Merkur [1]

[639] Merkur (lat. Mercurius), der italische Handelsgott, als solcher früh mit dem griech. Hermes (s. d.) identifiziert, dessen Abkunft und übrige Eigenschaften dann auf ihn übergingen. In Rom wurde ihm als Beschützer des Kornhandels ein öffentlicher Kult zuerst 495 v. Chr. durch Weihung eines Tempels am Circus maximus eingerichtet gleichzeitig mit der Stiftung einer Zunft der Kaufleute, deren Mitglieder mercuriales hießen.

Mercurius (Relief einer Silbervase in Neuwied).
Mercurius (Relief einer Silbervase in Neuwied).

Am Stiftungstag des Tempels und der Zunft, 15. Mai, opferten die Kaufleute dem Gott nebst seiner Mutter Maja (s. d.). Mit dem römischen Handel verbreitete sich später der Merkurdienst weit nach Westen und Norden, wovon zahlreiche, den Gott mit Schlangenstab und Säckel darstellende kleine Bronzen Zeugnis ablegen (s. Abbildung). Darstellungen aus der neuern Kunst s. auf Tafel »Bildhauerkunst IX«, Fig. 14 (Sansovino), und Tafel X, Fig. 9 (Giovanni da Bologna). – Die Alchimisten bezeichneten mit dem Namen M. alles Flüchtige, z. B. Mercurius communis, Quecksilber, M. vegetabilis, Weingeist, etc. Gegenwärtig versteht man unter M. oder M. vivus ausschließlich das Quecksilber und in Zusammensetzungen Quecksilberpräparate, z. B. M. dulcis, Kalomel; M. praecipitatus per se, rotes Quecksilberoxyd, etc.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 13. Leipzig 1908, S. 639.
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