Leiningen [1]

[373] Leiningen, ein mediatisiertes deutsches Grafengeschlecht, deren Besitzungen ursprünglich aus der alten Grafschaft L. im Wormsgau bestanden, zu der später Erwerbungen im Speyergau, Elsaß (Dagsburg), in Lothringen (Aspremont) etc. kamen. Der erste Graf von L., der mit Bestimmtheit genannt wird, war Emiko, der 1096 eine rohe Schar von Kreuzfahrern nach dem Morgenlande zu führen suchte, aber schon in Ungarn zur Umkehr genötigt wurde. Bereits 1220 erlosch das Geschlecht mit dem Grafen Friedrich (Minnesinger) im Mannesstamm. Die Erbtochter Liutgard vermählte sich mit dem Grafen Simon von Saarbrücken, und ihr dritter Sohn, Friedrich (1220–37), erbte die Leiningischen Besitzungen und nahm den Namen und das Wappen der alten Grafen[373] von L. an. Nach 1234 erbte Graf Friedrich III. von L. von seinem Bruder Simon die Grafschaft Dagsburg im Wasgau. Friedrichs IV. Söhne Friedrich V. und Jofried (Gottfried) teilten 1317 und 1318 die Leiningischen Güter und gründeten die beiden Hauptlinien des Hauses: die ältere und die jüngere. Von der ältern Linie erhielt Hesso 1444 vom König Friedrich III. die Würde eines gefürsteten Landgrafen, doch starb diese Linie mit Hesso selbst 1467 aus. Hierauf bemächtigte sich seine Schwester Margarete, die Witwe Reinhards, Herrn zu Westerburg, des größten Teiles der Besitzungen, nahm für sich und ihre Nachkommen den Namen der Grafen von L. an und wurde dadurch die Gründerin des Hauses L.-Westerburg (s. unten). Die jüngere, von ihrem Stifter Jofried auch die Jofriedsche Linie genannt, führte nach Hessos Tode den Namen L.-Dagsburg. 1560 teilten die Söhne Emichs IX. von L.-Dagsburg (1498–1541) die väterlichen Besitzungen und gründeten die Linien L.-Dagsburg-Hartenburgu. L.-Dagsburg-Falkenburg. Die erstere, evangelischer Konfession, gegründet von Johann Philipp (1539–1562), wurde 1779 in den Reichsfürstenstand erhoben, verlor aber im Lüneviller Frieden ihre auf dem linken Rheinufer gelegenen Besitzungen, etwa 660 qkm, und wurde dafür durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 durch Besitzungen im Mainzischen (Miltenberg, Amorbach, Bischofsheim etc.), Würzburgischen (Hardheim, Lauda, Rippberg) und in der alten Rheinpfalz (Mosbach und Boxberg) entschädigt. Die neuen zusammenhängenden Besitzungen, nahe an 1600 qkm, wurden zu einem Fürstentum vereinigt und durch die Rheinbundsakte von 1806 als Standesherrschaft der Oberhoheit Badens unterworfen. 1810 kamen die Ämter Miltenberg und Amorbach unter hessische, 1816 unter bayrische Souveränität; ein kleiner Teil der Besitzungen blieb unter hessischer Oberhoheit. Jetzige Residenz ist Amorbach, im Sommer Schloß Waldleiningen in Baden. Fürst Karl Friedrich Wilhelm Emich, geb. 12. Sept. 1804, folgte seinem Vater Emich Kar 11814 unter der Vormundschaft seiner Mutter Maria Luise Viktorie, Prinzessin von Sachsen-Koburg, die sich nachmals mit dem Herzog von Kent verheiratete, durch den sie Mutter der Königin Viktoria von Großbritannien wurde. Fürst Karl war bayrischer General der Kavallerie, vom 9. Aug. bis 5. Sept. 1848 Präsident des Reichsministeriums und starb 13. Nov. 1856 in Amorbach. Gegenwärtiges Haupt der fürstlichen Linie ist Fürst Emich zu L., geb. 18. Jan. 1866, königlich preußischer Hauptmann à la suite der Armee, vermählt mit Feodora, Prinzessin zu Hohenlohe-Langenburg, einer Tochter des jetzigen Statthalters von Elsaß-Lothringen. Die zweite Linie, L.-Dagsburg-Falkenburg, blieb gräflich und zerfiel 1657 in die Unterlinien L.-Heidesheim, L.-Dagsburg und L.-Guntersblum. Die erste erlosch im Mannesstamm 1766, die zweite 1708; die letzte, die 1774 ebenfalls im direkten Mannesstamm ausstarb, besteht noch in den Nebenzweigen L.-Guntersblum und L.-Heidesheim, die sich gegenwärtig nach den Gütern, die sie durch den Reichsdeputationshauptschluß zur Entschädigung erhielten, L.-Billigheim und L.-Neudenau nennen. Auch sie wurden durch die Rheinbundsakte als Standesherren der Oberhoheit Badens unterworfen. Das jetzige Haupt von L.-Billigheim ist Graf Emich, geb. 24. April 1839, päpstlicher Rittmeister a. D. und Ehrenbürger von Rom, von L.-Neudenau Gräfin Maria zu L.-Neudenau, geb. 23. Mai 1877, beide katholisch. Die Hauptlinie L.-Westerburg (ursprünglicher Besitz der Herren zu Westerburg die Herrschaften Westerburg auf dem Westerwalde und Schadeck an der Lahn), von Margarete von Westerburg abstammend, ebenfalls gräflich, zerfiel 1695 in die Speziallinien Alt-L.-Westerburg und Neu-L.-Westerburg. Die erstere besitzt die Standesherrschaft Ilbenstadt unter hessischer Hoheit sowie die Hälfte der Herrschaft Westerburg und der Herrschaft Schadeck, die letztere die andre Hälfte von Westerburg und Schadeck unter preußischer Hoheit. Familienhaupt der Linie Alt-L.-Westerburg ist Graf Friedrich, geb. 30. Dez. 1852, der Linie Neu-L.-Westerburg Graf Karl, geb. 8. April 1863. Vgl. Lehmann, Urkundliche Geschichte des gräflichen Hauses L.-Hartenburg und Westerburg (Kaiserslautern); »Stammtafel des mediatisierten Hauses L.« (hrsg. vom Verein deutscher Standesherren, 1885); Joseph, Die Münzen des Hauses L. (Wien 1884); Brinckmeier, Genealogische Geschichte des Hauses L. (Braunschw. 1890–91, 2 Bde.). Das Wappen des fürstl. Hauses L. s. auf Tafel »Bücherzeichen I«, Fig. 6.

Quelle:
Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 373-374.
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