wo sich im O. ein Steilabfall des Gebirges zeigt, beginnt das Hauptgebirge Thüringens, der Thüringer Wald. Dieser besteht aus einem nordwestlich streichenden schmalen Hauptkamm von 800900 m Höhe mit mehreren niedrigen Gipfeln (Beerberg 983 m, Inselsberg 914 m), eingesenkten Pässen und einigen[763] Seitenkämmen. Der Hauptkamm bricht an der Werra plötzlich mit 500 m Höhe ab. Nördlich davon dehnt sich zwischen Werra und Saale die 100300 m hohe Thüringer Platte aus, deren Steilabsturz verschiedene Namen führt, wie oberes Eichsfeld, Dün, Hainleite, Schmücke, Hainich etc. Isoliert liegt im N. der 466 m hohe Kyffhäuser. Diese Platte bildet den Übergang zum Harz, der bei einer Länge von 100 km und einer Breite von 30 km einen völlig plateauartigen Charakter zeigt; er erscheint als eine im W. 600 m (Oberharz), im O. 400 m (Unterharz) hohe Platte, aus welcher der Brocken zu 1142 m Höhe emporsteigt. Die nördlich vom Harz und dem hessischen Berglande liegenden Bodenerhebungen faßt man unter dem Namen des subhercynischen Hügellandes zusammen. Dieses besteht aus dem nördlichen Harzvorland, das sich nach N. abdacht und im Regenstein bei Blankenburg eine bemerkenswerte Höhe besitzt, aus dem ostfälischen Hügelland, auf dem sich Hils, Ith und Deister zwischen Leine und Weser erheben, und dem Weserberglande, das vom Rheinischen Schiefergebirge durch die breite Bucht von Münster getrennt ist. Das Weserbergland enthält vornehmlich zwei parallele Bergzüge, im N. das Weser- und das Wiehengebirge, welche die Weser in der Westfälischen Pforte durchschneidet und voneinander trennt, und im W. den in nordwestlicher Richtung verlaufenden Teutoburger Wald (Völmerstod 464 m).
V. Die nördliche Umwallung Böhmens. Das böhmische Landbecken hat die Gestalt eines schräg gestellten Vierecks, das drei seiner Seiten dem Deutschen Reiche zukehrt. Während an der Südwestseite der Böhmerwald eine Abgrenzung gegen das deutsche Alpenvorland bildet, dehnt sich an der Nordwestflanke das sächsische Erzgebirge, an der Nordostflanke, von letzterm durch das niedrigere Lausitzer Bergland getrennt, der lange Zug der Sudeten aus. Das Erzgebirge (Keilberg in Böhmen 1238 m, Fichtelberg in Sachsen 1204 m) erscheint als eine dachförmige Erhebung, die nach S. gegen das Egertal steil abfällt, sich aber nach N. sanft verflacht und hier den Eindruck einer Hochebene macht, die nur von einzelnen niedrigen Kuppen überragt wird. Vorgelagert ist im W. das Vogtländer oder Elsterbergland, im N. das sächsische Mittelgebirge, das sich bis zur Elbe hinzieht. Zwischen das Erzgebirge und die Lausitzer Platte schiebt sich zu beiden Seiten der Elbe eine schräge, nach NW. sich allmählich senkende Platte ein, durch die sich der Fluß ein tiefes Bett ausgewaschen hat, es ist das Elbsandsteingebirge (oder die Sächsische Schweiz), dessen höchster Gipfel, der Große Schneeberg (723 m), schon in Böhmen liegt. Das Gebirge macht wegen seiner engen, steilrändigen Täler und kühnen Felsbildungen einen äußerst malerischen Eindruck. Denselben Charakter trägt auch das meist schon auf böhmischem Gebiet liegende Lausitzer Gebirge (Lausche 791 m). Nördlich von diesem dehnt sich zwischen Elbe und Neiße das Lausitzer Bergland aus, das in einzelnen Gipfeln bis zu 600 m ansteigt und sich nach N. allmählich verflacht. Im O. der Lausitzer Platte bildet in der Umwallung Böhmens die sogen. Lausitzer Bucht, die. von der Neiße durchflossen wird, einen Einschnitt. Östlich davon beginnen die Sudeten, ein aus einzelnen parallelen Kämmen zusammengesetztes Rückengebirge mit beckenartigen Einsenkungen. Ihr westlicher Teil umfaßt das Isergebirge (schon in Böhmen), den Hohen Iserkamm (Hinterberg 1126 m, Tafelfichte 1122 m) nördlich davon und das aus zwei parallelen Kämmen bestehende Riesengebirge. In dem nördlichen preußischen Kamm erheben sich die höchsten Gipfel, im W. das Hohe Rad (1509 m), im O. die Schneekoppe (1603 m). In dem Längstal zwischen jenem und dem südlichen, böhmischen Kamm entspringt die Elbe. Während sich das Riesengebirge nach Böhmen hin allmählich abdacht, fällt es nordwärts steil zum Kessel von Hirschberg ab. Der mittlere Teil der Sudeten, der von der militärisch wichtigen Pforte von Landeshut bis zum Paß von Mittelwalde reicht, besteht aus dem Eulengebirge (Hohe Eule 1014 m) und dem damit parallel streichenden Adlergebirge (Böhmische Kämme). Zwischen den beiden erhebt sich das Plateau der Heuscheuer (919 m), das sich jenseit des Passes von Reinerz als Habelschwerdter Gebirge fortsetzt. Dem Westrande der Heuscheuer ist da, wo sich auf böhmischem Boden die sonderbaren Felsformationen von Adersbach und Wekelsdorf zeigen, in Schlesien das kohlenreiche Waldenburger Gebirge (Heidelberg 936 m) vorgelagert. Der östliche Teil der Sudeten trägt nicht mehr den Charakter des Rückengebirges, sondern zeigt breite Erhebungen. Östlich vom Neißetal erhebt sich das Glatzer Schneegebirge (Glatzer Schneeberg 1425 m), nordöstlich davon der Reichensteiner Kamm; beide finden ihre Fortsetzung auf österreichischem Gebiet im Zuge des Altvaters (1430 m), an den sich weiter östlich ein 500700 m hohes Plateau, das Gesenke, anschließt, das gleichfalls außerhalb der deutschen Grenzen liegt.
VI. Das norddeutsche Flachland dehnt sich zwischen dem deutschen Mittelgebirge und den Küsten der Nord- und Ostsee in nach O. beträchtlich zunehmender Breite aus und bietet als eine nur selten durch Hügel unterbrochene Ebene geringe Abwechselung dar, zumal da nur selten verschiedene Formen der Bodenbekleidung einander nahe gerückt sind. Denn im östlichen Flachlande tritt das Ackerland in fast unermeßlicher Ausdehnung auf, während die sandigen Erhebungen meist mit Wald bestanden sind; im W. bedecken anderseits Moore oder Heideland weite Flächen. Im einzelnen lassen sich im östlichen Flachland mehrere in nordsüdlicher Richtung aufeinander folgende Zonen unterscheiden: Die Küsten der Ostsee steigen allmählich zu einer über 100m hohen Schwelle an, die sich von der Jütischen Halbinsel bis nach Ostpreußen erstreckt und wegen ihres Reichtums an Seen die Baltische Seenplatte genannt wird. In Holstein, wo sie als schmale Hochfläche auftritt, liegen ihre größten Höhen (Bungsberg 168 m) nach der Ostsee hin, die in mehreren Buchten (Föhrden) tief ins Land eindringt. Jenseit der Eider, in Holstein, macht die Platte eine Schwenkung nach O. und ist mit Seen bedeckt. Eine tiefe Einsenkung, die im N. in die Lübecker Bucht übergeht, trennt sie von der Mecklenburgischen Platte, die zahlreiche große und ziemlich tiefe Seen aufweist (s. unten); ihr höchster Gipfel ist der Ruhner Berg (178 m). Auch auf ihr ist die Abdachung und Entwässerung nach außen, also nach der Elbe zu gerichtet, während der Ostsee nur wenige Wasseradern zuströmen. Im O. wird die Platte vom Odertal durchbrochen, nimmt aber in Pommern und Westpreußen an Breite und Höhe (Turmberg 331 m) zu und verfolgt eine nordöstliche Richtung. Durch das breite Weichseldelta ist von ihr die Preußische Seenplatte getrennt, die sich allmählich von der Ostsee entfernt und sich bis zum Niemen in Rußland fortsetzt. Auf ihr zeigen sich noch beträchtliche Erhebungen (im W. die Kernsdorfer Höhe 313 m, im O. die Seesker Höhen 309 m) sowie in Ostpreußen eine Unzahl von Seen (s. unten). Von der Ostsee wird diese Platte[764] durch eine Vorstufe getrennt, die bei Elbing und im Samland anmutige Hügel trägt.
Im S. der Seenplatte ziehen sich mehrere Talzüge hin, die in westlicher Richtung konvergieren; sie haben teils den ostdeutschen Flüssen auf einer Strecke ihres Laufes als Bett gedient, teils sind sie zu Kanalverbindungen unter diesen benutzt worden. Der nördliche Talzug beginnt an der Weichsel bei Thorn und folgt dem Laufe der Netze und untern Warthe bis zum Odertal, das er bis Oderberg begleitet, um sich dann zur Elbe zu wenden, die er bei Wittenberge erreicht. Der mittlere schließt sich in Polen an das Tal des Narew an, folgt dem Laufe der Weichsel und Bzura, begleitet den mittlern, westwärts gerichteten Lauf der Warthe, wendet sich zur Oder und untern Spree und trifft mit dem nördlichen Zug im Elbtal zusammen. Der dritte, südliche Zug beginnt in Rußland bei den Rokitnosümpfen, folgt der Piliza, zieht sich in Schlesien längs der oberschlesisch-polnischen Platte hin, überschreitet die Oder bei Glogau und geht in westlicher Richtung zur Elbe. Diese drei großen Längstäler werden vielfach durch die Flüsse, welche die zwischen jenen liegenden höhern Flächen durchfurchen, miteinander verbunden, wodurch in einzelnen Landschaften, wie in der Mark Brandenburg, ein reichgegliedertes Talnetz entsteht. Am Südrande dieser Zone zieht sich von der Oberschlesischen Platte nach NW. eine Reihe von Grenzrücken hin, die rechts der Oder in Oberschlesien als Trebnitzer Berge (Weinberg 311 m) und zwischen Oder und Bober bei Glogau als Katzenberge (200 m) auftreten. Daran schließen sich im W. die Niederlausitzer Hügel (Rückenberg bei Sorau 229 w) an und jenseit der Senke des Spreewaldes der Fläming, der bei Belzig zu 201 m ansteigt. Zwischen Elbe und Aller dehnt sich dann in einer Breite von 70 km bei 270 km Länge die Lüneburger Heide aus, deren höchste Erhebung 171 m Höhe erreicht.
Weiter im W. kommt zwischen der Nordsee und den Ausläufern des subhercynischen Hügellandes der Charakter der Ebene am vollständigsten zur Geltung. Weite Strecken sind mit Mooren bedeckt, unter denen die größten das Hochmoor von Ostfriesland (700 qkm), das Arembergische Moor (1600 qkm) und das Bourtanger Moor (1300 qkm) sind. Zwischen den Sümpfen ziehen die Flüsse regellos dahin, nur die Weser und Ems durchschneiden diese durchfeuchtete Ebene zwischen trocknen Ufern, die sich aus langen Dünenreihen aufbauen. Die trocknen sandigen Flächen in der Moorlandschaft sind mit Heidekraut bedeckt, während Wald nur selten auftritt.
Über die geologische Beschaffenheit Deutschlands und die Lagerstätten nutzbarer Mineralien vgl. die Textbeilage zu den beifolgenden Karten; Literatur S. 799.
(Vgl. die »Fluß- und Gebirgskarte«, S. 761.)
D. grenzt an zwei Meere, die Nordsee und die Ostsee. An der Nordsee, die D. in einer Länge von 300 km (davon kommen 160 auf Schleswig-Holstein, 4 auf Hamburg, 44 auf Oldenburg und 90 auf Hannover) bespült, ist zwischen der Festlandsküste und einem äußern Küstensaum zu unterscheiden; der letztere besteht aus einer Reihe von Inseln, die das 816 km breite Wattenmeer seewärts abgrenzen. Von diesen Inseln gehören Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog zur Provinz Hannover, Wangeroog zu Oldenburg, Neuwerk zu Hamburg, Amrum, Sylt und Röm sowie zahlreiche Inseln im Wattenmeer (Föhr, Pellworm, Nordstrand und die Halligen) zu Schleswig-Holstein. Unter den Busen der Nordsee sind der Dollart, der Jadebusen und die busenartig erweiterten Mündungen der Weser, Elbe und Eider zu merken. Die wichtigsten Leuchttürme an der Nordsee sind auf Sylt, auf Amrum, an der Mündung der Eider, auf Neuwerk, vor Bremerhaven (2), Wangeroog, Norderney und Borkum. Die Tiefe am äußern Eingang zur Elbe und Weser beträgt etwa 20, zur Jade 1015, zur Osterems 23 und zur Westerems 34 m. Die deutsche Küste an der Ostsee ist 1365 km lang; davon kommen 442 auf die Provinzen Ost- und Westpreußen, 427 auf Pommern, 105 auf Mecklenburg, 15 auf Lübeck und Oldenburg und 375 km auf Schleswig-Holstein. Von ganz besonderm Reiz ist die schleswig-holsteinische Ostseeküste. Steilküsten und tiefe, schmal und weit in das Land eindringende Busen (Föhrden) verleihen der oft bewaldeten Uferlandschaft eine hohe Anmut, und die Dünen fehlen hier fast gänzlich. Die wichtigsten Busen an diesem Teil der Küste sind die von Hadersleben, Apenrade, Flensburg, die Schlei, sowie die von Eckernförde und Kiel. Letztere sowie der Flensburger Busen geben die ausgezeichnetsten Häfen ab. Zwei größere Inseln liegen an dieser Küste: Alsen, durch den an seiner schmälsten Stelle nur 250 m breiten Alsensund, und Fehmarn, durch den nur 3 m tiefen Fehmarnschen Sund vom Festland getrennt. Zwischen den Inseln Fehmarn und Rügen dringt die Lübecker Bucht tief in das Land hinein und teilt sich im Hintergrunde durch die Halbinsel Klützerort in das Lübsche Fahrwasser und in den Busen von Wismar, in dem die Insel Pöl liegt; an der holsteinischen Seite ist hier noch die Neustädter Bucht zu erwähnen. An der pommerschen Küste bildet die Pommersche Bucht an der Mündung der Swine einen nicht unbedeutenden Einschnitt in das Land. Im W. derselben liegt die Insel Rügen, deren Küste ebenso wie die des nahen Festlandes von den Meeresfluten außerordentlich zerrissen ist. Da sind die Tromper Wiek an der Nordseite, die Prorer Wiek an der Ostseite von Rügen; sodann zwischen Rügen und dem Festland eine Reihe von Gewässern (der Greifswalder Bodden mit dem Rügenschen Bodden und der Dänischen Wiek, dem Strelasund, auch schlechthin Bodden genannt, und die Prohner Wiek mit dem Kubitzer Bodden), in die von O. das Landtief, von NW. zwischen Hiddensee und dem Festlande das Tief von Barhöft hinein führen. Andre Gewässer befinden sich im Innern von Rügen, darunter der Große Jasmunder Bodden; noch andre trennen die Insel Zingst und die Halbinsel Darß vom Festlande (der Grabow, der Barther, Bodstedter und Saaler Bodden). Von der Mündung der Swine bis zur Landspitze Rixhöft ist die Küste der Ostsee sehr einförmig; darauf schneidet sie zwischen dieser Landspitze und der von Brüsterort als Danziger Bucht tief in das Land ein. Durch die Halbinsel Hela wird ein Teil derselben als Putziger Wiek abgetrennt. Aber auch hier ist die Küste, wie weiter nördlich bis zur russischen Grenze, meist einförmig. Die Dünenbildung ist von der Swine an vorherrschend; sie entwickelt sich aber am großartigsten auf den Nehrungen, besonders auf der Kurischen. Die Tiefe am Eingang zum Busen von Flensburg beträgt 2328, zu dem von Kiel 12, zur Trave 5, zur Swine 8, zur Persante 4,6, Stolpe 4, zur Weichsel bei Neufahrwasser 5,4, zum Pillauer Tief 4,4 und zum Memeler Tief 6 m. Eigentümlich ist der deutschen Ostseeküste die Haffbildung. Die Hasse sind große Süßwasserseen von nicht erheblicher Tiefe und[765] Mündungsseen von Strömen und werden von der See nur durch schmale Landstriche getrennt: das Kurische Haff durch die Kurische Nehrung, das Frische Haff durch die Frische Nehrung und das Pommersche Haff durch die Inseln Usedom und Wollin. Unter den mit Leuchttürmen versehenen Landspitzen an der Ostsee treten besonders hervor: Kekenishöi auf Alsen, Bülkerhuk am Kieler Busen, Puttgarden auf Fehmarn, Arkona auf Rügen, Rixhöft und Hela in Westpreußen und Brüsterort in Ostpreußen.
[Flüsse.] Unter den 150 Flüssen des Reiches sind 7 Ströme, von denen die Memel, Weichsel und Oder zur Ostsee, die Elbe, Weser und der Rhein zur Nordsee, die Donau zum Schwarzen Meer fließen. Die Weser allein gehört ganz zu D.; Memel, Weichsel, Oder und Elbe haben ihren Ursprung außerhalb; der Rhein entspringt im Ausland und mündet im Ausland; die Donau nimmt in D. ihren Ursprung und mündet außerhalb. Wichtige Küstenflüsse sind im Gebiete der Ostsee: der Pregel, die Warnow und Trave; im Gebiete der Nordsee: die Eider und Ems. Die Memel (poln. Niemen, 788 km lang, davon nur 112 in D.) entspringt in Rußland, tritt als ein schiffbarer Fluß bei Schmalleningken ins preußische Gebiet, nimmt rechts die Jura und links die Scheschuppe auf und teilt sich in der Tilsiter Niederung in zwei Hauptarme, Ruß und Gilge, die, wiederum mehrfach verzweigt, in das Kurische Haff münden. In letzteres fließen ferner noch die Minge und Dange nördlich und der Nemonien südlich von den Memelarmen. Der schiffbare Pregel (126 km lang) entsteht durch die Vereinigung der Inster, Pissa und Angerapp, verstärkt sich links durch die schiffbare Alle, entsendet rechts die Deime zum Kurischen Haff und ergießt sich in das Frische Haff, in das ferner bis zur Nogatmündung noch die Passarge und der Elbing fließen. Die Weichsel (1050 km lang, 45 auf der Grenze von Oberschlesien, 239 in Preußen) wird bereits an der Grenze von Oberschlesien, wo sie die Přemsza aufnimmt, schiffbar und tritt als bedeutender Strom bei Ottlotschin in das Reich ein, wo sie links die Brahe (in Posen), das Schwarzwasser, die Ferse und Mottlau nebst der Radaune, rechts die Drewenz, Ossa und Liebe aufnimmt. An der Montauer Spitze teilt sie sich in die Weichsel und Nogat und am Danziger Haupt in die Danziger und Elbinger Weichsel. Die Nogat und die im Sommer wasserleere Elbinger Weichsel münden ins Frische Haff, während sich die Danziger Weichsel in zwei Armen bei Neufähr und Neufahrwasser in die Ostsee ergießt. Zwischen Weichsel und Oder sind zahlreiche Küstenflüsse (Rheda, Leba, Stolpe, Wipper, Persante, Rega) vorhanden, die alle auf der Pommerschen Platte entspringen. Die Oder (905 km lang, 769 km schiffbar, davon 741 in D.) ist überwiegend ein deutscher Fluß; sie durchfließt die Provinzen Schlesien, Brandenburg und Pommern, wird bei Ratibor schiffbar, bildet in Pommern das Pommersche Haff und fließt aus diesem in drei Armen (Peene, Swine und Dievenow) zur Ostsee. Ihre wichtigsten Zuflüsse sind rechts: die Klodnitz, Malapane, Weida, Bartsch, Warthe (712 km lang, 368 km in D. schiffbar) nebst Netze und die Ihna; links: die Oppa, Glatzer Neiße, Weistritz, Katzbach, der Bober nebst Queis, die Lausitzer Neiße, die Uker und Peene. Unter den Küstenflüssen zwischen Oder und Elbe sind die Recknitz, Warnow (128 km lang, 37 km schiffbar), Trave, Schwentine und Eider (188 km lang, 140 km schiffbar), von denen die letztere bereits zur Nordsee geht, die bedeutendsten. Die Elbe (1165 km lang, 866 km schiffbar, davon 742 in D.) tritt im Elbsandsteingebirge oberhalb Schandau aus Böhmen nach D. über, durchfließt das Königreich Sachsen, die Provinz Sachsen nebst Anhalt, berührt Brandenburg, Hannover, Mecklenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein und mündet in der Breite von 15 km bei Kuxhaven in die Nordsee. In D. empfängt sie rechts: die Schwarze Elster, die Havel mit Rhin, Dosse und Spree, die Elde und Stör, links: die Mulde, Saale (mit Weißer Elster, Ilm, Unstrut und Bode), Ohre, Jeeze, Ilmenau, Este, Schwinge, Oste und Medem. Die Weser (451 km lang und schiffbar) entsteht bei Münden aus der Werra (mit Hörsel) und Fulda (mit Eder); sie fließt meist durch preußische Lindesteile, berührt aber auch braunschweigisches, bremisches und oldenburgisches Gebiet, nimmt rechts die Aller (mit Oker und Leine), Lesum und Geeste, links die Diemel, Werre und Hunte auf und mündet unterhalb Bremerhaven, 12 km breit, in die Nordsee. Die Ems (330 km lang, 224 km schiffbar), in Westfalen und Hannover, empfängt rechts die Haase und die Leda, bildet den Dollart und mündet in zwei Armen (Oster- und Westerems) zu beiden Seiten der Insel Borkum in die Nordsee. Der Rhein (1225 km lang, 886 km schiffbar, davon 721 in D.) wird erst unterhalb des Bodensees ein deutscher oder vielmehr bis Basel ein halbdeutscher Fluß, insofern er hier die Grenze zwischen D. und der Schweiz bildet. Von Basel bis Mainz durchströmt er die Oberrheinische Tiefebene. Bei Bingen tritt er in das Gebiet des Schiefergebirges ein, das er am Fuße des Siebengebirges oberhalb Bonn verläßt, um von nun an seinen Unterlauf zu beginnen. Unterhalb Emmerich verläßt er D. Unter den Nebenflüssen des Rheins auf der rechten Seite sind die bemerkenswertesten: die Kinzig, Murg, der Neckar (397 km lang, 188 km schiffbar) mit Enz, Kocher und Jagst, der Main (495 km lang, 390 km schiffbar) mit Regnitz, Tauber, Fränkischer Saale, Kinzig und Nidda, die Lahn, Sieg, Wupper, Ruhr, Emscher und Lippe; auf der linken: die Ill, Nahe, Mosel (505 km lang, 344 km schiffbar, mit Sauer und Saar), Ahr und Erst. Zur Maas in den Niederlanden fließen die Roer und Niers, ebendaselbst zur Neuen Yssel die Berkel und zum Zuidersee die Vechte. Die Donau durchströmt in östlicher Hauptrichtung die süddeutsche Hochebene und liegt bei Passau noch 287 m ü. M. Sie ist 2860 km lang, 2574 km schiffbar, davon 356 in D. Die wichtigsten Nebenflüsse der Donau während ihres Laufes durch D. sind auf der rechten Stromseite: die Iller, der Lech, die Isar, der Inn (510 km lang, 226 km in D.), die sämtlich in den Alpen entspringen und auf der Schwäbisch-Bayrischen Hochebene in die Donau fließen. Die wichtigsten Nebenflüsse der Donau auf der linken Seite in D. sind: die Wörnitz, Altmühl, Nab und der Regen.
[Landseen.] Nach den nordischen Reichen Schweden und Norwegen und Rußland ist kein Land Europas reicher an Landseen als D. Es hat zwei Zonen, die durch eine Reihe von Seen ausgezeichnet sind, im S. und im N. Die südliche Seezone zieht sich längs des Nordfußes der Alpen hin (s. oben). Man zählt im südlichen Bayern gegen 70 Seen. Der größte aller deutschen Seen ist der Bodensee, der schönste der Königssee bei Berchtesgaden. Zu den größern der Bayrischen Hochebene und der dahinterliegenden Bayrischen Alpen gehören noch der Walchen-, Kochel-, Ammer-, Staffel-, Würm- (Starnberger), Tegern-, Schlier- und Chiemsee. Die nördliche Seezone umgibt die Ostsee auf ihrer ganzen Ausdehnung von [766] Schleswig bis zur äußersten Ostgrenze gegen Polen und enthält eine außerordentliche Zahl von Seen (die beiden Mecklenburg allein zählen 223). Die wichtigsten Seen westlich von der Oder sind: der Plöner und Selenter See in Schleswig-Holstein, die Müritz und der Schweriner See in Mecklenburg, die Ukerseen in Brandenburg; zwischen Oder und Weichsel: der Drazigsee auf dem Landrücken, die Madüe am Fuße desselben und unter den Strandseen der Lebasee, alle drei in Pommern, der Wdzydzesee in Westpreußen und der Goplosee an der obern Netze in Posen; endlich im O. von der Weichsel: der Geserichsee auf der Grenze von West- und Ostpreußen, der Mauer-, Löwentin- und Spirdingsee im ostpreußischen Masurenland. Außerdem sind noch zu bemerken: der Süße See bei Eisleben in der Provinz Sachsen, das Steinhuder Meer östlich und der Dümmersee westlich von der Weser im Flachlande der Provinz Hannover und der Laacher See in der Rheinprovinz.
[Kanäle.] Unter den Kanälen haben eine allgemeine Wichtigkeit: die Verbindung zwischen Memel und Pregel (Gilge, Seckenburger Kanal, Großer Friedrichsgraben und Deime); der Elbing-Oberländische Kanal zwischen den Seen auf der Grenze von Ost- und Westpreußen wegen seiner geneigten Ebenen; der Bromberger Kanal (27 km) zwischen Brahe und Netze, Verbindungsglied zwischen Weichsel- und Odergebiet; der Müllroser oder Friedrich-Wilhelmskanal (27 km) und der Oder-Spreekanal (100,6 km) zwischen Oder und Spree und der Finowkanal (69,5 km) zwischen Oder und Havel, alle drei eine Verbindung zwischen dem Oder- und Elbgebiet vermittelnd; der Elbe-Travekanal (67,6 km) von Lauenburg nach Lübeck; der Alte und der Neue Plauesche Kanal (bez. 34,6 u. 30 km) zwischen Havel und Elbe; der Eiderkanal (32 km) zwischen Ostsee und Eider (Nordsee) und der Kaiser Wilhelm-Kanal (98,6 km) von der Kieler Bucht zur Elbmündung; der Dortmund-Emskanal (272 km) von Dortmund über Münster zur Ems; der Ludwigskanal (172 km) zwischen Regnitz und Altmühl (Main und Donau) verbindet Rhein- und Donaugebiet; der Rhein-Rhone- (323 km, davon 132 in D.) und der Rhein-Marue-Kanal (315 km, davon 108 in D.) in Elsaß-Lothringen mit Fortsetzungen weit nach Frankreich hinein. Eine Kanalverbindung zwischen Rhein, Weser und Elbe (Mittellandkanal) ist geplant. Vgl. die Karte »Deutschlands Schiffahrtsstraßen« beim Art. »Kanal«.
Sümpfe, Moore und Brücher gibt es besonders auf der Schwäbisch-Bayrischen Hochebene: Erdinger und Dachauer Moos östlich und westlich von der Isar, Donauried und Donaumoos an der Donau zwischen Ulm und Donauwörth und bei Ingolstadt; sodann in den nördlichen Küstenländern, hier vorzüglich als Hochmoore auf der Grenze der Marsch und Geest in Hannover, Oldenburg und Schleswig-Holstein, aber auch weit landeinwärts zu beiden Seiten der Ems, Hunte und Weser (das Bourtanger Moor auf der Grenze gegen die Niederlande); ferner in der Nähe der Ostsee die Moore in Hinterpommern, namentlich am Haff und am Lebasee, und in Ostreußen am Kurischen Haff zwischen Deime und Ruß. Weiter im Innern gibt es große Moorstrecken noch in Posen (Netze- und Obrabruch), Brandenburg (Havelländisches und Rhinluch, Warthebruch, Spreewald), in der Provinz Sachsen (Drömling an der Aller und Ohre), Westfalen etc. Einige von diesen Mooren erscheinen als unkultivierbar, wie das große Moorbruch in Ostpreußen, andre aber gehen durch Anlage von Kanälen einer Kultur entgegen, besonders in Hannover, wo bereits seit längerer Zeit blühende Moor- (bei Bremen) und Fehnkolonien (in Ostfriesland) bestehen.
[Mineralquellen.] Von den zahlreichen Mineralquellen Deutschlands gehören viele zu den heilkräftigsten Europas. Die an Mineralquellen reichsten Gegenden Deutschlands sind: der Schwarzwald, das Niederrheinische Schiefergebirge, das Wesergebirge, die Sudeten, das Riesengebirge. Ungemein groß ist die Zahl der kohlensäurereichen Quellen des Niederrheinischen Gebirges, von denen die berühmtesten Selters und Geilnau diesseits, Tönnisstein in der Nähe des Laacher Sees jenseits liegen; aber es erstreckt sich dieser Kohlensäurereichtum noch weit nordostwärts bis ins Gebiet der untern Weser; dort sind die Stahlquellen von Driburg, Pyrmont, Rehburg und die mit 697 m Tiefe erbohrte warme Solquelle von Rehme (Oeynhausen) zu bemerken, zu denen am Südostfuß des Rheinischen Schiefergebirges der warme Sprudel von Nauheim hinzukommt. Wie die Kohlensäureexhalation, so steht wohl auch der Reichtum an Thermen im Gebiete des Niederrheinischen Gebirges in Verbindung mit der frühern vulkanischen Tätigkeit in den Rheingegenden. Wiesbaden, Schlangenbad, Ems, Bertrich, die Quellen im Ahrtal, die Schwefelquellen von Aachen und Burtscheid gehören zu den besuchtesten des Reiches. Auch der Schwarzwald besitzt in Baden-Baden, Wildbad und dem lange verschollenen Römerbad Badenweiler berühmte Thermen; ebenso haben Sudeten und Riesengebirge (Warmbrunn) ihre Thermen. Über ganz D. sind Solquellen (Kreuznach u. v. a.), Eisensäuerlinge (Langenschwalbach, Pyrmont, Wildungen), Schwefelquellen u. a. zerstreut, aber keine davon ist so besucht und verschickt so viel Wässer wie Kissingen. Unter den Seebädern sind die wichtigsten an der Nordsee: Helgoland, Borkum, Norderney, Wangeroog, Wyck auf Föhr und Westerland auf Sylt; an der Ostsee: Borby bei Eckernförde, Kiel, Travemünde, Warnemünde, Saßnitz, Binz, Göhren, Putbus, Zinnowitz, Heringsdorf, Ahlbeck, Swinemünde, Misdroy, Kolberg, Zoppot, Kahlberg, Pillau, Kranz, Neukuhren und Schwarzort. Vgl. »Deutschlands Heilquellen und Bäder« (hrsg. vom kaiserlichen Gesundheitsamt, Berl. 1900), weitere Werke s. Balneologie.
(Hierzu die »Klimakarte von Deutschland«, mit Textblatt.)
Über das Klima Deutschlands vgl. die besondere Textbeilage zur beifolgenden Karte.
[Pflanzenwelt.] D. bildet einen Abschnitt der mitteleuropäischen Waldzone, seine Pflanzendecke setzt sich aus der baltischen und der alpinen Flora zusammen. Erstere beherrscht das norddeutsche Tiefland südwärts bis zu einer durch Schlesien und Sachsen verlaufenden, dann um den Harz sich erhebenden und am Nordrande des Rheinischen Schiefergebirges endenden Linie, die ungefähr mit der nördlichen Verbreitungsgrenze der Edeltanne zusammenfällt. Die Alpenflora greift von der Schweiz, Tirol und Salzburg aus auf die deutschen Kalkalpen im Algäu und in Südbayern über und sendet von hier Ausstrahlungen längs der Alpenflüsse auch in die Donauhochebene aus. Eine zweite alpine Vegetationsinsel, die Sudeten, zeichnet sich durch den Besitz einiger arktischer, in den Alpen fehlender Pflanzenarten aus. Auch auf einige Hochgipfel des übrigen deutschen Mittelgebirges sind Alpenpflanzen übergegangen. Das zwischen der Edeltannengrenze und dem alpinen Gebiet Südbayerns eingeschlossene Gebiet trägt vorwiegend[767] eine Hügel- und Bergwaldflora (Hercynische Flora), deren Charakter in den tiefern Lagen mehr baltisch, in den höhern Bezirken subalpin oder alpin ist. Im mittlern Deutschland herrscht die Niederungsflora bis etwa 150 m, darüber folgt zwischen 150 bis 500 m die der Hügelzone und zwischen 5001100 m die der Bergwaldregion; über letzterer breitet sich bis 1300 m ein Gesträuchgürtel und über diesem bis 1600 m die alpine Region aus; in den deutschen Alpen beginnt letztere dagegen erst bei 1700 m. Die Zahl der aus der Schweiz und Österreich auf die Bayrischen Alpen übertretenden Hochgebirgsarten beträgt etwa ein Drittel der in dem Hauptalpenzug einheimischen. Die Strauchregion besitzt meist ausgedehnte Bestände von Legföhren, Alpenrosen, Grünerlen und Zwergweiden, seltener sind Zwergwacholder und Savestrauch. In den Bergwäldern um Garmisch und Berchtesgaden wachsen auch Zirbelkiefern. Die Fichte bildet den Hauptbestandteil der obersten Bergwälder und erhebt sich bis 1820 m, während die Lärche bis 1900 m aufsteigt. Zahlreiche alpine und baltische Holz- und Krautpflanzen begleiten den Bergwald, mit dem Bergmatten und polster- oder teppichbildende Felspflanzenbestände abwechseln. Im Bergwalde der deutschen Mittelgebirge bilden den obersten Gürtel bis zur Baumgrenze Fichtenwälder, deren Boden in der Regel von niedrigem Vaccinium-Gebüsch bedeckt wird; an den Waldbächen und Quellrinnsalen, oberhalb 800 m, wachsen höhere Stauden, wie Eisenhut, Ranunculus aconitifolius, Mulgedium, Senecio Fuchsii u. a. Kurzhalmige, süße Gräser setzen das Grundgewebe der Bergwiesen zusammen, die nicht selten durch Reichtum von Orchideen sich auszeichnen. Die aus Riedgräsern oder Torfmoosen entstehenden Hochmoore werden häufig von sumpfliebenden Sträuchern, wie Ledum, Zwergkiefern, Sumpfbirken u. a., überwuchert. Felsspalten und Geröllhalden, auch die Bergheiden mit Calluna, Empetrum u. a. beherbergen einzelne Alpenflüchtlinge. Weiter am Gebirge abwärts nuschen sich Edeltannen und einzelne Laubholza