Presse [1]

[283] Presse, mechanische Vorrichtung zur Ausübung eines Druckes mit der Wirkung des Pressens (s. d.). Den hierbei zu erzielenden verschiedenen Verwendungszwecken entsprechen die Bezeichnungen, z. B. Pack-, Heu-, Garn-, Wein-, Öl-, Filter-, Zieh-, Schmiede-, Buchdruck-, Beschneid-, Karten-, Kopierpresse etc.

Nach den Mitteln zur Hervorbringung und Fortpflanzung der Preßkraft unterscheidet man: Hebel-, Exzenter-, Keil-, Schrauben-, Walzen- und Kolbenpressen und einzeln vorkommende Verbindungen: doppelte, Kniehebel-, Hebelschrauben-, Keilschraubenpressen. Nach den Antriebsmitteln bezeichnet man die Pressen als Hand- und Maschinenpressen, ferner hydraulische, Druckluft-, Dampf- (direkt oder mittels Transmission) Pressen. Das Preßgerüst der Pressen besteht aus dem Preßhelm zur Aufnahme des Preßorgans (z. B. Schraube), dem Widerlager, gegen welches das Preßgut gedrückt wird, und der Distanzhaltung, die Helm und Widerlager rahmenartig verbindet. Mitunter wird der Helm selbst bewegt, und ein Preßschraubenpaar besorgt zugleich Distanzhaltung. Gewöhnlich befindet sich das Preß gut zwischen zwei Preßplatten, wovon die eine fest auf dem Widerlager, die andre beweglich zwischen dem Preßrahmen angebracht ist. Zusammenhangslose Substanzen (Weinbeeren, Ölsamen, Schlamm u. dgl.) werden in Preßtücher eingeschlagen, in Preßsäcke oder Preßbottiche mit entsprechenden Löchern gefüllt oder zwischen gelochte Metallplatten gebracht.

Fig. 1. Kniehebelpresse.
Fig. 1. Kniehebelpresse.

Bei den Hebelpressen wirkt ein einarmiger Hebel (Preßbaum) direkt auf die Preßplatte und zwar durch angehängte Gewichte, Steine oder auch durch Keil-, Schrauben- oder Handdruck (Siegelpresse), oder ein sogen. Kniehebel (Fig. 1) in Verbindung mit einer Schraube. Man erkennt an dieser Obstpresse (Kelter) bei H den Helm, bei W das Widerlager und bei D runde Stangen zur Verbindung von H und W. Die an D geführte Preßplatte P drückt mittels einer größern Platte auf das in den Bottich B geschüttete Preßgut und empfängt ihren Druck durch den doppelten Kniehebel d d1, der von dem Handrad b aus durch die linksrechte Schraube c angetrieben wird. Um die außerordentlich kräftige Wirkung der Kniehebel erst später als eine Kraftsteigerung zu benutzen, wird bei Beginn des Pressens der ganze Hebelapparat durch das Drehkreuz a mit Mutter längs der oben mit Schraube versehenen Stange D abwärts bewegt und erst, wenn der Widerstand es fordert, der Kniehebelapparat in Tätigkeit gesetzt. Zum Auffangen der ausgepreßten Flüssigkeit ist das Widerlager mit einem Teller T versehen. Oft erhält diese Kniehebelpresse eine horizontale Lage und an jedem Ende einen Preßbottich. Am häufigsten finden Schraubenpressen (Spindelpressen) Anwendung, weil die Schraube (Preßspindel) mit einer großen Kraftübersetzung die einfachste Anlage gestattet. Sie werden direkt mit der Hand, wie bei einem Schraubstock, oder indirekt von einer Transmission aus betrieben. Der Helm H (Fig. 2) ruht auf vier gußeisernen Säulen s, durch die vier schmiedeeiserne Stangen gehen, die unter dem gußeisernen Widerlager W verkeilt und über dem Helm durch Mutterschrauben angezogen werden. Die Preßspindel S trägt drehbar die Preßplatte P, geht durch die Mutter m und wird durch das Rad R gedreht, das durch die Räder r, 1, 2, 3 und 4 von dem Speichenrad K aus die Bewegung mit großer Kraftübersetzung erhält. R sitzt auf einer drehbaren Büchse, die mit Keil in eine längs der Spindel hinlaufende Nute eingreift. Das auswechselbare Gefäß F dient zur Aufnahme des Preßgutes. Wird die Spindel S durch ein über der Preßplatte angebrachtes Handrad (punktiert) gedreht, so fällt die ganze Transmission R, r, 1, 2, 3, 4, K fort.

Fig. 2. Schraubenpresse.
Fig. 2. Schraubenpresse.

Um Gegenstände auf einen bestimmten Raum zusammenzupressen, z. B. Garn in Strähnen zu Bündeln, beim Prägen von Münzen, Medaillen, muß die Preßplatte eine begrenzte Bewegung erhalten; in solchen Fällen verwendet man außer dem Kniehebel noch Exzenter oder Kurbeln zur Bewegung der Platte, wenn die Widerstände klein sind.

Keilpressen wurden früher zur Ölgewinnung aus Samen benutzt, sind jetzt aber durch hydraulische Pressen fast verdrängt. Eine Keilpresse besteht aus einem Kasten mit aufrecht stehenden Preßplatten, zwischen denen sich die gefüllten Preßbeutel befinden, und die durch Keile zusammengeschoben werden, die herunterfallende Klötze einschlagen (Ölschlagen), wobei das Öl durch Löcher in den Platten abläuft. Zur Erwärmung leitet man Dampf in die zu diesem Zweck hohl hergestellten Preßplatten.

Die Walzenpressen bestehen aus zwei horizontal oder schräg nebeneinander gelagerten Walzen, denen das Preßmaterial von oben zufällt; sie wirken infolge der Walzendrehung kontinuierlich und finden hauptsächlich Verwendung in der Zucker-, Kautschuk- und Linoleumfabrikation. – Hierher gohören auch die Schnecken- oder Schraubenpressen zum Auspressen von Obst u. dgl., bei denen das pressende Organ aus einem mit groben Schraubengängen versehenen Kegel besteht, der in einem kegelförmigen Gehäuse[283] gedreht wird. Für die größten Pressungen verwendet man fast nur die hydraulische Presse (s. d.).

Buchdruckpresse.

In der Buchdruckerei dient die P. zur Erzeugung der Abdrücke des Typensatzes auf Papier. Die erste Abbildung einer Buchdruckpresse gibt um 1500 das Druckerzeichen des Pariser Buchdruckers Jodocus Badius; es zeigt die Holzpresse, wie sie nahezu von gleicher Gestalt und Einrichtung noch viertehalb Jahrhunderte nach der Erfindung gebraucht worden ist. Das Gestell besteht aus zwei senkrechten, durch einen obern Querbalken (Krone) verbundenen Seitenwänden (Wangen); ein unterer Verbindungsbalken trägt die Schienen, auf denen der Karren, d. h. der die Druckform tragende Teil der P., mit Fundament (einer glatten Eisenplatte), Deckel und Rähmchen vermittelst Kurbel und Treibgurt in und aus der P. gedreht (ein- und ausgefahren) wird. Der Druck wird ausgeübt durch den Tiegel, dieser aber, eine Platte aus Metall (an den ältesten Pressen aus Holz), hängt an Hakenstangen horizontal am untern Ende einer mächtigen Schraube, der Preßspindel, die in zwei zwischen den Preßwänden befindlichen innern Verbindungsbalken läuft, von denen der obere in Zapfenlöchern mit elastischen Lagern ruht, während der untere (die Brücke) feststeht; sie ist oben umfaßt von einer kräftigen Schraubenmutter, unten übt sie mit gehärteter Stahlspitze ihren Druck auf die Mitte des Tiegels in einer Pfanne aus. Von der Mitte der Spindel steht wagerecht ab ein starker eiserner Hebel mit Holzgriff (Bengelscheide) und Schwungkugel, der Preßbengel; dessen Heranziehen bewirkt den Niedergang des Tiegels, resp. die Ausübung des Druckes. Der Deckel, in den der zu bedruckende Bogen eingelegt wird, sitzt in Gewinden am Karren, ebenso das den Bogen festhaltende Rähmchen an ersterm; im Deckel aber werden durch Schraubenköpfe die Punkturen, an gabelartigen, verstellbaren Eisen befindliche Stahlspitzen, gehalten, in die man die Bogen vor dem Druck einsticht, um beim Druck der zweiten Form (des Widerdrucks) Register halten zu können, d. h. der Druck muß so erfolgen, daß die Druckseiten der einen und der andern Seite des Papiers sich durchaus decken. Das Rähmchen soll dieses auch vor dem Beschmutzen an den weiß bleibenden Stellen schützen; es wird deshalb vor Beginn des Druckes ganz mit Papier beklebt, und nur diejenigen Stellen werden ausgeschnitten, die auf dem Bogen wirklich bedruckt werden sollen. Zur P. gehört der Farbtisch, auf dem die Farbe dünn ausgestrichen und mit der Walze verrieben, dann aber auf die Form durch wiederholtes Überrollen mit der Walze »aufgetragen« wird.

Eine fast in allen Teilen aus Eisen konstruierte P. schuf zuerst der Schriftgießer Wilhelm Haas (1772) in Basel, und sein gleichnamiger Sohn und Nachfolger verbesserte sie. Die Haassche P. war einem Prägewerk nachgebildet, und wie bei diesem befand sich der den Druck vermittelnde Bengel oberhalb des gußeisernen Preßgestells. Charles Stanhope baute um 1800 mit Hilfe des Technikers Walker eine P. ganz aus Eisen, deren kräftig wirkender Mechanismus den Druck einer Form mit einem einzigen Zug, mit einer Hand ausgeführt, gestattete, während die Holzpresse deren zwei und das Ziehen des Bengels bei größern Druckformen mit beiden Händen erforderte. Friedrich König erfand die Schnellpresse (s. d.), die zuerst der Handpresse nachgebildet, jedoch mit mechanischer Färbung und ebensolchem Betrieb versehen war. Bei der sehr kräftig wirkenden Columbiapresse (1817) des Amerikaners George Clymer war die Schraubenspindel durch ein kombiniertes Hebelwerk ersetzt und die P. selbst zum Druck der schwersten Formen geeignet gemacht, die Arbeit aber dem Drucker durch den vortrefflich konstruierten Mechanismus wesentlich erleichtert. Zu allgemeiner Aufnahme gelangten die Pressen der Amerikaner W. Hagar und S. Ruft, die Hagarpresse und die Washingtonpresse, erstere zuerst in Deutschland von Christian Dingler in Zweibrücken gebaut und nach ihm Dinglerpresse genannt. Sie übt den Druck durch Geradestellung eines oder mehrerer Knie beim Anziehen des Bengels aus und wirkt sehr kräftig bei einfachster Konstruktion. Die gleichen Prinzipien liegen den von zahlreichen andern Fabrikanten gebauten Pressen zugrunde, und auch die Albionpresse, jetzt in England allgemein verbreitet und zuerst erbaut von R. C. Cope, ist nur eine vereinfachte und verbesserte Hagarpresse. Die Schnellpressen und Akzidenzmaschinen haben den Handpressen eine sehr beschränktes Arbeitsgebiet gelassen, sie werden vielfach nur noch zum Abziehen von Korrekturen benutzt.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 283-284.
Lizenz:
Faksimiles:
283 | 284
Kategorien:

Buchempfehlung

Lessing, Gotthold Ephraim

Philotas. Ein Trauerspiel

Philotas. Ein Trauerspiel

Der junge Königssohn Philotas gerät während seines ersten militärischen Einsatzes in Gefangenschaft und befürchtet, dass er als Geisel seinen Vater erpressbar machen wird und der Krieg damit verloren wäre. Als er erfährt, dass umgekehrt auch Polytimet, der Sohn des feindlichen Königs Aridäus, gefangen genommen wurde, nimmt Philotas sich das Leben, um einen Austausch zu verhindern und seinem Vater den Kriegsgewinn zu ermöglichen. Lessing veröffentlichte das Trauerspiel um den unreifen Helden 1759 anonym.

32 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon